Keratosis pilaris

Letzte Aktualisierung am 10. September 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
Startseite » Krankheiten » Keratosis pilaris

Keratosis pilaris oder Reibeisenhaut ist eine häufig vorkommende Verhornungsstörung, die zu verhornten, sich rau anfühlenden Papeln auf der Haut. Die Störung ist sehr häufig und betrifft vor allem Mädchen im Jugendalter. Die Beschwerde sind meistens rein kosmetischer Natur und können im Allgemeinen gut durch Hygienemaßnahmen und Salben behandelt, jedoch nicht geheilt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Keratosis pilaris?

Bei der Keratosis pilaris (auch als Lichen pilaris, Keratosis follicularis, Hornknötchenflechte oder umgangssprachlich Reibeisenhaut bekannt) handelt es sich um eine vermutlich genetisch bedingte Verhornungsstörung, die die Haut beziehungsweise die Haarfollikel vorwiegend im Bereich der Oberarme, Oberschenkel und des Gesichts betrifft.

Es bildet sich eine follikuläre Hyperkeratose aus. Das bedeutet, dass das Struktur gebende Protein Keratin im Übermaß produziert wird, wodurch sich verhärtete Knötchen an der Hautoberfläche ausbilden.

Ursachen

Keratosis pilaris bildet sich dann aus, wenn in den Haarfollikeln das Protein Keratin, das sich auch in Haaren und Nägeln findet und für deren Stabilität verantwortlich ist, im Übermaß produziert wird (follikuläre Hyperkeratose). Dadurch verdickt sich die Epidermis und die Follikelöffnung verstopft, was zur typischen Reibeisenstruktur der Haut führt.

Die grundlegende Ursache für die Verhornungsstörung ist ungeklärt, eine genetische Prädisposition gilt jedoch als sicher, da Keratosis pilaris sich in Familien häuft. Ist eine Person betroffen, liegt die Wahrscheinlichkeit für weitere betroffene Familienmitglieder bei 50 bis 70 Prozent. Vermutlich wird das entsprechende Gen autosomal dominant vererbt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Patienten mit Keratosis pilaris weisen eine typisch reibeisenartige raue Hautoberfläche auf. Es bilden sich circa stecknadelkopfgroße, kegelförmige Papeln aus, deren Erscheinungsbild an die so genannte Gänsehaut erinnert. Da sich Keratin in den Haarfollikeln ablagert, sind die Erhebungen hart und rau.

Zum Teil passiert es, dass die Keratinpfröpfe den Haarfollikel nach außen hin abschließen, so dass nachwachsende Haare nicht durch die Haut nach außen wachsen können, sondern sich im Follikel einrollen. Derart eingewachsene Haare können sich in seltenen Fällen schmerzhaft entzünden. Die hauptsächlich betroffenen Stellen der Reibeisenhaut sind die Oberarme und Oberschenkel.

Teilweise können auch das Gesicht, der Hals, die Kopfhaut sowie das Gesäß betroffen sein. Die Beschwerden sind im Normalfall rein kosmetischer Natur, können für die Betroffenen jedoch gerade in der Pubertät recht belastend sein. Nur sehr selten treten Juckreiz oder Schmerz auf.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Keratosis pilaris ist eine Sichtdiagnose, die durch den Hausarzt oder den Dermatologen gestellt werden kann. Zur genaueren Untersuchung kann Dermatoskopie angewendet werden. Da sich Fälle von Reibeisenhaut oft familiär häufen, ist die Erhebung der Familienanamnese hilfreich zur Diagnosestellung.

Es lassen sich diagnostisch mehrere verschiedene Subtypen unterscheiden, unter anderem die Keratosis pilaris rubra, die zu roten, entzündeten Erhebungen an Armen, Beinen und dem Kopf führt, Keratosis pilaris alba, bei der sich die Verhornungen nicht entzünden, und die Keratosis pilaris rubra faceii, die sich im Gesicht zeigt. Keratosis pilaris führt zu keinerlei gesundheitlichen Einschränkungen.

Allerdings sollten beim Auftreten von Symptomen an untypischen Stellen andere Hautkrankheiten differentialdiagnostisch ausgeschlossen werden. Zudem tritt Reibeisenhaut häufig im Zusammenhang mit Erkrankungen wie Neurodermitis, Asthma bronchiale, Allergien oder Ichtyosis vulgaris auf, so dass bei entsprechender Symptomatik gegebenenfalls weitere Diagnostik auf diese Krankheiten hin erfolgen kann.

Die Erkrankung kann sich über Jahre relativ unverändert zeigen, nimmt aber mit zunehmendem Lebensalter tendenziell ab oder verschwindet gänzlich. Pubertät, Schwangerschaft und Stillzeit hingegen führen oftmals zu stärkeren Schüben. Ein Aufkratzen der verhornten Stellen kann zu lokalen Entzündungen führen, die zu einer Verschlechterung der örtlichen Symptomatik führen.

