Blutbild
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Das Blutbild stellt heutzutage eine der am häufigsten genutzten diagnostischen Methoden dar, da viele Erkrankungen mit charakteristischen Blutbildveränderungen einhergehen. Somit ermöglicht es eine schnelle Beurteilung des Gesundheitszustands bei vergleichsweise geringem Aufwand für Patient und Behandler.
Was ist ein Blutbild?
Ein Blutbild wird folgendermaßen erstellt: Zunächst muss dem Patienten Blut abgenommen werden. Normalerweise wird dafür eine Vene in der Ellenbeuge genutzt. Es ist nicht nötig, dass der Patient für die Blutentnahme nüchtern bleibt, jedoch sollte er in den letzten Stunden vor der Abnahme auf fetthaltige Speisen verzichten.
Ansonsten können sich vermehrt Fettpartikel, die sogenannten Chylomikronen, in der Blutprobe befinden und zu fehlerhaften Messwerten führen. Da im Stehen die Blut- beziehungsweise Plasmakonzentrationen einiger Stoffe schwanken, ist eine Entnahme in sitzender oder liegender Position sinnvoll. Auch sollte beachtet werden, dass einige Messgrößen im Tagesverlauf schwanken. Daher sollten insbesondere Verlaufsuntersuchungen immer zur gleichen Tageszeit vorgenommen werden. Im Labor werden mithilfe von automatischen Blutbildanalysern die relevanten Parameter für die jeweilige klinische Fragestellung bestimmt.
Teilweise wird zwischen großem und kleinem Blutbild unterschieden. Für ein kleines Blutbild werden die Erythrozyten-, Leukozyten- und Thrombozytenzahl, die Hämoglobinkonzentration, der Hämatokritwert sowie die Erythrozytenindices MCV, MCH und MCHC bestimmt. Für ein großes Blutbild kommt das Differentialblutbild hinzu, in dem die verschiedenen Untergruppen der weißen Blutkörperchen einzeln bestimmt werden. Weil moderne Blutbildanalyser meist sofort ein komplettes Blutbild erstellen, wird die Differenzierung in groß und klein häufig nicht mehr getroffen.
Funktion, Wirkung & Ziele
Ursachen für eine Erhöhung der Erythrozytenzahl sind meist Flüssigkeitsmangel, Sauerstoffknappheit oder auch Stress. Eine verminderte Anzahl wird auch als Blutarmut, fachsprachlich Anämie, bezeichnet. Sie stellt in vielen Fällen einen Hinweis auf Eisenmangel dar, kann jedoch unter anderem auch infolge größerer Blutverluste entstehen. Diese Blutverluste werden nicht immer vom Patienten bemerkt, da hier keine äußerlich sichtbare Wunde zugrundeliegen muss. Auch Blutungen im Körperinneren wie im Darm können für eine Anämie verantwortlich sein. Um Anämien weiter zu klassifizieren, werden die Parameter MCH, MCV und MCHC genutzt.
Damit lassen sich Aussagen über die Qualität der Erythrozyten treffen. Es werden hierfür der Hämoglobingehalt eines einzelnen Erythrozyten, das Volumen sowie der Anteil des Hämoglobins am Gesamtvolumen der roten Blutkörperchen betrachtet. Liegt eine Anämie vor und befinden sich diese drei Werte in der Norm, so spricht man von einer normozytären und normochromen Anämie. Dabei läuft die Bildung neuer Erythrozyten für den aktuellen Bedarf zu langsam ab. Oft ist hier ein hoher Blutverlust ursächlich. Manchmal funktioniert aber auch die hormonelle Regulation der Erythrozytenbildung nicht korrekt.
Sind MCV, MCH und MCHC erniedrigt, handelt es sich um eine mikrozytäre, hypochrome Anämie. Am häufigsten ist diese Form durch einen Eisenmangel begründet. Eisen ist wichtig für die Herstellung des Hämoglobins, also des roten Blutfarbstoffs. Eisenmangel führt folglich dazu, dass nicht genügend Hämoglobin produziert werden kann. Die Erythrozyten werden dann nicht ausreichend damit beladen und sind in der Folge zu klein. Für die Erythrozytenbildung sind außerdem verschiedene Stoffe als Cofaktoren nötig, allen voran Vitamin B12. Fehlt dieses Vitamin, so werden zu große Erythrozyten produziert, die dazu noch mit zu viel Hämoglobin beladen sind. Da ein Vitamin B12-Mangel weitere Schäden verursachen kann, ist dieser Hinweis aus dem Blutbild wichtig. Vor einer Substitution wird der Mangel jedoch gezielt über den Vitaminspiegel bestätigt, denn dasselbe Blutbild kann auch durch einen Mangel an Folsäure entstehen.
