Platzbauch

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Als Platzbauch bezeichnet die Medizin das Aufplatzen der Operationswunde nach einer offenen Bauchoperation. Potenzielle Ursachen für den Platzbauch sind schlechte Wundheilung, Übergewicht und physische Beanspruchung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Platzbauch?

Platzbauch
Der Platzbauch manifestiert sich meistens vier bis sechs Tage nach der Operation. Patienten verspüren durch den Platzbauch eventuell vermehrt Schmerzen an der Wunde und in deren Umgebung.
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Beim Platzbauch handelt es sich um eine Komplikation nach offener Laparotomie. Eine Laparotomie ist ein operativer Eingriff, für den die Bauchdecke im abdominalen Bereich geöffnet wird. Die Wunde der Operation wird anschließend vernäht. Der Platzbauch entsteht, indem die Wundnaht aufplatzt und die Wundränder auseinander klaffen. Dieser Zustand ist unter dem Fachbegriff Nahtdehiszenz bekannt.

Dabei fallen innere Bestandteile des Bauchraums vor, das heißt: sie drängen aus dem Körperinneren hinaus. Davon betroffen sind potenziell Organe, Teile des Darms und das Netz. Beim Netz handelt es sich um eine Gewebeschicht des Bauchfells, die aus den beiden Magengekrösen des Menschen hervorgeht. Der Vorfall der Eingeweide ist auch unter der Bezeichnung Prolaps oder Prolapsus bekannt.

Die Medizin unterscheidet zwischen zwei verschiedenen Formen des Platzbauches: Von einem kompletten oder offenen Platzbauch sprechen Fachleute, wenn alle Nähte am Bauch aufplatzen. Hingegen bleibt beim inkompletten, gedeckten oder subkutanen Platzbauch die äußere Hautnaht intakt, während die tragende Naht zerreißt.

Ursachen

Dem Platzbauch können verschiedene Ursachen zugrunde liegen. Ein Bluterguss (Hämatom) kann die Entstehung des Platzbauches begünstigen. Auch ein Serom kann zum Platzbauch führen. Bei einem Serom handelt es sich um eine Pseudozyste, die Blutserum oder Lymphflüssigkeit beinhaltet. Das Serom kann an der Operationswunde entstehen, wenn diese sich bereits oberflächlich geschlossen hat.

Eine weitere potenzielle Ursache für den Platzbauch stellt die Anwendung einer nicht geeigneten Nahttechnik beim Verschließen der Wunde dar. Auch eine starke Bauchpresse, bei der zum Beispiel durch starkes Husten Druck auf den Bauchraum entsteht, kann den Platzbauch verursachen. Ebenso ist überhöhter Druck durch zu frühe Mobilisierung ein möglicher Auslöser des Platzbauches; bei schneller Mobilisierung unterliegen vor allem übergewichtige Patienten einem erhöhten Risiko, einen Platzbauch zu erleiden.

Davon unabhängig stellt Übergewicht generell einen Risikofaktor für Komplikationen nach einem operativen Eingriff dar. Es schwächt und überdehnt zudem potenziell die Bauchdecke, was die Wahrscheinlichkeit für einen Platzbauch ebenfalls erhöht. Vor allem ein Übermaß an subkutanem Fettgewebe begünstigt die Entstehung des Platzbauches. Des Weiteren kann der Platzbauch durch eine Stoffwechselstörung verursacht werden; diese wirkt sich negativ auf die Verheilung der Wunde aus.

Verminderte Wundheilung kann ihren Ursprung außerdem in einer Krebserkrankung und/oder damit verbundener Chemo- oder Strahlentherapie, Diabetes, Infektionen, Leber- oder Niereninsuffizienz haben. Ebenso erhöhen eine Wundinfektion, eine längere Behandlung mit Kortison (Glukokortikoiden), Mangelernährung und Rauchen das Risiko, weil sie die Bildung von belastbarem Narbengewebe stören.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Der Platzbauch manifestiert sich meistens vier bis sechs Tage nach der Operation. Patienten verspüren durch den Platzbauch eventuell vermehrt Schmerzen an der Wunde und in deren Umgebung. Symptomatisch für den kompletten oder offenen Platzbauch sind die äußerlich sichtbaren, auseinander klaffenden Wundränder. Der offene Platzbauch zieht für gewöhnlich bei der standardmäßigen Kontrolle der Operationsnaht die Aufmerksamkeit auf sich.