Komplikationen

In der Regel kommt es durch die Keratosis pilaris nicht zu einem gesundheitsgefährdenden Zustand für den Patienten. Bei dieser Krankheit handelt es sich überwiegend um ein kosmetisches Problem. Dadurch leiden vor allem Mädchen nicht selten an psychischen Beschwerden oder an Depressionen. Weiterhin kann es auch bei Kindern zu Mobbing oder zu Hänseleien kommen, wodurch sich nicht selten Minderwertigkeitskomplexe oder ein verringertes Selbstwertgefühl ausbilden.

Vor allem in der Pubertät kann die Keratosis pilaris für die Kinder sehr belastend sein und die Lebensqualität deutlich einschränken. Ebenso leiden die Patienten in einigen Fällen an Schmerzen oder auch an einem Juckreiz. Weiterhin tritt die Keratosis pilaris auch bei Allergien oder bei Erkrankungen der Atemwege auf. Sollten die Betroffenen daher auch an diesen Beschwerden leiden, ist es ratsam, einen Facharzt aufzusuchen.

Die Behandlung dieser Krankheit erfolgt in der Regel mit Hilfe von Medikamenten und Pflegemitteln. Damit können die meisten Beschwerden eingeschränkt werden. Oft hilft auch eine erhöhte Körperhygiene bei der Bekämpfung dieser Krankheit. Weitere Komplikationen treten nicht auf. Auch die Lebenserwartung des Betroffenen wird durch die Keratosis pilaris nicht eingeschränkt.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Verhornungen der Haut gelten insbesondere bei Kindern als ungewöhnlich und sollten von einem Arzt abgeklärt werden. Obgleich die Keratosis pilaris nicht heilbar ist, kann eine medizinische Behandlung eingeleitet werden, die zu einer Verbesserung der Beschwerden führt. Damit die Ursache der Veränderungen des Hautbildes in Tests untersucht werden kann und eine Diagnosestellung ermöglicht wird, ist ein Arztbesuch erforderlich.

Breiten sich die vorhandenen Hautauffälligkeiten und Besonderheiten aus oder kommt es zu einer Verschlechterung des Hautbildes an den betroffenen Stellen, ist die Konsultation eines Arztes anzuraten. Entstehen Papeln, kommt es zu Schwellungen oder bleibt der körperliche Haarwuchs an den erkrankten Regionen aus, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Stellen sich Entzündungen ein, bildet sich Eiter oder drehen sich die nachwachsenden Haare in die Haut ein, ist ein Arztbesuch zu empfehlen. Bei Juckreiz und der Entstehung von offenen Wunden, ist auf eine sterile Wundversorgung zu achten.

Kann diese nicht gewährleistet werden oder vergrößern sich vorhandene Wunden, ist ein Arzt zu konsultieren. In schweren Fällen droht eine Blutvergiftung, da über die Körperstellen Keime in den Organismus eindringen können. Leidet der Betroffene emotional unter den Hautveränderungen, sollte ebenfalls ein Arzt aufgesucht werden. Bei Verhaltensauffälligkeiten, Veränderungen der Persönlichkeit oder starken Stimmungsschwankungen wird therapeutische Unterstützung benötigt.

Behandlung & Therapie

Die Keratosis pilaris ist nicht durch therapeutische Maßnahmen heilbar. Ihre Symptome können jedoch gelindert werden, bis die Verhornungsstörung sich gegebenenfalls mit zunehmendem Alter des Betroffenen von selbst gibt. Die relevantesten Maßnahmen umfassen den Bereich der Körperpflege und können vom Patienten selbst durchgeführt werden.

Wichtig ist die regelmäßige Reinigung der betroffenen Areale. Hierzu sollte auf seifenhaltige Lotionen gänzlich verzichtet oder zumindest pH-neutrale Seife verwendet werden. Auch sollten Patienten nicht übermäßig lange duschen, um die Haut nicht auszutrocknen. Anschließend sollten die betroffenen Stellen mit rückfettenden und feuchtigkeitsspendenden Lotionen gepflegt werden.

Besonders vorteilhaft wirken Pflegemittel mit Harnstoff, da dieser die Feuchtigkeit bindet und die verhornten Stellen löst. Andere medizinische Salben enthalten Salicylsäure, Hydroxycarbonsäuren oder Milchsäure. Diese Cremes können bei Bedarf auch über Nacht als Pflegemaske aufgetragen werden. Reichen diese alltäglichen Hygienemaßnahmen nicht aus, können Peelings mit Salicyl-, Milch- oder Fruchtsäuren helfen, die Hornpfropfen zu entfernen.

