Herzinsuffizienz
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 19. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
Sie sind hier: Startseite Krankheiten Herzinsuffizienz
Eine Herzinsuffizienz, Herzmuskelschwäche oder Herzschwäche ist eine zumeist irreversible Störung und Erkrankung des Herzens. Vor allem leidet der Blutkreislauf unter einer Herzinsuffizienz. Als Folge kann nicht mehr ausreichend Blut für die Organe bereitgestellt werden. Atemnot, Müdigkeit und allgemeine Schwäche, sowie Wassereinlagerungen sind typische Anzeichen einer Herzinsuffizienz.
Wer ständig müde ist und immer wieder unter Luftnot leidet, sollte auf jeden Fall seinen Hausarzt oder einen Kardiologen aufsuchen. Den Symptomen könnte eine Herzmuskelschwäche, auch Herzinsuffizienz, zugrunde liegen! Mehr als zehn Prozent aller über 75-Jährigen in Deutschland sind von der Krankheit betroffen.
Was ist Herzinsuffizienz?
Jedes Jahr erkranken etwa 295 von 100.000 Frauen und 380 von 100.000 Männern an Herzinsuffizienz in Deutschland. Das durchschnittliche Lebensalter bei Einsetzen der Erkrankung liegt zwischen 70 und 80 Jahren für beide Geschlechter. Bestimmte Formen der Herzinsuffizienz können aber auch schon in einem früheren Lebensalter auftreten. Bei dieser Erkrankung liegt in der Regel eine Herzmuskelschwächung vor, die das Herz in seiner Pumpfunktion beeinträchtigt.
Daher kann die vom Organismus geforderte Blutmenge zur optimalen Durchblutung des Gewebes nicht gewährleistet werden. Es wird zwischen einer Linksherz- und einer Rechtsherzinsuffizienz unterschieden, die unterschiedliche und für die Erkrankung typische Symptome aufweisen. Sind beide Herzhälften betroffen, spricht man von einer Globalinsuffizienz.
Das häufigste Symptom einer Linksherzinsuffizienz ist Atemnot (Dyspnoe). Im Anfangsstadium tritt sie nur bei körperlicher Belastung auf, bei fortschreitender Erkrankung dann aber auch in Ruhe. Diese Luftnot kann sich beim Hinlegen zusätzlich intensivieren und zu nächtlichen Attacken führen, was der Volksmund als „Herzasthma“ bezeichnet. Ein weiteres Symptom einer Linksherzinsuffizienz sind Wassereinlagerungen in der Lunge, die zu gurgelartigen Nebengeräuschen beim Atmen führen.
Bei einer Rechtsherzinsuffizienz treten diese Wassereinlagerungen im Bauchraum (Aszites) und den Beinen (Beinödem) auf. Diese Wassereinlagerungen werden teilweise nachts von der Niere ausgeschieden, so dass das häufige nächtliche Wasserlassen (Nykturie) ein weiteres typisches Symptom darstellt, ebenso die durch die Wassereinlagerungen bedingte Gewichtszunahme des Patienten.
Es wird grundsätzlich zwischen einer chronischen und einer akuten Form der Herzinsuffizienz unterschieden. Die akute Form tritt binnen weniger Stunden oder Tage auf. Die chronische Form benötigt dagegen Monate oder Jahre. Links- und Rechtsherzinsuffizienz können akut oder chronisch verlaufen.
Bei einer Herzinsuffizienz ist das Herz nur noch unzureichend dazu in der Lage, das aus dem Körper zurückfließende Blut aufzunehmen und zu den Organen zu pumpen. Eine akute Herzinsuffizienz kann sich innerhalb von Stunden oder auch wenigen Tagen entwickeln. Sie ist ein medizinischer Notfall, der sofort behandelt werden muss.
Eine chronische Herzinsuffizienz entsteht über einen längeren Zeitraum, in der Regel über Monate oder sogar Jahre. Es gibt verschiedene Formen der Erkrankung: Bei einer Linksherzinsuffizienz ist vor allem die linke Herzhälfte betroffen, bei einer Rechtsherzinsuffizienz die rechte. Erbringen beide Herzhälften keine ausreichende Leistung, spricht man von einer globalen Herzinsuffizienz.
