Zirkumskripte Sklerodermie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Als zirkumskripte Sklerodermie oder Morphaea wird eine entzündungsbedingte Hauterkrankung bezeichnet, die wahrscheinlich auf ein fehlgesteuertes Immunsystem zurückführbar ist und von welcher in aller Regel mehr Frauen als Männer betroffen sind. Da die Ursache der Erkrankung bislang nicht geklärt ist, kann eine zirkumskripte Sklerodermie lediglich symptomatisch behandelt werden.
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Was ist Morphaea?
Die zirkumskripte Sklerodermie (Morphaea) ist eine entzündliche Erkrankung, die mit einer Verhärtung (Sklerosierung) der betroffenen Hautareale einhergeht. Allgemein wird zwischen der limitierten Variante, bei der nur ein oder zwei Körperregionen – vor allem der Oberkörper – betroffen sind, der disseminierten (generalisierten) Variante, bei der zahlreiche Herde in mehreren Körperregionen auftreten, häufig am Oberkörper sowie im Lenden- und/oder Oberschenkelbereich, sowie der linearen mit bandförmigen Hautveränderungen an den Extremitäten und am Kopf (dort als sogenannte En-coup-de-sabre-Form) und der tiefen Form mit Beteiligung der Subkutis (Unterhaut) und der Faszien (Morphaea profunda) differenziert.
Anfänglich manifestiert sich Morphaea anhand von Entzündungen, die oftmals eine rötlich-violette Hautverfärbung bedingen. Im weiteren Verlauf bilden die Zellen des Bindegewebes verstärkt Kollagenfasern, infolgedessen sich die betroffenen Bereiche verdicken und verhärten, während die Anzahl der kleineren Blutgefäße abnimmt.
In aller Regel kommt es anschließend zu einer Atrophie (Gewebeschwund) sowie einem porzellanartigen Erscheinungsbild der Haut mit weißlicher Verfärbung und einem Verlust des charakteristischen Oberflächenreliefs der Oberhaut. In vielen Fällen bedingt die Atrophie zusätzlich eine verminderte Zahl an Haarfollikeln sowie Talg- und Schweißdrüsen. Die von der zirkumskripten Sklerodermie betroffenen Hautareale werden trocken, können spannen und/oder jucken.
Ursachen
Infolge dieser Fehlregulierung richtet sich das menschliche Immunsystem gegen körpereigene Strukturen, wodurch die kleinen Blutgefäße der Lederhaut vermutlich geschädigt werden. Die Zellen der betroffenen Hautareale synthetisieren entzündungsfördernde Botenstoffe und Wachstumsfaktoren, die die Zellen des Bindegewebes zu einer vermehrten Produktion von Kollagenfasern stimulieren.
Dadurch wird das normale Gleichgewicht von Auf- und Abbau dieser Fasern beeinträchtigt, da der vermehrten Bildung von Kollagenfasern ein verminderter Abbau gegenübersteht. Die Bindegewebsfasern sammeln sich in den von der zirkumskripten Sklerodermie betroffenen Hautarealen an und bedingen eine Verhärtung (Sklerosierung) sowie einen Flexibilitätsverlust.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Die Beschwerden und Symptome der zirkumskripten Sklerodermie richten sich danach, ob es sich um die limitierte, die disseminierte, die lineare oder tiefe Form der Erkrankung handelt. Die Symptome aller zirkumskripten Sklerodermien sind durch umschriebene, klar abgrenzbare Verhärtungen der Haut an verschiedenen Stellen definiert. Zu Beginn können an den betroffenen Hautstellen Entzündungsanzeichen und Schwellungen bemerkt werden.
Die Stelle kann rötlich sein. Die frühen Anzeichen lassen nicht darauf schließen, dass es sich um eine Form der Sklerodermie handelt. Nach mehreren Wochen folgen die nächsten Symptome. Die Haut an derselben Stelle verhärtet sich zunehmend. Damit kann auch eine spürbare Verdickung der Hautschichten einhergehen.
Ob der Betroffene das Schwinden der kleineren Blutgefäße bemerkt, ist fraglich. Sehr viel eher bemerkt er ein porzellanartiges Aussehen, das die betroffenen Hautareale nun annehmen. Die Oberhaut verkümmert. Sie hat nicht mehr ihre gewohnte Oberflächenstruktur. Sie wirkt weißlich, dünn und glatt.
