Paukenerguss
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Mit Paukenerguss wird eine Flüssigkeitsansammlung im Mittelohr im Bereich des Trommelfells bezeichnet. Die Konsistenz der Flüssigkeit reicht von serös (wässrig) bis schleimig oder sogar eitrig. Der Paukenerguss wird meist durch eine verstopfte Eustachi-Röhre verursacht. Die Blockade führt zu einem leichten Unterdruck im Mittelohr, so dass Gewebsflüssigkeit austritt und sich in der Paukenhöhle unterhalb der Gehörknöchelchen ansammelt.
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Was ist ein Paukenerguss?
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Das Mittelohr wird nach außen vom Trommelfell und nach innen von der Hörschnecke (Cochlea) begrenzt. Im Mittelohr befinden sich im oberen Bereich die Gehörknöchelchen, die die Schwingungen des Trommelfells über das ovale Fenster auf die Cochlea im Innenohr übertragen. Im unteren Bereich erweitert sich das Mittelohr auf Höhe des Trommelfells zur Paukenhöhle, die in die Eustachi-Röhre mündet.
Im Normalfall ist das Mittelohr mit Luft gefüllt, und die Eustachi-Röhre sorgt mit ihrer Verbindung zum Nasen-Rachenraum für den nötigen Druckausgleich, so dass im Außen- und Mittelohr der gleiche Luftdruck herrscht. Falls die Eustachi-Röhre aufgrund einer Erkältung oder anderer Ursachen blockiert ist, kann es zu einem leichten Unterdruck in der Paukenhöhle kommen, der den Austritt von Gewebsflüssigkeit begünstigt, die sich in der Paukenhöhle ansammelt und als Paukenerguss bezeichnet wird.
Da es sich zu Beginn meistens um eine serumähnliche Flüssigkeit handelt, ist die Konsistenz anfangs meist wässrig. Bei länger anhaltendem oder chronischem Verlauf kann sich die Konsistenz deutlich verändern. Die Flüssigkeit wird schleimig und zäh, kann auch Blut enthalten und sich im Falle von bakteriellen Infektionen mit Eiter mischen.
Ursachen
Wegen der fehlenden Durchlüftung der Paukenhöhle stellen sich häufig bakterielle Infektionen ein, die zu einer Mittelohrentzündung führen und das Problem verstärken. Bei Kindern, die zu Mittelohrentzündungen neigen, können auch bakterielle Infektionen den Paukenerguss verursachen und nicht umgekehrt. Eine Blockade der Eustachi-Röhre und der damit verbundenen mangelnden Durchlüftung der Paukenhöhle kann viele Ursachen haben.
Am häufigsten wird die Blockade durch Schnupfen, Erkältungen, Nasennebenhöhlenentzündungen, Nasenpolypen oder vergrößerte Rachenmandeln (Adenoide) ausgelöst, die den Eingang der Eustachi-Röhre im Nasen-Rachenraum verlegen. Auch bei Kindern mit Down-Syndrom (Trisomie 21) und bei einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte kann es zu Funktionseinschränkungen der Eustachi-Röhre kommen.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Ein beginnender Paukenerguss ist meist symptomlos, so dass er in den wenigsten Fällen entdeckt wird. Bei stärkerem Verlauf stellt sich eine Beeinträchtigung des Hörvermögens in Form einer Schallleitungsminderung ein. Nicht selten treten auch Schwindelgefühle auf. Hinzu kommt in der Regel ein unangenehmes Druckgefühl auf dem betroffenen Ohr.
Schmerzen stellen sich meist erst bei Auftreten einer Mittelohrentzündung ein, die bei starker Ausprägung des Paukenergusses zu einem Durchbruch des Trommelfells führen kann. Bei einem Trommelfelldurchbruch kann sich ein Teil der Flüssigkeit in den äußeren Gehörgang ergießen und sichtbar aus dem Ohr nach außen abfließen. Bei chronischem Verlauf des Paukenergusses über mehr als drei Monate wird die Schleimhaut des Mittelohrs dazu angeregt, ein Zylinderepithel mit sogenannten Becherzellen zu entwickeln. Die Becherzellen sind in das Epithel integriert und produzieren Schleim.
