Penisbruch


Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 29. September 2018
Kategorie: Krankheiten

Ein Penisbruch, also eine Ruptur des Schwellkörpers bzw. der umgebenden Gewebeschicht, ist eine seltene aber schwere Verletzung des männlichen Geschlechtsorgans. Eine Penisruptur erfordert immer ärztliche Hilfe, in den meisten Fällen ist eine Operation nicht zu umgehen, damit mögliche Langzeitfolgen wie erektile Dysfunktionen verhindert werden können.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Penisbruch?

Der Begriff Penisbruch ist missverständlich, da es sich bei der so genannten Penisruptur um keinen Knochenbruch handelt. Der Penis enthält nämlich keinen Knochen.

Bei einer Penisruptur kommt es zu einem Einriss der Tunica albuginea, der Gewebeschicht, welche den Schwellkörper des Penis umgibt und welche hilft die Erektion aufrecht zu erhalten. Auch der Penisschwellkörper selbst kann überdehnt werden oder sogar einreißen.

Nur im erigierten Zustand kann es zu einer Penisruptur kommen, nämlich dann, wenn das erigierte Glied zu stark gebogen wird. Eine Penisruptur ist relativ selten, bedarf aber fast immer ärztlicher Hilfe.

Ursachen

Die häufigsten Ursachen für eine Penisruptur stehen in Zusammenhang mit vaginalem Geschlechtsverkehr bzw. Masturbation. So kann es zu einem Abknicken des Penis kommen, wenn er auf den Beckenknochen bzw. das Perineum der Frau auftrifft.

Dies geschieht am häufigsten, wenn die Frau beim Geschlechtsverkehr oben, auf dem Mann sitzt ("reitet""), und den Penis verliert, sodass durch ihr Gewicht der Penis abgeknickt wird. Penisrupturen können auch zustande kommen, wenn versucht wird einen erigierten Penis zu verbergen und dieser zu stark hinabgedrückt wird.

Nur selten kann sich ein Mann eine Penisruptur im Schlaf zuziehen. Dies kann geschehen, wenn er mit seinem gesamten Gewicht auf dem erigiertem Glied liegt und dieses dadurch stark abgebogen wird. Kommt es zu Verletzungen des Penis im schlaffen Zustand, etwa durch Tritte oder Schläge, hat dies keine Penisruptur zur Folge. Zu dieser Verletzung kann es nur bei einer Erektion kommen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Ein Penisbruch äußerst sich in den meisten Fällen sofort durch ein knackendes Geräusch im erigierten Glied. Es kommt schlagartig zu einem Verlust der Erektion (die eine Voraussetzung für die Schwellkörperruptur darstellt) und damit zu einem kurzen Erschlaffen des Gliedes. Es kommt sofort zu starken Schmerzen im eingerissenen Bereich des Schwellkörpers, die ausstrahlen können. Die Schmerzen können den Unterbauch, den Hoden und den Rücken erfassen.

Es kommt zu einer oder mehreren Schwellungen. Blaue und rote Hämatome treten sehr schnell auf und führen mitunter zu einer Verfärbung des gesamten Gliedes. Die Schwellungen können auch - in Abhängigkeit von der Stelle der Ruptur - das Schambein und die Hoden erfassen. Die Schwellung kann zu einer unnatürlichen Biegung des Gliedes führen, die um den intakten Schwellkörper verläuft. Entsprechend erfolgt die Biegung meist nach oben rechts beziehungsweise oben links hin.

Die Ruptur ist in manchen Fällen tastbar und lässt ein Eindrücken des Gliedes an der Stelle der stärksten Schwellung zu. In seltenen Fällen kommt es darüber hinaus zu einer Schwellkörperruptur, die Blut aus der Harnröhre austreten lässt. Dies ist allerdings ein seltenes Symptom des Penisbruches.

Diagnose & Verlauf

Die Diagnosestellung erfolgt durch einen Blick- und Tastbefund des behandelnden Arztes. Aus der Anamneseerstellung ergibt sich häufig bereits die Verdachtsdiagnose. Typischerweise schildern Betroffene ein lautes Knackgeräusch.