Zusätzlich zu diesen Symptomen der zirkumskripten Sklerodermie kann es an den betroffenen Hautarealen zu Haarausfall oder Juckreiz kommen. Das sind Anzeichen dafür, dass auch die Haarfollikel, die Talgdrüsen oder die Schweißdrüsen von der zirkumskripten Sklerodermie betroffen sind. Die Haut wirkt trocken. Liegen noch entzündliche Prozesse in der Haut vor, kann sich ein rötlich-lilafarbener Ring um das betroffene Hautareal bilden.
Diagnose & Verlauf
In aller Regel kann eine zirkumskripte Sklerodermie anhand der klinischen Symptome diagnostiziert werden. Die Absicherung der Diagnose erfolgt anhand einer Biopsie der betroffenen Hautareale mit anschließender histologischer Untersuchung. Diese dient gleichzeitig der Abgrenzung von einer systemischen Sklerodermie, bei welcher zusätzlich das Bindegewebe der inneren Organe und in vielen Fällen auch von Gesicht und Händen betroffen ist.
Ebenso weist ein Raynaud-Syndrom auf eine systemische Sklerodermie hin und gilt als Ausschlusskriterium für Morphaea. Im Rahmen einer Sonographie (Ultraschall) kann zudem die Dicke der betroffenen Hautareale bestimmt werden. Eine zirkumskripte Sklerodermie kann innerhalb von 3 bis 5 Jahren stagnieren, so dass sich keine neuen Herde entwickeln. Allerdings weisen die von der Morphaea betroffenen Areale in aller Regel lediglich eine leichte Verbesserungstendenz auf.
Komplikationen
Bei dieser Erkrankung leiden die Betroffenen in der Regel an verschiedenen Hautbeschwerden. Sie wirken sich in jedem Fall negativ auf die Ästhetik der Betroffenen aus, sodass sich die meisten Patienten mit den Beschwerden unwohl fühlen und dabei an Minderwertigkeitskomplexen oder an einem verringerten Selbstwertgefühl leiden. Auch psychische Beschwerden treten daher nicht selten bei dieser Krankheit auf.
Die Haut selbst ist dabei gerötet und verhärtet. Weiterhin kommt es auch zu Schwellungen auf der Haut und in vielen Fällen zu einem starken Haarausfall. Die Betroffenen können dabei auch an Juckreiz leiden, welcher durch das Kratzen nur noch weiterhin verstärkt wird. In den meisten Fällen kommt es dabei nicht zu einer vollständigen Rückbildung, sodass die Erkrankung ärztlich beurteilt und je nach Form behandelt werden sollte.
Mit Hilfe verschiedener Therapien können die Beschwerden dabei gelindert werden. Die Behandlungen sind in der Regel gut verträglich; eine dauerhafte Anwendung kortisonhaltiger Cremes kann die Haut allerdings zusätzlich dünner werden lassen. Eine innerliche Behandlung mit Methotrexat oder Glucocorticoiden macht regelmäßige Blutkontrollen nötig; Methotrexat darf in der Schwangerschaft nicht angewendet werden. Liegen die verhärteten Herde über einem Gelenk, kann dessen Beweglichkeit eingeschränkt sein, und bei der linearen Form im Kindesalter kann das Wachstum des betroffenen Arms oder Beins beeinträchtigt werden. Weiterhin können auch Cremes oder Salben hilfreich sein und sich positiv auf den Verlauf der Erkrankung auswirken. In der Regel wird auch die Lebenserwartung nicht negativ beeinflusst. Im Fall von psychischen Beschwerden sind die Patienten bei dieser Erkrankung auf eine psychologische Behandlung angewiesen.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Wenn jemand eine Verhärtung, eine Verdickung oder eine Verfärbung bestimmter Hautareale bemerkt, sollte er möglichst bald zu einem Arzt gehen. Es könnte sich hinter diesem Phänomen eine zirkumskripte Sklerodermie verbergen. Im Gegensatz zur systemischen Form der Sklerodermie ist diese Form auf gewisse Areale der Haut beschränkt. Sie ist insofern besser behandelbar.
