Erektionsstörungen im Fokus - Behandlung, Folgen und Ursachen
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Erektionsstörungen sind auf der ganzen Welt weit verbreitet, aber wie viele Männer letztendlich betroffen sind, lässt sich schwer sagen, da viele aus Scham nicht zum Arzt gehen. Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland etwa 4 bis 6 Millionen Betroffene, was zeigt, dass das Problem allgegenwärtig ist.
Von einer Erektionsstörung beziehungsweise erektilen Dysfunktion (ED) ist immer dann die Rede, wenn über einen längeren Zeitraum keine ausreichende Erektion des Penis erreichbar ist und/oder die Erektion nicht lange genug aufrechterhalten werden kann. Erektionsstörungen werden umgangssprachlich auch als Impotenz bezeichnet und es steht außer Frage, dass sie eine große Belastung darstellen können. In diesem Artikel möchten wir uns näher mit den Ursachen, den Folgen und der Behandlung von Potenzstörungen auseinandersetzen.
Ursachen von Erektionsstörungen
Bevor wir näher auf Mittel gegen Erektionsstörung eingehen, sollten wir erst einmal einen Blick auf die möglichen Ursachen werfen. Zu den möglichen Ursachen von Erektionsstörungen gehören:
- Alkohol- und Nikotinkonsum
- Ungesunde Ernährung
- Chronische Krankheiten wie Adipositas, Bluthochdruck und Diabetes
- Vaskuläre Faktoren wie Atherosklerose
- Endokrine Ursachen wie Erkrankungen der Schilddrüse oder Testosteronmangel
- Neurologische Ursachen wie Multiple Sklerose oder Verletzungen des Rückenmarks
- Einnahme von Medikamenten wie Antiandrogenen, Diuretika und Psychopharmaka
- Psychische Ursachen wie Burnout und Depressionen
Wie hier deutlich ersichtlich, ist das Spektrum an potenziellen Ursachen groß und wodurch die Potenzprobleme ausgelöst werden, sollte am besten mit einem Arzt abgeklärt werden, da sich nicht alle Behandlungsmöglichkeiten für alle Ursachen anbieten. Zudem können Erektionsprobleme mit einer gefährlicheren Krankheit zusammenhängen, weswegen es wichtig ist, die Ursache ausfindig zu machen und daran anzusetzen. Zumal sich Potenzprobleme ohne Berücksichtigung der Ursache meist nicht bewältigen lassen.
Diagnose von Erektionsstörungen
Obwohl Betroffene meist selber wissen, dass sie an Erektionsstörungen leiden, sollte die Diagnose immer durch einen Arzt erfolgen. Wenn der Verdacht auf eine erektile Dysfunktion besteht, bietet sich insbesondere das Aufsuchen eines Urologen an, da ein solcher die beste Anlaufstelle für Männer mit sexuellen Problemen ist. Um zu klären, ob eine Erektionsstörung vorliegt, führt der Arzt immer eine ausführliche Anamnese durch.
Dabei wird nicht nur die körperliche Gesundheit berücksichtigt, sondern auch Faktoren wie das partnerschaftliche und soziale Umfeld, der Lebensstil sowie die Sexualität werden durchleuchtet. Gegebenenfalls bietet es sich an, den Partner oder die Partnerin bei der Anamnese einzubeziehen. Sexuelle Probleme sind zwar immer noch mit Hemmschwellen und Tabus verbunden, aber für eine erfolgreiche Diagnose und Therapie ist es wichtig, offen und ehrlich mit dem behandelnden Arzt zu reden.
Die Anamnese allein ist nur ein Teil von dem, was in puncto Diagnose von Bedeutung ist, aber welche weiteren Maßnahmen getroffen werden sollten, hängt maßgeblich von deren Ergebnissen ab. Lediglich körperliche Untersuchungen sind unumgänglich, um Ursachen wie Grunderkrankungen abzuklären. Gegebenenfalls wird auch das Blut im Labor untersucht – zum Beispiel in Hinblick auf die Blutfettwerte und den Hormonstatus. Neben solchen gängigen Untersuchungen bieten sich gegebenenfalls auch weitere Tests wie eine Duplexsonographie des Penis oder ein Schwellkörperinjektionstest an, wobei entsprechende Maßnahmen eher selten sind.
Mögliche Folgen von Erektionsstörungen
Erektionsstörungen sollten immer ernst genommen werden, da sie ernstzunehmende Folgen mit sich bringen und diese können sowohl körperlicher als auch psychischer Natur sein. Im Zuge einer erektilen Dysfunktion kann es passieren, dass die elastischen Muskelzellen der Schwellkörper zu selten mit Sauerstoff versorgt werden.
