Östliche Pferdeenzephalomyelitis

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

Sie sind hier: Startseite Krankheiten Östliche Pferdeenzephalomyelitis

Bei der Östlichen Pferdeenzephalomyelitis handelt es sich um eine Zoonose. Diese Entzündung betrifft sowohl Rückenmark als auch Gehirn. Erreger sind Viren, die im Osten und Süden der USA, in Kanada sowie in Teilen Mittel- und Südamerikas vorkommen und durch Mücken übertragen werden. Aus Südostasien sind lediglich alte Virusfunde bekannt, jedoch keine belegten Erkrankungsfälle beim Menschen. Die Zahl der gemeldeten Todesfälle bei Menschen ist gering. Das liegt jedoch daran, dass insgesamt nur wenige Menschen erkranken: Kommt es zur Gehirnentzündung, endet sie in etwa 30 bis 50 Prozent der Fälle tödlich, und viele Überlebende behalten bleibende Schäden des Nervensystems zurück.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Östliche Pferdeenzephalomyelitis?

Oestliche Pferdeenzephalomyelitis
Beim Ausbruch der Krankheit gehören Bindehautentzündung, Kopfschmerzen und Fieber mit Muskelschmerzen und Gliederschmerzen zu den Symptomen.
© lom123 – stock.adobe.com

Der Fachbegriff für eine östliche Pferdeenzephalomyelitis lautet Eastern Equine Encephalomyelitis, kurz EEE. Das heißt, dass der Erreger zwischen Tier und Mensch übertragen wird. Eine direkte Ansteckung vom Pferd auf den Menschen oder von Mensch zu Mensch gibt es dabei nicht: Das Virus gelangt ausschließlich durch den Stich infizierter Stechmücken in den Körper. Pferd und Mensch sind für das Virus Fehlwirte, von denen es nicht weitergegeben wird. Die Viruserkrankung kann auch beim Menschen zum Tod führen; eine Behandlung, die das Virus selbst bekämpft, steht bis heute nicht zur Verfügung. Laut der Verordnung über anzeigepflichtige Tierseuchen muss ein Verdachtsfall beim Pferd der zuständigen Veterinärbehörde angezeigt werden. Überträger der Krankheit sind Stechmücken.

Ausgewachsene Insekten ernähren sich von Pflanzensäften, die Zucker enthalten. Damit die Eier reifen können, benötigen weibliche Stechmücken Blut. Durch ihre stechend- saugenden Mundwerkzeuge sind sie in der Lage, das für ihren Nachwuchs lebensnotwendige Blut aufzunehmen. Sie passen sich den Umweltbedingungen an und so trägt unter anderem der Klimawandel dazu bei, dass sich ihr Vorkommen auch auf Gebiete außerhalb Kanadas und der USA ausbreitet.

Ursachen

Es ist nur ein kaum merklicher Stich und Pferd oder Mensch sind infiziert. Mückenplagen gibt es vor allen Dingen in Jahren, die für das Schlüpfen der Eier besonders günstig sind. Von den vielen Arten sind es nur etwa 50, die bisher so weit erforscht sind, dass sie als Überträger von Krankheitserregern in Betracht kommen. Es gibt etwa 60 Viren, die in den Stechmücken vorkommen und hauptsächlich in der Veterinärmedizin von Bedeutung sind.

