Tonometrie

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 5. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

Sie sind hier: Startseite Behandlungen Tonometrie

Bei der Tonometrie handelt es sich um ein diagnostisches Messverfahren in der Ophthalmologie (Augenheilkunde). Mit speziellen Geräten wird der Augeninnendruck ermittelt. Eine Erhöhung dieses Wertes kann auf das Vorhandensein eines Glaukoms, den Grünen Star, hindeuten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Tonometrie?

Tonometrie
Bei der Tonometrie handelt es sich um ein diagnostisches Messverfahren in der Ophthalmologie (Augenheilkunde).

Der Augeninnendruck gilt in der ophthalmologischen Diagnostik als wichtiges Erkennungsmerkmal eines Glaukoms. Augeninnendruck entsteht durch das Kammerwasser, das die Hornhaut mit Nährstoffen versorgt. Das Kammerwasser wird vom Ziliarkörper gebildet, fließt in die vordere Augenkammer und geht von dort über das Trabekelwerk in die Blutbahn. Zu- und Abfluss des Kammerwassers halten sich bei einem gesunden Auge die Waage.

Kommt es zu Imbalancen, steigt der Augeninnendruck. Beim gesunden Erwachsenen liegt der Wert des intraokularen Drucks zwischen 10 und 21 mmHg (Millimeter-Quecksilbersäule). Allerdings schwanken diese Werte je nach Tageszeit, Alter und Körperposition des Patienten. Um wirklich aussagekräftige Werte zu erzielen, erfolgt die intraokulare Druckmessung zu verschiedenen Zeiten. Die Ergebnisse werden in einem Tagesprofil zusammengefasst. Die Tonometrie ist ein bedeutendes Instrument, um den Grünen Star rechtzeitig zu erkennen, da sich diese Krankheit schleichend entwickelt und im Anfangsstadium keinerlei Schmerzen verursacht. Ein normaler Augeninnendruck schließt ein Glaukom allerdings nicht aus: Beim Normaldruckglaukom wird der Sehnerv trotz Werten im Normbereich geschädigt. Umgekehrt liegt bei einem erhöhten Wert nicht zwangsläufig ein Glaukom vor (okuläre Hypertension). Die Diagnose stützt sich deshalb zusätzlich auf die Beurteilung des Sehnervenkopfes und auf die Messung des Gesichtsfeldes.

Angegeben wird der Wert bis heute in Millimeter Quecksilbersäule, obwohl in den Geräten längst kein Quecksilber mehr steckt; die Einheit stammt aus der Frühzeit der Druckmessung und hat sich als Vergleichsmaß gehalten. Vor der Einführung der Messgeräte blieb dem Arzt nur das Betasten: Er drückte mit beiden Zeigefingern abwechselnd auf das geschlossene Oberlid und schätzte den Druck aus dem Widerstand, den er spürte. Diese Palpation ist grob und vom Untersucher abhängig, wird für eine schnelle Einschätzung aber bis heute genutzt, etwa wenn kein Gerät zur Hand ist.

Auch zur Verlaufskontrolle eines Glaukoms wird die Tonometrie eingesetzt. Die hohen Druckwerte schädigen den Sehnerv und führen im schlimmsten Falle zur Erblindung des Patienten. Ausfälle im Gesichtsfeld gehören zu den typischen Symptomen für ein Glaukom, ein grauer Fleck etwa, der sich ins Blickfeld schiebt. Oder eine von außen nach innen verlaufende Gesichtsfeldverengung.

Der Grund für diese Schädigung liegt in der Bauweise des Auges. Der Sehnerv verlässt den Augapfel an einer Stelle, an der die feste äußere Hülle von einem siebartig durchbrochenen Gewebe unterbrochen ist. Steigt der Druck im Inneren, lastet er auf dieser schwächsten Stelle, und die Nervenfasern, die dort hindurchtreten, gehen nach und nach zugrunde. Weil das zuerst die Fasern aus den äußeren Bereichen der Netzhaut trifft, beginnen die Ausfälle am Rand des Gesichtsfeldes, wo sie kaum auffallen; hinzu kommt, dass das zweite Auge die Lücken lange ausgleicht. Bemerkt der Betroffene die Einschränkung selbst, ist meist schon ein erheblicher Teil der Fasern verloren, und dieser Verlust lässt sich nicht rückgängig machen.

