Sindbis-Fieber

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 23. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

Sie sind hier: Startseite Krankheiten Sindbis-Fieber

Das Sindbis-Fieber wird durch das Sindbis-Virus hervorgerufen, das vor allem in Nordeuropa und in einigen afrikanischen Ländern durch Stechmücken übertragen wird.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Sindbis-Fieber?

Sindbis Fieber
Das menschliche Immunsystem kann einer Infektion mit Sindbis-Viren gewöhnlich gut begegnen, so dass in vielen Fällen eine spezielle Therapie nicht erforderlich ist. Gewöhnlich bilden sich die Krankheitssymptome nach einigen Wochen ohne bleibende Schäden von selbst zurück.
© corlaffra – stock.adobe.com

Das Sindbis-Fieber ist eine Viruskrankheit, die grippeähnliche Symptome auslöst. Sie führt schließlich zu Gelenkentzündungen sowie häufig zu Hautausschlägen und ruft in Einzelfällen eine Enzephalitis (Gehirnentzündung) hervor.

In vielen Fällen verläuft das Sindbis-Fieber jedoch unauffällig. Das Virus konnte außerhalb von Afrika auch in Europa (vor allem in Skandinavien), Asien und Australien sowohl bei Menschen als auch bei Mücken nachgewiesen werden. In Deutschland wurde erstmals im Jahr 2009 ein Erkrankungsfall bestätigt.

Sindbis-Fieber geht regelmäßig mit Gelenkentzündungen einher; die Bezeichnung „Epidemische Polyarthritis“ steht dagegen für die vom verwandten Ross-River-Virus ausgelöste Erkrankung. Das Sindbis-Virus existiert in sechs verschiedenen Ausprägungen, die sich allerdings recht ähnlich sind. Unterarten des Sindbis-Fiebers tragen die Bezeichnungen Ockelbo-, Karelisches und Pogosta-Fieber. Das Ockelbo-Fieber wurde erstmals 1982 in Schweden nachgewiesen und tritt auch in Finnland und im Westen Russlands auf.

Ursachen

Verursacht wird das Sindbis-Fieber durch das gleichnamige Virus, das vor allem in Wirtsvögeln lebt. Die Erreger werden durch nachtaktive Mücken der artenreichen Gattung Culex übertragen, von denen in Mitteleuropa 16 Arten beheimatet sind und zu der auch die weit verbreitete „Gemeine Stechmücke“ (Culex pipiens) gehört. Dagegen ist eine Infizierung zwischen Menschen nicht möglich.

Vögel sind die hauptsächlichen Wirte des Sindbis-Virus. Nach Europa scheint das Virus nicht nur durch infizierte Reisende, sondern vor allem auch durch Zugvögel eingeschleppt worden zu sein.

Das 1952 im nordägyptischen Dorf Sindbis entdeckte Sindbis-Virus gehört zu den zwischen 60 und 70 Nanometer großen, sog. Alphaviren, bei denen es sich um umhüllte RNA-Viren handelt, die sich im Zytoplasma einer Zelle vermehren und wegen ihrer Übertragung durch Mücken auch als Arboviren bezeichnet werden.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Sindbis-Fieber äußert sich zunächst durch Fieber. Drei bis elf Tage nach der Infektion tritt ein zunehmendes Unwohlsein auf, das oft von Kopf- und Gelenkschmerzen und einer starken Müdigkeit begleitet wird. Im Allgemeinen ist das Sindbis-Fieber mit einer starken Abgeschlagenheit verbunden. Betroffene Personen sind geistig und körperlich weniger leistungsfähig und benötigen regelmäßig Ruhepausen.

Viele Patienten klagen außerdem über Augenschmerzen, zurückzuführen auf eine Bindehautentzündung, welche die Augen im weiteren Verlauf lichtempfindlicher macht. Die Gelenkschmerzen sind zu Beginn nur schwach ausgeprägt, werden im Verlauf der Erkrankung jedoch stärker. Sie treten vorwiegend an den Hand-, Finger- und Fußgelenken auf.