Einige dieser Viren können auch auf den Menschen übertragen werden. Dazu zählt das Eastern Equine Encephalitis Virus, welches durch die Stechmücke Culiseta melanura übertragen wird. Auch Wildvögel gelten als Wirte; in ihnen vermehrt sich das Virus, und die Mücken nehmen es beim Blutsaugen auf. Bekannt wurden Fälle bisher aus dem Osten und dem Süden der USA, aus Kanada sowie aus Teilen Mittel- und Südamerikas. In Europa ist die Östliche Pferdeenzephalomyelitis bislang nicht aufgetreten. Wer sich bei einer Reise in die betroffenen Gebiete infiziert, kann bei seiner Rückkehr keine weiteren Menschen anstecken, weil das Virus nicht von Mensch zu Mensch übertragen wird.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Als inapparente oder stumme Infektion wird sie von dem Erkrankten nicht bemerkt. Er ist dann zwar beschwerdefrei, ein schwerer Verlauf droht aber vor allem bei körperlichem Stress durch andere Erkrankungen oder bei einem geschwächten Immunsystem. Bricht die Krankheit aus, so zeigen sich die ersten Beschwerden in der Regel vier bis zehn Tage nach dem Mückenstich und nicht erst Jahre später. Beim Ausbruch der Krankheit gehören Bindehautentzündung, Kopfschmerzen und Fieber mit Muskelschmerzen und Gliederschmerzen zu den Symptomen.

Weitere Anzeichen sind allgemeine Übelkeit, schwallartiges Erbrechen und Delirium. Kommt es zur Entzündung des Gehirns und seiner Häute (Meningoenzephalitis), fallen Patienten nicht selten ins Koma und sterben. Die Todesrate beim Menschen liegt etwa zwischen 30 und 50 Prozent. Ein großer Teil derjenigen, die eine solche Gehirnentzündung überleben, behält dauerhafte neurologische Schäden zurück, etwa Lähmungen, Krampfanfälle oder geistige Beeinträchtigungen. Nach einem plötzlichen Ausbruch der Krankheit kommt es zur kurzen Verbesserung des Allgemeinzustands. Dieser hält nur wenige Tage an und es zeigen sich Krämpfe, Nackensteifigkeit und Lähmungserscheinungen in den Extremitäten. Die Symptome sind teilweise identisch mit denen einer Meningitis und weiterer Entzündungen des Gehirns und seiner Häute.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Im Labor wird eine virologische Diagnostik durchgeführt. Zu dem Zweck wird das Virus auf einem geeigneten Träger gezüchtet. Diese Anzucht ist heute allerdings die Ausnahme und bleibt besonders gesicherten Speziallaboren vorbehalten. Wesentlich schneller kommt es zur richtigen Diagnose, wenn das Virus oder die Abwehrstoffe gegen das Virus im Labor nachgewiesen werden. Das geschieht durch die serologische Untersuchung des Blutes. Auch die Untersuchung des Liquors kann zum Nachweis und zur Bestimmung der Viren eingesetzt werden. In der Regel stützt sich die Diagnose auf den Nachweis von Antikörpern der Klasse IgM in Blut und Nervenwasser, weil das Virus selbst zum Zeitpunkt der Beschwerden meist nicht mehr im Blut kreist.

Pferdebesitzer sollten ebenfalls auf die Untersuchung ihrer Tiere achten. Die Östliche Pferdeenzephalomyelitis kommt zwar hauptsächlich in Übersee vor, es gibt aber keine Garantie dafür, dass sie nicht auch in Europa auftritt. Jedem Verdachtsmoment muss nachgegangen werden. Eine Ansteckung durch den Umgang mit einem erkrankten Pferd ist dabei nicht zu befürchten, wohl aber durch die Mücken in dessen Umgebung.

Wichtig ist, dass die richtige Diagnose gestellt wird. Es gibt zwei weitere ähnliche Enzephalomyeliten, deren Symptome und Krankheitsverlauf der Östlichen ähnlich sind. Da sie durch andere Erreger hervorgerufen werden, ist auch deren Existenz zu belegen. Behandelt werden können allerdings auch diese Erkrankungen nur symptomatisch.

Komplikationen

In den meisten Fällen kommt es bei dieser Erkrankung zu einer späten Diagnose und damit auch zu einer verzögerten Behandlung. Ein geschwächtes Immunsystem begünstigt dabei einen schweren Verlauf. Auch eine Bindehautentzündung oder starke Kopfschmerzen können dabei auftreten und werden von Fieber begleitet.

