Augenheilkunde

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

Sie sind hier: Startseite Behandlungen Augenheilkunde

Das menschliche Auge ist ein kompliziert zusammengesetzter, höchst zweckmäßiger Mechanismus, dessen Funktionstüchtigkeit von der Beschaffenheit und dem Zusammenspiel seiner Einzelteile abhängt. Bekanntlich ist das Auge, das heißt der Augapfel, in eine knöcherne, fast kegelförmige Augenhöhle gebettet. Der in Fettpolster gelagerte und von den Augenmuskeln umgebene Augapfel wird nach vorn von der in die Lederhaut übergehenden Hornhaut gegen die dahinter liegende, mit einer klaren Flüssigkeit gefüllte Vorderkammer abgeschlossen, die wiederum nach hinten von der verschieden gefärbten Regenbogenhaut mit der Pupillenöffnung begrenzt wird.

Inhaltsverzeichnis

Durch die Augen sehen

Augenheilkunde
Die wohl am häufigsten angewandten Geräte in der Augenheilkunde sind die Spaltlampe und der Augenspiegel.

Hinter dieser Regenbogenhaut teilt die Linse die Vorderkammer von dem Augeninnern ab, das von dem klaren Glaskörper vollständig ausgefüllt wird. Dieser Glaskörper hält den Augapfel in Form und ist der lichtempfindlichen Netzhaut vorgelagert; der Augeninnendruck selbst wird durch das ständig neu gebildete und wieder abfließende Kammerwasser bestimmt.

Das normale Sehen ist nun von der Größe des Augapfels, der Stellung der Linse usw. abhängig. Fehler in diesem Zusammenspiel können bekanntlich durch individuell verordnete Augengläser bzw. Brillen korrigiert werden. Dazu jedoch ist eine genaue Kenntnis der Verhältnisse im Augeninnern notwendig. Für eine entsprechende Diagnose benötigt der Arzt, neben fundierten Kenntnissen, zahlreiche technische Hilfsmittel, die manchen Patienten beim Betreten des Untersuchungszimmers faszinieren.

Behandlungsmethoden

Die wohl am häufigsten angewandten Geräte sind die Spaltlampe und der Augenspiegel. Viele krankhafte Veränderungen im vorderen Augenabschnitt, die mit dem Auge allein nicht erkennbar sind, werden unter dem gesammelten (fokussierten) Lichtstrahl der Spaltlampe für den Arzt sichtbar. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war es nicht möglich, in das Augeninnere zu sehen, um auch hier krankhafte Veränderungen diagnostizieren zu können. Erst die umwälzende Erfindung des Augenspiegels durch Helmholtz erschloss dem Arzt auch die direkte Untersuchung des Augeninnenraums. Wie viele große Erfindungen beruht auch diese auf einem eigentlich recht einfachen, unkomplizierten Prinzip.

Durch einen runden, leicht gewölbten Spiegel wird Licht in das zu untersuchende Auge geworfen, am Augenhintergrund reflektiert und durch ein kleines Loch in der Mitte des Spiegels in das Auge des untersuchenden Arztes geleitet. So breitet sich vor dem Arzt die Hinterwand des Auges aus. Er kann den Eintritt des Sehnervs ins Auge, die die Sinneszellen enthaltende Netzhaut und die Blutgefäße sehen, ihre Beschaffenheit kontrollieren und danach seine Maßnahmen festlegen.

Dennoch hat auch der Augenspiegel, ohne den der moderne Augenarzt kaum vorstellbar ist, Grenzen seines Anwendungsbereichs. Die Voraussetzung für eine Untersuchung mit dem Ophthalmoskop sind nämlich klare, durchsichtige vordere Augenabschnitte. Ist jedoch die Hornhaut oder die Linse durch Erkrankung oder Verletzung getrübt und dadurch undurchsichtig geworden, versagt auch der Augenspiegel. Gerade bei derartigen Erkrankungen ist jedoch eine genaue Kenntnis des inneren Auges besonders wichtig.

So ist beispielsweise eine Hornhautüberpflanzung oder eine Operation des grauen Star nur dann sinnvoll und erfolgversprechend, wenn die Netzhaut, also der die Sinneseindrücke aufnehmende Teil des Auges, unverletzt geblieben ist. Bei einer längere Zeit abgelösten und demzufolge nicht mehr richtig ernährten Netzhaut würde das Auge auch nach beseitigter Trübung nicht mehr sehend werden. Dem Patienten könnten in diesem Fall vergebliche Hoffnungen und die Belastung einer Operation erspart werden.