Dadurch weicht das dehnbare Gewebe dem zunehmend starrem Bindegewebe und die Wahrscheinlichkeit, eine Erektion zu bekommen und/oder diese zu halten, nimmt weiter ab. Das Psychische ist jedoch im Regelfall noch problematischer, da Impotenz nicht in unser Gesellschaftsbild passt und Erektionsstörungen infolgedessen schnell am Selbstbewusstsein nagen. Das wiederum kann in einer Abwärtsspirale resultieren, die sich durch Angststörungen, Depressionen und Stress äußert.
Besagte Abwärtsspirale kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und ohne Hilfe ist es schwer, das Problem zu beseitigen. Psychische Probleme sind schließlich ebenfalls eine häufige Ursache von Erektionsstörungen und sollte man sich bereits in einer Abwärtsspirale befinden, kann das Ganze in einem regelrechten Teufelskreis münden. Manche Männer sind sogar so verzweifelt, dass sie keinen anderen Ausweg mehr sehen und sich das Leben nehmen. Wer solche Gedanken hat, sollte sich ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe suchen; die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenfrei und anonym erreichbar.
Das kommt zwar relativ selten vor, zeigt aber auf, wie ernst eine erektile Dysfunktion sein kann. Es ist daher wichtig, offen mit dem Problem umzugehen und sowohl mit seinem Partner als auch einem Arzt darüber zu sprechen. Dabei gibt es absolut keinen Grund zur Scham, denn wie bereits erwähnt, gibt es zahlreiche Männer, die an Erektionsstörungen leiden und das ist keineswegs nur in Deutschland der Fall: In den USA beispielsweise sind es Schätzungen zufolge 18 Millionen Männer im Alter zwischen 40 und 70 Jahren.
Behandlung von Erektionsstörungen
Die eine Behandlungsform gibt es bei Erektionsstörungen nicht, denn wie eine Therapie im besten Fall auszusehen hat, hängt in erster Linie von der Ursache beziehungsweise den individuellen Voraussetzungen ab. Infolgedessen gibt es eine Vielzahl von potenziellen Behandlungsmöglichkeiten und welche sich am ehesten anbietet, sollte immer mit einem Urologen abgeklärt werden.
Psychotherapie
In Deutschland gibt es viele gute Psychotherapeuten und sowohl eine ambulante als auch eine stationäre Therapie kann sich bei Erektionsstörungen anbieten. Eine Psychotherapie stellt dann eine Option dar, wenn psychische Ursachen wie Depressionen vorliegen oder die Situation so belastend ist, dass Betroffene nicht mehr mit ihr umgehen können.
Neben einer klassischen Psychotherapie bietet sich gegebenenfalls eine sogenannte Sexualtherapie an. Eine Sexualtherapie zielt darauf ab, Schwierigkeiten mit dem Sexualleben zu beseitigen. Allerdings lassen sich psychische und körperliche Ursachen nicht immer trennen und infolgedessen bieten sich Psychotherapien auch begleitend zu anderen Therapieformen an.
Partnerschaftstherapie
Manchmal ist weder eine Psychotherapie noch eine Sexualtherapie sinnvoll, da das Problem ausschließlich an der Partnerschaft liegt.
Viele Paare haben Probleme mit ihrem Sexualleben und die Gründe dafür können vielfältiger Natur sein. Im Rahmen einer Partnerschaftstherapie können Betroffene die Ursachen gemeinsam mit einem Therapeuten herausfinden und nach Lösungen suchen. Lässt sich keine gemeinsame Lösung finden, stellt sich für manche Paare am Ende die Frage nach einer Trennung.
Umstellung des Lebensstils
Wie bei anderen gesundheitlichen Beschwerden kann unser Lebensstil auch zu einer erektilen Dysfunktion führen und ein Lebenswandel ist infolgedessen ebenfalls eine plausible Option, um Potenzprobleme anzugehen. Unter anderem der Konsum von Alkohol, Nikotin und anderen Drogen ist problematisch, da entsprechende Stoffe unsere Durchblutung sowie unsere Nervenfunktionen beeinträchtigen können.
Doch auch Übergewicht und übermäßiger Stress sind nicht gerade förderlich für eine gute Potenz. Aus diesem Grund sollten sich Betroffene überlegen, inwiefern sie einen ungesunden Lebensstil pflegen und das Problem an der Wurzel packen. Das ist auch dann sinnvoll, wenn es sich nicht um die Ursache für die Erektionsstörungen handeln sollte, da ein entsprechender Lebenswandel langfristig ohnehin der Lebensqualität zugutekommt.
