Künstliche Befruchtung
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 3. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Eine künstliche Befruchtung kommt für alle Paare infrage, die auf natürlichem Weg keine Kinder bekommen können - dies betrifft immerhin 15 Prozent aller Paare. Etwa jedes siebente Paar in Deutschland ist von einer ungewollten Kinderlosigkeit betroffen.
Die Gründe für die Kinderlosigkeit können sowohl beim Mann als auch bei der Frau liegen; beide Geschlechter sind etwa gleich häufig von einer Unfruchtbarkeit betroffen. Bei der Frau ist meist eine mangelnde Durchlässigkeit der Eileiter ein Grund für die Unfruchtbarkeit, während beim Mann die Samenzellen eine mangelnde Qualität aufweisen.
Was ist die künstliche Befruchtung?
Frauen werden heutzutage immer später Mütter. Allerdings nimmt bereits ab dem 20. Lebensjahr die Wahrscheinlichkeit, auf natürlichem Wege spontan schwanger zu werden, kontinuierlich ab. Die künstliche Befruchtung ist daher besonders für ältere Frauen einer der letzten Auswege, ein Kind zu bekommen. Wann aber ist der geeignete Zeitpunkt, sich von einem Arzt zur künstlichen Befruchtung beraten zu lassen?
Wenn eine junge Frau unter 35 nach zwei Jahren ungeschütztem Geschlechtsverkehr nicht schwanger wird, ist dies ungewöhnlich; bei einer über 40-jährigen hingegen völlig normal. Wenn ein Kinderwunsch vorhanden ist, sollte man spätestens nach einem Jahr vergeblicher Versuche einen Arzt aufsuchen. Dieser wird zunächst ein sogenanntes Spermiogramm durchführen, um Fruchtbarkeitsprobleme beim Mann auszuschließen. Hat man sich schließlich für eine künstliche Befruchtung entschieden, ist nicht nur der behandelnde Frauenarzt eine der ersten Anlaufstellen, sondern auch die Kinderwunschkliniken.
Eine künstliche Befruchtung kann auf unterschiedlichen Wegen erfolgen. Grundsätzlich aber werden der Frau Eizellen und dem Mann Samenzellen entnommen; diese werden dann künstlich zusammengeführt. Wie hoch die Chancen auf eine Schwangerschaft sind, hängt unter anderem von der ausgewählten Methode und auch vom Alter der Frau ab; eine 100-prozentige Garantie gibt es auch bei der künstlichen Befruchtung nicht. Einen Teil der Kosten für die künstliche Befruchtung übernimmt die Krankenkasse; Voraussetzung ist allerdings, dass das Paar verheiratet ist und zudem ein bestimmtes Alter nicht überschritten hat.
Die Frau darf höchstens 40 Jahre, der Mann höchstens 50 Jahre alt sein. Laut dem Gesetz müssen die Krankenkassen mindestens 50 Prozent der Kosten für die ersten drei Versuche übernehmen; einige Kassen bezahlen sogar noch mehr. Ein Vergleich der Satzungsleistungen lohnt sich daher. Angesichts der niedrigen Geburtenrate wurde lange eine stärkere Förderung angestrebt; inzwischen bezuschussen Bund und die daran beteiligten Bundesländer Kinderwunschbehandlungen zusätzlich.
Funktion, Wirkung & Ziele
Findet nun eine Befruchtung statt, werden bis zu drei befruchtete Eizellen wieder in die Gebärmutter der Mutter eingesetzt; das Risiko oder die Chance einer Mehrlingsschwangerschaft steigt damit deutlich. Solch eine Mehrlingsschwangerschaft wiederum ist nicht nur eine höhere Belastung für die Frau, auch steigt die Gefahr einer Frühgeburt deutlich an. Dieses Verfahren hat eine Erfolgschance von etwa 20 Prozent je Behandlungszyklus. Vor der Entnahme der Eizellen ist allerdings eine länger dauernde hormonelle Behandlung der Mutter nötig.
