Neurofeedback
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 3. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Beim Neurofeedback handelt es sich um eine spezielle Variante des Biofeedbacks. Dabei analysiert ein Computer die Gehirnstromkurven des Menschen und stellt sie bildlich auf einem Monitor dar.
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Was ist das Neurofeedback?
Unter einem Neurofeedback wird ein Biofeedback der Gehirnaktivität verstanden. Bei diesem Verfahren kommen Elektroenzephalogramme zum Einsatz, mit denen die Gehirnaktivität gemessen wird. Der Patient erhält dann über einen angeschlossenen Computerbildschirm eine Rückmeldung.
Diese Rückmeldungen sollen dem Menschen eine bessere Regulierung seiner Hirnaktivitäten ermöglichen. So gelten Fehlregulierungen der Gehirnaktivitäten häufig als Auslöser von nicht gewollten Verhaltensweisen oder zahlreichen Erkrankungen. An dieser Stelle setzt das Neurofeedback an: Der Übende soll dabei lernen, solche Fehlregulierungen auszugleichen.
Die Bezeichnung Feedback stammt aus dem Englischen und bedeutet „Rückkopplung“. Eine solche Rückkopplung muss zwischen dem bestehen, was der Mensch will, und dem, was er erreicht. So könnte der Mensch nicht Rad fahren, wenn er nicht in der Lage wäre, die Schräglage zu spüren. Allerdings nimmt der Mensch die meisten Funktionen von Geist und Körper nicht wahr. Da sie automatisch gesteuert werden, lassen sie sich kaum beeinflussen. Kommt es zum Ausfall einer solchen Funktion, bestehen daher nur wenige Trainingsmöglichkeiten. In solchen Fällen kann ein Biofeedback Abhilfe schaffen. Das Biofeedback misst eine zu trainierende Größe mithilfe von speziellen Geräten. Dabei gelangen akustische oder optische Feedbacksignale zur Anwendung.
Biofeedback im weiteren Sinn arbeitet mit ganz unterschiedlichen Messgrößen. Erfasst werden je nach Fragestellung die Anspannung einzelner Muskeln, die Temperatur der Haut an den Fingern, der elektrische Leitwert der Haut als Maß für die Schweißdrüsentätigkeit, die Atmung oder die Herzfrequenz und ihre Schwankungen. Allen Varianten ist gemeinsam, dass sie einen Vorgang sichtbar oder hörbar machen, den der Mensch von sich aus nicht bemerkt. Das Neurofeedback bildet innerhalb dieser Familie den Zweig, der sich der elektrischen Aktivität der Nervenzellen in der Hirnrinde zuwendet.
Als Lernprinzip liegt dem Verfahren nach seinem eigenen Konzept die operante Konditionierung zugrunde: Erreicht die gemessene Größe den angestrebten Bereich, gibt das Programm eine positive Rückmeldung – der Ton wird angenehmer, der Balken steigt, der Film läuft weiter. Verlässt sie ihn, bleibt die Rückmeldung aus. Über viele Wiederholungen soll das Gehirn auf diese Weise einen Zustand ansteuern lernen, ohne dass der Übende bewusst beschreiben könnte, was er dafür tut. Genau darin unterscheidet sich das Neurofeedback von einer Anweisung, sich zu entspannen oder zu konzentrieren.
Die gemessene Hirnaktivität wird üblicherweise in Frequenzbereiche zerlegt, die sich in Ruhe, im Schlaf und bei geistiger Anstrengung unterschiedlich stark zeigen. Unterschieden werden Delta-Wellen mit sehr niedriger Frequenz, die vor allem im Tiefschlaf auftreten, Theta-Wellen im Bereich darüber, Alpha-Wellen, die bei entspanntem Wachsein mit geschlossenen Augen zunehmen, und die schnelleren Beta-Wellen, die mit wacher gedanklicher Tätigkeit einhergehen. Ein eigener, schmaler Bereich am unteren Rand der Beta-Wellen wird als sensomotorischer Rhythmus bezeichnet und in vielen Trainingsprogrammen gezielt angesprochen. Welche Bereiche in einem konkreten Training belohnt und welche gedämpft werden sollen, legt der Therapeut vorab fest.