Einnahme von Arzneimitteln
Es gibt einige Medikamente, die sich zur Behandlung von Erektionsstörungen anbieten und meistens handelt es sich dabei um PDE-5-Hemmer wie Sildenafil, Tadalafil und Avanafil, die unter Handelsnamen wie Viagra und Cialis vertrieben werden. Entsprechende Arzneimittel werden oral in Tablettenform eingenommen und fördern den Mechanismus der Erektion im Schwellkörper, wodurch natürlich entstehende Erektionen verstärkt und verlängert werden. Medikamente wie Viagra sind jedoch kein Allheilmittel und auch sie setzen voraus, dass eine sexuelle Erregung vorliegt.
Zudem sind PDE-5-Hemmer nicht frei von Nebenwirkungen und bei bestimmten Vorerkrankungen stellen sie sogar ein großes gesundheitliches Risiko dar. Eine Einnahme von Viagra oder vergleichbaren Potenzmitteln ist beispielsweise bei sehr niedrigem Blutdruck, schwerer Leberinsuffizienz, schweren kardiovaskulären Erkrankungen, erblich bedingten degenerativen Erkrankungen und manchen medikamentösen Therapien gefährlich.
Ob eine Einnahme von Medikamenten sinnvoll ist, sollte daher unbedingt mit dem behandelnden Arzt abgeklärt werden. Leider gibt es immer noch viele Personen, die darauf verzichten und sich PDE-5-Hemmer illegal aus dem Internet beschaffen. Das ist jedoch nicht zu empfehlen, da das Risiko nicht nur aufgrund der fehlenden ärztlichen Behandlung, sondern auch aufgrund der Gefahr von Fälschungen hoch ist.
Gefälschtes Viagra ist weit verbreitet und neben harmlosen Placebos gibt es auch Nachahmungen, die ein erhebliches Gesundheitsrisiko bergen. Schätzungen zufolge sterben jedes Jahr weltweit etwa eine Million Menschen an gefälschten Arzneimitteln, weswegen die Gefahr nicht unterschätzt werden sollte. Alternativ zu PDE-5-Hemmern kann auch eine Testosterontherapie Sinn machen, wobei eine solche relativ selten als Therapieform in Erwägung gezogen wird.
Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (SKAT)
Die Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (SKAT) bietet sich für Betroffene an, die keine Angst vor Spritzen haben und nach einer Möglichkeit suchen, um sich vor dem Geschlechtsverkehr „in Stimmung“ zu bringen. Bei dieser Therapieform wird eine Wirkstofflösung unmittelbar vor dem Geschlechtsverkehr in den Penis gespritzt.
Besagte Substanz wirkt gefäßerweiternd und führt zu einer Erektion – im Gegensatz zu Medikamenten wie Viagra ist hierfür nicht einmal eine sexuelle Erregung notwendig. Nach anfänglichen Probeanwendungen durch den Arzt, ist es üblich, dass der Patient die Injektionen selber durchführt. Eine Schwellkörper-Autoinjektionstherapie wird oft dann in Erwägung gezogen, wenn eine medikamentöse Therapie keinen Erfolg hatte.
Intraurethrale Prostaglandinverabreichung
Die Wirkstofflösung, welche bei der Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (SKAT) zum Einsatz kommt, ist meist Prostaglandin und die Substanz wird auch bei der intraurethralen Prostaglandinverabreichung verwendet. Allerdings wird sie nicht gespritzt, sondern durch einen stäbchenförmigen Applikator in die Harnröhre eingeführt. Wie bei der Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (SKAT) besteht allerdings auch hier Verletzungsgefahr, weswegen es wichtig ist, die Anwendung und Dosierung unter ärztlicher Anleitung zu erlernen.
Die Angst vor Verletzungen ist zwar nicht unbegründet, aber Vorfälle sind selten und wer sich an die ärztlichen Anweisungen hält, kann das Risiko weiter senken. Zumal es sich bei den meisten Verletzungen ohnehin nur um kleine Blutergüsse am Penis oder vergleichbare Beschwerden handelt. Schwere Komplikationen sind dagegen selten, aber nicht ausgeschlossen.
Schwellköperimplantate
Schwellköperimplantate werden durch einen chirurgischen Eingriff in den Penisschwellkörper eingesetzt und heutzutage werden hierfür fast ausschließlich hydraulische Systeme verwendet. Bei den Systemen wird eine kleine Pumpe in den Hodensack implantiert.