Schließlich sind noch die Thrombozyten- und die Leukozytenzahl wichtige Messgrößen des Blutbildes. Thrombozyten werden umgangssprachlich auch "Blutplättchen" genannt. Sie sind für die Blutgerinnung zum Beispiel nach Verletzungen von Bedeutung. Die auch als "weiße Blutkörperchen" bezeichneten Leukozyten haben vielfältige Aufgaben im Rahmen der Immunabwehr. Bei deutlich veränderten Leukozytenwerten muss eine weitere Diagnostik folgen, da hier auch lebensbedrohliche Erkrankungen ursächlich sein können.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Für den Patienten ist die Blutentnahme ebenfalls mit nur wenig Aufwand verbunden, mit ernsthaften unerwünschten Wirkungen ist nicht zu rechnen. An der Einstichstelle kann es zu einem kleinen Bluterguss kommen, der binnen weniger Tage abheilt. Neben den genannten Blutbildveränderungen existieren noch viele weitere charakteristische Veränderungen, mithilfe derer sich Hinweise auf Krankheiten gewinnen lassen. Auch lassen sich im Rahmen der Blutanalyse noch über die Standardparameter hinausgehende Werte anfordern, sodass eine differenzierte Diagnostik gut möglich ist. Zum Beispiel kann so ein genauer Hormonstatus erfasst werden und auf dieser Grundlage eine gezielte Behandlung eingeleitet werden.
Ebenso ist eine adäquate Verlaufskontrolle chronischer Erkrankungen über das Blutbild möglich. Auch in diesem Fall kann bei Veränderungen gegebenenfalls interveniert und die Behandlung angepasst werden. Alle diese Vorteile sind dafür verantwortlich, dass das Blutbild in der Diagnostik bei fast allen Fachrichtungen eine große Rolle spielt. Es liefert bei vergleichsweise geringem Aufwand wertvolle Hinweise für das weitere Vorgehen.
Ablauf und Weg der Probe ins Labor
Für ein Blutbild genügt eine kleine Menge Blut, die in ein Röhrchen mit einem gerinnungshemmenden Zusatz gefüllt wird. Dieser Zusatz bindet Calcium und verhindert dadurch, dass die Probe gerinnt; nur so bleiben die Zellen einzeln in der Flüssigkeit verteilt und lassen sich zählen. Röhrchen für andere Fragestellungen enthalten andere Zusätze oder gar keine, weshalb bei einer Blutentnahme oft mehrere unterschiedlich gekennzeichnete Röhrchen gefüllt werden. Nach der Entnahme wird das Röhrchen vorsichtig geschwenkt, damit sich Blut und Zusatz mischen, und noch am Patienten beschriftet.
Im Labor durchläuft die Probe ein automatisches Analysegerät. Solche Geräte zählen die Zellen und messen zugleich ihre Größe und weitere physikalische Eigenschaften, woraus sich die Kennzahlen des Blutbildes rechnerisch ergeben. Fällt dem Gerät etwas Ungewöhnliches auf oder verlangt die Fragestellung es, wird zusätzlich ein Ausstrich angefertigt: Ein Tropfen Blut wird dünn auf einem Objektträger verstrichen, angefärbt und unter dem Mikroskop beurteilt. Diese Beurteilung durch einen geschulten Betrachter kann Zellformen erkennen, die einem Zählgerät entgehen, und sie ist bei bestimmten Verdachtsdiagnosen weiterhin unverzichtbar.
Die Zeit zwischen Entnahme und Messung sollte nicht zu lang werden, weil sich Zellen in einer stehenden Probe verändern. Proben werden deshalb zügig transportiert und in der Regel nicht über längere Strecken zwischengelagert. In Krankenhäusern mit eigenem Labor liegen Ergebnisse häufig schon nach kurzer Zeit vor, in der ambulanten Versorgung meist am Folgetag.
