Krebstherapie

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 3. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

Sie sind hier: Startseite Behandlungen Krebstherapie

Dank der modernen Medizin sind die Heilungschancen bei Krebs in den letzten drei Jahrzehnten stetig angestiegen. Die Verbindung aus vorbeugenden Maßnahmen, dem Einsatz weiterentwickelter diagnostischer Verfahren sowie einer verbesserten Krebstherapie führte dazu, dass viele Krebserkrankte trotz der erschreckenden Diagnose ein weitgehend normales Leben führen können.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Krebstherapie?

Krebstherapie
Die derzeit am häufigsten angewandten Formen der Krebstherapie sind Operationen, Chemotherapie sowie Strahlentherapie.

Die derzeit am häufigsten angewandten Formen der Krebstherapie sind Operationen, Chemotherapie sowie Strahlentherapie. Einige Tumorarten sprechen auch auf Hormon- oder Immuntherapien an. Stammzellen- oder Knochenmarkstransplantationen werden als Krebstherapie für bestimmte Formen von Lymphdrüsenkrebs oder bei Leukämien eingesetzt.

Bei vielen Krebserkrankungen werden mehrere Krebstherapien zur Erhöhung ihrer Wirksamkeit kombiniert und zusätzlich durch psychisch und körperlich unterstützende Maßnahmen begleitet. Zum Beispiel sorgt eine gezielte Schmerztherapie bei der Behandlung von Tumorschmerzen bei nahezu allen Betroffenen für eine weitgehende Linderung der Schmerzen oder auch für völlige Schmerzfreiheit. Welche Krebstherapie für den jeweiligen Patienten die Richtige ist, hängt von dessen individuellen Merkmalen ab.

Geschichte & Entwicklung

Über Jahrhunderte war die Operation die einzige Möglichkeit, einen bösartigen Tumor zu behandeln. Erfolg versprach sie nur, wenn die Geschwulst klein und gut zugänglich war; hatten sich bereits Tochtergeschwülste gebildet, blieb die Chirurgie wirkungslos. Mit der Entdeckung der Röntgenstrahlen durch Wilhelm Conrad Röntgen im Jahr 1895 und der Entdeckung des Radiums durch Marie und Pierre Curie wenige Jahre später kam eine zweite Möglichkeit hinzu. Schon in den ersten Jahren nach 1900 wurden Tumoren bestrahlt, zunächst ohne verlässliche Kenntnis der verabreichten Strahlenmenge und ihrer Spätfolgen. Eine planbare Krebstherapie mit Strahlen wurde erst möglich, als Physiker Maßgrößen für die Strahlenmenge und für ihre Wirkung im Gewebe entwickelten und als Geräte zur Verfügung standen, deren Strahlung tief genug in den Körper eindringt.

Die medikamentöse Krebstherapie geht auf eine Beobachtung aus der Zeit der Weltkriege zurück. Bei Menschen, die dem chemischen Kampfstoff Senfgas ausgesetzt gewesen waren, fiel eine ausgeprägte Schädigung des blutbildenden Knochenmarks auf. In den 1940er Jahren entstand daraus die Überlegung, verwandte Substanzen gezielt gegen Erkrankungen des lymphatischen Systems einzusetzen. Aus diesen Anfängen entwickelte sich die Chemotherapie. In den folgenden Jahrzehnten zeigte sich, dass die Kombination mehrerer Wirkstoffe mit unterschiedlichen Angriffspunkten mehr erreicht als ein einzelnes Mittel und dass die Behandlung in wiederholten Zyklen erfolgen muss, damit auch Tumorzellen erfasst werden, die sich zum Zeitpunkt der ersten Gabe gerade nicht teilten.