Mit dem Fortschreiten der Viruserkrankung stellt sich ein Hautausschlag ein. Die Hautveränderungen treten zunächst an den Oberschenkeln auf und breiten sich anschließend auf die Fußsohlen und Handflächen aus. Selten sind von dem Hautausschlag auch Rachen- und Mundschleimhaut betroffen. Das eigentliche Fieber verläuft in Schüben.

So gehen die Beschwerden nach einer Woche scheinbar zurück, nur um nach drei bis fünf Tagen erneut aufzutreten. In einem Teil der Fälle kann sich das Sindbis-Fieber zu einer chronischen Erkrankung entwickeln, bei der Gelenkbeschwerden und Hautveränderungen dauerhaft bestehen bleiben.

Diagnose & Verlauf

Die Inkubationszeit (der Zeitraum zwischen Infizierung und dem Auftreten der ersten Krankheitssymptome) liegt bei Sindbis-Fieber zwischen drei und elf Tagen.

Zunächst treten bei Sindbis-Fieber Kopfschmerzen auf. Später kommt es zu Gelenkbeschwerden, von denen vor allem die Finger-, Hand- und Fußgelenke betroffen sind. Die Patienten fühlen sich abgeschlagen und ermüdet.

Schließlich entstehen Hautrötungen und Bläschen auf der Haut. In den ersten Krankheitstagen zeigen sich diese Hautveränderungen am Rumpf und an den Oberschenkeln und in einem späteren Krankheitsstadium auch an Handflächen und Fußsohlen.

Die Fieberentwicklung verläuft in zwei Schüben (biphasisch): Nach einem ersten Fieberschub ist ein Temperaturrückgang feststellbar, bevor es zu einer weiteren Temperaturerhöhung kommt.

Bei einzelnen Sindbis-Erkrankungen tritt Übelkeit und Erbrechen ein. Häufiger treten Rachenrötungen, Bindehautentzündungen (Konjunktivitis) und Lichtempfindlichkeiten (Photophobie) auf. Allerdings wurden auch chronische Krankheitsverläufe beobachtet, die zu jahrelangen Gelenkschmerzen führten. Mit einer Blutuntersuchung können gegen das Sindbis-Virus gebildete Antikörper nachgewiesen werden.

Komplikationen

Im Verlauf der Erkrankung können Gelenkbeschwerden in den Finger-, Hand- und Fußgelenken auftreten. Bei Patienten mit Arthritis oder rheumatischen Beschwerden kann dies Schmerzschübe, Versteifungen und andere ernste Komplikationen hervorrufen. Bei einem schweren Verlauf entwickeln sich die Gelenkbeschwerden zu einer chronischen Erkrankung, die noch Jahre nach dem Abklingen des Sindbis-Fiebers Beschwerden hervorruft.

Des Weiteren kann es zu starkem Fieber kommen. In Einzelfällen steigt die Körpertemperatur auf 41°C oder höher und der Betroffene erleidet ernste Kreislaufbeschwerden. Die begleitend dazu auftretenden Magen-Darm-Beschwerden können unter anderem Mangelerscheinungen und Dehydration verursachen. Beides kann unbehandelt zu einer Kreislaufschwäche führen; bei Kindern, älteren Menschen und Vorerkrankten ist dann eine ärztliche Behandlung erforderlich.

Weitere mögliche Folgen des Sindbis-Fiebers sind Bindehautentzündungen, vorübergehende Lichtempfindlichkeit und langwierige Hautausschläge. Bei der Behandlung gehen die Risiken von verabreichten Schmerzmitteln aus. Präparate wie Ibuprofen und Diclofenac können unerwünschte Nebenwirkungen wie Magenblutungen oder Nierenfunktionsstörungen auslösen.

