Trichterbrust


Aktualisiert am 21. Mai 2019 von Dr. med. Nonnenmacher

Eine Trichterbrust ist eine trichterförmige Deformität der Thoraxwand infolge einer gestörten Ausbildung der Knorpelverbindungen zwischen Brustbein und Rippen. Männer sind mit einem Verhältnis von 3:1 etwas häufiger von einer Trichterbrust betroffen als Frauen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Trichterbrust?

Als Trichterbrust (Pectus excavatum) wird eine sichtbare Deformation der Thoraxwand bezeichnet, von welcher in aller Regel die 4. bis 7. Rippe im unteren Sternum betroffen sind und die sich im Gegensatz zur sogenannten Kiel- bzw. Hühnerbrust bereits im Kindesalter manifestiert.

Fehlentwicklungen in den knorpeligen Verbindungen zwischen Rippen und Brustbein bedingen eine trichterförmige Einsenkung des vorderen Thoraxbereichs, die symmetrischer oder asymmetrischer Gestalt sein kann.

Durch diesen Trichter können innere Brustorgane wie das Herz in Abhängigkeit von der spezifisch vorliegenden Ausprägung verdrängt werden und bei Extremformen zu folgenschweren kardiopulmonalen (Herz und Lungen betreffende) Alterationen führen, die eine verminderte Lungenbelüftung bedingen.

Darüber hinaus kann eine Trichterbrust mit einer Kyphoskoliose oder weiteren Erkrankungen infolge von Haltungsfehlern (Lumbalgie, Dorsalgie) einhergehen.

Ursachen

Die genauen Ursachen für eine Trichterbrust konnten bislang nicht abschließend geklärt werden. In den meisten Fällen ist die Erkrankung allerdings auf genetische Faktoren, die infolge eines gestörten Knorpelstoffwechsels zu weichen Rippenknorpeln führen, zurückzuführen.

Entsprechend befindet sich bei etwa 35 bis 37 Prozent der Betroffenen ein Verwandter ersten Grades mit dieser Erkrankung im familiären Umfeld. Allerdings konnte das spezifische Gen, das die Manifestierung einer Trichterbrust auslöst, noch nicht entschlüsselt werden.

Daneben wird eine Trichterbrust in einigen Fällen mit bestimmten Syndromen wie das Marfan-Syndrom assoziiert. Auch nach bestimmten Erkrankungen (Pleuraschwarte), als Folgeerkrankung chirurgischer Eingriffe am Zwerchfell oder Brustwand sowie infolge eines stark erhöhten Alkoholkonsums während der Schwangerschaft (fetales Alkoholsyndrom) kann eine Trichterbrust beobachtet werden.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Trichterbrust ist bereits bei der Geburt deutlich erkennbar. Symptomatisch ist ein nach innen gedrückter Brustkorb. Meist bestehen in den ersten Lebensjahren keine weiteren auffälligen Beschwerden. Erst ab der Pubertät und mit zunehmendem Erwachsenenalter treten eine Reihe an Anzeichen auf, die mit der angeborenen Fehlbildung zusammenhängen.

Gerade die Pubertät bringt für Personen mit einer Trichterbrust eine psychische Belastung mit sich. Betroffene schämen sich für ihren Körper und ziehen sich zurück. Der soziale Umgang mit Gleichaltrigen leidet. Hinzu kommt, dass die Deformität im Wachstum zunimmt, was die psychische Symptomatik verstärkt. Betroffene sind im Vergleich zu anderen Gleichaltrigen physisch nicht so leistungsstark.

Dieses erstreckt sich auf das gesamte Leben. Schon kleine Belastungen können zu Atembeschwerden und Luftnot führen. In der Entwicklungsphase zum Mann oder zur Frau kann sich das Herz manchmal aufgrund des beschränkten Korpus nicht weiter ausdehnen. Im Alter ist dann regelmäßig mit Herzbeschwerden zu rechnen.

Auch ist erwiesen, dass das Herz unter Umständen andere Organe einquetscht. Betroffene müssen grundsätzlich während ihres ganzen Lebens Bewegungseinschränkungen hinnehmen. Oft entwickelt sich eine Fehlhaltung in Form eines Rundrückens. Daraus resultieren nicht selten Schäden an den Bandscheiben.

Diagnose & Verlauf

Eine Trichterbrust kann in aller Regel anhand der von außen sichtbaren trichterförmigen Einsenkung im Bereich der Brustwand, die zumeist bereits im ersten Lebensjahr auftritt und sich bis zum Wachstumsabschluss verstärkt, diagnostiziert werden.

