Nierentransplantation
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 3. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Eine Nierentransplantation wird bei Patienten durchgeführt, die wenig oder gar keine Nieren-Aktivität haben, also unter Niereninsuffizienz leiden. Die Vorteile einer Nierentransplantation gegenüber der Dialyse (Blutreinigung) bestehen darin, dass eine transplantierte Niere dem Empfänger mehr Lebensqualität und Leistungsfähigkeit ermöglicht.
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Was ist eine Nierentransplantation?
Die Nieren, zwei bohnenförmige und im Durchschnitt 12 Zentimeter lange Organe, von denen je eines auf jeder Körperseite unterhalb des Brustkorbs liegt, haben die wichtige Aufgabe, Abfälle aus dem Blut zu filtern, in Urin umzuwandeln und auszuscheiden.
Verlieren die Nieren diese Fähigkeit, können sich Abfallprodukte im Körper ansammeln und eine Vergiftung (Urämie) verursachen. Kommt es zu einem chronischen Nierenversagen, ist der Patient entweder auf regelmäßige Dialyse oder eine Nierentransplantation angewiesen.
Als Nierentransplantation wird die operative Verpflanzung einer gesunden Niere von einem entweder verstorbenen hirntoten oder einem lebenden gesunden Spender in den Körper eines nierenkranken Empfängers bezeichnet. Dabei werden die erkrankten Nieren nicht entfernt, und die Spenderniere wird in der Leistenregion im Unterbauch eingepflanzt. Eine einzelne Niere kann die Funktionen beider Organe übernehmen.
Nieren von Verstorbenen, postmortale Nierenspenden genannt, werden von der internationalen Vermittlungszentrale Eurotransplant zugeteilt. Eine neue Transplantatniere arbeitet wie eine gesunde Niere, allerdings oft mit leichter Funktionseinschränkung.
Geschichte & Entwicklung
Die Geschichte der Nierentransplantation reicht bis ins frühe 20. Jahrhundert zurück, als Forscher erstmals mit der Verpflanzung von Organen experimentierten. Erste Versuche fanden in den 1930er-Jahren an Tieren statt. Ein bedeutender Durchbruch gelang 1954, als Joseph Murray in Boston die weltweit erste erfolgreiche Nierentransplantation zwischen eineiigen Zwillingen durchführte. Da das Immunsystem die genetisch identische Niere nicht abstieß, war keine Immunsuppression erforderlich.
In den 1960er-Jahren ermöglichten Fortschritte in der Immunsuppression durch Medikamente wie Azathioprin die erste erfolgreiche Nierentransplantation zwischen nicht verwandten Personen. Dies führte zur Gründung der ersten Transplantationszentren weltweit.
Mit der Einführung von Cyclosporin A in den 1980er-Jahren verbesserten sich die Langzeiterfolge erheblich, da das Medikament die Abstoßungsreaktionen des Immunsystems gezielt unterdrücken konnte. Seitdem wurden weitere Immunsuppressiva wie Tacrolimus und Mycophenolat entwickelt, die die Transplantationsmedizin weiter revolutionierten.
Heute ist die Nierentransplantation eine etablierte Therapie für Patienten mit chronischem Nierenversagen. Fortschritte in der Organerhaltung, Lebendspende-Techniken und der Xenotransplantation (tierische Organe) bieten neue Möglichkeiten für die Zukunft der Transplantationsmedizin.
Parallel zur medizinischen Entwicklung entstand die Organisation, ohne die eine geregelte Verteilung knapper Organe nicht möglich wäre. Eurotransplant wurde 1967 auf Anregung des niederländischen Immunologen Jon van Rood am Universitätsklinikum Leiden gegründet; Ausgangspunkt war die Überlegung, dass sich passende Spender und Empfänger umso eher finden lassen, je größer der gemeinsame Pool ist. Aus anfangs zwölf beteiligten Zentren ist ein Verbund geworden, dem heute Belgien, Deutschland, Kroatien, Luxemburg, die Niederlande, Österreich, Slowenien und Ungarn angehören; Slowenien kam 1999 hinzu, Kroatien 2007 und Ungarn 2013.
