Nierenentzündung

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 20. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

Sie sind hier: Startseite Krankheiten Nierenentzündung

Der Begriff Nierenentzündung beziehungsweise Glomerulonephritis umfasst mehrere Erkrankungen der Niere. Dabei kommt es bei allen Formen der Nierenentzündung zu Störungen und Entzündungen des Nierengewebes bzw. der Nierenrinde. Die häufigste Ursache für Nierenentzündungen sind Autoimmunreaktionen des körpereigenen Immunsystems.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Nierenentzündung?

Nierenentzuendung
Eine akute Nierenentzündung äußert sich zunächst durch ein scheinbar plötzlich auftretendes Krankheitsgefühl. Begleitend dazu stellen sich Symptome wie Appetitlosigkeit, Abgeschlagenheit oder Fieber ein.
© Romario Ien – stock.adobe.com

Unter dem Begriff Nierenentzündung sind im Allgemeinen eine Reihe verschiedener Erkrankungen zusammengefasst. Sie haben alle eine Gemeinsamkeit: Im Sinne einer Autoimmunreaktion entzündet sich ein Teil des Nierengewebes – die Nierenrinde.

Nierenentzündung ist also vom Begriff her keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Sammelbegriff für eine Symptomatik bei verschiedenen Erkrankungen, an denen die Nieren beteiligt sind.

Folgende Krankheiten gehören zu den Nierenentzündungen:

  • akute Glomerulonephritis
  • rasch fortschreitende (progrediente) Glomerulonephritis (RPGN)
  • nephritisches Syndrom
  • chronische Glomerulonephritis

Umgangssprachlich werden mit "Nierenentzündung" allerdings noch zwei weitere Krankheiten bezeichnet, die mit der Glomerulonephritis nicht verwechselt werden dürfen. Die interstitielle Nephritis ist eine Entzündung des Nierenzwischengewebes; sie wird meist durch Medikamente ausgelöst – vor allem durch entzündungshemmende Schmerzmittel, bestimmte Antibiotika und Magensäureblocker – und klingt oft wieder ab, sobald das auslösende Mittel abgesetzt wird. Die Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) wiederum ist eine bakterielle Infektion und wird mit Antibiotika behandelt.

Weil sich die Behandlungen dieser Formen grundlegend unterscheiden – Immunsuppression bei der Glomerulonephritis, Absetzen des Auslösers bei der interstitiellen Nephritis, Antibiotika bei der Nierenbeckenentzündung –, muss zuerst geklärt werden, welche Form vorliegt. Dieser Artikel beschreibt in erster Linie die Glomerulonephritis.

Die Nierenentzündung ist eine zunächst "lautlose" Erkrankung, da sie zumeist keine Schmerzen verursacht. Doch da beide Nieren betroffen sind und diese ggf. ihre Filterfunktion des Blutes nicht mehr wahrnehmen können (Nierenversagen droht), kann die Nierenentzündung eine durchaus schwere Erkrankung sein.

Ursachen

Die eigentliche Ursache der Nierenentzündung ist eine Fehlreaktion des Immunsystems (Autoimmunreaktion) auf eine bestehende Erkrankung. Bei dieser greift das Immunsystem, im Sinne von Abwehr, körpereigene Strukturen an – in diesem Fall Teile der Niere.

Auslöser sind zum Beispiel abgelaufene Infektionen, allen voran mit Streptokokken, Autoimmunerkrankungen wie der Lupus erythematodes oder Gefäßentzündungen (Vaskulitiden). Seelische Belastung oder Stress lösen dagegen keine Nierenentzündung aus.

Den weiter oben genannten Erkrankungen, welche alle unter den Begriff Nierenentzündung (Glomerulonephritis) fallen, ist eines gemeinsam: Bei einer Nierenentzündung liegt eine Entzündung der Nierenrinde vor – also der äußeren Nierenschicht. Betroffen sind vor allem die Filterzellen in den Nierenkörperchen (Glomeruli), die dadurch ihre Filterfunktion des Blutes nicht mehr genügend gut wahrnehmen können.