Wie stark die Beschwerden ausgeprägt sind, wird in die vier NYHA-Stadien I bis IV eingeteilt: Im Stadium I bestehen keine Beschwerden, im Stadium II treten sie bei stärkerer Alltagsbelastung auf, im Stadium III schon bei leichter Belastung und im Stadium IV bereits in Ruhe. Daneben unterscheiden Ärzte heute nach der Auswurffraktion, also dem Anteil des Blutes, den die linke Herzkammer bei jedem Schlag auswirft. Ist er vermindert, spricht man von einer Herzinsuffizienz mit reduzierter Pumpfunktion (HFrEF), ist er erhalten, von einer Herzinsuffizienz mit erhaltener Pumpfunktion (HFpEF). Diese Unterscheidung ist wichtig, weil sich die beiden Formen unterschiedlich behandeln lassen.
Ursachen
Die Liste der Ursachen für das Auftreten von Herzinsuffizienz ist recht umfangreich: Arteriosklerose der Herzkranzgefäße ist die häufigste aller Ursachen, gefolgt von Bluthochdruck, Herzmuskelerkrankungen, Herzmuskelentzündungen, Herzrhythmusstörungen, Herzklappenanomalien, Perikarderguss und damit verbundener Einengung des Herzbeutels und Stoffwechselerkrankungen. Tachykardien und Bradykardien (zu schnelle und zu langsame Herzfrequenz) sind oft Ursache der akuten Herzinsuffizienz.
Als Ursache für eine Herzmuskelschwäche kommt zum Beispiel ein nur unzureichend behandelter Bluthochdruck in Frage. Auch eine koronare Herzkrankheit (KHK), eine Verkalkung der Herzkranzgefäße, muss als Auslöser einer Herzinsuffizienz in Betracht gezogen werden.
Die Krankheit macht sich durch eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit und Atemnot bemerkbar, die durch einen Blutstau vor dem Herzen ausgelöst wird. Zudem treten häufig auch Funktionsstörungen aller Organe auf, zum Beispiel Nierenversagen, das wiederum Wasseransammlungen im ganzen Körper und in den Beinen zur Folge hat.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Welche Anzeichen und Beschwerden eine Herzschwäche hervorruft, hängt davon ab, ob es sich um die akute oder die chronische Form handelt. Mögliche Symptome einer akuten Herzinsuffizienz sind Husten und schwere Atemnot, der Atem kann rasselnd klingen. Betroffene haben außerdem einen ungewöhnlich schnellen Herzschlag, und in Einzelfällen treten auch Herzrhythmusstörungen auf.
Äußerlich kann eine Herzinsuffizienz an der blassen Haut und wiederkehrenden Schweißausbrüchen erkannt werden. Die Beschwerden treten meist ganz plötzlich auf und verschlimmern sich innerhalb kurzer Zeit. Eine akute Herzschwäche stellt einen medizinischen Notfall dar und muss umgehend behandelt werden. Die chronische Herzschwäche entwickelt sich im Normalfall schleichend.
Der Patient bemerkt zunächst eine Abnahme der Leistungsfähigkeit und fühlt sich schneller erschöpft und müde. Meist tritt schon bei leichter körperlicher Anstrengung Atemnot auf. Ein weiteres Warnzeichen sind Ödeme. Diese Flüssigkeitseinlagerungen treten vor allem in den Beinen auf und nehmen im Verlauf der Erkrankung an Größe zu.
In den fortgeschrittenen Stadien der Herzinsuffizienz rufen die Ödeme einen verstärkten nächtlichen Harndrang hervor. Betroffene nehmen zudem oft an Gewicht zu, ohne dass die Ernährungsgewohnheiten umgestellt wurden. Die chronische Herzinsuffizienz entwickelt sich oft über Jahre und wird im besten Fall frühzeitig erkannt und behandelt.
Verlauf
Der Krankheitsverlauf einer Herzinsuffizienz wird entscheidend bedingt durch die ihr zugrundeliegende Ursache und den Schweregrad.
