Gliedergürteldystrophie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 19. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die Gliedergürteldystrophie ist eine Gruppe von Myopathien des Gliedergürtels. Die Erkrankungen werden durch genetische Mutationen verursacht und gelten als unheilbar. Das Ziel ist eine Aufrechterhaltung der Mobilität durch Physio- und Ergotherapie.
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Was ist eine Gliedergürteldystrophie?
Der Schultergürtel und der Beckengürtel bilden gemeinsam den Gliedergürtel. Als Gliedergürteldystrophie wird demnach eine Gruppe von Myopathien des Becken- und Schultergürtels bezeichnet, die mit Lähmungserscheinungen in diesen Bereichen einhergehen. Die Myopathien sind Muskelerkrankungen der quergestreiften Skelettmuskulatur.
Neben den Muskellähmungen stellen sich im Rahmen der myopathischen Gliedergürteldystrophie die typischen Symptome einer Muskeldystrophie ein. Muskeldystrophien manifestieren sich in Umbauprozessen innerhalb des Muskelgewebes. Die Krankheiten aus der Gruppe der Gliedergürteldystrophie sind genetisch bedingt und weisen klinisch, sowie genetisch Heterogenität auf. Zur Ursache haben sie unterschiedliche Genmutationen.
Einige Erkrankungen aus der Gruppe gehen auch auf die gleichen Genmutationen zurück, zeigen klinisch aber ein variables Bild. Von den Muskeldystrophien vom Typ Duchenne und Becker-Kiener unterscheidet sich die Gliedergürteldystrophie dadurch, dass sie nicht X-chromosomal vererbt wird und Jungen wie Mädchen gleichermaßen betreffen kann; von der fazioskapulohumeralen Muskeldystrophie grenzt sie sich dadurch ab, dass das Gesicht in der Regel ausgespart bleibt. Der Krankheitsbeginn einer Gliedergürteldystrophie kann bereits im Kleinkindalter liegen. Ebenso gut kann sich die Dystrophie erst im hohen Erwachsenenalter manifestieren. Neben milden Verläufen wurden schwere Verläufe der Gliedergürteldystrophien beobachtet. Bei den Erkrankungen handelt es sich insgesamt um extrem seltene Erkrankungen, deren Prävalenz geschätzt etwa zwischen einem Fall unter 14500 und einem Fall unter 123000 liegt.
Ursachen
Jede Erkrankung aus der Gruppe der Gliedergürteldystrophien geht auf eine genetische Mutation zurück. Autosomal-dominante Formen der Erkrankung sind vergleichsweise selten und kommen erst im Erwachsenenalter zur Manifestation. Diesen Formen der Erkrankung können verschiedene Mutationen zugrunde liegen, so zum Beispiel solche im LGMD1A-Gen auf Locus 5q22–q34, im LGMD1B-Gen auf Locus 1q22, im LGMD1C-Gen auf Locus 3p25.3 oder im LGMD1D-Gen mit dem Locus 6q23.
Auch Mutationen im LGMD1E-Gen, im LGMD1F-Gen, im LGMD1G-Gen und im LGMD1H-Gen auf Locus 3p25.1-p23 können ursächlich sein. Die autosomal-rezessive Form der Erkrankungen manifestiert sich zum Teil schon im frühen Kindesalter und besitzt meist einen schwereren Verlauf. Die ursächlichen Mutationen reichen vom LGMD2A- über das LGMD2B-, das LGMD2C-, das LGMD2D-, das LGMD2E- und das LGMD2F-Gen bis hin zum LGMD2G-, LGMD2H- , LGMD2I- , LGMD2J- und LGMD2K-Gen. Darüber hinaus wurden bei einigen Patienten ursächliche Mutationen im LGMD2M-, LGMD2N-, LGMD2O-, LGMD2P- , LGMD2Q- und LGMD2R-Gen gefunden. Ebenso gut kann eine Gliedergürteldystrophie auf Mutationen in den LGMD2S-, LGMD2T-, LGMD2U-, LGMD2V- oder LGMD2W-Genen zurückgehen. Die von den einzelnen Genen codierten Genprodukte reichen von Proteinen bis zu Enzymen. Sie an dieser Stelle alle aufzuführen, würde den Rahmen des Artikels sprengen.