Diese Pumpe kann vom Patienten selbst betätigt werden und bei Bedarf wird eine Flüssigkeit aus einem Reservoir unter der Bauchdecke in die implantierten Zylinder der Penisschwellkörper gepumpt, was wiederum dazu führt, dass sich der Penis versteift. Die Flüssigkeit kann anschließend über ein Ventil abgelassen werden.
Stoßwellentherapie
Eigentlich stammt die Stoßwellentherapie aus der Herzmedizin, aber inzwischen findet sie auch bei Erektionsstörungen Verwendung. Diese Behandlungsmethode bietet sich dann an, wenn Durchblutungsstörungen die Ursache für die Potenzprobleme sind. Die Stoßwellentherapie wird ambulant durchgeführt und soll durch einen mechanischen Stimulus die Gefäßzellen des Schwellkörpergewebes positiv beeinflussen.
Im besten Fall trägt das dazu bei, dass sich geschwächte oder verengte Blutgefäße dauerhaft erholen. Dieser Effekt ist möglich, da die Stoßwellen eine Ausschüttung des Botenstoffs Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF) begünstigen. Dabei handelt es sich um einen Wachstumsstoff, der sowohl das Wachstum als auch die Neubildung von Endothel- und Muskelzellen begünstigt.
Vakuumpumpen
Bei Vakuumpumpen handelt es sich um mechanische Erektionshilfen, die auf den Penis aufgesetzt werden. Der Zylinder aus Kunststoff erzeugt mit einer angeschlossenen Pumpe Unterdruck, wodurch Blut in die Schwellkörper fließt und eine Erektion hervorgerufen wird. Das Funktionsprinzip ist einfach, gilt aber als äußerst effektiv. Zusätzlich zur Pumpe nutzen Patienten einen gummierten Schnürring, der um die Penisbasis gespannt wird. Dadurch wird ein Abfluss des Bluts verhindert und die Erektion bleibt erhalten, solange der Ring angelegt ist.
Übernehmen Krankenkassen die Kosten für eine Therapie?
Obwohl ein großer Teil der Männer im Laufe ihres Lebens mit einer erektilen Dysfunktion zu kämpfen hat, übernehmen Krankenkassen im Regelfall nicht die Kosten für eine Therapie. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass das Sozialversicherungsrecht Arzneimittel, die überwiegend der Behandlung der erektilen Dysfunktion oder der Steigerung der Potenz dienen, ausdrücklich von der Leistungspflicht ausnimmt (§ 34 Abs. 1 SGB V). Was letztendlich möglich ist, hängt von dem Krankenversicherungsträger und der individuellen Situation ab.
Eine Kostenübernahme ist entweder gar nicht oder nur (teilweise) in Einzelfällen möglich. Allerdings kommt es immer auf die jeweilige Ursache an. Sollte die Erektionsstörung beispielsweise mit einer chronischen Krankheit zusammenhängen, übernehmen die Krankenkassen indirekt die Kosten, da die Behandlung der Grunderkrankung zum Leistungsumfang gehört und oft ausreicht, um die Potenzprobleme zu beseitigen.
Erektionsstörungen als Warnzeichen
Eine Erektionsstörung ist häufig nicht nur ein Problem für sich, sondern ein früher Hinweis auf eine Erkrankung der Blutgefäße. Für eine Erektion muss vermehrt Blut in die Schwellkörper einströmen; die dafür zuständigen Arterien des Penis haben einen kleineren Durchmesser als die Herzkranzgefäße oder die Beinarterien. Lagert sich in den Gefäßwänden Material ab, wie es bei der Arteriosklerose geschieht, macht sich eine Einengung an den kleinen Gefäßen früher bemerkbar als an den großen. Erektionsprobleme können deshalb auffallen, bevor sich die Gefäßveränderungen an anderer Stelle zeigen.
Daraus folgt, dass eine neu aufgetretene Erektionsstörung Anlass ist, die Risikofaktoren für Herz und Kreislauf ärztlich prüfen zu lassen: Bluthochdruck, Blutfettwerte, Blutzucker, Körpergewicht und Rauchgewohnheiten. Die Risikofaktoren einer erektilen Dysfunktion und die eines Herzinfarkts überschneiden sich weitgehend; wer sie angeht, tut damit nicht nur etwas für die Potenz.
