Artemether

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 28. März 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

Sie sind hier: Startseite Wirkstoffe Artemether

Bei Artemether handelt es sich um ein sogenanntes Chemotherapeutikum, welches in Deutschland nur für die Behandlung der speziellen Malaria tropica verschrieben und in der Apotheke als Riamet® verkauft wird. Es wird im Vergleich zu anderen Medikamenten dieser Art in Deutschland nur selten verschrieben und eignet sich auch für die Selbstbehandlung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Artemether?

Bei Artemether handelt es sich um ein sogenanntes Chemotherapeutikum, welches in Deutschland nur für die Behandlung der speziellen Malaria tropica verschrieben und in der Apotheke als Riamet® verkauft wird.

Artemether, das in Verbindung mit Lumefrantrin als Riamet® angeboten wird, dient der Behandlung einer unkomplizierten Malaria tropica und wird in Tablettenform verabreicht. Das Medikament eignet sich zur Selbstbehandlung und kann die Erkrankungen in fast allen Fällen komplett heilen.

Artemether ist jedoch nicht für die Vorbeugung gegen Malaria geeignet und gilt in Verbindung mit Lumefantrin als hochwirksam. Nebenwirkungen sind zwar bekannt, allerdings treten sie relativ selten auf. An einem Einsatz von Artemether in der Krebsbehandlung wird derzeit geforscht.

Pharmakologische Wirkung

Die Wirkung von Artemether basiert auf der Freisetzung freier Radikale, welche biologisches Gewebe mittels einer Kettenreaktion zerstören können. Artemether wirkt ausschließlich dann, wenn sich eine hohe Eisenkonzentration im Körper des Patienten befindet.

Diese kommt unter anderem dann vor, wenn sich die sogenannten Plasmodien, welche in diesem Fall die Erreger der Malaria tropica sind, im Körper eingenistet haben und sich dort bereits vermehren. Artemether setzt dadurch die erwähnten freien Radikale frei und die Krankheitserreger werden schwer geschädigt und als Folge zerstört. Da es sich um eine in Fett sehr leicht lösliche Substanz handelt, sollte das Medikament am besten während einer hinreichend fettreichen Mahlzeit eingenommen werden, um eine schnelle Resorption und damit eine rasche Wirkung des Medikaments zu gewährleisten.

Artemether sollte, sofern keine Nebenwirkungen eintreten, auf keine anderen Organe oder Körperfunktionen einwirken. Artemether gilt, sofern es wie eingangs erwähnt in Form von Riamet eingenommen wird, als sehr wirksam und gut verträglich bei Malariapatienten. Die Wirkung sollte nach maximal 72 Stunden eintreten, nach etwa 28 Tagen liegt laut einer Studie eine Heilungsrate von 96 % vor.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Artemether wird in Deutschland hauptsächlich in Kombination mit dem Wirkstoff Lumefantrin eingesetzt. Diese Wirkstoffkombination ist unter dem Handelsnamen Riamet® erhältlich. Bei dem Medikament handelt es sich um eine sogenannte Artemisinin-basierte Kombinationstherapie (ACT), die von der Weltgesundheitsorganisation zur Behandlung bestimmter Formen der Malaria empfohlen wird.

Artemether/Lumefantrin wird insbesondere zur Therapie der unkomplizierten Malaria tropica, die durch den Parasiten Plasmodium falciparum verursacht wird, eingesetzt. Diese Form der Malaria gilt grundsätzlich als potenziell lebensbedrohlich, kann jedoch bei frühzeitiger Diagnose und Behandlung in vielen Fällen erfolgreich therapiert werden.

Da Malaria in Deutschland nicht endemisch ist und meist nur durch Reisen in tropische oder subtropische Regionen eingeschleppt wird, wird das Medikament hier vergleichsweise selten benötigt und hauptsächlich in spezialisierten medizinischen Einrichtungen eingesetzt.

Die Kombination aus Artemether und Lumefantrin dient ausschließlich der Behandlung einer bereits bestehenden Malariainfektion. Das Medikament wirkt schnell gegen die Parasiten im Blut und kann dadurch die Krankheitssymptome relativ rasch reduzieren. Es eignet sich jedoch nicht zur Vorbeugung einer Malariaerkrankung, beispielsweise vor Reisen in entsprechende Risikogebiete. Für diesen Zweck stehen andere Medikamente zur Verfügung, die speziell für die prophylaktische Anwendung entwickelt wurden.

