Diclofenac

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 18. April 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Diclofenac ist ein Schmerzmittel aus der Gruppe der sogenannten Nichtopiod Analgetika und gehört damit zu den Schmerzmitteln, deren Wirkstoff sich nicht von den Opiaten herleitet. Diclofenac ist außerdem antiphlogistisch, also entzündungshemmend, und enthält keine Steroide, weshalb Diclofenac auch zu den nichtsteroidalen Antiphlogistika gehört. Medikamente wie Diclofenac, die gegen Schmerzen helfen und gegen Entzündungen wirksam sind, zeigen bei Erkrankungen wie Rheuma oftmals eine gute Wirkung und bilden die Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). Der Wirkstoff Natrium 2-[2-(2,6-Dichlorphenylamino)phenyl]acetat ist in verkürzter Form namensgebend für das Schmerzmittel Diclofenac.

Inhaltsverzeichnis

Medizinische Wirkung & Anwendung

Das Anwendungsgebiet von Diclofenac ist die Behandlung von leichten bis mittelschweren Schmerzen.

Das Anwendungsgebiet von Diclofenac ist die Behandlung von leichten bis mittelschweren Schmerzen Diclofenac ist sowohl bei akuten als auch chronischen Schmerzen wirksam. Das Medikament kommt insbesondere dann zur Anwendung, wenn die Schmerzen mit Entzündungen oder einer erhöhten Körpertemperatur einhergehen.

Diclofenac kann sowohl innerlich als Tablette oder äußerlich als Salbe verwendet werden. Als NSAR wird Diclofenac oft gegen Schmerzen genutzt, bei denen das Krankheitsbild ähnlich wie bei Rheuma ausgebildet ist. Daher kommt das Schmerzmittel etwa bei Gichtanfällen, chronischer Polyarthritis, Gelenkverletzungen, Gelenkschwellungen, Arthrose und Bandscheibenvorfällen zur Anwendung.

Diclofenac entfaltet seine Wirkung innerhalb von einer ­halben bis einer ganzen Stunde. Die Wirkung dauert etwa vier Stunden an oder, bei der Verwendung von Diclofenac Retard-Tabletten, aus denen die Wirkstoffabgabe langsamer erfolgt, bis zu zwölf Stunden.

In Deutschland ist Diclofenac nur in der Apotheke erhältlich und kann in Abhängigkeit von der Art der Darreichung und der enthaltenen Menge an Wirkstoff auch der Verschreibungspflicht unterliegen.

Wechselwirkungen

Diclofenac kann mit Mitteln, die das Potenzial einer Leberschädigung aufweisen, wie es etwa bei einigen krampflösenden Präparaten der Fall ist, in Wechselwirkung treten und die Schädigungen der Leber verstärken.

Auch in Verbindung mit Alkohol tritt dieser Effekt ein, sodass die Leber schädigende Wirkung von Alkohol, die bei Alkoholmissbrauch häufig zu beobachten ist, durch Diclofenac erhöht wird. Diclofenac, das selbst zur Gruppe der NSAR gehört, sollte nicht mit anderen NSAR wie etwa dem Ibuprofen kombiniert werden, da sich sonst die Nebenwirkungen der Mittel deutlich verstärken können.


Verabreichung und Dosierung

Diclofenac ist ein nichtsteroidales Antirheumatikum (NSAR), das häufig zur Linderung von Schmerzen und Entzündungen verwendet wird. Bei der Verabreichung und Dosierung von Diclofenac sind mehrere wichtige Punkte zu beachten, um eine sichere und effektive Anwendung zu gewährleisten.

Zuerst ist es entscheidend, die richtige Dosierung und Form des Medikaments entsprechend der Art der Beschwerden und dem Gesundheitszustand des Patienten zu wählen. Diclofenac ist in verschiedenen Formen wie Tabletten, Kapseln, Zäpfchen, Gelen und Injektionen verfügbar. Für leichte bis mäßige Schmerzen und Entzündungen können orale Formen bevorzugt werden, während für lokale Schmerzen Gels oder Cremes sinnvoll sein können.

Die Dosierung muss individuell angepasst werden, wobei das Alter, Gewicht und die Nierenfunktion des Patienten sowie die Schwere der Symptome zu berücksichtigen sind. Erwachsene erhalten häufig eine Startdosis von 100-150 mg pro Tag, aufgeteilt in zwei oder drei Dosen, während bei leichten Schmerzen oder langfristiger Behandlung niedrigere Dosen ausreichen können.

Es ist wichtig, Diclofenac nicht länger als nötig zu verwenden und die niedrigste wirksame Dosis zu wählen, um das Risiko von Nebenwirkungen zu minimieren. Zu den potenziellen Nebenwirkungen gehören Magen-Darm-Beschwerden, erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, Nierenfunktionsstörungen und Leberschäden.