Ultraschalluntersuchung

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts bestand für den Arzt keine Möglichkeit, eine solche Netzhautablösung vor der Operation festzustellen. Erst die Anwendung der Ultraschalldiagnose verschaffte ihm eine Gelegenheit, hinter die getrübte Hornhaut, bzw. Linse zu "sehen". Als Ultraschall werden Schallwellen bezeichnet, die jenseits der Hörbarkeitsgrenze des Menschen liegen, also eine Frequenz (Schwingungszahl pro Sekunde) von mehr als etwa 16.000 haben. Diese hohen Frequenzen – in der Augenheilkunde wird gewöhnlich mit 8 bis 15 Millionen Schwingungen pro Sekunde gearbeitet – werden durch schwingende Quarzplatten erzeugt, die mit Hilfe elektrischer Impulse in Bewegung gesetzt werden.

Die Anwendung des Ultraschalls in der medizinischen Diagnostik beruht auf den Erkenntnissen der Echolotung. Im Gegensatz zum hörbaren Schall ist Ultraschall schlecht durch Luft zu leiten. Er wurde deshalb zunächst vor allem in festen und flüssigen Medien verwendet, also etwa zum Feststellen von Meerestiefen oder zur Materialprüfung. Trifft eine Ultraschallwelle senkrecht auf eine Grenzfläche zwischen zwei Medien, also beispielsweise Wasser und Meeresboden, so wird sie teilweise reflektiert, kehrt zum Sendegerät zurück und kann hier auf einem Bildschirm abgelesen werden. Aus der zwischen dem Sendeimpuls und der Rückkehr der reflektierten Welle verstrichenen Zeit kann die Meerestiefe berechnet werden.

Nach diesem Prinzip arbeitet nun auch die Ultraschalldiagnostik in der Augenheilkunde, da das Auge wie kein anderes menschliches Organ dieser Untersuchungstechnik so leicht zugänglich ist. Das Auge ist in diesem Fall als eine wassergefüllte Kugel mit sehr regelmäßiger Begrenzung zu betrachten, auf die sich die erwähnte Technik des Echolotens ohne Schwierigkeiten übertragen lässt.

Das Ultraschallgerät, das in der Medizin verwendet wird, besteht aus dem Stromversorgungsteil, dem Sender, dem Empfänger und dem Anzeigesystem. Während der Sender elektrische Impulse erzeugt, die dem auf das Auge gesetzten Schallkopf zugeleitet werden, wandelt dieser die Impulse in Ultraschall um und schickt sie in das Untersuchungsobjekt. Die reflektierten Schallwellen werden wieder vom Schallkopf aufgenommen, umgewandelt und dem Gerät zugeleitet. Ein Monitor bzw. Computer lässt die von dem Augenhintergrund reflektierten Schallwellen sichtbar werden und stellt sie als Echokurve grafisch dar.

Eine Ultraschalluntersuchung ist schonend, da das Auge dabei nicht operativ geöffnet zu werden braucht. Der Patient legt sich auf eine Liege und fixiert mit dem gesunden Auge einen an die Zimmerdecke projizierten Pfeil, damit das Auge während der Untersuchung möglichst ruhig steht. Nachdem das zu untersuchende Auge mit einigen betäubenden Tropfen unempfindlich gemacht wurde, wird der Schallkopf leicht auf das Auge gelegt. Die Untersuchung geht dann in mehreren Richtungen vor sich, das heißt, der Schallkopf wird nacheinander an verschiedenen Stellen aufgesetzt, jedoch immer so, dass der Schallstrahl durch den Augenmittelpunkt geleitet wird und senkrecht auf die hintere Augenwand trifft.

Das Ergebnis wird sofort am Gerät abgelesen und auf fotografischem oder digitalem Wege festgehalten. Von den Erkrankungen, die mit Ultraschall diagnostizierbar sind, wurde bereits eine, nämlich die Ablösung der Netzhaut erwähnt, die zum Erlöschen des Sehvermögens führen kann. In diesem Fall ist zwischen die im Glaskörper schwimmende abgelöste Netzhaut und die hintere Augenwand Flüssigkeit gedrungen, die zwar keine Echos auf dem Bildschirm ergibt, jedoch das Netzhautecho an einer Stelle erscheinen lässt, wo es normalerweise nicht auftreten dürfte.

