Paracetamol

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 15. April 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Paracetamol ist ein Arzneistoff, der in erster Linie bei leichten bis mittelstarken Schmerzen, bei Erkältungsbeschwerden und zur Senkung von Fieber eingesetzt wird. Paracetamol wird sowohl als Einzelpräparat als auch in Kombination mit anderen Arzneistoffen eingesetzt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Paracetamol?

Paracetamol ist ein Arzneistoff, der in erster Linie bei leichten bis mittelstarken Schmerzen, bei Erkältungsbeschwerden und zur Senkung von Fieber eingesetzt wird.

Der schmerz- und fiebersenkende Arzneistoff Paracetamol ist im Jahre 1950 eingeführt worden und zählt zu den gebräuchlichsten und unentbehrlichsten Schmerzmitteln. Paracetamol gilt als höchst wirksam und ist in Deutschland als Monopräparat rezeptfrei in Apotheken zu erwerben.

Lediglich Kombinationspräparate, die beispielsweise Codein oder Acetylsalizylsäure enthalten, unterliegen der Verschreibungspflicht. Das Analgetikum wird von der Weltgesundheitsorganisation als unentbehrliches Arzneimittel eingestuft, auf der Liste der WHO steht der Wirkstoff Paracetamol seit 1977.

Medizinische Wirkung & Anwendung

Paracetamol findet bei diversen Krankheitsbildern medizinische Anwendung. Der Wirkstoff zählt zum ersten Mittel der Wahl bei den unterschiedlichsten Schmerzbeschwerden, wie beispielsweise Kopfschmerzen,Gliederschmerzen, Regelschmerzen, Zahnschmerzen aber auch Sonnenbrand und kann bis zu einem gewissen Maß auch bei Migräne eingesetzt werden. Bei Migräne wird jedoch eine Kombination mit Acetylsalicylsäure und Koffein empfohlen, da die Wirksamkeit durch die Wechselwirkung gesteigert wird.

Bei mäßig starken bis starken Schmerzen wird eine Kombination mit Codein und Tramadol empfohlen. Auch bei der Behandlung von diversen Erkältungskrankheiten findet Paracetamol Anwendung. In vielen Grippemitteln, Hustenlösern und fiebersenkenden Medikamenten ist Paracetamol Bestandteil. Während der Schwangerschaft sollte auf die Einnahme von Paracetamol verzichtet werden, es wird vermutet, dass eine Einnahme während der Schwangerschaft mit einer späteren Asthmaerkrankung des Kindes in Zusammenhang steht.

Das Stillen, in Kombination mit Paracetamol, gilt jedoch als unbedenklich. Paracetamol wird üblicherweise oral aufgenommen, kann jedoch auch rektal und intravenös verabreicht werden. Bei Erwachsenen wird Paracetamol je nach Körpergewicht dosiert. Pro kg Körpergewicht werden oral ca. 10-15 mg als Einzeldosis eingenommen. Pro Tag dürfen bis zu vier Einzeldosen Paracetamol eingenommen werden.

Wechselwirkungen

Paracetamol sollte auf keinen Fall mit Alkohol kombiniert werden. Ebenso wie die kombinierte Einnahme von bestimmten Schlafmitteln und Antiepileptika, führt die gleichzeitige Zufuhr von Alkohol dazu, dass der Abbau von Paracetamol zu einem giftigen Stoffwechselprodukt verstärkt wird. So können schon kleine Dosen Paracetamol gravierende Leberschäden auslösen.

Bei einer gleichzeitigen Gabe des Breitband-Antibiotikums Chloramphenicol verzögert Paracetamol den Abbau des Antibiotikums und macht dessen Wirkstoff somit giftiger. AIDS-Patienten, die das Mittel Zidovudin einnehmen, sollten Paracetamol nur mit Rücksprache eines Arztes verwenden, da Paracetamol bestimmte Nebenwirkungen des Medikaments verstärken kann.

In der Hauptsache gilt Paracetamol jedoch als ein Medikament, das andere Wirkstoffe nur selten negativ beeinflusst. Wie bei jedem anderen Medikament sollte auch bei Paracetamol im Zweifelsfall Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker gehalten werden.


Verabreichung und Dosierung

Paracetamol, auch bekannt als Acetaminophen, ist ein weit verbreitetes Schmerzmittel und Fieberreduzierer. Bei der Verabreichung und Dosierung von Paracetamol sind bestimmte Richtlinien zu beachten, um Sicherheit und Wirksamkeit zu gewährleisten sowie das Risiko von Nebenwirkungen zu minimieren.