Abgrenzbar gegen durch Bakterien verursachte Entzündungen der Niere, z.B. im Verlauf einer unbehandelten Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis), ist die Glomerulonephritis, weil ihre Entzündungen durchweg nicht eitrig sind und beidseitig auftreten. Das heißt, beide Nieren sind betroffen. Die Nierenentzündung verläuft außerdem zumeist schmerzlos – sie wird deshalb häufig lange nicht oder nur durch Zufall entdeckt. Doch die Nieren sind lebenswichtige Organe. Sehr wichtig ist daher eine schnelle Diagnosestellung und Behandlung einer Nierenentzündung!

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Viele Nierenentzündungen verlaufen völlig schmerzlos und fallen erst durch auffällige Urin- oder Blutwerte auf. Die im Folgenden beschriebenen Beschwerden treten vor allem bei akuten und bei infektbedingten Verläufen auf.

Eine akute Nierenentzündung äußert sich zunächst durch ein scheinbar plötzlich auftretendes Krankheitsgefühl. Begleitend dazu stellen sich Symptome wie Appetitlosigkeit, Abgeschlagenheit oder Fieber ein. Außerdem kann es zu Schüttelfrost, einem erhöhten Puls und weiteren Herz-Kreislauf-Beschwerden kommen. Typisch sind dumpfe, meist pochende Schmerzen im seitlichen Oberbauch.

Die eigentlichen Leitbefunde der Glomerulonephritis zeigen sich jedoch nicht als Beschwerden, sondern im Urin: Blut und Eiweiß werden ausgeschieden. Der Urin ist dann bräunlich wie Cola verfärbt oder schäumt auffällig stark. Dazu kommen Wassereinlagerungen, die sich morgens zuerst an den Augenlidern und im Tagesverlauf an den Unterschenkeln zeigen, sowie ein neu aufgetretener oder plötzlich schlecht einstellbarer Bluthochdruck. Diese drei Zeichen zusammen – Blut im Urin, Wassereinlagerungen und Bluthochdruck – sind der wichtigste Hinweis auf eine Nierenentzündung.

Die Anzeichen einer Blasenentzündung – also Schmerzen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang und Unterleibsschmerzen – gehören dagegen nicht zur Glomerulonephritis; sie sprechen für einen Harnwegsinfekt, der anders behandelt wird. Gelegentlich treten die Beschwerden einer Nierenentzündung schleichend auf und gehen mit weiteren Symptomen einher. Dann kann es zu Kopfschmerzen, Gewichtsverlust und Bauchschmerzen kommen.

Die chronische Form der Nierenentzündung entwickelt sich oft im Verlauf von Monaten oder Jahren. Die Betroffenen bemerken eine zunehmende Abgeschlagenheit, oft begleitet durch Rückenschmerzen, Irritationen des Magen-Darm-Traktes sowie Übelkeit und Erbrechen. Langfristig kommt es zu einer Gewichtsabnahme und Mangelerscheinungen.

Als Folge der gestörten Blutbildung kann sich eine Blutarmut entwickeln, welche sich ebenfalls durch Mangelsymptome wie Mattigkeit, Leistungsschwäche und blasse Haut äußert. Eine chronische Glomerulonephritis zeigt sich zudem durch rötlich bis bräunlich gefärbten oder auffällig schäumenden Urin. In den fortgeschrittenen Stadien wird nur noch wenig Urin ausgeschieden, wodurch sich Wasser im Körper staut und der Blutdruck steigt. Wird die Nierenentzündung umfassend behandelt, klingen die Symptome normalerweise wieder ab. Bei fehlender Behandlung sind Spätfolgen möglich.

Komplikationen

Wenn eine akute Nierenentzündung (Glomerulonephritis) frühzeitig diagnostiziert wird, bestehen gute Heilungschancen. Allerdings kann sich aus einer akuten Nierenentzündung auch eine chronische Form entwickeln, wenn die Beschwerden übergangen werden. Als Folge einer verschleppten Glomerulonephritis bildet sich als Komplikation oftmals das nephrotische Syndrom heraus. Das nephrotische Syndrom ist dadurch gekennzeichnet, dass die Nierenkörperchen für Proteine durchlässig werden.