Das Differentialblutbild im Einzelnen
Unter den weißen Blutkörperchen werden mehrere Gruppen unterschieden, die im Körper verschiedene Aufgaben erfüllen. Die neutrophilen Granulozyten stellen beim Erwachsenen den größten Anteil und sind vor allem an der Abwehr bakterieller Erreger beteiligt. Lymphozyten gehören zum spezifischen Teil des Immunsystems und spielen unter anderem bei viralen Infektionen eine Rolle. Monozyten wandern aus dem Blut in die Gewebe ein und werden dort zu Fresszellen. Eosinophile Granulozyten treten bei parasitären Erkrankungen und bei allergischen Reaktionen vermehrt auf, basophile Granulozyten sind die kleinste Gruppe.
Aus der Verteilung dieser Gruppen lassen sich Hinweise gewinnen, die die reine Gesamtzahl der Leukozyten nicht liefert. So kann eine Verschiebung zugunsten unreifer neutrophiler Formen auf eine akute bakterielle Infektion hindeuten; Fachleute sprechen von einer Linksverschiebung. Eine Vermehrung eosinophiler Zellen kann bei Allergien oder einem Befall mit Parasiten auftreten. Umgekehrt kann eine ausgeprägte Verminderung der neutrophilen Zellen bedeuten, dass die Abwehr gegen Bakterien geschwächt ist — eine Konstellation, die etwa unter einer Chemotherapie auftreten kann und dort regelmäßig kontrolliert wird.
Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen relativen und absoluten Angaben. Ein Prozentwert beschreibt nur den Anteil einer Zellgruppe an allen weißen Blutkörperchen; erst zusammen mit der Gesamtzahl ergibt sich, wie viele Zellen tatsächlich vorhanden sind. Ein unveränderter Prozentwert kann bei stark verändertem Gesamtwert eine erhebliche absolute Abweichung verbergen.
Anlässe für ein Blutbild
Ein Blutbild wird nicht nur bei konkretem Krankheitsverdacht angefordert. Es gehört zu den Untersuchungen, die vor größeren Eingriffen und vor einer Narkose üblich sind, weil eine unerkannte Anämie oder eine Gerinnungsstörung das Vorgehen beeinflusst. Bei unklaren Beschwerden wie anhaltender Müdigkeit, Leistungsknick, Fieber ohne erkennbare Ursache oder ungewollter Gewichtsabnahme ist es meist einer der ersten Schritte, weil es mit geringem Aufwand ein breites Feld möglicher Ursachen eingrenzt.
Eine zweite große Gruppe von Anlässen sind Verlaufskontrollen. Wer Medikamente einnimmt, die das Knochenmark belasten können, wird in festgelegten Abständen kontrolliert. Auch bei chronischen Erkrankungen, nach größeren Blutverlusten oder während einer Behandlung wegen einer Leukämie dient das wiederholte Blutbild dazu, Veränderungen früh zu erkennen. Dabei ist der Vergleich mit früheren Werten desselben Patienten oft aussagekräftiger als der Vergleich mit einem allgemeinen Referenzbereich.
Was ein auffälliger Wert bedeutet
Ein Wert außerhalb des angegebenen Bereichs ist zunächst nichts weiter als ein Hinweis. Referenzbereiche beschreiben, welche Werte bei einer großen Gruppe gesunder Menschen gefunden werden; sie sind so festgelegt, dass ein kleiner Teil der Gesunden regelhaft außerhalb liegt. Wer viele Werte auf einmal bestimmen lässt, findet daher mit einiger Wahrscheinlichkeit irgendeinen auffälligen Wert, ohne dass eine Krankheit dahintersteht.
Umgekehrt schließt ein unauffälliges Blutbild eine Erkrankung nicht aus. Manche Krankheiten verändern das Blutbild erst spät oder gar nicht, andere zeigen sich nur in Werten, die im Blutbild nicht enthalten sind. Deshalb wird ein Befund immer zusammen mit Beschwerden, Vorgeschichte und körperlicher Untersuchung beurteilt. Aus einem einzelnen Zahlenwert lässt sich weder eine Diagnose stellen noch eine Behandlung ableiten. Bei grenzwertigen Abweichungen ist häufig die Kontrolle nach einiger Zeit der sinnvollste nächste Schritt, weil sich dann zeigt, ob es sich um eine vorübergehende Schwankung handelt.