Für Erwachsene beträgt die empfohlene Einzeldosis von Paracetamol in der Regel 500 mg bis 1 g, bis zu viermal täglich, mit einem maximalen Tageslimit von 4 g. Die Einnahme sollte in Abständen von mindestens vier Stunden erfolgen, um eine Überdosierung zu vermeiden. Bei Kindern richtet sich die Dosierung nach dem Körpergewicht, wobei typischerweise 10-15 mg/kg Körpergewicht alle vier bis sechs Stunden empfohlen werden, ohne die maximale Tagesdosis von 60 mg/kg zu überschreiten.

Es ist wichtig, bei der Einnahme von Paracetamol Vorsicht walten zu lassen, besonders wenn andere Medikamente konsumiert werden, die ebenfalls Paracetamol enthalten, um eine versehentliche Überdosierung zu vermeiden. Eine Überdosierung kann zu schweren Leberschäden führen und potenziell lebensbedrohlich sein.

Patienten mit Lebererkrankungen oder einem chronischen Alkoholkonsum sollten Paracetamol nur unter ärztlicher Aufsicht einnehmen, da in solchen Fällen das Risiko von Leberschäden erhöht sein kann. Schwangere und stillende Mütter sollten ebenfalls ihren Arzt konsultieren, bevor sie Paracetamol einnehmen.

Risiken & Nebenwirkungen

Paracetamol gilt als ein sehr gut verträgliches Arzneimittel, bei dem nur selten Nebenwirkungen auftreten, solange es im bestimmungsgemäßen Rahmen eingenommen wird. Relativ häufig kommt der medikamenteninduzierte Kopfschmerz vor. Die regelmäßige Einnahme von Paracetamol führt bei plötzlichem Absetzen zu heftigen Kopfschmerzattaken, dies ist häufig der Fall bei Migränepatienten, die sich nicht auf Triptane einstellen lassen.

Seltene und sehr seltene Nebenwirkungen sind des Weiteren Leberenzyme, schwerwiegende Blutbildveränderungen, allergische Reaktionen wie z.B. Nesselausschlag und eine Verkrampfung der Atemmuskulatur.

Des Weiteren steht Paracetamol in Verdacht, bei häufiger Anwendung in der Kindheit, das Asthmarisiko und die Wahrscheinlichkeit von Bindehautentzündungen zu erhöhen. Auch häufige Hautentzündungen und Entzündungen der Nasenschleimhaut werden mit der Einnahme von Paracetamol in der Kindheit in Verbindung gebracht.

Kontraindikationen

Paracetamol ist ein allgemein gut verträgliches Schmerzmittel und Fieberreduzierer, doch gibt es bestimmte Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen, die berücksichtigt werden müssen, um schwerwiegende gesundheitliche Risiken zu vermeiden.

Eine der Hauptkontraindikationen für die Einnahme von Paracetamol ist eine bekannte Überempfindlichkeit oder Allergie gegen den Wirkstoff selbst oder gegen einen der sonstigen Bestandteile des Medikaments. Personen, die in der Vergangenheit allergische Reaktionen auf Paracetamol gezeigt haben, einschließlich Hautausschläge, Nesselsucht oder Atembeschwerden, sollten dieses Medikament vermeiden.

Menschen mit schweren Lebererkrankungen oder Leberinsuffizienz müssen besonders vorsichtig sein, da Paracetamol in der Leber metabolisiert wird und bei Überdosierung zu akutem Leberversagen führen kann. Auch bei Patienten mit chronischem Alkoholmissbrauch oder einer Vorgeschichte von alkoholbedingten Leberschäden ist Vorsicht geboten, da ihr Risiko für Paracetamol-induzierte Leberschäden erhöht ist.

Darüber hinaus sollten Personen mit schweren Nierenerkrankungen oder Niereninsuffizienz die Verwendung von Paracetamol mit ihrem Arzt besprechen, da eine Anpassung der Dosis oder eine sorgfältige Überwachung erforderlich sein kann.

Schwangere und stillende Mütter sollten Paracetamol nur nach Rücksprache mit einem Arzt einnehmen, da obwohl es allgemein als sicher für diese Gruppen gilt, die Einnahme jeder Medikation während der Schwangerschaft oder Stillzeit einer sorgfältigen Abwägung bedarf.

Die Beachtung dieser Kontraindikationen und die Einhaltung der empfohlenen Dosierungsrichtlinien sind entscheidend, um die Sicherheit und Wirksamkeit von Paracetamol als Schmerzmittel und Fieberreduzierer zu gewährleisten.

Interaktionen mit anderen Medikamenten

Die gleichzeitige Anwendung von Paracetamol mit bestimmten anderen Medikamenten kann zu Wechselwirkungen führen, die die Wirksamkeit der beteiligten Medikamente beeinflussen oder das Risiko von Nebenwirkungen erhöhen können. Es ist wichtig, diese potenziellen Interaktionen zu kennen und gegebenenfalls mit einem Arzt oder Apotheker zu besprechen.

