Zahnfleischentzündung

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 31. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis) ist eine bakteriell bedingte Entzündung des Zahnfleisches. Die Ursache für diese Entzündung liegt zumeist in mangelnder Mundhygiene. Typische Beschwerden sind dabei Zahnfleischbluten, Zahnschmerzen und Schwellungen des Zahnfleisches. Im Verlauf einer unbehandelten Zahnfleischentzündung geht das Zahnfleisch langsam von den Zahnhälsen zurück, was zum Ausfall der Zähne führen kann. Bei konsequenter Reinigung heilt eine Zahnfleischentzündung dagegen meist innerhalb von ein bis zwei Wochen vollständig ab. Bessert sie sich in dieser Zeit nicht, ist eine Behandlung beim Zahnarzt ratsam.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Zahnfleischentzündung?

Parodontitis
Schematische Darstellung von gesundem Zahnfleisch, Parodontitis und Zahnfleischentzündung. Klicken, um zu vergrößern.

Mit einer Zahnfleischentzündung (Gingivitis) ist nicht zu scherzen; es handelt sich um eine Entzündung des Zahnfleisches durch Bakterien in der Mundhöhle, die unbehandelt schnell in eine Parodontitis übergehen kann und damit den Zahnhalteapparat für immer verletzen oder gar zerstören kann.

Gingivitis bezeichnet hier die Rötung oder Schwellung des Zahnfleisches, das durch Plaque im Mund entzündet wird. Das Zahnfleisch blutet bei Berührung sehr schnell, jedoch ist eine Gingivitis zumeist nicht schmerzhaft. Wird die Gingivitis chronisch, kann sie in eine Parodontitis übergehen und für Zahnlockerung und Knochenschwund sorgen. Solange die Entzündung auf das Zahnfleisch begrenzt bleibt, ist sie vollständig umkehrbar und heilt bei gründlicher Reinigung folgenlos ab. Bleibende Schäden an Knochen und Halteapparat entstehen erst mit dem Übergang in eine Parodontitis.

Ursachen

Eine Entzündung des Zahnfleisches resultiert zumeist aus mangelnder Mundhygiene. Sie wird durch bakterielles Plaque, das an den Zähnen und Zahnfleischrändern haftet, ausgelöst.

Dieser Zahnbelag, der nach einiger Zeit zu Zahnstein werden kann, setzt bakterielle Produkte aus Stoffwechsel- und Zerfallsprozessen frei, die die körpereigene Abwehr stimulieren. Das Immunsystem versucht, die Bakterien zu bekämpfen. Es werden also Enzyme gebildet, die gegen die Erreger vorgehen sollen, jedoch zerstören diese Enzyme auch das Eigengewebe, wodurch es im weiteren Verlauf zu Bindegewebs- und Knochenverlust kommen kann.

So kommt es zu Zahnfleischbluten: es bilden sich Zahnfleischtaschen, die Bakterien einschließen, das Zahnfleisch geht zurück und die Zähne lockern sich in ihrem Halteapparat.

Zudem gibt es eine Anzahl von Risikofaktoren, die das Auftreten einer Zahnfleischentzündung begünstigen. Solche Faktoren sind zum Beispiel: Diabetes, eine Schwangerschaft, Leukämie oder bestimmte Medikamente gegen Bluthochdruck oder Epilepsie. Doch auch Mangelerscheinungen wie Vitamin-C-Mangel, Unterernährung oder zu wenig Speichel (trockene Mundhöhle) können Zahnfleischentzündungen auslösen. Auch ein enger Zahnabstand, Karies und Rauchen wirken nicht gerade positiv auf die Mundhygiene ein und gehören genauso zu den Risikofaktoren. Zu den Medikamenten, die eine Wucherung des Zahnfleisches auslösen können, zählen bestimmte Blutdruckmittel aus der Gruppe der Calciumantagonisten, das Epilepsiemittel Phenytoin und das Immunsuppressivum Ciclosporin.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Zahnfleischentzündung bringt die klassischen Symptome mit sich, die eine akute Entzündung charakterisieren. Dies ist zunächst die Rötung: Während gesundes Zahnfleisch eine blasse Farbe aufweist, ist entzündetes Zahnfleisch an seinem hochroten Aussehen oft auch vom Laien gut zu erkennen. Hinzu kommt eine Schwellung, die häufig ebenfalls nicht zu übersehen ist.

