Diuretika

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 6. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

Sie sind hier: Startseite Medikamente Diuretika

Diuretika bezeichnen Wirkstoffe, die die Ausschwemmung von Salzen sowie Wasser durch die Niere aus dem Körper (Mensch und Tier) in deutlicher Weise erhöhen. Sie finden daher in der Therapie zahlreicher Erkrankungen wie Bluthochdruck, Glaukom und Ödemen Anwendung.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Diuretika?

Diuretika Schachtelhalm
Auch pflanzliche Diuretika, wie z.B. Schachtelhalm, fördern das Ausschwemmen von Salzen und Wasser durch die Niere aus dem Körper.

Durch Diuretika werden das Plasmavolumen im Blutkreislauf gesenkt und Stauungssymptome, z.B. bei Ansammlung von Flüssigkeit im Gewebe oder bei einem zu großen Blutvolumen, abgebaut.

Einige Diuretika, wie Acetazolamid, tragen dazu bei, dass Urin alkalischer wird und damit im Falle von Überdosierung oder Vergiftung die Ausscheidung von Substanzen, wie Aspirin, befördert wird.

Diuretika werden in drei typische Hauptgruppen unterteilt: Thiazide, Schleifendiuretika und kaliumsparende Diuretika. Jede Gruppe entfaltet ihren Effekt durch Einwirkung auf einen anderen Teil der Nieren und erfordert verschiedene Anwendungen sowie Vorsichtsmaßnahmen, ist daher genauestens auf den Gesundheitszustand abzustimmen. In diesem Zusammenhang ist auch die blutdrucksenkende Wirkung einiger Diuretika unabhängig von ihrer harntreibenden Wirkung zu sehen.

Geschichte & Entwicklung

Die Geschichte der Diuretika reicht bis in die Antike zurück, als Heilpflanzen wie Wacholder, Petersilie und Spargel zur Förderung der Harnausscheidung verwendet wurden. Schon die alten Ägypter und Griechen erkannten die harntreibende Wirkung dieser Pflanzen und nutzten sie zur Behandlung von Schwellungen und Flüssigkeitsansammlungen im Körper.

Im 16. und 17. Jahrhundert wurden die Kenntnisse über Diuretika weiter vertieft, vor allem durch die Arbeit von Ärzten und Alchemisten, die pflanzliche Mittel in der Medizin einsetzten. Der englische Arzt William Withering beschrieb im 18. Jahrhundert die Verwendung von Fingerhut (Digitalis) zur Behandlung von Herzinsuffizienz, wobei er auch die harntreibenden Effekte beobachtete.

Mit der Entwicklung der modernen Pharmakologie im 20. Jahrhundert begann eine gezielte Suche nach synthetischen Diuretika. Ein bedeutender Durchbruch erfolgte in den 1930er Jahren mit der Beobachtung, dass Sulfonamid-Antibiotika harntreibend wirken; daraus ging in den 1950er Jahren mit Acetazolamid das erste gezielt entwickelte Diuretikum hervor. In den 1950er Jahren wurden Thiaziddiuretika entdeckt, die eine Revolution in der Behandlung von Bluthochdruck und Herzinsuffizienz darstellten.

In den folgenden Jahrzehnten wurden verschiedene Klassen von Diuretika entwickelt, darunter Schleifendiuretika und kaliumsparende Diuretika, die die Möglichkeit boten, gezielt verschiedene Mechanismen der Harnausscheidung zu beeinflussen. Diuretika sind bis heute ein grundlegender Bestandteil der Therapie bei Herz-, Nieren- und Lebererkrankungen.

Anwendung, Wirkung & Gebrauch

Schleifendiuretika setzen in der Henle-Schleife der Niere an und schwemmen bis zu 20 % des filtrierten Natriumchlorids aus. Im Normalfall werden über den Urin nur etwa 0,4 % des filtrierten Natriums ausgeschieden. Schleifendiuretika wie Furosemid hemmen die Rückaufnahme des Natriums aus dem Harn, wodurch mit dem Urin mehr Wasser ausgeschieden wird. Sie werden zur Behandlung von Aszites und Ödemen infolge von Herzinsuffizienz oder Leberzirrhose bzw. Nierenerkrankungen eingesetzt.

