Brustentzündung

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 17. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

Sie sind hier: Startseite Krankheiten Brustentzündung

Eine Brustentzündung oder Mastitis ist eine Entzündungskrankheit des Drüsengewebes der Brust. Von ihr abzugrenzen ist die Entzündung der Brustwarze und des Warzenhofs, die die Haut der Mamille betrifft; beide können allerdings ineinander übergehen. Zumeist treten Brustentzündungen im Rahmen der Stillzeit nach der Schwangerschaft auf. Aber auch die männliche Brust kann sich z.B. beim Joggen durch das Reiben von unsachgemäßer Bekleidung entzünden oder wund werden. Dabei handelt es sich jedoch um eine rein mechanische Reizung der Brustwarze (sogenannte Jogger's Nipple) und nicht um eine Mastitis. In diesem Beitrag widmen wir uns jedoch der Brustentzündung während der Stillzeit bei Frauen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Brustentzündung?

Eine Brustentzündung (Mastitis) oder Brustinfektion ist eine durch Bakterien verursachte Infektion der weiblichen Brustdrüse, welche sich meist über kleinste Hautverletzungen ausbreitet. Es wird die wesentlich häufigere Brustentzündung in der Stillzeit (Mastitis puerperalis) von der davon unabhängigen Form (Mastitis non puerperalis) abgegrenzt. Etwa jede 20. stillende Frau ist von dieser Erkrankung betroffen.

Ursachen

Eine Brustentzündung kommt meist einseitig vor und tritt am häufigsten bis zum 28. Tag nach der Geburt auf. Die Eintrittspforten bei stillenden Müttern sind meist kleine Hautverletzungen der Brustwarze, welche durch das Saugen des Säuglings entstehen. Es kommt zu einer bakteriellen Besiedlung und schließlich zu einer Infektion durch typische Hautkeime (meist durch Staphylococcus aureus), welche sich im Mund des Säuglings befinden.

Falsche Anlegetechniken, wunde Brustwarzen, aber auch ein Milchstau wirken begünstigend.

Die seltene non-puerperale Brustentzündung wird ebenfalls über kleine Hautverletzungen ausgelöst. Hormonstörungen, Stoffwechselkrankheiten und bestimmte Medikamente fördern die Entstehung. Als wichtigste Risikofaktoren gelten heute das Rauchen und eine Erweiterung der Milchgänge hinter der Brustwarze (Duktektasie). Auch Medikamente, die den Prolaktinspiegel erhöhen – etwa bestimmte Neuroleptika und Antidepressiva – können eine Brustentzündung außerhalb der Stillzeit begünstigen. Bei dieser Form muss immer ein Brustkrebs ausgeschlossen werden, da dieser klinisch identisch aussehen kann.


Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Brustentzuendung
Eine Brustentzündung (Mastitis) oder Brustinfektion ist eine durch Bakterien verursachte Infektion der weiblichen Brustdrüse, welche sich meist über kleinste Hautverletzungen ausbreitet.
© designua – stock.adobe.com

Bei einer Brustentzündung können eine Reihe von Symptomen auftreten. Typischerweise kommt es zu einem ausgedehnten Schmerz- und Spannungsgefühl, das meist mit einer Verhärtung der Brust einhergeht. Die betroffene Brust ist zudem gerötet und angeschwollen. Auch eine Überwärmung der Brust kann beobachtet werden.

Begleitend dazu stellt sich oft ein plötzliches Fieber ein, welches sich durch akute Kreislaufbeschwerden, Schweißausbrüche und ein zunehmendes Krankheitsgefühl äußert. Bei einer Mastitis außerhalb der Stillzeit treten die genannten Symptome meist in abgeschwächter Form auf, können sich allerdings wiederholt einstellen.

Treten die Beschwerden während der Stillzeit auf, sind sie intensiver, treten dafür in aller Regel jedoch nur einmalig auf. Die Entstehung von Rezidiven ist relativ unwahrscheinlich. In Einzelfällen kann eine Brustentzündung allerdings zur Entstehung von eitrigen abgekapselten Abszessen führen.

Aus diesen können sich im schwersten Fall Fisteln entwickeln, durch die Eiter und andere Flüssigkeiten in das Gewebe und in andere Organe oder die Haut gelangen können. Anhand dieser Symptome und Beschwerden kann eine Brustentzündung in aller Regel diagnostiziert werden. Bei fehlender Behandlung nimmt die Schwellung meist an Größe zu; daraus kann sich ein Abszess entwickeln.