Schwere Magen-Darm-Beschwerden, Beeinträchtigungen der Blutbildung und Hautirritationen sind ebenfalls nicht auszuschließen. Wird die Erkrankung nicht richtig auskuriert, können sich chronische Beschwerden einstellen. Gelegentlich kommt es zu lange andauernden Gelenkentzündungen, Lungenentzündungen und wiederkehrenden Schmerzen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Das Sindbis-Fieber sollte immer durch einen Arzt untersucht werden. Im schlimmsten Fall bleiben dabei über Monate bis Jahre Gelenkbeschwerden zurück, sodass sich eine frühzeitige Behandlung der Beschwerden positiv auf den weiteren Verlauf der Erkrankung auswirkt. Schon bei den ersten Beschwerden und Symptomen dieser Krankheit sollte daher ein Arzt aufgesucht werden. Ein Arzt ist dann aufzusuchen, wenn der Betroffene an einem hohen Fieber leidet. Neben dem Fieber kommt es auch zu starken Schmerzen in den Knochen oder in den Gelenken und die meisten Betroffenen sind von einer starken Müdigkeit betroffen.

Vor allem nach einem Aufenthalt in Nordeuropa – etwa in Finnland, Schweden oder Karelien – sowie im südlichen Afrika können diese Beschwerden auf das Sindbis-Fieber hindeuten und sollten durch einen Arzt untersucht werden. Weiterhin kommt es durch die Krankheit auch zur Entzündung der Bindehaut, welche ebenfalls durch einen Mediziner behandelt werden muss. Die meisten Patienten zeigen einen starken Ausschlag auf der Haut, welcher ebenso auf das Sindbis-Fieber hindeutet.

Beim Sindbis-Fieber kann in erster Linie ein Krankenhaus oder ein Allgemeinarzt aufgesucht werden. In der Regel lassen sich die Beschwerden relativ gut lindern, und die Lebenserwartung des Betroffenen wird durch die Erkrankung nicht verringert.

Treten dagegen eine Bewusstseinstrübung, Verwirrtheit, ein Krampfanfall oder ein steifer Nacken auf, besteht der Verdacht auf eine Gehirnentzündung. In diesem Fall ist sofort der Notruf 112 zu wählen.

Behandlung & Therapie

Das menschliche Immunsystem kann einer Infektion mit Sindbis-Viren gewöhnlich gut begegnen, so dass in vielen Fällen eine spezielle Therapie nicht erforderlich ist. Gewöhnlich bilden sich die Krankheitssymptome nach einigen Wochen ohne bleibende Schäden von selbst zurück.

Mit einer Behandlung der an Sindbis-Fieber erkrankten Patienten wird eine Linderung der Beschwerden angestrebt. Insbesondere werden Schmerzmittel verabreicht, die eine fiebersenkende Wirkung haben. Am besten eignen sich hierfür nicht-steroidale (kein Kortison enthaltende) Präparate wie Ibuprofen und Diclofenac. Der zu den entzündungshemmenden Antirheumatika gehörende Wirkstoff Ibuprofen kann allerdings Nebenwirkungen wie Magenblutungen auslösen, da das Präparat die Synthese der unter anderem für den Schutz der Magenschleimhaut verantwortlichen Prostaglandine hemmt.

Der Wirkstoff Diclofenac ist ein Analgeticum (Schmerzmittel), das bei mittelschweren Schmerzen und Entzündungen eingesetzt wird. Als Nebenwirkungen können jedoch Magen-Darm-Beschwerden, Beeinträchtigungen der Blutbildung und Empfindlichkeiten gegen Sonnenlicht auftreten. Eine ursächliche, unmittelbar gegen das Sindbis-Virus gerichtete Therapie existiert noch nicht.


Vorbeugung

Da ein Impfstoff gegen das Sindbis-Fieber nicht vorhanden ist, kann eine Vorbeugung gegen die Erkrankung nur durch einen konsequenten Mückenschutz erfolgen. Dazu gehören eine ausreichend dichte und möglichst helle Bekleidung, engmaschige Mückennetze und Insektenschutzmittel. Besonders die Fußgelenke sowie die Hände und der Hals-Nacken-Gesichtsbereich sollten mit mückenabschreckenden Präparaten eingerieben werden.

In Gebieten, in denen die Krankheit gehäuft auftritt, ist die Beseitigung möglicher Mückenbrutstätten in der Nähe von Häusern eine wichtige Prophylaxe-Maßnahme zur Vorbeugung gegen das Sindbis-Fieber.

