Kindlicher Knick-Senkfuß
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 19. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Häufig kommt es vor, dass kleine Kinder eine Fußfehlstellung haben, den sogenannten kindlichen Knick-Senkfuß, der harmlos ist und in der Regel von allein bis zum Einschulungsalter wieder verschwindet.
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Was ist ein kindlicher Knick-Senkfuß?
Als kindlicher Knick-Senkfuß wird eine im Kinderalter häufig vorkommende, harmlose Fußfehlstellung bezeichnet, bei der die Ferse nach außen hin in Form eines X abgeknickt ist und zugleich das Fußgewölbe wie beim Plattfuß verflacht in Erscheinung tritt.
Diese Anomalie kommt bei den meisten Kindern vor und hat mit dem Wachstum des Skelettes zu tun, weshalb man auch vom physiologischen Knick-Senkfuß spricht. Die Fehlstellung fällt erst auf, nachdem ein Kind mit dem Laufen begonnen hat. Der natürliche Gang wird aber nicht dadurch behindert. Das Längsgewölbe des Fußes bildet sich erst im Lauf der ersten Lebensjahre aus – bei vielen Kindern bis etwa zum sechsten, mitunter auch erst bis zum zehnten Lebensjahr. Zusätzlich täuscht das kräftige Fettpolster an der Fußsohle kleiner Kinder einen Plattfuß vor. Bis dahin handelt es sich um eine normale Entwicklungsstufe und nicht um einen Behandlungsfall.
Abzugrenzen ist der kindliche Knick-Senkfuß vom Knickfuß des Erwachsenen: Dieser entsteht meist erworben, vor allem durch eine Schwäche der Sehne des hinteren Schienbeinmuskels (Tibialis-posterior-Insuffizienz), bildet sich nicht von selbst zurück und wird deshalb anders behandelt.
Meistens bildet sich der kindliche Knick-Senkfuß bis zum Einschulungsalter von selbst zurück. Eine Behandlung muss nur dann erfolgen, wenn der Gang stark beeinträchtigt wird und sich die Fehlstellung bis zum 7. Lebensjahr nicht ausreichend normalisiert hat.
Ursachen
Die Hauptursache des kindlichen Knick-Senkfußes ist also im physiologischen Wachstum eines Kindes zu suchen. Den Hauptgrund bildet der Halteapparat des Fußes, der sich von dem eines Erwachsenen unterscheidet.
Kinder müssen aufgrund ihrer Anatomie beim Gehen den Fuß ein wenig einwärts drehen und versuchen durch Knicken des Fußes dieser Einwärtsdrehung entgegenzuwirken. Dadurch knickt der Fuß im Knöchel ab und das Gewölbe flacht ab. Die im Kleinkind- und Vorschulalter häufigen X-Beine gehören ebenfalls zu dieser normalen Entwicklung und wachsen sich in der Regel von selbst aus.
Aber auch andere, nicht entwicklungsbedingte Ursachen können in Frage kommen:
- Instabilität von Sehnen und Bändern
- eine schwache Muskulatur
- starkes Übergewicht (Adipositas)
- X- oder O-Beine
- Lähmungen insbesondere des hinteren Schienbeinmuskels
- Erkrankungen der Knochen
Typische Symptome & Anzeichen
- die Ferse ist nach außen, am Knöchel, abgeknickt
- X-Stellung des Fußes (Knickfuß)
- die Fußfläche ist abgeflacht (ähnlich dem Plattfuß), der Senkfuß liegt größtenteils auf dem Boden
- X-Beine
Diagnose & Verlauf
Einen kindlichen Knick-Senkfuß kann man schon rein äußerlich erkennen an der X-Stellung des Knöchels und dem am Boden aufliegenden Fußgewölbe.