Patienten, die an bestimmten Erkrankungen leiden, wie z.B. Magengeschwüren, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Leber- oder Nierenerkrankungen, sollten Diclofenac mit besonderer Vorsicht verwenden oder ganz meiden. Ebenso ist Vorsicht geboten bei gleichzeitiger Einnahme mit anderen Medikamenten, die das Risiko für Magenblutungen erhöhen oder die Nierenfunktion beeinträchtigen können.

Abschließend ist eine sorgfältige Überwachung während der Behandlung mit Diclofenac notwendig, um die Wirksamkeit zu bewerten und mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen. Patienten sollten jede Veränderung ihres Gesundheitszustandes sofort ihrem Arzt melden.

Risiken & Nebenwirkungen

Diclofenac kann eine ganze Reihe von Nebenwirkungen verursachen. Häufig zeigen sich Nebenwirkungen von Diclofenac im Bereich des Magen-Darm-Traktes. Die hierbei zu beobachtenden Beschwerden reichen von Appetitlosigkeit und Übelkeit bis hin zu Durchfall und Magenschmerzen. Durch die Einnahme von Diclofenac erhöht sich auch das Risiko zur Ausbildung von Magengeschwüren. Diclofenac kann zu Blutungen im Magen führen und die Gefahr für einen Magendurchbruch steigern.

Bei Patienten, bei denen Vorerkrankungen im Magen-Darm-Bereich bekannt sind, oder die hier über eine erhöhte Empfindlichkeit verfügen, wird Diclofenac zur Begrenzung der Nebenwirkungen oftmals in Verbindung mit einem Präparat gegeben, das den Magen schützt. Weniger häufig treten Funktionsstörungen der Nieren, eine Verstärkung der Neigung zu Blutungen und eine Erhöhung des Blutdrucks auf.

Sehr selten wurde beobachtet, dass sich nach der Einnahme von Diclofenac die Luftwege verkrampfen und es zu Atemproblemen infolge des Diclofenac kommt. Diclofenac ist für Kinder und Jugendliche nicht geeignet. Auch Patienten, die an Asthma erkrankt sind sowie Schwangere sollten auf die Einnahme von Diclfenac verzichten. Eine regelmäßige Kontrolle des Blutdrucks sowie der Leber- und Nierenwerte ist angeraten, wenn über einen längeren Zeitraum die Einnahme von Diclofenac erfolgt.

Kontraindikationen

Diclofenac, ein weit verbreitetes nichtsteroidales Antirheumatikum (NSAR), bietet effektive Linderung bei Schmerzen und Entzündungen. Allerdings gibt es auch spezifische Kontraindikationen, die bei seiner Verwendung berücksichtigt werden müssen, um Gesundheitsrisiken zu minimieren.

Eine der Hauptkontraindikationen für die Verwendung von Diclofenac ist eine bekannte Überempfindlichkeit oder allergische Reaktion auf dieses Medikament oder auf andere NSAR. Patienten, die in der Vergangenheit mit Asthmaanfällen, Urtikaria oder allergieähnlichen Symptomen auf Acetylsalicylsäure oder andere NSAR reagiert haben, sollten Diclofenac meiden.

Ein weiterer kritischer Punkt betrifft Patienten mit bestimmten gastrointestinalen Problemen. Personen mit aktiven oder wiederkehrenden peptischen Geschwüren oder gastrointestinalen Blutungen dürfen Diclofenac nicht verwenden, da NSAR das Risiko für Magen-Darm-Geschwüre, Blutungen und Perforationen erhöhen können.

Patienten mit schweren Leberfunktionsstörungen oder aktiven Lebererkrankungen sollten Diclofenac ebenfalls vermeiden, da es den Zustand verschlimmern kann. Ähnliche Vorsicht ist bei Patienten mit schweren Nierenfunktionsstörungen geboten.

Eine bedeutende Kontraindikation besteht auch für Personen mit schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie Herzinsuffizienz, unkontrolliertem Bluthochdruck oder kürzlich erlittenen Herzinfarkten oder Schlaganfällen. NSAR, einschließlich Diclofenac, können das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöhen, besonders bei langfristiger Anwendung in hohen Dosen.

Schließlich sollten schwangere Frauen, insbesondere im letzten Trimester der Schwangerschaft, Diclofenac meiden, da es das Risiko für Komplikationen bei Mutter und Kind erhöhen kann. Die Verwendung von Diclofenac während der Schwangerschaft kann zu einem vorzeitigen Verschluss des Ductus arteriosus beim Fötus führen, was ernsthafte gesundheitliche Probleme verursachen kann.

Diese Kontraindikationen unterstreichen die Bedeutung einer gründlichen medizinischen Bewertung und Beratung vor der Verwendung von Diclofenac, um sicherzustellen, dass das Medikament sicher und angemessen eingesetzt wird.

Interaktionen mit anderen Medikamenten

Diclofenac, wie andere nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), kann mit einer Reihe von Medikamenten interagieren, was die Wirksamkeit dieser Medikamente beeinflussen oder das Risiko von Nebenwirkungen erhöhen kann. Es ist wichtig, dass Patienten und medizinisches Fachpersonal sich dieser möglichen Interaktionen bewusst sind, um potenzielle Gesundheitsrisiken zu minimieren.