Eine entsprechende Kontrolluntersuchung kann auch einen inkompletten beziehungsweise subkutanen Platzbauch detektieren. Im Falle eines subkutanen Platzbauches ist die äußere Naht jedoch intakt, was die Erkennung erschwert. Einen eventuellen Hinweis auf den subkutanen Platzbauch liefert beispielsweise der Austritt klarer Flüssigkeit aus der Wunde, der nicht zu stillen ist. Diese meist klare bis rötliche Flüssigkeit stammt aus der Bauchhöhle und tritt durch die aufgeplatzte tragende Naht nach außen. Eine Infektion der Operationswunde kann einen Platzbauch begünstigen, ist aber nicht die Ursache dieser Absonderung.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Bei Verdacht auf einen subkutanen Platzbauch besteht die Notwendigkeit der genaueren Diagnostik, zu der bildgebende Verfahren eingesetzt werden. Dazu kommen Untersuchungen mittels Ultraschall und/oder Computertomografie (CT) in Betracht. Eine möglichst schnelle Entdeckung des Platzbauches ist von großer Bedeutung. Der Platzbauch ist ein chirurgischer Notfall: Vor allem der offene Platzbauch muss umgehend operativ versorgt werden. Abwarten oder eine Behandlung in Eigenregie sind nicht vertretbar.

Die erneut geöffnete Wunde bietet Eindringlingen wie Bakterien und Viren ein offenes Tor und kann die Infektion der Operationswunde nach sich ziehen. Des Weiteren können Organe, Teile des Darms sowie des Netzes vorfallen und zwischen den auseinander klaffenden Wundrändern hinaus drängen. Dies kann zusätzliche Komplikationen und Schmerzen nach sich ziehen.

Komplikationen

Betroffenen leiden in der Regel nach der Operation an relativ starken Schmerzen an der Wunde. Diese Schmerzen können sich dabei auch in andere Regionen des Körpers ausbreiten und damit auch im Rücken oder an den Flanken zu Schmerzen führen. Die Lebensqualität des Betroffenen wird dadurch deutlich verringert und eingeschränkt.

Weiterhin kommt es ohne Behandlung zu Entzündungen und Infektionen an der Wunde selbst. Aus der Wunde kann dabei auch Flüssigkeit austreten, die nicht gestillt werden kann. Ebenso kann eine stärkere Durchblutung an der Wunde selbst auftreten. Im schlimmsten Falle kommt es zu Blutungen oder zu einer Blutvergiftung. Der Betroffene kann an dieser schließlich versterben.

Die Behandlung des Platzbauches erfolgt in der Regel durch eine erneute Operation in Narkose. Damit lässt sich die Bauchdecke wieder verschließen. Auch danach sind jedoch weitere Komplikationen möglich, etwa ein erneutes Aufplatzen der Naht, eine Wundinfektion oder eine Blutung. Möglicherweise bleiben zudem Narben vom operativen Eingriff über oder es kommt zu Verwachsungen. Der Platzbauch ist auch bei rechtzeitiger Operation mit einer erhöhten Sterblichkeit verbunden, weil er meist Patienten trifft, die ohnehin schwer krank oder geschwächt sind. Nach vollständiger Abheilung der Bauchdecke bleibt vor allem das Risiko eines Narbenbruchs bestehen, der später erneut operiert werden muss.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ein Platzbauch muss in jedem Fall durch einen Arzt behandelt werden. Es kommt bei dieser Krankheit nicht zu einer Selbstheilung; unbehandelt führt ein Platzbauch in der Regel zum Tod des Betroffenen. Nur durch eine frühe Diagnose und Behandlung können weitere Komplikationen vermieden werden. Ein Arzt ist in der Regel dann aufzusuchen, wenn es an einer Wunde zu starken Schmerzen und zu einem Aufriss der Wunde kommt. In den meisten Fällen fällt der Platzbauch jedoch schon bei der Kontrolle nach der Operation auf, sodass er auch schnell behandelt werden kann. Weiterhin kann auch ein Austritt einer Flüssigkeit aus der Wunde auf einen Platzbauch hindeuten und sollte umgehend von einem Arzt untersucht werden.

