Leukämie

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. März 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Leukämie bzw. Blutkrebs ist eine relativ seltene Krebsart, die aber in ihrer Wirkung sehr gefährlich und lebensgefährlich sein kann. Dennoch kann Leukämie bei rechtzeitiger Behandlung heutzutage geheilt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Leukämie, Blutkrebs?

Ein Arztbesuch sollte bei einem fortdauernden diffusen Krankheitsgefühl erfolgen. Kommt es zu einer anhaltenden Müdigkeit, körperlicher Schwäche nach der Ausführung von normalen Erledigungen oder einem erhöhtem Schlafbedürfnis, ist ein Arzt zu konsultieren.
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Leukämie bzw. Blutkrebs ist eine lebensbedrohende Erkrankung, die ohne Behandlung durch einen Facharzt in kurzer Zeit zum Tode führen kann. Das tückische an der Krankheit ist, dass im Anfangsstadium keinerlei Symptome des Blutkrebses zu erkennen sind. Der Krankheitsverlauf ohne Symptome kann sich bei der chronische Leukämie über mehrer Jahre erstrecken.

Der Patient fühlt sich gesund und bemerkt nicht, welche gefährliche Krankheit er in sich trägt. Die Einteilung des Blutkrebses in verschiedene Formen ergibt sich aus den morphologischen und immunologischen Eigenschaften. Es gibt unterschiedliche Formen der Leukämie: akute myeloische Leukämie, (AML), akute lymphatische Leukämie (ALL) chronische lymphatische Leukämie (CLL), chronische myeloische Leukämie (CML).

Myeloische Leukämien gehen von den Vorläuferzellen aus. Seltene Formen des Blutkrebses sind die Polycythaemia vera (PV) und die essentielle Thrombozythämie (ET). Bei der Polycythaemia vera (PV) ist die Vermehrung der Erythrozyten im Blut vorangig und es sind auch andere Zellreihen betroffen. Die essentielle Thrombozythämie dagegen ist ausschließlich ein Gerinnungsplättchen-Krebs.

Ursachen

Die Ursachen des Blutkrebses bzw. Leukämie sind noch nicht abschließend geklärt. Besonders bei akuten Formen dieser Erkrankung ist es schwer, die Ursache zu finden. Auf keinen Fall darf die Erkrankung in einen Zusammenhang mit pathogenen Fakten gebracht werden. Es gibt vielmehr potentiell auslösende Faktoren.

Zum Beispiel Chemikalien der unterschiedlichsten Art. Oder eine vorangehende Behandlung mit Zytostatika. Eine besondere Gefahr bedeuten ionisierende Strahlungen und Viren der vielfältigsten Herkunft. Zusätzlich stellt die familiäre genetische Vorbelastung ein erhöhtes Risiko dar, an Blutkrebs zu erkranken. Gesichert ist die Erkenntnis, dass radioaktive Strahlung ein Auslöser für Leukämie ist.

Das kann sowohl eine kurzfristige Hochbelastung wie zum Beispiel ein atomarer Gau sein oder eine längerfristige Niedrigbelastung wie die Abstrahlung einer atomaren Wiederaufbereitungsanlage. Es gibt aber auch andere nicht zu unterschätzende Faktoren, die den Blutkrebs entstehen lassen können. Vor allem das Rauchen und zu viel negativer Stress sind hier zu nennen.

Die Erkrankung selbst ist an kein Alter gebunden, selbst Kinder bleiben nicht davon verschont. Jedes Jahr erkranken bis zu 600 Kinder neu an dieser Krankheit, die Ursachen sind weitgehend unbekannt. Es gibt aktuelle Studien der Kinderkrebsregisters in Mainz, die festgestellt haben, dass eine Erkrankung an Morbus Down die Entstehung des Blutkrebses begünstigt. Ein niedriges Risiko entsteht durch ionisierende und nicht ionisierende Strahlung. Negative Faktoren sind ein zu hohes Geburtsgewicht und Sterilitätsbehandlung vor der Schwangerschaft.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Leukämie macht sich in der Anfangsphase mit sehr unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit, einer verminderten Leistungsfähigkeit, auffallender Hautblässe und Abgeschlagenheit bemerkbar. Weitere Anzeichen können Schwindel, starkes nächtliches Schwitzen und Kopfschmerzen sein. Häufiges Zahnfleisch- oder Nasenbluten, kleine Hauteinblutungen (Petechien) oder eine verstärkte Neigung zu blauen Flecken lassen an eine erhöhte Blutungsneigung denken, die gemeinsam mit einer Störung des Allgemeinbefindens auf eine Leukämie hindeuten kann.

