Antiepileptika

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 6. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Antiepileptika - auch als Antikonvulsiva bekannt - sind Arzneimittel, die zur Behandlung von Epilepsie (Krampfanfall) eingesetzt werden. Des Weiteren werden sie prophylaktisch als Migränetherapeutikum sowie auch im Bereich der Schmerztherapie eingesetzt. Die ersten synthetischen Antiepileptika wurden bereits 1912 getestet. Noch älter ist die Anwendung von Bromsalzen, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts gegen Krampfanfälle eingesetzt wurden.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Antiepileptika?

Antiepileptika
Antiepileptika werden zur Behandlung von Epilepsie und prophylaktisch als Migränetherapeutikum eingesetzt.

Antiepileptika sind chemisch-pharmazeutische Arzneimittel, die primär zur Behandlung von epileptischen Erkrankungen eingesetzt werden. Je nachdem zu welcher pharmakologischen Wirkstoffgruppe das Antiepileptikum gehört, wird das Medikament auch bei anderen Erkrankungen angewendet. Weitere Einsatzgebiete sind u. a. neuralgische Schmerzen, Fibromyalgie, Neuropathie, Parästhesien.

Bei den Antikonvulsiva - wie die Antiepileptika auch genannt werden - unterscheidet man zwischen den klassischen Produkten und den sog. neuen Antiepileptika. Nicht jedes Medikament dieser Wirkstoffgruppen ist für alle Anfallstypen geeignet. Je nachdem welche Gehirnregionen bei einem epileptischen Anfall betroffen sind und ob es sich um einen fokalen oder einen generalisierten (das gesamte Gehirn betreffend) Anfall handelt, werden verschiedene Antiepileptika verordnet.

Antiepileptika dienen in erster Linie dazu, die Reizweiterleitung als auch die neuronale Erregbarkeit des Zentralen Nervensystems herabzusetzen.

Die Unterscheidung zwischen klassischen und neuen Antiepileptika ist keine Wertung, sondern zunächst eine zeitliche: Die klassischen Wirkstoffe kamen überwiegend im Lauf des 20. Jahrhunderts in die Behandlung, die neueren erst in dessen letzten Jahrzehnten. Praktisch bedeutsam ist der Unterschied trotzdem, denn mehrere der älteren Wirkstoffe greifen stark in den Arzneistoffwechsel der Leber ein und beeinflussen dadurch die Wirkung anderer Medikamente. Bei den neueren Wirkstoffen ist dieses Wechselwirkungspotenzial in der Regel geringer, was besonders für Menschen ins Gewicht fällt, die dauerhaft weitere Arzneimittel benötigen.

Ein zweiter Unterschied betrifft den Zulassungsumfang. Ein Teil der neueren Wirkstoffe war anfangs nur als Ergänzung zu einer bestehenden Behandlung zugelassen und erst später auch zur alleinigen Anwendung. Ein Wirkstoff, der bei einer Anfallsform als Mittel der Wahl gilt, kann bei einer anderen unwirksam sein oder Anfälle sogar begünstigen – eine Zuordnung, die sich nicht aus der Zugehörigkeit zur Wirkstoffgruppe ergibt, sondern für jeden Wirkstoff einzeln gilt.

Nicht jede Epilepsie erfordert dieselbe Beharrlichkeit der Behandlung. Bei einigen im Kindesalter auftretenden Formen verlieren sich die Anfälle im weiteren Verlauf des Lebens; bei anderen Formen ist mit einer dauerhaften Behandlung zu rechnen. Antiepileptika unterdrücken Anfälle, beseitigen aber nicht deren Ursache – ein Punkt, der für das Verständnis der Behandlung wesentlich ist.

Anwendung, Wirkung & Gebrauch

Antiepileptika werden primär zur Behandlung von epileptischen Krampfanfällen eingesetzt. Epilepsie wird verursacht durch eine Überfunktion der elektrischen Nerventätigkeit im Gehirn. Durch die Überlastung der Nervenbahnen wird die Gehirnfunktion erheblich eingeschränkt. Lang anhaltende Anfälle und der sogenannte Status epilepticus können das Gehirn dauerhaft schädigen. Ob und wie dauerhaft mit Antiepileptika behandelt wird, richtet sich deshalb nach Anfallsart, Anfallshäufigkeit und Rückfallrisiko.