Diese Durchlässigkeit kann sich im Laufe der Zeit noch weiter steigern. Aufgrund der vermehrten Ausscheidung von Eiweißen mit dem Urin kommt es schließlich zum Proteinmangel im Blut. Dieser führt wiederum in den Beinen oder Augenlidern zunehmend zu Wassereinlagerungen, die auch als Ödeme bezeichnet werden. Sogar eine Bauchwassersucht (Aszites) kann sich entwickeln. Des Weiteren ist beim nephrotischen Syndrom der Fettstoffwechsel gestört. Die Blutfettwerte sind erhöht.

Im Rahmen des nephrotischen Syndroms treten außerdem häufig Thrombosen als Komplikation auf. Außerdem wird das Immunsystem geschwächt. Als Folge kommt es zu häufigen Infektionen. Schließlich kann das nephrotische Syndrom sogar bis zum Nierenversagen führen. Haben die Nieren ihre Funktion weitgehend verloren, muss ihre Arbeit ersetzt und das Blut regelmäßig mit Hilfe einer sogenannten Dialyse von Giftstoffen gereinigt werden. Das nephrotische Syndrom kann bei intensiver Behandlung ausheilen; ob das gelingt, hängt allerdings entscheidend von der zugrunde liegenden Erkrankung ab. In vielen Fällen bleiben dauerhafte Nierenschäden zurück. Im Extremfall ist eine Nierentransplantation notwendig, um das Leben zu retten.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ein Arzt ist aufzusuchen, sobald sich Schmerzen im Unterleib entwickeln, die nicht durch die weibliche Monatsblutung verursacht werden. Kommt es zu einem Unwohlsein, Beschwerden beim Wasserlassen, Abgeschlagenheit oder einer erhöhten Körpertemperatur, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Eine Abnahme der Belastbarkeit, Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit sowie eine Verweigerung der Nahrungsaufnahme sind besorgniserregend und von einem Arzt abklären zu lassen.

Ein Verlust des Gewichts sowie Kopfschmerzen sind Anzeichen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung, die untersucht und behandelt werden sollte. Halten die Beschwerden unvermindert über mehrere Tage an oder nehmen sie an Intensität zu, wird ein Arzt benötigt. Ein Krankheitsgefühl, der Verlust der Libido oder Schmerzen während des sexuellen Aktes sind Hinweise, denen nachgegangen werden sollte. Kommt es zu Rückenschmerzen, einem Abbau der Leistungsfähigkeit oder können die alltäglichen Verpflichtungen nicht mehr ausreichend erfüllt werden, ist ein Arztbesuch anzuraten.

Häufiger Harndrang, der sich bereits unmittelbar nach einem Toilettengang erneut einstellt sowie Auffälligkeiten bei der ausgeschiedenen Urinmenge müssen mit einem Arzt besprochen werden. Ohne eine ausreichende Therapie kann die Entzündung weiter fortschreiten und zu einer zunehmenden Verschlechterung des Allgemeinzustandes führen. Bei Schlafstörungen oder Problemen der Konzentration sowie Aufmerksamkeit ist ein Arztbesuch anzuraten, damit ein Behandlungsplan erstellt werden kann.

Umgehend – nicht erst beim nächsten freien Termin – gehört ärztlich abgeklärt, wer bräunlich verfärbten oder stark schäumenden Urin bemerkt, wem Beine oder Augenlider anschwellen oder wessen Blutdruck ohne erkennbaren Grund ansteigt. Diese Zeichen können auf eine rasch fortschreitende Nierenentzündung hinweisen, bei der jede Woche zählt, weil verlorene Nierenfunktion sich nicht zurückholen lässt.

Ein Notfall liegt vor, wenn Atemnot auftritt, wenn über einen halben Tag kaum noch Urin ausgeschieden wird oder wenn sehr hohe Blutdruckwerte mit heftigen Kopfschmerzen, Sehstörungen, Krampfanfällen oder Verwirrtheit einhergehen. Dann ist sofort der Notruf 112 zu wählen.

Behandlung & Therapie

Welche Form der Glomerulonephritis vorliegt, lässt sich in vielen Fällen nur durch eine Gewebeprobe aus der Niere (Nierenbiopsie) sicher klären. Sie wird unter örtlicher Betäubung und Ultraschallkontrolle entnommen und ist heute die Grundlage für die Wahl der Behandlung, weil sich die einzelnen Formen im Blut- und Urinbefund allein nicht zuverlässig unterscheiden lassen.

