Zollinger-Ellison-Syndrom

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Das Zollinger-Ellison-Syndrom ist eine tumoröse Erkrankung, bei der Tumore im Magen-Darm-Trakt eine Überproduktion des Hormons Gastrin verursachen. In etwas mehr als der Hälfte aller Fälle handelt es sich bei den Tumoren um bösartige Gastrinome. Eine kurative Therapie ist vor der Metastasierung möglich.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Zollinger-Ellison-Syndrom?

Zollinger Ellison Syndrom
Das Zollinger-Ellison-Syndrom verursacht starke Bauchschmerzen, die bevorzugt in einer atypischen Lokalisation auftreten.
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Im Magen-Darm-Trakt wird das Hormon Gastrin synthetisiert. Eine Überproduktion dieses Hormons äußert sich in einem paraneoplastischen Erscheinungsbild und wird als Zollinger-Ellison-Syndrom bezeichnet. Die Namensgeber dieser Erscheinung sind die US-amerikanischen Chirurgen Zollinger und Ellison, die den Komplex aus Symptomen im 20. Jahrhundert erstmals beschrieben haben.

Tumore der Bauchspeicheldrüse gehören zu den typischen Ausgangspunkten des Syndroms. Auch der obere Dünndarm ist häufig von Tumoren betroffen. In etwas mehr als der Hälfte der Fälle handelt es sich bei den Tumoren um bösartige Tumore. Etwa zehn aus einer Million Menschen sind jährlich von der Erkrankung betroffen. Das macht das Zollinger-Ellison-Syndrom zu einer äußerst seltenen Krankheit, die vorwiegend in einem Alter zwischen 30 und 60 Jahren auftritt. Auch jüngere Menschen können theoretisch aber von den Symptomen des Zollinger-Ellison-Syndroms betroffen sein.

Ursachen

Beim Zollinger-Ellison-Syndrom entstehen in der Bauchspeicheldrüse und im Magen-Darm-Trakt Tumore. Die Geschwülste produzieren Gastrin, ein Hormon des Magen-Darm-Trakts. Aus diesem Grund werden die Tumore auch als Gastrinome bezeichnet. Diese neuroendokrinen Tumore können einzeln, aber auch als multiple Tumore in Erscheinung treten. In etwas mehr als der Hälfte der Fälle sind Gastrinome bösartig und metastasieren in die Lymphknoten oder die Leber.

Etwa ein Viertel aller Patienten des Zollinger-Ellison-Syndroms ist von der multiplen endokrinen Neoplasie des Typs I betroffen und hat im Rahmen dessen mehrere Tumore. Meist sind neben der Bauchspeicheldrüse die Hypophyse und die Nebenschilddrüse betroffen. Gastrin stimuliert die Produktion von Magensäure und veranlasst die Belegzellen des Magens zur Freisetzung von Wasserstoffionen. Auf diese Weise erhöht sich die Säurekonzentration im Magen. Als eine Folge dessen treten Magengeschwüre und Geschwüre des Zwölffingerdarms auf.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Zollinger-Ellison-Syndrom verursacht starke Bauchschmerzen, die bevorzugt in einer atypischen Lokalisation auftreten. Die Patienten sind häufig von einem Reflux betroffen. Bei diesem Phänomen gelangt Mageninhalt zurück in die Speiseröhre. Durch Magensäure können sich die Schleimhäute der anatomischen Struktur entzünden und Sodbrennen entsteht. Auch Kehlkopfentzündungen sind eine häufige Folge des Reflux. Bei der Hälfte der Patienten tritt außerdem Durchfall auf.

Hohe Verluste von Elektrolyten und Vitaminen sind die Folge. Manche Betroffene erbrechen sich außerdem blutig. Durch die Überproduktion von Magensaft werden die Lipasen der Patienten inaktiviert. Da diese Enzyme für die Fettverdauung unersetzlich sind, können Fette zuweilen nicht mehr vom Dünndarm absorbiert werden und gelangen in den Dickdarm. Eine fettige Veränderung der Stuhlkonsistenz ist die Folge. In seltenen Fällen liegt außerdem eine Überproduktion des Nebenschilddrüsenhormons vor. Der Calcium-Spiegel im Blut wird als Folge dessen nur noch fehlerhaft reguliert.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Für die Diagnose des Zollinger-Ellison-Syndroms wird der Gastrinspiegel ermittelt. Eine Konzentration über 1 000 ng pro Liter ist annähernd diagnosesichernd. Wenn sich im Serum zusätzlich Chromogranin nachweisen lässt, dann verweist das auf neuroendokrine Tumore. Therapieresistente Bauchschmerzen in atypischer Lokalisation stützen die Diagnose.