Der Penis erschlafft sofort und der Mann spürt einen stechenden Schmerz in der Genitalgegend. Darüber hinaus ist ein großes, dunkles Hämatom am geschwollenen Penis zu sehen. Alleine dieser Bluterguss lässt meist eine einfache Blickdiagnose zu. Wurde die Harnröhre verletzt, kann sich Blut im Urin finden. Um eine Verletzung der Harnröhre zu diagnostizieren, wird eine Urethografie erstellt, also ein Röntgen der Harnröhre bei dem ein Kontrastmittel eingespritzt wird.

Der weitere Verlauf dieser Verletzung hängt von der Behandlung ab. Grundsätzlich ist die Prognose gut. Kommt es zu keiner Behandlung, kann dies zu einer Penisverkrümmung oder zu Erektionsschwierigkeiten führen.

Komplikationen

Eine Penisruptur zieht einige Komplikationen nach sich, die umso häufiger auftreten, desto länger mit der Operation der betroffenen Schwellkörper gewartet wird. Dabei gilt, dass ein schnelles Handeln und ein ärztliches Versorgen des Gliedes und der Harnröhre entstehenden Komplikationen gut vorbeugen können.

Ein Penisbruch kann zum Beispiel eine Penisverkrümmung (erworbene Penisverkrümmung) nach sich ziehen, da das Gewebe eventuell vernarbt oder in einer gestauchten Form verheilt. Eine solche Krümmung ist in erster Linie ein ästhetisches Problem, kann aber, abhängig von der Schwere, auch zu erheblichen Schwierigkeiten beim Geschlechtsakt führen.

Eine Harnröhrenverengung kann ebenfalls auftreten. Sie kann durch ein verengtes Verwachsen des defekten Gewebes zustande kommen oder auch im Rahmen einer ärztlichen Versorgung durch die Verletzung der Harnröhre entstehen. Dadurch kann sie vernarben. Dies führt zu Problemen beim Wasserlassen, einer erhöhten Infektanfälligkeit und kann zu Schmerzen führen. Eine Harnröhrenverengung ist behandelbar.

Sind die Schwellkörper irreparabel geschädigt, oder liegen Nervenschäden vor, kann eine erektile Dysfunktion eintreten. Der teilweise bestehende oder vollständige Verlust der Erektionsfähigkeit bedeutet für die Betroffenen oftmals auch eine starke psychische Belastung. Es kann auch zu Schmerzen bei auftretenden Erektionen nach einer Operation kommen. Es ist möglich, dass diese langanhaltend bestehen bleiben.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ist während des sexuellen Aktes im Intimbereich des Mannes ein Geräusch ähnlich dem eines Knackens zu hören, liegt häufig ein Penisbruch vor. Ein Arztbesuch sollte unverzüglich erfolgen, da unmittelbar im gleichen Moment starke Schmerzen im Glied einsetzen. Stellen sich Schwellungen am Penis ein und erfolgt eine sofortige Rückbildung der Erektion, ist die Konsultation eines Arztes anzuraten. Verfärbungen, Blutergüsse sowie eine Ausbreitung der Schmerzen sollten schnellstmöglich einem Arzt vorgestellt werden.

Aufgrund der zahlreichen Risiken, Nebenwirkungen und Komplikationen ist auf die eigenverantwortliche Einnahme eines schmerzstillenden Medikaments zu verzichten. Die Arzneien sind erst nach der Rücksprache mit einem Mediziner einzunehmen, um ein möglichst optimales Behandlungsergebnis zu erzielen. Kann die Bruchstelle am männlichen Glied getastet werden, besteht Handlungsbedarf. Bei Blutungen aus dem Penis haben sich Folgeerscheinungen durch den Penisbruch entwickelt. Damit es zu keiner Zunahme weiterer Beschwerden kommt, ist ein Arztbesuch notwendig.