Antiepileptika werden jedoch nicht nur bei Epilepsie eingesetzt. Sie dienen als Prophylaxe bei Operationen an Gehirn, Rückenmark und Wirbelsäule, um einem Krampfanfall während des chirurgischen Eingriffs vorzubeugen. Vor allem in den letzten Jahren wurden Antiepileptika auch für die Schmerztherapie entdeckt. Zusammen mit ausgewählten Schmerzmitteln können neuralgische Schmerzen erfolgreich behandelt werden. Weitere Einsatzbereiche von Antiepileptika sind der Alkohol- und Drogenentzug sowie die Anästhesie.

Diese Anwendungen außerhalb der Epilepsie lassen sich noch weiter auffächern. Carbamazepin gehört seit langem zu den Mitteln, die bei einer Trigeminusneuralgie eingesetzt werden, einer anfallsartigen Schmerzerkrankung im Gesicht. Einzelne Wirkstoffe der Gruppe dienen als Stimmungsstabilisatoren bei einer bipolaren Störung und sollen dort das Wiederauftreten der Krankheitsphasen verhindern. All diesen Anwendungen liegt dasselbe Grundprinzip zugrunde wie der Behandlung von Anfällen: Es geht darum, eine überschießende Erregbarkeit von Nervenzellen zu dämpfen.

Antiepileptika wirken direkt auf das Nervensystem und die Nervenzellen. Sie sorgen dafür, dass die Reizweiterleitung der Nerven gehemmt und die Erregbarkeit der Nervenzellen im Gehirn vermindert wird. Antiepileptika greifen an mehreren Punkten in dieses Geschehen ein; drei Ansatzpunkte kommen dabei besonders häufig vor. Der erste betrifft die Neurotransmitter (Botenstoffe des Nervensystems). Der wichtigste anfallhemmende Neurotransmitter ist die Gamma-Amino-Buttersäure (GABA). Um die Wirkung als auch die Wirkdauer des gehirneigenen Botenstoffs GABA zu verstärken, werden sog. Benzodiazepine und Barbiturate eingesetzt.

Antiepileptika haben zudem eine Wirkung auf Natrium und Kalzium, die die Reizweiterleitung der Nerven erhöhen. Mithilfe von Antiepileptika wird der Einstrom dieser Mineralstoffionen in die Nervenzellen verringert, so dass die Reizweiterleitung als auch die Erregbarkeit der Nervenzellen herabgesetzt bzw. blockiert wird. Ein weiterer Wirkmechanismus von Antiepileptika ist die Hemmung verschiedener Enzyme im Gehirn, die die Reizleitung als auch die Erregbarkeit der Nervenzellen erhöhen. Damit sind nicht alle Wirkweisen der Gruppe erfasst: Für Levetiracetam etwa gilt der Wirkmechanismus bis heute als nicht vollständig aufgeklärt; der Wirkstoff bindet an das synaptische Vesikelprotein 2A, ein Eiweiß der Nervenendigungen, das an der Freisetzung von Botenstoffen beteiligt ist.

Diesen Ansatzpunkten liegt ein gemeinsames Bild der Anfallsentstehung zugrunde. Im gesunden Gehirn halten sich erregende und hemmende Einflüsse auf die Nervenzellen die Waage. Verschiebt sich dieses Verhältnis in Richtung der Erregung, können sich Zellverbände gleichzeitig und unkontrolliert entladen – die elektrische Aktivität breitet sich aus, und je nachdem, welche Hirnregionen beteiligt sind, entsteht ein umschriebener oder ein den ganzen Körper erfassender Anfall. Alle Ansatzpunkte der Antiepileptika laufen darauf hinaus, dieses Verhältnis zugunsten der Hemmung zu verschieben.

Bevor eine dauerhafte Behandlung beginnt, steht die Abklärung. Neben der genauen Schilderung des Anfallsablaufs durch Betroffene und Beobachter stützt sie sich auf die Elektroenzephalografie, die die elektrische Aktivität des Gehirns aufzeichnet, sowie auf bildgebende Verfahren, mit denen sich Verletzungen, Entzündungen, Fehlbildungen oder Tumoren als Ursache erkennen lassen. Ein einmaliger Anfall führt nicht zwangsläufig zu einer Dauerbehandlung; ein Fieberkrampf im Kindesalter etwa hat in den meisten Fällen keine Epilepsie zur Folge.