Die Einnahme von Artemether/Lumefantrin erfolgt nach ärztlicher Diagnose und richtet sich unter anderem nach dem Körpergewicht des Patienten. In der Regel wird das Medikament in mehreren Dosen über einen Zeitraum von etwa drei Tagen eingenommen, um eine möglichst vollständige Bekämpfung der Parasiten im Blut zu gewährleisten.

Ein wichtiger Grund für die Kombination der beiden Wirkstoffe liegt in ihren unterschiedlichen pharmakologischen Eigenschaften. Artemether wirkt sehr schnell und reduziert die Anzahl der Malariaparasiten im Blut innerhalb kurzer Zeit erheblich. Allerdings besitzt der Wirkstoff eine relativ kurze Halbwertszeit von ungefähr zwei Stunden, da er im Körper rasch über Enzyme in der Leber abgebaut wird.

Dadurch würde Artemether allein nicht lange genug im Körper verbleiben, um alle Parasiten vollständig zu eliminieren. Lumefantrin besitzt dagegen eine deutlich längere Wirkungsdauer und sorgt dafür, dass auch die verbleibenden Parasiten über einen längeren Zeitraum bekämpft werden.

Darüber hinaus hat die Kombinationstherapie einen weiteren wichtigen Vorteil: Sie verringert das Risiko, dass die Malariaparasiten Resistenzen gegen den Wirkstoff entwickeln. Wenn Artemether allein eingesetzt würde, könnten einzelne Parasiten überleben und sich an den Wirkstoff anpassen. Durch die gleichzeitige Wirkung von zwei unterschiedlichen Substanzen wird dieses Risiko deutlich reduziert.

Aus diesem Grund wird Artemether in der modernen Malariatherapie grundsätzlich nicht als Einzelwirkstoff, sondern ausschließlich als Bestandteil einer Kombinationstherapie eingesetzt. Die Artemether/Lumefantrin-Kombination zählt heute weltweit zu den wichtigsten und am häufigsten verwendeten Medikamenten zur Behandlung der unkomplizierten Malaria tropica.

Verabreichung und Dosierung

Artemether ist ein antimalariales Medikament, das zur Behandlung von Malaria, insbesondere von durch Plasmodium falciparum verursachten schweren und komplizierten Fällen, eingesetzt wird. Es gehört zur Klasse der Artemisinine, die für ihre schnelle Wirksamkeit gegen die blutkreislaufenden Parasiten bekannt sind. Bei der Verabreichung und Dosierung von Artemether sind mehrere wichtige Punkte zu beachten:

Dosierungsschema: Artemether wird in der Regel in Form von Injektionen oder als Bestandteil einer Kombinationstherapie verabreicht. Die Dosierung hängt von der Schwere der Infektion und dem Zustand des Patienten ab. Es ist wichtig, die empfohlene Dosis nicht zu überschreiten, da eine zu hohe Dosierung das Risiko von Nebenwirkungen erhöhen kann.

Anwendungsdauer: Artemether sollte nur für die empfohlene Dauer verwendet werden, die normalerweise kurz ist, da eine längere Anwendung das Risiko von Resistenzentwicklungen erhöhen kann. Die vollständige Einhaltung des Dosierungsschemas ist entscheidend, um die vollständige Eliminierung der Parasiten zu gewährleisten.

Kombinationstherapie: Artemether wird häufig in Kombination mit anderen Antimalariamitteln wie Lumefantrin verabreicht, um die Wirksamkeit zu verbessern und die Entwicklung von Resistenzen zu verhindern. Die Kombinationstherapie sollte gemäß den Richtlinien durchgeführt werden.

Überwachung: Während der Behandlung mit Artemether sollte der Patient engmaschig überwacht werden, insbesondere bei schweren Malariaformen. Überwachung der klinischen Symptome und regelmäßige Bluttests sind erforderlich, um die Wirksamkeit der Behandlung und das Auftreten von Nebenwirkungen zu bewerten.

Nebenwirkungen und Kontraindikationen: Zu den häufigen Nebenwirkungen von Artemether gehören Kopfschmerzen, Schwindel, Schlaflosigkeit und gelegentliche Herzrhythmusstörungen. Es sollte nicht bei Patienten verwendet werden, die eine bekannte Überempfindlichkeit gegen Artemisinin-Derivate haben.