Oft ist ein Wulst am Zahnfleischsaum zu erkennen. Dies ist charakteristisch, da sich hier die Bakterien, die die Zahnfleischentzündung auslösen, oft besonders gut ansiedeln können. Typisch sind Schwellung und Rötung des Zahnfleischs in Bereichen, in denen auch Zahnstein zu entdecken ist.

Ein pochender Schmerz kann hinzukommen, meist verläuft die Zahnfleischentzündung jedoch schmerzlos. Dazu kommt die Blutungsneigung: Entzündetes Zahnfleisch beginnt oft durch die Berührung mit der Zahnbürste bei der normalen Putzhygiene zu bluten. Typisch für die Zahnfleischentzündung ist auch ein fauliger Geruch und ein unangenehmer Geschmack im Mund.

Diese kommen durch die Zersetzungsprozesse, die durch die Bakterien im Mund ausgelöst werden. Besonders gravierend sind die Spätsymptome der Zahnfleischentzündung. Durch die Entzündung bildet sich ein Raum zwischen Zahn und Zahnfleisch, der die Ansiedlung von Bakterien noch begünstigt. Auch der Wurzelbereich kann angegriffen werden. Dies alles führt dazu, dass der Zahn in seinem Zahnbett gelockert wird und als Spätfolge der Zahnfleischentzündung sogar ausfallen kann.

Diagnose & Verlauf

Die Diagnose stellt der Zahnarzt bei der Untersuchung des Mundes: Entzündetes Zahnfleisch ist gerötet, geschwollen und blutet bei Berührung leicht. Mit einer Parodontalsonde misst er die Tiefe der Zahnfleischtaschen; bei gesunden Verhältnissen beträgt sie höchstens drei Millimeter. Tiefere Taschen und ein im Röntgenbild sichtbarer Knochenabbau sprechen dafür, dass bereits eine Parodontitis vorliegt.

Unbehandelt kann eine Zahnfleischentzündung bereits nach wenigen Tagen chronisch werden. Sehr schnell wird das Zahnfleisch dabei angegriffen; bleibende Schäden entstehen jedoch erst, wenn die Entzündung in eine Parodontitis übergeht. Durch Zahnlockerungen kann dann der Zahnbestand nachhaltig gefährdet sein.

Ist das Zahnfleisch aufgrund einer mechanischen Reizung angegriffen, heilt die Entzündung bereits nach einigen Tagen ohne größere Schwierigkeiten wieder ab. Anders sieht es bei einer bakteriellen Reizung aus.

Eine solche Entzündung kann sich über Jahre hinziehen; da sie vorerst schmerzfrei ist, wird sie oft nicht einmal bemerkt.

Plaque und Zahnstein entzünden das Zahnfleisch, dieses geht langsam zurück und die Bakterien haben freien Zugriff auf Zahnhälse. Erst nach Jahren treten in diesem langwierigen Prozess Schmerzen oder Zahnlockerungen auf. Daher ist eine gute zahnärztliche Prophylaxe das A und O.

Komplikationen

Die im Folgenden beschriebenen Komplikationen betreffen den Übergang in eine Parodontitis; eine auf das Zahnfleisch begrenzte Gingivitis heilt bei guter Reinigung folgenlos ab. Bleibt eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis) unbehandelt, kann die Entzündung auf das umliegende Gewebe übergreifen. In Zahnfleischtaschen bilden sich Ablagerungen, die einen idealen Nährboden für Bakterien darstellen: Diese dringen immer weiter in den Kieferknochen ein und beschädigen Bindegewebe und Knochensubstanz. Das Zahnfleisch bildet sich zurück, die Zahnhälse liegen frei und bieten den Bakterien Raum für weitere Zerstörungen.

In der Folge verlieren die Zähne ihre Verankerung im Kieferknochen und fallen aus. Die Komplikationen einer Zahnfleischentzündung beschränken sich jedoch nicht auf den Mundraum, sondern können den ganzen Organismus betreffen. Über die Blutbahn gelangen Bakterien in den Kreislauf und können bei Menschen mit vorgeschädigten Herzklappen eine Herzinnenhautentzündung (Endokarditis) auslösen.

Für die fortgeschrittene Parodontitis beschreiben Beobachtungsstudien einen Zusammenhang mit Schlaganfall und Herzinfarkt; ob die Entzündung diese Erkrankungen tatsächlich mitverursacht, ist nicht belegt. Eine bereits vorhandene Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) kann durch eine Parodontitis negativ beeinflusst werden, weil sich der Blutzucker dann schlechter einstellen lässt.