Diagnose & Krankheitsverlauf
Ein häufig zur Anwendung kommendes und einfach zu handhabendes Diagnoseverfahren ist die Ohrspiegelung (Otoskopie). Eine Flüssigkeitsansammlung in der Paukenhöhle kann dann meist durch das Trommelfell erkannt werden, weil das Trommelfell als dünne Haut semitransparent ist und Flüssigkeitsansammlungen auf der anderen Seite ein wenig durchscheinen.
Wenn der Paukenerguss beispielsweise auch Blut enthält, schimmert das Trommelfell leicht bläulich. Eine weitere Diagnosemöglichkeit besteht in der Tympanometrie mit deren Hilfe die Beweglichkeit und Elastizität des Trommelfells gemessen wird. Inwieweit durch den Paukenerguss eine vorübergehende oder permanente Hörminderung eingetreten ist, kann mittels Audiometrie festgestellt werden.
Komplikationen
Zu den häufigsten negativen Auswirkungen des Paukenergusses zählt die Schwerhörigkeit. Sie gilt als besonders problematisch, weil sie von den betroffenen Kindern oft gar nicht bemerkt wird. Dies kann wiederum Störungen in der Entwicklung des Kindes zur Folge haben. Mitunter werden die Betroffenen sogar fälschlicherweise als in ihrer geistigen Entwicklung verzögert eingestuft.
Um Hörschäden durch einen Paukenerguss zu verhindern, empfiehlt sich das Wahrnehmen von Vorsorgeuntersuchungen. Besteht der Verdacht, dass das Kind schwer hört, sollte eine Untersuchung durch einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt erfolgen. Nimmt der Paukenerguss einen chronischen Verlauf, sind weitere Komplikationen möglich. So treten häufig Vernarbungen der Mittelohrschleimhaut oder eine Mittelohrentzündung (Otitis media) auf.
Außerdem besteht durch den Erguss das Risiko von Beeinträchtigungen der Gehörknöchelchen. Werden diese sogar zerstört, ist ihr Ersatz durch ein Implantat nötig. Des Weiteren können sich Cholesteatome bilden, deren Entfernung operativ stattfinden muss.
Manche Patienten leiden zudem unter schwerwiegenden Auswirkungen eines Paukenergusses wie einer Mastoiditis (Warzenfortsatzentzündung) oder einer Meningitis (Hirnhautentzündung). Auch bei Erwachsenen können sich die Folgeerscheinungen eines Paukenergusses bemerkbar machen. Dabei handelt es sich zumeist um Beschwerden wie Schwindel, Druckgefühle und Kopfschmerzen.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Wenn Hörminderung, ein Druckgefühl im Ohr und andere Anzeichen eines Paukenergusses auftreten, sollte umgehend der Arzt konsultiert werden. Auch Schmerzen und Schwindel im Ohr sind deutliche Warnzeichen, die abgeklärt werden müssen. Betroffene Personen konsultieren am besten den Hausarzt oder einen Ohrenarzt. Der Mediziner kann die Diagnose anhand einer körperlichen Untersuchung stellen und den Erguss mittels Medikamenten oder einer Tubensprengung behandeln. Personen, die an einer Sinusitis, Rhinitis oder einer Stoffwechselerkrankung leiden, sind besonders gefährdet.
Auch Menschen mit Down-Syndrom, einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte oder Adenoiden gehören zu den Risikogruppen und müssen genannte Anzeichen sofort von einem Facharzt abklären lassen. Neben dem Ohrenarzt kann ein Internist oder der Allgemeinarzt konsultiert werden. Kinder sollten dem Kinderarzt vorgestellt werden, wenn Ohrenschmerzen oder Hörbeschwerden auftreten. Tritt der Paukenerguss im Zusammenhang mit einem chirurgischen Eingriff auf (z.B. nachdem ein Paukenröhrchen eingesetzt wurde), muss der zuständige Arzt informiert werden. Die Behandlung erfolgt in der Regel ambulant; ein operativer Eingriff wird meist erst nötig, wenn der Erguss über Monate bestehen bleibt.
Behandlung & Therapie
Die Behandlung des Paukenergusses hängt von den verursachenden Faktoren ab. In der Regel sind Krankheiten, die einen Paukenerguss verursacht haben, gut therapierbar. Falls die Flüssigkeitsansammlung früh genug diagnostiziert wurde, reicht es in der Regel aus, für die Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit der Eustachi-Röhre zu sorgen. Wenn der Druckausgleich wieder funktioniert, besteht eine gute Chance, dass sich der Paukenerguss selbständig wieder zurückbildet und dass sich das Hörvermögen wieder regeneriert, vorausgesetzt, das Trommelfell wurde nicht beschädigt.