In Deutschland regelt das Transplantationsgesetz den rechtlichen Rahmen. Es trennt die Aufgaben bewusst voneinander: Die Entnahmekrankenhäuser melden mögliche Spender, eine Koordinierungsstelle organisiert die Entnahme, und eine Vermittlungsstelle teilt die Organe nach festgelegten Regeln zu. Ein Transplantationszentrum entscheidet also nicht selbst darüber, welches Organ es erhält. Für die Lebendspende gelten eigene, engere Vorgaben. Nach § 8 des Transplantationsgesetzes kommen dafür in erster Linie Verwandte ersten oder zweiten Grades, Ehegatten, eingetragene Lebenspartner, Verlobte sowie andere Personen in Betracht, die der spendenden Person in besonderer persönlicher Verbundenheit offenkundig nahestehen; § 8 Absatz 1a lässt daneben Überkreuzspenden und nicht gerichtete Spenden an unbekannte Empfänger zu. Die spendende Person muss volljährig und einwilligungsfähig sein, umfassend aufgeklärt werden und darf über das mit der Entnahme verbundene Operationsrisiko hinaus nicht gefährdet sein. Zusätzlich sieht das Gesetz eine Lebendspendekommission vor, die gutachtlich dazu Stellung nimmt, ob die Einwilligung freiwillig erfolgt. Die Nierentransplantation gehört damit zu den am dichtesten geregelten Behandlungen der Medizin; die übergreifenden Grundsätze behandelt der Artikel Organtransplantation.
Einsatz & Indikation
Eine Nierentransplantation wird durchgeführt, wenn die eigene Nierenfunktion dauerhaft versagt und andere Behandlungsmethoden wie die Dialyse keine langfristige Lösung bieten. Die häufigste Indikation ist eine terminale Niereninsuffizienz (Nierenversagen im Endstadium), bei der die Nieren weniger als 15 % ihrer Funktion behalten und Giftstoffe nicht mehr ausreichend aus dem Körper filtern können.
Häufige Ursachen für eine schwere Nierenerkrankung sind chronische Glomerulonephritis, diabetische Nephropathie, polyzystische Nierenerkrankung, Bluthochdruck und autoimmune Erkrankungen wie Lupus-Nephritis. Wenn eine Dialyse langfristig nicht ausreicht oder die Lebensqualität stark beeinträchtigt ist, wird eine Nierentransplantation notwendig.
Die Entscheidung zur Transplantation hängt von mehreren Faktoren ab, darunter der allgemeine Gesundheitszustand, mögliche Begleiterkrankungen und die Verfügbarkeit eines passenden Spenderorgans. Das Spenderorgan kann entweder von einem lebenden Spender (meist ein naher Verwandter) oder von einem verstorbenen Organspender stammen.
Patienten mit einer erfolgreichen Transplantation haben oft eine bessere Lebensqualität und eine längere Lebenserwartung als Patienten, die dauerhaft auf Dialyse angewiesen sind. Dennoch erfordert die Transplantation eine lebenslange Einnahme von Immunsuppressiva, um eine Abstoßung des Organs zu verhindern.
Vorteile & Nutzen
Eine Nierentransplantation bietet gegenüber der Dialyse zahlreiche Vorteile, insbesondere in Bezug auf Lebensqualität, Langzeitüberleben und gesundheitliche Stabilität. Während die Dialyse eine lebenslange Behandlung erfordert, kann eine funktionierende Spenderniere viele normale Nierenfunktionen wiederherstellen und Patienten ein weitgehend normales Leben ermöglichen.
Ein entscheidender Vorteil ist die verbesserte Lebenserwartung. Studien zeigen, dass transplantierte Patienten im Durchschnitt länger leben als Dialysepatienten, da das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Infektionen und andere Dialyse-Komplikationen reduziert wird. Zudem verbessert sich die allgemeine körperliche Verfassung, da die Niere kontinuierlich arbeitet und der Körper nicht mehr von der regelmäßigen maschinellen Blutreinigung abhängig ist.
Ein weiterer Vorteil ist die höhere Lebensqualität. Patienten müssen nicht mehr mehrmals pro Woche zur Dialyse, haben weniger strenge Ernährungseinschränkungen und erleben weniger Müdigkeit und Schwächegefühl. Dies ermöglicht eine bessere soziale Integration und berufliche Aktivität.
Auch wenn die Transplantation lebenslange Immunsuppressiva erfordert, sind die langfristigen Nebenwirkungen oft geringer als die Belastungen durch eine jahrelange Dialyse. Patienten mit einer erfolgreichen Transplantation haben zudem eine bessere Kontrolle des Blutdrucks, eine geringere Anämie und eine stabilere Knochengesundheit, da die Niere den Mineralstoffhaushalt besser regulieren kann.