Thiazid-Diuretika erhöhen ebenfalls die Ausscheidung von Natrium über den Urin. Die kurzfristig blutdrucksenkende Wirkung beruht auf der Tatsache, dass Thiazide das Blutvolumen verringern. Langfristig haben Thiazide einen gefäßerweiternden Effekt. Mediziner empfahlen sie daher lange als erstes Mittel zur Behandlung von Bluthochdruck sowie Herzproblemen im Zusammenhang mit Bluthochdruck. Erst wenn Diuretika allein nicht genügten, kamen Medikamente wie Betablocker zum Einsatz. Heutige Leitlinien empfehlen stattdessen, die Behandlung des Bluthochdrucks von vornherein mit einer niedrig dosierten Kombination zweier Wirkstoffgruppen zu beginnen – meist einem ACE-Hemmer oder Sartan zusammen mit einem Kalziumkanalblocker oder einem Thiazid; Betablocker werden nur noch bei besonderen Begleiterkrankungen bevorzugt.

Der Begriff kaliumsparende Diuretika bezieht sich auf die Reduzierung der Natriumaufnahme in den Tubulusepithelzellen, wodurch der Kaliumspiegel gesichert wird. Sie werden häufig in Kombination mit Thiaziden eingesetzt, um einem Kaliummangel (Hypokaliämie) vorzubeugen.

Weitere Diuretika sind Carboanhydrase-Hemmer, die die Ausscheidung von Bikarbonat steigern und unter anderem beim Glaukom eingesetzt werden, osmotische Diuretika wie Mannitol, die Wasser im Harn zurückhalten (Einsatz über Infusionen z.B. bei erhöhtem Hirndruck) sowie Aldosteron-Antagonisten zum Einsatz bei Herzinsuffizienz oder Leberzirrhose.

Pflanzliche, natürliche & pharmazeutische Diuretika

In der medikamentösen Verarbeitung sind Diuretika eine chemisch heterogene Gruppe von Verbindungen, die überwiegend unmittelbar in die Rückgewinnung von Salzen und Wasser in den Nierenkanälchen eingreifen, um die Urinproduktion durch die Nieren zu regulieren.

Pflanzliche Diuretika werden teilweise als Aquaretika bezeichnet, hierzu zählen Anwendungen (häufig Tees) aus Schachtelhalm, Petersilie, Sellerie, Brennnessel oder schwarze Johannisbeere. Verschiedene Rezepturen und Anwendungsvorschriften finden sich sowohl in der Hildegard von Bingen-Medizin wie auch in der Pflanzenheilkunde. Traditionelle Kombinationspräparate mit diuretischen Wirkanteilen bestehen auch aus Bärlauch, Mistel und Weißdorn.

Homöopathische Mittel zur Förderung der Ausscheidung sind Urtica urens, Berberis, Calcium Carbonicum oder Digitalis. Kaffee, Tee sowie Alkohol wirken ebenfalls harntreibend, ihnen wird jedoch keine arzneiliche Wirkung zugeschrieben. Für die genannten homöopathischen Mittel fehlt ein über den Placeboeffekt hinausgehender Wirknachweis.

In Deutschland finden sich derzeit mehr als 100 diuretische Präparate mit unterschiedlicher Dosierung, von Generika bis hin zu Markenpräparaten wie Esidrix, Aquaphor, Hygroton oder Dytide H. Die chemisch definierten Wirkstoffe wie Furosemid, Hydrochlorothiazid oder Spironolacton sind nach der Arzneimittelverschreibungsverordnung durchweg verschreibungspflichtig; ohne Rezept erhältlich sind allein pflanzliche Zubereitungen, von denen ein Teil zudem apothekenpflichtig ist. Oftmals werden Diuretika in Form von Wassertabletten in Diätforen als Tipp zum schnellen Abnehmen empfohlen, wovon aufgrund der komplexen Wirkweise allerdings abgeraten wird.


Risiken & Nebenwirkungen

Diuretika sind im Allgemeinen sicher, können bei dauerhafter Anwendung oder Überdosierung jedoch Nebenwirkungen haben. Die häufigste Nebenwirkung von Diuretika ist in der Regel ein erhöhtes Wasserlassen.