Ziel der Behandlung ist Anfallsfreiheit bei möglichst geringer Belastung durch Nebenwirkungen. Ein erheblicher Teil der Betroffenen erreicht dieses Ziel bereits mit dem ersten oder zweiten geeigneten Wirkstoff. Bleiben Anfälle bestehen, obwohl zwei geeignete Wirkstoffe angemessen eingesetzt wurden, sprechen Fachleute von einer therapieschwierigen Epilepsie. Dann kommen Kombinationen mehrerer Wirkstoffe, die Vorstellung in einem spezialisierten Zentrum und – bei einem umschriebenen Ausgangspunkt der Anfälle – auch operative Verfahren in Betracht.

Pflanzliche, natürliche & pharmazeutische Antiepileptika

Antiepileptika gehören zur Gruppe der heterogenen Arzneimittel. Eingeteilt werden die Antiepileptika in Barbiturate, Benzodiazepine, Suximide, Hydantoine, Carboxamide und die neuen Antiepileptika.

Barbiturate wie z. B. Phenobarbital und Primidon werden zur Dauerbehandlung bei Epilepsie eingesetzt. Die Darreichungsform erfolgt mittels Tabletten.

Benzodiazepine wie z. B. Diazepam, Lorazepam und Clonazepam werden vor allem zur Akutbehandlung epileptischer Anfälle eingesetzt; für die Dauerbehandlung eignen sie sich wegen der raschen Gewöhnung nur eingeschränkt. Die Darreichungsformen sind Tabletten, Kapseln, Injektions- und Tropflösungen.

Benzodiazepine sind jedoch keine klassischen Antiepileptika. Ihre eigentlichen Einsatzgebiete sind unter anderem die Behandlung von Angststörungen, Unruhezuständen und Schlafstörungen sowie die Narkoseeinleitung. Jedoch hat sich gezeigt, dass diese Wirkstoffgruppe auch in der Behandlung von Epilepsie erfolgreich ist.

Suximide wie Ethosuximid und Hydantoin-Derivate wie Phenytoin werden zur Dauerbehandlung von Epilepsie eingesetzt. Phenytoin verfügt über einen breiten Wirkmechanismus und ist sowohl für leichte Formen der Epilepsie geeignet als auch bei Grand-Mal-Anfällen (heute als generalisierte tonisch-klonische Anfälle bezeichnet) und dem sog. Status epilepticus. In der Dauertherapie wird Phenytoin heute nur noch selten eingesetzt, da neuere Wirkstoffe besser verträglich sind. Phenytoin gibt es als Tabletten und als Injektionslösungen für die Akutbehandlung.

Carboxamide wie Carbamazepin und Oxcarbazepin werden sowohl zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt als auch in der Schmerztherapie. Die Darreichungsformen sind Tabletten, Retard-Tabletten und Injektionslösungen.

Lange Zeit galten Carbamazepin und Valproat als Standard der Dauertherapie; heute werden bei fokalen Epilepsien vor allem Lamotrigin und Levetiracetam bevorzugt. Diazepam und Lorazepam dienen dagegen der Akutbehandlung eines Anfalls. Bei Nichtverträglichkeit oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommen i. d. R. Phenobarbital, Ethosuximid und Phenytoin zum Einsatz.

Die sog. neuen Antiepileptika Gabapentin, Lamotrigin, Tiagabin, Topiramat und Vigabatrin werden als Zusatztherapeutikum in Verbindung mit anderen Antiepileptika eingesetzt. Lamotrigin und Topiramat sind inzwischen auch für die alleinige Behandlung zugelassen.

Trotz der Vielfalt pflanzlicher Arzneimittel gibt es für Anfallsleiden keine pflanzliche Behandlung, die den chemisch-pharmazeutischen Wirkstoffen an die Seite gestellt werden könnte. Für keine Heilpflanze ist eine Wirksamkeit belegt, die eine Anwendung anstelle eines Antiepileptikums rechtfertigen würde, und das Risiko unbehandelter Anfälle ist erheblich. Auch für homöopathische Mittel ließ sich in kontrollierten Studien keine über den Placeboeffekt hinausgehende Wirkung nachweisen.