Diese Zuordnung von Frequenzbereichen zu Zuständen ist allerdings eine Vereinfachung. Ein einzelnes Wellenmuster lässt sich weder eindeutig einer geistigen Leistung noch einer Erkrankung zuordnen; wie ausgeprägt die einzelnen Bereiche sind, hängt zudem vom Alter, von der Tageszeit, von Müdigkeit und von der Ableitstelle ab. Aus einer Hirnstrommessung allein lässt sich deshalb keine Diagnose stellen, und ein Trainingsplan, der sich auf ein einzelnes auffälliges Band beruft, ist mit Vorsicht zu betrachten. Das Neurofeedback nutzt diese Muster als Trainingsgröße – als Rückmeldung, an der sich üben lässt –, nicht als Nachweis einer Erkrankung.
Wer zum ersten Mal an einem Neurofeedback teilnimmt, erlebt die Sitzung in der Regel als unspektakulär und ruhig. Der Übende sitzt in einem Sessel vor einem Bildschirm, die Elektroden werden angebracht, ein Testlauf prüft das Signal, dann beginnt die eigentliche Rückmeldung. Gesprochen wird während der Übungsabschnitte wenig, weil das Sprechen selbst die Messung stört. Zwischen den Abschnitten bespricht der Therapeut, was gut lief und was nicht, und passt die Schwellen an. Kinder brauchen dabei erfahrungsgemäß kürzere Abschnitte und mehr Pausen als Erwachsene, und für sie ist die Auswahl der Rückmeldung – ein Spiel, ein Film, eine Animation – ein wesentlicher Teil dessen, ob sie über viele Wochen mitmachen.
Funktion, Wirkung & Ziele
Die Informationen, die der Mensch bei diesem Vorgang erhält, genügen, um das Gehirn in einen Biofeedback-Kreislauf zu versetzen. Um zum Beispiel die Aufmerksamkeit eines Menschen zu erhöhen, erfasst das EEG kurze Unaufmerksamkeitsphasen und meldet sie. Im Rahmen eines Neurofeedback-Trainings kann dies bis zu zweitausend Mal geschehen. Im Laufe der Zeit erlernt das Gehirn, einen Zustand der Aufmerksamkeit zu erreichen.
Sinn eines Neurofeedback-Trainings ist das Erzielen eines angemessenen Zustands des Gehirns, der dann auch erhalten bleibt. Auf diese Weise soll das Neurofeedback die Selbstregulierungseigenschaften des Gehirns steigern. Das Neurofeedback kommt zur Behandlung zahlreicher Erkrankungen und Beschwerden zur Anwendung. Dazu gehören die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Autismus, Panikattacken, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, stressbedingte Erkrankungen, posttraumatische Belastungsstörungen, Epilepsie, Angststörungen, Depressionen, Tic-Störungen, Schizophrenie sowie Folgen eines Schlaganfalls.
Darüber hinaus wird das spezielle Biofeedback zur Förderung der Gesundheit eingesetzt, weil es die Bewältigung und Verminderung von Stress trainieren und im Alter die geistige Flexibilität erhalten soll. Auch in Schule und Erziehung wird das Neurofeedback genutzt; es soll dort die schulischen Leistungen steigern und Instabilität ausgleichen. Außerdem wird es im Berufsleben angewendet, um mentale Spitzenleistungen zu erbringen.
Vor der Anwendung eines Neurofeedbacks führt der Therapeut ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten. Dabei befasst er sich mit dessen Krankengeschichte, den Beschwerden sowie den Zielen der Behandlung. Je nachdem, um welches Anwendungsgebiet es sich handelt, lassen sich unterschiedliche Testverfahren wie ein Reiz-Reaktions-Test vornehmen. Nach dem Gespräch entscheidet der Therapeut, ob ein Neurofeedback auch sinnvoll ist und erstellt anschließend einen Therapieplan.
Durchgeführt wird ein Neurofeedback ein- bis dreimal in der Woche. Nach 20 Sitzungen folgt ein weiteres Gespräch mit dem Therapeuten, der dann anhand der erreichten Ziele entscheidet, ob die Behandlung fortgesetzt wird. Für optimale Neurofeedback-Sitzungen ist eine gute Zusammenarbeit zwischen Patienten und Therapeuten notwendig.
Zu Beginn des Neurofeedbacks klebt der Arzt dem Patienten drei Elektroden mit einer Paste auf die Kopfhaut. Die Elektroden erfüllen die Aufgabe, die Schwankungen des elektrischen Potentials zu messen, die durch das Gehirn entstehen. An welchen Gehirnabschnitten die Elektroden befestigt werden, legt der Therapeut fest. Gleiches gilt für die aus den elektrischen Signalen herauszufilternden Frequenzen, die der Patient zur Rückmeldung erhält.
