Onychauxis
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 11. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Bei der Onychauxis handelt es sich um eine Erkrankung, die die Nägel von Fingern und Zehen betrifft. Der Name der Krankheit leitet sich aus dem Griechischen ab und stammt dabei von den Begriffen ‚onyx‘ für Fingernagel und ‚auxano‘ für Vermehrung. Die Onychauxis liegt bei den erkrankten Personen entweder von Geburt an vor oder wird im Laufe des weiteren Lebens durch verschiedene Einflüsse erworben.
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Was ist Onychauxis?
Die Onychauxis bezeichnet eine pathologische Abweichung im Wachstum und Erscheinungsbild der Nägel von Fingern und Zehen. Die Erkrankung besteht bei einem Teil der Patienten schon von Geburt an. In anderen Fällen entwickelt sich die Onychauxis im späteren Leben, wobei bestimmte Risikofaktoren die Entstehung der Onychauxis begünstigen.
Typisch für die Onychauxis ist, dass die Finger- und Zehennägel mehr oder weniger deutlich verdickt sind. Dabei sind die Nägel allerdings nicht deformiert, sondern wachsen überwiegend in der gleichen Form wie gesunde Nägel. Die medizinwissenschaftliche Fachliteratur verwendet den Krankheitsbegriff eher selten. Stattdessen finden sich dort vermehrt Fallbeschreibungen der Onychogryphosis, im Deutschen auch Onychogrypose genannt.
In diesen Fällen sind die Nägel von Zehen und Fingern nicht nur von einer erheblichen Verdickung, sondern auch von einer Verformung betroffen. Die Onychauxis kommt zum Beispiel bei Personen vor, die an einer sogenannten Akromegalie oder einer Psoriasis leiden. Auch das Tragen zu enger oder zu kleiner Schuhe über einen längeren Zeitraum erhöht das Risiko für die betroffenen Menschen, eine erworbene Onychauxis zu entwickeln.
Darüber hinaus tritt die Onychauxis teilweise im Zusammenhang mit bestimmten Krankheitssyndromen auf. In Frage kommt beispielsweise die Pachyonychia congenita, bei der es sich um eine überwiegend autosomal-dominant vererbte Dysplasie der Nägel handelt; ihr liegen Veränderungen in den Genen für bestimmte Keratine zugrunde. Eine autosomal-rezessiv vererbte, isoliert auftretende Nageldysplasie wird dagegen durch genetische Mutationen im Gen FZD6 ausgelöst.
Ursachen
Zudem sind Erfrierungen der Finger oder Zehen in der Lage, eine Onychauxis auszulösen. Besonders häufig ergibt sich die Verdickung der Nägel infolge zu kleiner Schuhe, die auf die Zehennägel drücken. Außerdem tritt die Onychauxis gehäuft in Assoziation mit bestimmten Krankheiten und Syndromen auf.
So liegt die Onychauxis überdurchschnittlich häufig im Zusammenhang mit Morbus Darier, Pityriasis rubra pilaris, einer Akromegalie sowie Psoriasis vor. Prinzipiell entwickelt sich die erworbene Onychauxis in zahlreichen Fällen nur an einzelnen Nägeln der Finger oder Zehen, je nachdem, wo die traumatische Einwirkung stattgefunden hat. Am häufigsten sind verdickte Nägel im höheren Lebensalter: Das Nagelwachstum verlangsamt sich, und die Nagelplatte wird dabei dicker. Auch eine gestörte Durchblutung der Beine begünstigt die Verdickung der Zehennägel.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Die Onychauxis äußert sich anhand charakteristischer Beschwerden und Anzeichen. Die betroffenen Nägel an Zehen und Fingern sind auffällig verdickt. Zudem weisen sie oft eine gelbliche Färbung auf. Häufig ergeben sich Verwechslungen der Onychauxis mit einer Onychomykose und Psoriasis. Ein Nagelpilz lässt sich durch die Untersuchung von Nagelmaterial im Labor abgrenzen; das ist wichtig, weil ein verdickter Nagel häufig zusätzlich von Pilzen besiedelt wird.