Verlauf

Am Anfang einer Brustentzündung stehen die meist einseitigen Schmerzen im Bereich der Brustwarze. Fieber über 38,5 Grad Celsius, Frösteln und Erschöpfung kommen als Zeichen einer Infektion dazu. An der Brust sind eine Rötung und Überwärmung, ggf. ein ekzemartiger Ausschlag wegweisend. Die Milch verändert sich und hat teilweise blutige oder eitrige Beimengungen. Bei ausgeprägter Brustentzündung sind die Lymphknoten in der Achsel geschwollen und druckschmerzhaft.

Als Komplikationen können bei unbehandelter Brustentzündung Abszesse (abgekapselte Eiteransammlungen) auftreten. Diese zeigen sich durch eine tastbare Schwellung unter der Haut, die sich typischerweise gelartig anfühlt.

Komplikationen

Im Zusammenhang mit einer Brustentzündung können verschiedene Komplikationen auftreten. Wird eine Brustentzündung falsch oder zu spät behandelt, können sich gut abgrenzbare Eiteransammlungen, sogenannte Abszesse bilden. Entleeren sich die Abszesse nicht von selbst, müssen sie chirurgisch geöffnet werden.

Werden Abszesse nicht behandelt, können sich daraus Kanäle zwischen Abszess und Haut - sogenannte Fisteln - bilden. Fisteln wiederum können Eintrittspforten für Bakterien sein. In schweren Fällen kann es zu einer Blutvergiftung (Sepsis) kommen.

Eine Brustentzündung ist oftmals auch mit Schmerzen, einem Spannungsgefühl, Rötungen und Schwellungen verbunden. Auch ein Wärmegefühl und Schmerzen im Bereich der Brustwarze können mit einer Brustentzündung einhergehen. In den Achselhöhlen können die Lymphknoten anschwellen. Auch Verdickungen an der Brust sind möglich.

Weitere Komplikationen im Zusammenhang mit einer Brustentzündung können Fieber, Unwohlsein und Schüttelfrost sein. Betroffene Frauen fühlen sich müde, abgeschlagen und krank. Mütter mit einer Brustentzündung können Probleme beim Stillen bekommen. Es kann zu einem Milchstau kommen, die Brust ist prall gefüllt und schmerzt. Der Milchfluss kommt folglich schwerer in Gang. Brustentzündungen können außerhalb der Stillzeit immer wieder auftreten und auch chronisch verlaufen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei einer Brustentzündung ist eine zeitnahe Abklärung der Beschwerden der betroffenen Frau durch den behandelnden Gynäkologen oder eine betreuende Hebamme wichtig. Das gilt sowohl für die Brustentzündung innerhalb als auch die Variante außerhalb der Stillzeit.

Ist die Brustentzündung durch das Stillen ausgelöst, handelt es sich um einen Auslöser, der nicht zuletzt auf Wunsch der Frau für einen längeren Zeitraum noch aufrechterhalten wird. Um jedoch der Mutter das mehrmals tägliche Stillen auch bei einer Brustentzündung möglichst ohne große Schmerzen zu ermöglichen, empfiehlt sich ein frühzeitiger Besuch beim Arzt oder alternativ auch der Hebamme. Beide Berufsgruppen sind professionelle Ansprechpartner, die der Frau geeignete Therapien empfehlen können, die das Stillen weiterhin möglich machen und für das Baby keine Gefahr darstellen.

Auch die Brustentzündung außerhalb der Stillzeit rechtfertigt den raschen Gang zum Gynäkologen. Das gilt vor allem dann, wenn die Symptome wie Rötung, Schwellung und Schmerz stark, zunehmend oder dauerhaft sind beziehungsweise wenn Fieber oder ein deutliches Krankheitsgefühl hinzukommen. Hier geht es darum, beim Arzt nicht nur die oft sehr unangenehme Symptomatik der Brustentzündung zu therapieren. Es ist auch wichtig, ein inflammatorisches Mammakarzinom auszuschließen, da sich diese Variante des Brustkrebses ähnlich wie eine Brustentzündung äußert und wegen des schnellen Fortschreitens einer umgehenden Behandlung bedarf.