Lange Zeit wurden die Unterformen nach diesem Schema als LGMD1 (autosomal-dominant) und LGMD2 (autosomal-rezessiv) durchnummeriert. Seit einer internationalen Neuordnung im Jahr 2018 werden sie stattdessen als LGMD D für die dominanten und LGMD R für die rezessiven Formen bezeichnet, jeweils mit einer laufenden Nummer und dem Namen des betroffenen Gens oder Genprodukts. Aus der LGMD2A wurde auf diese Weise die LGMD R1 Calpain-3-bedingt, aus der LGMD2I die LGMD R9 FKRP-bedingt. In älteren Befunden und Arztbriefen begegnet Betroffenen daher häufig noch die alte Bezeichnung.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Die Symptome einer Gliedergürteldystrophie hängen im Einzelfall vom mutierten Gen und dessen Genprodukt ab. Bei annähernd jeder Erkrankung aus der übergeordneten Gruppe treten allerdings Lähmungen der Muskeln am Gliedergürtel ein, die in ihrem Schweregrad abhängig von der Mutation variieren können. Bei einigen Gliedergürteldystrophien besteht lediglich eine Muskelschwäche des Gliedergürtels.
Bei anderen treten schwere Lähmungen ein, die zum Teil auch das Gesicht oder die Beine betreffen können. Im Alltag zeigt sich die Schwäche des Beckengürtels zuerst beim Treppensteigen, beim Aufstehen aus dem Sitzen und an einem watschelnden Gangbild. Kennzeichnend ist das sogenannte Gowers-Zeichen: Um sich vom Boden aufzurichten, stützen sich die Betroffenen mit den Händen an den eigenen Oberschenkeln ab und „klettern“ an sich selbst hoch. Bei einer Reihe von Unterformen ist zusätzlich der Herzmuskel an der Symptomatik beteiligt. Gerade wenn die Gliedergürteldystrophie bereits im frühen Kindesalter ihren Anfang nimmt, ist die motorische Entwicklung der Patienten meist gestört. Die Muskelschwächen und Lähmungen können mit Krämpfen vergesellschaftet sein.
In einigen Fällen tritt außerdem Muskelzerfall auf. Auch Muskelschmerzen sind bei vielen Unterarten der Erkrankung ein charakteristisches Phänomen. Bei bestimmten Mutationen können die Symptome der Gliedergürteldystrophie mit den Symptomen einer mentalen Retardierung vergesellschaftet sein. Ob eher das Becken, die Beine, die Waden oder der Schulterbereich von Symptomen wie der Muskelschwäche betroffen sind, hängt von der ursächlichen Mutation im Einzelfall ab.
Diagnose & Verlauf
Bei der Diagnostik der Gliedergürteldystrophie ereilt den Arzt anamnetisch vermutlich ein erster Verdacht. Im Rahmen der Abklärung veranlasst er in der Regel eine Elektromyografie, die unspezifische Hinweise auf chronische Schädigungen der Muskeln erbringt. Bildgebungen wie die Computertomografie und die Magnetresonanztomografie eignen sich zur näheren Darstellung befallener Muskelgruppen.
Labordiagnostisch kann eine Erhöhung der Creatinkinase für die Dystrophie sprechen. Die Verdachtsdiagnose wird in den meisten Fällen im Rahmen einer immunhistochemischen oder molekulargenetischen Untersuchung der Muskelbiopsie gesichert. Durch die molekulargenetische Analyse lässt sich zusätzlich eingrenzen, um welche Erkrankung aus der Gruppe der Gliedergürteldystrophien es sich handelt.
Lange Zeit stand dabei die Muskelbiopsie am Anfang der Abklärung. Heute wird stattdessen zuerst eine genetische Untersuchung mehrerer infrage kommender Gene in einem Arbeitsgang bevorzugt, ein sogenanntes Gen-Panel; die Biopsie ist dadurch in den Hintergrund getreten und dient vor allem noch der Einordnung unklarer genetischer Befunde. Zur Erstdiagnostik gehören außerdem von Anfang an eine Untersuchung des Herzens mit EKG und Echokardiografie sowie eine Lungenfunktionsprüfung, weil eine Beteiligung von Herzmuskel und Atemmuskulatur lange unbemerkt bleiben kann. Die Prognose hängt von der ursächlichen Genmutation und dem Manifestationsalter ab.
Je früher die Manifestation, desto ungünstiger ist meist die Prognose. Außerdem verschlechtert die Beteiligung des Herzmuskels die Prognose stark. Die Gehfähigkeit bleibt bei einigen Untergruppen der Dystrophie bis etwa 25 Jahre nach Krankheitsbeginn erhalten. In einigen Fällen geht die Wissenschaft auch von einem individuellen Verlauf aus, der sogar eine längere Gehfähigkeit verspricht. In anderen Fällen gilt ein frühzeitig letaler Verlauf.
