Olfaktometrie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 3. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die Olfaktometrie ist ein Diagnoseverfahren zur Prüfung des Geruchssinnes. Für diesen Riechtest wird ein Olfaktometer eingesetzt. Anhand unterschiedlicher Duftstoffe kann der Umfang der Geruchseinschränkung oder des Geruchsverlustes genau ermittelt werden.
Der Name setzt sich aus dem lateinischen "olfacere" für riechen und dem griechischen "metron" für Maß zusammen. Die Untersuchung wird meist vom HNO-Arzt durchgeführt und dient nicht nur der Feststellung, ob eine Riechstörung vorliegt, sondern auch der Einschätzung, wie stark sie ausgeprägt ist und wie sie sich im weiteren Verlauf entwickelt.
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Was ist die Olfaktometrie?
Die Moleküle von Geruchsstoffen setzen sich beim Einatmen auf die Rezeptoren in der Riechschleimhaut der Nase fest. Dadurch wird der Riechnerv erregt, der diese Reize ans Gehirn weiterleitet. Für die Geruchswahrnehmung ist nicht allein das Riechsystem verantwortlich. Sie besteht aus einem Zusammenspiel von Geruchssinn, Geschmackssinn und Sinneswahrnehmung, die über den Trigeminus-Nerv der Nase erfolgt.
Funktionseinschränkungen des Riechorgans werden in mehrere Kategorien unterteilt: die Hyposmie, die eine verminderte Geruchswahrnehmung darstellt. Unter der Anosmie ist eine sehr stark reduzierte Geruchswahrnehmung oder ein völliger Geruchsverlust zu verstehen. Die übermäßige Wahrnehmung von Gerüchen wird als Hyperosmie bezeichnet. Geruchsstörungen mit neurologischem Krankheitswert sind Kakosmie und Parosmie, bei denen Düfte irrtümlich als gut oder schlecht empfunden werden. Daneben gibt es die Phantosmie, bei der es sich um eine Geruchs-Halluzination handelt.
Dabei werden Düfte wahrgenommen, die nicht existieren. Die Ursachen für eine Geruchsreduzierung, einen Verlust oder eine falsche Riechwahrnehmung sind vielfältig und reichen von einem angeborenen, sogenannten olfaktogenitalen Syndrom, über ein Schädel-Hirn-Trauma, Virusinfekte, Alzheimer, Tumoren, Diabetes, bis hin zu Medikamenten wie Interferon und bestimmten Antibiotika, die Geruchseinschränkungen verursachen können.
Ein Geruchsverlust kann zudem ein frühes Symptom für eine beginnende Parkinson-Erkrankung sein. Seit der COVID-19-Pandemie zählen anhaltende Riechstörungen nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 zu den häufigen Anlässen für eine Olfaktometrie. Als Grundlage für die Olfaktometrie dient das sogenannte Weber-Fechner-Gesetz: Geruchsintensität, Konzentration des Geruchsreizes und die Konzentration des Bezugsreizes werden in einen Zusammenhang gestellt und nach einer mathematischen Formel berechnet.
Der Weg, den ein Duft im Körper zurücklegt, erklärt zugleich, an wie vielen Stellen er unterbrochen sein kann. Die Riechsinneszellen sitzen in einem kleinen Bezirk im Dach der Nasenhöhle. Ihre Fortsätze ziehen als feine Riechfäden durch die durchlöcherte Siebbeinplatte in die Schädelhöhle und enden im Riechkolben. Von dort führt die Bahn in Rindengebiete, die eng mit Gedächtnis und Gefühlsleben verknüpft sind - der Grund dafür, dass Gerüche Erinnerungen und Stimmungen unmittelbarer wachrufen als andere Sinneseindrücke. Eine Besonderheit der Riechsinneszellen ist, dass sie sich ein Leben lang erneuern; darauf beruht die Möglichkeit, dass sich ein verlorener Geruchssinn nach Monaten wieder einstellt.
Zu unterscheiden ist außerdem das Riechen durch die Nasenlöcher vom Riechen über den Rachenraum beim Kauen und Schlucken. Was Menschen im Alltag als Geschmack eines Gerichts beschreiben, entsteht zum größten Teil auf diesem zweiten Weg. Deshalb schildern Betroffene eine Riechstörung häufig als Verlust des Geschmacks, obwohl die eigentlichen Geschmacksknospen auf der Zunge unversehrt arbeiten. Für die Untersuchung ist diese Unterscheidung wichtig, weil sie darüber entscheidet, ob neben der Olfaktometrie auch eine Prüfung auf Geschmacksstörungen angezeigt ist.
