Hauttransplantation
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Eine Hauttransplantation kommt bei Verbrennungen, Verätzungen oder Geschwüren zum Einsatz, um beschädigte Haut abzudecken. Die eingesetzte Haut stammt meist von demselben Patienten. In der Regel wird sie am Oberschenkel, Bauch oder Rücken entnommen. Ziel ist die Behandlung von Wunden, die aufgrund ihrer Größe nicht durch konservative Maßnahmen verheilen.
Was ist die Hauttransplantation?
Die Hauttransplantation ist das am häufigsten angewendete Verfahren in der plastischen Chirurgie. Damit die Wunde auf diese Weise therapiert werden kann, darf sie zum einen keine Infektion durch Bakterien oder andere Erreger aufweisen, zum anderen sollten Hautareale zur Verfügung stehen, welche sich für eine Transplantation eignen. Voraussetzung ist ein gesundes Gewebe.
Zahlreiche Operationen haben gezeigt, dass das Resultat dann am ästhetischsten wahrgenommen wird, wenn die transplantierte Haut möglichst nah an der eigentlichen Verletzung liegt. Können konservative Maßnahmen und Medikamente die Wunde nicht mehr zum Abklingen bringen, sollte eine Hauttransplantation zeitnah durchgeführt werden. Auf diese Weise lässt sich das Risiko von Infektionen verringern.
Normalerweise ist der Körper dazu in der Lage, sämtliche Beschädigungen der Haut selbstständig zu heilen. Hat die Wunde eine bestimmte Größe erreicht, handelt es sich jedoch um einen Prozess, der viel Zeit in Anspruch nimmt und anfällig für Bakterien ist. Die Haut selbst stellt einen wichtigen Bestandteil des menschlichen Körpers dar. Sie ist zum einen das größte Organ, zum anderen schützt sie den Organismus vor Hitze und Kälte, vor Schmutz, Krankheitserregern und Druck.
Funktion, Wirkung & Ziele
In einem solchen Fall handelt es sich um Fremdhauttransplantate. Diese werden vom Körper abgestoßen und dienen daher nur als vorübergehende Abdeckung, bis wieder eigene Haut zur Verfügung steht. Spätestens wenn 70 Prozent der Hautoberfläche beschädigt sind, ist die Entnahme eigener Hautareale nicht mehr möglich. Die Haut weist mehrere Schichten auf: Oberhaut (Epidermis), Lederhaut (Dermis) sowie Unterhaut (Subkutis). Im Rahmen einer Vollhauttransplantation entfernen Ärzte Oberhaut und Lederhaut. Die Hautanhangsgebilde bleiben intakt. Bei diesen handelt es sich zum Beispiel um Haarfollikel und Schweißdrüsen. Im Vergleich zur Spalthauttransplantation werden Areale entnommen, die verhältnismäßig dick sind.
Nach der Entnahme des Gewebes muss die Wunde geschlossen werden. In den meisten Fällen kommt hierzu eine Wundnaht zum Einsatz. Die Verheilung der Entnahmeregion resultiert häufig in einer Narbenbildung. Sie eignet sich nach der ersten Entnahme für keine weitere Hauttransplantation. Vollhauttransplantationen werden insbesondere bei Wunden angewendet, die klein sind und tief sitzen. Das Resultat wird sowohl ästhetisch als auch funktionell als besser wahrgenommen als das einer Spalthauttransplantation. Das Spalthauttransplantat beschränkt sich auf Oberhaut und die obere Lederhaut. Ihre Dicke beträgt ungefähr 0,25 bis 0,5 Millimeter. Bei einer Spalthauttransplantation heilt die Region der Entnahme in der Regel binnen zwei bis drei Wochen ab. Gleichzeitig kann dasselbe Areal mehreren Operationen dienen; eine erhabene Narbe bleibt in der Regel nicht zurück, häufig aber eine sichtbare Farbveränderung der Haut.
Während sich die Vollhauttransplantation lediglich für Wunden eignet, die nicht infiziert und gut durchblutet sind, ist die Spalthauttransplantation gegenüber weniger günstigen Wundverhältnissen toleranter. Eine weitere Methode stellt das Züchten von Eigenhaut dar. Dem Patienten oder der Patientin werden einige Zellen entnommen. Auf dieser Grundlage kann in einem Labor ein Hautlappen gezüchtet werden. Ein solches Verfahren nimmt etwa zwei bis drei Wochen in Anspruch und kann somit nicht bei akuten Unfällen angewendet werden, die schnelles Handeln erfordern.