Seit den 1990er Jahren kamen Wirkstoffe hinzu, die nicht mehr allgemein die Zellteilung hemmen, sondern sich gegen bestimmte Merkmale der Tumorzellen richten. Etwa zeitgleich wuchs das Verständnis dafür, dass das körpereigene Immunsystem Tumorzellen grundsätzlich erkennen kann und dass sich diese Erkennung medikamentös verstärken lässt. Beide Entwicklungen haben das Fach verändert: Die Wahl der Krebstherapie richtet sich heute nicht mehr allein nach dem Organ, in dem der Tumor entstanden ist, sondern zusätzlich nach den biologischen Eigenschaften des einzelnen Tumors.

Diagnose & Therapieplanung

Am Anfang jeder Krebstherapie steht die gesicherte Diagnose. Ein auffälliger Tastbefund oder ein verdächtiger Schatten in einem bildgebenden Verfahren genügt dafür nicht. Erst die feingewebliche Untersuchung einer Gewebeprobe (Biopsie) in der Pathologie zeigt, ob eine Geschwulst bösartig ist und um welche Art es sich handelt. Aus demselben Gewebe lassen sich weitere Eigenschaften bestimmen, die für die Wahl der Behandlung entscheidend sind — etwa, ob die Zellen Bindungsstellen für Hormone tragen oder ob im Erbgut der Tumorzellen Veränderungen vorliegen, für die eigene Medikamente zur Verfügung stehen.

Der zweite Schritt ist die Bestimmung der Ausbreitung. Dazu dienen bildgebende Verfahren wie Computertomographie, Magnetresonanztomographie, Ultraschall, Szintigraphie oder Positronen-Emissions-Tomographie. Das Ergebnis wird international in einem einheitlichen System festgehalten, das drei Angaben zusammenfasst: die Ausdehnung des Tumors selbst, den Befall benachbarter Lymphknoten und das Vorliegen von Absiedlungen in entfernten Organen (Metastasen). Aus dieser Einteilung ergibt sich, welche Krebstherapie überhaupt infrage kommt und in welcher Reihenfolge die einzelnen Bausteine sinnvoll sind.

Aus Diagnose und Ausbreitung leitet sich das Behandlungsziel ab. Ist eine Heilung erreichbar, spricht man von einem kurativen Ansatz. Steht die Ausbreitung der Erkrankung einer Heilung entgegen, wird palliativ behandelt, also mit dem Ziel, das Fortschreiten aufzuhalten und Beschwerden zu lindern. Innerhalb eines heilenden Konzepts wird weiter danach unterschieden, wann eine medikamentöse oder strahlentherapeutische Behandlung eingesetzt wird: Vor einer Operation soll sie den Tumor verkleinern und ihn überhaupt erst entfernbar machen; diese Vorbehandlung heißt neoadjuvant. Nach einer Operation soll sie einzelne verbliebene Tumorzellen erfassen, die mit bildgebenden Verfahren nicht sichtbar sind; das wird als adjuvante Behandlung bezeichnet.

An Krebszentren wird der Behandlungsvorschlag nicht von einer einzelnen Ärztin oder einem einzelnen Arzt gefasst, sondern in einer regelmäßig stattfindenden Fallbesprechung, an der Vertreter der internistischen Onkologie, der Chirurgie, der Strahlentherapie, der Radiologie und der Pathologie teilnehmen. Grundlage sind die Empfehlungen der medizinischen Fachgesellschaften. Der Vorschlag wird anschließend mit der Patientin oder dem Patienten besprochen; aufgeklärt wird dabei nicht nur über das vorgeschlagene Vorgehen, sondern auch über Alternativen und über die zu erwartenden Belastungen. Vor einer weitreichenden Entscheidung besteht die Möglichkeit, eine ärztliche Zweitmeinung einzuholen.

Funktion, Wirkung & Ziele

Im Rahmen einer Krebstherapie durchgeführte Operationen zielen darauf ab, das von Krebs befallene Gewebe vollständig zu entfernen. Um dies sicherzustellen, werden auch Teile des benachbarten gesunden Gewebes weggenommen, um vereinzelte, möglicherweise bis hierher vorgedrungene Tumorzellen zu entfernen.