Dargestellt werden die Gehirnströme in Form von Wellen. Weil der Patient diese jedoch nur schwer interpretieren kann, erhält er stattdessen eine Grafiksequenz. Dabei handelt es sich zumeist um ein Flugzeug, das je nach Veränderung der Hirnaktivität aufsteigt oder absinkt. Durch diese vereinfachte Darstellung lernt der Patient gezielt Einfluss auf seine elektrischen Gehirnaktivitäten zu nehmen.
Wo die Elektroden sitzen, folgt keiner Improvisation. Üblich ist eine international gebräuchliche Einteilung der Kopfhaut, die feste Bezugspunkte am Kopf ausmisst und daraus ein Raster von benannten Positionen ableitet. Auf diese Weise lässt sich eine Ableitstelle über Sitzungen und über Praxen hinweg wiederfinden. Neben der eigentlichen Messelektrode werden eine Bezugs- und eine Erdungselektrode angebracht; vor Beginn wird geprüft, ob die Verbindung zur Haut gut genug ist, weil sonst Störsignale die Messung überlagern.
Solche Störsignale sind der praktische Hauptgegner jeder Sitzung. Lidschläge, Augenbewegungen, Kauen, Zähneknirschen, angespannte Nacken- und Stirnmuskeln oder ein Zug am Kabel erzeugen im Signal Ausschläge, die um ein Vielfaches größer sein können als die gesuchte Hirnaktivität. Ein Teil dieser Artefakte lässt sich rechnerisch herausfiltern, der Rest verlangt eine ruhige, bequeme Sitzhaltung und einen Raum ohne Ablenkung. Aus demselben Grund beginnt eine Behandlungsreihe meist mit einer Ausgangsmessung in Ruhe, an der sich die Schwellenwerte für die spätere Rückmeldung ausrichten.
Innerhalb des Verfahrens haben sich mehrere Vorgehensweisen entwickelt. Beim Frequenzbandtraining wird die Stärke bestimmter Wellenbereiche zurückgemeldet. Beim Training langsamer kortikaler Potenziale geht es dagegen um langsame Spannungsverschiebungen, die mit der Bereitschaft des Gehirns zusammenhängen sollen, auf einen Reiz zu reagieren; hier wechseln sich in einer Sitzung Aufgaben ab, in denen der Übende die Spannung in die eine und in die andere Richtung verschieben soll. Daneben gibt es Ansätze, die sehr langsame Aktivitätsschwankungen nutzen, und solche, die den Trainingsplan aus einer vorherigen ausführlichen Hirnstrommessung ableiten. Welche Variante ein Anbieter einsetzt, gehört zu den Fragen, die vor Beginn geklärt werden sollten.
Das Ziel jeder Variante liegt außerhalb des Behandlungsraums. Deshalb gehören zum Vorgehen Übungen, die den erlernten Zustand ohne Gerät herstellen sollen, etwa vor einer Prüfung, beim Einschlafen oder in einer angespannten Situation. Manche Programme arbeiten dafür mit einem Merkwort oder einer Körperhaltung, die in den Sitzungen mit dem angestrebten Zustand verknüpft wurde. Von reinen Entspannungsverfahren wie dem autogenen Training oder der Meditation unterscheidet sich das Neurofeedback dabei durch die apparative Rückmeldung: Der Übende erfährt unmittelbar, ob er den Zustand tatsächlich erreicht hat, statt sich auf sein Gefühl verlassen zu müssen.
Wie wirksam Neurofeedback bei den einzelnen Anwendungsgebieten ist, wird fachlich unterschiedlich beurteilt und weiter untersucht; die Zuschreibungen, die dem Verfahren gemacht werden, sind nicht für alle genannten Beschwerdebilder gleichermaßen abgesichert. Als Ergänzung verstanden ersetzt das Neurofeedback deshalb weder eine Psychotherapie oder Verhaltenstherapie noch eine ärztlich verordnete Behandlung. Auch die Kostenfrage sollte vorab geklärt sein: Neurofeedback wird in Deutschland überwiegend privat abgerechnet, und ob eine Krankenkasse sich beteiligt, entscheidet sich im Einzelfall.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Zeigen sich die erreichten Ziele stabil oder wurde eine nachhaltige Besserung der Symptome erreicht, kann das Neurofeedback beendet werden. Das Neurofeedback gilt als risikoarmes Verfahren. Bei einer unkorrekten Durchführung des Verfahrens können mitunter jedoch unerwünschte Nebenwirkungen auftreten. Dazu gehören vor allem Benommenheit, Erregung, Angstzustände, Depressionen, Schlafstörungen sowie epileptische Anfälle. Diese Nebeneffekte halten jedoch nur kurze Zeit an, sofern das falsche Training nicht über einen längeren Zeitraum erfolgt. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass die Beschwerden durch das falsche Training noch verstärkt anstatt vermindert werden. Aus diesem Grund wird empfohlen, eine Neurofeedback-Therapie stets von ausgebildeten Fachleuten durchführen zu lassen.