Komplikationen
Unter der Gliedergürteldystrophie wird eine genetisch bedingte Muskelerkrankung verstanden, die sich fortschreitend entwickelt. Die Erkrankung befällt die Muskulatur des Schulter- und Beckengürtels. Dieser sogenannte Gliedergürtel besteht aus quergestreifter Skelettmuskulatur, welche den Bewegungsapparat stützt. Mit Fortschreiten der Erkrankung wird der Bewegungsapparat zunehmend ausgeschaltet und es kommt zu schwerwiegenden Komplikationen.
Unter anderem entstehen Muskellähmungen, die sich nicht nur auf die Extremitäten beschränken, sondern auch das Gesicht und die Sprechmotorik betreffen können. Für den Patienten wirkt sich eine Gliedergürteldystrophie als sehr lebenseinschränkend aus. Bricht die Erkrankung im Kindesalter aus, kann sie sogar die Aktivität des Herzmuskels sowie die motorische Entwicklung negativ beeinflussen. Als Begleiterscheinung treten Krämpfe, Muskelschmerzen, Muskelzerfall und Gehverlust auf.
Die folgenschwersten Komplikationen betreffen jedoch nicht die Beweglichkeit, sondern Herz und Atmung: Bei mehreren Unterformen entwickelt sich eine Kardiomyopathie oder eine Störung der Reizleitung am Herzen, und die Schwäche des Zwerchfells führt zu einer nächtlichen Unterbelüftung mit morgendlichen Kopfschmerzen und Tagesmüdigkeit. Beides bleibt oft lange unbemerkt, ist aber behandelbar – deshalb gehören regelmäßige Herz- und Lungenfunktionskontrollen auch dann dazu, wenn die Betroffenen noch gut zurechtkommen.
Eine frühzeitig erstellte Diagnostik kann die Art der Mutation bestimmen und auch, ob sich die Erkrankung verstärkt auf den unteren oder den oberen Körperbereich niederschlägt. Durchaus gibt es Patienten, deren gesamter Körper von der Erkrankung befallen wird. Je zügiger daher eine Gliedergürteldystrophie festgestellt wird, umso effektiver kann die medizinische Therapie ansetzen.
Heilbar ist die Krankheit bislang nicht. Einzig der Verlauf und eine gewisse Mobilität können durch gezielte ergo- und physiotherapeutische Maßnahmen beeinflusst werden. Nach Ausbruch der Krankheit bleiben dem Patienten zumeist etwa 25 Jahre, bis der völlige Gehverlust eintritt.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Menschen, die an Lähmungserscheinungen leiden, sollten grundsätzlich einen Arzt aufsuchen. Ist innerhalb der Familie die Gliedergürteldystrophie bereits bei anderen Angehörigen diagnostiziert worden, sollte ein Arzt zur Abklärung konsultiert werden. Sind die Schultern oder das Becken beeinträchtigt, wird Hilfe benötigt.
Kommt es zu Einschränkungen der Bewegung, einer verminderten Leistungsfähigkeit oder können alltägliche Aktivitäten nicht mehr wie gewohnt ausgeführt werden, wird Hilfe benötigt. Bei Gangunsicherheiten, einer erhöhten Unfallgefahr oder einem Verlust der üblichen Mobilität ist ein Arztbesuch erforderlich. Anlass zur Besorgnis besteht ebenfalls bei Beschwerden des Herzmuskels. Kommt es zu Störungen des Herzrhythmus, einer erhöhten Müdigkeit oder Benommenheit, muss ein Arzt konsultiert werden. Muskelschwäche oder Krampfbildungen am Körper gelten als ungewöhnlich und sind ärztlich abzuklären. Ohne Aufschub ärztlich abgeklärt gehören außerdem Atemnot bei geringer Belastung, Herzstolpern, kurze Ohnmachten sowie morgendliche Kopfschmerzen mit ausgeprägter Tagesmüdigkeit, denn dahinter können eine Beteiligung des Herzens oder eine Schwäche der Atemmuskulatur stehen.
Breiten sich die Beschwerden weiter in die Beine, die Waden oder das Gesicht aus, sollte ein Arztbesuch erfolgen. Leidet der Betroffene neben den körperlichen Beeinträchtigungen unter psychischen Beschwerden, ist die Unterstützung eines Therapeuten in Anspruch zu nehmen.