Bei der Chemotherapie finden Substanzen (Zytostatika) Verwendung, welche die Zellvermehrung unterdrücken. So kann durch die Krebstherapie ein weiteres Wachstum des Tumors verhindert werden. Es ist sowohl die Verwendung einzelner als auch die Kombination mehrerer chemotherapeutischer Substanzen möglich. In vielen Fällen sorgen spezielle Therapieschemata dafür, dass die Medikamentenkombinationen während der Krebstherapie in exakt vorgegebenen Zeitabständen verabreicht werden.

Bei der Strahlentherapie wird der Tumor durch energiereiche ionisierende Strahlung am Weiterwachsen gehindert. Ziel dieser Art der Krebstherapie ist die vollständige Beseitigung des Krebsherdes und somit die Heilung. Häufig wird sie im Anschluss einer Operation durchgeführt, um verbliebenes Tumorgewebe zu zerstören. Hierfür wird bei der Krebstherapie durch Strahlen überwiegend hochenergetische Photonenstrahlung aus einem Linearbeschleuniger eingesetzt, bei oberflächennah gelegenen Zielen auch Elektronenstrahlung. Diese Strahlung ist mit der Röntgenstrahlung der Bildgebung verwandt, aber wesentlich energiereicher. Sie gehört zu den ionisierenden Strahlungsformen, deren Energie hoch genug ist, um in Körperzellen biologische Reaktionen in Gang zu setzen, welche die Zellen schädigen und zu deren Absterben führen.

Bestimmte Hormone können das Wachstum mancher Krebsformen verstärken. Diese Tatsache wird in der Krebstherapie bei der Anti-Hormontherapie ausgenutzt, einer Form der Hormontherapie. Hierbei werden gezielt körpereigene Hormone ausgeschaltet oder in ihrer Wirkung blockiert, um die Tumoren am Wachstum zu hindern. Diese Form der Krebstherapie wird häufig ergänzend zu Operationen, Chemo- oder Strahlentherapien bei der Behandlung bestimmter Formen von Prostatakrebs, Gebärmutterkörperkrebs, Brustkrebs oder Schilddrüsenkrebs eingesetzt.

Eine Krebstherapie bei Blutkrebs und bösartigem Lymphdrüsenkrebs setzt sich oft aus hoch dosierten Chemo- und Strahlentherapien zusammen, die neben den Krebszellen auch das Knochenmark zerstören. Im Anschluss an die Krebstherapie werden dem Patienten Stammzellen mittels Stammzellentransplantation verabreicht, aus denen sich Knochenmarkszellen entwickeln und das blutbildende System neu aufgebaut werden kann. Eine Alternative zur Stammzellentransplantation im Rahmen einer Krebstherapie ist die Transplantation von Knochenmark eines geeigneten Spenders.


Durchführung & Ablauf

Wo eine Krebstherapie stattfindet, hängt vom Verfahren ab. Operationen erfolgen stationär im Krankenhaus, in der Regel in Narkose. Eine Chemotherapie wird heute überwiegend ambulant verabreicht, in einer onkologischen Schwerpunktpraxis oder in der Tagesklinik eines Krankenhauses; nur besonders belastende Behandlungen und solche mit hohem Überwachungsbedarf erfordern eine Aufnahme über Nacht. Auch die Bestrahlung erfolgt meist ambulant, verteilt auf viele Termine.

Zytostatika werden überwiegend als Infusion in eine Vene gegeben, einzelne Wirkstoffe stehen auch als Tablette zur Verfügung. Weil viele dieser Substanzen die Venenwand reizen und weil über einen längeren Zeitraum immer wieder ein Zugang gebraucht wird, wird häufig ein Portkatheter eingesetzt. Dabei handelt es sich um eine kleine Kammer, die in örtlicher Betäubung unter die Haut unterhalb des Schlüsselbeins eingepflanzt und über einen dünnen Schlauch mit einer großen Vene verbunden wird. Durch die Haut hindurch lässt sich diese Kammer für jede Behandlung erneut anstechen, sodass die Armvenen geschont werden.