Andere Nebenwirkungen sind eine Verminderung der Blutmenge, Störungen im Elektrolythaushalt wie Kaliummangel oder -überschuss, Hyponatriämie (zu geringer Natriumspiegel), Störungen des Säure-Basen-Haushalts (Übersäuerung oder Basenüberschuss) oder eine Überhöhung des Harnsäuregehaltes im Blut. Dies kann zu Komplikationen wie Schwindel, Kopfschmerzen, vermehrtem Durst, Muskelkrämpfen, erhöhten Cholesterinwerten, Ausschlag, Gelenkerkrankungen (Gicht), Impotenz oder Unregelmäßigkeiten bei der Menstruation führen.

Die unterschiedlichen Wirkweisen bergen verschiedene Risiken und Nebenwirkungen. Schleifendiuretika beispielsweise führen zu einer deutlichen Steigerung der Kalzium-Ausscheidung, was zu einer verminderten Knochendichte führen kann. Für Hydrochlorothiazid weist ein Rote-Hand-Brief aus dem Jahr 2018 zudem auf ein mit der Gesamtmenge der Einnahme steigendes Risiko für weißen Hautkrebs (Basalzell- und Plattenepithelkarzinom) hin.

Anwendung & Sicherheit

Diuretika werden eingesetzt, um die Ausscheidung von Wasser und Salzen über die Nieren zu erhöhen, was vor allem bei Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herzinsuffizienz, Nieren- und Lebererkrankungen notwendig ist. Die genaue Anwendung richtet sich nach der Art des Diuretikums: Thiaziddiuretika werden häufig zur Behandlung von Bluthochdruck verwendet, Schleifendiuretika sind wirksam bei akuten Flüssigkeitsansammlungen, etwa bei Lungenödemen, und kaliumsparende Diuretika verhindern einen übermäßigen Kaliumverlust.

Die Dosierung erfolgt individuell nach Krankheitsbild und Nierenfunktion des Patienten. Die Behandlung sollte regelmäßig überwacht werden, um Nebenwirkungen wie Elektrolytstörungen (z. B. Kaliummangel), Dehydration oder Nierenfunktionsstörungen zu verhindern. Besonders gefährlich kann eine falsche Anwendung bei älteren Menschen oder Patienten mit bereits geschädigter Nierenfunktion sein.

Die Sicherheit der Anwendung von Diuretika hängt maßgeblich von der Überwachung durch den Arzt ab, der regelmäßig Blutwerte kontrolliert und den Elektrolyt- sowie Flüssigkeitshaushalt beobachtet. Bei unsachgemäßer Anwendung können ernsthafte Nebenwirkungen wie Herzrhythmusstörungen auftreten.

Die Qualitätskontrolle bei der Herstellung von Diuretika unterliegt strengen pharmazeutischen Vorschriften. Hersteller müssen sicherstellen, dass die Medikamente den Good Manufacturing Practices (GMP) entsprechen, was regelmäßige Überprüfungen und Tests auf Reinheit, Wirksamkeit und Stabilität der Wirkstoffe umfasst. Dies gewährleistet, dass Diuretika sicher und wirksam sind, bevor sie in den Handel gelangen.

Alternativen

Zu Diuretika gibt es verschiedene alternative Medikamente, die je nach Erkrankung und Ziel der Therapie eingesetzt werden können. Bei der Behandlung von Bluthochdruck sind ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptorblocker (ARBs) gängige Alternativen. Diese Medikamente wirken, indem sie die Blutgefäße erweitern und so den Blutdruck senken, ohne die Harnausscheidung zu erhöhen. Sie bieten den Vorteil, dass sie den Elektrolythaushalt weniger beeinflussen als Diuretika, sind aber nicht immer so effektiv bei der Beseitigung von Flüssigkeitsansammlungen.

Betablocker sind eine weitere Option bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sie verlangsamen die Herzfrequenz und senken den Blutdruck, eignen sich jedoch nicht zur Behandlung von Flüssigkeitsansammlungen, die Diuretika gezielt adressieren.

