Loa loa (Loiasis)

Loiasis ist eine parasitäre Infektionskrankheit, die durch spezifische Fadenwürmer, den Loa loa-Filarien, verursacht wird und sich in erster Linie anhand entzündlicher, allergiebedingter Schwellungsreaktionen manifestiert. Schätzungsweise 3 bis 30 Prozent der Bevölkerung sind in den Verbreitungsgebieten (West- und Zentralafrika) mit Loa loa-Würmern infiziert.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Loa loa?

Als Loiasis wird eine Infektion mit dem Nematoden (Fadenwurm) Loa loa bezeichnet, die durch tagaktive Bremsen der Gattung Chrysops übertragen wird und in erster Linie im tropischen Regenwald West- und Zentralafrikas (Kongobecken) anzutreffen ist.

Etwa zwei bis zwölf Monate nach der Infektion mit dem Loa loa zirkuliert der Parasit im Unterhautzellgewebe und Bindegewebe sowie gelegentlich im subkonjunktivalen Gewebe (Augenbindegewebe).

Allergische Reaktionen auf den Loa loa-Wurm führen zu plötzlich auftretenden, juckenden Schwellungen der Haut (sogenannte Kalabarbeule), insbesondere im Gesicht und an den Beinen, die mehrere Tage bestehen bleiben und in unregelmäßigen Abständen rezidivieren (wiederkehren) können. Wird der Kehlkopf von den Loa loa-Parasiten befallen, kann sich ein lebensbedrohendes Glottisödem (akute Schwellung des Kehlkopfes) manifestieren.

Ursachen

Loa loa ist ist ein parasitärer Fadenwurm (Filarien), der durch infizierte tagaktive Bremsen der Gattung Chrysops übertragen wird. Die von der Bremse übertragenden Mikrofilarien (Larven des Loa loa-Wurms) reifen innerhalb der Inkubationszeit (2-9 Monate) im infizierten, menschlichen Körper zu geschlechtsreifen, adulten Filarien, die im Unterhautzellgewebe und Bindegewebe der Haut, Schleimhäute und gegebenenfalls Augen leben und innerhalb dieser Strukturen wandern können (sogenannte „Wanderfilarien“).

Die adulten (ausgewachsenen) Filarien bringen darüber hinaus im Bindegewebe eine große Anzahl infektiöser Mikrofilarien hervor, die tagsüber über das Lymphsystem in den Blutkreislauf gelangen und dort zirkulieren. Allergiebedingt werden durch die Ausbreitung der adulten Filarien sowie der Mikrofilarien die für eine Loiasis charakteristischen Entzündungsreaktionen und Schwellungen hervorgerufen.

Wird ein infizierter Mensch in diesem Erkrankungsstadium von einer tagaktiven Bremse gebissen, wird diese infiziert und kann die infektiösen Loa loa-Mikrofilarien auf weitere Menschen oder Menschenaffen übertragen. Eine direkte Übertragung des Loa loa-Wurms von Mensch zu Mensch ist dagegen auszuschließen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Loa Loa oder Loiasis ist eine in Westafrika vorkommende Wurminfektion, welche hauptsächlich stark juckende Hautschwellungen verursacht. Die Schwellungen sind weich und können bis zu zehn Zentimeter große Beulen hervorbringen. Meist verschwinden die Beulen aber nach zwei bis drei Tagen wieder, um jedoch an anderer Stelle abermals aufzutauchen.

Betroffen ist in der Regel nur ein Arm oder ein Fuß. Dabei stellen die Schwellungen allergische Reaktionen des Körpers auf den Fadenwurm dar. Durch die Wanderung der Fadenwürmer kommt es auch zur Wanderung der Schwellungen oder Beulen (Kamerunbeulen oder Calabar-Schwellungen) über den Körper. Zwar ist die Erkrankung in der Regel ungefährlich.