Bezeichnend ist, dass die Fehlstellung erst nach dem Laufenlernen auftritt. Diese Erscheinung ist selten schmerzhaft, beeinträchtigt den natürlichen Gang überhaupt nicht und verschwindet meistens spätestens im Schulalter wieder von allein. Nur bei starken Beschwerden sollte eine mögliche andere Ursache abgeklärt werden, z. B. ein angeborener Plattfuß oder Fehlbildungen / Verwachsungen im Bereich der Fußknochenanteile.
Die Diagnose stellt der Kinderarzt für gewöhnlich durch eine Untersuchung des kindlichen Fußes, bei der er das Fußgewölbe betrachtet im Hinblick auf die Verflachung. Um festzustellen, ob es sich um den physiologischen kindlichen Knick-Senkfuß handelt, führt er weitere Tests durch:
- Begutachtung, ob sich im Zehenspitzenstand das Fußgewölbe aufrichtet
- Beweglichkeit des Fußgelenkes, sollte ohne Schmerzen möglich sein
- Podogramm (Fußabdruck), um zu erkennen, ob der Fuß eine normale kindliche Silhouette zeigt
Entscheidend ist dabei die Unterscheidung zwischen einer flexiblen und einer starren Fehlstellung: Richtet sich das Längsgewölbe im Zehenspitzenstand oder beim Anheben der großen Zehe auf, ist der Fuß flexibel und in aller Regel harmlos. Bleibt er dagegen starr, ist eine weitere Abklärung nötig – etwa auf eine knöcherne Verschmelzung von Fußwurzelknochen (Coalitio) oder eine neurologische Ursache.
Nur wenn starke Bewegungseinschränkungen oder Schmerzen vorhanden sind, wird eine Röntgenuntersuchung durchgeführt, um andere Ursachen auszuschließen. Gegebenenfalls wird in bestimmten Zeitabständen der Zustand erneut kontrolliert.
Komplikationen
Nicht selten wirken die Patienten dadurch auch gereizt und leiden an einem stark verringerten Selbstwertgefühl. Häufig bestehen zugleich die im Kleinkindalter normalen X-Beine. Durch die Fehlstellung kann es zu weiteren Einschränkungen in der Bewegung kommen, sodass das Kind möglicherweise bestimmte Sportarten nicht mehr ohne Weiteres durchführen kann. Dadurch kann auch die kindliche Entwicklung gestört werden.
In den meisten Fällen ist keine Behandlung dieser Krankheit notwendig und die Beschwerden verschwinden dabei von selbst wieder. Gegebenenfalls müssen die Ernährung und die Lebensweise umgestellt werden. Durch verschiedene Therapien und Übungen können die Beschwerden ebenso gelindert werden. Bleibt ein ausgeprägter Knick-Senkfuß dagegen über Jahre bestehen, können später Schmerzen an der Fußinnenseite, eine Reizung der Sehne des hinteren Schienbeinmuskels sowie Knie-, Hüft- und Rückenbeschwerden hinzukommen. Die Lebenserwartung des Patienten wird durch den Knick-Senkfuß nicht verringert.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Eltern, die bei ihrem Kind eine Fußfehlstellung feststellen, sollten zeitnah den Kinderarzt oder einen Orthopäden einschalten. Typische Anzeichen wie ein abgeflachtes Fußgewölbe oder X-Beine deuten auf einen kindlichen Knick-Senkfuß hin, der in aller Regel harmlos ist und keiner Behandlung bedarf. Zur Beruhigung genügt meist eine einmalige Untersuchung, bei der der Arzt prüft, ob sich das Fußgewölbe im Zehenspitzenstand aufrichtet. Ein Arztbesuch ist spätestens dann notwendig, wenn das Kind über Schmerzen oder andere Beschwerden klagt, wenn der Fuß starr bleibt oder wenn nur ein Fuß betroffen ist.