Für die Schwangerschaft wird ein Zusammenhang zwischen einer ausgeprägten Parodontitis und einem erhöhten Risiko für eine Frühgeburt oder ein niedriges Geburtsgewicht diskutiert; ein ursächlicher Zusammenhang ist bislang nicht gesichert. Bei älteren oder abwehrgeschwächten Personen besteht die Gefahr, dass Bakterien aus dem Mundraum in die Lunge eindringen und eine Lungenentzündung verursachen.


Wann sollte man zum Arzt gehen?

Eine leichte Zahnfleischentzündung bessert sich bei konsequenter Reinigung häufig innerhalb von ein bis zwei Wochen von selbst. Meist heilen die Entzündungen dann ohne weitere Komplikationen oder Folgeerscheinungen vollständig aus. Eine medizinische Versorgung ist in diesen Situationen nicht notwendig; entscheidend ist, dass der Zahnbelag konsequent entfernt wird, damit die Entzündung abklingen kann. Kommt es binnen weniger Tage zu einer Beschwerdefreiheit, ist kein weiterer Arztbesuch notwendig. Bleibt die Entzündung dagegen länger als ein bis zwei Wochen bestehen, blutet das Zahnfleisch weiterhin oder ist Zahnstein sichtbar, gehört sie in zahnärztliche Behandlung, denn Zahnstein lässt sich nicht wegputzen. Die Konsultation eines Arztes ist dann angezeigt, wenn die Zahnfleischentzündungen kontinuierlich fortschreiten sowie eine zunehmende Intensität aufweisen.

Nehmen Rötungen im Bereich des Mundes zu, kommt es zu Schwellungen oder einem eitrigen Geschmack im Mund, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Bei Appetitlosigkeit, Schmerzen während der Nahrungsaufnahme, einer inneren Unruhe sowie Gereiztheit ist eine Abklärung der Ursache angezeigt. Lockern sich Zähne und treten Unregelmäßigkeiten bei einem vorhandenen Zahnersatz oder einer Zahnspange auf, sollte eine Untersuchung eingeleitet werden. Zeigen sich über mehrere Tage oder Wochen Rötungen im Bereich des Mundes, ist die Rücksprache mit einem Arzt ebenfalls zu empfehlen.

Bei einem Anstieg der Körpertemperatur, Kopfschmerzen, Müdigkeit sowie einem anhaltenden Unwohlsein sollte der Betroffene einen Arzt aufsuchen. Hilfe und Unterstützung wird ebenfalls benötigt, wenn sich Aphthen im Mund bilden oder sich innerhalb kurzer Zeit der gesundheitliche Zustand erheblich verschlechtert.

Behandlung & Therapie

Die wichtigste Maßnahme gegen eine Zahnfleischentzündung ist die gründliche Entfernung des Zahnbelags. Bei einer leichten Gingivitis genügt dafür meist eine konsequente häusliche Reinigung mit Zahnbürste und Zahnzwischenraumpflege. Hat der Zahnarzt eine Gingivitis oder sogar schon eine Parodontitis diagnostiziert, müssen darüber hinaus Plaque und Zahnstein entfernt werden, sodass sich der Entzündungszustand bessern kann. Ist die Entzündung bereits in eine Parodontitis übergegangen, folgt nach einer umfassenden Diagnostik mittels Röntgenbild und Analyse des Krankheitsfortschritts die zahnärztliche Reinigung, die sich durch mechanische Reinigung durch den Zahnarzt, Erneuerung von Füllungen, eine eventuelle Zahnextraktion und Spülflüssigkeiten auszeichnet. Der Patient bekommt zudem Tipps, wie eine gute Zahnpflege auszusehen hat.

Vorbeugung

Regelmäßige Besuche beim Zahnarzt und eine gute Mundhygiene (mindestens zweimal pro Tag Zähneputzen, täglich Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürsten nutzen, hin und wieder eine unterstützende Mundspülung anwenden) sind das Einfachste und Wirksamste, was zur Vorbeugung von Zahnfleischentzündungen getan werden kann.

Ein- bis zweimal pro Jahr kann auch eine gründliche zahnärztliche Reinigung angebracht sein, um wirklich alle Zahnbeläge möglichst restlos entfernen zu können.