Eine weitere Methode ist die intrazytoplasmatische Spermieninjektion, bei der eine einzelne Samenzelle unter dem Mikroskop direkt in die Eizelle eingebracht wird. Recht häufig kommt die homologe Insemination zum Einsatz; das Wort Insemination bedeutet dabei nichts anderes als Einsetzen von Samenzellen. Die Befruchtung findet also im Körper der Frau statt. Die zuvor aufbereiteten Samen des Mannes werden entweder in den Gebärmutterhals gespritzt oder aber direkt in die Gebärmutter eingesetzt. Die Insemination kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn die Samen des Mannes nicht beweglich genug oder einfach zu wenige Samenzellen vorhanden sind.
Bei dieser Art der künstlichen Befruchtung wird zwischen der homologen und der heterologen Insemination unterschieden. Bei erstgenannter stammen die Samenzellen vom eigenen Partner der Frau; bei der heterologen Insemination werden Samen eines fremden Mannes verwendet. Ihre Erfolgsaussichten sind höher als die der homologen Insemination, weil ausschließlich geprüfter Spendersamen verwendet wird.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Ein Risiko bei der Entnahme der Eizellen sind Infektionen der Eierstöcke oder der Eileiter, die allerdings selten sind. Auch bei den Männern kann es während der Samenentnahme aus dem Hoden mittels Biopsie oder Punktion zu einer Verletzung der Blutgefäße kommen. Nicht unerwähnt bleiben sollte zudem der psychische Druck, der auf den Patienten lastet. Die Frage, ob die künstliche Befruchtung zum Wunschkind führt, belastet beide Partner und damit nicht zuletzt auch die Partnerschaft.
Weiterhin können finanzielle Probleme zur Belastung werden; obwohl die Krankenkasse einen Teil der Kosten übernimmt, ist die künstliche Befruchtung ein nicht zu unterschätzender finanzieller Aufwand. Ein Versuch einer In-vitro-Fertilisation kostet etwa 4.000 Euro; eine Insemination ist deutlich günstiger.
Voruntersuchungen und Beratung
Vor jeder Kinderwunschbehandlung steht die Suche nach der Ursache, denn sie bestimmt, welches Verfahren überhaupt sinnvoll ist. Untersucht werden immer beide Partner, auch wenn die Beschwerden zunächst nur bei einem vermutet werden; nicht selten finden sich Einschränkungen bei beiden zugleich.
Bei der Frau beginnt die Abklärung mit der Erhebung der Vorgeschichte: Verlauf und Regelmäßigkeit des Menstruationszyklus, frühere Schwangerschaften und Fehlgeburten, Operationen im Bauchraum, durchgemachte Unterleibsentzündungen, Schmerzen während der Regelblutung und die Einnahme von Medikamenten. Es folgen eine gynäkologische Untersuchung und eine Ultraschalluntersuchung der Gebärmutter und der Eierstöcke, bei der sich unter anderem Myome, Zysten und die Zahl der heranreifenden Follikel beurteilen lassen. Hormonwerte werden im Blut bestimmt, zeitlich abgestimmt auf die Zyklusphase, weil sie sich im Verlauf des Zyklus stark ändern. Erfasst werden dabei auch die Schilddrüsenwerte, da eine Störung der Schilddrüsenfunktion den Zyklus beeinflussen kann.
Ob die Eileiter durchgängig sind, lässt sich mit gesonderten Verfahren prüfen, bei denen eine Flüssigkeit oder ein Kontrastmittel in die Gebärmutter eingebracht und ihr Weg mit Ultraschall oder Röntgen verfolgt wird; in unklaren Fällen kann eine Bauchspiegelung Aufschluss geben, die zugleich Herde einer Endometriose sichtbar macht. Ein häufiger Grund für verschlossene Eileiter sind zurückliegende, oft unbemerkt verlaufene Infektionen, etwa mit Chlamydien. Steht eine Zyklusstörung im Vordergrund, wird unter anderem an ein PCO-Syndrom gedacht.
Beim Mann steht das Spermiogramm im Mittelpunkt, das Zahl, Beweglichkeit und Form der Samenzellen beurteilt. Da die Werte natürlicherweise schwanken, wird ein auffälliges Ergebnis in der Regel wiederholt. Je nach Befund schließen sich eine urologische Untersuchung, eine Ultraschalluntersuchung der Hoden, Hormonbestimmungen und in bestimmten Fällen genetische Untersuchungen an. Bei beiden Partnern werden vor einer Behandlung Infektionen im Blut abgeklärt, unter anderem Hepatitis und HIV.
