Tierhaarallergie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 27. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Eine Tierhaarallergie oder Allergie gegen Haustiere ist eine allergische Reaktion und Überempfindlichkeitsstörung auf Haare, Schuppen, Kot und Urin von Haustieren. Aber auch Schweiß, Federn, Talg und Speichel können eine Tierhaarallergie auslösen. Die wohl häufigste Form dieser Allergie gegen Haustiere bezieht sich auf Katzen. Allergische Reaktionen auf Kaninchen, Hunde und Vögel sind bedeutend seltener.
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Was ist eine Tierhaarallergie?
Als Tierhaarallergie werden allergische Reaktionen des Menschen auf den Kontakt mit Haaren oder Federn einer bestimmten Tierart bezeichnet.
Die Reaktion kann entweder nur für eine oder wenige Tierarten auftreten. Bekannt sind allerdings auch multiple Allergien gegen viele verschiedene Tierarten, die zusammengefasst als Tierhaarallergie bezeichnet werden.
Die Symptome gleichen den typischen allergischen Erscheinungen und sorgen beispielsweise für Fließschnupfen und starkes Niesen. Rund zehn Prozent der Bevölkerung reagieren empfindlich auf tierische Allergene; damit ist die Tierhaarallergie nach Pollen und Hausstaubmilben die dritthäufigste Allergieform.
Ursachen
Die allergische Reaktion wird am häufigsten dadurch ausgelöst, dass der Allergiker in die Nähe des Tiers kommt und die Allergene auf diese Weise einatmet. Ein Tierstall kann beispielsweise leer sein, und doch reichen die Fäkalien in unausgemisteten Boxen bereits, um allergische Symptome auszulösen. Oftmals genügen auch Staubpartikel oder Haare, die in der Luft schweben und eingeatmet werden.
Wie bei jeder anderen Allergie dringen die Allergene meist über die Nasenschleimhäute in den Körper ein und werden vom Körper unnötigerweise als gefährlich eingestuft. Das menschliche Immunsystem startet deswegen eine starke Abwehr gegen das Allergen, wodurch sich die Symptome ergeben. Die Veranlagung zu einer Tierhaarallergie kann bereits angeboren sein, sie kann sich aber auch spontan und scheinbar ohne erkennbare Ursache entwickeln. Die Allergie selbst besteht bei der Geburt allerdings noch nicht: Sie entsteht erst, wenn das Immunsystem durch wiederholten Kontakt mit dem Allergen sensibilisiert worden ist.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Eine Tierhaarallergie kann je nach Patient oder Allergen vollkommen unterschiedliche Symptome hervorrufen. Am verbreitetsten sind Krankheitsanzeichen, die denen einer Erkältung ähnlich sind. Nach Kontakt mit Tierhaaren kommt es häufig zu einem Kratzen im Hals, bei betroffenen Patienten schwellen auch oft die Schleimhäute an.
Das führt zu einer laufenden oder verstopften Nase. Viele Allergiker müssen zudem heftig und häufig niesen. Die Augen röten sich, können stark jucken und tränen. Zahlreiche Allergiker klagen nach Kontakt mit einem Tier, auf das sie allergisch reagieren, über einen trockenen Reizhusten. In schwereren Fällen können auch Atemnot oder Asthma bronchiale auftreten. Betroffene klagen dann über Probleme beim Ausatmen.
Je nach Veranlagung und der Art des Kontaktes mit dem allergieauslösenden Tier werden auch Symptome an der Haut beobachtet. Dann treten Rötungen, Schwellungen oder gar großflächige Ekzeme auf. Symptome an der Haut kommen vor allem dann häufig vor, wenn die Tierhaare länger in Kontakt mit der Haut gelangen und wenn die Haut bereits verletzt oder erkrankt ist. Auch kleine Kratzer auf der Haut, die ein Tier verursacht hat, können die genannten Symptome der Haut auslösen. Je nach Schwere der Symptome sind im weiteren Verlauf auch Konzentrationsstörungen oder Probleme beim Einschlafen als Auswirkungen einer Tierhaarallergie möglich.
