Schilddrüsenunterfunktion

Eine Schilddrüsenunterfunktion oder auch Hypothyreose ist bekannt dafür, dass in der Schilddrüse zu wenig Hormone gebildet werden. Bekannt ist auch, dass in der Schilddrüse alle Hormone für die Stoffwechselvorgänge gebildet werden und daher lebensnotwendig ist. Sinkt die Produktion von Hormonen, nimmt die Leistungsfähigkeit des Menschen rasch ab.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Schilddrüsenunterfunktion?

Infogramm zur Anatomie und Lage der Schilddrüse, sowie die Symptome bei Schilddrüsenüber- und Unterfunktion. Bild anklicken, um zu vergrößern.

Die Schilddrüsenunterfunktion ist eine weltweit verbreitete Krankheit. Trotzdem ist vielen Unbetroffenen die Bedeutung der Schilddrüse unbekannt. Die Schilddrüse ist ein lebenswichtiges Organ, das unterhalb des Kehlkopfes sitzt und die Kontrolle des gesamten Stoffwechsel des Menschen übernimmt. Dies geschieht durch die Bildung der beiden Schilddrüsenhormone Thyroxin und Trijodthyronin. Das Aussehen der Schilddrüse gleicht einem Schmetterling, da sie einen rechten und linken Lappen hat, die in der Mitte miteinander verbunden sind. Ihr Gewicht liegt bei Erwachsenen zwischen 20 und 60 Gramm.

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion, in der Fachsprache Hypothyreose genannt, bildet die Schilddrüse zu wenige oder sogar keine Hormone. Das Fehlen der Schilddrüsenhormone im menschlichen Körper hat eine Verlangsamung aller Stoffwechselvorgänge und sinkende Leistungsfähigkeit zu Folge. Besonders gefährlich ist die Schilddrüsenunterfunktion bei Kindern, da diese die körperliche und geistige Entwicklung verzögern kann, denn die Schilddrüsenhormone sind bereits beim Embryo für die Entwicklung und Reifung des Körpers, insbesondere des Gehirns zuständig.

Zur Herstellung der Hormone benötigt die Schilddrüse Iod (Jod), das über die Nahrung aufgenommen wird. Beim Erwachsenen steuert die Schilddrüse neben dem Stoffwechsel unter anderem auch die Herzfrequenz und die Körpertemperatur.

Ursachen

Es gibt unterschiedliche Ursachen für eine Schilddrüsenunterfunktion. So kann sie bereits angeboren, oder aber wahrscheinlicher, durch eine Störung des Schilddrüsengewebes ausgelöst werden.

Die Schilddrüsenunterfunktion wird also zunächst unterschieden in eine angeborene und erworbene Schilddrüsenunterfunktion. Bei der erworbenen gibt es wiederum zwei Formen: die Schilddrüsenunterfunktion, die durch Iodfehlverwertung oder zu wenig Jod entsteht, oder die Hypothyreose, die aufgrund von Erkrankungen, Strahlentherapien oder Operationen einen Mangel an Schilddrüsengewebe aufweist.

Trotz der verschiedenen Formen und Ursachen sind die Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion gleich: Die Betroffenen sind häufig müde, antriebsschwach und depressiv verstimmt. Auch Appetitlosigkeit, mangelndes Durstgefühl und Gewichtszunahmen sind Folgen der Schilddrüsenunterfunktion.

Trockene und spröde Haut sowie brüchiges Haar können ebenfalls Anzeichen dieser Krankheit sein. Durch den verlangsamten Stoffwechsel verlangsamt sich auch der Puls und die Körpertemperatur sinkt, wodurch die Kälteempfindlichkeit steigt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Ein Mangel an Schilddrüsenhormonen wirkt sich auf verschiedene Organe aus und kann daher zu den unterschiedlichsten Symptomen führen. Diese können körperlicher und psychischer Art sein. Zu den häufigsten Anzeichen für eine Schilddrüsenunterfunktion zählt Müdigkeit mit einem erhöhten Schlafverlangen, Teilnahmslosigkeit und Antriebslosigkeit. Die Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann sich auch als Konzentrationsstörungen, Gedächtnisschwäche oder Verlangsamung der Reflexe darstellen.