Nachsorge

In aller erster Linie sollte beim Sindbis-Fieber eine frühzeitige Diagnose und Behandlung erfolgen, damit es im weiteren Verlauf nicht zu Komplikationen oder zu anderen Beschwerden kommt. Die Maßnahmen und die Möglichkeiten einer direkten Nachsorge sind beim Sindbis-Fieber deutlich eingeschränkt, sodass schon bei den ersten Symptomen und Anzeichen dieser Erkrankung ein Arzt kontaktiert werden sollte.

Die Erkrankung heilt in vielen Fällen von selbst aus; eine ursächliche Behandlung gibt es ohnehin nicht, sodass sich die ärztlichen Maßnahmen auf die Linderung der Beschwerden beschränken. Der Betroffene sollte sich dabei besonders gut vor Mücken schützen und idealerweise dabei das risikoreiche Gebiet vermeiden und sich in diesem nicht aufhalten. Ebenso sollte lange Kleidung getragen werden, wobei auch Sprays und Cremes gegen Mücken sehr hilfreich sind.

In der Regel können die Beschwerden des Sindbis-Fiebers durch die Einnahme von Medikamenten relativ gut gelindert werden. Dabei sollte der Betroffene in erster Linie auf eine richtige Dosierung und ebenso auf eine regelmäßige Einnahme der Medikamente achten, um die Beschwerden dauerhaft zu lindern. Auch nach einer erfolgreichen Behandlung sind dabei regelmäßige Kontrollen und Untersuchungen durchzuführen. Die Lebenserwartung wird durch das Sindbis-Fieber nicht verringert.

Das können Sie selbst tun

Bei einem Aufenthalt in einem Gebiet mit Sindbis-Vorkommen sollte bereits vor dem Antritt der Reise darauf geachtet werden, dass ausreichende Schutzmaßnahmen vor ansteckenden Erkrankungen oder vor Insekten getroffen sind. Nach Möglichkeit sind Insektenschutzmittel oder Hausmittel zu verwenden, die vor Bissen oder Stichen ausreichend schützen. Das Tragen von schützenden Kleidungsstücken ist zu empfehlen. Weite und lange Kleidung bietet dem Körper eine ausreichende Sicherheit.

Da das Sindbis-Fieber langwierige Gelenkbeschwerden hinterlassen kann, sollte bereits bei den ersten gesundheitlichen Beeinträchtigungen nach einem Insektenstich ein Arzt konsultiert werden. Es werden Medikamente benötigt, damit eine Linderung der Beschwerden eingeleitet werden kann. Insbesondere Menschen mit Vorerkrankungen oder einem geschwächten Immunsystem benötigen schnellstmöglich medizinische Hilfe.

Um das Fieber zu senken können kalte Wickel und Umschläge helfen. Zudem ist darauf zu achten, dass eine ausreichende Menge an Flüssigkeit konsumiert wird. Der Körper muss unbedingt vor einer Dehydration geschützt werden. Dem Organismus sollten darüber hinaus ausreichend Vitamine und Nährstoffe zugeführt werden, wenngleich eine Appetitlosigkeit vorliegt. Nur so kann das Immunsystem im Kampf gegen die Krankheitserreger zusätzlich unterstützt werden. Die Schlafhygiene ist ebenfalls zu optimieren. Die Sauerstoffzufuhr ist wichtig und die Bettwäsche sollte regelmäßig gelüftet und gewechselt werden.

Quellen

  • Löscher, T., Burchard, G.-D., Hoerauf, A., et al. (Hrsg.): Tropenmedizin.
    ISBN: 9783437216428
  • Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
    ISBN: 9783662613849
  • Suttorp, N., Mielke, M., Kiehl, W., Stück, B. (Hrsg.): Infektionskrankheiten.
    ISBN: 9783131585813
  • Modrow, S., Truyen, U., Schätzl, H.: Molekulare Virologie.
    ISBN: 9783662617809
  • Bauerfeind, R., Kimmig, P., Schiefer, H.G., Schwarz, T., Slenczka, W., Zahner, H.: Zoonosen.
    ISBN: 9783769138337

Das könnte Sie auch interessieren