Ebenfalls kommt es zu Schmerzen in den Muskeln und in den Gliedern. Im weiteren Verlauf der Erkrankung treten auch Bewusstseinsstörungen auf, die zu einer Verwirrtheit oder zu einem Delirium führen. Bei einem Teil der Erkrankten greift die Entzündung auf das Gehirn und seine Häute über; verhindern lässt sich das nicht, weil keine ursächliche Behandlung zur Verfügung steht. In einigen Fällen führt diese dann zum Tod.

Auch verschiedene Lähmungserscheinungen oder Gefühlsstörungen können dabei auftreten und sich sehr negativ auf den Alltag und auf die Lebensqualität des Patienten auswirken. Die Behandlung der Krankheit wird mit Hilfe von Medikamenten durchgeführt. In schwerwiegenden Fällen sind dabei allerdings operative Eingriffe notwendig.

Da die Krankheit nicht ursächlich behandelt werden kann, ist die Lebenserwartung des Patienten bei einem schweren Verlauf verringert. Ebenfalls können dabei auch die Angehörigen oder die Eltern des Patienten von psychischen Beschwerden oder Depressionen betroffen sein.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Menschen, die mit Pferden zu tun haben, sollten bei gesundheitlichen Veränderungen oder Auffälligkeiten die Rücksprache mit einem Arzt suchen. Kommt es zu Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall, besteht Anlass zur Besorgnis. Eine Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit, Kopfschmerzen, eine erhöhte Körpertemperatur und Beeinträchtigung des Muskelapparates deuten auf eine gesundheitliche Störung hin. Zur Klärung der Ursache sind medizinische Tests notwendig. Einschränkungen der Mobilität, Schmerzen der Gelenke, Krämpfe oder eine Nackensteifigkeit sind weitere Hinweise, denen nachgegangen werden sollte. Bei Lähmungserscheinungen besteht unverzüglicher Handlungsbedarf.

In akuten Fällen muss ein Rettungsdienst alarmiert werden, damit keine weiteren Komplikationen auftreten. Kann sich der Betroffene nicht mehr beschwerdefrei oder ohne die Hilfe anderer Menschen fortbewegen, muss er ärztlich untersucht und behandelt werden. Eine innere Gereiztheit, Mattigkeit oder Abgeschlagenheit deuten auf eine gesundheitliche Beeinträchtigung hin. Halten die Beschwerden über eine längere Zeit an oder nehmen sie an Intensität zu, muss schnellstmöglich gehandelt werden. In seltenen Fällen kann bei einem ungünstigen Krankheitsverlauf ohne eine medizinische Versorgung das vorzeitige Ableben des Betroffenen eintreten. Deswegen sollte bei den ersten Anzeichen ein Arzt aufgesucht werden. Erhöht sich das innere Stresserleben oder hat der Betroffene ein schwaches Immunsystem, ist schnellstmöglich zu reagieren.

Hohes Fieber zusammen mit starken Kopfschmerzen und einem steifen Nacken, Verwirrtheit, Bewusstseinstrübung, ein Krampfanfall oder neu aufgetretene Lähmungen sind Zeichen einer Entzündung des Gehirns und seiner Häute. Dann besteht Lebensgefahr, und es ist sofort der Notruf 112 zu wählen.

Behandlung & Therapie

Die Therapie zielt auf die Behandlung der Symptome ab. Ein Medikament, das das Virus selbst abtötet, gibt es nicht. Wichtig ist, dass das Fieber gesenkt und bei Krampfanfällen ein Antiepileptikum gegeben wird. Spasmen sind durch muskelentkrampfende Mittel zu reduzieren. Treten Hirnödeme auf, drücken diese auf wichtige Bereiche des Gehirns und eine Entlastung ist zwingend erforderlich. Mögliche Eingriffe sind der Einbau einer Shuntanlage oder die Trepanation.