Diese Anzeichen werden bei älteren Menschen oftmals erst sehr spät als Hinweise auf eine Schilddrüsenunterfunktion erkannt. Außerdem können depressive Verstimmungen und erhöhtes Desinteresse auftreten. Ebenso können Frieren (Kälteempfindlichkeit) und eine blasse Haut als Anhaltspunkte für eine Schilddrüsenunterfunktion infrage kommen. Die Funktionsstörung kann ebenfalls zur Gewichtszunahme, einem erhöhten LDL-Wert im Blut sowie zu Schmerzen und Muskelschwäche führen.

Da der Körper aufgrund der Schilddrüsenunterfunktion nur noch „auf Sparflamme läuft“, werden Haare und Fingernägel brüchig. Hautprobleme können entstehen. Es kann zu einem Anschwellen des Unterhautbindegewebes, insbesondere an den Augenlidern kommen. Außerdem können Stimme und Sprache in Mitleidenschaft gezogen werden.

Eine Schilddrüsenunterfunktion kann zur Verminderung des sexuellen Lustempfindens und der männlichen Potenz führen. Verstopfungen und Appetitlosigkeit zählen ebenfalls zu den Anzeichen für einen verlangsamten Stoffwechsel aufgrund einer Schilddrüsenunterfunktion. Als Symptome können auch Durchblutungsstörungen auftreten. Eine länger bestehende unbehandelte Schilddrüsenunterfunktion kann eine Verlangsamung des Herzschlags verursachen. Ebenso kann es zu einer Herzmuskelschwäche kommen.

Krankheitsverlauf

Wird eine Schilddrüsenunterfunktion nicht behandelt oder bei Kleinkindern zu spät diagnostiziert, kann durch den Mangel an Hormonen eine geistige und körperliche Behinderung die Folge sein. Bei Erwachsenen werden insbesondere die Organe in ihrer Funktionalität beeinträchtigt. Auffällige Symptome sind dabei Kälteempfindlichkeit, trockene Haut, Gewichtszunahme, verlangsamten Puls und Antriebsarmut.

Komplikationen

Eine angeborene Hypothyreose, welche nicht behandelt wird, verläuft mit erheblichen Komplikationen und das bereits im Säuglingsalter. Die Diagnose gilt innerhalb der Embryonalentwicklung als eine Sonderform der nicht korrekt ausgebildeten Schilddrüse. Der Grund hierfür könnte auf eine mangelnde Jodunterversorgung der Mutter zurückgeführt werden.

Versäumt die werdende Mutter die ärztlichen Ratschläge während der Schwangerschaft sowie das gesetzlich vorgeschriebene Neugeborenenscreening, riskiert sie das Leben und die gesunde Entwicklung des Kindes. Die angeborene Hypothyreose kann eins von 3.000 Neugeborenen treffen. Die Frühdiagnose vermeidet Komplikationen wie zahlreiche Entwicklungsdefizite, welche das Kind zum Pflegefall werden lassen.

Eine Fehlentwicklung der Schilddrüse beeinträchtigt die geistige Reife, das gesamte Körperwachstum, die Psychomotorik sowie die Knochenbildung. Ebenfalls massiv beeinträchtigt werden die Hörfähigkeit und die Atmung.

Erfolgt innerhalb von 14 Tagen nach der Geburt eine gezielte Medikation, lassen sich viele der körperlichen sowie geistigen Folgeschäden vermeiden. Irreversible Defizite können umgangen werden. Verweigert die Mutter jegliche medizinische Hilfe, kann sich der Zustand des Kleinkindes derart verschlechtern, dass infolge der Schilddrüsenunterfunktion ein Myxödem-Koma droht.