Fachlich werden Riechstörungen danach eingeteilt, ob der Duftstoff die Riechschleimhaut gar nicht erreicht oder ob die Verarbeitung gestört ist. Zur ersten Gruppe gehören Behinderungen der Nasenatmung, etwa durch Nasenpolypen, eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung, eine ausgeprägte Nasenscheidewandverkrümmung oder eine anhaltende allergische Schwellung der Schleimhaut. Zur zweiten Gruppe zählen Störungen nach abgelaufenen Virusinfekten, nach Kopfverletzungen, im Rahmen von Erkrankungen des Nervensystems, als Nebenwirkung von Medikamenten oder Giften sowie Fälle, in denen sich trotz vollständiger Abklärung keine Ursache finden lässt. Diese Zuordnung ist keine akademische Übung: Von ihr hängt ab, ob eine Behandlung an der Nase ansetzt oder ob sie sich auf die Förderung der Regeneration richtet.
Ein weiterer Anlass für die Untersuchung liegt darin, dass Menschen ihre eigene Riechleistung oft schlecht einschätzen können. Ein allmählicher Verlust über Jahre bleibt vielen Betroffenen unbemerkt, während umgekehrt manche eine Verschlechterung angeben, die sich im Test nicht bestätigt. Erst die Messung schafft hier eine nachvollziehbare Grundlage - für die Beratung des Patienten, für die Verlaufskontrolle und für gutachterliche Fragestellungen, etwa nach einem Unfall.
Funktion, Wirkung & Ziele
Sobald diese Erkrankungen abgeklungen sind, setzt auch die Riechfähigkeit wieder ein. Daher bedarf es keiner näheren Untersuchung. Bleibt die Riechstörung dagegen bestehen, obwohl die auslösende Erkrankung ausgeheilt ist, ist eine weitere Abklärung angezeigt. Ist der Geruchssinn aufgrund einer gestörten Informationsweiterleitung von den Riechzellen ins Gehirn beeinträchtigt oder die Verarbeitung der geruchlichen Information im Gehirn selbst gestört, sind eingehende Untersuchungen notwendig. Dafür sieht die Olfaktometrie mehrere Verfahren vor. Hierzu gehören die subjektive und objektive Olfaktometrie. Bei der subjektiven Untersuchungsmethode werden dem Patienten mehrere Geruchsstoffe vorgestellt. Der Arzt prüft die Fähigkeit des Patienten, verschiedene Düfte zu identifizieren, und sie voneinander zu unterscheiden.
In einem anderen Test wird die Riechschwelle bestimmt: Ab welcher Konzentration eines Geruchsstoffes nimmt der Patient den Duft wahr? Der Arzt notiert die Empfindungen, die beim Patienten dadurch ausgelöst werden. Als Geruchsträger fungieren Papierstreifen mit mikroverkapselten Duftstoffen. Besonders erfolgreich verlaufen Tests mit sogenannten Sniffin-Sticks, an denen der Patient drei Sekunden riecht. Danach muss er aus vier Antwortmöglichkeiten die richtige wählen. Manchmal werden auch Duftstoffe eingesetzt, die dem Patienten in den Mund gesprüht werden. Neben dieser subjektiven Verfahrensweise gibt es die objektive Olfaktometrie, bei der ein Elektroolfaktogramm, kurz EOG, eingesetzt wird.
Es wird eine Art Geruchs-EEG erstellt durch die Aufzeichnung olfaktorisch evozierter Potentiale. Der Geruchsstoff wird über einen dünnen Schlauch in ein Nasenloch geleitet. Die elektrische Erregung, die durch den Duftreiz entsteht, wird über die Erregungskurven des EEG dargestellt und analysiert. Dieses Verfahren der Olfaktometrie ist allerdings sehr aufwendig und wird in der Regel noch nicht als systematisches Messverfahren bei Patienten eingesetzt, sondern nur für medizinische Gutachten. Daneben gibt es die Reflexolfaktometrie, bei der Zuneigungsreaktionen oder Abneigungsmechanismen ermittelt werden. Hierbei werden Bewegungen und die mimische Muskulatur beim Kontakt mit dem Duftstoff beobachtet.