Weitere Alarmzeichen sind eine anhaltende Erhöhung der Körpertemperatur ohne erkennbare Ursache, vergrößerte Lymphknoten und Gewichtsverlust. Bedingt durch die gestörte Immunabwehr treten vermehrt Infekte auf, viele Betroffene klagen über bereits bei geringen Anstrengungen einsetzende Atemnot. Vor allem am Hals, in der Leiste und in den Achselhöhlen können geschwollene Lymphknoten zu tasten sein, im weiteren Verlauf der Erkrankung sind meist auch Milz und Leber tastbar vergrößert.

Knochenschmerzen und unklare Hautausschläge treten gelegentlich ebenfalls im Rahmen einer Leukämie auf. Eine Beteiligung der Hirnhäute kann neben Kopfschmerzen auch Sehstörungen, erhöhte Lichtempfindlichkeit, Übelkeit und Erbrechen zur Folge haben. Während sich die Symptomatik bei einer akuten Leukämie rasch verschlechtert, kann sie bei den chronischen Formen der Erkrankung über lange Zeit konstant bleiben. Eine chronische Leukämie verursacht in der Anfangszeit oftmals keine Beschwerden und wird nur durch Zufall bei einer Blutuntersuchung entdeckt.

Typische Symptome:

  • Appetitlosigkeit
  • Schwindelgefühle
  • Herzrasen
  • Atemnot
  • ständig müde
  • blasse Haut
  • punktförmige , kleine Blutungen unter der Haut
  • Gewichtsverlust ohne erkennbaren Grund
  • leichtes, anhaltendes Fieber, obwohl kein Infekt vorliegt
  • Knochenschmerzen
  • Schweißausbrüche, meist nachts
  • häufige Infekte, also Abwehrschwäche
  • geschwollene Lymphknoten, z.B. unter den Achseln und den Leisten

Krankheitsverlauf

Der Verlauf bei Leukämie sieht so aus, dass zahlreiche Leukämiezellen im Blut durch einen Bluttest beim Arzt nachgewiesen werden können. Auch körperliche Symptome kommen hinzu, wie Müdigkeit und körperliche Abgeschlagenheit. Ist die Krankheit diagnostiziert, ist es wichtig regelmäßig das Blut und das Knochenmark zu untersuchen, um festzustellen, in welcher Anzahl sich die Leukämiezellen vermehren.

Der Patient bemerkt oft im Alltag einen ständigen Leistungsabfall und eine Neigung zu Blutungen oder hartnäckigen Infekten. Gestörte Organfunktionen können zusätzliche Beschwerden verursachen. Um die Auswirkungen und Begleiterscheinungen der Krankheit zu lindern, sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Facharzt sehr wichtig. Die Heilungschancen sind umso größer, desto eher der Patient sich entscheidet, die Behandlung zu beginnen.

Komplikationen

Leukämie kann verschiedene Komplikationen hervorrufen. Dieses Risiko besteht vor allem bei einer starken Schwächung des Immunsystems. Aus diesem Grund reagieren die Patienten überaus anfällig auf Infektionen, was auf sämtliche Blutkrebsformen zutrifft. Zu den häufigsten Folgeerscheinungen der Leukämie zählt die Blutarmut (Anämie).

Diese ist darauf zurückzuführen, dass die roten Blutkörperchen von den weißen Blutkörperchen regelrecht überrannt werden. Bemerkbar macht sich die Anämie durch eine ausgeprägte chronische Müdigkeit und Antriebslosigkeit. Durch die Medikamente, die gegen den Blutkrebs verabreicht werden, kann dieser Zustand noch verstärkt werden.

Als weitere typische Komplikation gelten länger andauernde Blutungen. So werden entstehende Wunden aufgrund der Leukämie langsamer verschlossen. Vereinzelt ist der daraus hervorgehende Blutverlust derart intensiv, dass der Patient in Ohnmacht fällt. Sogar eine Bluttransfusion kann erforderlich sein. Zu den starken Blutungen gehören außerdem Nasenbluten und Zahnfleischbluten. Nicht selten zeigen sich Hämatome (blaue Flecken).

Auch Schmerzen sind keine seltene Folgeerscheinung der Leukämie. So dehnt sich im Inneren der Knochen das Knochenmark aus. In schweren Fällen sind die Betroffenen in ihren Bewegungen eingeschränkt. Ebenfalls zu den Folgeerscheinungen zählt das Vergrößern oder Anschwellen der Nieren.