Eine andere, mit Ultraschall festzustellende Erkrankung sind Geschwülste im Auge. Die Echos entstehen dabei am dichten Gewebe der Geschwulst. Ganz ähnlich sieht auch das Echogramm einer alten Blutung im Auge aus. Beide werden durch entsprechende Untersuchungsmethodik, z.B. durch verschieden hohe Sendeleistung, voneinander unterschieden. Es ist sogar möglich, mit der Echolotung die Höhe einer im Auge bereits festgestellten Geschwulst zu berechnen und auch die gesamte Augapfellänge festzustellen. Ferner lassen sich Fremdkörper im Auge ermitteln und weitere Untersuchungen vornehmen. Mit dieser Methode ist es also seit geraumer Zeit gelungen, das früher unsichtbare Augeninnere bei einer Trübung der genauen Untersuchung zu erschließen und so die Augenheilkunde um eine weitere wertvolle Diagnosemöglichkeit zu bereichern.

Die Augenheilkunde als medizinisches Fachgebiet

Die Augenheilkunde, mit ihrem griechisch gebildeten Namen auch Ophthalmologie genannt, ist eines der ältesten eigenständigen Fachgebiete der Medizin. Sie befasst sich mit der Erkennung, der Behandlung und der Vorbeugung von Erkrankungen des Auges und seiner Anhangsgebilde – dazu zählen die Augenlider, die Tränendrüse und die ableitenden Tränenwege sowie die Augenmuskeln – ebenso wie mit Erkrankungen der Augenhöhle und mit der Bestimmung und Korrektur von Fehlsichtigkeiten. Eine Besonderheit des Fachs liegt darin, dass Untersuchung und Eingriff in einer Hand liegen: Der Augenarzt stellt nicht nur die Diagnose, sondern führt auch die Operationen selbst durch. In vielen anderen Gebieten sind diese Aufgaben auf verschiedene Fächer verteilt.

Wer als Augenärztin oder Augenarzt tätig sein will, durchläuft nach dem Studium der Medizin und der Erteilung der Approbation eine Weiterbildung, die in Deutschland in der Regel fünf Jahre dauert. Ihre Inhalte legen die Weiterbildungsordnungen der Landesärztekammern fest; abgeleistet wird sie an Augenkliniken und in dafür zugelassenen Praxen, und sie schließt mit einer Prüfung vor der Ärztekammer ab. Innerhalb des Fachs haben sich Arbeitsschwerpunkte herausgebildet, etwa für Erkrankungen der Netzhaut, für die Hornhaut, für den Grünen Star, für die Augenheilkunde bei Kindern oder für die plastische Chirurgie der Lider. Auch die Grenze zwischen ambulanter und stationärer Versorgung verläuft hier anders als in anderen Fächern, weil viele Eingriffe am Auge ohne Übernachtung in der Klinik durchgeführt werden.

Abgrenzung zu benachbarten Berufen und Fächern

Häufig verwechselt wird die Augenheilkunde mit der Augenoptik. Der Augenoptiker übt einen Handwerksberuf aus: Er fertigt Sehhilfen an, passt Brillen und Kontaktlinsen an und bestimmt dazu die erforderliche Stärke der Gläser. Krankheiten zu erkennen und zu behandeln gehört nicht zu seinen Befugnissen; die Ausübung der Heilkunde ist Ärzten vorbehalten. Für den Betroffenen ist der Unterschied dort von Bedeutung, wo eine nachlassende Sehschärfe nicht auf einer Fehlsichtigkeit beruht, sondern auf einer Erkrankung – eine neue Brille beseitigt dann das Symptom nicht.

Ein weiterer Beruf im Umfeld ist die Orthoptik. Orthoptistinnen und Orthoptisten arbeiten in der sogenannten Sehschule und befassen sich mit dem Schielen, mit Störungen der Augenbewegung und des beidäugigen Sehens sowie mit der Schwachsichtigkeit (Amblyopie) im Kindesalter. Sie untersuchen und behandeln auf Anordnung und in Zusammenarbeit mit dem Augenarzt.