Der Arzt kann die zirkumskripte Sklerodermie bzw. Morphaea per Sichtdiagnose feststellen. Wichtig ist jedoch, alles zu unternehmen, um die systemische Form der Sklerodermie auszuschließen. Diese kann nämlich auch Organe verhärten und dadurch lebensbedrohliche Schäden verursachen, was für die zirkumskripte Sklerodermie nicht gilt. Die zirkumskripte Sklerodermie betrifft die Hände nur selten; im Gesicht tritt vor allem ihre lineare Form auf. Auch das begleitende Auftreten eines Raynaud-Syndroms lässt eher auf die systemische Variante als auf eine zirkumskripte Sklerodermie schließen.
Falls also verhärtete Hautareale an den Händen oder im Gesicht vorliegen und zusätzlich die Hände schmerzen und minderdurchblutet wirken, sollte der Besuch eines Hautarztes umso schneller erfolgen. Der Arzt wird gegebenenfalls über eine Ultraschalluntersuchung und Gewebeentnahmen feststellen, um welche Form der Sklerodermie es sich handelt.
Ob die zirkumskripte Sklerodermie eine Autoimmunerkrankung ist oder nicht, ist bisher nicht geklärt. Klar ist aber, dass die Ursache der Hautverhärtungen in einer Entzündung liegt. Diese lokale Hauterkrankung lässt sich gut behandeln, ursächlich heilen lässt sie sich bislang jedoch nicht.
Behandlung & Therapie
Aufgrund der ungeklärten Ätiologie der zirkumskripten Sklerodermie existiert bislang keine kausale Therapie und die therapeutischen Maßnahmen, die von Form und Ausmaß der Erkrankung abhängen, zielen auf eine Reduzierung der spezifisch vorliegenden Symptome.
Zur Beschwerdelinderung haben sich medikamentöse und lichttherapeutische Maßnahmen bewährt. So kommen zur Behandlung der entzündlichen Prozesse entzündungshemmende Wirkstoffe wie Glucocorticoide in Form von Cremes oder Salben zum Einsatz. Ergänzend werden rückfettende Salben, Lotionen oder Cremes zur Basispflege der sklerosierten Hautareale sowie zur Vorbeugung vor Juckreiz und einem möglichen Spannungsgefühl empfohlen.
Vorliegende bzw. akute Entzündungsreaktionen können im Rahmen einer Phototherapie lichttherapeutisch mit UVA-Licht eingedämmt werden; als Verfahren der Wahl gilt heute die UVA1-Phototherapie. Gleichzeitig stimuliert UVA-Licht die Synthese von Enzymen, die das vermehrt gebildete Kollagen abbauen. In einigen Fällen wird im Vorfeld wirkverstärkend eine psoralenhaltige Creme aufgetragen (PUVA-Therapie). Während sich die rötlich-entzündlichen Hautverfärbungen in aller Regel zurückbilden und die weißlichen Stellen weicher werden, kann eine Atrophie sowie der Schwund an Haarfollikeln durch die Therapie nicht reversibel gemacht werden.
Im Rahmen klinischer Studien werden darüber hinaus stoßwellentherapeutische Maßnahmen getestet (unter anderem am Berner Inselspital), durch welche das sklerosierte Gewebe zerstört wird, um so die Durchblutung und Synthese neuer Blutgefäß- und Hautzellen zu stimulieren. Sind Hautareale im Gelenkbereich von einer Morphaea betroffen, können physiotherapeutische Maßnahmen angezeigt sein, um einer Gelenkversteifung (Kontraktur) vorzubeugen. Bei linearen, tiefen oder rasch fortschreitenden Verlaufsformen reicht eine äußerliche Behandlung häufig nicht aus. Hier gilt Methotrexat, bei Bedarf zusammen mit innerlich gegebenen Glucocorticoiden, als systemische Behandlung der Wahl.
Vorbeugung
Da die Ätiologie der zirkumskripten Sklerodermie bislang nicht geklärt werden konnte, existieren keine vorbeugenden Maßnahmen. Die Auswirkungen einer zirkumskripten Sklerodermie können durch die Vermeidung von Faktoren, die das Immunsystem negativ beeinflussen (unter anderem Stress, Alkohol-, Nikotinkonsum), vermutlich minimiert werden.