Sowohl medizinische Salben als auch Säurepeelings sollten jedoch nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt verwendet werden. In schwereren Fällen können auch glucocorticoidhaltige Salben (Cortison) zum Einsatz kommen. Auch eine Lasertherapie ist möglich, verspricht aber ebenso wie die angesprochenen Salben nur eine Linderung, keine Heilung. Grundsätzlich sollten Keratosis pilaris Patienten auf eine ausreichende Trinkmenge achten und sich moderat der Sonne aussetzen, um die Vitamin D Produktion anzuregen.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Aussicht & Prognose

Bei Vorliegen von Keratosis pilaris, auch Reibeisenhaut genannt, kann der Betroffene in der Regel selbst seine Behandlung in die Hand nehmen. Feuchtigkeitscremes mit Urea halten die Haut geschmeidig und fördern eine raschere Abschuppung, wodurch eine Verhornung gemildert wird. Mithilfe von Peelings werden abgestorbene Hautzellen abgetragen und das Hautbild optisch und haptisch verbessert. Hierbei helfen chemische Peelings basierend auf Inhaltsstoffen wie Salicylsäure, Fruchtsäure oder auch Milchsäure. Von mechanischen Peelings, beispielsweise durch Hornhautraspel oder Bimsstein, ist abzuraten, da diese die geschädigte Haut leicht verletzen können und dies möglicherweise Entzündungen hervorruft. Bei besonders empfindlicher Haut kann der Patient auch auf Cremes mit Vitamin A zurückgreifen. Diese erreichen eine ähnliche Wirkung wie chemische Peelings, regen zusätzlich die Bildung neuer Zellen an und sind dabei schonender zur Haut.

Manche Betroffene stellen im Sommer bei erhöhter Sonnenstrahlung eine Besserung des Hautbildes fest. Sie können mit einem Dermatologen die Möglichkeit einer Lichttherapie besprechen, welche anders als im normalen Solarium direkt auf die individuellen Bedürfnisse angepasst wird.

In einigen Fällen führt eine Ernährungsumstellung zu einer deutlichen Verbesserung der Symptome. Dabei ist es individuell unterschiedlich, ob der Verzicht auf Suchtmittel, Zucker, Kaffee oder sogar Gluten eine Besserung bewirkt oder eher die Umstellung auf eine vitaminreiche Ernährung mit ausreichender Flüssigkeitsaufnahme.

Vorbeugung

Die Keratosis pilaris lässt sich bei entsprechender Disposition nicht gänzlich vermeiden. Die Symptome können durch adäquate Pflege und Vorsichtsmaßnahmen jedoch deutlich gelindert oder sogar im Vorfeld verhindert werden. Besonders wichtig sind diese Maßnahmen im Winter, da sich die sogenannte Reibeisenhaut in dieser Zeit besonders stark zeigt. Hier greifen dann viele der bereits erwähnten Behandlungsmaßnahmen (Reinigung, Eincremen gegebenenfalls mit medizinischen Salben, Peelings).

Das können Sie selbst tun

Keratosis pilaris bedarf meist keiner ärztlichen Behandlung. Betroffene können die Reibeisenhaut lindern, indem sie die Ursachen für die Verhornungen ermitteln und dann ganz gezielt Gegenmaßnahmen ergreifen.

Wichtig ist vor allem die regelmäßige Pflege der betroffenen Körperregionen. Häufige Peelings helfen die abgestorbenen Hautzellen abzutragen und dadurch das Hautbild zu verbessern. Besonders wirksam sind Anwendungen mit Salicylsäure, denn der Wirkstoff wirkt entzündungshemmend und löst die Verstopfungen auf. Verschiedene Öle, zum Beispiel Oliven-, Kokos- oder Arganöl, sorgen ebenfalls für eine reinere Hautoberfläche. In manchen Fällen verbessern Sonnenstrahlen den Hautzustand. Auch Meerwasser soll helfen und kann pur oder in Form von Salben und Lotionen aufgetragen werden.

Daneben empfiehlt sich eine gesunde Ernährung, die möglichst wenig Gluten und möglichst viel frisches Obst und Gemüse beinhalten sollte. Auf allzu viel Zucker sowie Genussmittel wie Alkohol, Nikotin und Kaffee sollte verzichtet werden. Betroffene sollten außerdem viel Wasser trinken. Regelmäßige Saunabesuche geben der Haut zusätzliche Feuchtigkeit. Sport und die Vermeidung von Stress unterstützen diese Maßnahmen und verbessern das Wohlbefinden insgesamt. Sollte die Keratosis pilaris trotz allem nicht abnehmen, wird am besten der Hausarzt oder ein Dermatologe eingeschaltet.

Quellen

  • Dirschka, T., Hartwig, R.: Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2011
  • Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010
  • Sterry, W., Worm, M., Burgdorf, W.: Checkliste Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2014


Hat Ihnen der Artikel geholfen? Dann empfehlen Sie ihn weiter:

Das könnte Sie auch interessieren