Die Diagnose und Behandlung dieser Krankheit wird direkt im Krankenhaus durchgeführt, sodass der Betroffene meist nicht zusätzlich einen anderen Arzt aufsuchen muss. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung verbessert die Aussichten deutlich; ein Restrisiko für einen schweren Verlauf bleibt jedoch bestehen.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung des Platzbauches erfolgt in den meisten Fällen operativ. Der chirurgische Eingriff ermöglicht die Kontrolle des Bauchraums, um andere Ursachen oder Schäden ausschließen zu können. Erst anschließend führt der Operateur eine Anfrischung der Wundränder durch, damit das Gewebe zusammenwachsen kann. Die neuen Nähte ersetzen häufig nicht nur die alte, aufgeplatzte Wundnaht. Zusätzliche Nähte durch Gewebe, das weiter von der Operationswunde entfernt liegt, können den Druck und die Spannung auf die eigentliche Naht verringern.

Nach dem Schließen der Bauchdecke kann eine Leibbinde oder ein Bauchmieder zusätzlichen Schutz vor einem erneuten Platzbauch oder weiteren Komplikationen bieten. Mindestens ebenso wichtig sind eine geeignete Nahttechnik beim Bauchdeckenverschluss, die Behandlung einer Wundinfektion, eine gute Blutzuckereinstellung bei Diabetes, ausreichende Ernährung, Rauchverzicht und das Abfangen starker Bauchpresse, etwa durch eine wirksame Behandlung von Husten. In selteneren Fällen verläuft die Krankheit chronisch und führt zu einer sogenannten Narbenhernie. Dabei reißt das vernarbte Gewebe auseinander und bildet mit dieser Öffnung die Bruchpforte, durch die sich als Bruchsack eine beutelförmig Ausstülpung (innerhalb des Bauches, da die Bauchdecke von der oberflächlichen Naht zusammengehalten wird) aus Bauchwand-Gewebe vorwölben kann.

In den Bruchsack können sich einzelne Darmschlingen, Organe wie Eierstöcke oder andere körperliche Bestandteile verschieben. Eine eventuelle Folge des chronischen Platzbauches sind Verwachsungen, welche die Behandlung erschweren. Die Narbenhernie vergrößert sich womöglich mit der Zeit, wodurch die Wahrscheinlichkeit des Operationserfolgs abnimmt. Zur Behandlung des chronischen Platzbauches wird in der Regel eine operative Behandlung nach einem halben oder einem ganzen Jahr empfohlen. Der genaue Zeitpunkt kann jedoch abweichen, da individuelle Faktoren in die Operationsplanung einfließen.


Vorbeugung

Zur Prävention des Platzbauches kommen heutzutage des Öfteren elastische Leibbinden nach der Laparotomie zum Einsatz. Sie verringern die Belastung der Wundnaht und wirken dem Innendruck des Bauches entgegen, um einen Vorfall der inneren Organe zu verhindern.

Nachsorge

Die Behandlung nach einem Platzbauch kann der Fachmann heute nach einem bestimmten Schema durchführen. Damit lassen sich weitergehende Schwierigkeiten in vielen Fällen vermeiden; eine Garantie dafür gibt es allerdings nicht. Zunächst ist die Inspektion der Bauchhöhle zum Ausschluss kausaler Ursachen wichtig. Danach können sich die Ärzte um die eigentliche Behandlung kümmern. Dies kann unter anderem durch die Anfrischung der Wundränder geschehen. Gute Ärzte sind in dieser Hinsicht sehr kompetent.