Büßen die B-Zellen durch den Blutkrebs ihre Funktionstüchtigkeit ein, drohen häufige Infektionen. Manche davon sind so schwerwiegend, dass sie den Patienten stark belasten. Ohne eine entsprechende Behandlung oder ihren positiven Verlauf nimmt die Leukämie einen tödlichen Ausgang.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ein Arztbesuch sollte bei einem fortdauernden diffusen Krankheitsgefühl erfolgen. Kommt es zu einer anhaltenden Müdigkeit, körperlicher Schwäche nach der Ausführung von normalen Erledigungen oder einem erhöhtem Schlafbedürfnis, ist ein Arzt zu konsultieren. Leidet der Betroffene unter Atemnot bei geringen Belastungen oder Tätigkeiten, muss die Auffälligkeit ärztlich abgeklärt werden. Ein Verlust des gewohnten Leistungsniveaus, Abgeschlagenheit und Mattigkeit sind Hinweise, die untersucht werden sollten. Bei Kopfschmerzen, Veränderungen des Hautbildes, Juckreiz oder einer häufigen Blutungsneigung wird ein Arzt benötigt. Wiederholtes Nasen- oder Zahnfleischbluten weisen auf Erkrankungen hin, die behandlungsbedürftig sind. Vergrößerte Lymphe, eine erhöhte Infektanfälligkeit oder Schwellungen am Körper sind einem Arzt vorzustellen.

Bei einem Engegefühl und einer erschwerten Atmung sollte ein Arzt konsultiert werden. Kommt es zu Knochenschmerzen, Ausschlägen, Veränderungen des Sehvermögens oder einer plötzlichen Empfindlichkeit bei Lichteinflüssen, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Übelkeit, Erbrechen und allgemeines Unwohlsein sind ebenfalls untersuchen und behandeln zu lassen. Stellt sich ein ungewollter Gewichtsverlust ein, ist dies als ein Warnhinweis des Organismus zu verstehen. Ein Arzt sollte konsultiert werden, damit die Ursache der Gewichtsabnahme ermittelt werden kann. Nächtliches Schwitzen trotz optimaler Schlafbedingungen weist auf eine vorliegende Unregelmäßigkeit hin. Halten die Beschwerden über mehrere Wochen an, ist ein Arztbesuch anzuraten.

Behandlung & Therapie

Die Therapie und Behandlung von Leukämie erfolgt mit Zystostatika. Ergänzende Behandlungsmöglichkeiten sind die Hochdosistherapien mit autologer Stammzellinfusion. Dann gibt es die Möglichkeit der Knochenmarktransplantation. Eine untergeordnete Bedeutung hat die prophylaktische und therapeutische Strahlentherapie. In den letzten Jahren haben sich neue Möglichkeiten der Gabe von Antikörpern herauskristallisiert.

Es gibt außerdem neue Medikamente gegen den Blutkrebs, die direkt in den Krankheitsverlauf eingreifen wie zum Beispiel Imatineb. Ziel der Behandlung ist es, die Krebszellen zurückzudrängen und nach Möglichkeit vollständig zu zerstören. Je nach Art und Ausbreitung der Leukämie ist es notwendig, einen individuellen Behandlungs- und Therapieplan mit dem Arzt zu erstellen. Da der Blutkrebs sich auf alle Organe ausbreitet, ist es nicht möglich, ihn durch eine Operation zu entfernen.

Deshalb erfolgt die Chemotherapie mit zellwachstumshemmenden Medikamenten Zystostatika. Zusätzlich ist in manchen Fällen eine Bestrahlung notwendig. Um die bestmögliche Wirkung zu erzielen, besteht die Möglichkeit unterschiedliche Zystostatika zu kombinieren. Bei der myeloischen Leukämie erfolgt erst eine Einleitungstherapie und dann eine Festigungstherapie zur Konsolidierung, die mindestens ein Jahr dauern sollte, um Rückfälle zu vermeiden.


Aussicht & Prognose

Die Überlebenschancen für viele Patienten mit Leukämie sind in der heutigen Zeit deutlich besser als noch vor vielen Jahren. Durch moderne Therapiemöglichkeiten lassen sich die Chancen auf Heilung immer mehr verbessern. Ist die Leukämie jedoch zu weit fortgeschritten, dann können entsprechende Behandlungen mindestens zur Linderung der Beschwerden beitragen und die Lebenszeit etwas verlängern.