Die genaue Einhaltung der ärztlichen Anweisungen und der lokalen Behandlungsrichtlinien ist entscheidend, um die Sicherheit und Effektivität der Therapie mit Artemether zu gewährleisten.

Risiken & Nebenwirkungen

Bekannte Nebenwirkungen von Artemether beinhalten unter anderem schnell auftretende Kopfschmerzen und anhaltender Schwindel, welcher durch eine Absenkung des Blutdrucks eintritt. Bei bekannten Problemen mit dem Blutdruck ist die Behandlung mit Artemether daher meist nicht zielführend.

Weiterhin können Verdauungsstörungen und ein anhaltendes Völlegefühl und/oder Durchfall die Folge der Einnahme von Artemether sein. Das Medikament darf außerdem nicht verabreicht werden, wenn Herzerkrankungen beim Patienten festgestellt wurden. Die Wirkstoffe von Artemether haben weiterhin dazu geführt, dass inzwischen eine Wirksamkeit des Medikaments in der Behandlung von Krebs untersucht wird.

Medizinisch gesehen handelt es sich dabei um eine Nebenwirkung, auch wenn sie in diesem Fall nicht als unerwünscht bezeichnet werden kann. Artemether darf nach dem Erreichen des zwölften Lebensjahres bei Menschen jeden Alters und Geschlechts und auch während der Schwangerschaft eingesetzt werden.

Kontraindikationen

Artemether ist ein wirksames antimalariales Medikament, das in der Behandlung von Malaria, insbesondere der durch Plasmodium falciparum verursachten Formen, eingesetzt wird. Trotz seiner Effektivität gibt es bestimmte Kontraindikationen, die bei der Verwendung beachtet werden sollten:

Überempfindlichkeit: Die Hauptkontraindikation für die Verwendung von Artemether ist eine bekannte Überempfindlichkeit gegen das Medikament selbst oder gegen andere Artemisinin-Derivate. Patienten, die in der Vergangenheit allergische Reaktionen auf diese Wirkstoffklasse gezeigt haben, sollten Artemether nicht verwenden.

Schwangerschaft: Besondere Vorsicht ist bei schwangeren Frauen geboten, insbesondere im ersten Trimester. Die Sicherheit von Artemether in der Frühschwangerschaft ist nicht vollständig belegt, daher sollte es nur verwendet werden, wenn keine sichereren Alternativen verfügbar sind und der Nutzen das potenzielle Risiko überwiegt.

Stillzeit: Obwohl Artemether in geringen Mengen in die Muttermilch übergeht, ist Vorsicht geboten, wenn es stillenden Müttern verabreicht wird. Die Entscheidung zur Anwendung sollte nur nach sorgfältiger Abwägung des Nutzens gegenüber den möglichen Risiken für das Kind getroffen werden.

Herzerkrankungen: Patienten mit bekannten Herzerkrankungen sollten Artemether mit Vorsicht verwenden, da es potenziell kardiovaskuläre Nebenwirkungen wie verlängertes QT-Intervall und andere Herzrhythmusstörungen verursachen kann.

Kombination mit anderen Medikamenten: Die gleichzeitige Anwendung von Artemether mit anderen Medikamenten, die das QT-Intervall verlängern oder andere kardiale Nebenwirkungen haben, kann das Risiko für unerwünschte Wirkungen erhöhen. Eine sorgfältige Überwachung und möglicherweise Anpassungen der Medikation sind erforderlich.

Die Entscheidung zur Verwendung von Artemether sollte immer auf einer sorgfältigen Bewertung der medizinischen Vorgeschichte des Patienten basieren, wobei diese Kontraindikationen berücksichtigt werden, um die Sicherheit der Behandlung zu gewährleisten.

Interaktionen mit anderen Medikamenten

Artemether ist ein effektives Antimalariamittel, das jedoch aufgrund seiner Wirkweise und pharmakokinetischen Eigenschaften Interaktionen mit anderen Medikamenten aufweisen kann. Hier sind einige wichtige Interaktionen, die bei der Verwendung von Artemether berücksichtigt werden sollten:

CYP450-Enzyminduktoren und -inhibitoren: Artemether wird durch das Enzym CYP3A4 metabolisiert. Medikamente, die dieses Enzym induzieren, wie z.B. Rifampicin, Carbamazepin und Phenobarbital, können die Plasmakonzentration von Artemether verringern, was zu einer verminderten Wirksamkeit führen kann. Umgekehrt können CYP3A4-Inhibitoren wie Ketoconazol, Itraconazol und Erythromycin die Konzentration von Artemether erhöhen und das Risiko von Nebenwirkungen steigern.