Während der Operation selbst wird das gesunde Hautareal mithilfe von Klammern, Nähten oder Fibrinkleber fixiert. Damit das Wundsekret ablaufen kann, muss das Gewebe an einigen Stellen durchschnitten werden. Die Operation wird mit dem Anlegen eines Kompressionsverbandes sowie der Ruhigstellung abgeschlossen. Diese ist besonders wichtig, um es der Haut zu ermöglichen, einwandfrei zu verwachsen.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Während oder nach der Operation können einsetzende Blutungen nicht ausgeschlossen werden. Darüber hinaus können Störungen der Heilung oder ein verzögertes Wachstum entstehen. Diese entwickeln sich in der Regel dann, wenn die Wunde während der Operation nicht ausreichend durchblutet wurde. Hat der behandelnde Arzt das Transplantat nicht optimal aufgelegt oder vernäht, können daraus weitere Wachstumsverzögerungen resultieren, weil der Kontakt zwischen Haut und Transplantat unter Umständen durchbrochen verläuft. Nach Abschluss der Verheilung kann das Auftreten von Taubheitsgefühlen in dem transplantierten Bereich nicht ausgeschlossen werden.
Wurde eine großflächige Transplantation vorgenommen, kann der Patient durch die Narbenbildung eventuell in seiner Bewegung eingeschränkt sein. Des Weiteren kann das Ausbleiben von Haarwachstum in einigen Fällen beobachtet werden. Wie hoch das individuelle Risiko ist, hängt letztendlich von mehreren Faktoren ab. Zu diesen gehören vor allem das Alter des Patienten sowie sämtliche Nebenerkrankungen und Bedingungen, welche eine mehr oder weniger gute Wundheilung verursachen. Dementsprechend ist das Risiko insbesondere bei Menschen über 60 Jahren und kleinen Kindern erhöht. Weitere Vorsicht gilt bei Diabetikern, Rauchern, Durchblutungsstörungen, Immunstörungen, Blutarmut sowie chronischen Infektionen.
Wann eine Hauttransplantation infrage kommt
Die häufigsten Anlässe sind großflächige Verbrennungen und Verätzungen, bei denen die Haut über eine so große Fläche zerstört ist, dass sie nicht von den Wundrändern her zuwachsen kann. Ein zweites großes Feld sind chronische Wunden, die trotz sachgerechter Behandlung über Monate nicht abheilen: das offene Bein (Ulcus cruris), Wunden beim diabetischen Fußsyndrom und der Dekubitus bei längerer Bettlägerigkeit. Hinzu kommen Defekte, die durch einen Eingriff selbst entstehen, etwa nach der Entfernung größerer Hauttumoren, sowie Unfallverletzungen, bei denen Haut abgeschert oder abgerissen wurde.
Ebenso wichtig ist die Frage, wann das Verfahren nicht geeignet ist. Ein Transplantat wächst nur an, wenn es aus dem Wundgrund ernährt wird. Deshalb scheidet die Methode aus, solange die Wunde infiziert ist, solange abgestorbenes Gewebe aufliegt oder wenn der Wundgrund schlecht durchblutet ist. Liegen Knochen, Sehnen oder Gelenkflächen ohne Weichteildeckung frei, reicht ein Hauttransplantat ebenfalls nicht aus; hier sind Verfahren nötig, die eigenes Gewebe mitsamt seiner Blutversorgung verlagern. Auch ein instabiler Allgemeinzustand kann einen planbaren Eingriff zunächst verbieten.
Vorbereitung
Vor der Transplantation wird die Wunde gezielt auf den Eingriff vorbereitet. Abgestorbenes Gewebe und Beläge werden entfernt, eine bestehende Infektion wird behandelt, gegebenenfalls mit Antibiotika. Häufig wird über einige Tage ein Verfahren eingesetzt, das mit einem luftdichten Verband und Unterdruck arbeitet und die Bildung von gut durchblutetem Granulationsgewebe fördern soll. Erst wenn der Wundgrund sauber, trocken und gleichmäßig durchblutet ist, wird der Termin festgelegt.