Bei fast allen weiter oben genannten Ursachen muss mit einer fortschreitenden Verschlechterung gerechnet werden. Eine notwendig werdende medikamentöse Therapie kann diesen Prozess verlangsamen, aber nicht revidieren. Lange Zeit galt das ausnahmslos. Nach heutigem Kenntnisstand kann sich die Pumpfunktion unter einer konsequenten modernen Kombinationstherapie bei einem Teil der Betroffenen wieder deutlich erholen; Fachleute sprechen dann von einem umgekehrten Umbau des Herzmuskels (reverse Remodeling).
Bei hohem Schweregrad leidet der Patient zudem unter einer einschneidenden Beeinträchtigung der Lebensqualität und reduzierter Lebenserwartung, da die Mortalitätsrate (Sterblichkeitsrate) bei Herzinsuffizienz hoch ist.
In diesem Zusammenhang ist eine ausreichende medikamentöse Kompensierung einer Herzinsuffizienz eine lebensverlängernde Maßnahme. Die Prognose kann sich weiterhin vergünstigen bei einer gesunden Lebensweise und regelmäßiger ärztlicher Kontrolle.
Komplikationen
Eine Herzinsuffizienz kann schwere Komplikationen verursachen, die im schlimmsten Fall den Tod der betroffenen Person zur Folge haben. Dies gilt in erster Linie bei einer unbehandelten Herzschwäche. So drohen schwere Herzrhythmusstörungen, die im weiteren Verlauf den plötzlichen Herztod auslösen. Die Gegensteuerungsmaßnahmen genügen nicht mehr, um für einen Ausgleich der reduzierten Herzleistungsfähigkeit zu sorgen.
Tritt eine akut dekompensierte Herzinsuffizienz auf, droht dem Patienten ein Schock. Es kommt infolgedessen zum Abfall des Blutdrucks, sodass die Gefahr eines Ausfalls des Kreislaufsystems oder von lebenswichtigen Organen besteht. Zum Beispiel ist es möglich, dass die dekompensierte Herzinsuffizienz plötzliches Herzversagen verursacht. Neben den bereits beschriebenen Herzrhythmusstörungen kommen eine Entzündung des Herzmuskels (Myokarditis) oder ein Herzinfarkt als mögliche Auslöser in Betracht.
Im Falle einer fortgeschrittenen Herzinsuffizienz kann das Herz des Betroffenen abrupt aufhören zu schlagen, was nicht selten bei einem Herzinfarkt geschieht. Eine weitere bedrohliche Komplikation der Herzschwäche stellt das Entstehen eines Blutgerinnsels (Thrombose) dar. Dadurch drohen wiederum weitere lebensgefährliche Folgeerscheinungen wie ein Schlaganfall oder eine Lungenembolie.
In manchen Fällen sind durch eine Herzinsuffizienz noch weitere Auswirkungen möglich wie ein Lungenödem oder ein Schlaf-Apnoe-Syndrom. Unter einem Schlaf-Apnoe-Syndrom werden Atemaussetzer beim Schlafen verstanden. Diese Aussetzer zeigen sich zumeist in den Nachtstunden und bedeuten eine zusätzliche Belastung des Herz-Kreislauf-Systems. Ein anderes ungünstiges Zeichen bei chronischer Herzinsuffizienz ist das Auftreten von Untergewicht.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Wenn immer wieder Atemnot, Hyperventilation und Schwellungen bemerkt werden, liegt womöglich eine Herzinsuffizienz zugrunde. Ein Arzt sollte aufgesucht werden, wenn die Beschwerden nicht von selbst zurückgehen oder weitere Symptome auftreten. Sollte es beispielsweise zu einer anhaltenden inneren Unruhe kommen, muss der Hausarzt informiert werden. Auch Wassereinlagerungen, krankhafte Atemgeräusche und Appetitlosigkeit sind deutliche Warnzeichen. Sollte die körperliche Leistungsfähigkeit rasch abnehmen, empfiehlt sich ein Arztbesuch.
Dies gilt vor allem dann, wenn bei alltäglicher Belastung starke Probleme auftreten und einfache Tätigkeiten wie das Treppensteigen nicht mehr bewältigt werden können. Spätestens, wenn sich Ödeme an den Unterschenkeln bilden, muss medizinischer Rat eingeholt werden. Wenn es zu anhaltendem Herzstolpern kommt, muss ebenfalls umgehend ein Arzt hinzugezogen werden.