Bei Herzinsuffizienz können Aldosteronantagonisten wie Spironolacton eingesetzt werden. Sie sind keine Alternative zu den Diuretika, sondern gehören selbst zu den kaliumsparenden Diuretika; sie blockieren zusätzlich die Wirkung des Hormons Aldosteron, was bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz hilfreich ist.

Alternativ können Herzglykoside wie Digitalis verwendet werden. Sie wirken primär auf die Herzfunktion und kaum auf den Flüssigkeitshaushalt. Früher breit eingesetzt, kommen sie heute vor allem noch zum Einsatz, wenn sich die Herzfrequenz bei Vorhofflimmern anders nicht ausreichend senken lässt; bei Herzinsuffizienz im Sinusrhythmus gelten sie nur noch als nachrangige Zusatzoption.

Im Vergleich zu den stark ausschwemmenden Schleifen- und Thiaziddiuretika greifen die übrigen genannten Mittel auf andere Mechanismen zurück. Sie sind oft besser geeignet für Patienten, die Probleme mit Elektrolytstörungen haben, jedoch weniger effektiv bei der Behandlung von Ödemen.

Forschung & Zukunft

Aktuelle Trends in der Forschung zu Diuretika konzentrieren sich auf die Verbesserung der Wirksamkeit und Verträglichkeit sowie die Entwicklung neuer Behandlungsansätze, um Nebenwirkungen zu minimieren. Ein wesentlicher Forschungsansatz besteht darin, Diuretika zu optimieren, um gezielter auf bestimmte Nierensegmente zu wirken, was eine präzisere Regulation des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts ermöglichen soll. Besonders bei Schleifendiuretika wird daran gearbeitet, deren Wirkung besser steuerbar zu machen, um Elektrolytstörungen, insbesondere Kalium- und Magnesiumverlust, zu verhindern.

Ein weiterer Trend ist die Erforschung von kombinierten Diuretika-Therapien, bei denen verschiedene Diuretikaklassen gleichzeitig verwendet werden, um die positiven Effekte zu verstärken und gleichzeitig die Nebenwirkungen zu reduzieren. Dies betrifft vor allem Kombinationen von Schleifen- und Thiaziddiuretika sowie kaliumsparenden Diuretika, die zusammen das Risiko eines Elektrolytverlustes verringern können.

Ein vielversprechender neuer Behandlungsansatz ist die Erforschung von Vaptanen, die gezielt auf das Hormon Vasopressin wirken. Diese Substanzen fördern die Wasserausscheidung, ohne den Elektrolythaushalt zu beeinflussen, was besonders bei Patienten mit Herzinsuffizienz oder Leberzirrhose von Vorteil ist. Mit Tolvaptan ist ein Vertreter dieser Gruppe in Europa bereits zugelassen.

Darüber hinaus werden SGLT2-Inhibitoren untersucht, die ursprünglich zur Behandlung von Diabetes entwickelt wurden, aber auch eine diuretische Wirkung haben. Diese Medikamente zeigen Potenzial, Herz- und Nierenfunktion zu verbessern, indem sie die Ausscheidung von Glukose und Wasser über die Nieren erhöhen. Für die chronische Herzinsuffizienz sind Dapagliflozin und Empagliflozin inzwischen zugelassen.

Wechselwirkungen mit anderen Blutdrucksenkern

Bei Bluthochdruck und Herzschwäche stehen Diuretika selten allein. Die Mittel, mit denen sie kombiniert werden, greifen überwiegend in denselben Regelkreis ein: ACE-Hemmer, Angiotensin-II-Rezeptorblocker und die Wirkstoffkombination aus Sacubitril und Valsartan bremsen das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System, jenes Hormonsystem, mit dem der Körper Salz- und Wasserbestand und damit auch den Blutdruck nachregelt. Genau dieses System läuft an, wenn ein Diuretikum dem Körper Salz und Wasser entzieht – wird es zugleich gehemmt, fällt die Gegenregulation weg und beide Wirkungen verstärken sich. Die Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische Herzinsuffizienz führt Diuretika, ACE-Hemmer, Angiotensin-II-Rezeptorblocker, Sacubitril/Valsartan und Aldosteron-Antagonisten deshalb gemeinsam unter denjenigen Wirkstoffklassen auf, bei denen Blutsalze und Nierenwerte im Verlauf regelmäßig zu bestimmen sind. Für die Aldosteron-Antagonisten sieht sie dabei die kürzesten Abstände vor, bei eingeschränkter Nierenfunktion und bei älteren Menschen zusätzlich verkürzt.