Oftmals findet jedoch auch ein chronischer Verlauf von mehr als zehn Jahren statt, weil der Fadenwurm sehr langlebig ist. In dieser Zeit können allerdings auch andere Organe wie Herz oder Nieren in Mitleidenschaft gezogen werden. So können als Spätfolgen eventuell Herzklappenfehler, Niereninsuffizienz oder gar Hirnhautentzündungen auftreten.

In seltenen Fällen wird der kriechende Wurm auch gesehen. Das trifft besonders dann zu, wenn er durch das Auge wandert. Aufgrund dieser Eigenschaft wird Loa Loa auch als Augenwurm bezeichnet. Obwohl die Krankheit sehr langwierig ist, heilt sie in der Regel nach dem Absterben des Wurms doch wieder gut aus. Der Wurm kann operativ entfernt oder medikamentös durch Diethylcarbamazin abgetötet werden.

Diagnose & Verlauf

Eine Infektion mit Loa loa-Parasiten kann in der Regel anhand der charakteristischen Symptome diagnostiziert werden. Abgesichert wird die Diagnose einer Loiasis durch den Nachweise der Loa-loa-Mikrofilarien im Blut.

Hierbei sollte die Blutentnahme für den Nachweis tagsüber durchgeführt werden, das sich die Mikrofilarien an die tagaktive Bremse als Zwischenwirt angepasst haben und entsprechend lediglich zu dieser Zeit im Blutkreislauf zirkulieren.

Daneben können ein Immunfluoreszenztest zum Nachweis der Infektionsantikörper sowie Diethylcarbamazin (DEC), das nach einmaliger Gabe Juckreiz auslöst und einen indirekten Nachweis der Mikrofilarien darstellt, zum Einsatz kommen.

In der Mehrzahl der Fälle ist eine Infektion mit Loa loa gut behandelbar und weist ein gute Prognose auf. In seltenen Fällen kann es bei einem lang andauernden Verlauf der Loiasis zu Spätkomplikationen wie Endokarditis, Meningoenzephalitis oder Nierenschädigungen kommen.

Komplikationen

Bei Loa loa kommt es zu verschiedenen Beschwerden und Komplikationen, die am gesamten Körper des Patienten auftreten können. In den meisten Fällen kommt es dabei zu einer allergischen Reaktion des Körpers, sodass die Betroffenen an einer geröteten Haut oder an einem Juckreiz auf der Haut leiden. Durch das Kratzen wird der Juckreiz in der Regel nur noch weiter verstärkt.

Vor allem im Gesicht können die Juckreize und Rötungen für den Betroffenen sehr unangenehm sein und zu einem verringerten Selbstwertgefühl führen. Nicht selten tränen auch die Augen und es kommt zu Augenschmerzen. Komplikationen treten durch Loa loa in der Regel nur dann auf, wenn es nicht zu einer Behandlung kommt oder wenn die Behandlung erst sehr spät eingeleitet wird.

Dabei können die Patienten auch Schäden an den Nieren erleiden, sodass es im schlimmsten Falle zu einer Niereninsuffizienz kommt. Dabei ist der Patient dann auf eine Dialyse oder auf eine Nierentransplantation angewiesen. Die Behandlung von Loa loa wird mit Hilfe von Medikamenten durchgeführt. Dabei treten keine Komplikationen auf. Die Betroffenen wirken durch die Erkrankung nicht selten müde und abgeschlagen und können nicht mehr aktiv am Leben teilnehmen. In den meisten Fällen stellt sich allerdings ein positiver Krankheitsverlauf ein.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Schwellungen der Haut sowie ein Juckreiz sind Anzeichen für eine vorliegende Erkrankung. Halten die Beschwerden über mehrere Tage oder Wochen an, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Kommt es durch den Juckreiz zur Entstehung von offenen Wunden, benötigt der Betroffene eine sterile Wundversorgung. Kann diese nicht ausreichend gewährleistet werden, sollte ein Arzt konsultiert werden. Bildet sich Eiter oder schmerzen die betroffenen Körperstellen, ist ein Arztbesuch notwendig. Es droht dem Betroffenen eine Blutvergiftung, die ohne medizinische Versorgung zu einer Lebensbedrohung führen kann. Wird eine Bildung von Beulen bemerkt, die sich selbständig nach wenigen Tagen zurückbilden und anschließend an einer anderen Stelle des Körpers neu entstehen, sind die Beobachtungen mit einem Arzt zu besprechen.