Bei Kleinkindern sind Zu- oder Abneigung der Gerüche durch Kopfdrehung ersichtlich. Als weiterführende Untersuchungen dienen außerdem bestimmte Schmecktests und Nasendurchflussprüfungen. Auch eine Magnetresonanztomographie ist manchmal nötig, was oft eine Zusammenarbeit mit Neurologen notwendig macht. Um eine Therapie in die Wege zu leiten, muss die Grunderkrankung, die zur Geruchsstörung geführt hat, ermittelt werden. So gibt es für angeborenen und altersbedingten Geruchsverlust keine ursächliche Therapie. Bei Nasennebenhöhlenoperationen ist das erste Ziel, die Atmung zu verbessern. Im Zuge dessen kehrt oft auch das Geruchsvermögen zurück. Wurde die Geruchsstörung medikamentös verursacht, bildet sie sich nach Absetzen der Substanzen wieder zurück.
Ähnliches ist beim Schädel-Hirn-Trauma und bei Viruserkrankungen zu beobachten, wo nach Abklingen der Krankheitssymptome die Geruchsfähigkeit zurückkehrt. Wobei jüngere Menschen gegenüber älteren im Vorteil sind. Je länger zudem eine Geruchsstörung andauert, desto unwahrscheinlicher wird die Heilung, da zu viele Riechzellen bereits zerstört sind. Ein gezieltes Riechtraining kann helfen, den Geruchssinn zu verbessern. Über sechs Monate hinweg muss der Patient morgens und abends an vier verschiedenen Sniffin-Sticks riechen. Wie stark sich das Riechvermögen dadurch erholt, ist von Fall zu Fall verschieden; eine vollständige Rückkehr kommt vor, lässt sich aber nicht vorhersagen.
Wie aussagekräftig eine Riechprüfung ausfällt, hängt allerdings auch davon ab, unter welchen Bedingungen sie stattfindet. Vor der Untersuchung sind deshalb einige Vorbereitungen üblich. Der Patient soll kurz vorher nicht rauchen, nichts essen oder trinken und keinen Kaugummi kauen; auf Parfüm, stark duftende Pflegeprodukte und Zigarettengeruch an der Kleidung wird verzichtet. Der Untersuchungsraum sollte gut belüftet und selbst möglichst geruchsneutral sein, damit sich die Duftvorlagen nicht überlagern. Besteht am Untersuchungstag eine akute Erkältung mit verstopfter Nase, wird der Termin in der Regel verschoben, weil das Ergebnis sonst die Erkrankung und nicht das Riechvermögen abbilden würde.
Eine vollständige Riechprüfung setzt sich üblicherweise aus drei Teilen zusammen. Der erste Teil bestimmt die Schwelle: Ein einzelner Duftstoff wird in einer Reihe abgestufter Verdünnungen angeboten, und gesucht wird die schwächste Konzentration, die der Patient noch sicher bemerkt. Damit Raten das Ergebnis nicht verfälscht, werden jeweils mehrere Proben zugleich vorgelegt, von denen nur eine den Duft enthält; der Patient muss sich entscheiden, auch wenn er unsicher ist. Der zweite Teil prüft die Unterscheidung: Von drei Proben riechen zwei gleich und eine anders, und die abweichende ist zu benennen. Erkennen oder benennen muss der Patient die Düfte dabei nicht. Der dritte Teil prüft die Identifikation, also das Zuordnen eines Duftes zu einem Namen. Auch hier wird mit Antwortvorgaben gearbeitet, weil selbst Menschen mit einwandfreiem Geruchssinn erstaunlich schlecht darin sind, Gerüche frei zu benennen.
Die Ergebnisse der Teilprüfungen werden zu einem Gesamtwert zusammengefasst und mit Vergleichswerten verglichen, die nach Alter und Geschlecht gegliedert sind - denn die Riechleistung nimmt mit den Lebensjahren ab, und ein Wert, der bei einem jungen Erwachsenen auffällig wäre, kann im höheren Alter noch im Erwartungsbereich liegen. Auf dieser Grundlage ordnet der Arzt den Befund einer der eingangs genannten Kategorien zu. Besteht der Verdacht auf eine einseitige Störung, werden beide Nasenseiten getrennt geprüft, wobei die jeweils andere verschlossen wird.
Eine wichtige Ergänzung ist die Prüfung mit Reizstoffen, die nicht über den Riechnerv, sondern über den Trigeminusnerv wahrgenommen werden und ein Stechen, Brennen oder Kribbeln auslösen. Solche Reize bemerkt auch, wer überhaupt nicht mehr riecht. Gibt ein Patient an, sie ebenfalls nicht wahrzunehmen, passt das nicht zu einem reinen Riechverlust - ein Hinweis, der besonders bei Untersuchungen für Versicherungen und Gerichte Bedeutung hat.
