Pityriasis alba
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Das Krankheitsbild der Pityriasis alba wurde 1860 erstmals von dem französischen Mediziner Camille-Melchior Gibert beschrieben. Die Hauterkrankung ist zwar nicht schwerwiegend, kann aber für die meist kindlichen Patienten seelisch belastend sein. Obwohl sie schon seit dem 19. Jahrhundert bekannt ist, konnte ihre Ursache bis heute noch nicht geklärt werden.
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Was ist Pityriasis alba?
Von der harmlosen Pityriasis alba sind meist Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren betroffen. Zwei bis fünf Prozent der Kinder dieser Altersgruppe leiden an der mitunter chronisch verlaufenden Hautkrankheit. Jungen sind dabei leicht überrepräsentiert. Die nicht infektiöse Erkrankung kommt mitunter sogar bei Erwachsenen vor. Menschen mit dunkler Hautfarbe und ihre Kinder haben ein erhöhtes Risiko, eine Pityriasis alba zu entwickeln.
Die Erkrankung zeigt sich in Form von hellen Schuppen bedeckten Flecken. An der Stelle dieser Läsionen liegt eine verminderte Hautpigmentierung vor. Sie kommt durch die verringerte Aktivität der Melanozyten zustande. Sie bilden weniger und kleinere Melanosomen aus. Die Pigmentstörung findet sich vor allem im Gesicht, aber auch am Körper und dort in der Regel auch mit größeren Flecken.
Bei manchen Kleinkindern zeigt sich die Pityriasis alba erstmals nach langen Sonnenbädern ohne ausreichenden Sonnenschutz oder bei kindlichen Patienten, die häufig heiß gebadet werden. Histologisch handelt es sich bei der Hauterkrankung um eine Form der interstitiellen Dermatitis, bei der die Melanozyten degenerativ verändert sind.
Ursachen
Einige Ärzte vermuten einen übermäßigen Einsatz von Kortikoid-Cremes bei der Behandlung des Ekzems als Ursache für die Hypopigmentierung. Andere Mediziner halten die Pityriasis alba für eine abgeschwächte Form eines normalen Ekzems, das von einer übermäßigen Immunreaktion ausgelöst wird.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Die rötlichen Läsionen sind nicht scharf begrenzt und mit feinen Haut-Schüppchen bedeckt, die sich zu hellen trockenen Flecken auf der Gesichtshaut entwickeln. Die hellen Stellen sind nicht vollständig entpigmentiert, sondern lediglich hypopigmentiert.
Die überwiegend runden, ovalen oder landkartenähnlichen 0,5 bis 2 cm im Durchmesser großen Verfärbungen sind manchmal mit starkem Juckreiz und einer Talgdrüsen-Atrophie verbunden. Im Gesicht befinden sie sich meist auf den Seiten der Wangen und der Stirn. Am Körper finden sich in der Regel größere Läsionen mit betontem Rand. Dort sind vier oder fünf, in Extremfällen sogar mehr als 20 solcher Hautveränderungen vorhanden.
Etwa ein Fünftel der Pityriasis alba-Patienten haben die auffälligen Flecken auf den Schultern, großflächig auf den Streckseiten der Oberarme und am Hals. Die Hauterkrankung verschwindet meist bis zum Eintritt ins Erwachsenenalter. Bis zu diesem Zeitpunkt tritt sie jedoch bei einem Teil der kindlichen Patienten immer wieder auf.
Diagnose & Krankheitsverlauf
Der Verlauf ist meist chronisch und erfolgt in drei Stadien: Am Anfang erkennt der Patient eine schwach gerötete leicht erhabene schuppige Hautstelle. Danach verblasst die erhöhte Läsion. Zuletzt bleibt eine blasse flache glatte Hautpartie zurück. Die Abheilung der Pityriasis alba dauert mitunter mehrere Monate. Bei manchen Patienten dauert der Heilungsprozess bis zu 10 Jahre.
Im Sommer bleibt die Stelle trotz der Bräunung der restlichen Haut unverändert hell. Diagnostiziert wird die Pityriasis alba in einer gründlichen Untersuchung der Hautoberfläche des Gesichts und gegebenenfalls des gesamten Körpers. Um sie differentialdiagnostisch von Pityriasis versicolor alba, Tinea corporis und Tinea faciei abzugrenzen, führt der Arzt den Kaliumhydroxid (KOH)-Test durch.
Die Abgrenzung von der Vitiligo (Weißfleckenkrankheit) kann schon durch das äußere Erscheinungsbild erfolgen: Bei ihr finden sich die weißen Flecken häufig um Mund und Augen, aber ebenso an Händen, Ellenbogen, Knien oder anderen Körperstellen. Außerdem sind bei dieser Hauterkrankung die hellen Flecken vollständig depigmentiert und erscheinen daher auch weiß.