Funktion, Wirkung & Ziele
Für eine Nierentransplantation kommen Patienten mit chronischer dialysepflichtiger Niereninsuffizienz in Frage. Erwiesenermaßen verlängert die Transplantation trotz der mit einer Operation verbundenen Risiken die Lebenserwartung von chronisch nierenkranken Patienten.
Allerdings bedeutet eine Transplantation für Patienten ab dem Alter von siebzig Jahren wesentlich höhere Risiken und wird bei älteren Menschen daher nur selten vorgenommen. Eine feste Altersobergrenze gibt es heute allerdings nicht; maßgeblich ist weniger das kalendarische als das biologische Alter. Über das Eurotransplant Senior Programm werden gezielt auch Empfänger ab 65 Jahren transplantiert, wobei Organe älterer Spender bevorzugt an ältere Empfänger vermittelt werden. Gegen eine Nierentransplantation sprechen auch eine unheilbare Krebserkrankung sowie andere schwerwiegende Krankheiten oder akute Entzündungen.
Auf Grund von Organmangel besteht oft eine jahrelange Wartezeit auf eine Spenderniere. Kinder erhalten einen Wartezeit-Bonus, und für Patienten mit häufigeren Blutgruppen können meist schneller Spendernieren gefunden werden. Ist ein geeignetes Spenderorgan verfügbar oder ein geeigneter Verwandter oder dem Patienten Nahestehender zur Lebendspende bereit, kann die Nierentransplantation erfolgen. Die in Vollnarkose durchgeführte Operation dauert zwischen zwei und vier Stunden. Die Spenderniere wird dabei in den rechten oder linken Unterbauch eingepflanzt, wobei zur optimalen Durchblutung ihre Blutgefäße mit Venen und Schlagadern des Beckens verbunden werden. Zum Harnabfluss wird die neue Niere an die Harnblase angeschlossen.
Um nach dem Eingriff zu beurteilen, ob die Nierentransplantation erfolgreich verlaufen ist, wird das Blut des Patienten auf eine Senkung von Kreatinin und Harnstoff hin überprüft. Ist dies der Fall, bedeutet es, dass der Körper durch die neue Niere entgiftet wird und die Urin-Ausscheidung wieder normal verläuft.
Nach einer Nierentransplantation bleibt ein Patient normalerweise noch etwa zwei Wochen im Krankenhaus, wo auch die immunsuppressive Therapie begonnen wird, um eine Organabstoßung zu verhindern. Nach der Entlassung erfolgen anfangs mehrmals wöchentlich Nachsorgeuntersuchungen, bei denen vor allem verschiedene Laborwerte und Urinmenge überprüft werden.
Wenn sichergestellt ist, dass die Transplantatniere etwa die Hälfte der Funktion zweier gesunder Nieren übernimmt, gilt die Nierentransplantation als erfolgreich. Dennoch sind regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen und strikte Einhaltung der immunsuppressiven Therapie weiterhin notwendig.
Durchführung & Ablauf
Eine Nierentransplantation beginnt mit einer umfassenden medizinischen Vorbereitung. Der Patient wird auf Spenderkompatibilität, allgemeine Gesundheit und mögliche Risiken untersucht. Sobald eine passende Spenderniere – entweder von einem lebenden Spender oder einem verstorbenen Organspender – verfügbar ist, wird der Eingriff geplant.
Vor der Aufnahme auf die Warteliste steht eine Untersuchungsreihe, die weit über die Nieren hinausgeht. Bestimmt werden die Blutgruppe und die Gewebemerkmale; außerdem wird geprüft, ob im Blut der empfangenden Person bereits Antikörper gegen fremde Gewebemerkmale kreisen – etwa nach früheren Bluttransfusionen, Schwangerschaften oder einer vorangegangenen Transplantation. Unmittelbar vor der Operation zeigt ein Kreuztest, ob das Blut der empfangenden Person gegen die Zellen des Spenders reagiert; fällt er positiv aus, wird nicht transplantiert. Dazu kommen die Suche nach verborgenen Entzündungsherden, ein Zahnstatus, die Abklärung von Herz und Kreislauf sowie der Ausschluss einer unbehandelten Krebserkrankung – denn die spätere Dämpfung der Abwehr würde beides verschlimmern.