Bei letzterem bilden sich Wasseransammlungen unter der Haut des Kindes und schwemmen diese auf, insbesondere im Bereich der Gliedmaßen und des Gesichtes. Wird diese lebensbedrohliche Komplikationsform nicht sofort behandelt, kann das Kind dem Myxödem erliegen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Sind bestimmte Symptome länger anhaltend, sollte in jedem Falle ein Arzt aufgesucht werden. Es ist wichtig, dass der Hausarzt andere Diagnosen ausschließt, um die Erkrankung professionell zu behandeln. Werden öfter Schwächegefühle oder große Gewichtszunahmen ohne Grund festgestellt, liegt der Verdacht einer Schilddrüsenunterfunktion nahe.

Der Facharzt für diese hormonelle Erkrankung ist der Endokrinologe. Der Endokrinologe sollte nur aufgesucht werden, wenn der Hausarzt der Überzeugung ist, dass die Schilddrüse gründlich untersucht werden sollte. Wenn bei einer normalen Blutkontrolle der Schilddrüsenwert nur mäßig gering ist, ist es nicht notwendig einen Facharzt aufzusuchen. Befinden sich jedoch Werte in einem sehr kritisch niedrigen Bereich, wird eine Untersuchung bei einem Endokrinologen unausweichlich. Auch bei anderen kritischen Werten, sollte der Facharzt aufgesucht werden. Dies gilt aber nur für die Werte, die weit unter der Norm liegen.

Behandlung & Therapie

Die Schilddrüsenunterfunktion sollte möglichst früh behandelt werden. Die Behandlung erfolgt meist medikamentös durch die Gabe von künstlichem Thyroxin. Dieses ist am besten geeignet, um die Schilddrüse bei ihrer Arbeit zu unterstützen, da es vom Körper nicht so schnell abgebaut wird. Eine Heilung der eigentlichen Ursachen der Schilddrüsenunterfunktion war bislang nicht möglich, Medikamente können lediglich die Auswirkungen wirkungsvoll verringern.

Bei der Therapie ist also zunächst die Feststellung der Krankheit durch eine Blutentnahme essentiell. Danach wird die Therapie in der Regel durch Medikamente beeinflusst, die als Hormonersatz fungieren. Wird die Dosierung richtig eingestellt und der Patient hält sich an die Einnahme kann die Leistungsfähigkeit wieder auf einen Normalzustand zurück kehren. Somit ist keine Lebensgefahr für den Patienten gegeben.

Dabei beginnt die Therapie mit einer niedrigen Hormon-Dosierung, welche stufenweise erhöht wird, bis die gewünschte Wirkung erreicht wird. Die Medikamente müssen morgens auf nüchternem Magen eingenommen werden. Anhand einer Blutentnahme sollte jährlich der Stoffwechsel überprüft werden. Mit der richtigen Behandlung können Betroffene meist ein ganz normales Leben führen, die Leistungsfähigkeit und Lebenserwartung wird dann durch die Schilddrüsenunterfunktion nicht eingeschränkt. Die am weitesten verbreitete Nebenwirkung dieser Hormontherapie ist eine Gewichtszunahme.

Vorbeugung

Eine Schilddrüsenunterfunktion kann nicht direkt vorgebeugt werden. Kam bereits eine Schilddrüsenunterfunktion vor, ist eine lebenslange Hormonbehandlung notwendig. Richtig vorbeugen kann man einer Schilddrüsenunterfunktion also in der Regel nicht, da die Ursachen recht unterschiedlich sein können und meist nicht durch äußerliche Faktoren beeinflusst sind.

Eine lebenslange Hormonbehandlung hilft die Symptome dieser Krankheit zu bekämpfen. Sollte die Schulddrüsenunterfunktion lediglich durch einen Jodmangel verursacht worden sein, kann die konsequente Verwendung jodierter Speisesalze die Jodversorgung verbessern. Da insbesondere Seefisch viel Jod enthält, sollt dieser zweimal wöchentlich Seefisch auf dem Speiseplan stehen. Die zusätzliche Einnahme von Jodpräparaten kann ebenfalls zur Deckung des täglichen Jodbedars beitragen.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Das können Sie selbst tun

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion ist eine ärztliche Behandlung notwendig. Begleitend dazu muss die Ernährung umgestellt werden. Patienten sollten sich gesund und ausgewogen ernähren. Anstelle von verarbeiteten Lebensmitteln werden am besten selbst gekochte Mahlzeiten aus frischen Zutaten verzehrt. Die Speisen sollten vor allem Zink und Selen enthalten. Beide Stoffe können über Nahrungsergänzungsmittel zugeführt werden, wenn die Ernährung den täglichen Bedarf nicht deckt. Außerdem bieten sich Hülsenfrüchte, Milchprodukte, Fleisch und Fisch an.