Die medikamentöse Krebstherapie ist in Zyklen gegliedert: Auf die Gabe der Medikamente folgt eine Pause, in der sich das gesunde Gewebe erholen kann, bevor der nächste Zyklus beginnt. Vor jedem Zyklus werden das Blutbild sowie Nieren- und Leberwerte kontrolliert. Fallen die Werte ungünstig aus, wird der Termin verschoben oder die Dosis angepasst — die Behandlung folgt also keinem starren Kalender, sondern richtet sich nach dem Zustand des Patienten.

Der Strahlentherapie geht eine eigene Planung voraus. In einer Computertomografie wird die Lage des Zielgebiets erfasst; anschließend berechnen Medizinphysiker gemeinsam mit den Ärzten, aus welchen Richtungen bestrahlt wird, damit die Dosis im Tumor hoch und im umliegenden Gewebe möglichst niedrig ausfällt. Damit die Lagerung bei jeder Sitzung übereinstimmt, werden Markierungen auf der Haut angebracht oder Lagerungshilfen angefertigt. Die Gesamtdosis wird auf viele Einzelsitzungen verteilt. Dieses Vorgehen nutzt aus, dass sich gesundes Gewebe zwischen zwei Sitzungen besser erholt als Tumorgewebe. Die einzelne Bestrahlung ist nicht zu spüren und dauert nur wenige Minuten, in denen die behandelte Person allein im Bestrahlungsraum liegt und über Kamera und Gegensprechanlage beobachtet wird.

Weitere Formen der Krebstherapie

Neben der Bestrahlung von außen besteht die Möglichkeit, die Strahlenquelle unmittelbar in das Zielgebiet zu bringen. Bei dieser als Brachytherapie bezeichneten Form werden kleine umschlossene Strahlenquellen über Applikatoren eingeführt oder dauerhaft im Gewebe belassen. Weil die Strahlung im Gewebe rasch schwächer wird, bleibt die Belastung der Umgebung gering. Eine andere Möglichkeit ist die Gabe radioaktiver Stoffe, die sich im Zielgewebe von selbst anreichern; das bekannteste Beispiel ist die Radiojodtherapie, bei der die Schilddrüse das verabreichte Jod aus dem Blut aufnimmt.

Zielgerichtete Wirkstoffe greifen nicht die Zellteilung allgemein an, sondern Strukturen, die für das Wachstum der jeweiligen Tumorzellen wichtig sind — etwa Bindungsstellen an der Zelloberfläche oder Eiweiße, die Wachstumssignale im Zellinneren weitergeben. Weil ihre Wirkung an das Vorhandensein des Angriffspunktes gebunden ist, wird das Tumorgewebe vor dem Einsatz darauf untersucht. Fehlt das Merkmal, ist von dem Wirkstoff kein Nutzen zu erwarten, wohl aber sind Nebenwirkungen möglich; solche Wirkstoffe werden deshalb nur nach vorheriger Untersuchung des Gewebes eingesetzt.

Die Immuntherapie mit sogenannten Kontrollpunkt-Hemmern setzt an einer anderen Stelle an. Immunzellen tragen Schalter, die ihre Aktivität begrenzen; manche Tumoren nutzen diese Bremsen, um einer Abwehrreaktion zu entgehen. Die Medikamente blockieren die Bremsen und stellen die Erkennung wieder her. Das erklärt zugleich das besondere Nebenwirkungsmuster dieser Krebstherapie: Weil die Abwehr insgesamt enthemmt wird, kann sie sich gegen gesunde Organe richten und Entzündungen an Darm, Schilddrüse, Leber, Haut, Lunge oder Hormondrüsen auslösen. Solche Reaktionen können auch noch nach dem Ende der Behandlung auftreten und erfordern eine eigene Therapie.