Unterschieden werden zwei Grundformen. Der beschriebene schleichende und schmerzlose Verlauf gehört zum weitaus häufigeren Offenwinkelglaukom: Der Abflussweg des Kammerwassers ist dabei grundsätzlich zugänglich, das Trabekelwerk arbeitet jedoch schlechter, und der Druck steigt langsam. Beim Winkelblockglaukom verlegt dagegen die Regenbogenhaut den Kammerwinkel, so dass der Abfluss plötzlich versperrt sein kann. Der daraus folgende Glaukomanfall ist ein Notfall und macht sich sehr wohl bemerkbar, nämlich mit heftigen Augen- und Kopfschmerzen, Übelkeit, gerötetem Auge, Sehverschlechterung und einem steinhart tastbaren Augapfel. In dieser Lage ist der erhöhte Druck sogar durch vorsichtiges Betasten über das geschlossene Lid zu erahnen.

Diabetiker und Menschen mit niedrigem oder stark schwankendem Blutdruck gehören zu den Risikogruppen für diese Erkrankung, ebenso stark Kurz- und Weitsichtige. Augenärzte raten daher zu einer zweijährlichen Tonometrie ab dem 40. Lebensjahr. Bei familiär bedingtem Auftreten eines Glaukoms ist eine jährliche Kontrolle empfehlenswert.

Dass gerade diese Gruppen betroffen sind, hat mit der Durchblutung des Sehnervs zu tun. Ist der Blutdruck niedrig oder schwankt er stark, vor allem nachts, wird der Sehnervenkopf schlechter versorgt und verträgt einen erhöhten Augeninnendruck schlechter. Bei stark ausgeprägter Kurzsichtigkeit ist die Hülle des Auges gedehnt und die Austrittsstelle des Sehnervs verformt, was ihre Beurteilung erschwert. Auch eine längere Behandlung mit Kortison, ob als Augentropfen, als Tablette oder als Spray, kann den Augeninnendruck ansteigen lassen; wer sie erhält, lässt den Druck deshalb kontrollieren.

Ergibt die Messung einen erhöhten Wert, folgt daraus nicht unmittelbar eine Behandlung. Zunächst wird der Befund an einem anderen Tag bestätigt, denn schon Aufregung, ein enger Kragen, angehaltene Luft oder starkes Pressen können den Wert kurzzeitig anheben. Auch die Körperhaltung wirkt sich aus: Im Liegen fällt der Augeninnendruck höher aus als im Sitzen. Erst wenn sich der erhöhte Wert bestätigt, wird zusammen mit den übrigen Befunden entschieden, ob behandelt oder vorerst weiter beobachtet wird.

Funktion, Wirkung & Ziele

Für eine Tonometrie stehen mehrere Messverfahren zur Verfügung, jedoch nicht alle mit verlässlichen Ergebnissen. Am häufigsten wird das Applanations-Tonometer nach Goldmann eingesetzt. Die Untersuchung verläuft im Liegen oder Sitzen. Zur Untersuchung ist eine örtliche Betäubung der Hornhaut erforderlich, die mittels Augentropfen erfolgt. Danach wird mit einem kleinen, zylindrischen Messgerät, dem Tonometer, die Hornhaut vorsichtig abgeflacht.

Der Ablauf ist für die Untersuchten unspektakulär. Weiche Kontaktlinsen werden vorher herausgenommen. Nach dem Betäubungstropfen wird der Farbstoff Fluorescein in den Bindehautsack gegeben; er färbt den Tränenfilm gelblich an und macht unter blauem Licht sichtbar, wo der Messkörper die Hornhaut berührt. Der Patient legt Kinn und Stirn an die Spaltlampe, blickt geradeaus und hält das Auge offen. Der Untersucher sieht durch das Mikroskop zwei Halbkreise, die er durch Drehen an einer Messtrommel zur Deckung bringt; die Berührung dauert nur Sekunden und ist dank der Betäubung nicht zu spüren. Gedreht wird dabei so lange, bis die Hornhaut auf der genormten Fläche des Messkörpers abgeflacht ist.

Der so ausgeübte Druck wird in mmHg gemessen und ergibt den aktuellen, intraokularen Druckwert. Je mehr Kraft der Augenarzt zum Abflachen der Hornhaut benötigt, desto höher ist der Innendruck des Auges. Der so ermittelte Wert hängt allerdings von der Dicke der Hornhaut ab: Bei einer dicken Hornhaut fällt er zu hoch, bei einer dünnen zu niedrig aus. Deshalb wird die Hornhautdicke bei Bedarf gesondert gemessen (Pachymetrie) und bei der Beurteilung berücksichtigt. Vorteil des Goldmann-Tonometers: Es lässt sich an der Spaltlampe, dem Untersuchungsmikroskop des Ophthalmologen, befestigen. Ohne Hornhautkontakt kommt die Non-Contact-Tonometrie aus. Betäubungstropfen sind nicht notwendig. Hier wird die Hornhaut mittels eines Luftimpulses eingedrückt. Gemessen wird anschließend die Verformung der Hornhaut. Da die Messwerte weniger genau sind als bei der Applanationstonometrie nach Goldmann, dient dieses Verfahren vor allem der Voruntersuchung; auffällige Werte werden anschließend mit dem Goldmann-Tonometer überprüft.

