Milzbrand
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 20. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Milzbrand bzw. Anthrax ist eine durch Bakterien verursachte Infektionskrankheit. Normalerweise tritt sie nur sehr selten beim Menschen auf. Sie ist eher bei Huftieren zu finden, die aber bei engem Kontakt mit dem Menschen die Milzbrand-Erreger übertragen können. Am häufigsten kommt beim Menschen der Hautmilzbrand vor. Leider gibt es auch biologische Kampfstoffe, die auf dem Milzbranderreger beruhen.
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Was ist Milzbrand?
Bei Milzbrand, auch Anthrax genannt, handelt es sich um eine bakterienbedingte Infektionskrankheit. Diese tritt vor allem bei pflanzenfressenden Tieren auf und kann durch intensiven Kontakt mit diesen auch den Menschen infizieren. Der Begriff Milzbrand geht dabei auf die vergrößerte und "verbrannt" aussehende Milz zurück, die man bei verendeten Tieren findet. Trotz des Namens ist Milzbrand keine Erkrankung der Milz, sondern eine Infektion, die je nach Eintrittspforte vor allem Haut, Lunge oder Darm befällt.
Zu finden ist Milzbrand vor allem in wärmeren Ländern, wobei vermehrt Huftiere wie zum Beispiel Pferde, Ziegen, Rinder, Schweine und Schafe betroffen sind. Dies ist auch der Grund, warum vor allem Menschen, welche mit diesen Tieren oder ihren Produkten in Berührung kommen, gefährdet sind. In Deutschland kam es in den letzten Jahren jedoch sehr selten zu Fällen von Milzbrand.
Ursachen
Diese Giftstoffe fügen den Blutgefäßen Schaden zu und machen sie für rote Blutkörperchen passierbar, was zur Folge hat, dass es im Organismus von Mensch oder Tier zu einer Entzündung und Blutungen kommt. Folglich kommt es zu einer Schwellung des betroffenen Gewebes, welches bevorzugt Haut, Lunge oder Darm ist.
Die Übertragung des Milzbrandes kann auf verschiedene Weisen passieren. Meist werden kleinere Hautverletzungen direkt mit Milzbrandsporen infiziert, so dass es zu Hautmilzbrand kommt. Seltener hingegen ist der Lungenmilzbrand, bei dem sich der Mensch über die Atemwege und das damit verbundene Einatmen von Sporen infiziert. Der Milzbrand des Darmes ist ebenfalls eher selten und wird durch rohes Fleisch oder unbehandelte frische Milch übertragen.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Je nachdem, wie die Milzbranderreger in den Körper gelangt sind, können unterschiedliche Symptome und Beschwerden auftreten. Sind die Erreger über einen Hautriss oder eine entzündete Stelle eingedrungen, entwickeln sich an der betroffenen Stelle Schwellungen und Blasen. Im Verlauf entwickelt sich aus den Blasen ein Geschwür, welches wiederum schwarzen Schorf bildet.
Infolge von Verletzungen der Adern entstehen in der umliegenden Region Hämatome. Wurden die Bakterien eingeatmet, treten die ersten Symptome nach drei bis zehn Tagen auf. Dann kommt es zu typischen Grippeanzeichen wie Fieber, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit und Unwohlsein. Im weiteren Verlauf können Atembeschwerden und trockener Husten hinzukommen.
Wenn die Beschwerden nach dem Konsum verunreinigter Lebensmittel auftreten, ist eine Krankheitsphase von drei bis sieben Tagen zu erwarten. In diesem Zeitraum treten neben Allgemeinsymptomen wie Übelkeit und Erbrechen auch Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall, Appetitlosigkeit oder Sodbrennen auf. Zudem kann es zu Blutungen im Darmtrakt kommen, die sich durch blutigen Durchfall und Bluterbrechen bemerkbar machen.
Im Bauchbereich können sich Ödeme bilden. Außerdem treten Geschwüre und Infektionen auf, die in unterschiedlichen Körperregionen lokalisiert sein können. Die Symptome klingen bei entsprechender Behandlung nach einigen Tagen bis Wochen wieder ab. In schweren Fällen verläuft die Erkrankung tödlich.
Krankheitsverlauf
Der Verlauf des Milzbrandes kommt ganz auf die Form des Milzbrandes an. So enden Darm- und Lungenmilzbrand bei verspäteter oder gar keiner Behandlung nach maximal drei Tagen mit dem Tod. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich infolge des Milzbrandes, und dabei ist die Art egal, eine Blutvergiftung entsteht. Diese kann sich unter anderen mit Fieber, Hautblutungen, Milzvergrößerung oder Kreislaufschock äußern. Beim Hautmilzbrand führt dies bei etwa 20 Prozent der Betroffenen ohne Behandlung zum Tod. Eine Blutvergiftung im Rahmen von Lungen- oder Darmmilzbrand verläuft unbehandelt dagegen fast immer tödlich. Bei rechtzeitiger Antibiotikatherapie wird die Sterberate bei Milzbrand allerdings extrem minimiert.