Behandlung & Therapie

Nach neusten Studien ist ein Abstillen bei einer Brustentzündung nicht nötig. Diese Maßnahme sollte auch eher eine Ausnahme darstellen, da ein Abstillen eine starke Belastung für die Frauen darstellt und teilweise sogar den Krankheitsverlauf sowie die Heilung verzögern kann. Denn wird das Baby richtig angelegt, kann es durch das Saugen einen Sekretstau lösen und dadurch eine Abheilung beschleunigen.

Es sollte eine medikamentöse Therapie mit Antibiotika erfolgen. Nach heutigem Kenntnisstand wird jedoch nicht mehr jede Brustentzündung sofort antibiotisch behandelt: In den ersten 24 Stunden stehen häufiges Entleeren der Brust, Kühlen und Schmerzmittel im Vordergrund; ein Antibiotikum wird gegeben, wenn sich die Beschwerden darunter nicht bessern oder von Anfang an schwere Allgemeinsymptome bestehen. Bessert sich eine Brustentzündung unter der antibiotischen Behandlung nicht innerhalb weniger Tage, muss ein inflammatorisches Mammakarzinom ausgeschlossen werden; das gilt besonders für Entzündungen außerhalb der Stillzeit. Wird das Antibiotikum entsprechend gewählt, ist eine Schädigung des Kindes durch die Medikamente bei weitergeführtem Stillen unwahrscheinlich. Auch eine Gefahr für das gestillte Kind durch die Infektion selber konnte in der Klinik nicht festgestellt werden.

Ist es bereits zu einem Abszess gekommen, reicht eine medikamentöse Therapie nicht mehr aus. Der Abszess muss in der Regel chirurgisch eröffnet werden. Zusätzlich sollte z.B. über eine Gummilasche der weitere Eiterabfluss sichergestellt werden.

Die Wundhöhle muss von unten heilen, um einer erneuten Abszessbildung vorzubeugen. Ergänzend kann mit antibiotischer oder antiseptischer Lösung gespült werden.

Zur Linderung der Schmerzen werden Schmerzmittel eingesetzt, vor allem so genannte NSAR (z.B. Diclofenac), welche unschädlich für das Kind sind und zusätzlich eine entzündungshemmende Wirkung aufweisen. Auch Bettruhe und ausreichender Schlaf sind sinnvoll. Kühlende Maßnahmen werden ebenfalls erfolgreich eingesetzt, neben Coolpacks sind auch Quark- oder Kohlwickel sehr schonend und lang anhaltend effektiv.

Die Brustentzündung in der Stillzeit ist eine sehr häufige Erkrankung in einem sensiblen Bereich. Die Frauen sind mit vielen Ängsten konfrontiert, z.B. ob die Behandlung dem Kind schadet oder ob sie weiterhin ihr Kind auf natürlichem Wege ernähren können. Daher ist neben der eigentlichen Therapie eine gute psychologische Begleitung der Ärzte und Hebammen ein wichtiger Baustein zur Genesung.

Aussicht & Prognose

Die Heilungsaussicht einer Brustentzündung ist gut. In vielen Fällen klingt sie bei regelmäßiger Entleerung der Brust innerhalb weniger Tage selbständig ab. Unterstützend können zur Verkürzung des Heilungsweges beruhigende Salben auf die Brust aufgetragen werden.

Bei den meisten Patienten wird die Brustentzündung während der Stillzeit diagnostiziert. Durch die Überbeanspruchung der Brustdrüse kommt es häufig zu einer Entzündung. Mit einer medizinischen Behandlung bildet sich auch hier die Entzündung innerhalb weniger Tage oder Wochen vollständig zurück. Hilfreich ist zusätzlich die Änderung der genutzten Stilltechnik, um das Risiko einer Wiederkehr der Brustentzündung innerhalb der Stillzeit zu verringern.

Bei einer Brustentzündung außerhalb des Stillvorgangs ist die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Auftretens um ein Vielfaches erhöht. Zusätzlich besteht die Gefahr, dass sie in eine chronische Brustentzündung übergeht. Bilden sich bei einer Entzündung eine eitrige Fistel oder ein Abszess, wird ein operativer Eingriff vorgenommen. Dabei werden die Gewebeveränderungen unter der Haut entfernt oder innerhalb der Brustdrüse entleert sowie medizinisch behandelt.

Das Risiko von Komplikationen oder anderen Erkrankungen ist bei Rauchern und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem deutlich erhöht. Es kommt zu einer Verlängerung des Heilungsweges oder der Übergang zu einer chronischen Brustentzündung ist durch den angeschlagenen Gesundheitszustand erleichtert.