Die vollständige Beurteilung der Deformation erfolgt anhand einer Computertomographie der Brustwand. Im Rahmen von Lungenfunktionsprüfungen wie Spirometrie oder Bodyplethysmographie können Beeinträchtigungen der Luftwege festgestellt werden. Kardiodiagnostische Verfahren (Echokardiogramm) geben Aufschluss über eine Beteiligung des Herzens (Mitralklappen-Prolaps).

Daneben sollten durch eine Röntgenuntersuchung der Wirbelsäule andere zugrunde liegende Erkrankungen (Kielbrust, Harrenstein-Deformität) ausgeschlossen werden. Eine Trichterbrust weist in den meisten Fällen eine milde Ausprägung und einen guten Verlauf auf. Untherapiert kann eine Trichterbrust allerdings infolge von Haltungsfehlern zu Fehlbildungen der Wirbelsäule und Störungen des Herzens oder der Lunge führen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei einer Trichterbrust ist immer ein Arzt zu kontaktieren. Diese Krankheit muss auf jeden Fall von einem Mediziner untersucht und behandelt werden, damit es nicht zu weiteren Komplikationen oder Beschwerden kommt. Bei dieser Krankheit wirkt sich eine frühzeitige Diagnose mit einer anschließenden Behandlung sehr positiv auf den weiteren Verlauf der Krankheit aus und kann auch weitere Komplikationen verhindern. Eine Selbstheilung tritt in der Regel nicht ein. Ein Arzt ist dann aufzusuchen, wenn der Betroffene an einer Fehlbildung an der Brust leidet.

Die Brust ist dabei stark nach innen gedrückt, was meistens auch mit dem bloßen Auge zu erkennen ist. Weiterhin können Atembeschwerden oder in schwerwiegenden Fällen sogar eine Atemnot auf die Trichterbrust hindeuten. Auch Herzschmerzen weisen auf diese Krankheit hin. Sollte die Trichterbrust nicht behandelt werden, führt sie meist zu Einschränkungen in der Bewegung des Betroffenen.

Bei einer Trichterbrust kann ein Orthopäde oder ein Allgemeinarzt aufgesucht werden. Die weitere Behandlung erfolgt dann meist operativ. Da die Krankheit auch zu Depressionen oder zu anderen psychischen Beschwerden führen kann, ist meist auch der Besuch bei einem Psychologen notwendig.

Behandlung & Therapie

Die therapeutischen Maßnahmen hängen bei einer Trichterbrust von der spezifisch vorliegenden Ausprägung der Deformität ab. So werden leichte Fehlbildungen ohne klinische oder psychologische Beeinträchtigung in der Regel im Rahmen krankengymnastischer Maßnahmen zur Korrektur von Haltungsfehlern (Haltungsgymnastik) therapiert.

Eine Indikation für einen operativen Eingriff leitet sich aus der psychischen Belastung infolge der Trichterbrust sowie dem Grad der Deformation ab und in schwer ausgeprägten Fällen werden die konservativen Maßnahmen durch eine operative Korrektur der Fehlbildung komplementiert. In den meisten Fällen wird die Korrektur durch das minimal-invasive Operationsverfahren nach Nuss durchgeführt.

Hierzu wird über eine Öffnung des Brustkorbs durch zwei kleinere Schnitte im Bereich der Achseln ein individuell angepasster U- bzw. C-förmiger Metallbogen implantiert, der den Brustkorb durch dessen Anhebung in die reguläre Position bringt und Raum für proximale Organe wie das Herz schafft. Bei Jugendlichen verleibt das Implantat bis zum Wachstumsabschluss im Körper des Betroffenen, um einer erneuten Trichterbildung vorzubeugen.

Daneben kommt vereinzelt auch das offene Korrekturverfahren nach Ravitch – Welsh – Rehbein zum Einsatz, bei welchem über einen horizontalen (bei Männern) oder vertikalen (bei Frauen) Schnitt am Brustkorb die betroffenen Rippen modelliert bzw. entfernt und durch Implantate substituiert werden, um die Trichterbrust zu korrigieren.

Ein rein kosmetisches Operationsverfahren ist das Auffüllen der Einsenkung mit Silikonimplantaten. Zudem stellt eine langfristige Behandlung mit einer Saug- bzw. Vakuumglocke eine relativ neue alternative Therapiemöglichkeit dar, mit deren Hilfe das Sternum regelmäßig angehoben und entsprechend der Trichter verringert werden soll. Allerdings liegen noch keine Langzeitstudien zu dieser Behandlungsmöglichkeit für eine Trichterbrust vor.

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Vorbeugung

Einer genetisch bedingten Trichterbrust kann nicht vorgebeugt werden. Allerdings helfen physiotherapeutische Maßnahmen, insbesondere eine Stärkung der Rücken- und Brustmuskulatur, das Risiko für eine Organbeteiligung zu minimieren. Zudem sollte während der Schwangerschaft auf übermäßigen Alkoholkonsum verzichtet werden, um ein fetales Alkoholsyndrom, das neben anderen Fehlbildungen auch eine Trichterbrust bedingen kann, zu vermeiden.