Überschneidungen bestehen zudem zu mehreren ärztlichen Fächern. Zur Neurologie führt der Weg über die Sehbahn: Ein Ausfall im Gesichtsfeld nach einem Schlaganfall entsteht nicht am Auge, sondern im Gehirn, und Lähmungen der Augenmuskeln beruhen auf einer Schädigung der zuständigen Nerven. Mit der Inneren Medizin verbindet die Augenheilkunde vor allem die Diabetische Retinopathie und die Veränderungen der Netzhautgefäße bei hohem Blutdruck; entzündliche Erkrankungen im Inneren des Auges treten häufig bei rheumatischen Grunderkrankungen auf. Zur Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und zur Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie besteht ein Bezug über die Augenhöhle, die unmittelbar an die Nasennebenhöhlen grenzt, zur Kinderheilkunde über die Netzhautschäden sehr früh geborener Kinder und zur Arbeitsmedizin über Augenschutz und Bildschirmarbeit.

Häufige Krankheitsbilder

Am weitesten verbreitet sind die Fehlsichtigkeiten, bei denen nicht das Auge erkrankt, sondern die Brechkraft nicht zur Länge des Augapfels passt. Bei der Kurzsichtigkeit entsteht das Bild vor der Netzhaut, bei der Weitsichtigkeit dahinter; bei der Hornhautverkrümmung ist die Hornhaut nicht gleichmäßig gewölbt, so dass ein Punkt nicht als Punkt abgebildet wird. Die Alterssichtigkeit beruht darauf, dass die Linse mit den Jahren an Verformbarkeit verliert und das Auge nicht mehr auf die Nähe umstellen kann.

Zu den bedeutenden Erkrankungen des höheren Lebensalters gehören der Graue Star, also die Trübung der Linse, und der Grüne Star, bei dem der Sehnerv geschädigt wird, häufig in Verbindung mit einem erhöhten Augeninnendruck. Der Grüne Star verläuft in seiner häufigsten Form schleichend und beginnt am Rand des Gesichtsfeldes, wo Ausfälle lange unbemerkt bleiben; verlorengegangene Nervenfasern lassen sich nicht ersetzen, weshalb der Früherkennung hier besonderes Gewicht zukommt. Die altersabhängige Makuladegeneration betrifft die Stelle des schärfsten Sehens und beeinträchtigt damit Lesen und Gesichtererkennen, während das Sehen am Rand erhalten bleibt.

Hinzu kommen Erkrankungen der Netzhaut und der Gefäße, unter ihnen die im Artikel bereits behandelte Netzhautablösung und die diabetische Netzhauterkrankung, ferner Entzündungen von Bindehaut, Lidrand, Hornhaut und Aderhaut, das trockene Auge, Störungen des Tränenabflusses sowie Verletzungen und Verätzungen, die zu den echten Notfällen des Fachs zählen.

Weitere Untersuchungsverfahren

Neben den beschriebenen Geräten steht dem Augenarzt eine Reihe weiterer Verfahren zur Verfügung. Am Anfang jeder Untersuchung steht die Prüfung der Sehschärfe mit genormten Tafeln oder Projektoren, gefolgt von der Bestimmung der Brechkraft, für die Prüfgläser und Messgeräte eingesetzt werden. Für die Beurteilung des Augenhintergrundes wird die Pupille häufig mit Augentropfen erweitert; diese Wirkung hält einige Stunden an, in denen die Betroffenen geblendet sind und in der Nähe unscharf sehen, so dass sie in dieser Zeit nicht fahrtüchtig sind.

Die Messung des Augeninnendrucks (Tonometrie) erfolgt durch das Abplatten der Hornhaut mit einem kleinen Messkörper oder berührungslos mit einem Luftstoß. Die Untersuchung des Gesichtsfeldes (Perimetrie) prüft, ob Lichtmarken an vielen verschiedenen Stellen des Sehfeldes wahrgenommen werden; sie ist für die Beurteilung des Grünen Stars und für Erkrankungen der Sehbahn unentbehrlich und wird auch bei Fragen der Fahreignung herangezogen. Die optische Kohärenztomographie erzeugt mit Hilfe von Licht Schnittbilder der Netzhaut und macht deren einzelne Schichten sichtbar; bei der Fluoreszenzangiographie wird ein Farbstoff in eine Armvene gespritzt, der die Gefäße von Netz- und Aderhaut in einer Bildfolge darstellt. Weitere Verfahren vermessen die Wölbung der Hornhaut, prüfen den Farbsinn mit besonderen Farbtafeln, messen die Tränenproduktion oder zeichnen die elektrische Antwort der Netzhaut auf Lichtreize auf.