So sollte mit Gangschwierigkeiten und Nervenstörungen, aber auch mit seelischen Leiden infolge der Fußfehlstellung, ein Spezialist konsultiert werden. Nimmt der kindliche Knick-Senkfuß einen schweren Verlauf, muss gemeinsam mit einem Orthopäden eine individuelle Therapie ausgearbeitet werden, die auf die Art und Ausprägung der Beschwerden abgestimmt ist. Während der Behandlung sind regelmäßige Arztbesuche notwendig, da sich die Stellung der Füße während des Wachstums verändert und die Therapie gegebenenfalls angepasst werden muss. Eltern von betroffenen Kindern sollten regelmäßig Rücksprache mit dem Arzt halten und bei dem Kind auf auffällige Symptome achten.
Behandlung & Therapie
In den meisten Fällen muss beim kindlichen Knick-Senkfuß keine Behandlung erfolgen, weil sich das Fußgewölbe infolge des Wachstums von allein entwickelt und die Fehlstellung sich zurückbildet.
Selbst wenn das Fußgewölbe nach dem Wachstum etwas abgeflacht bleibt, ist das im Erwachsenenalter in der Regel kein Problem. Die beste Therapie ist Kinder viel barfuß laufen zu lassen, besonders auf natürlichem Boden, spielerische Fußgymnastikübungen, Greifübungen mit den Zehen und der Zehenspitzenstand.
Bei Beschwerden können Einlagen verordnet werden sowie krankengymnastische Übungen. Lange Zeit wurden Einlagen beim kindlichen Knick-Senkfuß routinemäßig verordnet. Nach heutigem Kenntnisstand beeinflussen sie den Verlauf des flexiblen kindlichen Knick-Senkfußes jedoch nicht und werden deshalb nicht mehr regelhaft, sondern nur noch bei anhaltenden Beschwerden eingesetzt. Bei adipösen Kindern sind zudem eine Ernährungsberatung und Diät angezeigt, um weitere Beschwerden zu verhindern. In besonders schweren Fällen gibt es zwei Operationsmethoden zur Korrektur: die Weichteiloperation, um den Zug der Muskeln zu verbessern, die das Fußgewölbe aufrichten, und die knöcherne Operation bei einer Verbindung zu neurologischen Erkrankungen.
Aussicht & Prognose
Die Prognose für Patienten mit kindlichem Knick-Senkfuß fällt in den meisten Fällen günstig aus. Insbesondere in leichten bis mittelschweren Fällen korrigiert sich die Fehlstellung von alleine, noch bevor die Kinder das Schulalter erreichen. Schmerzen treten in diesen Fällen üblicherweise nicht auf.
In schwereren Fällen kann die Erkrankung einen langwierigen Verlauf nehmen, wobei hier auch eine Schmerzsymptomatik nicht auszuschließen ist. Unbehandelt kann sich die Fehlstellung über Jahre hinziehen und noch im Erwachsenenalter zu Problemen führen. Ein langjähriger ausgeprägter Knick-Senkfuß kann zu Problemen mit der Statik des Bewegungsapparates führen. Resultierende Kniefehlstellungen, wie X- oder O-Beine können nicht nur zu Schmerzen in den Kniegelenken sondern auch zu Hüftproblemen oder Rückenschmerzen im Lendenwirbelbereich führen.
Bei Behandlung einer schweren Form des Knick-Senkfußes ist von einer Behandlungsdauer von mehreren (i. d. R. 2-3) Jahren auszugehen. In diesem Fall sind die Aussichten für die Patienten jedoch wieder positiv, der Knick-Senkfuß bildet sich in dem genannten Zeitraum im Großteil der Fälle wieder zurück. Auch die möglicherweise vorhandenen Schmerzen klingen meist kurz nach Behandlungsbeginn ab und ermöglichen so einen beschwerdefreien Gang.
Vorbeugung
Einen kindlichen Knick-Senkfuß kann man eigentlich nicht verhindern, weil er Teil des natürlichen Wachstums eines Kindes ist. Wenn Kinder jedoch viel barfuß hauptsächlich auf Naturboden laufen können und Schuhe tragen, die bequem und gut an den Fuß angepasst sind, kann man schon viel zu einer gesunden Entwicklung beitragen.