In den meisten Fällen befinden sich die erkrankten Regionen an den Armen oder Füßen des Patienten. Ohne eine Behandlung kommt es langfristig zu einer Beeinträchtigung der Nierentätigkeit. Daher sollte ein Arzt bei Funktionsstörungen der Niere, Beschwerden des Wasserlassens oder Veränderungen des Urins ein Arzt aufgesucht werden. Kommt es zu Auffälligkeiten der Herztätigkeit, Veränderungen des Blutdrucks oder des Herzrhythmus, benötigt der Betroffene einen Arzt. Bei einem allgemeinen Krankheitsgefühl, einem Unwohlsein, einer inneren Schwäche oder einer Abnahme der gewohnten Leistungsfähigkeit ist ebenfalls ein Arztbesuch notwendig.

Behandlung & Therapie

Eine Loiasis wird allgemein medikamentös mit Diethylcarbamazin, einem Anthelminthikum bzw. Wurmmittel, therapiert, das die Loa loa-Mikrofilarien und zum Teil die adulten Filarien abtötet, indem es in den Stoffwechsel der Erreger eingreift.

Hierbei wird anfänglich eine geringere und sukzessiv zu steigernde Dosierung empfohlen, da durch die sehr hohe Zahl absterbender Loa loa-Parasiten toxisch wirkende Substanzen freigesetzt werden, die ausgeprägte allergische Reaktionen wie Ausschlag, asthmatische Anfällen, Fieber und Müdigkeit im menschlichen Organismus hervorrufen können (sogenannte Mazzotti-Reaktion). Zur Hemmung bzw. Abschwächung derartiger allergischer Reaktionen sowie zur Reduzierung des Juckreizes und der Entzündungsreaktionen sollten gleichzeitig Antihistaminika oder Corticosteroide eingenommen werden.

In einigen Fällen kommen im Vorfeld der Diethylcarbamazin-Therapie weitere Anthelminthika wie Ivermectin oder Albendazol zum Einsatz. Diethylcarbamazin ist bei vorliegender Schwangerschaft sowie bei gleichzeitigem Vorliegen weiterer parasitärer Infektionskrankheiten wie Dirofilaria immitis oder Onchozerkose aufgrund der durch die freigesetzten Toxine ausgelösten allergischen Reaktionen kontraindiziert.

Die in manchen Fällen mit der Diethylcarbamazin-Therapie einhergehende Proteinurie (Ausscheidung von Eiweißen über den Harn) ist bei einer Loiasis in der Regel vorübergehend. Sind Loa loa-Parasiten in der Bindehaut des Auges sichtbar, können diese unter lokaler Anästhesie (Betäubung) chirurgisch entfernt werden.

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Aussicht & Prognose

Die Prognosestellung der Loa loa richtet sich nach dem Zeitpunkt der Diagnose sowie der Behandlung, aber auch nach dem grundsätzlichen Krankheitsverlauf. In vielen Fällen ist der Krankheitserreger bereits einige Monate im Organismus, bis deutlicher gesundheitliche Beschwerden auftreten. Aus diesem Grund kann sich der Wurm bis zu dessen Feststellung ausbreiten und bereits innere Schäden verursachen.