Komplikationen
Im Verlauf von Haut-Milzbrand treten Hautschädigungen wie Ekzeme und Ödeme auf, die sich entzünden können. Die Lymphgefäße und die Lymphknoten können sich im Verlauf der Erkrankung entzünden und anschwellen, verbunden mit einer erhöhten Infektanfälligkeit und einem intensiven Krankheitsgefühl. Darm-Milzbrand kann in eine Bauchfellentzündung übergehen und in der Folge einen Darmdurchbruch, Sepsis und andere Komplikationen hervorrufen.
Begleitend dazu treten Darmblutungen und Durchfall auf und verursachen Infektionen und Austrocknung. Selten kann sich aus einer Milzbrand-Infektion eine schwere Hirnhautentzündung entwickeln. Bei der Milzbrand-Therapie rufen die verordneten Antibiotika mitunter schwere Nebenwirkungen hervor.
So kann das häufig eingesetzte Präparat Ciprobay unter anderem allergische Reaktionen, Krampfanfälle, Angstzustände und Depressionen auslösen. Chirurgische Eingriffe sind mit einem hohen Sepsis-Risiko verbunden. Außerdem kann es zu Nachblutungen, überschießender Narbenbildung und schweren Empfindungsstörungen kommen.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Da es sich beim Milzbrand um eine schwerwiegende Infektionskrankheit handelt, sollte in jedem Falle ein Arzt aufgesucht werden. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung wirken sich sehr positiv auf den Verlauf der Erkrankung aus. Der Arzt ist dann aufzusuchen, wenn der Betroffene Kontakt zu erkrankten Tieren oder zu Tierprodukten wie Fellen, Wolle oder Häuten hatte und sich eine Hautwunde entzündet hat. Dort kann auch ein Geschwür auf einen Milzbrand hindeuten und sollte immer von einem Mediziner untersucht werden. Weiterhin macht sich die Krankheit durch Abgeschlagenheit, Fieber oder durch Schüttelfrost bemerkbar.
Die Betroffenen wirken krank, müde und können nicht mehr aktiv am Alltag teilnehmen. In vielen Fällen kommt es zu einem starken Husten oder zu weiteren Atembeschwerden. Nicht selten deuten auch Appetitlosigkeit oder Sodbrennen auf den Milzbrand hin. Die Erkrankung kann von einem Allgemeinarzt oder in einem Krankenhaus diagnostiziert und behandelt werden. Wird früh genug mit Antibiotika behandelt, verläuft die Erkrankung in der Regel komplikationslos; ohne Behandlung kann Milzbrand dagegen innerhalb weniger Tage tödlich enden. Eine frühzeitige Diagnose wirkt sich immer positiv auf den weiteren Verlauf der Erkrankung aus. Milzbrand ist in Deutschland nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig: Bereits der Verdacht muss dem Gesundheitsamt gemeldet werden.
Behandlung & Therapie
Bei Milzbrand muss eine frühe medikamentöse Behandlung mit Antibiotika erfolgen. Selbst im Verdachtsfall sollte dies vorbeugend geschehen und eine Dauer von 60 Tagen haben. Im Fall von Hautmilzbrand sollte die Behandlung mit Penicillin erfolgen. Bei Darm- und Lungenmilzbrand hingegen müssen Doxycyclin oder Ciprofloxacin eingesetzt werden. Nach heutigem Kenntnisstand wird allerdings auch beim Hautmilzbrand zunächst mit Ciprofloxacin oder Doxycyclin begonnen; auf Penicillin wird erst umgestellt, wenn sich der Erreger im Labor als empfindlich erwiesen hat. Zudem müssen die speziellen Beschwerden durch Schmerzmittel behandelt und die betroffenen Teile des Körpers ruhig gestellt werden.
Allerdings sind jegliche chirurgische Eingriffe im Fall von Hautmilzbrand verboten, da das Blutvergiftungsrisiko in diesem Fall einfach viel zu hoch wäre. Obendrein sollte eine Isolation der Betroffenen erfolgen. Von Mensch zu Mensch wird Milzbrand allerdings praktisch nicht übertragen; über sorgfältige Hygiene und das Abdecken offener Wunden hinaus sind daher in der Regel keine strengen Absonderungsmaßnahmen nötig. Jedoch müssen auch Personen behandelt werden, welche zwar mit Milzbrand in Berührung kamen aber bis dahin noch nicht erkrankt sind. In diesem Fall erfolgt der Einsatz von Antibiotika gekoppelt mit einem Impfstoff gegen Milzbrand.