Auch der Schlaf gehört in diese Betrachtung. Bei einer Schlafapnoe fällt die Sauerstoffversorgung in der Nacht wiederholt ab und der Hormonhaushalt gerät durcheinander; Erektionsstörungen treten bei Betroffenen gehäuft auf. Ebenso können Dauermedikamente die Erektion beeinträchtigen – genannt werden unter anderem Antidepressiva, Betablocker und entwässernde Mittel. Ein eigenmächtiges Absetzen ist dabei der falsche Weg: Welche Rolle ein Medikament tatsächlich spielt und ob sich eine Umstellung anbietet, lässt sich nur im ärztlichen Gespräch klären.
Erektionsstörungen nach Eingriffen im Beckenbereich
Eine eigene Gruppe bilden Erektionsstörungen, die nach einer Behandlung im kleinen Becken auftreten. Die Nerven, die die Erektion steuern, verlaufen dicht an der Prostata und am Enddarm. Bei einer Operation wegen Prostatakrebs und bei einer Strahlentherapie dieser Region können sie in Mitleidenschaft gezogen werden, auch wenn nervschonend vorgegangen wird. Ebenso kommen Erektionsstörungen nach Operationen am Enddarm sowie nach Verletzungen des Beckens oder des Rückenmarks vor.
Der Verlauf ist unterschiedlich. Nach einem nervschonenden Eingriff kann sich die Funktion über Monate bis Jahre teilweise erholen; sind die Nerven vollständig durchtrennt, ist damit nicht zu rechnen. In der Urologie wird deshalb vielfach schon früh nach der Operation mit Maßnahmen begonnen, die die Durchblutung des Schwellkörpergewebes erhalten sollen – welches Verfahren dafür infrage kommt, richtet sich nach dem Einzelfall. Wichtig ist, dass die Frage der Sexualität bereits vor einer solchen Behandlung angesprochen wird: Sie gehört zur Aufklärung über die Folgen des Eingriffs, und die Antwort kann die Wahl zwischen mehreren Behandlungswegen beeinflussen.
Wenn rasches Handeln nötig ist
Bei den Verfahren, die unmittelbar auf den Schwellkörper einwirken, gibt es eine Komplikation, die keinen Aufschub duldet: eine Erektion, die von selbst nicht wieder abklingt. Hält sie über mehrere Stunden an und wird schmerzhaft, spricht die Medizin von einem Priapismus. Das Blut in den Schwellkörpern wird dann nicht mehr ausgetauscht, das Gewebe bekommt zu wenig Sauerstoff und kann dauerhaft Schaden nehmen – mit der Folge, dass später überhaupt keine Erektion mehr möglich ist. Je länger der Zustand besteht, desto geringer sind die Aussichten, das abzuwenden.
Ein Priapismus kann nach einer Injektion in den Schwellkörper auftreten, seltener auch im Zusammenhang mit anderen Medikamenten oder Erkrankungen. Er ist ein Notfall und gehört unverzüglich in ärztliche Behandlung, am besten in eine urologische Klinik; wer nachts oder am Wochenende betroffen ist, wendet sich an die Notaufnahme und wartet nicht bis zum nächsten Sprechstundentermin. Aus demselben Grund gehört zu jeder Einweisung in eine Injektions- oder Ringbehandlung der Hinweis, was in einem solchen Fall zu tun ist. Auch ein Erektionsring, der sich nicht mehr entfernen lässt oder zu lange angelegt bleibt, erfordert rasches Handeln.
Offenheit ist bei Erektionsstörungen der entscheidende Faktor
Erektionsprobleme sind weit verbreitet und noch immer gibt es Männer, die sich nicht trauen, über das Problem zu sprechen. Offenheit ist jedoch einer der wichtigsten Faktoren, wenn es darum geht, eine erektile Dysfunktion anzugehen. Zum einen sollten Betroffene mit ihrem Partner sprechen, zum anderen ist das Aufsuchen eines Urologen empfehlenswert.
Wer nicht den nötigen Mut aufbringen kann, persönlich einen Arzt aufzusuchen, kann das in unserer heutigen Zeit auch online tun. Plattformen für Ärzte sind inzwischen weit verbreitet und eine legale Möglichkeit, um ohne persönlichen Kontakt mit einem Experten über sein Problem zu sprechen.
Quellen
- Michel, M. S., Thüroff, J. W., Janetschek, G., Wirth, M. (Hrsg.): Die Urologie.
ISBN: 9783662633991
- Hautmann, R., Gschwend, J. E. (Hrsg.): Urologie.
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- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
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- Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., et al.: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
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- Falkai, P. (Hrsg.): Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie.
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