Medulloblastom


Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 27. September 2018
Kategorie: Krankheiten

Das Medulloblastom ist eine neurologische Erkrankung, die vorwiegend im Kindesalter auftritt. Der bösartige Hirntumor tritt vorwiegend im Bereich des Hinterkopfes auf, hat aber gute Heilungschancen. Die Erforschung der Ursachen ist noch nicht hinreichend abgeschlossen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Medulloblastom?

Schematische Darstellung zur Lage eines Gehirntumores im Gehirn. Klicken, um zu vergrößern.

Das Medulloblastom gilt als der am häufigsten vorkommende bösartige Hirntumor bei Kindern bis zum 15. Lebensjahr. Er entwickelt sich als bösartiger Tumor im Bereich des Kleinhirns, wächst von dort aus meist bis an eine angrenzende Hirnkammer heran und breitet sich weiter auf gesundes Gewebe aus.

Häufig ist auch der Hirnstamm vom Medulloblastom betroffen. Metastasen bilden sich vorrangig an den Stellen, die mit dem Nervenwasser in Kontakt stehen. Neben den Hirnkammern selbst gehören dazu auch Bereiche um das Gehirn herum, die Hirnhäute sowie das Rückenmark.

Pro Jahr erkranken durchschnittlich etwa 90 Kinder neu an einem Medulloblastom. Jungen sind dabei etwa anderthalb mal so häufig betroffen, wie Mädchen. Das Alter der Erkrankung liegt in der Regel zwischen fünf und acht Jahren.

Ursachen

Das Medulloblastom entsteht meist spontan, das heißt, dass Vererbungen als Ursachen des Tumors unwahrscheinlich sind. Dennoch sind die Ursachen der Erkrankung bisher nicht hinreichend erforscht. Es ist jedoch bekannt, dass das Medulloblastom aus unreifen, embryonalen Zellen entartet, sich also Zellen des Nervengewebes bösartig verändern.

Bei Erkrankungen im Erwachsenenalter konnte wiederholt ein Zusammenhang zwischen Strahlentherapien im Kindesalter, beispielsweise im Zuge der Behandlung von Leukämie, und der Entwicklung des Tumors im späteren Alter festgestellt werden.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Ein Medulloblastom nimmt schnell an Größe zu und ruft relativ früh erste Symptome hervor. Zunächst führt der Tumor zu einem erhöhten Druck im Schädelinneren. Daraus resultieren eine Reihe von unspezifischen Beschwerden, zum Beispiel Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen oder Schwindel. Typischerweise treten die Krankheitszeichen morgens nach dem Aufstehen auf und schwächen sich im Lauf des Tages ab.

Die Übelkeit tritt vorwiegend morgens und auf nüchternem Magen auf. Die Betroffenen verspüren außerdem ein zunehmendes Unwohlsein und eine schleichende Verschlechterung der körperlichen und geistigen Verfassung. Es stellen sich beispielsweise Erschöpfung, Konzentrationsstörungen und Schlafbeschwerden ein. Ist der Tumor im Bereich hinter den Augen lokalisiert, kann es zu Sehstörungen kommen.

Dann nimmt der Erkrankte Doppelbilder wahr, schielt oder leidet an Augenzittern. Ein Medulloblastom verdrängt zudem die Kleinhirnstrukturen. Dies ruft Bewegungsstörungen und andere neurologische Beschwerden hervor. Mögliche Begleitsymptome sind Taubheitsgefühle oder Kribbeln. Im schlimmsten Fall treten Lähmungen in den Armen und Beinen auf.

Mit dem Wachstum des Tumors kann sich das Wesen des Patienten verändern, der in der späteren Krankheitsstadien häufig gereizt, unruhig oder verwirrt erscheint. Zudem bildet sich als Folge der Abflussstörungen des Nervenwassers ein Wasserkopf. Weitere äußerliche Anzeichen können Geschwülste im Rückenmarkskanal und im Bereich der Schädeldecke sein.

Diagnose & Verlauf

Zahlreiche Symptome, die ein Medulloblastom mit sich bringt, sind uncharakteristisch, treten also häufig auch bei anderen Erkrankungen auf und können eine harmlose Ursache haben.

Von Kopfschmerzen über Übelkeit, Schwindel und Sehstörungen bis hin zu Taubheitsgefühlen ist die Liste an Symptomen lang. Auch Koordinationsschwierigkeiten können im Zuge der Erkrankung auftreten. Denkbar sind alle Symptome, die durch den steigenden Druck im Hirn ausgelöst oder aber durch Metastasen, insbesondere im Bereich des Rückenmarks, verursacht werden.