Zwischen Entnahme und Einpflanzung liegt bei einer postmortalen Spende eine Transportzeit, in der das Organ gekühlt und mit einer Konservierungslösung durchspült wird. Diese kalte Ischämiezeit soll so kurz wie möglich bleiben, weil mit ihrer Dauer die Wahrscheinlichkeit steigt, dass die Niere ihre Arbeit erst verzögert aufnimmt. Bei der Lebendspende entfällt dieser Zeitdruck weitgehend: Entnahme und Einpflanzung werden aufeinander abgestimmt und finden meist am selben Ort statt – einer der Gründe für die im Durchschnitt besseren Ergebnisse dieser Spendeform. Die Entnahme beim Spender, eine Nephrektomie, erfolgt heute überwiegend in Schlüssellochtechnik über wenige kleine Schnitte.
Die Operation erfolgt unter Vollnarkose und dauert etwa 2–4 Stunden. Anders als häufig angenommen, wird die kranke Niere meist nicht entfernt. Stattdessen wird die neue Niere in den unteren Bauchraum implantiert und mit den Blutgefäßen und der Harnblase verbunden.
Nach der Transplantation wird die Durchblutung der neuen Niere überprüft, um sicherzustellen, dass sie funktioniert. Manche Spendernieren beginnen sofort zu arbeiten, während andere einige Tage benötigen. In solchen Fällen kann vorübergehend eine Dialyse notwendig sein.
Der Patient bleibt nach der Operation meist 1–3 Wochen im Krankenhaus, um mögliche Komplikationen wie Abstoßungsreaktionen oder Infektionen frühzeitig zu erkennen. Langfristig sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen und eine lebenslange Einnahme von Immunsuppressiva erforderlich, um das Immunsystem daran zu hindern, die neue Niere anzugreifen. Mit einer erfolgreichen Transplantation können Patienten oft viele Jahre ein weitgehend normales Leben führen.
Risiken & Gefahren
Obwohl die Nierentransplantation mittlerweile eine relativ sichere Operation ist, bestehen wie bei jedem operativen Eingriff Risiken für den Patienten, z.B. Blutungsgefahr oder Herzrhythmusstörungen, und nach der Operation besteht die Gefahr einer Minderdurchblutung des Beines auf der Transplantatseite oder von Verwachsungen im Bauchraum.
Nach einer Nierentransplantation gibt es jederzeit und lebenslang das Risiko, dass die Transplantatniere abgestoßen wird. Jeder Patient ist nach einer Nierentransplantation für den Rest seines Lebens gezwungen, immunsuppressive (abwehrschwächende) Medikamente zu nehmen, um eine Organabstoßung zu verhindern. Trotz allem lassen sich Unverträglichkeitsreaktionen auf das körperfremde Organ nicht immer vermeiden. Es kann außerdem zu einer Infektion oder zu chronischem Versagen der Transplantatniere kommen.
Die Einnahme von Medikamenten zur Immunsuppression hat ernstzunehmende Nebenwirkungen, darunter eine allgemeine Abwehrschwäche, ein allgemein erhöhtes Infektionsrisiko, z.B. die Gefahr, an Lungenentzündung zu erkranken, sowie ein erhöhtes Langzeitrisiko, an Krebs zu erkranken - vor allem an bestimmten Formen von Hautkrebs oder Lymphdrüsenkrebs. Die Funktionstüchtigkeit der transplantierten Niere lässt im Laufe der Jahre nach, wobei Lebendspender-Nieren deutlich länger funktionstüchtig sind als postmortale Nierenspenden.
Zu den Komplikationen, die sich unmittelbar aus der Lage der neuen Niere ergeben, gehören Ansammlungen von Lymphflüssigkeit neben dem Transplantat, eine Wundheilungsstörung der Operationsnarbe sowie Probleme an der Verbindung zwischen dem Harnleiter des Transplantats und der Blase, die sich verengen oder undicht werden kann. Auch die Blutgefäße des Transplantats können sich verengen oder durch eine Thrombose verschließen. Nimmt die neue Niere ihre Arbeit nicht sofort auf, ist vorübergehend weiter eine Blutwäsche nötig; das ist für sich genommen kein Zeichen des Scheiterns, muss aber von einer Abstoßung abgegrenzt werden, wofür in der Regel eine Gewebeprobe aus dem Transplantat nötig ist.