Bei Ängsten, einem phobischen Auftreten, vermindertem Selbstwertgefühl oder einem sozialen Rückzug sollte die Rücksprache mit einem Arzt oder Therapeuten gesucht werden. Verhaltensauffälligkeiten, eine Änderung der Persönlichkeit, Teilnahmslosigkeit, der anhaltende Verlust der Lebensfreude oder eine Apathie sind Gründe für die Konsultation eines Therapeuten.
Behandlung & Therapie
Eine kausale Therapie steht für Patienten der Gliedergürteldystrophie nicht zur Verfügung. Auch etablierte symptomatische Therapien mittels Medikamentengaben sind bislang für keine der Gliedergürteldystrophien bekannt. Physiotherapeutische Maßnahmen bilden den Fokus der symptomatischen Therapie und sollen die verbliebene Muskelkraft erhalten.
In ergotherapeutischer Betreuung werden die Patienten außerdem in Alltagsbewegungen trainiert, um Stürze und Kontrakturen zu vermeiden. Maximales Krafttraining wirkt sich ungünstig auf den Verlauf aus und sollte vermieden werden. Sobald es notwendig wird, werden die Patienten mit Hilfsmitteln in Form von Orthesen, Gehstöcken oder eines Rollators versorgt. Die sachgerechte Nutzung dieser Hilfsmittel erlernen sie im Rahmen der Ergotherapie.
Ab einem gewissen Stadium der Erkrankung ist der Rollstuhl meist unausweichlich. Auch Rollstuhltraining kann im Rahmen der krankengymnastischen Betreuung stattfinden. Wenn die Patienten aufgrund der Erkrankung Fehlstellungen entwickeln, kommen operative Behandlungsmaßnahmen zur Wiederherstellung der Gehfähigkeit infrage. Sobald sich eine Beeinträchtigung der Sprechmotorik einstellt, erhalten die Betroffenen gegebenenfalls logopädische Behandlung.
Wenn die Patienten durch bestimmte Lebensumstände oder Operationen längere Zeit immobil sind, verlieren sie ihre verbliebene Gehfähigkeit oft vollständig. Daher sollten immobile Phasen weitestgehend vermieden werden. Falls eine Beteiligung des Herzmuskels vorliegt, kann zum Beispiel eine Behandlung von Reizleitungsstörungen stattfinden; je nach Befund kommen dabei herzentlastende Medikamente oder ein Herzschrittmacher beziehungsweise ein implantierbarer Defibrillator zum Einsatz. Bei einer Schwäche der Atemmuskulatur entlastet eine nächtliche Maskenbeatmung, die die Betroffenen zu Hause anwenden.
Aussicht & Prognose
Die Aussichten lassen sich als durchwachsen bezeichnen. Die medizinische Wissenschaft hat bisher kein Verfahren entwickelt, um die Erkrankung der Schulter- und Beckengürtelmuskulatur zu verhindern. Die Gliedergürteldystrophie ist bislang nicht heilbar.
Die Bewahrung der Mobilität kann allerdings durch ergo- und physiotherapeutische Maßnahmen gefördert werden. Im günstigsten Fall bleiben dem Patienten dann etwa 25 Jahre, bis sich der Gehverlust einstellt. Eine frühzeitige Diagnose lässt Ärzten und Therapeuten viel Spielraum, um ein Fortschreiten der Erkrankung einzudämmen.
Eine weniger gute Prognose ergibt sich meist für Erkrankte, bei denen die typischen Symptome im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert werden. Lähmungen und Muskelschmerzen verweisen hierauf. Zu Komplikationen führt regelmäßig die Erkrankung der Herz- und Atemmuskulatur. Bei vielen Unterformen ist die Lebenserwartung normal oder nur wenig verkürzt; sind jedoch Herzmuskel oder Atemmuskulatur beteiligt und bleibt dies unbehandelt, verkürzt sich der Lebenszeitraum erheblich.
Zu den Aussichten bei der Diagnose Gliedergürteldystrophie gehört auch ein Blick auf die Lebensumstände. Betroffene müssen sich über kurz oder lang darauf einstellen, Hilfsmittel in Anspruch zu nehmen. Anfangs kommen Patienten noch mit einem Gehstock aus. Entwickelt sich die Erkrankung weiter, ist die Nutzung eines Rollstuhls unausweichlich. Auch bei schwächeren Ausprägungen sind Einschränkungen im Alltag üblich. Die Lebensqualität bewegt sich auf einem geringen Niveau.