Nachsorge
Beim physiologischen kindlichen Knick-Senkfuß ist eine eigentliche Nachsorge nicht erforderlich. Es genügt, die Entwicklung des Fußes bei den ohnehin vorgesehenen Vorsorgeuntersuchungen im Blick zu behalten und abzuwarten, ob sich das Längsgewölbe mit dem Wachstum aufrichtet. Bestehen Beschwerden, sind Verlaufskontrollen beim Kinderarzt oder Orthopäden in größer werdenden Abständen sinnvoll.
Wurden Einlagen verordnet, müssen sie dem wachsenden Fuß regelmäßig angepasst werden; da Kinderfüße schnell wachsen, ist eine Kontrolle etwa alle sechs Monate angebracht. Die krankengymnastisch erlernten Übungen sollten zu Hause weitergeführt werden, ebenso das Barfußlaufen auf unebenem Untergrund. Auch auf gut passendes, ausreichend weites Schuhwerk ist zu achten.
Nur in schweren Fällen wird eine Operation nötig. Ihr schließt sich in der Regel eine mehrwöchige Ruhigstellung im Gipsverband an, gefolgt von einer schrittweisen Steigerung der Belastung und von Krankengymnastik. Bis zum Abschluss des Wachstums sind dann regelmäßige Kontrollen beim Orthopäden erforderlich, da sich die Fußstellung mit dem Wachstum noch verändern kann. Bevor eine Operation in Betracht gezogen wird, sollten sich Eltern an Zentren und Kliniken wenden, die sich mit nicht-chirurgischen Korrekturen auskennen.
Das können Sie selbst tun
Der Kindliche Knick-Senkfuß verschwindet in der Regel mit den Jahren, meist noch im Vorschulalter, bei den Kindern von selbst wieder. Die Erkrankung stellt daher meist keinen Grund zur Besorgnis dar, ist jedoch aufmerksam zu beobachten. Da der Kindliche Knick-Senkfuß nicht mit Schmerzen einhergeht und sich die Kinder normal bewegen können, ist die Lebensqualität der Betroffenen nicht merklich eingeschränkt.
Dennoch gibt es einige Faktoren, die den Kindlichen Knick-Senkfuß begünstigen und unter Umständen dazu beitragen, dass er sich nicht ausreichend zurückbildet. Um das Wohlbefinden der erkrankten Kinder zu verbessern, ist bestehendes Übergewicht zu reduzieren. Außerdem empfiehlt der Physiotherapeut adäquate Übungen für zu Hause, die die Kinder zur Kräftigung von Muskeln und Sehnen regelmäßig durchführen.
Besonders förderlich für den Krankheitsverlauf des Kindlichen Knick-Senkfußes ist es, wenn die Kinder so oft wie möglich barfuß laufen. Dies kräftigt den Fuß sowie die Beine und wirkt der Fehlstellung entgegen. Durch die Stärkung der Muskeln beim Barfußlaufen bildet sich der Kindliche Knick-Senkfuß häufig auch rascher zurück. Falls der Arzt Schuheinlagen oder spezielle orthopädische Schuhe gegen die Fehlstellung des Fußes verschreibt, so sind diese wie verordnet zu tragen, um bestehende Beschwerden zu lindern.
Quellen
- Hefti, F.: Kinderorthopädie in der Praxis.
ISBN: 9783642449949
- Matussek, J. (Hrsg.): Kinderorthopädie und Kindertraumatologie.
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- Niethard, F. U., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Duale Reihe Orthopädie und Unfallchirurgie.
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- Rammelt, S.: Fuß- und Sprunggelenkchirurgie.
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- Engelhardt, P., Schuh, R., Wanivenhaus, A. (Hrsg.): Orthopädische Fußchirurgie.
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