Unterstützende Behandlung

Ein erheblicher Teil der heutigen Krebstherapie besteht darin, ihre Nebenwirkungen beherrschbar zu machen. Diese begleitenden Maßnahmen werden als Supportivtherapie zusammengefasst. Gegen Übelkeit und Erbrechen stehen Medikamente zur Verfügung, die vorbeugend vor der Gabe der Zytostatika verabreicht werden. Wachstumsfaktoren können die Erholung der weißen Blutkörperchen unterstützen, Bluttransfusionen gleichen eine ausgeprägte Blutarmut aus, und sorgfältige Mundpflege verringert Beschwerden durch Schleimhautentzündungen.

Fällt die Zahl bestimmter weißer Blutkörperchen ab (Neutropenie), ist die Infektabwehr geschwächt. Fieber ist in dieser Phase ein Warnzeichen, das unverzüglich ärztlich abgeklärt werden muss, weil sich daraus rasch eine lebensbedrohliche Sepsis entwickeln kann. Betroffene erhalten deshalb zu Beginn der Behandlung Verhaltenshinweise und eine Rufnummer, unter der sie sich außerhalb der Sprechzeiten melden können.

Weitere Bausteine der unterstützenden Behandlung sind die Linderung von Tumorschmerzen, die Erfassung und Behandlung einer Mangelernährung durch eine Ernährungsberatung, abgestufte Bewegungsangebote gegen die anhaltende Erschöpfung vieler Betroffener sowie eine psychoonkologische Begleitung. Letztere richtet sich sowohl an die Erkrankten als auch an ihre Angehörigen und wird an zertifizierten Krebszentren regelhaft vorgehalten. Ob und in welchem Umfang solche Angebote in Anspruch genommen werden, entscheiden die Betroffenen selbst.

Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Die Nebenwirkungen der medikamentösen Krebstherapie sind darauf zurückzuführen, dass die eingesetzten Medikamente zwischen gesunden Zellen und Tumorgewebe nicht unterscheiden können. Das führt dazu, dass auch die nicht vom Krebs betroffenen Körpergewebe während der Krebstherapie in ihrer Vermehrungsfähigkeit beeinträchtigt sind.

In einigen Fällen werden bei einer Krebsoperation zudem weitere befallene Organe sowie Lymphknoten entfernt. Eine Operation bei Krebs ist somit nicht ohne Risiken. Zu Problemen kann es kommen, wenn andere Organe, Blutgefäße oder Nerven verletzt werden, was Blutungen und Nachblutungen zur Folge haben kann. Im Bereich der Operationswunde können zudem Infektionen, Verwachsungen und auch Blutgerinnsel infolge der Krebstherapie auftreten.

Besonders betroffen sind Gewebe, die sich ständig erneuern: die Haarwurzeln, das blutbildende Knochenmark und die Schleimhäute. So kann es während der Chemotherapie zu Haarausfall, Blutarmut (Anämie) und Entzündungen der Mundschleimhaut kommen. Übelkeit und Erbrechen sind bei der Krebstherapie mit Zytostatika ebenfalls häufige Begleiterscheinungen, können aber durch entsprechende Medikamente recht gut behandelt werden.

Da durch die Strahlentherapie auch gesundes Gewebe in Mitleidenschaft gezogen wird, kommt es bei der Krebstherapie auch zu Nebenwirkungen wie Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Durchfall und Kopfschmerzen. Dieser sogenannte Strahlenkater bessert sich nach dem Ende der Behandlung meist wieder; die Erschöpfung kann jedoch noch Wochen bis Monate anhalten. Da diese Form der Krebstherapie eine erhöhte Strahlenbelastung mit sich bringt, kommt es oftmals zu Hautreizungen (Strahlendermatitis) und Schleimhautreizungen. Auch Zahnfleischentzündungen, Speiseröhren-, Magen- und Darmentzündungen sowie Entzündungen der Harnblase können Folge dieser Krebstherapie sein.

Bei der Behandlung von Brustkrebs mittels Hormontherapie kommt es häufig zu Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen, Juckreiz im Genitalbereich, vaginalen Blutungen, Kreislaufbeschwerden und Kopfschmerzen.