Selbiges gilt bei stechenden Schmerzen im Bereich des Herzens und bei anhaltenden Atembeschwerden beim Liegen. Neben dem Hausarzt ist der Kardiologe der richtige Ansprechpartner. Bei starken Beschwerden sollte der Betroffene sofort das nächstgelegene Krankenhaus aufsuchen oder den Notarzt rufen.
Behandlung & Therapie
Der erste Schritt in der Therapie einer Herzinsuffizienz ist die Beseitigung der ihr zugrundeliegenden Ursache. Dies kann medikamentös oder chirurgisch erfolgen. Liegt z.B. ein Herzklappenfehler vor, dann ist ein chirurgischer Eingriff angezeigt, der den Defekt repariert. Liegt als Ursache ein erhöhter Blutdruck zugrunde, dann ist die Verordnung von Antihypertensiva notwendig.
Patienten mit einer koronaren Herzerkrankung werden chirurgisch (z. B. Bypass-Operation) und medikamentös (Nitrate, Betablocker, ACE-Hemmer) behandelt. Bei Wassereinlagerungen werden Diuretika verordnet, ebenso Digitalisglykoside bei Vorhofflimmern und Antiarrhythmika bei Herzrhythmusstörungen.
Wichtig zu wissen: Entwässernde Medikamente lindern zwar die Stauungsbeschwerden wie Luftnot und geschwollene Beine, sie verbessern die Lebenserwartung aber nicht. Sie sind deshalb eine begleitende, keine tragende Behandlung.
Die medikamentöse Behandlung der Herzinsuffizienz mit reduzierter Pumpfunktion hat sich seit 2021 grundlegend gewandelt. Sie ruht heute auf vier Säulen, die von Anfang an gemeinsam gegeben werden: erstens ein ACE-Hemmer oder ein Sartan, bevorzugt der Kombinationswirkstoff Sacubitril/Valsartan (ARNI); zweitens ein Betablocker; drittens ein Mineralokortikoidrezeptor-Antagonist wie Spironolacton oder Eplerenon; viertens ein SGLT2-Hemmer wie Dapagliflozin oder Empagliflozin. Die SGLT2-Hemmer wurden ursprünglich als Diabetesmittel entwickelt, werden inzwischen aber allen Herzinsuffizienzpatienten empfohlen, auch wenn kein Diabetes mellitus vorliegt. Bei erhaltener Pumpfunktion (HFpEF) wirken viele der übrigen Mittel nicht, die SGLT2-Hemmer dagegen schon.
Lange Zeit wurde ein Medikament nach dem anderen ergänzt und über Monate langsam aufdosiert. Heute wird stattdessen bevorzugt, alle vier Wirkstoffgruppen rasch und zunächst niedrig dosiert zu beginnen, weil der Nutzen bereits in den ersten Wochen eintritt.
Manche gängigen Schmerzmittel verschlechtern eine Herzinsuffizienz: Sogenannte nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen und Diclofenac führen zu Wassereinlagerungen und schwächen die Wirkung der Herzmedikamente. Sie sollten deshalb möglichst gemieden und nur nach ärztlicher Rücksprache eingenommen werden.
Begleitend zur Therapie sind für die meisten Patienten moderate Belastung und körperliche Bewegung zur Stärkung des angeschlagenen Herzmuskels gefordert. Früher wurde Menschen mit einer Herzschwäche dagegen weitgehende körperliche Schonung geraten. Heute ist ein regelmäßiges, ärztlich abgestimmtes Ausdauer- und Krafttraining ausdrücklich empfohlen, weil es Belastbarkeit und Lebensqualität verbessert.
Reicht die medikamentöse Behandlung nicht aus, kommen bei fortgeschrittener Erkrankung Geräte zum Einsatz: ein Herzschrittmacher zur kardialen Resynchronisation (CRT), der die beiden Herzkammern wieder im Gleichtakt schlagen lässt, und ein implantierbarer Defibrillator zum Schutz vor dem plötzlichen Herztod. Bei schwerster Herzinsuffizienz bleiben als letzte Wege ein Kunstherz (Herzunterstützungssystem) und die Herztransplantation.