Eine häufige Interaktion besteht mit Antikoagulantien wie Warfarin. Diclofenac kann das Blutungsrisiko erhöhen, wenn es zusammen mit diesen Medikamenten eingenommen wird, da beide die Blutgerinnung hemmen können. Eine sorgfältige Überwachung des Patienten ist notwendig, um Anzeichen von Blutungen zu erkennen.

Diclofenac kann auch die Wirkung von Antihypertensiva, einschließlich ACE-Hemmern, Angiotensin-II-Rezeptorblockern und Diuretika, abschwächen. Dies kann zu einer weniger effektiven Kontrolle des Bluthochdrucks führen.

Eine weitere wichtige Interaktion besteht mit Lithium, einem Medikament zur Behandlung bipolarer Störungen. Diclofenac kann die Lithiumkonzentration im Blut erhöhen, was das Risiko für Lithiumtoxizität erhöht. Patienten, die Lithium einnehmen, müssen engmaschig überwacht werden, wenn Diclofenac hinzugefügt oder abgesetzt wird.

Zudem kann Diclofenac die Nephrotoxizität von Cyclosporin und anderen nephrotoxischen Medikamenten verstärken. Die Kombination dieser Medikamente kann zu einer Verschlechterung der Nierenfunktion führen.

Auch die gleichzeitige Anwendung von Diclofenac mit anderen NSAR oder mit Aspirin kann das Risiko für Magen-Darm-Nebenwirkungen erhöhen, einschließlich Ulzerationen und Blutungen. Es wird empfohlen, die kombinierte Anwendung solcher Medikamente zu vermeiden oder zu minimieren.

Es ist wichtig, dass Patienten alle Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel und Over-the-Counter-Präparate, die sie einnehmen, mit ihrem Arzt oder Apotheker besprechen, um potenzielle Interaktionen mit Diclofenac zu identifizieren und zu vermeiden.

Alternative Behandlungsmethoden

Wenn Diclofenac aufgrund von Unverträglichkeiten oder Kontraindikationen nicht geeignet ist, gibt es verschiedene alternative Behandlungsmethoden und Wirkstoffe, die zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung eingesetzt werden können. Diese Alternativen variieren je nach Art und Schwere der Beschwerden sowie nach individuellen Gesundheitsbedingungen.

Einer der gängigsten alternativen Wirkstoffe ist Paracetamol (Acetaminophen), besonders bei leichten bis mäßigen Schmerzen. Es wirkt schmerzlindernd und fiebersenkend, hat jedoch eine schwächere entzündungshemmende Wirkung. Paracetamol ist im Allgemeinen gut verträglich und bietet eine Alternative für Patienten, die NSAR meiden müssen.

Ibuprofen und Naproxen sind weitere NSAR, die als Alternativen zu Diclofenac in Betracht kommen. Sie wirken ähnlich entzündungshemmend und schmerzlindernd, allerdings ist auch hier Vorsicht geboten bei Patienten mit bestimmten Vorerkrankungen wie gastrointestinalen Problemen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Für Patienten, die eine topische Behandlung bevorzugen oder bei denen systemische NSAR nicht geeignet sind, können topische NSAR wie Ibuprofen-Gel oder Capsaicin-Creme eine Alternative darstellen. Diese Mittel werden direkt auf die Haut über dem schmerzenden Bereich aufgetragen und können lokale Schmerzen lindern, ohne signifikante systemische Nebenwirkungen.

Bei chronischen Schmerzen oder Entzündungen können auch physikalische Therapien wie Physiotherapie, Akupunktur oder chiropraktische Behandlungen hilfreich sein. Diese Methoden zielen darauf ab, Schmerzen zu lindern, die Mobilität zu verbessern und die Ursache der Beschwerden anzugehen.

Für spezifische entzündliche Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis können Krankheitsmodifizierende Antirheumatika (DMARDs) oder Biologika eine Option sein. Diese Medikamente wirken gezielt auf das Immunsystem, um Entzündungsreaktionen zu unterdrücken und den Krankheitsverlauf zu beeinflussen.

Es ist wichtig, dass Patienten, die Diclofenac nicht vertragen, mit ihrem Arzt oder einem Gesundheitsfachmann zusammenarbeiten, um die für ihre spezifischen Bedürfnisse und Gesundheitsbedingungen am besten geeignete Alternative zu finden.

Quellen

  • "Goodman & Gilman's The Pharmacological Basis of Therapeutics" von Laurence Brunton, Randa Hilal-Dandan, und Bjorn Knollmann
  • "Rang & Dale's Pharmacology" von Humphrey P. Rang, Maureen M. Dale, James M. Ritter, und Rod J. Flower
  • "Basic and Clinical Pharmacology" von Bertram Katzung, Anthony Trevor

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