Chemotherapie

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 11. April 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Unter einer Chemotherapie versteht man die die Behandlung mithilfe von sogenannten Zytostatika, welche in der Lage sind, bösartige Tumore, beziehungsweise Krebszellen in ihrer Vermehrung zu stoppen und sogar zu deren Absterben führen können. Diese Substanzen können bei Krebserkrankungen, also bösartigen Tumoren, angewendet werden. Vor allem bei Krebs, der sich im ganzen Körper ausbreiten kann, ist eine Chemotherapie eine sinnvolle Behandlungsmethode. Da die Chemotherapie meist jedoch starke Nebenwirkungen mit sich bringt, ist sie für den Körper des Patienten eine enorme Herausforderung.

Inhaltsverzeichnis

Anwendung

Eine Chemotherapie ist eine Behandlung mit Hilfe von sogenannten Zytostatika, welche in der Lage sind, bösartige Tumore, beziehungsweise Krebszellen in ihrer Vermehrung zu stoppen und sogar zu deren Absterben führen können.

Zu den Anwendungsgebieten der Chemotherapie zählen verschiedene Krebserkrankungen wie zum Beispiel Brustkrebs oder Darmkrebs. Da die Zytostatika im ganzen Körper wirken können, verwendet man sie vor allem bei Krebs, der schon in mehrere Organe gestreut hat, obwohl der eigentliche Krebs an einer lokalen Stelle liegt.

Durch die Chemotherapie wurden schon viele Patienten vollständig geheilt, auch bei Leukämie oder Lymphdrüsenkrebs, welche sehr aggressive Krebsarten sind da sie sich im gesamten Körper befinden und das Immunsystem enorm schwächen. Man bezeichnet diese Art der Behandlung als kurative Therapie. Die vollständige Heilung durch die Chemotherapie kann aber auch an lokalen Tumoren herbeigeführt werden (z.B. Hodenkrebs).

Die Chemotherapie wird auch bei schon fortgeschrittenem Krebs angewendet, wenn sich schon Tumore in den Lymphknoten und anderen Organen gebildet haben. Diese Metastasen sollen mithilfe der Therapie gehemmt werden, um eine höhere Lebenserwartung zu erreichen. Bei beispielsweise Prostata-, Lungen- oder Darmkrebs im fortgeschrittenen Stadium hat die Chemotherapie meist nur noch das Ziel der Linderung, was als palliative Therapie bezeichnet wird.

In der heutigen Zeit geschieht der Ablauf der Chemotherapie meist ambulant, jedoch in mehreren Intervallen. Während eines solchen Behandlungszyklus werden dem Patienten die Medikamente in Form von Infusionen, Spritzen oder Tabletten verabreicht.

Da die Krebszellen zu den schnell wachsenden Zellen gehören, werden diese sofort von den Zytostatika angegriffen, aber leider auch gesunde Zellen, wie beispielsweise Schleimhautzellen (zählen auch zu den schnell wachsenden Zellen). In den Pausen zwischen den Zyklen kann der Körper sich erholen und im besten Fall das gesunde Gewebe wieder erneuern. Die Behandlung gilt als erfolgreich, wenn sich krebsartiges Gewebe nicht gewachsen ist, sich verkleinert oder vollständig verschwunden ist.

Einsatz & Indikation

Eine Chemotherapie ist eine medikamentöse Behandlungsform, die zur Bekämpfung von Krebszellen eingesetzt wird. Sie wird notwendig, wenn Krebs diagnostiziert wurde und zielt darauf ab, das Wachstum von Krebszellen zu verlangsamen, diese zu zerstören oder die Ausbreitung der Krankheit zu verhindern.

Die Entscheidung für eine Chemotherapie und der Zeitpunkt ihres Beginns hängen von mehreren Faktoren ab, darunter der Art des Krebses, seinem Stadium, der allgemeinen Gesundheit des Patienten und den spezifischen Zielen der Behandlung.