Vorbeugung
Der Gliedergürteldystrophie lässt sich bisher allenfalls im Rahmen von genetischer Beratung während der Familienplanung vorbeugen.
Nachsorge
Bei einer Gliedergürteldystrophie stehen dem Betroffenen kaum Maßnahmen oder Möglichkeiten einer Nachsorge zur Verfügung. In der Regel kann diese Krankheit nicht vollständig geheilt werden, da es sich dabei um eine genetisch bedingte Erkrankung handelt, sodass diese nur rein symptomatisch und nicht kausal behandelt werden kann. Aus diesem Grund ist vor allem eine frühzeitige Diagnose sehr wichtig, damit es nicht zu weiteren Komplikationen oder Beschwerden kommt.
In der Regel wirkt sich dabei immer eine frühzeitige Diagnose positiv auf den weiteren Verlauf der Gliedergürteldystrophie aus. Die Behandlung erfolgt dabei mit Hilfe von Maßnahmen der Krankengymnastik oder der Physiotherapie. Dadurch kann die Beweglichkeit des Betroffenen wieder gesteigert werden. In vielen Fällen kann der Betroffene die Übungen aus diesen Therapien auch im eigenen Zuhause selbst durchführen. Fester Bestandteil der Nachsorge sind darüber hinaus wiederkehrende Kontrollen von Herz und Lungenfunktion, üblicherweise einmal jährlich, weil sich eine Beteiligung dieser Organe schleichend und ohne deutliche Beschwerden entwickeln kann.
Auch die Hilfe und die Pflege durch die eigene Familie und durch Freunde und Bekannte kann den Alltag des Betroffenen deutlich erleichtern. Dabei wirkt sich meist auch der Kontakt zu anderen Patienten der Gliedergürteldystrophie positiv auf den Verlauf der Krankheit aus, sodass es zu einem Austausch an Informationen kommt. Die Lebenserwartung des Betroffenen wird durch die Krankheit meist nicht verringert.
Das können Sie selbst tun
Die Patienten begegnen den Einschränkungen ihrer Beweglichkeit durch die Gliedergürteldystrophie mit Eigeninitiative und führen krankengymnastische Übungseinheiten auch zu Hause durch.
Die entsprechenden Trainingsmöglichkeiten üben sie zunächst mit einem Physiotherapeuten ein, in dessen Behandlung sie sich üblicherweise fortwährend befinden. Die zusätzliche Durchführung von maßvoll kräftigenden Übungen zu Hause verbessert die Mobilität und steigert damit zu einem gewissen Grad die generelle Lebensqualität. Belastungen bis zur Erschöpfung sind dabei zu meiden, da starkes Krafttraining den Verlauf ungünstig beeinflusst.
Sind die Einschränkungen der Beweglichkeit zu gravierend, kommen zur Unterstützung diverse Gehhilfen zum Einsatz. Diese verwenden die Patienten auch zu Hause sowie bei Aktivitäten außerhalb und erleichtern sich damit die Fortbewegung erheblich.
Zudem beugen sie damit bestimmten Unfällen und Verletzungen vor, da die Gehhilfen mehr Sicherheit während der Bewegung bieten. Grundsätzlich achten die Patienten mit Gliedergürteldystrophie darauf, sich nicht zu überlasten und ausreichende Ruhephasen einzuhalten, damit keine Überanstrengung der Muskeln entsteht.
Falls ein operativer Eingriff notwendig ist, tragen die Patienten im Anschluss selbst dazu bei, rasch wieder diverse Bewegungsabläufe zu trainieren. Diese Übungen erfolgen in Absprache mit dem Arzt und reduzieren nach der Operation das Risiko, die Fähigkeit zum Gehen gänzlich zu verlieren. In diesem Zusammenhang beginnt kurz nach dem Eingriff die physiotherapeutische Behandlung, deren Erfolg der Patient durch Eigeninitiative fördert.
Quellen
- Sieb, J. P., Schrank, B.: Neuromuskuläre Erkrankungen.
ISBN: 9783170183810
- Jerusalem, F., Zierz, S. (Hrsg.): Muskelerkrankungen.
ISBN: 9783135678047
- Berlit, P. (Hrsg.): Klinische Neurologie.
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- Masuhr, K. F., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie.
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- Hacke, W. (Hrsg.): Neurologie.
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