Die Prognose bei Leukämie ist grundsätzlich aber immer von verschiedenen Faktoren abhängig und von Patient zu Patient anders. Zunächst spielen Art und Stadium der Krebserkrankung zum Diagnosezeitpunkt eine entscheidende Rolle. Auch die Ansprache des Patienten auf die Therapie ist von Bedeutung. Daneben beeinflussen auch Alter und Allgemeinzustand des Patienten und mögliche Begleiterkrankungen die Heilungschancen und die Lebenserwartung.

Für die akute Leukämie gilt, dass diese grundsätzlich heilbar ist. Die Heilungschancen sind umso größer, je früher die Erkrankung diagnostiziert und behandelt wird. Das gilt vor allem für junge Patienten. Bleibt eine Behandlung aus, versterben Patienten an einer akuten Behandlung etwa drei Monate nach der Diagnose. Mit Behandlung lässt sich die Lebenserwartung bei akuter lymphatischer Leukämie auf etwa fünf Jahre erhöhen.

Auch ein Zurückdrängen des Krebs ist kein Garant für eine vollständige Heilung. Es ist möglich, dass es auch nach Monaten und sogar Jahren noch zu einem Rezidiv kommt. Je früher der Rückfall erfolgt, umso geringer sind die Heilungschancen. Wird eine chronische Leukämie diagnostiziert, dann vermehren sich die Krebszellen deutlich langsamer. Die Behandlung ist in diesem Fall nicht so intensiv wie bei akuten Verläufen, jedoch langfristig notwendig. Eine chronische Leukämie ist nicht heilbar, durch die Therapie lassen sich die Symptome aber lindern und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen.

Nachsorge

Ohne eine Behandlung verschlechtert sich der Gesundheitszustand. Es kann sich je nach Alter und Leukämietyp letztendlich der Tod einstellen. Die Nachsorge zielt in erster Linie auf eine Minderung der Beschwerden ab. Regelmäßige Untersuchungen beim behandelnden Arzt sind erforderlich, um eine angemessene Medikamentengabe zu gewährleisten und bei Unverträglichkeiten eine Umstellung zu veranlassen. Darüber hinaus

Die beiden Verlaufsformen der chronischen Leukämie, akut und chronisch, bergen ein unterschiedliches Gefahrenpotential. Bei der akuten Verlaufsform treten Verschlechterungen des Zustands unmittelbar auf, bei der chronischen Form eher schleichend. Die Nachsorge verhält sich entsprechend der Verlaufsform intensiv oder weniger intensiv. Da Leukämie-Patienten eine schlechte Wundheilung aufweisen, sollten sie in ihrem Alltag darauf Acht geben, sich keine Verletzungen zuzuziehen. Ruhe und viel Schlaf fördern zudem das allgemeine Wohlbefinden, ebenso wie eine ausgewogene Ernährung.

Das können Sie selbst tun

Die Leukämie ist eine schwerwiegende Erkrankung und muss von einem Arzt therapiert werden. Der Patient kann aber nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt zusätzlich etwas für seine Heilung tun.

Dazu gehört die Aufnahme von Nahrungsergänzungsmitteln wie Vitamine und Mineralstoffe, die den Körper stärken können. Alternative Heilmethoden sollten nur in Betracht gezogen werden, wenn der behandelnde Arzt vorher konsultiert wurde. Neben den körperlichen Beschwerden kommt es oft auch zu seelischen Beschwerden. Beim Auftreten einer Leukämie ist das soziale Umfeld des Patienten sehr wichtig. Die Unterstützung, die der Patient durch Familie, den Partner und Freunden erhält, trägt wesentlich zur Heilung der seelischen Beschwerden bei. Die Behandlung durch einen Psychoonkologen kann zudem als professionelle Hilfestellung für den Patienten dienen.

Selbsthilfegruppen zum Thema Leukämie können zudem sehr hilfreich für den Patienten sein. Der Austausch mit anderen Betroffenen kann eine erleichternde Wirkung auf den Patienten haben. Zudem können sich die Betroffenen über die Therapie und die Lebensumstände austauschen und sich so gegenseitig Hilfestellung leisten. So können die Betroffenen von den Erfahrungen der Anderen profitieren und sie erhalten das Gefühl nicht allein mit ihren Problemen in Bezug auf die Erkrankung zu sein.

Quellen

  • Pfeifer, B., Preiß, J., Unger, C. (Hrsg.): Onkologie integrativ. Urban & Fischer, München 2006
  • Preiß, J. et al.(Hrsg.): Taschenbuch Onkologie. Zuckschwerdt, München 2014
  • Sauer, R.: Strahlentherapie und Onkologie. Urban & Fischer, München 2009

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