Vor dem Beginn eines Neurofeedbacks steht die ärztliche Abklärung der Beschwerden. Das Verfahren stellt keine Diagnose: Ob hinter Unaufmerksamkeit, Schlafproblemen oder wiederkehrenden Anfällen eine behandlungsbedürftige Erkrankung steht, muss unabhängig davon geklärt werden. Wer wegen einer Epilepsie, einer Depression oder einer anderen Erkrankung Medikamente einnimmt, sollte deren Einnahme nicht eigenmächtig verändern, weil sich ein Trainingserfolg einstellen kann, ohne dass die zugrunde liegende Erkrankung verschwunden wäre. Änderungen an einer laufenden Behandlung gehören in die Hand der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes, die dann auch beurteilen können, ob eine beobachtete Besserung dem Training zuzurechnen ist.
Praktisch spürbar sind vor allem geringfügige Unannehmlichkeiten. Die Paste, mit der die Elektroden befestigt werden, muss anschließend aus den Haaren gewaschen werden; empfindliche Haut kann an den Klebestellen gerötet reagieren. Manche Übende berichten nach längeren Sitzungen über Kopfdruck oder Müdigkeit. Deutlicher ins Gewicht fällt der Aufwand: Ein Neurofeedback ist keine einmalige Behandlung, sondern eine über Wochen und Monate laufende Reihe von Terminen, die sich mit Schule, Ausbildung oder Beruf vereinbaren lassen muss. Gerade bei Kindern sollte deshalb vorher besprochen werden, wie viele Termine realistisch sind und woran sich nach einem festgelegten Abschnitt ablesen lassen soll, ob das Training etwas bewirkt.
Angeboten wird Neurofeedback in ärztlichen und psychotherapeutischen Praxen ebenso wie in Praxen für Ergotherapie und Lerntherapie. Wer eine Behandlung erwägt, sollte sich die Qualifikation des Anbieters, das geplante Vorgehen, die vorgesehene Zahl der Sitzungen und die Kosten vorab erläutern lassen und misstrauisch werden, wenn ein Erfolg in Aussicht gestellt wird, den das Verfahren nach seinem eigenen Konzept gar nicht versprechen kann.
Sinnvoll ist außerdem, den Verlauf schriftlich festzuhalten – und zwar nicht nur die Messwerte aus dem Gerät, sondern das, worum es eigentlich geht: Konzentration bei den Hausaufgaben, Einschlafdauer, Zahl der Streitigkeiten, Anspannung im Alltag. Ein Training, das die Kurve auf dem Bildschirm verbessert, ohne im Alltag etwas zu verändern, hat sein Ziel verfehlt. Umgekehrt gibt eine solche Aufzeichnung Anhaltspunkte dafür, ob eine beobachtete Besserung mit dem Training zusammenfällt oder mit anderen Veränderungen – einem Schulwechsel, einer neuen Behandlung, einer entspannteren Lebensphase. Ohne diesen Abgleich lässt sich im Einzelfall kaum entscheiden, was gewirkt hat.
Die beim Neurofeedback angebrachten Elektroden versetzen dem Patienten keine Stromstöße, wie oft fälschlicherweise behauptet wird, sondern messen ausschließlich die Hirnaktivitäten. Von der Messung selbst geht daher keine elektrische Belastung aus.
Quellen
- Haus, K.-M., Held, C., Kowalski, A., et al.: Praxisbuch Biofeedback und Neurofeedback.
ISBN: 9783642301780
- Jäncke, L.: Lehrbuch kognitive Neurowissenschaften.
ISBN: 9783456863467
- Falkai, P., Laux, G., Deister, A. (Hrsg.): Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie.
ISBN: 9783132432659
- Sturm, W. (Hrsg.): Lehrbuch der klinischen Neuropsychologie.
ISBN: 9783827416124
- Berlit, P. (Hrsg.): Klinische Neurologie.
ISBN: 9783662606759