Weniger genau ist auch die Impressionstonometrie, ein schon älteres Verfahren, bei dem zur Messung ein Metallstift verwendet wird. Hier ist wieder eine Betäubung erforderlich. Danach wird ein Stift in die Hornhaut versenkt und der Arzt misst, wie tief der Stift die Hornhaut eindellt. Ein neueres Verfahren der Ophthalmologie ist die Dynamische Konturtonometrie. Damit hat der Ophthalmologe ein sehr präzises Messinstrument zur Hand. Ähnlich einem EKG ist es damit möglich, Pulskurven des Augendrucks, die der Herzschlag auslöst, darzustellen. Ein Drucksensor im Tonometerkopf kann den Augeninnendruck unabhängig von Hornhauteinflüssen - ob dick, dünn, gekrümmt oder gerade - messen.

Diese Methode wird aufgrund ihrer Genauigkeit immer häufiger angewendet. Als Standardverfahren gilt gleichwohl weiterhin die Applanationstonometrie nach Goldmann. Neben den vorhandenen Untersuchungsmöglichkeiten befinden sich noch einige Messverfahren im Erprobungsstadium. Eines davon ist die drucksensitive Kontaktlinse. Diese soll der Patient über mehrere Stunden tragen, damit der Augeninnendruck mit seinen Schwankungen über längere Zeiträume hinweg gemessen werden kann. Davon erhoffen sich die Ärzte einen großen Fortschritt und die Patienten eine Erleichterung bei der Diagnosestellung. Denn hat sich erst ein Glaukom entwickelt, ist eine bereits eingetretene Schädigung des Sehnervs in der Regel irreversibel.

Wichtigste Maßnahme ist nun die Senkung des intraokularen Drucks. Dafür stehen eine ganze Reihe von Augentropfen zur Verfügung. Ob der Druck nachhaltig gesenkt werden konnte, muss regelmäßig mit dem Tonometer geprüft werden. Sollten die Tropfen keine oder keine ausreichende Wirkung zeigen, kann eine Glaukomoperation notwendig werden, um den Abfluss des Kammerwassers zu verbessern.

Für die drucksenkende Behandlung gibt der Augenarzt einen Zielwert vor, der von Fall zu Fall verschieden ausfällt. Er richtet sich danach, wie weit die Schädigung des Sehnervs fortgeschritten ist, wie hoch der Ausgangsdruck war und wie rasch die Erkrankung voranschreitet. Beim Normaldruckglaukom wird deshalb auch ein Wert weiter gesenkt, der im Normbereich liegt. Die Tonometrie dient von da an nicht mehr der Diagnose, sondern der Frage, ob dieser Zielwert erreicht und gehalten wird.

Für Menschen mit bekanntem Glaukom gehört die Messung damit zu jeder Kontrolle. Wie oft kontrolliert wird, hängt vom Verlauf ab und legt der Augenarzt fest; stabile Verläufe erfordern seltenere Termine als solche, in denen sich Gesichtsfeld oder Sehnervenbefund verändern. Entscheidend ist die Regelmäßigkeit: Da eine Behandlung verlorene Nervenfasern nicht zurückholt, sondern nur den weiteren Verlust aufhalten soll, hängt ihr Nutzen an der Beständigkeit von Anwendung und Kontrolle.

Weil der Augeninnendruck über Tag und Nacht schwankt, sagt eine einzelne Messung wenig aus. Bei begründetem Verdacht wird deshalb ein Tagesdruckprofil erstellt, für das der Wert über den Tag verteilt mehrfach bestimmt wird, in der Klinik auch zu Zeiten, zu denen eine Praxis geschlossen ist. Aufschlussreich ist dabei nicht allein die Höhe der Werte, sondern auch die Schwankungsbreite: Große Ausschläge gelten als eigener Belastungsfaktor für den Sehnerv.

Über die genannten Geräte hinaus gibt es weitere Bauformen für besondere Situationen. Handgehaltene Applanationstonometer erlauben die Messung am liegenden Patienten, etwa auf einer Station oder im Operationssaal. Geräte, die nach dem Rückstoßprinzip arbeiten, schleudern eine sehr leichte Sonde gegen das Auge und berechnen den Druck aus deren Abbremsen; sie kommen ohne Betäubung aus und werden deshalb gern bei Kindern und bei unruhigen Patienten eingesetzt. Daneben gibt es Geräte, die durch das Oberlid hindurch an der Lederhaut messen und die Hornhaut damit vollständig umgehen.


Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Die Risiken einer Tonometrie sind gering, Komplikationen selten. Einzig bei der Applanationstonometrie nach Goldmann besteht eine, wenn auch geringe, Verletzungsgefahr. Daher empfiehlt es sich für Patienten, nach einem Augenarzt mit entsprechender Erfahrung in dieser Diagnostik zu suchen.

Verletzt werden kann dabei allenfalls die oberste Zellschicht der Hornhaut, wenn der Patient sich im falschen Moment bewegt oder das Auge zukneift. Ein solcher Abrieb heilt meist innerhalb weniger Tage von selbst ab, ist in dieser Zeit aber unangenehm und macht das Auge lichtempfindlich. Besteht bereits eine Hornhautentzündung oder eine frische Verletzung der Hornhaut, wird auf den Kontakt verzichtet und ein berührungsloses Verfahren gewählt.

Nach der Messung bleibt das Auge noch eine Weile unempfindlich. In dieser Zeit sollte nicht am Auge gerieben werden, weil eine Verletzung dabei unbemerkt bliebe; der Farbstoff wäscht sich von selbst aus. Wer betäubende Augentropfen erhalten hat, sieht zudem kurzzeitig etwas verschwommen, so dass unmittelbar danach nicht Auto gefahren werden sollte.

Da das Tonometer direkt auf die Hornhaut aufgesetzt wird, ist auch eine Keimübertragung denkbar. Eine penible Desinfektion sollte das jedoch verhindern.

Dazu gehört, dass der Messkörper zwischen zwei Untersuchungen aufbereitet wird; in manchen Praxen werden stattdessen Einmalaufsätze verwendet. Anlass für diese Sorgfalt sind vor allem Erreger, die eine Bindehautentzündung auslösen und über Tränenflüssigkeit übertragbar sind.

Für die Untersuchten bedeutet die Messung ansonsten keinen besonderen Aufwand: Nüchtern sein muss niemand, die Pupille wird dafür nicht erweitert, und eine Nachbeobachtung entfällt. Wer zu einem Tagesdruckprofil einbestellt wird, sollte allerdings für die über den Tag verteilten Termine ausreichend Zeit einplanen.

Auch wenn die Tonometrie zur Abklärung eines Glaukoms ein zentrales Untersuchungsverfahren ist, ist sie nicht Bestandteil des Vorsorgekatalogs. Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen daher nicht übernommen. Die Tonometrie gehört zu den IGeL-Leistungen. Der Patient muss mit rund 20 Euro rechnen. Anders ist es, wenn dringende Verdachtsmomente oder ein erhöhtes Risiko für Grünen Star bestehen. Dann übernehmen die Kassen auch die Kosten für eine Tonometrie.

Nach erfolgter Glaukomdiagnose tragen die Kassen alle weiteren Behandlungsaufwendungen. Die Applanationstonometrie kann und darf nur von Augenärzten durchgeführt werden, da betäubende Augentropfen verabreicht werden müssen. Bei der Non-Contact-Tonometrie hingegen ist das nicht nötig. Daher bieten inzwischen zunehmend Augenoptiker dieses Untersuchungsverfahren an. Aber auch hier gilt: Keine Kostenübernahme durch die Kassen.

Über Risiken und Kosten hinaus hat die Tonometrie eine Einschränkung, die keine Nebenwirkung ist, sondern in der Aussage des Messwerts liegt. Der Augeninnendruck ist der wichtigste beeinflussbare Risikofaktor für ein Glaukom, aber für sich genommen weder Beweis noch Ausschluss. Deshalb steht die Messung nie allein, und erst der Vergleich mehrerer Untersuchungen über die Zeit zeigt, ob eine Erkrankung fortschreitet. Aus demselben Grund ist ein einzelner auffälliger Wert kein Anlass zur Beunruhigung, wohl aber einer für eine weitere Abklärung beim Augenarzt.

Quellen

  • Lang, G. K., Lang, S. J. (Hrsg.): Augenheilkunde.
    ISBN: 9783132454446
  • Grehn, F.: Augenheilkunde.
    ISBN: 9783662591536
  • Pfeiffer, N., Cursiefen, C., Holz, F. G., et al. (Hrsg.): Die Augenheilkunde.
    ISBN: 9783662658239
  • Salmon, J. F.: Kanskis Klinische Ophthalmologie.
    ISBN: 9783437234859
  • Walter, P., Plange, N.: Basiswissen Augenheilkunde.
    ISBN: 9783662528006

Das könnte Sie auch interessieren