Verhaltensauffälligkeiten, aggressive Tendenzen oder Weinerlichkeit sind zusätzliche Anzeichen einer gesundheitlichen Unregelmäßigkeit. Kommt es zu Herzrasen, Störungen des Herzrhythmus sowie Trübungen des Bewusstseins, benötigt der Betroffene Hilfe. Bei einem Verlust des Bewusstseins muss der Notarzt alarmiert werden. Anwesende haben in diesen Fällen die Pflicht, Erste-Hilfe-Maßnahmen einzuleiten, damit es zu keinen weiterführenden Beeinträchtigungen oder lebensbedrohlichen Zuständen kommt.

Behandlung & Therapie

Um etwaige Komplikationen zu verhindern, ist es ratsam, sofort einen Arzt aufzusuchen, wenn der Verdacht auf eine Penisverletzung besteht. In sehr vielen Fällen ist eine Operation unumgänglich. Diese ist umso erfolgversprechender je schneller sie durchgeführt werden kann.

Eine Operation soll verhindern, dass es aufgrund der Penisruptur zu Funktionsstörungen im weiteren Verlauf kommt. Als erste Maßnahme nach einer Penisruptur ist die Kühlung der betroffenen Stelle durch das Auflegen von Eis empfehlenswert, da dies das Ausmaß der Schwellung reduziert. Liegt keine schwere Ruptur vor, kann konservativ behandelt werden. Dabei wird ein Druckverband gelegt und der Penis gekühlt.

Da eine Penisruptur sehr schmerzhaft ist, werden auch Schmerzmittel gegeben. Weiters erfolgt eine Behandlung mit Medikamenten zur Reduktion einer schmerzhaften Erektionen. Nach einer Operation des Penis ist es nötig mindestens vier Wochen lang keinen Geschlechtsverkehr zu haben, damit die Naht gut verheilen kann und keinen starken Belastungen ausgesetzt ist.

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Vorbeugung

Grundsätzlich sind Penisrupturen seltene Verletzungen, welche hauptsächlich durch sehr heftige sexuelle Betätigung zustande kommen. Das Bewusstsein darüber, dass so etwas wie eine Penisruptur existiert und wie diese entstehen kann, ist ein wichtiger Schritt, um Verletzungen vorzubeugen. Darüber hinaus sollte beim Geschlechtsverkehr und auch bei der Masturbation auf einen sorgsamen Umgang mit dem Penis geachtet werden.

Das können Sie selbst tun

Bei einem Penisbruch muss ein Notarzt gerufen werden oder ein schneller Transport in die Notaufnahme erfolgen. Eine Selbstbehandlung oder Versuche der Eigentherapie sind nicht zu empfehlen. Unterstützend zur medizinischen Versorgung hilft das Tragen von lockeren Kleidungsstücken. Eng anliegende Unterhosen oder Hosen intensivieren vorhandene Schmerzen und sollten daher nicht getragen werden. Der Gesäßbereich sollte vor einer Fremdeinwirkung von Gegenständen geschützt werden. Daher sind die Taschen der Kleidungsstücke zu leeren, damit weder Schlüssel noch ein Handy durch Bewegungen in den Kontakt mit dem Intimbereich kommen können.

Während des Heilungsprozesses sollte auf sexuelle Aktivitäten aller Art verzichtet werden. Dazu zählen auch kognitive Prozesse und sexuelle Phantasien. Die Schwellkörper sind zu entlasten und würden bei einer sexuellen Stimulation sofort schmerzen. Zur Vermeidung von späteren Erektionsstörungen ist der mentale Stress zu reduzieren. Eine innere Gelassenheit im Umgang mit dem Geschehenen und den möglichen Folgen helfen bei einer schnellen Genesung.