Aus der dauerhaft gedämpften Abwehr folgen eigene Vorsichtsmaßnahmen. Bestimmte Viren, die ein gesundes Immunsystem in Schach hält, können unter Immunsuppression wieder aktiv werden; regelmäßige Blutkontrollen darauf gehören deshalb zum Nachsorgeprogramm. Notwendige Impfungen werden möglichst schon vor der Transplantation aufgefrischt, weil Lebendimpfstoffe danach nicht mehr gegeben werden dürfen. Und weil das Risiko für Hautkrebs deutlich erhöht ist, gehören konsequenter Sonnenschutz und eine regelmäßige Hautkrebsvorsorge zu den Empfehlungen, die transplantierte Menschen lebenslang begleiten. Welche Untersuchungen in welchem Abstand nötig sind, legt das betreuende Zentrum individuell fest.
Alternativen
Falls eine Nierentransplantation nicht möglich oder nicht gewünscht ist, gibt es alternative Behandlungsmethoden zur Unterstützung der Nierenfunktion. Die wichtigste Alternative ist die Dialyse, die in zwei Hauptformen verfügbar ist:
Hämodialyse: Hier wird das Blut außerhalb des Körpers durch eine künstliche Niere (Dialysemaschine) gefiltert. Dies erfolgt in der Regel dreimal pro Woche in einem Dialysezentrum oder zu Hause.
Peritonealdialyse: Hier dient das Bauchfell als natürliche Filtermembran. Eine spezielle Dialyseflüssigkeit wird in die Bauchhöhle geleitet, um Giftstoffe und überschüssiges Wasser zu entfernen. Diese Methode kann selbstständig zu Hause durchgeführt werden.
In frühen Stadien einer Nierenerkrankung kann eine medikamentöse Behandlung helfen, das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen. Dazu gehören Blutdrucksenker (z. B. ACE-Hemmer), Diuretika zur Entwässerung und Medikamente zur Kontrolle von Elektrolytstörungen.
Ein weiterer Forschungsbereich ist die regenerative Medizin, die sich mit der Züchtung von Nierengewebe aus Stammzellen befasst. Auch die Xenotransplantation (Einsatz von tierischen Organen) wird erforscht, stellt aber noch keine etablierte Alternative dar.
Da Dialyse auf Dauer belastend sein kann, wird langfristig meist eine Transplantation angestrebt. Bei Patienten, die keine Transplantation erhalten können, bleibt die Dialyse jedoch die wichtigste lebensverlängernde Maßnahme.
Nicht für jeden Menschen mit fortgeschrittener Nierenschwäche ist eine der beiden Formen der Blutwäsche der richtige Weg. Bei hohem Lebensalter und mehreren schweren Begleiterkrankungen kann eine konservative Behandlung ohne Dialyse die bessere Wahl sein. Sie zielt nicht darauf, die Nierenfunktion zu ersetzen, sondern darauf, Beschwerden wie Übelkeit, Juckreiz, Luftnot und Wassereinlagerungen zu lindern und die verbleibende Zeit möglichst beschwerdearm zu gestalten. Diese Entscheidung wird gemeinsam mit der nephrologischen Betreuung und den Angehörigen getroffen, und sie lässt sich später revidieren.
Umgekehrt muss der Weg zur Transplantation nicht zwingend über die Dialyse führen. Wird rechtzeitig ein passendes Organ gefunden – in der Praxis vor allem bei einer Lebendspende –, kann schon vor Beginn der Blutwäsche transplantiert werden. Diese sogenannte präemptive Transplantation erspart den Betroffenen die Dialysezeit und gilt als besonders günstige Ausgangslage. Die verschiedenen Verfahren, mit denen sich eine ausgefallene Nierenfunktion überbrücken oder ersetzen lässt, fasst der Begriff Nierenersatztherapie zusammen.
Quellen
- Hautmann, R., Gschwend, J. E.: Urologie.
ISBN: 9783642343186
- Kuhlmann, U., Böhler, J., Luft, F. C., et al.: Nephrologie.
ISBN: 9783137002062
- Geberth, S., Nowack, R.: Praxis der Dialyse.
ISBN: 9783642412073
- Henne-Bruns, D. (Hrsg.): Chirurgie.
ISBN: 9783132431874
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