Bei besonders jungen Patienten lässt sich im fortgeschrittenen Stadium häufig auch eine verstärkte Zunahme des Kopfumfanges und der sogenannte Wasserkopf feststellen.

Die Diagnose gründet auf eine eingehende Anamnese. Darauf folgen die Bild gebenden Verfahren. Mittels Computertomografie und Magnetresonanztomografie werden erste Untersuchungsergebnisse eingeholt. Bei begründetem Verdacht auf ein Medulloblastom wird operativ eine Gewebeprobe entnommen, die einer feingeweblichen Untersuchung unterzogen wird.

Auch eine Entnahme und Untersuchung des Nervenwasser ist notwendig. Auf der Basis der Untersuchungsergebnisse wird die Art des Tumors, die Lage und Größe sowie die Streuung diagnostiziert.

Komplikationen

Da es sich beim Medulloblastom um einen Tumor im Gehirn handelt, führt dieser zu den gewöhnlichen Beschwerden einer Krebserkrankung. In der Regel kann sich der Krebs in einem sehr ungünstigen Fall auch in andere Regionen des Körpers ausbreiten und auch dort gesundes Gewebe befallen. Dadurch wird die Lebenserwartung des Betroffenen verringert. Aus diesem Grund hängen die weiteren Komplikationen oder Heilungschancen sehr stark vom Zeitpunkt der Diagnose und von der Ausprägung des Medulloblastoms ab.

Die Betroffenen leiden dabei in erster Linie an starken Kopfschmerzen und Schwindelgefühlen. Weiterhin kommt es auch zu Erbrechen oder zum Schielen. Die Patienten erfahren Störungen der Sensibilität oder Lähmungen an verschiedenen Körperstellen. In vielen Fällen kommt es auch zu Störungen der Koordination oder der Konzentration. Auch Sehbeschwerden können auftreten und dadurch die Lebensqualität des Patienten deutlich verringern.

Die Behandlung des Medulloblastoms kann operativ erfolgen und ist nicht mit Komplikationen verbunden. Weiterhin sind die Patienten allerdings auf eine Chemotherapie angewiesen, welche zu verschiedenen Nebenwirkungen führen kann. Auch weitere Kontrolluntersuchungen sind nach der Behandlung notwendig. Ob es durch das Medulloblastom zu einer Verringerung der Lebenserwartung kommt, kann in der Regel nicht universell vorausgesagt werden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Das Medulloblastom tritt in den meisten Fällen im Kindesalter auf. Daher sind insbesondere Heranwachsende von der Erkrankung betroffen und sollten bei den ersten Anzeichen untersucht werden. Klagt das Kind über Schwindel, Kopfschmerzen oder Schlafbeschwerden, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Bei Beeinträchtigungen der Konzentration, einer Auffälligkeit beim Lernen oder wiederholtem Erbrechen besteht Anlass zur Besorgnis. Charakteristisch für das Medulloblastom ist eine starke Symptomatik zu Beginn des Tages. In den nächsten Stunden lässt die Intensität der Beschwerden meist nach. Oftmals stellt sich zum Ende des Tages das Gefühl einer Genesung ein, bis am folgenden Morgen alle Beschwerden erneut auftreten.

Kinder, die unter plötzlichen Störungen der Sehkraft, Gangunsicherheiten und einer erhöhten Unfall- sowie Verletzungsgefahr leiden, sind einem Arzt vorzustellen. Bei Sensibilitätsstörungen der Haut, Taubheitsgefühlen oder einem kribbelnden Gefühl auf der Haut wird ein Arzt benötigt. Bewegungsstörungen, eine Verminderung des Wohlbefindens und Verhaltensauffälligkeiten sind ärztlich abklären zu lassen. Zeigt das Kind ungewöhnliche Stimmungsschwankungen, nehmen die schulischen Leistungen ab und kommt es zu einem Rückzugsverhalten, sollte ein Arztbesuch erfolgen. Geschwulste am Rücken entlang der Wirbelsäule, Schwellungen oder andere Veränderungen des Hautbildes sind Anzeichen einer vorliegenden Störung, die eine ärztliche Konsultation erforderlich machen. Ein besonderer und unverzüglich zu untersuchender Warnhinweis ist eine unnatürliche Zunahme des Kopfumfangs.