QT-Zeit verlängernde Medikamente: Da Artemether potenziell das QT-Intervall verlängern kann, sollte seine gleichzeitige Anwendung mit anderen Medikamenten, die ebenfalls das QT-Intervall beeinflussen, vermieden werden. Dazu gehören bestimmte Antidepressiva, Antiarrhythmika und Antipsychotika.

Antiretrovirale Medikamente: Bei Patienten, die antiretrovirale Therapien erhalten, insbesondere solche, die Proteaseinhibitoren oder Nicht-Nukleosid-Reverse-Transkriptase-Inhibitoren enthalten, kann es zu Wechselwirkungen kommen, die die Wirksamkeit von Artemether beeinflussen. Die genauen Mechanismen und klinischen Auswirkungen dieser Interaktionen sind oft komplex und nicht vollständig verstanden.

Antikoagulantien: Da Artemether Blutungen verursachen kann, sollte bei gleichzeitiger Verabreichung mit Antikoagulantien wie Warfarin Vorsicht geboten sein, da dies das Blutungsrisiko erhöhen könnte.

Es ist wichtig, dass Gesundheitsdienstleister über alle Medikamente informiert sind, die ein Patient einnimmt, um potenzielle Wechselwirkungen mit Artemether zu erkennen und zu managen. Eine sorgfältige Überwachung und möglicherweise eine Dosisanpassung können erforderlich sein, um die Sicherheit und Wirksamkeit der Behandlung zu gewährleisten.

Alternative Behandlungsmethoden

Wenn Artemether aufgrund von Unverträglichkeiten oder Kontraindikationen nicht geeignet ist, stehen mehrere alternative antimalariale Wirkstoffe und Behandlungsmethoden zur Verfügung, die für die Behandlung von Malaria, insbesondere der durch Plasmodium falciparum verursachten Formen, verwendet werden können:

Quinine: Quinine ist ein traditionelles Malariamittel, das insbesondere bei der Behandlung von schweren Malariafällen eingesetzt wird. Es wird oft in Kombination mit Doxycyclin oder Clindamycin verabreicht, besonders wenn neuere Antimalaria-Mittel wie Artemether nicht vertragen werden.

Atovaquon-Proguanil (Malarone): Diese Kombinationstherapie ist effektiv in der Behandlung und Prävention von Malaria. Sie ist besonders nützlich in Gebieten, in denen Resistenz gegen ältere Medikamente verbreitet ist. Atovaquon-Proguanil wird gut vertragen und hat im Allgemeinen weniger schwerwiegende Nebenwirkungen als einige andere Malariamittel.

Mefloquin: Dies ist eine weitere Alternative, die sowohl zur Behandlung als auch zur Prävention von Malaria verwendet wird. Es ist besonders in Gebieten wirksam, in denen Resistenz gegen Chloroquin besteht. Allerdings kann Mefloquin neurologische und psychiatrische Nebenwirkungen haben, weshalb es nicht für alle Patienten geeignet ist.

Dihydroartemisinin-Piperaquin: Diese Kombinationstherapie ist eine weitere Alternative zu Artemether-basierten Therapien. Sie hat eine hohe Wirksamkeit gegen Malaria und wird allgemein gut vertragen.

Es ist wichtig, dass jede alternative Malariabehandlung unter medizinischer Aufsicht erfolgt, da die Wirksamkeit und Sicherheit der Behandlung gewährleistet sein muss. Die Wahl des Medikaments hängt von mehreren Faktoren ab, einschließlich der spezifischen Malariaart, dem Resistenzmuster in der betroffenen Region, dem Gesundheitszustand des Patienten und den verfügbaren medizinischen Ressourcen.

Quellen

  • "Goodman & Gilman's The Pharmacological Basis of Therapeutics" von Laurence Brunton, Randa Hilal-Dandan, und Bjorn Knollmann
  • "Rang & Dale's Pharmacology" von Humphrey P. Rang, Maureen M. Dale, James M. Ritter, und Rod J. Flower
  • "Basic and Clinical Pharmacology" von Bertram Katzung, Anthony Trevor

Das könnte Sie auch interessieren