Ziel einer ärztlichen Therapie ist immer die Behandlung einer auslösenden Grundkrankheit und die Verminderung von Risikofaktoren. So muss beispielsweise ein zu hoher Blutdruck auf möglichst optimale Werte gesenkt werden. Prof. Dr. Georg Ertl setzt zusätzlich große Hoffnung in eine Behandlungsoption für die chronische Herzinsuffizienz, mit der nach Analyse einer wegweisenden Studie vermutlich jedem vierten Betroffenen geholfen werden kann.
Aussicht & Prognose
Die Prognose bei einer vorliegenden Herzinsuffizienz ist insgesamt schlecht. So stirbt circa die Hälfte aller Betroffenen binnen fünf Jahren nach der Diagnose. Es kommt meist zu einem akuten Herzversagen infolge einer Herzschwäche. Dabei sind Männer leicht anfälliger für einen möglichen Tod durch Herzschwäche als Frauen. In circa 97 Prozent der Fälle leiden die Betroffenen auch an einer weiteren Krankheit. Diese oft zitierten Zahlen stammen allerdings aus einer Zeit vor den heutigen Behandlungsmöglichkeiten. Nach heutigem Kenntnisstand hat sich die Prognose durch die moderne Kombinationstherapie deutlich verbessert, auch wenn die Herzinsuffizienz eine ernste Erkrankung bleibt.
Die von einer Herzinsuffizienz Betroffenen haben darüber hinaus die Möglichkeit, die Prognose zu verbessern. Ausschlaggebend sind hier die Therapietreue und die Bereitschaft, den Lebensstil zu verändern. Grundsätzlich gilt, dass die mittlere Überlebenszeit trotz Herzschwäche durch das Meiden von Risikofaktoren erhöht werden kann. Dies schließt vor allem das Meiden von Alkohol, Tabak und zu fettiger Nahrung mit ein. Mäßige Bewegung kann ebenfalls die Herzgesundheit erhalten.
Die Therapietreue bezieht sich vor allem auf die regelmäßige Einnahme von Medikamenten und die regelmäßige Kontrolle des Herzens. Trotz möglicher Symptomlosigkeit kann eine medikamentöse Therapie zu einem längeren Leben beitragen. Wird auf die Therapie verzichtet, riskieren die Betroffenen eine plötzliche Verschlechterung der Herzinsuffizienz.
Patienten, die die typischen Beschwerden einer Herzschwäche selbst im Ruhezustand erleben, haben zudem eine jährliche Überlebensrate von lediglich 50 Prozent.
Nachsorge
In der Nachsorge der Herzinsuffizienz ist es zunächst wichtig, allgemeine Maßnahmen zu ergreifen, um das Herz nicht weiter zu schädigen. Vor allem die Anpassung des Lebensstils ist hier von großer Bedeutung für eine langfristig gute Prognose. In erster Linie sind Alkohol und Nikotin zu meiden. Außerdem ist bei übergewichtigen Patienten eine Gewichtsreduktion anzustreben.
Leichte körperliche Aktivität verbessert die Ausdauer, die Lebensqualität und die Belastbarkeit bei Herzinsuffizienz. Ein optimales Trainingsprogramm kann beispielsweise im Rahmen einer ambulanten Herzsportgruppe erfolgen. Weiterhin ist eine medikamentöse Therapie zentraler Bestandteil des Nachsorgeprogramms. Hier ist es wichtig das Herz in seiner Pumptätigkeit zu entlasten.
Durch das Senken der Vor- und Nachlast werden die Anforderungen des Kreislaufes wieder an die Möglichkeiten des Herzens angepasst. Oft eingesetzte Arzneimittel sind Betablocker, die die Herzfrequenz und den Sauerstoffverbrauch des Herzens senken sowie ACE-Hemmer, die die Nachlast im Kreislauf vermindern und den fibrotischen Umbau des Herzmuskels begrenzen.
Diese verschreibungspflichtigen Medikamente müssen ärztlich verordnet und die aktuelle Dosis regelmäßig überprüft werden. Zusätzlich ist im Rahmen der Nachsorge eine regelmäßige Verlaufskontrolle mit einer begleitenden Reevaluation der Erkrankung durchzuführen. Geeignete Maßnahmen sind die Echokardiografie, die Elektrokardiografie, die Röntgen-Thorax-Untersuchung und die laborchemische Kontrolle von Herzinsuffizienzmarkern.