In einfachen Fällen reichen Nasensprays zum Abschwellen der Nasenschleimhaut und Inhalationen aus. In hartnäckigeren Fällen werden Medikamente zur Verflüssigung des Paukenergusses und eventuell Antibiotika zur Behandlung der bakteriellen Infektion gegeben. Lange Zeit galten solche Medikamente als Standardbehandlung. Nach heutigem Kenntnisstand ist ihr Nutzen beim reinen Paukenerguss jedoch nicht belegt: Abschwellende Nasensprays, schleimlösende Mittel, Antihistaminika und Antibiotika beschleunigen die Rückbildung des Ergusses den vorliegenden Untersuchungen zufolge nicht. Die aktuellen Leitlinien empfehlen deshalb bei unkompliziertem Verlauf zunächst ein beobachtendes Abwarten über etwa drei Monate mit Kontrolle des Hörvermögens, weil sich der Erguss in dieser Zeit bei den meisten Betroffenen von selbst zurückbildet. Antibiotika bleiben der zusätzlich aufgetretenen akuten Mittelohrentzündung vorbehalten. In schweren Fällen kann eine Parazentese, ein Schnitt in das Trommelfell, angezeigt sein, um das Sekret absaugen zu können.
Der Schnitt in das Trommelfell kann so angelegt sein, dass es wieder zusammenwächst, ohne bleibende Hörschäden zu hinterlassen. In wenigen Fällen, in denen der Druckausgleich durch die Eustachi-Röhre nicht herstellbar ist, wird ein sogenanntes Paukenröhrchen eingesetzt, das für den permanenten Druckausgleich zwischen Mittelohr und Außendruck sorgt. Das Paukenröhrchen wird in der Regel nach etwa sechs bis zwölf Monaten vom Trommelfell von selbst abgestoßen; nur wenn es länger liegen bleibt, wird es ärztlich entfernt. Bei Kindern, bei denen vergrößerte Rachenmandeln die Belüftung behindern, werden diese häufig im selben Eingriff mit entfernt.
Aussicht & Prognose
Ein Paukenerguss kann unterschiedliche Verläufe nehmen. Die Prognose orientiert sich unter anderem am Alter des Patienten und am Zeitpunkt der Diagnose. Bei Kindern entwickeln sich Paukenergüsse mitunter zu einer chronischen Erkrankung. Grundsätzlich kann der Paukenerguss durch eine Behebung der Ursachen behandelt werden. Lediglich in Einzelfällen bleiben dauerhafte Schäden im Mittelohr zurück, etwa Schäden an der Schleimhaut oder an den Gehörknöchelchen.
Bei Erwachsenen klingen Paukenergüsse in der Regel vollständig ab. Langfristige Folgen sind selten. Bei einigen Patienten kann das Hörvermögen eingeschränkt sein. Ein Paukenerguss ist zunächst mit einem Druckgefühl und Unwohlsein verbunden. Nach der Behandlung sollten die Symptome abgeklungen sein. Einschränkungen in der Lebensqualität sind für den Patienten nicht zu erwarten. Die Lebenserwartung wird durch einen Paukenerguss ebenfalls nicht reduziert. Die Prognose wird unter Einbeziehung des Krankheitsverlaufs, des Allgemeinzustandes des Patienten und einiger anderer Faktoren gestellt.
Zuständig ist der Ohren- oder Hausarzt. Bei chronischen Erkrankungen muss die Prognose regelmäßig erneuert werden. Im Allgemeinen ist die Prognose bei einem Paukenerguss gut und der Patient kann nach der Behandlung ein beschwerdefreies Leben führen.
Vorbeugung
Maßnahmen zur Vorbeugung gegen die Ausbildung eines Paukenergusses bestehen vor allem darin, für einen funktionierenden Druckausgleich durch die Eustachi-Röhre zu sorgen. Vor allem bei Erkältungen sollte darauf geachtet werden, dass baldmöglichst wieder ein Druckausgleich hergestellt werden kann.