Zur Vorbereitung gehören außerdem ein Aufklärungsgespräch über Ablauf, Risiken und das zu erwartende Aussehen der Narben, die Auswahl und Markierung der Entnahmestelle sowie die Klärung von Vorerkrankungen. Blutverdünnende Medikamente, ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus, Durchblutungsstörungen und Rauchen beeinflussen die Heilungsaussichten und werden vorher besprochen. Bei größeren Flächen wird zusätzlich der Ernährungszustand betrachtet, weil die Wundheilung einen erhöhten Eiweißbedarf mit sich bringt.
Ablauf des Eingriffs
Kleine Transplantate lassen sich in Lokalanästhesie verpflanzen; bei größeren Flächen, bei Kindern und bei schwer zugänglichen Regionen wird in Vollnarkose operiert. Der Eingriff findet je nach Ausmaß ambulant oder stationär statt, bei ausgedehnten Verbrennungen in spezialisierten Zentren.
Für die Entnahme von Spalthaut wird ein Dermatom verwendet, ein Gerät mit einer schwingenden oder rotierenden Klinge, dessen Schnitttiefe sich einstellen lässt. Es trägt eine gleichmäßig dünne Hautschicht ab, ähnlich wie ein Hobel. Soll die entnommene Haut eine größere Fläche decken, wird sie durch eine Walze mit versetzten Klingen geführt, die ein gitterartiges Muster einschneidet. Das so entstandene Netztransplantat lässt sich auseinanderziehen und deckt ein Vielfaches der Entnahmefläche; zugleich kann Wundsekret durch die Öffnungen abfließen. Der Preis dafür ist ein dauerhaft sichtbares Rautenmuster, weshalb im Gesicht und an den Händen möglichst darauf verzichtet wird.
Vollhaut wird dagegen mit dem Skalpell ausgeschnitten. Weil die Entnahmestelle danach vernäht werden muss, bestimmt die Größe des Defekts, ob dieses Verfahren überhaupt in Betracht kommt. Als Entnahmeorte dienen Regionen, deren Haut in Farbe und Dicke zur Empfängerstelle passt und deren Narbe später von Kleidung verdeckt wird.
Die Entnahmestelle wird nach dem Eingriff wie eine oberflächliche Schürfwunde versorgt. Sie heilt aus den verbliebenen Resten der Haarbälge und Drüsen heraus wieder zu und ist in den ersten Tagen oft schmerzhafter als die Empfängerstelle.
Heilung und Nachsorge
In den ersten Tagen ernährt sich das Transplantat allein durch Aufnahme von Flüssigkeit aus dem Wundgrund; erst danach wachsen Blutgefäße ein. Diese Phase entscheidet über das Anwachsen, weshalb der erste Verbandwechsel meist erst nach mehreren Tagen erfolgt und der betroffene Körperabschnitt bis dahin ruhig gestellt und, wenn möglich, hochgelagert wird. Schon geringe Verschiebungen zwischen Transplantat und Untergrund oder eine Ansammlung von Blut darunter können das Anwachsen verhindern.
Ist die Haut angewachsen, verlagert sich die Nachsorge auf die Narbenbehandlung. Üblich sind rückfettende Pflege, Kompression durch elastische Verbände oder maßgefertigte Kleidungsstücke und – bei Transplantaten über Gelenken – begleitende Physiotherapie, damit sich die Haut beim Schrumpfen nicht zusammenzieht und die Beweglichkeit einschränkt. Transplantierte Haut besitzt zunächst keinen eigenen Schutz vor UV-Strahlung und neigt zu dauerhaften Farbveränderungen; konsequenter Sonnenschutz über viele Monate gehört deshalb zur Nachbehandlung.
Zeichen, die eine erneute ärztliche Vorstellung erfordern, sind zunehmende Schmerzen, Rötung und Überwärmung der Umgebung, übler Geruch, Fieber sowie eine plötzliche Zunahme der Wundflüssigkeit. Sie können auf eine Wundinfektion hinweisen, die das Transplantat gefährdet.
Was vom Ergebnis zu erwarten ist
Transplantierte Haut ersetzt die verlorene Hülle, nicht aber alle ihre Eigenschaften. Spalthaut enthält keine vollständigen Hautanhangsgebilde: Sie bleibt in der Regel unbehaart, schwitzt nicht und bildet keinen Talg, weshalb sie zu Trockenheit neigt und regelmäßig gefettet werden muss. Auch das Gefühl kehrt nur teilweise zurück; Berührung, Temperatur und Schmerz werden im transplantierten Bereich häufig dauerhaft anders empfunden.