Zudem sollten die Vitamine B12, A, E und D in ausreichenden Mengen verzehrt werden. Patienten sollten einen regelmäßigen Schlaf pflegen. Ein guter Schlafrhythmus trägt zu einem ausgewogenen Immunsystem und dadurch zu einer stabilen Schilddrüse bei. Als Faustregel gelten acht Stunden Schlaf, die mit einer gleichbleibenden Routine verbunden werden sollten.

Daneben gilt regelmäßige Bewegung. Sport und ein aktiver Lebensstil lindern die körperlichen und psychischen Beschwerden, die mit einer Schilddrüsenunterfunktion einhergehen. Ebenso wichtig sind regelmäßige Auszeiten, damit der Körper ausreichend Zeit zur Erholung hat. Vor allem nach stressigen Phasen sind Ruhephasen essenziell. Die ärztlichen Kontrollbesuche sollten weiterhin beibehalten werden. Zudem muss der Mediziner über etwaige Beschwerden und Symptome informiert werden.

Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

Von Ärzten geprüft und nach hohen wissenschaftlichen Standards verfasst
Dieser Artikel wurde anhand medizinischer Fachliteratur, aktuellen Forschungsergebnissen und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Autor

Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 4. Oktober 2018

Mein Name ist Dr. med. Albrecht Nonnenmacher. Ich bin leitender Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

lisbeth26 kommentierte am 29.10.2011

Als ich 50 Jahre alt war, war ich eine kranke Frau und total schwach. Dazu zwei Beispiele:
Ein Kopfkissen aufzuschütteln war mir zu schwer - ich konnte nicht rufen, nur mittellaut sprechen. - Mir wurde ein Herzmedikament mit Digitalis verschrieben.
Im Freundeskreis wurde mir ein Internist als "bester Diagnostiker" empfohlen. Gleich beim ersten Besuch "tippte" er auf eine kranke Schilddrüse. (Die Laboruntersuchung ergab T3 und T4 Werte in Höhe von 0,4x und 0,8x) Der Röntgenologe sagte, meine Schilddrüse sei so klein wie bei einer Neunzigjährigen.
Der Internist verschrieb mir eine über Monate hinweg steigende Dosis Thyroxin25 bis schließlich 150, aber keine Herzmedikamente mehr. Ich bin diesem Arzt unendlich dankbar, von 1968 bis 2002 war ich seine Patientin - und mit 85 Jahren eine gesunde alte Frau.

sanny77 kommentierte am 15.05.2012

Ich habe eine Schilddrüsenunterfunktion und nehme Thyronajod 100! Mein Körper kämpft gegen die Schilddrüse an und will sie abstoßen. So hat man mir das erklärt. Ich bin manchmal immer noch unendlich müde und kaputt, dass belastet schon ganz schön. Mein Arzt kontrolliert regelmäßig mein TSH Wert und stellt mein Thyronajod danach ein.

Simmi38 kommentierte am 12.01.2014

Es ist wohl zu spät, Sanny77 zu kommentieren. Dennoch möchte ich darauf hinweisen, dass eine extra Dosis Jod die Erkrankung nur verschlimmert. Ärzte sollten sich regelmäßig fortbilden, damit sie den Patienten helfen und die Krankheit nicht verschlimmern. Diese Erkrankung bei der das Schilddrüsenleiden den Körper zerstört, nennt man Hashimoto Thyreoiditis.

Bremen kommentierte am 13.07.2015

Ich bin als Patient 91 Jahre alt. Ich habe SDUF. Ich nehme 25 Mikrogramm Thyroxin täglich. Jetzt sind Ödeme an den Unterschenkeln aufgetreten. Soll ich die Dosis erhöhen?