Nachsorge

Die Brustentzündung gibt es innerhalb und außerhalb der Stillzeit. Aufgrund der diversen Ursachen der beiden Varianten gestaltet sich auch die Nachsorge etwas unterschiedlich. Bei der Brustentzündung in der Stillzeit heißt Nachsorge auch, das Stillen möglichst ohne Unterbrechung fortzuführen und den richtigen Zeitpunkt für ein späteres Abstillen zu finden.

Hier sind Hebamme und Gynäkologie, aber auch Stillberater die richtigen Ansprechpartner. Zudem sind die beiden Brüste abwechselnd für das Stillen zu verwenden beziehungsweise, wenn nur eine Brust von der Entzündung betroffen war, diese vermehrt zu schonen. Wenn die Entzündung außerhalb der Stillzeit entstanden ist, gilt es, durch gute Hygiene ein Eindringen von Krankheitserregern durch Brustwarze oder Hauteinrisse zu vermeiden, soweit dies möglich ist. Auch die Stärkung des Immunsystems kann bewirken, dass die Brustentzündung nicht wieder auftritt. Dazu gehören ausreichender Schlaf und eine gesunde Ernährung.

In beiden Fällen der Brustentzündung ist es ratsam, einen gut sitzenden BH zu tragen. Er stützt das betroffene Gewebe zuverlässig und ist in der Phase der Regeneration und Nachsorge besonders wichtig, um die Entzündung der Brust nicht wieder aufflammen zu lassen. Der BH kann auch im Schlaf getragen werden. Dabei ist auf Modelle mit Bügeln, die Gewebe durch Druck negativ beeinflussen könnten, jedoch zu verzichten und lieber eine weichere Variante zu wählen.

Das können Sie selbst tun

Bei Verdacht auf eine Brustentzündung sollten Betroffene umgehend einen Frauenarzt konsultieren. Je nach Schwere der Erkrankung erfolgt eine Antibiotikatherapie oder es wird versucht durch Entlastung und Kühlen ein Abschwellen der Brustdrüsen zu erreichen. Bei medikamentöser Behandlung mit Antibiotika sollte parallel die Einnahme von Probiotika erfolgen, da das Medikament auch die gesunden Darmbakterien zerstört und so das Immunsystem stärker beansprucht.

Oft tritt die Brustentzündung während der Stillphase auf. Sollten Streptokokken ursächlich für die Erkrankung sein, ist eine Stillpause einzulegen. Andernfalls können Mütter gewohnt weiterstillen. In den Zeiten zwischen den Stillmahlzeiten empfehlen sich kühlende Quarkwickel sowie Kompressen mit antibakteriell wirkenden Pflanzenauszügen wie Salbei. Kurz vor dem Anlegen ist dagegen Wärme sinnvoll, weil sie den Milchfluss erleichtert.

Die weibliche Brust kann weiterhin entlastet werden durch einen straff sitzenden BH sowie regelmäßiges Entleeren – durch Ausstreichen oder Abpumpen – der Brust. So vermindert sich der Druck in den entzündeten Brustdrüsen. Um weiteren durch das Stillen bedingten Brustentzündungen vorzubeugen, sollten sich Mütter von einer Hebamme verschiedene Techniken zeigen lassen. Ein Reinigen der Brustwarzen vor jeder Mahlzeit wurde früher empfohlen, um die Anzahl der Bakterien zu mindern. Heute rät man davon ab, weil dadurch der natürliche Schutzfilm der Haut entfernt wird und die Brustwarzen leichter wund werden; die tägliche Dusche genügt.

Bestimmte Medikamente können das Risiko für eine Brustentzündung erhöhen. Hierzu zählen Präparate zur Empfängnisverhütung sowie zur Linderung von Beschwerden der Menopause, welche einen hohen Anteil an Östrogenen enthalten. Ein Wechsel des Medikamentes sollte mit dem behandelnden Frauenarzt besprochen werden.

Quellen

  • Weyerstahl, T., Stauber, M.: Gynäkologie und Geburtshilfe.
    ISBN: 9783131253446
  • Kaufmann, M., Costa, S. D., Scharl, A. (Hrsg.): Die Gynäkologie.
    ISBN: 9783642209222
  • Janni, W., Hancke, K., Fehm, T., et al. (Hrsg.): Facharztwissen Gynäkologie.
    ISBN: 9783437239175
  • Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
    ISBN: 9783662613849
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655

Das könnte Sie auch interessieren