Nachsorge

Je nach Ausprägung der Trichterbrust erfolgt eine operative Behandlung. Die Nachsorge der Wunde, inklusive der Entfernung der Fäden, erfolgt durch den behandelnden Arzt. Bis zu sechs Wochen nach der Operation ist es ratsam keinen Sport zu betreiben und möglichst beim Schlafen auf dem Rücken zu liegen. Während dieser Zeit wird normalerweise die Einnahme an Schmerzmittel reduziert.

Auch dies wird durch den Arzt reguliert. Nach Ablauf der sechs Wochen kann der Patient mit der Krankengymnastik beginnen. Der Patient kann auch langsam wieder damit beginnen Sport zu treiben. Die Intensität und Menge an Sport sollte aber mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden. Von bestimmten Sportarten wie Boxen wird allerdings für längerfristig abgeraten, um Schäden im Brustbereich zu vermeiden.

Von Vorteil ist außerdem, wenn der Patient bis mindestens drei Monate nach der Operation keine schweren Lasten trägt. Nach etwa einem Jahr sind Nachbehandlungen nur nach Bedarf nötig. Eine Ausnahme hierbei ist die Entfernung der Bügel drei Jahre nach der eigentlichen Operation. Die Entfernung erfolgt durch eine weitere Operation. Bei Patienten mit einer Trichterbrust kann es zudem zu einer psychischen Belastung kommen, welche durch einen professionellen Therapeuten behandelt werden kann.

Das können Sie selbst tun

Unabhängig von der konservativen Behandlung der Trichterbrust, die heutzutage meist operativ oder mittels Saugglocken stattfindet, empfiehlt es sich, Fehlhaltungen wie ein Hohlkreuz oder hängende Schultern durch Krankengymnastik zu korrigieren. Die Betroffenen müssen sich bewusst um eine natürliche Haltung bemühen, um ihre Haltung langfristig zu verbessern. Durch regelmäßiges Training und die daraus resultierenden Erfolge wird auch das Selbstvertrauen der Betroffenen gestärkt.

Nach einer Operation müssen sich die Patienten schonen. Die Wunde muss fachgerecht versorgt und sorgfältig beobachtet werden, da die Gefahr von Entzündungen oder Blutungen besteht.

Die Trichterbrust muss nicht zwingend behandelt werden. Betroffene, die sich gegen eine Therapie entscheiden, sollten therapeutische Möglichkeiten nutzen, um den Umgang mit der Fehlstellung des Brustkorbs zu erleichtern. Auch der Besuch einer Selbsthilfegruppe und der Kontakt mit anderen Betroffenen kann sinnvoll sein, wenn die Trichterbrust eine erhebliche Belastung darstellt. Meist müssen die Eltern zudem darauf achten, dass das Kind sich trotz der Fehlbildung gesund entwickelt. Vor allem während der Pubertät kann es zu Ausgrenzung und Mobbing kommen. Wenn diese Situationen auftreten, müssen die Eltern von betroffenen Kindern mit den Lehrern und anderen Eltern sprechen.

Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Grifka, J., Krämer, J.: Orthopädie, Unfallchirurgie. Springer, Heidelberg 2013
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014


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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Dieter kommentierte am 14.07.2016

Ich habe seit vielen Jahren, vermutlich harmlose, Herzrhythmusstörungen. Vermutlich aufgrund einer Trichterbrust, circa drei bis vier cm tief, nehme ich diese sehr deutlich war. Anfangs war das psychisch extrem belastend. Seit ich diesen Zusammenhang vermute, ist es erträglicher, aber immer noch unerfreulich. Ich bin 59 Jahre alt und konnte zum Glück bisher keine weiteren Auswirkungen der Trichterbrust feststellen. Vielleicht hilft anderen Patienten die Kenntnis des möglichen Zusammenhangs einer Trichterbrust mit der versteckten Wahrnehmung von Herzrhythmusstörungen. Das konnte ich bisher so nirgends nachlesen.

S-Müh kommentierte am 25.02.2019

Meine Schwiegermutter (98) hat eine üble Trichterbrust und einhergehend auch üble Haltungsschäden. Sie nimmt schon jahrzehntelang sehr starke Schmerzmittel. Bei meinem Mann fiel mir das erst jenseits der 50 auf, dass auch er betroffen ist. Nachdem, was es an Infos dazu gibt, hätte ich es doch viel früher bemerken müssen. Mein Mann lehnt Schmerzmittel generell ab, nimmt aber immer mehr Schonhaltung ein, so dass das Ganze sich immer schlechter gestaltet. Liebe Grüße, danke für den guten Artikel.