Nachsorge

Zahnfleischentzündungen lassen sich häufig auf mangelnde Mundhygiene zurückführen. Verbleiben Zahnbelag und Speisereste in der Mundhöhle, vermehren sich die Bakterien und unterhalten die Entzündung. Eine gründliche und regelmäßige Zahnpflege sollte daher Bestandteil der täglichen Körperpflege sein. Dabei ist aber auch darauf zu achten, die Zähne nicht allzu heftig zu putzen, um Verletzungen vorzubeugen, die ebenfalls Entzündungen des Zahnfleisches auslösen können.

Um Krankheitserreger an ihrer Ausbreitung zu hindern, ist ein starkes Immunsystem vonnöten. Ausgewogene Ernährung, ausreichende Bewegung und die Vermeidung von Übergewicht tragen zur Stärkung der körpereigenen Abwehr bei. Erholsamer Schlaf und stressfreie Ruhephasen fördern ebenfalls die Gesundheit des Organismus. Bei einer Zahnfleischentzündung muss der Patient besonders aufmerksam auf die Zusammensetzung seiner Nahrung achten.

Scharfe, säurehaltige Lebensmittel sollten ebenso wie Alkohol und Nikotin gemieden werden, da sie die Beschwerden im Mundbereich noch verstärken können. Die entzündeten Bereiche im Mund sind beim Kauen zu schonen. Trotz der Beschwerden darf aber keinesfalls auf eine gründliche Zahnreinigung verzichtet werden, damit Bakterien sich nicht gehindert vermehren können. Zahnbürsten mit weichen Borsten und medizinische Mundspülungen helfen den Betroffenen, die Ausbreitung der Keime einzudämmen und die Beschwerden nach und nach zu minimieren.

Das können Sie selbst tun

Bei Entzündungen ist grundsätzlich das körpereigene Abwehrsystem zu unterstützen. Um die Krankheitserreger möglichst schnell an einer Ausbreitung zu hindern oder sie abzutöten, benötigt der Organismus ein stabiles und gesundes Immunsystem. Dieses wird durch die tägliche Ernährung sowie das Verhalten des Betroffenen beeinflusst. Eine gesunde und ausgewogene Nahrungsaufnahme, die Vermeidung von Übergewicht, regelmäßige Sauerstoffzufuhr und eine ausreichende Bewegung fördern die allgemeine Gesundheit des Organismus. Ebenfalls sollte auf ausreichende Ruhephasen und einen erholsamen Schlaf geachtet werden.

Um die Beschwerden im Mund- und Rachenbereich nicht zu verstärken, sind die Bestandteile der Nahrung zu kontrollieren. Scharfe Lebensmittel, säurehaltige Produkte oder Schadstoffe wie Alkohol und Nikotin sollten nicht aufgenommen werden, da sie zu einer Zunahme vorhandener Beschwerden führen können. Der Kauvorgang ist auf die Bereiche im Mund zu verlagern, die möglichst nicht von der Entzündung betroffen sind.

Die tägliche Zahnreinigung ist trotz vorhandener Beschwerden durchzuführen. Andernfalls können sich die Keime schneller vermehren und den allgemeinen Gesundheitszustand weiter schwächen. Zahnfleischbluten ist ausdrücklich kein Grund, die betroffene Stelle beim Putzen auszusparen: Gerade das entzündete Zahnfleisch muss weiter gereinigt werden, sonst hält sich die Entzündung. Nach einigen Tagen gründlicher Reinigung lässt die Blutungsneigung in der Regel nach. Die Reinigung sollte dabei schonend erfolgen: Eine Zahnbürste mit weichen Borsten und mäßiger Druck verhindern, dass die Borsten die gereizte Schleimhaut zusätzlich verletzen. Mundspülungen und die Reinigung der Zahnzwischenräume können die Ausbreitung der Keime eindämmen und dadurch zu einer Linderung vorhandener Beschwerden führen.

Quellen

  • Wolf, H. F., Rateitschak-Plüss, E. M., Rateitschak, K. H.: Parodontologie.
    ISBN: 9783131698032
  • Eickholz, P.: Parodontologie von A bis Z.
    ISBN: 9783868675498
  • Hellwig, E., Schäfer, E., Klimek, J., Attin, T.: Einführung in die Zahnerhaltung.
    ISBN: 9783769137842
  • Weber, T.: Memorix Zahnmedizin.
    ISBN: 9783132417779
  • Waal, I. van der: Erkrankungen der Mundschleimhaut und des Zahnfleisches.
    ISBN: 9783910487215

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