Komplikationen
Weiterhin kann die Pityriasis alba auch zu Depressionen oder zu anderen psychischen Verstimmungen und Einschränkungen führen. Die Haut selbst ist dabei durch die Krankheit mit roten Flecken bedeckt und die Betroffenen leiden in einigen Fällen an einer Hypopigmentierung. Auch ein dauerhafter Juckreiz auf der Haut kann die Lebensqualität des Betroffenen erheblich verringern. Vor allem im Gesicht oder am Hals können die Beschwerden der Pityriasis alba sehr unangenehm sein.
Die Behandlung der Pityriasis alba kann mit Hilfe von Medikamenten erfolgen und führt in der Regel zu einem Erfolg. Nebenwirkungen sind dabei aber möglich: Kortisonhaltige Cremes können bei zu langer Anwendung die Haut dünner werden lassen, kleine Blutgefäße erweitern und die Aufhellung sogar verstärken; Calcineurinhemmer wie Tacrolimus und Pimecrolimus rufen zu Beginn der Behandlung häufig ein Brennen der Haut hervor. Allerdings kann ein vollständig positiver Krankheitsverlauf nicht in jedem Falle garantiert werden. Möglicherweise treten die Beschwerden der Pityriasis alba erneut auf. Narben hinterlässt die Erkrankung selbst dagegen nicht; sie können allenfalls entstehen, wenn die betroffenen Stellen stark aufgekratzt werden.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Wenn die charakteristischen Hautflecken auftreten, sollte ein Arzt konsultiert werden. Rötliche, leicht schuppende Hautflecken, die in Gruppen von vier bis fünf Flecken auftreten, deuten auf eine Pityriasis alba hin, die am besten zügig abgeklärt wird. Flecken an Hals, Schultern und Armen gehören zum gewohnten Bild der Erkrankung und sind kein Zeichen für einen schweren Verlauf; abgeklärt werden sollten sie dennoch, um andere Hautkrankheiten auszuschließen. Bei leichten Formen genügt in der Regel eine rückfettende Pflege, ein verordnetes Präparat ist dafür nicht zwingend nötig.
Bis die Flecken vollständig verschwinden, vergehen allerdings meist Wochen bis Monate. Personen, die an trockener Haut leiden, erkranken besonders häufig an einer Pityriasis alba. Auch Menschen mit Kinderekzemen und anderen Hautkrankheiten zählen zu den Risikogruppen und sollten mit genannten Symptomen zum Hausarzt oder Dermatologen gehen. Weitere Ansprechpartner sind der Internist oder ein Therapeut, falls die Hautveränderungen seelische Probleme hervorrufen. Bei langwierigen Beschwerden, die sich durch konservative Maßnahmen nicht lindern lassen, kann in Rücksprache mit dem Arzt außerdem ein alternativer Mediziner involviert werden.
Behandlung & Therapie
Die Pityriasis alba wird mitunter überhaupt nicht behandelt, da die Flecken von selbst wieder abheilen. Ansonsten erfolgt die Therapie nur symptomatisch: Gegen die Trockenheit und die Schuppen erhält der Patient eine rückfettende Hautcreme. Auf die juckenden und schuppigen Stellen werden auch Cremes mit niedrig dosiertem Hydrocortison aufgetragen. Andere Dermatologen behandeln die Pityriasis alba mit harnstoffhaltigen Salben, damit sich die Schüppchen ablösen.
Kindliche Patienten über zwei Jahren erhalten mitunter auch die Immunsuppressiva Tacrolimus und Pimecrolimus (1 Prozent), die den Heilungsprozess beschleunigen sollen. Für Kinder ab zwei Jahren ist dabei nur die Tacrolimus-Salbe in der Stärke 0,03 Prozent zugelassen; die 0,1-prozentige Zubereitung bleibt Jugendlichen ab 16 Jahren und Erwachsenen vorbehalten. Bei der Pityriasis alba erfolgt die Anwendung beider Wirkstoffe ohnehin außerhalb der zugelassenen Anwendungsgebiete (Off-Label-Use). Die Cremes unterbinden die Ausschüttung von Entzündungsbotenstoffen (Zytokinen) aus T-Zellen, die die Ekzeme hervorrufen. In schweren Fällen erhält der Patient die PUVA-Therapie mit Psoralen und langwelligem UV-A-Licht oder eine länger andauernde Lasertherapie. Lange Zeit galt dabei die PUVA-Therapie als Mittel der Wahl. Heute wird bei Kindern stattdessen der Schmalband-UVB-Bestrahlung oder dem Excimer-Laser der Vorzug gegeben, weil dabei kein Psoralen eingenommen werden muss.