Nachsorge & Rehabilitation

Mit dem Abschluss der eigentlichen Krebstherapie endet die Betreuung nicht. Es schließen sich Kontrolluntersuchungen an, deren Abstände sich nach der Krebsart richten und mit den Jahren größer werden. Sie verfolgen drei Zwecke: einen Rückfall oder einen zweiten Tumor rechtzeitig zu erkennen, Folgen der Behandlung zu erfassen und zu behandeln und die Betroffenen bei der Rückkehr in Alltag und Beruf zu begleiten. Welche Untersuchungen dabei sinnvoll sind, ist je nach Erkrankung unterschiedlich; eine breite Suche nach Metastasen ohne konkreten Anlass gehört nicht in jedem Fall dazu.

Zu den möglichen Spätfolgen einer Krebstherapie zählen Nervenschäden an Händen und Füßen (Polyneuropathie) nach bestimmten Zytostatika, eine Schwächung des Herzmuskels, ein Knochenschwund (Osteoporose) unter antihormoneller Behandlung, Veränderungen an Haut und Bindegewebe im bestrahlten Gebiet sowie eine anhaltende Erschöpfung. Weil manche Behandlungen die Fruchtbarkeit beeinträchtigen können, wird jüngeren Patientinnen und Patienten bereits vor Therapiebeginn eine Beratung darüber angeboten, ob und wie sich Ei- oder Samenzellen für einen späteren Kinderwunsch aufbewahren lassen. Diese Beratung muss vor dem ersten Behandlungszyklus erfolgen, weil sie danach zu spät kommt.

An die Behandlung kann sich eine Rehabilitation anschließen. Sie kombiniert körperliches Training, Physiotherapie, Ernährungsberatung, psychologische Angebote und Beratung zur beruflichen Wiedereingliederung. Ziel ist nicht die Behandlung des Tumors, sondern die Wiederherstellung von Kraft, Belastbarkeit und Selbstständigkeit nach einer oft monatelangen Behandlung.

Palliative Krebstherapie

Lässt sich eine Heilung nicht mehr erreichen, verschiebt sich das Ziel der Behandlung. Eine palliative Krebstherapie soll das Wachstum des Tumors bremsen, dadurch Zeit gewinnen und vor allem Beschwerden lindern. Auch dafür kommen Operationen, Bestrahlungen und Medikamente infrage — eine Bestrahlung etwa kann Schmerzen bei Knochenmetastasen verringern, ein Eingriff eine drohende Verlegung von Darm oder Atemwegen abwenden. Der Nutzen jeder einzelnen Maßnahme wird dabei gegen ihre Belastung abgewogen, und diese Abwägung kann sich im Verlauf ändern.

Parallel dazu steht die Palliativmedizin mit einem eigenen Aufgabenfeld: der Behandlung von Schmerzen, Atemnot, Übelkeit und Ängsten sowie der Begleitung von Angehörigen. Für starke Tumorschmerzen stehen Opioide und weitere Wirkstoffgruppen zur Verfügung, deren Auswahl sich nach Art und Stärke der Schmerzen richtet. Die Versorgung kann im Krankenhaus auf einer Palliativstation, zu Hause durch spezialisierte ambulante Teams oder in einer stationären Hospizeinrichtung erfolgen. Nach vorliegenden Untersuchungen ist es sinnvoll, eine palliativmedizinische Mitbetreuung nicht erst am Lebensende zu beginnen, sondern bereits parallel zur tumorgerichteten Krebstherapie einzubeziehen.

Quellen

  • Eucker, J., Scholz, C. (Hrsg.): Facharztwissen Hämatologie Onkologie.
    ISBN: 9783437212079
  • Schmoll, H.-J. (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie.
    ISBN: 9783662607473
  • Christiansen, H., Bremer, M. (Hrsg.): Strahlentherapie und Radioonkologie aus interdisziplinärer Sicht.
    ISBN: 9783965432475
  • Vehling-Kaiser, U., Kaiser, F., Kaiser, U.: Hämatologie und Onkologie.
    ISBN: 9783456863757
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655

Das könnte Sie auch interessieren