Krankheitsverlauf
Wenn die Tierhaarallergie bereits längere Zeit besteht oder schon bekannt ist, stellen sich die Symptome rasch nach dem ersten Kontakt mit einem Allergen ein. Bei Betreten eines Tierstalls oder beim Streicheln eines Haustiers fängt der Allergiker an, starken Schnupfen zu entwickeln, zu niesen und möglicherweise auch Hautrötungen zu entwickeln.
Wenn sich die Allergie erst einstellt, was bei Kindern häufig passiert, kann der Patient zunächst einige Zeit beschwerdefrei mit dem Tier umgehen. Die Symptome treten spontan und plötzlich auf, der direkte Kontakt zum Tier verstärkt sie. Der Allergietest wird ein positives Ergebnis hervorbringen, auch wenn er noch vor kurzer Zeit negativ war. Nach dem ersten Auftreten der Symptome wird sich die Tierhaarallergie künftig immer dann bemerkbar machen, wenn der Patient in die Nähe des Allergens oder des Trägertieres kommt. In schweren Fällen können sich mit der Zeit auch heftigere Symptome wie Atemnot oder Asthma einstellen.
Komplikationen
In diesen Fällen verstärken sich die Symptome wie Schnupfen und Hautrötungen, es kann dann außerdem zusätzlich zu Atemnot, Übelkeit und Erbrechen kommen. Besonders gefährdet ist, wer nicht weiß, dass er auf ein bestimmtes Haustier allergisch reagiert und unerwartet einen schweren Anfall erleidet.
In diesen Fällen kann es neben den typischen Begleiterscheinungen auch zu einer Panikattacke kommen, die mit Atemnot und Herzrasen einhergeht. Im schlimmsten Fall erleidet der Betroffene einen Schock, der einen lebensgefährlichen Kreislaufzusammenbruch nach sich ziehen kann. In diesem Fall besteht Lebensgefahr für den Patienten.
Neben körperlichen Beschwerden geht eine Tierhaarallergie zudem regelmäßig mit psychosozialen Problemen einher. Viele Menschen belastet die Trennung von einem Haustier sehr, bei einer engen emotionalen Bindung kann die Trennung sogar zu therapiebedürftigen Depressionen führen. Darüber hinaus kommt es oftmals zu seelisch belastenden Auseinandersetzungen innerhalb der Familie, wenn ein Tier wegen einer Allergie nicht mehr im gemeinsamen Wohn- und Lebensbereich geduldet wird oder gar abgegeben werden soll.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Ständiges Niesen, triefende Nase und juckende Haut in der Nähe von haarenden Tieren sind ein Signal, welches der betroffene Mensch ärztlich untersuchen lassen sollte. Meistens bleibt es dabei bei Beschwerden an Augen, Nase und Haut. Bei einem Teil der Betroffenen kann jedoch auch die Atmung empfindlich beeinträchtigt werden, wenn sie mit dem Allergen in Kontakt kommen. Allerdings bedeutet die Diagnose Tierhaarallergie auch, dass die Krankheitssymptome vor allem dann besser werden, wenn der Kontakt mit dem auslösenden Tier so weit wie möglich gemieden wird. Sogenannte allergikerfreundliche Tierarten oder -rassen gibt es dabei nicht: Da die Allergene nicht in den Haaren selbst stecken, sondern in Speichel, Urin und Hautschuppen, können auch haarlose Tiere und Rassen mit angeblich hypoallergenem Fell Beschwerden auslösen.
Obwohl die meisten Betroffenen selbst schon ahnen werden, dass sie an einer Tierhaarallergie leiden, ist eine gesicherte Diagnose aus zwei Gründen wichtig. Zunächst kann der Arzt ausschließen, dass es sich um eine andere Erkrankung handelt und das Auftreten im Zusammenhang mit dem Kontakt mit Tieren Zufall war. Weiterhin wird der Arzt bei Verdacht auf eine Tierhaarallergie auch auf andere potenzielle allergene Stoffe testen, da Allergien oft gemeinsam mit anderen auftreten. Als Betroffener bekommt man so die Sicherheit, dass man nicht versehentlich Kontakt mit einem weiteren Allergen hat, von dem man bislang noch nichts wusste.