Die Chemotherapie kann in verschiedenen Situationen angewendet werden:

  • Als kurative Therapie: um Krebs vollständig zu heilen, oft in Kombination mit anderen Behandlungsmethoden wie der Chirurgie oder Strahlentherapie.
  • Als adjuvante Therapie: nach der primären Behandlung (z.B. Operation) zur Vernichtung verbleibender Krebszellen und zur Minimierung des Rückfallrisikos.
  • Als neoadjuvante Therapie: vor der Hauptbehandlung, um Krebstumore zu verkleinern, sodass sie leichter operativ entfernt werden können.
  • Zur Palliation: um Symptome zu lindern und die Lebensqualität bei fortgeschrittenem Krebs zu verbessern, auch wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist.

Die spezifische Art der Chemotherapie, ihre Dauer und Intensität werden individuell angepasst, basierend auf der Art des Krebses, seinem Stadium und der Reaktion des Patienten auf die Behandlung. Die Entscheidung für eine Chemotherapie erfolgt nach sorgfältiger Abwägung der potenziellen Vorteile gegenüber den Risiken und Nebenwirkungen, in enger Absprache zwischen dem behandelnden Onkologen und dem Patienten.

Vorteile & Nutzen

Die Chemotherapie bietet spezifische Vorteile im Vergleich zu anderen Behandlungsformen bei Krebserkrankungen, die sie zu einer wichtigen Option in der Onkologie machen. Ein wesentlicher Vorteil ist ihre Fähigkeit, sich auf Zellen im ganzen Körper auszuwirken. Während operative Eingriffe auf lokalisierte Tumore abzielen und Strahlentherapie oft auf bestimmte Bereiche begrenzt ist, kann die Chemotherapie Krebszellen im gesamten Körper erreichen und behandeln. Dies ist besonders wichtig bei Krebsarten, die dazu neigen, zu metastasieren oder bereits Metastasen gebildet haben.

Darüber hinaus ermöglicht die Chemotherapie eine flexible Anpassung der Behandlung. Die Dosierung und Kombination der Medikamente können individuell auf den Patienten und den Verlauf der Erkrankung abgestimmt werden. Dies erlaubt eine personalisierte Behandlung, die auf die spezifischen Bedürfnisse und Reaktionen des Patienten eingeht.

Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit, die Chemotherapie mit anderen Behandlungsformen zu kombinieren. Oft wird sie als Teil eines multimodalen Therapieansatzes eingesetzt, zusammen mit Operationen und/oder Strahlentherapie, um die Wirksamkeit der Gesamtbehandlung zu erhöhen. Diese Kombination kann dazu beitragen, die Größe von Tumoren zu reduzieren, was operative Eingriffe erleichtert, oder um verbleibende Krebszellen nach einer Operation zu beseitigen.

Die Chemotherapie bietet auch Optionen für Patienten, bei denen chirurgische Eingriffe nicht möglich sind oder die eine fortgeschrittene oder metastasierte Krebserkrankung haben. In solchen Fällen kann sie zur Verlangsamung des Krankheitsverlaufs, zur Linderung von Symptomen und zur Verbesserung der Lebensqualität eingesetzt werden.

Durchführung & Ablauf

Eine Chemotherapie ist eine Form der Krebsbehandlung, die auf die Zerstörung oder das Wachstumsstoppen von Krebszellen abzielt. Die Behandlung nutzt dafür chemische Substanzen, die so gestaltet sind, dass sie sich schnell teilende Zellen, wie es Krebszellen typischerweise sind, angreifen.

Der Ablauf einer Chemotherapie kann variieren, abhängig von der Krebsart, dem Stadium der Erkrankung, dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten sowie dem spezifischen Behandlungsplan. In den meisten Fällen wird die Chemotherapie in Zyklen durchgeführt, die aus einer Behandlungsphase und einer Erholungsphase bestehen. Diese Zyklen können über mehrere Wochen oder Monate andauern.

Die Chemotherapeutika können auf verschiedene Weisen verabreicht werden, darunter oral in Form von Tabletten oder intravenös durch Injektionen oder Infusionen. Manchmal werden Medikamente auch direkt in den Bereich, in dem sich der Krebs befindet, injiziert.

Während der Behandlung überwachen Ärzte und medizinisches Fachpersonal die Wirksamkeit der Therapie und die Reaktion des Körpers darauf. Sie passen die Behandlung bei Bedarf an, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen und Nebenwirkungen zu minimieren.