Über die eigentliche Riechprüfung hinaus gehören zur Abklärung eine gründliche Befragung nach dem zeitlichen Verlauf, nach Infekten, Unfällen, Operationen und eingenommenen Medikamenten sowie die Untersuchung der Nase. Dazu dient die Nasenspiegelung, bei der die Schleimhaut, die Nasenscheidewand und der mittlere Nasengang mit einem Endoskop beurteilt werden. Je nach Fragestellung schließen sich eine Computertomografie der Nasennebenhöhlen oder eine Schnittbilduntersuchung des Schädels an. Ergibt sich eine entzündliche Ursache, richtet sich die Behandlung zunächst gegen diese, etwa mit örtlich angewendetem Kortison oder, bei ausgeprägten Polypen, mit einem operativen Eingriff; Art und Dauer der Anwendung legt der behandelnde Arzt fest.
Da Riechstörungen zu den frühen Anzeichen mancher Erkrankungen des Nervensystems gehören können, wird ein auffälliger Befund gelegentlich zum Anlass für eine weitergehende neurologische Abklärung genommen. Ein auffälliger Riechtest allein ist allerdings kein Nachweis einer solchen Erkrankung: Riechstörungen sind häufig und haben in den meisten Fällen ganz andere, gutartige Ursachen. Wird die Untersuchung zur Verlaufsbeobachtung wiederholt, sollte möglichst dasselbe Testverfahren verwendet werden, weil sich die Ergebnisse unterschiedlicher Testsysteme nicht ohne Weiteres ineinander umrechnen lassen.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Die Aussagekraft der Untersuchung hat allerdings Grenzen, und sie liegen weniger im Verfahren als in seinen Voraussetzungen. Die verbreiteten Riechtests sind subjektive Verfahren: Sie setzen voraus, dass der Patient wach, konzentriert und zur Mitarbeit bereit ist, dass er die Anweisungen sprachlich versteht und dass ihm die angebotenen Düfte aus dem Alltag vertraut sind. Wer mit Lakritz, Anis oder bestimmten Gewürzen nie in Berührung gekommen ist, wird sie auch mit einwandfreiem Geruchssinn nicht zuordnen können. Bei kleinen Kindern und bei Menschen mit fortgeschrittener Demenz ist die Aussagekraft daher eingeschränkt; hier stützt man sich stärker auf beobachtete Reaktionen.
Auch das Testmaterial selbst ist eine Fehlerquelle: Duftträger verlieren mit der Zeit an Intensität und müssen in festen Abständen ersetzt werden. Folgen die einzelnen Reize zu rasch aufeinander, tritt eine Gewöhnung ein und die Wahrnehmung lässt nach, weshalb zwischen den Vorlagen Pausen eingehalten werden. Ein einzelnes Ergebnis ist immer eine Momentaufnahme; über den weiteren Verlauf und die Aussicht auf Besserung sagt es für sich genommen wenig aus.
Für den Alltag ist der Verlust des Geruchssinns folgenreicher, als er auf den ersten Blick erscheint. Betroffene bemerken austretendes Gas, Rauch oder verdorbene Lebensmittel nicht rechtzeitig; deshalb gehören zur Beratung praktische Empfehlungen wie funktionierende Rauchmelder, der Verzicht auf Gasgeräte im Haushalt, das konsequente Beachten von Verfallsdaten und das Aufteilen von Vorräten in kleine Mengen. Hinzu kommen Einbußen, die von außen kaum sichtbar sind: Essen verliert an Reiz, was zu Appetitverlust und in ungünstigen Fällen bis zur Mangelernährung führen kann. Viele Betroffene ziehen sich zurück, weil sie unsicher werden, ob sie selbst noch ausreichend gepflegt wirken. Nicht selten entwickelt sich daraus eine gedrückte Stimmung bis hin zu einer behandlungsbedürftigen Depression. Auch das Gespräch über diese Folgen gehört zu einer Olfaktometrie, denn die Mitteilung eines dauerhaften Riechverlusts trifft Patienten oft härter, als Außenstehende erwarten.
Quellen
- Probst, R., Grevers, G., Iro, H.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.
ISBN: 9783131190338
- Gürkov, R.: Basics Hals-Nasen-Ohrenheilkunde.
ISBN: 9783437413735
- Hacke, W., Poeck, K.: Neurologie.
ISBN: 9783662468913
- Füeßl, H., Middeke, M.: Anamnese und klinische Untersuchung.
ISBN: 9783132443099
- Pschyrembel, W.: Pschyrembel Klinisches Wörterbuch.
ISBN: 9783110783346