Anzeichen eines anaphylaktischen Schocks sind Atemnot, ein Engegefühl im Hals, pfeifende Atmung, Schwellungen an Lippen, Zunge oder im Rachen, Nesselsucht am ganzen Körper, Übelkeit und Erbrechen sowie Schwindel bis hin zur Bewusstlosigkeit. In diesem Fall ist der Notruf 112 zu wählen. Wer bereits ein Notfallset verordnet bekommen hat, spritzt aber zuerst den Adrenalin-Autoinjektor in den seitlichen Oberschenkel und setzt unmittelbar danach den Notruf ab beziehungsweise lässt ihn durch eine andere Person absetzen. Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes werden die Beine hochgelagert, bei Atemnot wird der Oberkörper stattdessen aufgerichtet.
Behandlung & Therapie
Zur Behandlung einer jeden Allergie gehört es, den Kontakt mit dem Allergen möglichst zu meiden. Bei einer leichten Tierhaarallergie ist die Haustierhaltung noch nicht ausgeschlossen - eine tägliche Reinigung der Teppiche, Teppichböden oder textilen Haustierausrüstung ist erforderlich, um den Wohnraum allergenfrei zu halten. Eine andere Person sollte das Tier regelmäßig bürsten oder artgerecht seinen Lebensraum säubern, damit Hautschuppen oder Fäkalien die Tierhaarallergie nicht noch zusätzlich verschlimmern können.
In schweren Fällen muss das Tier abgegeben werden - beispielsweise dann, wenn die akribische Reinigung des Wohnraums keine Besserung des Zustandes gebracht hat. Vor allem bei Katzen führt oft kein Weg an einer Abgabe des Tieres vorbei, wenn sich deutliche allergische Reaktionen zeigen, denn die mit ihnen verbundenen Allergene lassen sich durch eine übliche Reinigung nicht beseitigen. Bevor diese Entscheidung fällt, sollte allerdings mit einem Allergologen besprochen werden, ob eine medikamentöse Behandlung oder eine spezifische Immuntherapie das Zusammenleben doch noch ermöglicht; die Trennung von einem Haustier ist für viele Betroffene eine erhebliche seelische Belastung. Andere Personen müssen von der Tierhaarallergie benachrichtigt werden und dürfen keine Kleidung tragen, an der gefährliche Tierhaare hängen.
Medikamentös lassen sich die Beschwerden mit Antihistaminika als Tabletten, Nasenspray oder Augentropfen lindern. Bei stärkerer Beteiligung von Nase und Augen kommen kortisonhaltige Nasensprays hinzu, bei asthmatischen Beschwerden inhalative Kortikoide und bronchienerweiternde Mittel. Als einzige ursächliche Behandlung steht die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) zur Verfügung, die vor allem bei einer Katzen- oder Hundehaarallergie erwogen wird, wenn sich der Kontakt nicht vermeiden lässt. Wer bereits eine schwere allergische Reaktion erlitten hat, erhält zusätzlich ein Notfallset mit einem Adrenalin-Autoinjektor, einem Antihistaminikum und einem Kortikoid.
Nachsorge
Bei der Tierhaarallergie ist grundsätzlich keine spezielle Nachsorge erforderlich. Dies begründet sich dadurch, dass die allergischen Symptome abklingen, sobald die verursachende Quelle nicht mehr in der Reichweite des Patienten ist. Eine Tierhaarallergie heilt in der Regel nicht von selbst aus. Mit einer spezifischen Immuntherapie lassen sich die Beschwerden bei einem Teil der Betroffenen deutlich bessern. Je nach Schwere der allergischen Reaktionen kann eine leichte Allergie mit Antiallergika behandelt und unterdrückt werden, auch wenn das auslösende Tier im Umfeld des Patienten bleibt.