Je nach dem, wie schwer die Nierenentzündung (Glomerulonephritis) verläuft, sind folgende Behandlungsmöglichkeiten gegeben: Wenn die Eiweißausscheidung und Ausscheidung roter Blutkörperchen im Urin (als Folge der mangelnden Filterfunktion des Blutes) nur geringfügig ist, bedarf es zunächst nur einer regelmäßigen Kontrolle ohne weitere Behandlung.

In der Regel ist bei einer Nierenentzündung jedoch eine "immunsuppressive Therapie", z.B. mit Kortison, nötig. Diese unterdrückt das überreagierende Immunsystem, was ein Fortschreiten der Nierenentzündung verhindert. Je nach Form der Erkrankung werden heute zusätzlich weitere Mittel eingesetzt, die das Immunsystem bremsen – etwa Cyclophosphamid, Mycophenolat, Calcineurinhemmer oder der Antikörper Rituximab. Dies ist besonders wichtig, da bei einem etwaigen schweren akuten oder auch chronischen Verlauf die Nieren versagen können. Dann wäre eine dauerhafte Dialyse (Blutwäsche) nötig, um die Filterung des Blutes zu übernehmen.

Wichtig ist auch die Senkung eines zu hohen Blutdruckes, da dieser die Filterfunktion der Nieren zusätzlich belastet und nachhaltig schädigt. Bevorzugt werden dafür heute ACE-Hemmer oder Sartane, weil sie nicht nur den Blutdruck senken, sondern zugleich die Eiweißausscheidung verringern und die Niere dadurch zusätzlich schützen. Bei einer chronischen Nierenschädigung mit Eiweiß im Urin werden seit einigen Jahren ergänzend SGLT2-Hemmer eingesetzt; sie verlangsamen das Fortschreiten der Nierenschwäche und sind dafür auch bei Patienten ohne Zuckerkrankheit zugelassen.

Solange die Nieren noch genügend gut funktionieren, sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr durch Trinken geachtet werden. In einigen Fällen wird bei Nierenentzündung auch zu einer salz- und eiweißarmen Ernährung geraten.

Ob sich die Ursache behandeln lässt, hängt von der zugrunde liegenden Erkrankung ab. Steckt eine Infektion, eine Autoimmunerkrankung oder ein auslösendes Medikament dahinter, wird zuerst dieser Auslöser angegangen. Bei einem Teil der Glomerulonephritis-Formen bleibt jedoch unklar, wodurch die Fehlreaktion des Immunsystems in Gang gesetzt wurde; hier lässt sich nur das überschießende Immunsystem bremsen und die Niere vor weiterem Schaden schützen.


Aussicht & Prognose

Die Prognose einer Nierenentzündung erweist sich grundsätzlich als sehr variabel, da sie von Art, Schwere und nicht zuletzt Verlaufsform (akut/chronisch) abhängt. Sowohl akute als auch chronische Nierenentzündung schädigen die Niere stark, wenn sie nicht behandelt werden. Eine akute Nierenentzündung heilt vielfach bei rechtzeitiger Diagnose und entsprechender Behandlung aus. Bleibt sie hingegen unbehandelt, kann sie bei schweren Fällen zu komplettem Nierenversagen führen.

Frühzeitige Diagnose und Behandlung sind besonders wichtig bei der „rasch fortschreitenden (rapid progressive) Glomerulonephritis“ - auch unter RPGN firmierend. Letztere nimmt nicht selten einen schweren Verlauf und führt relativ schnell zu einem Ausfall der Nieren. Tatsächlich müssen sich vier von zehn Patienten, bei denen RPGN diagnostiziert wurde, einer Blutwäsche (Dialyse) unterziehen.

Auch bei einer nicht mehr heilbaren Nierenentzündung erscheint die richtige Behandlung äußerst wichtig. So lässt sich in vielen Fällen eine fortschreitende Verschlechterung der Nierenfunktion verhindern beziehungsweise wenigstens verlangsamen, bis die Patienten auf eine Blutwäsche oder aber Nierentransplantation angewiesen sind.