Das können Sie selbst tun
Menschen mit einer Herzinsuffizienz sollten sich weiter körperlich betätigen, jedoch verstärkt auf die Anzeichen des Körpers achten, wie das Auftreten von Atemnot. Dieses Symptom kommt oft bei der Herzinsuffizienz vor. Daher sollten regelmäßige Erholungsphasen bei den Aktivitäten eingeplant werden.
Beispielsweise kann der Betroffene bei einem Spaziergang regelmäßig Pausen einlegen und sich auf eine Bank hinsetzen. Wichtig ist auch, dass sich der Betroffene nicht zeitlich unter Druck setzt, um eine bestimmte Aktivität in kürzester Zeit zu absolvieren. Die Atemnot kann auch beim flachen Liegen im Bett auftreten.
Die Verbesserung der Atmung kann durch eine erhöhte Lage des Kopfes mittels eines zusätzlichen Kopfkissens oder durch das Verstellen des Bettes, wenn möglich, erreicht werden. Das Aufstehen am Morgen aus dem Bett sollte langsam und mit Ruhe erfolgen, da Patienten mit Herzinsuffizienz oft an Schwindelgefühl leiden. Das langsame Aufstehen begleitet von leichten körperlichen Übungen hilft dem Patienten das Schwindelgefühl beim Aufstehen zu vermeiden.
Ein weiteres Problem bei der Herzinsuffizienz ist das Auftreten von Schwellungen. Diese können verbessert werden, indem salzarme Nahrung aufgenommen wird.
Die wichtigste Selbstkontrolle bei einer Herzinsuffizienz ist das tägliche Wiegen, am besten morgens nach dem Aufstehen und immer unter gleichen Bedingungen. Nimmt das Gewicht um mehr als zwei Kilogramm in drei Tagen zu, hat der Körper Wasser eingelagert, und der behandelnde Arzt sollte aufgesucht werden. Früher wurde Betroffenen außerdem allgemein geraten, die tägliche Trinkmenge streng zu begrenzen. Heute wird eine solche Beschränkung nicht mehr pauschal empfohlen, sondern nur noch bei schwerer Herzinsuffizienz und dann nach ärztlicher Absprache.
Zudem können Betroffene eine Depression entwickeln, aufgrund dessen, dass sie in ihrem Alltag eingeschränkt sind. Diese sollte dann von einem Psychotherapeuten behandelt werden.
Wer von einer Herzinsuffizienz betroffen ist, muss auf eine gesunde und bewusste Lebensführung Wert legen. Auf das Rauchen und Alkohol sollte verzichtet werden.
Eine ausgewogene und ballaststoffreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse, wenig Fleisch, viel Fisch und gesunden Ölen verhilft zu mehr Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden und reduziert mittelfristig bestehendes Übergewicht. Auch körperliche Bewegung – sofern diese möglich ist – tut Kreislauf und Körper gut. Vor dem Beginn sollte jedoch unbedingt ein Arzt konsultiert werden.
Kann man trotz einer Herzschwäche ein normales & erfülltes Leben führen?
Dazu Prof. Dr. Georg Ertl, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik I der Universitätsklinik Würzburg:
- "Ja, man kann mit einer Herzinsuffizienz durchaus ein erfülltes Leben führen. Dazu müssen allerdings Basisregeln eingehalten werden wie die tägliche Überprüfung des Gewichts, um den Wasserstand zu quantifizieren, die Messung von Blutdruck und Pulsfrequenz und die sehr sorgfältige Einnahme der Medikamente. All das sollte unter der Aufsicht eines dafür ausgebildeten und besonders engagierten Kardiologen erfolgen."
Quellen
- Marx, N., Erdmann, E. (Hrsg.): Klinische Kardiologie.
ISBN: 9783662629314
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
- Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Duale Reihe Innere Medizin.
ISBN: 9783132443488
- Pinger, S.: Repetitorium Kardiologie.
ISBN: 9783769136876
- Nickenig, G. (Hrsg.): Therapie-Handbuch Kardiologie.
ISBN: 9783437210037