Beide Maßnahmen dienen dem raschen Abfallen des Hirndrucks durch Abfließen des Hirnwassers. Sie sind aber nur dann möglich, wenn es der Allgemeinzustand der Patienten zulässt. Die Shuntanlage belastet ihn weniger als die Trepanation. Sie wird schon bei Säuglingen mit Hydrocephalus (Wasserkopf) eingesetzt. Der Liquorshunt leitet permanent das Hirnwasser vom Kopf zur Bauchhöhle ab.

Dazu wird ein kleiner Katheter implantiert, der über ein Ventilsystem steuerbar ist. Nach dem Abklingen der Symptome ist die Entfernung unproblematisch und Betroffene können ohne den Liquorshunt leben. Patienten müssen stets intensivmedizinisch betreut werden.


Vorbeugung

In Risikogebieten ist eine Impfung der Pferde möglich. Sie werden mit einem Totimpfstoff behandelt. Für sie ist das Infektrisiko dann nur noch äußerst gering. Für den Menschen gibt es dagegen bis heute keinen zugelassenen Impfstoff. Die Viren der Östlichen Pferdeenzephalomyelitis gehören laut Experten zu den biologischen Waffen von Terroristen und Diktatoren.

Es ist also von elementarer Bedeutung, dass Impfstoffe entwickelt werden, die flächendeckend einsetzbar sind. Bisher existieren nur Versuchsimpfstoffe, die viele Nebenwirkungen haben und Laborpersonal vorbehalten bleiben. Reisende in die Risikogebiete sind deshalb auf einen konsequenten Schutz vor Mückenstichen angewiesen, etwa durch Insektenschutzmittel, lange Kleidung und Moskitonetze.

Das können Sie selbst tun

Im Rahmen der Selbsthilfe sollten Reisende, die nach Kanada, in die USA oder nach Mittel- und Südamerika reisen werden, sich im Vorfeld ausreichend über die dortigen Lebensumstände informieren. Das Auftreten regionaler Erkrankungen sowie notwendige Vorsichtsmaßnahmen sind im Vorfeld zu recherchieren. Ebenso sollte der dortige Hygienestandard in Erfahrung gebracht werden.

Bei Fragen und Unklarheiten können Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes oder ein Arzt weitere Hilfestellungen geben. In einigen Fällen sollten in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt ausreichende Schutzimpfungen in Erwägung gezogen und durchgeführt werden. Gegen die Östliche Pferdeenzephalomyelitis selbst schützt dabei keine Impfung. Der Schutz vor Insekten insbesondere vor Mücken ist deshalb bereits vor Reiseantritt ausreichend zu planen.

Treten nach einem Insektenstich gesundheitliche Beeinträchtigungen auf, ist ein Arzt zu konsultieren. Es ist anzuraten, nicht bis zur Rückreise in die Heimat zu warten. Vor Ort können bereits notwendige Hilfemaßnahmen eingeleitet werden oder eine Abklärung der Ursache kann stattfinden. Befindet sich der Betroffene wieder an seinem Heimatort, sollte zusätzlich unverzüglich ein Arzt konsultiert werden. Das Senken von Fieber kann durch das Nutzen von kalten Wickeln unterstützt werden. Die Nahrungszufuhr ist ebenfalls zu optimieren, damit Durchfall und Erbrechen gelindert werden.

Da die Erkrankung in schweren Fällen zum vorzeitigen Ableben führt, sollte dennoch bei einer Zunahme der Beschwerden stets ein Arzt aufgesucht werden.

Quellen

  • Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S.H.E., Schulz, T.F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
    ISBN: 9783662613849
  • Modrow, S., Truyen, U., Schätzl, H.: Molekulare Virologie.
    ISBN: 9783662617809
  • Löscher, T., Burchard, G.-D., Hoerauf, A., May, J. (Hrsg.): Tropenmedizin.
    ISBN: 9783437216428
  • Berlit, P. (Hrsg.): Klinische Neurologie.
    ISBN: 9783662606742
  • Hof, H., Schlüter, D. (Hrsg.): Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie.
    ISBN: 9783132443174

Das könnte Sie auch interessieren