Zu diesen Nebenwirkungen können unter anderem Übelkeit, Müdigkeit, Haarausfall und eine erhöhte Infektanfälligkeit gehören. Die spezifischen Nebenwirkungen hängen von den verwendeten Medikamenten und der individuellen Reaktion des Patienten auf die Behandlung ab.

Nebenwirkungen & Gefahren

Da die Medikamente nicht nur bösartige Tumorzellen, sondern auch gesunde Zelle angreifen, kommt es bei einer Chemotherapie meist zu einigen Nebenwirkungen, welche für den Körper eine große Belastung darstellen. Zu den ebenfalls angegriffenen Zellen zählen vor allem die Haarwurzelzellen, die Schleimhautzellen und die blutbildenden Zellen in Knochenmark.

Zu den Nebenwirkungen zählen vor allem Übelkeit (oft mit Erbrechen verbunden), Haarausfall, Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Blutarmut oder Störung der Blutgerinnung, Störung der Organe und ein erhöhtes Risiko für Infektionen. Das Auftreten der Nebenwirkung kann sehr unterschiedlich sein: einige können bereits nach einigen Stunden oder Tagen auftreten, manche erst nach Monaten oder sogar Jahren. Die Nebenwirkungen prägen sich je nach Dosis und der Dauer der Chemotherapie unterschiedlich stark aus.

Auch die physische und psychische Verfassung des Patienten spielt hierbei eine entscheidende Rolle, wie er mit der Krankheit umgeht und ob er einem Heilungseffekt positiv entgegen blickt. Viele der auftretenden Nebenwirkungen bei einer Chemotherapie sind mittlerweile schon reduzierbar, in dem zusätzlich therapeutische Maßnahmen angewendet werden.


Alternativen

Alternative Verfahren zur Chemotherapie bei der Behandlung von Krebs umfassen mehrere Ansätze, die entweder allein oder in Kombination genutzt werden können, besonders wenn eine Chemotherapie nicht möglich oder nicht gewünscht ist.

Eine dieser Alternativen ist die Strahlentherapie, die hochenergetische Strahlen nutzt, um Krebszellen zu zerstören oder deren Wachstum zu verlangsamen. Sie kann gezielt auf den Krebsbereich angewendet werden, um die Schädigung gesunden Gewebes zu minimieren.

Eine weitere Option ist die Immuntherapie, die das eigene Immunsystem des Körpers stärkt und es befähigt, Krebszellen effektiver zu bekämpfen. Sie umfasst Behandlungen wie monoklonale Antikörper, Immuncheckpoint-Inhibitoren und Krebsvakzine.

Die zielgerichtete Therapie fokussiert sich auf spezifische Gene, Proteine oder die Tumorumgebung, die zum Wachstum und Überleben der Krebszellen beitragen. Diese Therapien zielen darauf ab, diese spezifischen Aspekte anzugreifen und dabei weniger Schaden an gesunden Zellen anzurichten.

Hormontherapien werden insbesondere bei Krebsarten eingesetzt, die auf Hormone ansprechen, wie bestimmte Brust- und Prostatakrebsarten. Sie zielen darauf ab, die Produktion bestimmter Hormone zu blockieren oder deren Wirkung auf die Krebszellen zu unterbinden.

Darüber hinaus gibt es komplementäre und integrative Medizinansätze, die zusammen mit herkömmlichen Behandlungen genutzt werden können, um Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Diese können Akupunktur, Meditation, Yoga und Ernährungsberatung umfassen.

Jede dieser Alternativen hat ihre eigenen spezifischen Anwendungsgebiete, Wirksamkeit und mögliche Nebenwirkungen, die sorgfältig mit einem Onkologen besprochen werden sollten, um die beste Behandlungsstrategie für den einzelnen Patienten zu bestimmen.

Quellen

  • Preiß, J. et al.(Hrsg.): Taschenbuch Onkologie. Zuckschwerdt, München 2014
  • Sauer, R.: Strahlentherapie und Onkologie. Urban & Fischer, München 2009
  • Seeber, S.: Therapiekonzepte Onkologie. Springer, Berlin 2007

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