Farbe und Struktur weichen fast immer sichtbar von der Umgebung ab. Spalthaut neigt zusätzlich dazu, sich im Verlauf zusammenzuziehen, was besonders über Gelenken und im Gesicht zu Bewegungseinschränkungen führen kann und gelegentlich spätere Korrektureingriffe nötig macht. Vollhaut schrumpft weniger und wirkt ästhetisch günstiger, steht aber nur in begrenzter Menge zur Verfügung. Bis sich das endgültige Bild einstellt, vergehen viele Monate. Eine Beurteilung des Ergebnisses kurz nach dem Eingriff führt daher regelmäßig in die Irre.
Geschichte & Entwicklung
Versuche, verlorene Haut durch verpflanztes Gewebe zu ersetzen, sind seit der Antike überliefert, blieben jedoch lange erfolglos, weil die Bedeutung von Keimfreiheit und Durchblutung unbekannt war. Erst im 19. Jahrhundert entstanden die Verfahren, auf denen die heutige Praxis beruht. Chirurgen dieser Zeit erkannten, dass kleine, vollständig gelöste Hautstückchen auf einem sauberen Wundgrund anwachsen können, und entwickelten daraus systematische Methoden. Aus dieser Zeit stammen auch die Namen, die im deutschen Sprachgebrauch bis heute verwendet werden: Das Spalthauttransplantat wird nach Carl Thiersch als Thiersch-Lappen bezeichnet, kleine aufgestreute Hautinseln nach Jacques-Louis Reverdin als Reverdin-Läppchen, das Vollhauttransplantat als Wolfe-Krause-Lappen.
Voraussetzung für den Durchbruch waren zwei Entwicklungen außerhalb der Transplantation selbst: die Einführung der antiseptischen Wundbehandlung, die Infektionen zurückdrängte, und die Narkose, die längere Eingriffe überhaupt erst zuließ. Im 20. Jahrhundert kamen technische Hilfsmittel hinzu. Das Dermatom machte die Entnahme gleichmäßig dünner Hautschichten reproduzierbar und löste das freihändige Schneiden mit dem Rasiermesser ab. Das Verfahren, Spalthaut gitterförmig einzuschneiden und zu dehnen, erlaubte es, mit wenig Spendergewebe große Flächen zu decken, was besonders die Behandlung ausgedehnter Verbrennungen veränderte.
In jüngerer Zeit sind die Anzucht körpereigener Hautzellen im Labor und industriell gefertigte Ersatzmaterialien hinzugekommen. Sie haben die Transplantation eigener Haut nicht abgelöst, erweitern aber die Möglichkeiten dort, wo zu wenig eigenes Spendergewebe zur Verfügung steht.
Abgrenzung zu anderen Verfahren
Nicht jede große Wunde wird transplantiert. Kleinere Defekte lassen sich durch direkten Wundverschluss oder durch das Verschieben benachbarter Haut decken. Reicht ein Transplantat nicht aus, weil der Untergrund es nicht ernähren kann, kommen Lappenplastiken zum Einsatz: Dabei wird Gewebe samt Blutgefäßen entweder aus der Nachbarschaft eingeschwenkt oder von einer entfernten Körperstelle entnommen und mikrochirurgisch an die Gefäße vor Ort angeschlossen. Solche Verfahren sind aufwendiger, decken dafür aber auch tiefe Defekte über Knochen und Sehnen.
Bei sehr ausgedehnten Verbrennungen, für die kein ausreichendes eigenes Spendergewebe zur Verfügung steht, werden vorübergehend Fremd- oder Ersatzmaterialien aufgebracht, die die Wunde abdecken und den Flüssigkeitsverlust begrenzen, bis eigene Haut nachgewachsen oder im Labor angezüchtet ist. Anders als bei der Organtransplantation ist eine dauerhafte Unterdrückung des Immunsystems dabei kein Behandlungsziel; die Fremdhaut wird abgestoßen und ist von vornherein als Übergangslösung gedacht.
Quellen
- Petres, J., Rompel, R.: Operative Dermatologie.
ISBN: 9783642347894
- Plewig, G., Ruzicka, T., Kaufmann, R., Hertl, M. (Hrsg.): Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
ISBN: 9783662495445
- Henne-Bruns, D. (Hrsg.): Chirurgie.
ISBN: 9783132431874
- Siewert, J. R., Stein, H. J. (Hrsg.): Chirurgie.
ISBN: 9783642113307
- Moll, I. (Hrsg.): Dermatologie.
ISBN: 9783132446045