Zur Vorbereitung gehört auch das, was das Paar selbst beeinflussen kann. Rauchen wirkt sich bei Frauen wie bei Männern ungünstig auf die Fruchtbarkeit aus, ebenso deutliches Übergewicht und ausgeprägtes Untergewicht; auch übermäßiger Alkoholkonsum gilt als Belastungsfaktor. Empfohlen wird zudem die Einnahme von Folsäure vor Eintritt einer Schwangerschaft. Neben der medizinischen sieht das deutsche Vorgehen ausdrücklich eine psychosoziale Beratung vor: Vor Beginn einer Behandlung soll ein Arzt beraten, der die Behandlung nicht selbst durchführt, und Paaren steht eine begleitende psychologische Beratung offen.
Ablauf einer Behandlung im Überblick
Eine In-vitro-Fertilisation verläuft in klar abgegrenzten Schritten, die zeitlich eng aufeinander abgestimmt sind.
Am Anfang steht die hormonelle Stimulation der Eierstöcke. Ziel ist, dass statt einer einzigen Eizelle mehrere zugleich heranreifen. Dafür werden Hormone gespritzt, während gleichzeitig mit weiteren Medikamenten verhindert wird, dass der Eisprung vorzeitig eintritt und die Eizellen unerreichbar werden. Welche Medikamente in welcher Abfolge eingesetzt werden, richtet sich nach dem sogenannten Protokoll, das die Klinik anhand von Alter, Hormonwerten und Vorbefunden auswählt.
Während der Stimulation wird der Verlauf engmaschig überwacht. In wiederholten Ultraschalluntersuchungen wird gemessen, wie viele Follikel heranwachsen und wie groß sie sind; parallel werden Hormonwerte im Blut kontrolliert, vor allem das Östrogen. Diese Kontrollen dienen zugleich der Sicherheit, denn sie sollen eine überschießende Reaktion der Eierstöcke frühzeitig erkennen. Ist die Reifung weit genug fortgeschritten, wird der Eisprung gezielt mit einer Spritze ausgelöst; der Zeitpunkt der Entnahme richtet sich exakt danach.
Die Eizellentnahme erfolgt in der Regel durch die Scheide unter Ultraschallsicht: Eine dünne Nadel wird an der Ultraschallsonde entlang zu den Eierstöcken geführt, und die Flüssigkeit der Follikel wird abgesaugt. Der Eingriff dauert nur kurz und wird meist in einer kurzen Narkose oder mit starker Schmerzmedikation durchgeführt; anschließend bleibt die Frau noch zur Überwachung in der Einrichtung und sollte an diesem Tag nicht selbst Auto fahren. Am selben Tag gibt der Partner eine Samenprobe ab oder es wird zuvor eingefrorenes Material aufgetaut.
Im Labor werden die Eizellen unter dem Mikroskop aufgesucht und mit den aufbereiteten Samenzellen zusammengebracht – entweder, indem beides gemeinsam in einer Nährlösung kultiviert wird, oder durch die gezielte Injektion einer einzelnen Samenzelle. Danach werden die Zellen im Brutschrank unter kontrollierten Bedingungen weiter beobachtet. Der Embryotransfer selbst ist unspektakulär: Über einen dünnen, weichen Katheter wird durch den Gebärmutterhals in die Gebärmutterhöhle eingebracht, was sich entwickelt hat; eine Betäubung ist dafür meist nicht nötig. In der Zeit danach wird die Gebärmutterschleimhaut häufig mit Progesteron unterstützt. Bis ein Schwangerschaftstest aussagekräftig ist, vergeht noch eine Wartezeit, die viele Paare als besonders belastend erleben.
Weitere Verfahren und Zusatzschritte
Neben den weiter oben beschriebenen Grundverfahren gibt es eine Reihe ergänzender Techniken.