Im Sommer geht der von einer Pityriasis alba Betroffene überhaupt nicht in die Sonne oder deckt die helle Läsion mit einer Sonnencreme mit einem hohen Lichtschutzfaktor ab, damit die hypopigmentierte Hautstelle nicht noch zusätzlich geschädigt wird. Außerdem sollte er seine Haut nicht mit normaler Seife waschen, da sie die Haut noch mehr irritiert, sondern nur eine O/W-Emulsion oder ein hydrophiles Öl verwenden.
Verschwindet die auffällige Hautläsion nach einiger Zeit immer noch nicht, kann er sie auch kosmetisch abdecken, damit sie wenigstens zeitweilig nicht mehr so deutlich zu sehen ist.
Aussicht & Prognose
Bei Vorliegen der Pityriasis alba ist praktisch immer eine positive Prognose zu erwarten. Diese Hauterkrankung heilt fast immer von alleine aus. Die betroffenen Hautareale bleiben jedoch noch längere Zeit auffällig hell. Doch auch diese Pigmentstörung mildert sich mit der Zeit ab.
Der Grund, aus dem es zu dieser Hauterkrankung kommt, ist bisher nicht geklärt worden. Ansteckend ist die Pityriasis alba nicht. Sie wird offensichtlich von trockener Haut und kalter, trockener Luft begünstigt. Warum es dadurch zu hellroten, leicht geschuppten Hautrötungen kommt, ist aber nicht bekannt. In manchen Fällen liegt bereits eine Neigung zu atopischer Dermatitis vor, in anderen aber nicht. Betroffen von der Pityriasis alba sind fast immer Kinder. Eher selten trifft es auch Erwachsene. Der Verlauf der Pityriasis alba ist individuell verschieden.
Bei manchen der Betroffenen kommt es nur zu einem Schub mit asymptomatischem Verlauf. Bei anderen treten mehrere Schübe hintereinander auf. Auch das Nachbleiben hellerer Hautstellen kann unterschiedlich lange dauern. In der Summe ändern diese Unterschiede aber nichts an der positiven Prognose der Pityriasis alba. In der Regel erfolgt aufgrund einer Pityriasis alba nicht einmal ein Arztbesuch. Erfolgt dieser wegen der Ausdehnung der schuppigen Hautflecken dennoch, wird der Arzt wahrscheinlich keine Behandlung einleiten. Bestenfalls hilft ein leichtes Hydrokortison-Gel.
Vorbeugung
Da die genaue Ursache der Pityriasis alba unbekannt ist, ist keine prophylaktische Maßnahme möglich. Konsequentes Rückfetten der Haut, eine milde Reinigung und ein zuverlässiger Sonnenschutz können jedoch dazu beitragen, dass die Flecken weniger auffallen und seltener wiederkehren.
Das können Sie selbst tun
Da Pityriasis alba meist von selbst abklingt, ist keine ärztliche Behandlung vonnöten. Eltern von betroffenen Kindern müssen sicherstellen, dass das Kind die Hautekzeme nicht aufkratzt. Zudem sollten die betroffenen Stellen regelmäßig gekühlt werden. Juckt die Haut, sind die betroffenen Kinder mitunter gereizt. Umso wichtiger ist ein ruhiges Auftreten der Eltern. Etwas älteren Kindern können die Ursachen und Beschwerden der Pityriasis alba erklärt werden. Das trägt oft dazu bei, dass die Kinder die Hautstellen seltener aufkratzen und dadurch zu einer raschen Abheilung der Symptome beitragen.
Wichtiger als häufiges Waschen ist eine milde Körperhygiene mit rückfettender Pflege. Neben den ärztlich verordneten Salben können gegebenenfalls auch Mittel aus der Naturheilkunde verwendet werden. Lotionen mit Aloe Vera lindern den Juckreiz und helfen gegen Schuppen. Die Anwendung dieser Mittel sollte zuvor mit dem Kinderarzt besprochen werden. Andernfalls kann es zu allergischen Reaktionen kommen.
Wichtig ist auch ein ausreichender Sonnenschutz der gesamten Haut. Dadurch können die Farbunterschiede auf den Armen und Beinen sowie im Gesicht reduziert werden. In schweren Fällen lassen sich die Flecken mittels kosmetischer Produkte abdecken.
Quellen
- Plewig, G., Ruzicka, T., Kaufmann, R., Hertl, M. (Hrsg.): Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
ISBN: 9783662495445
- Moll, I. (Hrsg.): Duale Reihe Dermatologie.
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- Sterry, W., Burgdorf, W., Worm, M. (Hrsg.): Checkliste Dermatologie.
ISBN: 9783131755476
- Altmeyer, P.: Dermatologische Differenzialdiagnose.
ISBN: 9783642348303
- Höger, P. H.: Kinderdermatologie.
ISBN: 9783132420649