Aussicht & Prognose
Die Prognose ist beim Milzbrand beim Menschen ohne Behandlung insgesamt schlecht. Die genaue Prognose hängt von Lokalisation des Milzbrandbefalls sowie von der Zugänglichkeit zu Antibiotika ab. Darmmilzbrand und Lungenmilzbrand sind etwa unbehandelt in den meisten Fällen tödlich. Im Falle von Darmmilzbrand versterben auch ungefähr 50 Prozent der medikamentös behandelten Menschen.
Hautmilzbrand hat von allen Erscheinungsformen des Milzbrandes die besten Aussichten auf Heilung: Eine Gabe von Antibiotika genügt meistens, wenn die Krankheit sich noch nicht über den ganzen Körper ausgebreitet hat. Die befallenen Hautstellen können durch eine gute Wundreinigung und ausreichenden Schutz wieder abheilen. Es kommt in der Regel zur Narbenbildung. Selbst unbehandelt endet maximal ein Fünftel der Fälle tödlich.
Bei Lungenmilzbrand versterben die meisten Patienten circa drei bis sechs Tage, nachdem sich die volle Symptomatik zeigt. Überlebende Patienten haben teilweise schwere Schäden in der Lunge und können dauerhaft in ihrer Atmung beeinträchtigt sein. Ein Darmmilzbrand ist ebenfalls häufig tödlich. Der Erreger kann sich recht schnell auf andere Organe ausbreiten und diverse Infektionen auslösen, was der Grund für die hohe Letalität ist.
Wenngleich Milzbrand behandelbar ist, sind die freigesetzten Toxine bei fortgeschrittener Krankheit so gefährlich, dass auch Medikamente häufig den Tod nicht abwenden können. Für eine gute Aussicht auf Behandlungserfolg ist daher eine schnelle Therapie wichtig.
Nachsorge
Infektionskrankheiten brauchen nach ihrer Ausheilung oft eine gute Nachsorge. Sie gilt der Stärkung des Immunsystems, der Regeneration der Betroffenen und vor allem dem Ziel, ein Wiederaufflammen der Erkrankung zu vermeiden. Bei Milzbrand konzentriert sich die Nachsorge vor allem auf die Wundheilung. Es ist darauf zu achten, dass das betroffene Hautareal frei von Verschmutzungen bleibt, um eine weitere Infektion abzuwenden. Dies wird durch sorgfältiges Abdecken des Bereichs erreicht, aber auch dadurch, dass ein Schorf auf der Haut belassen wird, bis er von allein abfällt. Wichtig ist zudem, mit sportlichen Aktivitäten nicht zu früh zu beginnen, wenn der Betroffene dafür noch nicht leistungsfähig genug ist.
Aufgrund der starken Nebenwirkungen, die mit Einnahme der Medikamente eintreten können, sind Betroffene mitunter von Angstzuständen und depressiven Verstimmungen eingenommen, auch allergische Reaktionen und Krampfanfälle sind möglich. Es kann nach dem Eingriff zu Narbenbildung, Nachblutungen und schweren Empfindungsstörungen kommen, weshalb eine genaue Beobachtung des Heilungsprozesses notwendig ist. Ein schonender Modus mit ausreichend Schlaf und die Hilfe von Freunden und Bekannten steigern das Wohlbefinden und regen die Genesung an.
Das können Sie selbst tun
Daneben muss den jeweiligen Symptomen gezielt entgegengewirkt werden. Bei Fieber helfen kalte Wickel, während Husten und Atemnot durch das Inhalieren einer Kochsalzlösung gelindert werden können. Bei Schüttelfrost wird am besten ein heißes Bad genommen. Ein bewährtes Naturheilmittel ist die Rinde des Roten Chinarindenbaumes, welche aufgebrüht und in kleinen Schlucken getrunken wird.
Bei starken Beschwerden sollte der Arzt ein leichtes fiebersenkendes Medikament verschreiben. Übelkeit und Erbrechen lassen sich durch eine schonende Diät lindern, der Bauch kann mit warmen Auflagen beruhigt werden. Abgewartet werden darf hier allerdings nicht: Da Darm- und Lungenmilzbrand unbehandelt binnen weniger Tage tödlich verlaufen, gehört jede Verschlechterung sofort in ärztliche Behandlung. Bei Komplikationen wie Blutvergiftung oder Hirnhautentzündung sollte umgehend das nächstgelegene Krankenhaus aufgesucht werden. Bei akuter Atemnot, Bewusstseinstrübung oder Kreislaufversagen ist sofort der Notruf 112 zu wählen.
Quellen
- Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
ISBN: 9783662613849
- Hof, H., Schlüter, D.: Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie.
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- Löscher, T., Burchard, G.-D., Hoerauf, A., et al. (Hrsg.): Tropenmedizin.
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- Plewig, G., Ruzicka, T., Kaufmann, R., Hertl, M. (Hrsg.): Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
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