Eine gesonderte Stellung nimmt ein Wirkstoff ein, der zwar aus einer Pflanze gewonnen wird, aber nicht als pflanzliches Mittel, sondern als geprüftes und zugelassenes Arzneimittel angewendet wird: Cannabidiol, ein nicht berauschender Inhaltsstoff der Hanfpflanze. Es ist nicht als Nahrungsergänzungsmittel, sondern als verschreibungspflichtiges Arzneimittel für bestimmte seltene und schwer behandelbare Epilepsieformen des Kindesalters zugelassen und wird dort ergänzend zu anderen Wirkstoffen angewendet. Von frei verkäuflichen Erzeugnissen mit derselben Substanzbezeichnung ist es zu unterscheiden, denn für diese gelten weder die arzneimittelrechtliche Prüfung noch der Nachweis eines Behandlungserfolgs.

Wie alle verschreibungspflichtigen Arzneimittel sind Antiepileptika in Deutschland nur auf ärztliche Verordnung erhältlich. Ein Teil von ihnen – insbesondere die Benzodiazepine und die Barbiturate – unterliegt darüber hinaus besonderen betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften, die für Verordnung und Abgabe strengere Regeln vorsehen.


Risiken & Nebenwirkungen

Viele Antiepileptika haben eine sedierende Wirkung, besonders die Gruppe der Benzodiazepine und Barbiturate. Aufgrund dessen ist vor allem beim Führen von Fahrzeugen oder Bedienen von Maschinen besondere Vorsicht geboten.

Wie stark ein Antiepileptikum den Embryo schädigen kann, hängt vom Wirkstoff ab; besonders hoch ist das Risiko bei Valproat, das deshalb bei Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter nur noch in Ausnahmefällen angewendet wird. Eine bestehende Behandlung darf jedoch nicht eigenmächtig abgebrochen werden, da unbehandelte Anfälle in der Schwangerschaft Mutter und Kind gefährden; die Planung einer Schwangerschaft gehört deshalb in ärztliche Hand. Da einige Antiepileptika die Wirkung hormoneller Verhütungsmittel (Pille, Drei-Monats-Spritze, Implanon) herabsetzen, sollten unbedingt zusätzliche Verhütungsmethoden wie Kondome benutzt werden, um eine Schwangerschaft zu vermeiden.

Einige Antiepileptika können die Erregungsleitung am Herzen beeinflussen. Liegen Herzerkrankungen, Leberfunktionsstörungen oder Nierenerkrankungen vor, ist bei der Auswahl des Wirkstoffs besondere Vorsicht geboten. Weitere Nebenwirkungen sind Gewichtszunahme oder -abnahme, Hautausschlag, Juckreiz, Gangunsicherheit, Koordinationsstörungen, Schlaflosigkeit, Sprachstörungen, unwillkürliche Bewegungen, Zahnfleischentzündungen, Übelkeit, Erbrechen und Bindegewebsstörungen.

Da es häufig zu Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln kommt, sollten unbedingt der Arzt und Apotheker befragt werden, wenn andere Medikamente - auch homöopathische - eingenommen werden. Die Einnahme von Antiepileptika macht es erforderlich, dass regelmäßige Kontrollen der Blutwerte durchgeführt werden.

Ein Teil der unerwünschten Wirkungen betrifft nicht die Wirkstoffgruppe als Ganzes, sondern einzelne Vertreter. Schwere Hautreaktionen sind vor allem für Lamotrigin und Carbamazepin beschrieben und treten am ehesten in den ersten Wochen einer Behandlung auf. Valproinsäure, auch als Valproat bezeichnet, kann die Leber und die Bauchspeicheldrüse belasten und geht häufiger mit Gewichtszunahme und Haarausfall einher. Für mehrere der älteren Wirkstoffe ist bei jahrelanger Anwendung eine Wirkung auf den Knochenstoffwechsel beschrieben, die eine Osteoporose begünstigen kann.

Häufig, aber oft vorübergehend sind Beschwerden, die sich aus der dämpfenden Wirkung ergeben: Schwindel, Doppelbilder, verlangsamtes Denken oder Wortfindungsstörungen. Sie sind zu Beginn einer Behandlung ausgeprägter als später und bilden gemeinsam mit der Wirksamkeit die Grundlage dafür, ob ein Wirkstoff auf Dauer geeignet ist.