Zur Vorbeugung vor künftigen sexuellen Funktionsstörungen sind mögliche Ängste abzubauen. Die sexuellen Praktiken sollten überdacht und verändert werden. Dabei helfen Stellungswechsel, die Nutzung anderer sexueller Utensilien sowie bessere Absprachen während des Aktes mit dem Sexualpartner. Damit sich Infektionen oder weitere Erkrankungen entwickeln, sollte auf eine ausreichende und vor allem sterile Wundversorgung geachtet werden.

Quellen

  • Gasser, T.: Basiswissen Urologie. Springer, Berlin 2011
  • Hautmann, R.: Urologie. Springer, Berlin Heidelberg 2014
  • Sökeland, J., Schulze, H., Rübben, H.: Urologie. Thieme, Stuttgart 2004


Mein Name ist Dr. med. Albrecht Nonnenmacher. Ich bin leitender Oberarzt für Innere Medizin & Pneumologie. Als medizinischer Experte gewährleiste ich mit meiner langjährigen beruflichen Erfahrung die medizinische Qualitätsicherung hier auf MedLexi.de. So kann ich Ihnen helfen, Ihre Gesundheit besser zu verstehen.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

roland kommentierte am 12.06.2014

Der Penis kann auch im schlaffen Zustand brechen. Nötig ist nur ein sehr starker Tritt. Ich habe das selbst schon erlebt.

Ich kommentierte am 06.06.2015

Da mir dieses, ich sag mal Missgeschick, selbst passiert ist, spreche ich aus eigener Erfahrung. Es war vor einigen Jahren an einem Sonntag. Das werde ich nie vergessen. Beim "heftigen Eindringen" bin ich abgeruscht. Ich verspürte keinerlei Schmerz. Und "er" blieb in einem harten Zustand, trotz Kühlung mit Eis. "Er" wurde nicht kleiner. Also ins Krankenhaus, Berliner Charite. Das dieser Fall selten vorkommt und mir noch gar nicht bewusst war, was passiert ist, merkte ich als ich die vielen Ärzte beim Röntgen bemerkte. Als mich der Professor fragte, ob ich Schmerzen verspüre und ich das mit "Nein" beantwortete, sah er mich lächelnd an und sagte sinngemäß Glück gehabt.
Als ich ihm sagte, dass ich einen immensen Druck in der Blase verspüre, ich konnte kein Wasser lassen, und er mit einem gekonnten Nadelstich in selbige mir Abhilfe verschaffte. Sofortige Operation, 14 Tage Krankenhaus und sehr wenig Gefühl im oberen Penisbereich sind das Ergebnis eines Sonntagfrüh-Sexerlebnisses.

Jörg kommentierte am 26.05.2016

Auch ich hatte letztens GV und ein Knacken im Glied wahrgenommen. Sofort ist das Glied erschlafft und ein Errektionsnachlass spürbar gewesen. Ich hatte weder Schmerzen, noch einen Bluterguß oder eine Verhärtung. Das ist nun schon sechs Wochen her. Der GV ist möglich, aber nur unter großen Anstrengungen und es werden bei Weitem nicht alte Qualitäten erziehlt, in jeder Hinsicht. Ich mache mir daher große Gedanken und habe auch schon zwei Urologen aufgesucht. Beide haben keinen Befund machen können nach dem Abtasten und wollten mir gleich Viagra verschreiben. Sehr enttäuschend. Gibt es noch etwas, was ich machen kann, um die Lage zu verbessern oder jemanden, der hier helfen kann?

Hanna kommentierte am 12.07.2017

Mein Freund bekam beim letzten GV einen komplett schwarz, lila eingefärbten Penis. Wir haben beide sowas vorher noch nie erlebt und haben uns keine großen Gedanken gemacht. Wir hatten Oralsex und dachten es käme davon. Man hatte auch erstmal nur meine Fingerabdrücke schwarz verfärbt gesehen, dann später wurde alles schwarz. Er hatte aber keine Schmerzen und wir haben dann später nochmal miteinander geschlafen und er ist auch nochmal gekommen. Kann man solch einen massiven Bluterguss auch bekommen, ohne eine Penisfraktur? Wodurch kann ein Bluterguss am Penis noch eintreten?