  • Alkohol: Die gleichzeitige Einnahme von Paracetamol und Alkohol erhöht das Risiko von Leberschäden erheblich. Personen, die regelmäßig größere Mengen Alkohol konsumieren, sollten besonders vorsichtig sein und Paracetamol nur unter ärztlicher Aufsicht verwenden.
  • Antikoagulanzien (Blutverdünner):' Paracetamol kann bei langfristiger Einnahme hoher Dosen die Wirkung von Warfarin, einem häufig verwendeten Antikoagulans, verstärken und das Blutungsrisiko erhöhen.
  • Antiepileptika: Einige Medikamente zur Behandlung von Epilepsie, wie Phenytoin, Carbamazepin und Barbiturate, können den Abbau von Paracetamol beschleunigen und dessen Wirksamkeit verringern. Sie können auch das Risiko für Paracetamol-bedingte Leberschäden erhöhen.
  • Antibiotika: Bestimmte Antibiotika, insbesondere solche aus der Klasse der Rifampicine, können ebenfalls die Lebertoxizität von Paracetamol erhöhen.
  • Isoniazid: Dieses zur Behandlung von Tuberkulose eingesetzte Medikament kann ebenfalls das Risiko für Leberschäden in Verbindung mit Paracetamol erhöhen.

Es ist wichtig, vor der Einnahme von Paracetamol eine vollständige Liste aller aktuellen Medikamente, einschließlich verschreibungspflichtiger Medikamente, rezeptfreier Präparate und Nahrungsergänzungsmittel, mit einem Gesundheitsdienstleister zu besprechen. Diese Vorsichtsmaßnahme hilft, potenzielle gefährliche Wechselwirkungen zu vermeiden und sicherzustellen, dass Paracetamol sicher und effektiv eingesetzt wird.

Alternative Behandlungsmethoden

Wenn Paracetamol nicht vertragen wird oder kontraindiziert ist, stehen verschiedene alternative Behandlungsmethoden und Wirkstoffe zur Verfügung, um Schmerzen zu lindern und Fieber zu reduzieren.

  • NSAR (nichtsteroidale entzündungshemmende Medikamente): Zu den NSAR gehören Wirkstoffe wie Ibuprofen, Naproxen und Aspirin. Diese Medikamente wirken entzündungshemmend, schmerzlindernd und fiebersenkend, indem sie die Produktion von Prostaglandinen hemmen, die an Entzündungsprozessen beteiligt sind. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass Aspirin bei Kindern und Jugendlichen mit viralen Infektionen wie Grippe oder Windpocken vermieden werden sollte, um das Risiko des Reye-Syndroms zu verringern.
  • Opioid-Analgetika: Bei starken oder chronischen Schmerzen können Opioid-Analgetika wie Tramadol, Morphin oder Oxycodon verschrieben werden. Diese Medikamente wirken auf das zentrale Nervensystem, um die Schmerzempfindung zu verringern, und werden normalerweise nur unter ärztlicher Aufsicht und bei Bedarf verwendet, da sie ein hohes Abhängigkeitspotenzial haben.
  • Muskelrelaxantien: Bei Schmerzen aufgrund von Muskelverspannungen können Muskelrelaxantien wie Baclofen oder Tizanidin verschrieben werden. Diese Medikamente helfen, Muskelkrämpfe zu reduzieren und die Muskelspannung zu verringern, was zu einer Schmerzlinderung führen kann.
  • Topische Analgetika: Salben, Gele oder Pflaster mit lokalen Analgetika wie Lidocain, Menthol oder Capsaicin können auf die betroffenen Stellen aufgetragen werden, um Schmerzen zu lindern. Diese Produkte können eine Alternative sein, wenn die orale Einnahme von Schmerzmitteln nicht möglich oder nicht erwünscht ist.
  • Alternative Therapien: Akupunktur, Physiotherapie, Massage und andere alternative Therapien können ebenfalls zur Schmerzlinderung beitragen. Diese Behandlungen können bei einigen Personen wirksam sein und werden oft als Ergänzung zu traditionellen Medikamenten eingesetzt.

Es ist wichtig, mit einem Arzt zu sprechen, um die beste Behandlungsoption zu finden, die auf die individuellen Bedürfnisse und die zugrunde liegende Ursache der Schmerzen zugeschnitten ist. Die richtige Auswahl und Anwendung von alternativen Behandlungsmethoden und Wirkstoffen kann dazu beitragen, Schmerzen effektiv zu kontrollieren, ohne die Risiken und Nebenwirkungen von Paracetamol einzugehen.

Quellen

  • "Goodman & Gilman's The Pharmacological Basis of Therapeutics" von Laurence Brunton, Randa Hilal-Dandan, und Bjorn Knollmann
  • "Rang & Dale's Pharmacology" von Humphrey P. Rang, Maureen M. Dale, James M. Ritter, und Rod J. Flower
  • "Basic and Clinical Pharmacology" von Bertram Katzung, Anthony Trevor

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