Auch das Beenden einer laufenden Behandlung ist kein beiläufiger Schritt. Ein abruptes Absetzen kann Anfälle auslösen, im ungünstigsten Fall einen anhaltenden Anfallszustand. Ob und wann eine langjährige Behandlung beendet werden kann, hängt von der Epilepsieform, der Dauer der Anfallsfreiheit und dem Befund der Verlaufsuntersuchungen ab; die Entscheidung wird ärztlich getroffen und begleitet.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Einige Antiepileptika können den Abbau von anderen Medikamenten beschleunigen. Betroffen sind hierbei: Antibabypille, Antidepressiva, Valproinsäure, Cyclosporin, Neuroleptika.

Umgekehrt können andere Medikamente den Abbau einzelner Antiepileptika hemmen, so dass deren Menge im Blut ansteigt und es zu Vergiftungserscheinungen kommen kann. Betroffen sind vor allem die Wirkstoffe, die in der Leber über dieselben Enzyme abgebaut werden. Beschrieben ist das unter anderem für Antibiotika wie Erythromycin und Troleandomycin, für Loratadin, für Proteasehemmer (HIV-Behandlung), für Viloxazin und für Verapamil.

Einige Antiepileptika dürfen nicht zusammen mit Grapefruitsaft eingenommen werden, da dessen Inhaltsstoffe den Abbau von Antiepileptika hemmen. Auch pflanzliche Arzneimittel können in den Abbau eingreifen: Johanniskraut regt die abbauenden Enzyme der Leber an und kann dadurch die Wirkung derjenigen Antiepileptika abschwächen, die über diesen Weg abgebaut werden – mit dem Risiko erneuter Anfälle. Wirkstoffe, die den Körper überwiegend unverändert wieder verlassen, sind davon nicht in gleicher Weise betroffen.

Mineralstoffe wie z. B. Kalzium und Magnesium können die Wirksamkeit von Antiepileptika herabsetzen. Werden die Antiepileptika Carbamazepin und Phenytoin zusammen angewendet, können sie sich in ihrer Wirksamkeit gegenseitig einschränken.

Hinter den meisten dieser Wechselwirkungen steht ein einziges Grundprinzip. Arzneistoffe werden überwiegend in der Leber durch Enzyme abgebaut. Einige Antiepileptika regen die Bildung dieser Enzyme an – Fachleute sprechen von Enzyminduktion –, andere hemmen sie. Wird der Abbau beschleunigt, sinkt die Wirkung des betroffenen Arzneimittels; wird er gebremst, kann sie sich verstärken. Dass Carbamazepin und Phenytoin einander in der Wirksamkeit beeinträchtigen können, hat genau diese Ursache; Carbamazepin regt darüber hinaus die Enzyme an, die es selbst abbauen.

Die Wechselwirkung geht in beide Richtungen und betrifft nicht nur Arzneimittel. Auch Nahrungsbestandteile können den Abbau beeinflussen, was den im Hinweis auf Grapefruitsaft beschriebenen Effekt erklärt. Und Alkohol wirkt seinerseits dämpfend auf das Nervensystem, sodass sich seine Wirkung mit der einiger Antiepileptika ungünstig verstärken kann.

Aus diesem Zusammenhang folgt, warum bei dieser Wirkstoffgruppe schon kleine Veränderungen Beachtung verdienen. Wird ein weiteres Medikament ergänzt oder abgesetzt, kann sich die Wirkung des Antiepileptikums verschieben, ohne dass an ihm selbst etwas geändert wurde. Aus demselben Grund erfassen die im vorigen Abschnitt genannten Kontrollen der Blutwerte bei einigen Wirkstoffen auch deren Konzentration im Blut.


Quellen

  • Schmitt, F. C. (Hrsg.): Epileptische Anfälle und Epilepsien im Erwachsenenalter.
    ISBN: 9783662591970
  • Diener, H.-C., Fink, G. R. (Hrsg.): Therapie-Handbuch Neurologie.
    ISBN: 9783437210044
  • Masuhr, K. F., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie.
    ISBN: 9783132410961
  • Hacke, W. (Hrsg.): Neurologie.
    ISBN: 9783662468913
  • Geisslinger, G., Gudermann, T., Hinz, B., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
    ISBN: 9783804746541

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