Lassen sich im Ejakulat keine Samenzellen finden, können sie in einem kleinen Eingriff direkt aus dem Hoden oder dem Nebenhoden gewonnen und anschließend für eine Injektion in die Eizelle verwendet werden. Umgekehrt kann bei der Frau vor einer Krebsbehandlung, die die Fruchtbarkeit gefährdet, Gewebe oder Zellmaterial eingefroren und aufbewahrt werden; das Einfrieren in flüssigem Stickstoff erlaubt eine Lagerung über lange Zeiträume. Auch im Rahmen einer laufenden Behandlung werden überzählige Zellen regelmäßig eingefroren, sodass ein weiterer Übertragungsversuch möglich ist, ohne dass die Frau eine erneute Stimulation und Eizellentnahme durchlaufen muss.
Ob die befruchteten Eizellen kürzer oder länger im Labor kultiviert werden, bevor sie übertragen werden, ist eine fachliche Abwägung: Eine längere Kultur erlaubt eine bessere Auswahl, führt aber dazu, dass nicht jede Zelle dieses Stadium erreicht. Ergänzende Laborschritte, etwa die Beurteilung der Entwicklung durch fortlaufende Bildaufnahmen im Brutschrank, werden von Kliniken unterschiedlich gehandhabt; für einige dieser Zusatzangebote ist ein Nutzen für die Geburtenrate nicht gesichert, und sie werden dann als Selbstzahlerleistung angeboten. Paare sollten sich erklären lassen, was ein angebotener Zusatzschritt leisten soll und wie gut das belegt ist.
Rechtlicher Rahmen und Erfolgsaussichten
Die Fortpflanzungsmedizin ist in Deutschland enger reguliert als in vielen Nachbarländern. Maßgeblich ist das Embryonenschutzgesetz, das Anfang der neunziger Jahre in Kraft trat und bestimmte Vorgehensweisen unter Strafe stellt. Verboten sind danach unter anderem die Eizellspende und die Leihmutterschaft; die Zahl der Embryonen, die in einem Zyklus übertragen werden dürfen, ist begrenzt, um Mehrlingsschwangerschaften mit ihren Risiken zu vermeiden. Die Verwendung gespendeter Samenzellen ist dagegen zulässig; für Kinder, die daraus hervorgehen, besteht ein staatlich geführtes Register, über das sie später Auskunft über den Spender erhalten können. Neben dem Gesetz regeln Richtlinien der Bundesärztekammer und der Ärztekammern die Durchführung.
Bei den Erfolgsaussichten ist die entscheidende Frage, worauf sich eine Prozentangabe bezieht. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Eizelle im Labor befruchten lässt, ist deutlich höher als die Wahrscheinlichkeit, dass daraus eine Schwangerschaft entsteht – und diese wiederum höher als die Wahrscheinlichkeit, am Ende ein Kind mit nach Hause zu nehmen. Für die Beurteilung ist deshalb die zuletzt genannte Größe die ehrlichste. Der wichtigste Einflussfaktor ist das Alter der Frau: Mit zunehmendem Alter sinkt sowohl die Zahl als auch die Qualität der verfügbaren Eizellen, und die Aussicht auf eine Geburt nimmt entsprechend ab. Ebenfalls von Bedeutung sind die Ursache der Kinderlosigkeit, die Zahl vorangegangener Versuche und Begleiterkrankungen. In Deutschland werden die Ergebnisse der Kinderwunschzentren in einem gemeinsamen Register erfasst und regelmäßig veröffentlicht, sodass Paare sich an nachvollziehbaren Auswertungen orientieren können statt an Werbeaussagen einzelner Anbieter. Wichtig zu wissen ist auch, dass mehrere Anläufe die Gesamtaussicht erhöhen – viele Paare werden nicht im ersten Versuch schwanger.
Belastungen jenseits des Körperlichen
Über die weiter oben genannten körperlichen Risiken hinaus verdient die seelische Seite eigene Beachtung. Der Ablauf einer Behandlung ist streng getaktet: Termine für Kontrollen lassen sich kaum verschieben, Spritzen müssen zu festen Zeiten gesetzt werden, und der Alltag richtet sich über Wochen nach dem Zyklus. Viele Paare erleben zudem einen Wechsel von Hoffnung und Enttäuschung, der sich mit jedem erfolglosen Versuch verstärkt. Ausbleibender Erfolg wird häufig als persönliches Versagen erlebt, und Sexualität kann ihre Unbefangenheit verlieren, wenn sie zur terminierten Aufgabe wird.