Um die Tumore zu lokalisieren, werden bildgebende Verfahren wie die Octreotid-Szintigraphie, die Positronenemissionstomographie, das MRT, oder das CT veranlasst. Da die Erscheinungen des Zollinger-Ellison-Syndroms auch im Rahmen eines MEN-Syndroms auftreten können, ist diese Erkrankung differentialdiagnostisch besonders zu beachten.

Die Prognose richtet sich beim Zollinger-Ellison-Syndrom nach dem Malignitätsgrad der Tumore und dem Vorhandensein von Metastasen. 90 Prozent aller Patienten mit Lymphmetastasen sind fünf Jahre später noch am Leben, was einer günstigen Verlaufsprognose entspricht. Lebermetastasen werden prognostisch für ungünstig gehalten.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bauchschmerzen, Schwellungen, Geschwüre oder Veränderungen der Körperform müssen von einem Arzt untersucht werden. Es handelt sich hierbei um Alarmsignale des Organismus, deren Ursache ermittelt werden sollte. Halten diese Unregelmäßigkeiten über eine längere Zeit an oder zeigt sich eine zunehmende Intensität der Beschwerden, muss ein Arzt aufgesucht werden.

Störungen des Magen-Darm-Traktes, Durchfall und anhaltende Bauchschmerzen müssen untersucht und behandelt werden. Da dem Betroffenen ohne eine medizinische Versorgung bei einem schweren Krankheitsverlauf das vorzeitige Ableben droht, ist bereits bei den ersten Unregelmäßigkeiten ein Arzt zu konsultieren.

Störungen der Verdauung, Sodbrennen und Entzündungen des Kehlkopfes sind weitere Warnsignale des Organismus. Zeigen sich diffuse Mangelerscheinungen, eine Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit sowie eine Mattigkeit, benötigt der Betroffene ärztliche Hilfe. Bei einem Druckschmerz, Störungen der Sensibilität sowie einer inneren Unruhe sollte eine Abklärung der Beschwerden erfolgen. Werden Verhaltensauffälligkeiten wahrgenommen, liegt eine Gereiztheit vor oder kommt es zu einer Appetitlosigkeit sowie zu einem Verlust des Körpergewichts, muss ein Arzt konsultiert werden. Kommt es zu Blutungen während des Toilettenganges, ist schnellstmöglich ein Arzt zu konsultieren. Bluterbrechen, schwarzer Stuhlgang mit Schwäche und Kreislaufbeschwerden oder plötzlich einsetzende, vernichtende Bauchschmerzen sind dagegen ein Notfall: Dann ist sofort über den Notruf 112 der Rettungsdienst zu alarmieren.

Behandlung & Therapie

Eine kurative Behandlung ist nur bei Gastrinomen ohne Metastasen möglich. Der Tumor oder die Tumore werden dabei chirurgisch möglichst vollständig entfernt, soweit das im Bereich des Möglichen liegt. Rezidive sind damit allerdings nicht ausgeschlossen. Daher müssen die Patienten ein Leben lang regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen erscheinen. Da chirurgisch in der Regel nicht alle Tumorzellen entfernt werden können, kann nach der Operation zusätzlich eventuell eine Bestrahlung stattfinden.

Da sich die Bestrahlung bei Gastrinomen aber als wenig effektiv erwiesen hat, wird dieser Schritt nicht von allen Ärzten empfohlen. Falls die Tumore gutartig sind, werden sie nach Möglichkeit trotzdem entfernt, da das Risiko der Entartung groß ist. Zur Verringerung der Gastrinsekretion wird den Patienten außerdem Octreotid gegeben. Durch die Gabe von Protonenpumpeninhibitoren lässt sich in der Regel die Produktion von Magensäure senken.

Wenn bereits eine Metastasierung stattgefunden hat, findet neben einer bedarfsgerechten Operation eine symptomatische Therapie statt, die die Lebensdauer zumindest verlängern kann. Wie lange das gelingt, hängt vor allem davon ab, wo die Tochtergeschwülste sitzen; bei Metastasen in den Lymphknoten ist der Verlauf oft über viele Jahre günstig, bei Lebermetastasen ungünstiger. Um die Lebensqualität der Patienten zu verbessern, können ihre Bauchschmerzen zusätzlich durch die Gabe von Schmerzmitteln behandelt und so gegebenenfalls gelindert werden. Auch Durchfällen und dem Durchbruch von Geschwüren kann therapeutisch vorgebeugt werden.


Vorbeugung

Der Entstehung des Zollinger-Ellison-Syndroms lässt sich nicht vorbeugen, denn worauf die Gastrinome zurückgehen, ist nicht beeinflussbar. Möglich ist lediglich eine frühe Erkennung: Bei immer wiederkehrenden Geschwüren des Magens und des Zwölffingerdarms sowie bei Angehörigen von Patienten mit einer multiplen endokrinen Neoplasie Typ I sollte gezielt nach der Erkrankung gesucht werden.