Nachsorge
Die Nachsorge bei der zirkumskripten Sklerodermie orientiert sich am individuellen Symptombild und dem Verlauf der Erkrankung. Bei leichten Beschwerden ist keine umfassende Nachsorge notwendig. Die Erkrankung lässt sich durch Medikamente und eine Lichttherapie behandeln. Im Rahmen der Nachsorge werden die Hautstellen noch einmal kontrolliert.
Bei einem günstigen Verlauf können die Abstände zwischen den Kontrollterminen anschließend vergrößert werden. Teil der Nachsorge ist auch ein Patientengespräch. Bei der Anamnese werden die Symptome und Behandlungsmethoden besprochen. Zudem geht der Arzt auf individuelle Rückfragen des Patienten ein, etwa bezüglich einer Kostenübernahme oder einer therapeutischen Begleitbehandlung.
Insbesondere Jugendliche, die mitunter stark unter den Hautveränderungen leiden, benötigen oft therapeutische Unterstützung. Klingt die zirkumskripte Sklerodermie durch die zunächst gewählten Maßnahmen nicht ab, werden andere Therapieverfahren eingesetzt. Die Kontrolluntersuchungen laufen in diesem Fall während der weiteren Behandlung weiter.
In den seltenen Fällen einer chronischen Erkrankung muss der zuständige Arzt in regelmäßigen Abständen aufgesucht werden, damit dieser die notwendigen Routinekontrollen durchführen kann. Die Nachsorge erfolgt durch den Haut- oder Allgemeinarzt. Kinder und Jugendliche werden oft vom Kinderarzt behandelt, welcher nach dem Ende der Behandlung die regelmäßigen Nachsorgeuntersuchungen übernimmt.
Das können Sie selbst tun
Diese Diagnose ist für die meisten Patienten sehr belastend, insbesondere dann, wenn die betroffenen Hautareale im Gesicht und/oder an den Händen und somit für alle sichtbar sind. Wird die Belastung übergroß, ist eine psychotherapeutische Begleitbehandlung zu befürworten. Auch der Besuch einer Selbsthilfegruppe kann den Betroffenen helfen. Informationen zur Krankheit und zu Treffen in der Nähe finden Patientinnen und Patienten beispielsweise unter dem Selbsthilfeportal www.sklerodermie-sh.de.
Sport, soweit es die Krankheit erlaubt, sorgt ebenfalls für eine bessere Stimmung. Gerade wenn die Patienten zu Depressionen neigen, kann die Teilnahme an einem Mannschaftssport und an gemeinsamen Unternehmungen helfen, den Kontakt zu anderen Menschen zu halten. Eine behandlungsbedürftige Depression gehört allerdings in ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Noch ist nicht gesichert, wie es zur Entwicklung einer zirkumskripten Sklerodermie kommen kann. Doch unabhängig davon, ob es sich dabei um eine falsche Reaktion des Immunsystems oder um eine Entzündung im Körper handelt, sollte eine betont gesunde Lebensführung es dem Körper ermöglichen, besser mit der Erkrankung fertig zu werden.
Eine gesunde Lebensführung beinhaltet neben dem bereits erwähnten Sport eine ausgewählte, leichte Ernährung mit vielen Vitaminen und Ballaststoffen, aber mit wenig Zucker und tierischem Fett. Ein geregelter Tagesablauf mit ausreichenden Schlaf- und Ruhezeiten sowie der Verzicht auf Alkohol und Nikotin sind ebenfalls empfehlenswert. Sportarten wie Yoga, Pilates oder auch Meditationen können Stress entgegenwirken, der die Erkrankung sonst möglicherweise verschlimmert.
Quellen
- Plewig, G., Ruzicka, T., Kaufmann, R., Hertl, M. (Hrsg.): Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
ISBN: 9783662495445
- Moll, I. (Hrsg.): Duale Reihe Dermatologie.
ISBN: 9783132446069
- Sterry, W., Burgdorf, W., Worm, M. (Hrsg.): Checkliste Dermatologie.
ISBN: 9783131755476
- Witte, T., Schneider, M. (Hrsg.): Kollagenosen.
ISBN: 9783110545821
- Altmeyer, P.: Dermatologische Differenzialdiagnose.
ISBN: 9783642348303