Verursacht eine Nierenentzündung hingegen keine Beschwerden, wird kein oder nur minimal Eiweiß und Blut via Urin ausgeschieden und Nierenfunktion sowie Blutdruck weisen normale Werte auf, genügt es in der Regel, wenn sich die Patienten in regelmäßigen Abständen vom Arzt untersuchen lassen. Diese Untersuchungen sollten selbstverständlich auch Blut- und Urinuntersuchungen einschließen. Sie bleiben dauerhaft notwendig: Eine zunächst stumme Nierenentzündung kann noch nach Jahren wieder aufflammen oder unbemerkt fortschreiten, und die Niere meldet diesen Verlust nicht durch Schmerzen.

Vorbeugung

Einer Nierenentzündung kann durch folgende Maßnahmen vorgebeugt werden: Infektionen, die durch Streptokokken hervorgerufen werden (z.B. Scharlach), sollten rechtzeitig und genügend lange mit Antibiotika behandelt werden. Früher galt das als sicherer Schutz vor einer postinfektiösen Nierenentzündung. Nach heutigem Kenntnisstand verhindert die Antibiotikabehandlung zuverlässig das rheumatische Fieber, eine Nierenentzündung nach Streptokokkeninfektion lässt sich damit jedoch nicht sicher ausschließen; sie senkt aber die Ansteckungsgefahr und beugt anderen Folgeerkrankungen vor.

Auch andere Erkrankungen, die die Nieren schädigen können, sollten konsequent behandelt werden. Hier sei insbesondere auf den Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) hingewiesen. Die Nierenkörperchen selbst werden vor allem durch Autoimmunerkrankungen wie den Lupus erythematodes und durch Gefäßentzündungen angegriffen; auch sie gehören dauerhaft fachärztlich behandelt.

Ein weiterer, oft übersehener Punkt ist der Umgang mit Schmerzmitteln: Entzündungshemmende Mittel wie Ibuprofen oder Diclofenac können bei längerer und hoch dosierter Einnahme das Nierengewebe schädigen und eine interstitielle Nephritis auslösen. Sie sollten deshalb nicht über längere Zeit ohne ärztliche Kontrolle eingenommen werden.

Weiterhin ist es vorteilhaft viel zu trinken, auf Alkohol und Rauchen zu verzichten und allgemein einen gesunden und sportlichen Lebensstil zu pflegen.

Nachsorge

Die Nachsorge einer Nierenentzündung besteht aus regelmäßigen Kontrolluntersuchungen der betroffenen Niere. Das Organ wird mittels einer Ultraschalluntersuchung und anderen bildgebenden Verfahren untersucht, um etwaige Komplikationen festzustellen. Außerdem werden regelmäßig der Blutdruck sowie die Eiweiß- und Blutausscheidung im Urin kontrolliert, weil sich daran am frühesten ablesen lässt, ob die Entzündung wieder aufflammt.

Der Mediziner tastet zudem die Nierenregion ab und prüft den Patienten blickdiagnostisch auf ungewöhnliche Symptome oder Anzeichen etwaiger Begleiterkrankungen. Die begleitend durchgeführte Anamnese dient der Feststellung von Komplikationen sowie der Beantwortung offener Fragen, die der Patient womöglich hat. Sofern keine Auffälligkeiten festgestellt werden und der Patient keine weiteren Fragen hat, kann der Abstand zwischen den Kontrolluntersuchungen vergrößert werden.

Ganz abgeschlossen wird die Nachsorge einer Glomerulonephritis dagegen in der Regel nicht: Weil die Erkrankung noch nach Jahren wieder aufflammen oder schleichend fortschreiten kann und dabei keine Schmerzen verursacht, werden Urin, Nierenwerte und Blutdruck dauerhaft in festen Abständen überprüft – anfangs häufiger, bei stabilem Verlauf meist ein- bis zweimal im Jahr.

Zumeist erfolgt ein bis zwei Wochen nach dem Abklingen der akuten Beschwerden eine erste Kontrolluntersuchung. Sollte die Heilung sehr langsam verlaufen, sind engmaschigere Kontrolluntersuchungen notwendig. Selbiges gilt bei chronischen Beschwerden und bei älteren oder körperlich geschwächten Patienten. Auch unter einer immunsuppressiven Behandlung wird engmaschig kontrolliert, weil diese Medikamente die Infektabwehr schwächen und das Blutbild beeinflussen können.