Nachsorge

Dem Betroffenen stehen beim Zollinger-Ellison-Syndrom in den meisten Fällen nur eingeschränkte und auch nur wenige Maßnahmen und Möglichkeiten einer direkten Nachsorge zur Verfügung, sodass der Betroffene idealerweise schon bei den ersten Anzeichen und Symptomen dieser Krankheit einen Arzt aufsuchen sollte. Je früher dabei ein Arzt aufgesucht wird, desto besser ist in der Regel auch der weitere Verlauf dieser Erkrankung.

Der wichtigste Teil der Nachsorge sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen, denn auch nach einer vollständigen Entfernung des Tumors kann die Erkrankung wiederkehren. Dazu gehören die Bestimmung des Gastrinspiegels sowie bildgebende Untersuchungen; wie oft sie nötig sind, legt der behandelnde Arzt fest. Nur ein Teil der Betroffenen erkrankt im Rahmen einer multiplen endokrinen Neoplasie Typ I, und nur in diesen Fällen ist die Erkrankung erblich. Für sie kann bei einem Kinderwunsch eine genetische Beratung sinnvoll sein: Sie klärt über das Wiederholungsrisiko auf und ermöglicht es, Angehörige frühzeitig untersuchen zu lassen. Verhindern kann sie die Erkrankung nicht.

Wurde der Tumor entdeckt und vollständig entfernt, bevor er gestreut hat, ist eine Heilung möglich. Weiterhin ist nicht selten auch die Einnahme von verschiedenen Medikamenten notwendig. Dabei sollten Betroffene auf die vorgeschriebene Dosierung und eine regelmäßige Einnahme achten. Wie sich die Erkrankung auf die Lebenserwartung auswirkt, hängt vor allem davon ab, ob der Tumor bösartig ist und ob er bereits Tochtergeschwülste gebildet hat; eine allgemeine Voraussage lässt sich daher nicht treffen.

Das können Sie selbst tun

Die Behandlung des Zollinger-Ellison-Syndroms kann durch einige Selbsthilfe-Maßnahmen unterstützt werden. Wichtig ist eine Ernährungsumstellung. Reizende Speisen und Getränke gilt es zu vermeiden, um dem typischen Sodbrennen vorzubeugen. Raucher sollten mit dem Rauchen aufhören. Der Konsum von Kaffee oder Alkohol muss ebenfalls reduziert werden. Es gilt, dem Sodbrennen vorzubeugen und Folgebeschwerden wie eine weitere Reizung von Rachen und Magen zu vermeiden.

Die Beschwerden lassen sich auch symptomatisch behandeln, indem beispielsweise ein warmes Kissen auf die schmerzenden Stellen gelegt wird. Sanfte Teesorten wirken ebenfalls lindernd. Bei plötzlich einsetzenden, heftigen Bauchschmerzen mit harter Bauchdecke ist Wärme dagegen nicht angebracht; hier ist sofort ärztliche Hilfe nötig. Die ursächliche Behandlung des Tumors kann von den Patienten durch die Einhaltung der ärztlichen Vorgaben unterstützt werden.

Nach einem operativen Eingriff wurden früher strenge Bettruhe und die Vermeidung von Stress verlangt. Heute wird stattdessen eine frühe Mobilisation empfohlen, um Komplikationen wie Thrombosen und Lungenentzündungen vorzubeugen; auf schwere körperliche Belastung ist in den ersten Wochen dennoch zu verzichten. Die Diät sollte weiterhin beibehalten werden. Wurde der Tumor erfolgreich entfernt, klingen die Beschwerden des Zollinger-Ellison-Syndroms normalerweise innerhalb einiger Tage bis Wochen wieder ab. Zuvor verordnete Medikamente können in Rücksprache mit dem Arzt ausgeschlichen werden. Begleitend dazu sollte weiterhin auf ungewöhnliche Symptome geachtet werden. Falls erneut Magenbeschwerden auftreten, muss der Arzt konsultiert werden. Zuständig ist der Gastroenterologe, der Patienten mit Zollinger-Ellison-Syndrom weitere Selbsthilfe-Tipps geben kann.

Quellen

  • Messmann, H., Wedemeyer, H. (Hrsg.): Klinische Gastroenterologie.
    ISBN: 9783132405233
  • Riemann, J. F., Fischbach, W., Galle, P. R., Mössner, J. (Hrsg.): Checkliste Gastroenterologie und Hepatologie.
    ISBN: 9783132454217
  • Riemann, J. F., Fischbach, W., Galle, P. R., Mössner, J. (Hrsg.): Referenz Gastroenterologie.
    ISBN: 9783132405004
  • Lehnert, H. (Hrsg.): Rationelle Diagnostik und Therapie in Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel.
    ISBN: 9783131295545
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655

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