Meist ist hier jedoch die Nachsorge insoweit gegeben, dass eine stetige Bestandsaufnahme der antiallergischen Therapie und der verwendeten Mittel sowie deren Dosierung erfolgt. Ein Allergologe kann die Untersuchungen und die Dosierung der verwendeten Medikamente beurteilen und anpassen. Bei einer schweren Allergie gegen Tierhaare ist es unerlässlich, dass der Patient nicht weiter mit dem Auslöser in Kontakt kommt.
Wenn kein Kontakt mit den Tierhaaren mehr besteht, klingen die Symptome innerhalb kurzer Zeit vollständig wieder ab. Nach einer Akutbehandlung ist in aller Regel nicht damit zu rechnen, dass eine spezielle Nachsorge für den Patienten erforderlich wird. Hier ist in eigener Verantwortung darauf zu achten, dass der Kontakt mit dem Auslöser nicht erneut stattfindet, da die Krankheitssymptome sofort in voller Ausprägung wieder auftreten würden.
Das können Sie selbst tun
Im Alltag sind Symptome einer Tierhaarallergie am besten zu vermeiden, wenn das entsprechende Allergen gemieden wird. Nicht immer ist das jedoch möglich, denn Kontakte zu verschiedenen Tieren können sich auch unerwartet ergeben. Im Bereich der Selbsthilfe können Betroffene von einer Tierhaarallergie aber dennoch einiges tun, um ihre individuellen Symptome abzumildern.
So gibt es beispielsweise in der Apotheke rezeptfrei erhältliche Antihistaminika in Form von Säften oder Tabletten, die bei bestimmungsgemäßer Anwendung in einem überschaubaren zeitlichen Rahmen auch gut verträglich sind. Solche Produkte können auch vor einem erwarteten Kontakt mit Tierhaaren eingenommen werden, um die typischen Symptome der Allergie nicht aufkommen zu lassen. Für den Alltag hilfreich ist oftmals auch die spezifische Immuntherapie, die früher als Desensibilisierung bezeichnet wurde und heute Hyposensibilisierung heißt. Der Facharzt kann hier beraten, ob eine solche Therapie für die individuellen Beschwerden geeignet ist.
Da es sich bei einer Allergie um eine teils schwere Reaktion des Immunsystems handelt, bestehen keine Möglichkeiten, im Falle eines allergischen Schocks diesen ohne ärztliche Hilfe auszubehandeln. Gerade weil ein allergischer Schock auch die Atemwege anschwellen lassen kann, müssen Betroffene ihre Symptomatik gut einschätzen können. Auch Freunde und Angehörige sollten hier informiert sein, um im Akutfall im Alltag schnell handeln zu können. Ein schwerer allergischer Schock ist immer ein medizinischer Notfall, der schneller ärztlicher Hilfe bedarf.
Betroffene, die schon einmal eine schwere allergische Reaktion hatten, sollten ihr Notfallset mit dem Adrenalin-Autoinjektor, dem Antihistaminikum und dem Kortikoid ständig bei sich tragen und regelmäßig das Verfallsdatum prüfen. Angehörige, Lehrkräfte oder Kollegen sollten in die Anwendung des Autoinjektors eingewiesen sein, denn im Notfall zählt jede Minute. Der Autoinjektor wird sofort eingesetzt, noch bevor auf den Rettungsdienst gewartet wird.
Quellen
- Biedermann, T., Heppt, W., Renz, H., Röcken, M. (Hrsg.): Allergologie.
ISBN: 9783642372025
- Plewig, G., Ruzicka, T., Kaufmann, R., Hertl, M. (Hrsg.): Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
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- Rink, L., Kruse, A., Haase, H.: Immunologie für Einsteiger.
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- Reiß, M. (Hrsg.): Facharztwissen HNO-Heilkunde.
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- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