Danach werden zusätzliche durchgreifende und vom Wundrand entfernte Nähte gesetzt. Diese können als erfolgreiche Behandlungsmethode in Betracht gezogen werden. In der Folge kann ein erneuter Bauchdeckenverschluss in Betracht gezogen werden. So ist es gut möglich, dieses Krankheitsbild abzumildern oder ganz zu beseitigen. Eine elastische Bauchbinde oder ein Mieder nach der Operation tragen dazu bei, dass das Krankheitsbild gut verheilt und seltener erneut auftritt.

Auf jeden Fall sollte sich ein Patient an die Fachleute in dem Bereich wenden. So können schlimme Erscheinungsformen des Platzbauchs sehr gut gemildert werden. Die anerkannten Therapien finden auch heute noch Anwendung. Das ist für die Patienten positiv, bei denen dieses Krankheitsbild festgestellt wurde. In großen Kliniken ist es möglich, dass Sie mit den Ärzten alle nötigen Therapien besprechen.

Das können Sie selbst tun

Wenn es zu einem Platzbauch kommt, muss umgehend der Notarzt gerufen werden. Das Aufplatzen einer Wunde im Bereich des Bauchs stellt einen medizinischen Notfall dar, der zunächst notärztlich erstversorgt und dann im Krankenhaus weitergehend behandelt werden muss. Deshalb liegt die wichtigste Selbsthilfemaßnahme darin, sofort Hilfe zu holen: im Krankenhaus umgehend das Pflegepersonal oder den Arzt zu rufen, zu Hause den Rettungsdienst über den Notruf 112 zu alarmieren.

Bis medizinische Hilfe eintrifft, muss dem Betroffenen Erste Hilfe geleistet werden. Um zu verhindern, dass Darmanteile und Organe prolabieren, muss der Betroffene in eine ruhige Position gebracht werden. Abhängig von der Schwere der Verletzung kann der Bauch mit einem Stofftuch oder einem Verband verbunden werden. Vorgefallene Darmanteile oder Organe dürfen dabei keinesfalls zurückgeschoben werden; sie werden locker mit einem sterilen, möglichst mit Kochsalzlösung angefeuchteten Tuch abgedeckt, ohne die Bauchdecke fest einzuschnüren. Es gilt, den Verletzten zu beruhigen und ruhig zu stellen, bis der Notarzt eintrifft. Der Mediziner muss darüber informiert werden, wann und weshalb operiert wurde und wie sich die Wunde seither entwickelt hat. Nach dem Krankenhausaufenthalt gilt strikte Schonung. Ein erneutes Aufplatzen der Wunde könnte das Gewebe dauerhaft schädigen und ist deshalb unbedingt zu vermeiden.

Eine elastische Leibbinde kann einem Platzbauch vorbeugen. Ist der Patient übergewichtig, so sollte er unmittelbar nach der Genesung das Übergewicht abbauen, um zukünftige Operationen zu erleichtern und insgesamt die körperliche und seelische Gesundheit zu verbessern.

Quellen

  • Henne-Bruns, D. (Hrsg.): Duale Reihe Chirurgie.
    ISBN: 9783132431874
  • Siewert, J. R., Stein, H. J. (Hrsg.): Chirurgie.
    ISBN: 9783642113307
  • von Weizsäcker, F., Jonas, S., Lammert, F. (Hrsg.): Viszeralmedizin.
    ISBN: 9783662634264
  • Protz, K., Timm, J. H.: Moderne Wundversorgung.
    ISBN: 9783437278877
  • Uhlmann, D. (Hrsg.): Akutes Abdomen - Soforthilfe für den chirurgischen Alltag.
    ISBN: 9783662615072

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