Wenngleich sich der erkrankte Nagel deutlich verdickt und dadurch an Höhe und Volumen zunimmt, erhöht sich die Stabilität nicht immer im gleichen Maß. Beim Schneiden der von der Onychauxis betroffenen Nägel reißen diese oft ein, brechen oder bröckeln. Teilweise erscheint die Oberfläche des Nagels löchrig und porös. In anderen Fällen ist ein Schneiden der erkrankten Nägel kaum noch möglich, da die Verdickung zu stark oder die Konsistenz zu fest ist.
Diagnose & Krankheitsverlauf
Zeigen sich bei Personen die typischen Anzeichen und Symptome der Onychauxis, so ist ein Arzt über die Beschwerden zu informieren. Der Allgemeinarzt ist zunächst ein geeigneter Ansprechpartner, der mit dem Patienten eine erste Anamnese sowie kleinere Sichtuntersuchungen durchführt. Nach einer vorläufigen Begutachtung der erkrankten Nägel an Zehen und Fingern überweist der Arzt die Person womöglich an einen Podologen.
Teilweise leitet jedoch der Hausarzt selbst die weiteren Behandlungsschritte in die Wege. Die Diagnosestellung der Onychauxis beginnt mit einem ausführlichen Patientengespräch. Neben den individuell vorliegenden Beschwerden legt der Arzt Wert darauf, so viel wie möglich über die Hintergründe und möglichen Faktoren der Entstehung der Verdickung des Nagels zu erfahren.
Im Fall der erworbenen Onychauxis sind dabei insbesondere traumatische Einwirkungen auf den Nagel wie Verletzungen relevant. Auch dauerhafte Belastungen wie das Tragen zu kleiner Schuhe deuten auf die Onychauxis hin. Bei der angeborenen Form der Onychauxis geben bestimmte Krankheitssyndrome Hinweise auf die Krankheit, zum Beispiel Morbus Darier. Leidet eine Person an bestimmten chronischen und angeborenen Krankheiten, so ist sie für die Entwicklung einer Onychauxis prädestiniert.
Komplikationen
Bei einer erworbenen Onychauxis können auch eine Reihe von Verhaltensanpassungen auf den Patienten zukommen. Meist dürfen keine engen oder spitz zulaufenden Schuhe mehr getragen werden, da diese beständig auf den Nagel drücken und die krankheitsbedingten Verdickungen verursachen oder zumindest begünstigen. Manche Patienten dürfen überhaupt keine handelsüblichen Schuhe mehr tragen, sondern müssen sich an orthopädische Spezialschuhe gewöhnen.
Mit zusätzlichen Komplikationen müssen die Betroffenen auch dann rechnen, wenn die verdickten Nägel besonders kräftig oder stark porös sind. Entwickelt sich die Stabilität proportional zur Dicke des Nagels, können diese mit handelsüblichen Pediküre-Instrumenten oft nicht mehr geschnitten oder gefeilt werden. Die Betroffenen sind dann auf die Hilfe ausgebildeter Fußpfleger angewiesen.
Sofern besonders kräftige Nägel einwachsen, ist das für den Patienten extrem schmerzhaft. Falls die Nägel besonders porös werden, besteht die Gefahr, dass die Betroffenen beim Nägelschneiden abrutschen und das Nagelbett oder das umliegende Gewebe verletzen. Die Schnittwunden können sehr schmerzhaft sein und sich entzünden. Für Menschen mit Diabetes mellitus oder einer Durchblutungsstörung der Beine ist das besonders heikel: Bei ihnen heilen solche Wunden schlecht, und wegen der oft verminderten Schmerzempfindung an den Füßen fallen sie mitunter erst spät auf.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Veränderungen oder Auffälligkeiten der Nägel sollten beobachtet werden. Wachsen die Unregelmäßigkeiten selbständig heraus und stellt sich im Anschluss eine Beschwerdefreiheit ein, wird im Normalfall kein Arzt benötigt. Kommt es zu anhaltenden Problemen oder einer Ausbreitung der Beschwerden, ist ein Kontrollbesuch bei einem Arzt vonnöten.