Der Grund dafür liegt in einer Wechselwirkung, die sich aus der Wirkweise der beteiligten Gruppen zwangsläufig ergibt. Schleifen- und Thiaziddiuretika drücken den Kaliumspiegel nach unten – deshalb werden sie mit kaliumsparenden Mitteln kombiniert. Aldosteron-Antagonisten wie Spironolacton und Eplerenon und die Hemmstoffe des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems greifen dagegen an verschiedenen Stellen desselben Hormonwegs an und ziehen den Wert nach oben. Wo mehrere dieser Mittel zusammenkommen, kann er über den Normbereich hinaus ansteigen, statt zu fallen – die Gefahr kehrt sich also um. Die genannte Leitlinie bezeichnet Hyperkaliämien unter Aldosteron-Antagonisten als erhebliche Einschränkung der Therapiesicherheit im Alltag und beziffert ihre Häufigkeit in den großen Studien mit einigen wenigen bis knapp einem Zehntel der Behandelten, in Auswertungen der Versorgungswirklichkeit mit deutlich mehr. Dass sich zwei Wirkstoffe derselben Gruppe unterschiedlich verhalten können, zeigt eine andere unerwünschte Wirkung: Die unter Spironolacton häufiger zum Therapieabbruch führende Gynäkomastie, also die Vergrößerung der Brustdrüse beim Mann, trat unter Eplerenon nicht häufiger auf als unter Scheinmedikament.

In die entgegengesetzte Richtung wirken Schmerz- und Entzündungshemmer vom Typ der nichtsteroidalen Antirheumatika, etwa Ibuprofen, Diclofenac oder die selektiven COX-2-Hemmer. Sie führen zu Salz- und Wasserrückhalt, erhöhen den Gefäßwiderstand im Kreislauf und schwächen die Wirkung von Diuretika ab; die Leitlinie führt sie deshalb unter den bei Herzschwäche potenziell problematischen Arzneimitteln. Praktisch bedeutsam ist das vor allem, weil ein Teil dieser Mittel rezeptfrei erhältlich ist und in Eigenregie eingenommen wird, ohne dass die behandelnde Praxis davon erfährt. Die Leitliniengruppe empfiehlt Ärztinnen und Ärzten daher ausdrücklich, den Gebrauch solcher Schmerzmittel gezielt zu erfragen und, wo eine Schmerzbehandlung nötig ist, auf andere Substanzen auszuweichen.

Wie stark diese Zusammenhänge ins Gewicht fallen, hängt vom Lebensalter ab. Die Leitliniengruppe benennt für ältere und mehrfach erkrankte Menschen eine Reihe von Belastungen, die sich aus einer stark ausschwemmenden Behandlung ergeben können: Harninkontinenz, ein zu niedriger Blutdruck mit erhöhter Sturzgefahr und Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit als Folge eines Flüssigkeitsmangels. Sie hält im selben Atemzug fest, dass es im Versorgungsalltag umgekehrt auch zur Untertherapie gerade dieser Gruppe kommt, obwohl auch sie von einer leitliniengerechten Behandlung profitiert. Beides zusammengenommen erklärt, warum die Auswahl und die Abstimmung der Mittel bei älteren Menschen mehr Aufwand verlangen als eine Entscheidung nach Diagnose allein.

Quellen

  • Kuhlmann, U., Böhler, J., Luft, F. C., et al. (Hrsg.): Nephrologie.
    ISBN: 9783131572868
  • Marx, N., Erdmann, E. (Hrsg.): Klinische Kardiologie.
    ISBN: 9783662629314
  • Geisslinger, G., Gudermann, T., Hinz, B., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
    ISBN: 9783804746541
  • Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., et al. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
    ISBN: 9783437061257
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655

Das könnte Sie auch interessieren