Therapeutische Verfahren

Die Behandlungsmöglichkeiten des Fachs reichen von der Sehhilfe bis zur Mikrochirurgie. Fehlsichtigkeiten werden mit Brille oder Kontaktlinsen ausgeglichen; die refraktive Chirurgie, zu der das Laserverfahren LASIK gehört, verändert dagegen die Brechkraft der Hornhaut selbst. Medikamente werden am Auge überwiegend örtlich angewendet, als Tropfen oder Salbe – etwa entzündungshemmende Mittel, Antibiotika oder Präparate, die den Augeninnendruck senken sollen. Bei bestimmten Erkrankungen der Netzhaut werden Wirkstoffe unmittelbar in den Glaskörper eingebracht.

Der Laser wird in der Augenheilkunde seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eingesetzt. Mit ihm lassen sich Risse und Löcher der Netzhaut an ihren Rändern verschweißen, veränderte Gefäßgebiete bei der diabetischen Netzhauterkrankung behandeln, eine nachträgliche Trübung hinter einer Kunstlinse eröffnen oder eine kleine Öffnung in die Regenbogenhaut setzen, um bei bestimmten Formen des Grünen Stars den Abfluss des Kammerwassers wiederherzustellen.

Zu den operativen Eingriffen zählen die Entfernung der getrübten Linse mit dem Einsetzen einer künstlichen Linse, drucksenkende Eingriffe beim Grünen Star, die Chirurgie von Glaskörper und Netzhaut, die im Artikel erwähnte Hornhautüberpflanzung, Operationen an den Augenmuskeln beim Schielen sowie Eingriffe an Lidern und Tränenwegen. Möglich geworden sind diese Eingriffe erst mit dem Operationsmikroskop und mit Nahtmaterial, das feiner ist als ein menschliches Haar.

Zur Geschichte des Fachgebiets

Erkrankungen des Auges gehören zu den ältesten beschriebenen Leiden der Medizingeschichte. Die Trübung der Linse wurde über Jahrhunderte mit dem sogenannten Starstich behandelt: Mit einer Nadel wurde die getrübte Linse aus der Sehachse in den Glaskörper gedrückt. Der Eingriff verschaffte manchen Behandelten eine grobe Orientierung zurück, ließ das Auge aber ohne Sammellinse und damit ohne scharfes Bild, und er ging mit schweren Entzündungen einher. Bis in die frühe Neuzeit wurde er häufig von umherziehenden Laienbehandlern ausgeführt.

Zu einem eigenständigen Universitätsfach wurde die Augenheilkunde im 19. Jahrhundert. In dieser Zeit wirkte Albrecht von Graefe, der unter anderem den Einschnitt in die Regenbogenhaut zur Behandlung des Grünen Stars einführte und als einer der Begründer der modernen Ophthalmologie gilt; in dieselbe Zeit fällt die im Artikel beschriebene Erfindung des Augenspiegels. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam die Spaltlampe hinzu, in der Mitte des Jahrhunderts die erste künstliche Linse, deren Entwicklung auf die Beobachtung zurückging, dass Splitter eines bestimmten Kunststoffes im Auge verletzter Flieger über lange Zeit reizlos vertragen wurden. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts folgten der Ultraschall, der Laser und die Operation unter dem Mikroskop, und in jüngerer Zeit sind die Schnittbildverfahren hinzugekommen, die den Aufbau der Netzhaut sichtbar machen, ohne das Auge zu berühren.

Quellen

  • Grehn, F.: Augenheilkunde.
    ISBN: 9783662591536
  • Lang, G. K., Lang, S. J. (Hrsg.): Augenheilkunde.
    ISBN: 9783132454446
  • Augustin, A. J.: Augenheilkunde.
    ISBN: 9783942825771
  • Kampik, A., Grehn, F., Messmer, E. M., Lagrèze, W. A., Schumann, R. G. (Hrsg.): Facharztprüfung Augenheilkunde.
    ISBN: 9783132438002
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655

Das könnte Sie auch interessieren