Für einige Betroffene gilt das jedoch nicht: Wer an Diabetes mellitus, an einer Durchblutungsstörung der Beine oder an einer Nervenschädigung der Füße leidet, sollte Veränderungen der Zehennägel immer ärztlich abklären lassen und die Fußpflege nicht selbst übernehmen. Bei ihnen können schon kleine Verletzungen zu schlecht heilenden Wunden führen, und der Druck eines verdickten Nagels auf das Nagelbett bleibt wegen der verminderten Schmerzempfindung oft unbemerkt.
Verfärbungen der Nägel an den Händen oder den Zehen gelten als ungewöhnlich und sollten medizinisch abgeklärt werden. Kommt es zu einer Instabilität der Nägel, schnellen Verletzungen oder Beschädigungen der Nagelstruktur, sind die Hinweise mit einem Arzt zu besprechen. Es handelt sich häufig um Warnhinweise des Organismus für vorliegende Erkrankungen, die abgeklärt werden müssen.
Verdickungen oder brüchige Nägel sind weitere Anzeichen einer bestehenden Unregelmäßigkeit. Sie sollten untersucht werden, damit eine Diagnosestellung ermöglicht wird. Leidet der Betroffene aufgrund der optischen Veränderungen unter psychischen Problemen, wird ebenfalls ein Arzt benötigt. Bei einer depressiven Verstimmung, Stimmungsschwankungen oder einem Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben besteht Anlass zur Besorgnis. Starke Gefühle der Scham oder des Ekels sollten mit einem Arzt besprochen werden. Das Knabbern an den Nägeln deutet bei vielen Menschen auf ein inneres Ungleichgewicht hin. Oftmals tragen seelische Belastungen oder emotionale Unregelmäßigkeiten zu einer Verschlechterung des Gesamtzustandes bei. Darüber hinaus ist das Risiko für Folgeerkrankungen oder weitere Beschwerden erhöht.
Behandlung & Therapie
Eine ursächliche Behandlung der Onychauxis ist oft nicht praktikabel. Stattdessen steht die kosmetische Therapie der verdickten Nägel im Vordergrund. Derartige behandlungstechnische Maßnahmen übernimmt meist ein ausgebildeter Podologe. Die Platte des erkrankten Nagels wird dabei mit Hilfe spezieller Feilen verflacht. Mitunter sind besondere Schuhformen zu empfehlen, sodass sich die Druckbelastung auf den Nagel verringert.
Aussicht & Prognose
Eine Onychauxis bietet eine gute Prognose. Die Erkrankung kann gut behandelt werden und hat für den Patienten in der Regel keine schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen. Wird das Leiden frühzeitig behandelt, lassen sich die einzelnen Beschwerden zuverlässig lindern. Die Lebenserwartung wird durch eine Onychauxis nicht reduziert. Allerdings kann das Wohlbefinden mitunter stark eingeschränkt sein, vor allem bei körperlicher Bewegung.
Bei chronischen Erkrankungen entwickelt sich zudem oft begleitend eine Fehlstellung. Daraus können psychische und körperliche Beschwerden resultieren, die eine starke Belastung für den Patienten darstellen. Besonders problematisch wird es, wenn zusätzlich Grunderkrankungen wie eine Durchblutungsstörung der Beine oder eine Nervenschädigung der Füße vorliegen: Dann können der verdickte Nagel und der Druck im Schuh zu schlecht heilenden Wunden führen.
Die Einschätzung des Verlaufs nimmt in der Regel der behandelnde Arzt vor, der die Fußpflege mit dem Podologen abstimmt. Hierfür muss die Schwere der Erkrankung bewertet werden, wobei eine Reihe von Faktoren wie die Art und Ausprägung der Deformierung und die ursächliche Krankheit miteinbezogen werden müssen. Die Prognose kann meist schon nach wenigen Behandlungsterminen gestellt werden und muss bei einem erwartbaren Verlauf nicht verändert werden. Eine Onychauxis kann sich immer wieder bilden, sofern die Auslöser für das Leiden nicht behoben werden.
Vorbeugung
Eine Prävention der Onychauxis ist nur bei der erworbenen Form der Krankheit möglich. Personen sollten dazu das dauerhafte Tragen zu enger Schuhe sowie Traumata der Nägel durch Verletzungen vermeiden. Jedoch ist eine Vorbeugung aufgrund unvorhergesehener Unfälle nicht immer erfolgreich.