Wird die Erkrankung in einem frühen Stadium entdeckt, kann eine medikamentöse Behandlung eingeleitet werden. Diese führt im Normalfall innerhalb kurzer Zeit zu einer Linderung der Beschwerden und einer anschließenden Beschwerdefreiheit. Bei einem ungünstigen Krankheitsverlauf haben sich bereits erste innere Organschäden entwickelt.

In schweren Fällen kann eine Niereninsuffizienz eintreten. Diese stellt eine potentielle Gefährdung des menschlichen Lebens dar. Häufig wird ein Spenderorgan benötigt, damit eine Aussicht auf eine Genesung vorhanden ist. Die Transplantation ist komplex und mit zahlreichen Nebenwirkungen verbunden. Nicht immer wird das Spenderorgan vom Organismus gut aufgenommen. Es kann zu Reaktionen der Abstoßung und damit zu einer weiteren Verschlechterung des allgemeinen Gesundheitszustandes kommen. Die Prognose ist ebenfalls verschlechtert, wenn sich ein chronischer Krankheitsverlauf einstellt. Trotz der Gabe von Medikamenten besteht die Möglichkeit, dass der Krankheitserreger nicht vollständig abgetötet wird. Daher kommt es nicht selten vor, dass eine Therapie bis zu zehn Jahre durchgeführt werden muss.

Vorbeugung

Da gegen Loa loa bislang kein Impfstoff existiert, beschränken sich die vorbeugenden Maßnahmen auf eine Expositionsprophylaxe. Hierzu gehören das Tragen heller, die Haut bedeckender Kleidung sowie die Anwendung von Repellents (Sprays, Cremes, Lotionen zur Insektenabwehr) sowie Moskitonetze, um sich gegen Stiche von mit Loiasis infizierten Bremsen zu schützen.

Das können Sie selbst tun

Beim Verdacht auf eine Loasis sollte zunächst ein Arzt konsultiert werden. Ein Mediziner muss die Erkrankung abklären und gegebenenfalls eine Behandlung einleiten. Einige Selbsthilfe-Maßnahmen und verschiedene Mittel aus dem Haushalt und der Natur unterstützen den Heilungsverlauf.

Die medikamentöse Therapie kann durch einen aktiven und gesunden Lebensstil unterstützt werden. Während in den ersten Tagen nach der Erkrankung noch Schonung und Bettruhe gelten, darf nach der akuten Phase leichter Sport getrieben werden. Bewegung an der frischen Luft stärkt das Immunsystem und lindert Symptome wie Müdigkeit und Asthma. Sollten ernste Komplikationen auftreten, muss der Arzt informiert werden. Loa Loa ist zwar gut behandelbar, dennoch muss eine engmaschige ärztliche Überwachung stattfinden. Andernfalls können sich Folgeerkrankungen entwickeln.

Die medikamentöse Behandlung kann außerdem durch ein Beschwerdetagebuch unterstützt werden. Darin sollten die Erkrankten etwaige Neben- und Wechselwirkungen sowie die Auswirkungen des Präparats auf Hautausschläge und andere typische Symptome festhalten. Mit Hilfe dieser Notizen kann der Arzt die Medikation optimal einstellen und eine schnelle Heilung gewährleisten. Begleitend dazu müssen erneute Infektionen vermieden werden, indem die notwendigen Vorkehrungsmaßnahmen getroffen werden.

Quellen

  • Darai, G., Handermann, M., Sonntag, H.-G., Zöller, L. (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen. Springer, Berlin 2012
  • Suttorp, N., et al.: Infektionskrankheiten. Thieme, Stuttgart 2004
  • Wenk, P., Renz, A.: Parasitologie. Thieme, Stuttgart 2003

Von Ärzten geprüft und nach hohen wissenschaftlichen Standards verfasst
Dieser Artikel wurde anhand medizinischer Fachliteratur, aktuellen Forschungsergebnissen und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Autor

Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 31. Oktober 2018

Mein Name ist Dr. med. Albrecht Nonnenmacher. Ich bin leitender Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

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