Behandlung & Therapie

Die Behandlungschancen stehen bei frühzeitiger Erkennung des Medulloblastom günstig. So können heute bereits mehr als 70 Prozent der Patienten geheilt werden, wenn der Tumor rechtzeitig erkannt und behandelt wird.

Zunächst wird der Tumor möglichst komplett entfernt. Dazu wird die Schädeldecke operativ geöffnet und das erkrankte Gewebe herausgeschnitten. Dieses wird, wenn möglich, im mikro- oder laserchirurgischen Verfahren durchgeführt, um die anschließenden körperlichen Beschwerden möglichst gering zu halten. Zusätzlich wird eine Therapie mit radioaktiver Bestrahlung durchgeführt, da die Tumorzellen besonders strahlenempfindlich sind.

Alternativ wird eine Chemotherapie durchgeführt. Je nach Alter des Patienten und dessen Entwicklung müssen mögliche Nebenwirkungen beider Therapieformen abgewogen werden.

Bei besonders großen Tumoren oder liegt der Medulloblastom an einer sehr schwer zugänglichen Stelle, kann das kranke Gewebe zunächst auch operativ nur zum Teil entfernt und anschließend mit Strahlen- und Chemotherapie verkleinern werden. So kann in einem zweiten operativen Eingriff schließlich das restliche Material entfernt werden.

Zusätzlich kann es nötig sein, Begleiterscheinungen einzudämmen. Durch das Medulloblastom kann der Abfluss des Nervenwassers verschlossen oder umgelegt werden. Über ein Schlauchsystem muss diese Fehlstellung dann behoben werden. Dabei wird häufig eine sogenannte externe Drainage gelegt, mit der das Nervenwasser nach außen hin abgeleitet wird.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Grundsätzlich ist es empfehlenswert, sich und seine Kinder vor Strahleneinwirkungen und Schadstoffbelastung zu schützen. Auch der Kontakt mit krebserregenden Chemikalien sollte vermieden werden. Zusätzlich stärkt eine gesunde, ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung das Immunsystem. Dennoch gibt es keine allgemeinen Maßnahmen, die die Entstehung eines Medulloblastom verhindern.

Das können Sie selbst tun

Wurde ein Medulloblastom diagnostiziert, ist auf jeden Fall eine operative Entfernung des Tumors angezeigt. Welche Maßnahmen die Betroffenen selbst ergreifen können, hängt von der Ausprägung des Tumors und etwaigen Begleitsymptomen ab. Die einzelnen Beschwerden lassen sich im Prinzip selbst behandeln.

Gegen die typischen Kopfschmerzen helfen kühle Auflagen auf Stirn und Nacken. Auch sanfte Naturheilmittel wie zum Beispiel Belladonna oder Arnika können helfen. Übelkeit und Erbrechen lassen sich meist durch eine reichhaltige Mahlzeit lindern. Treten ernste Beschwerden wie Sehstörungen oder Gleichgewichtsstörungen auf, sollte der Arzt eingeschaltet werden. Von einer Selbstbehandlung mittels Hausmitteln wird dann am besten abgesehen.

Nach einem operativen Eingriff sollte sich der Betroffene für einige Wochen schonen. Parallel dazu sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch den Arzt notwendig, um etwaige Rezidive oder anderweitige Probleme frühzeitig erkennen zu können. Sollten sich infolge der Strahlenbehandlung körperliche Beschwerden entwickeln, ist ebenfalls medizinischer Rat gefragt. Gegen typische Folgeerscheinungen wie Müdigkeit und Abgeschlagenheit helfen allgemeine Maßnahmen wie Sport und eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Begleitend zu diesen Maßnahmen kann ein Therapeut hinzugezogen werden, der den Patienten im Umgang mit der Krebserkrankung unterstützt.

Quellen

  • Grehl, H., Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Korinthenberg, R., Panteliadis, C.P., Hagel, C. (Hrsg.): Neuropädiatrie – Evidenzbasierte Therapie. Urban & Fischer, München 2014
  • Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013


Mein Name ist Dr. med. Albrecht Nonnenmacher. Ich bin leitender Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Welche Erfahrungen und Hinweise haben Sie zum Thema Medulloblastom?

Name oder Pseudonym:

Kommentar:

(Bitte auf Groß-, Kleinschreibung und verständliche, ganze Sätze achten.)

Sicherheitsfrage: Wieviel sind 30 plus 5?

Mit dem Abschicken Ihres Kommentars erklären Sie sich mit der Speicherung und Verarbeitung Ihrer Daten (Datenschutzerklärung) durch diese Website einverstanden.