Im Rahmen der Termine wird außerdem die Medikation kontrolliert und bei Bedarf angepasst. Zudem wird der Patient je nach Symptombild an eine Ernährungsberatung oder einen Facharzt vermittelt, welcher zusätzliche Therapiemaßnahmen einleiten kann. Die Nachsorge übernimmt ein Nierenfacharzt oder der Allgemeinmediziner.

Das können Sie selbst tun

Bei einer bestehenden Nierenentzündung sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme geachtet werden, solange die Nieren noch genügend gut arbeiten. Wie viel getrunken werden darf, legt allerdings der behandelnde Arzt fest: Bei eingeschränkter Nierenfunktion, Wassereinlagerungen oder hohem Blutdruck kann eine große Trinkmenge schaden, weil die Nieren das Wasser nicht mehr ausscheiden können. Eine pauschale Empfehlung von drei Litern täglich, wie sie bei Blasen- und Nierenbeckenentzündungen üblich ist, gilt für die Nierenentzündung ausdrücklich nicht – sie ist keine bakterielle Infektion und lässt sich nicht ausschwemmen.

Der Genuss von Alkohol, schwarzem Tee oder koffeinhaltigen Getränken ist zu unterlassen. Diese Produkte haben eine negative Wirkung auf den Organismus und die Funktionstätigkeit der Niere. Gesünder und wohltuender ist der Konsum von Heiltees sowie kohlensäurefreiem Wasser.

Beim Toilettengang ist darauf zu achten, dass die Blase stets vollständig entleert wird. So wird einer zusätzlichen Harnwegsinfektion vorgebeugt, die die bereits geschädigte Niere weiter belasten würde. Zudem sollte das Wasserlassen häufiger als im Normalfall stattfinden. Der Körper benötigt während der Beschwerdezeit eine ausreichende Wärme. Mit einer Wärmflasche können mehrmals täglich der Rücken sowie der Unterbauch gewärmt werden. Zudem ist das Tragen von warmer und atmungsaktiver Kleidung anzuraten. Regelmäßige Sitzbäder mit Kamille gelten ebenfalls als wohltuend und gesundheitsfördernd. Insbesondere ist darauf zu achten, dass die Nierenregion von der Einwirkung von Zugluft verschont bleibt.

Hilfreich sind insbesondere in der Anfangsphase der Erkrankung eine ausreichende Ruhe und Schonung. Strenge Bettruhe gehört dagegen nicht mehr zur Behandlung: Wer lange liegt, erhöht sein Thromboserisiko, das beim nephrotischen Syndrom ohnehin gesteigert ist. Leichte Bewegung im Alltag ist deshalb ausdrücklich erwünscht; wie viel Belastung im Einzelfall vertretbar ist, klärt der behandelnde Arzt. Körperliche Überanstrengungen sind zu unterlassen und regelmäßige Pausen sollten bei allen stattfindenden Aktivitäten eingelegt werden.

Wer zu Wassereinlagerungen oder hohem Blutdruck neigt, sollte außerdem sparsam salzen und stark gesalzene Fertigprodukte meiden; das entlastet Kreislauf und Niere spürbar. Alle genannten Maßnahmen können die ärztliche Behandlung jedoch nur begleiten. Eine verordnete Blutdruck- oder immunsuppressive Therapie darf keinesfalls eigenmächtig abgesetzt oder durch Hausmittel ersetzt werden – die Nierenentzündung schreitet sonst weiter fort, ohne dass sich das durch Beschwerden bemerkbar macht.

Quellen

  • Kuhlmann, U., Böhler, J., Luft, F. C., et al. (Hrsg.): Nephrologie.
    ISBN: 9783131572868
  • Risler, T., Kühn, K.-W. (Hrsg.): Facharzt Nephrologie.
    ISBN: 9783437319464
  • Schwenger, V. (Hrsg.): Klinikleitfaden Nephrologie.
    ISBN: 9783437210358
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655
  • Böcker, W., Denk, H., Heitz, P. U., Moch, H. (Hrsg.): Pathologie.
    ISBN: 9783437423857

Das könnte Sie auch interessieren