Nachsorge
Dem Betroffenen stehen bei einem Paukenerguss in den meisten Fällen nur wenige und in der Regel auch nur eingeschränkte Möglichkeiten und Maßnahmen einer Nachsorge zur Verfügung. Dabei sollte der Betroffene in allererster Linie schnell und vor allem frühzeitig einen Arzt aufsuchen, um das Auftreten von weiteren Komplikationen und Beschwerden zu verhindern. Ein akuter Paukenerguss heilt zwar in den meisten Fällen von selbst wieder ab. Bleibt die Hörminderung oder das Druckgefühl jedoch über Wochen bestehen, ist eine Untersuchung durch einen Arzt erforderlich, um bleibende Hörschäden zu vermeiden.
Ein Paukenerguss bildet sich häufig auch ohne Medikamente von selbst zurück. Abschwellendes Nasenspray kann die Beschwerden lindern, verkürzt die Erkrankung aber nicht. Antibiotika sind nur dann nötig, wenn zusätzlich eine akute Mittelohrentzündung vorliegt. Dabei sollte der Betroffene immer auf eine regelmäßige Einnahme und auch auf eine richtige Dosierung achten.
Bei Fragen oder bei starken Nebenwirkungen ist dabei immer zuerst ein Arzt zu konsultieren. Auf Alkohol sollte während einer Antibiotikatherapie verzichtet werden: Er belastet zusätzlich die Leber und kann Nebenwirkungen verstärken. Weitere Maßnahmen einer Nachsorge stehen dem Betroffenen bei dieser Krankheit in der Regel nicht zur Verfügung. Die Lebenserwartung des Betroffenen ist nicht verringert.
Das können Sie selbst tun
Ein Paukenerguss kann, vor allem wenn zusätzlich eine Mittelohrentzündung besteht, starke Schmerzen bereiten. Diese werden im Regelfall besser, wenn eine gute Belüftung des Ohres gewährleistet ist. Insofern ist es ratsam, bei einem akuten Paukenerguss abschwellende Nasentropfen und abschwellende Nasensprays zu verwenden. Diese halten die Verbindung zwischen Nase und Ohr offen. Somit lassen die Druckschmerzen auf dem Ohr nach. Dass abschwellende Mittel den Paukenerguss selbst schneller zum Abheilen bringen, ist nach heutigem Kenntnisstand allerdings nicht belegt; sie lindern die Beschwerden, verkürzen die Erkrankung aber nicht. Gerade im Liegen können die durch einen Paukenerguss verursachten Schmerzen sehr stark sein. Deswegen sind abschwellende Sprays oder Tropfen besonders vor dem Schlafengehen ratsam.
Schmerzlindernde Medikamente wie Ibuprofen und Paracetamol können ebenfalls im akuten Infekt helfen, die Schmerzen abklingen zu lassen. Sowohl Schmerzmedikamente als auch Nasentropfen sind in moderaten Dosierungen frei verkäuflich und sollten, gerade wenn man zu wiederholten Paukenergüssen neigt, immer im Haus vorrätig sein. Abschwellende Nasentropfen und -sprays sollten allerdings nicht länger als eine Woche am Stück angewendet werden, weil die Nasenschleimhaut sonst dauerhaft anschwillt. Da ein Paukenerguss meist unkompliziert abheilt und oft auch viral bedingt ist, kann man bei gutem Allgemeinbefinden auch unter Schonung den Heilungsverlauf zunächst abwarten.
Bewährte Hausmittel wie Zwiebelsäckchen können ebenfalls die Schmerzen lindern. Gerade bei Kindern sollten Eltern jedoch sorgfältig beobachten, ob die Schmerzen im Verlauf des Infekts stärker werden oder hohes oder wiederholtes Fieber auftritt. Dies kann ein Zeichen dafür sein, dass der Infekt bakteriell bedingt ist. Je nach individueller Konstitution ist in diesem Fall Selbsthilfe nicht möglich. Der Körper braucht dann ein Antibiotikum, welches ein Facharzt nach entsprechender Untersuchung verordnen wird.
Quellen
- Probst, R., Grevers, G., Iro, H.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.
ISBN: 9783131521231
- Guntinas-Lichius, O.; Klußmann, J. P.; Lang, S.: Referenz HNO-Heilkunde.
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- Götte, K., Nicolai, T. (Hrsg.): Pädiatrische HNO-Heilkunde.
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- Reiß, M. (Hrsg.): Facharztwissen HNO-Heilkunde.
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- Mrowinski, D., Scholz, G., Steffens, T.: Audiometrie.
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