Einflüsse und Störgrößen
Die Werte eines Blutbildes sind keine unveränderlichen Konstanten. Der Flüssigkeitshaushalt wirkt sich unmittelbar aus: Bei Dehydratation erscheinen die Zellzahlen höher, weil weniger Flüssigkeit im Gefäßsystem ist, bei starker Flüssigkeitszufuhr entsprechend niedriger. Auch körperliche Anstrengung kurz vor der Entnahme, Stress, Rauchen und ein längerer Aufenthalt in großer Höhe können einzelne Größen verschieben.
Hinzu kommen Störgrößen, die erst bei der Entnahme entstehen. Ein zu lange angelegter Stauschlauch, eine zu dünne Nadel oder starkes Pumpen mit der Faust können Zellen schädigen; man spricht von Hämolyse, und die betroffene Probe ist für manche Messungen nicht mehr verwertbar. Ein zu wenig gefülltes oder nicht ausreichend geschwenktes Röhrchen führt zu kleinen Gerinnseln, die das Zählergebnis verfälschen. Solche Proben werden im Labor als ungeeignet zurückgewiesen, weshalb gelegentlich um eine erneute Entnahme gebeten wird — kein Zeichen für ein bedrohliches Ergebnis, sondern für eine nicht auswertbare Probe.
Auch Lebensalter und Lebensumstände gehören zur Einordnung. Bei Kindern verschieben sich die üblichen Bereiche mit dem Alter erheblich, und die Verteilung der weißen Blutkörperchen unterscheidet sich in den ersten Lebensjahren von der beim Erwachsenen. In der Schwangerschaft nimmt das Blutvolumen zu, wodurch der Hämoglobinwert absinken kann, ohne dass ein Mangel vorliegt. Die Laborangaben sind deshalb altersbezogen zu lesen.
Abgrenzung zu anderen Blutuntersuchungen
Das Blutbild ist nur ein Teil dessen, was aus einer Blutprobe bestimmt werden kann. Es befasst sich mit den Zellen des Blutes — ihrer Zahl, ihrer Größe und ihrer Zusammensetzung. Werte wie Blutzucker, Cholesterin, Leber- oder Nierenwerte, Elektrolyte und Hormone gehören dagegen zur klinischen Chemie und werden meist aus Blutplasma oder Serum gemessen. Entzündungsmarker wie das C-reaktive Protein sind ebenfalls nicht Bestandteil des Blutbildes, werden aber oft gemeinsam mit ihm angefordert.
Eigene Untersuchungsgänge sind auch die Gerinnungsdiagnostik, die das Zusammenspiel der Gerinnungsfaktoren prüft und über die reine Thrombozytenzahl hinausgeht, sowie die Blutgasanalyse, die Sauerstoff, Kohlendioxid und den Säure-Basen-Haushalt erfasst und dafür meist arterielles Blut benötigt. Einen Überblick über das gesamte Feld gibt der Artikel zur Blutuntersuchung. Führt ein auffälliges Blutbild nicht weiter, kann eine Untersuchung des Knochenmarks folgen, in dem die Blutzellen gebildet werden.
Ebenfalls abzugrenzen ist der Blick auf die Milz und andere Organe, in denen Blutzellen abgebaut oder gespeichert werden. Werden viele Zellen vorzeitig zerstört, kann das Blutbild niedrige Werte zeigen, obwohl die Bildung im Knochenmark ungestört läuft. Ob eine verminderte Bildung, ein gesteigerter Abbau oder ein Verlust nach außen zugrunde liegt, klären daher ergänzende Untersuchungen und die Krankengeschichte, nicht aber das Blutbild allein.
Quellen
- Hallbach, J.: Klinische Chemie und Hämatologie.
ISBN: 9783132457225
- Niederau, C., Böhm, B. O. (Hrsg.): Klinikleitfaden Labordiagnostik.
ISBN: 9783437210945
- Renz, H. (Hrsg.): Praktische Labordiagnostik.
ISBN: 9783111328195
- Eucker, J., Scholz, C. (Hrsg.): Klinikleitfaden Hämatologie Onkologie.
ISBN: 9783437212833
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