Hinzu kommt das soziale Umfeld: Schwangerschaften im Freundeskreis, gut gemeinte Ratschläge und die Frage nach Kindern bei Familienfeiern können erheblich belasten. Ein Teil der Betroffenen entwickelt anhaltende Niedergeschlagenheit oder Ängste; bei ausgeprägten oder anhaltenden Beschwerden ist fachliche Hilfe angezeigt, etwa in Form einer Beratung, einer Psychotherapie oder einer Selbsthilfegruppe. Auch die Frage, wann eine Behandlung beendet wird, gehört zu den schwierigsten und sollte nicht erst im Moment der Erschöpfung erstmals besprochen werden. Beratungsstellen und Kinderwunschzentren greifen sie in der Regel von sich aus auf; ebenso gehören andere Wege zum Kind, etwa Adoption oder Pflegschaft, zu den Möglichkeiten, die ein Paar für sich prüfen kann.
Geschichte
Die künstliche Befruchtung außerhalb des Körpers ist eine Entwicklung des 20. Jahrhunderts. Ihren Durchbruch markiert die Geburt von Louise Brown am 25. Juli 1978 im englischen Oldham – des ersten Kindes, das aus einer im Labor befruchteten Eizelle hervorging. Vorausgegangen war eine langjährige Zusammenarbeit zwischen dem Physiologen Robert Edwards, der die Befruchtung menschlicher Eizellen im Labor erforschte, und dem Gynäkologen Patrick Steptoe, der die Eizellen mit einer Bauchspiegelung gewann. Für diese Arbeiten erhielt Edwards im Jahr 2010 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin, den er ungeteilt zugesprochen bekam; Steptoe war zu diesem Zeitpunkt bereits gestorben, und der Preis wird nicht nachträglich verliehen.
In Deutschland kam das erste auf diesem Weg gezeugte Kind am 16. April 1982 an der Universitätsfrauenklinik in Erlangen zur Welt, in der Arbeitsgruppe um Siegfried Trotnow. In den Jahren darauf verbreitete sich das Verfahren rasch, und es entstanden spezialisierte Kinderwunschzentren.
Einen zweiten Einschnitt brachte das Jahr 1992: In Brüssel gelang der Arbeitsgruppe um Gianpiero Palermo die Schwangerschaft nach der Injektion einer einzelnen Samenzelle unmittelbar in die Eizelle. Damit wurden erstmals auch Fälle behandelbar, in denen die Samenzellen zu wenige oder zu unbeweglich sind, um eine Eizelle aus eigener Kraft zu erreichen – eine Konstellation, gegen die die klassische Befruchtung im Glas wenig ausrichten konnte.
Die rasche Ausweitung der Möglichkeiten warf früh gesellschaftliche und rechtliche Fragen auf, etwa nach dem Umgang mit überzähligen Embryonen, nach der Zulässigkeit einer Auswahl und nach der Abstammung von Kindern aus Samenspenden. Der deutsche Gesetzgeber beantwortete sie mit dem Embryonenschutzgesetz, das am 13. Dezember 1990 ausgefertigt wurde und zum 1. Januar 1991 in Kraft trat. Es zieht die Grenzen bis heute enger als die Regelungen mancher Nachbarländer, was dazu führt, dass sich Paare für in Deutschland verbotene Verfahren mitunter ins Ausland wenden.
Quellen
- Diedrich, K., Ludwig, M., Griesinger, G. (Hrsg.): Reproduktionsmedizin.
ISBN: 9783662576359
- Amrani, M., Seufert, R. (Hrsg.): Gynäkologische Endokrinologie und Kinderwunschtherapie.
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- Strowitzki, T., Ortmann, O. (Hrsg.): Klinische Endokrinologie für Frauenärzte.
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- Janni, W., Hancke, K., Fehm, T. (Hrsg.): Facharztwissen Gynäkologie.
ISBN: 9783437239175
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655