Nachsorge
Dem Betroffenen stehen bei Onychauxis in den meisten Fällen nur eingeschränkte Maßnahmen einer Nachsorge zur Verfügung, da die Behandlung im Wesentlichen in einer regelmäßigen Nagelpflege besteht. Sollte die Krankheit schon von Geburt an vorliegen, kann sie in der Regel nicht vollständig geheilt werden. Bei einer solchen angeborenen Form kann eine humangenetische Beratung im Fall eines Kinderwunsches darüber informieren, wie wahrscheinlich eine Weitergabe an die Kinder ist; die Entscheidung darüber trifft allein das Paar.
Es kann dabei in der Regel nicht zu einer selbstständigen Heilung kommen. Die meisten Patienten sind bei dieser Krankheit auf verschiedene kosmetische Eingriffe angewiesen, die die Beschwerden lindern und einschränken können. Diese müssen dabei eventuell öfter wiederholt werden, sodass eine vollständige Beseitigung der Erkrankung nicht möglich ist.
Ebenso kann bei der Onychauxis der Kontakt zu anderen Patienten der Erkrankung sehr sinnvoll sein, da es dadurch zu einem Austausch an Informationen kommt, welcher den Alltag des Betroffenen erleichtern kann. Ebenso sollten die Nägel des Betroffenen nicht zu stark belastet werden, um die Beschwerden nicht zu verstärken. Weitere Maßnahmen einer Nachsorge stehen dem Betroffenen bei dieser Krankheit nicht zur Verfügung und sind in der Regel auch nicht notwendig. Die Onychauxis verringert nicht die Lebenserwartung des Betroffenen.
Das können Sie selbst tun
Eine Onychauxis kann im Zusammenhang mit unterschiedlichen Erkrankungen und Verletzungen auftreten. Dementsprechend vielfältig sind auch die Behandlungsmethoden. Im Allgemeinen muss eine Verformung des Zehennagels nicht behandelt werden, sofern sie keine Schmerzen, Missempfindungen oder andere Beschwerden hervorruft. Meist genügt es, passendes Schuhwerk zu tragen und die betroffene Stelle regelmäßig auf Veränderungen zu überprüfen.
Sollte sich eine Schwellung, eine Rötung oder Nässen am Nagelwall zeigen, gehört das ärztlich abgeklärt; damit sollte nicht zugewartet werden. Ein bereits verdickter Nagel lässt sich durch Fußbäder oder Massagen allerdings nicht zurückbilden, sie halten lediglich die Haut geschmeidig. Zeigen diese Maßnahmen keine Wirkung, sollte der Hausarzt konsultiert werden. Eine Onychauxis kann behoben werden, indem ein Podologe die Nagelplatte abschleift. Ohne eine entsprechende podologische Ausbildung sollte das nicht selbst versucht werden, weil dabei leicht das Nagelbett und die umliegende Haut verletzt werden. Für die Pflege zu Hause eignen sich weiche Feilen und Fußbäder, nicht aber Skalpelle, Hobel oder scharfe Zangen. Für Menschen mit Diabetes mellitus, einer Durchblutungsstörung der Beine oder einer Nervenschädigung der Füße gilt auch das nicht: Sie gehören mit Nagel- und Hornhautpflege in podologische Behandlung.
Zuletzt muss eine Onychauxis als Warnzeichen gesehen werden. Es gilt, den Auslöser zu ermitteln und ein erneutes Auftreten zu vermeiden. Eine kleine Onychauxis ruft meist keine Beschwerden hervor und muss nicht behandelt werden. Kann der verdickte Nagel selbst nicht mehr geschnitten werden, da er zu hart ist, sollte ein Podologe oder ein professioneller Fußpfleger hinzugezogen werden.
Video: Verdickte Zehennägel
Quellen
- Moll, I. (Hrsg.): Duale Reihe Dermatologie.
ISBN: 9783132446069
- Plewig, G., Ruzicka, T., Kaufmann, R., Hertl, M. (Hrsg.): Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
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- Sterry, W., Burgdorf, W., Worm, M. (Hrsg.): Checkliste Dermatologie.
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- Abeck, D.: Häufige Hautkrankheiten in der Allgemeinmedizin.
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