Pocken
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 21. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die Pocken bzw. Blattern sind eine extreme und hochansteckende Infektionskrankheit. Sie wird durch Viren verursacht und durch Tröpfcheninfektion bzw. Staub oder direkten Kontakt übertragen. Typische Anzeichen sind die infektiösen und ansteckenden Eiterblasen bzw. Pusteln. Nicht verwechselt werden sollten die oftmals tödlich verlaufenden Pocken mit den eher harmlosen Windpocken bei Kindern.
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Was sind Pocken?
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Pocken (Blattern, Variola) sind eine hochansteckende, akute, meldepflichtige Infektionskrankheit und sollten nicht mit der Kinderkrankheit der Windpocken verwechselt werden. Erreger ist das zur Familie Poxviridae gehörende Variolavirus. Die Übertragung erfolgt durch Tröpfchen-, Schmier- und Staubinfektion. Die Inkubationszeit beträgt 7‒19 Tage, im Mittel 12‒14 Tage. 1980 erklärte die Weltgesundheitsorganisation diese Erkrankung nach einem weltweiten Impfprogramm als ausgerottet. Die allgemeine Impfpflicht endete in der Bundesrepublik bereits 1976 und wurde bis 1983 vollständig abgeschafft, in der DDR 1982; auch der internationale Impfnachweis für Pocken entfiel. Ein Verdacht auf Pocken ist in Deutschland jedoch weiterhin namentlich meldepflichtig und muss nach den Internationalen Gesundheitsvorschriften auch der Weltgesundheitsorganisation gemeldet werden.
Die echten Pocken (Variola major, Variola vera) werden durch Orthopoxvirus variola hervorgerufen. Die Pocken sind als endemische Krankheit schon seit etwa 1000 v. Chr. in China, Indien und Arabien bekannt. In Europa kam es im 6. Jahrhundert zur ersten sicher belegten Epidemie, ihr folgten weitere im 13. Jahrhundert in England und Ende des 15. Jahrhunderts in Deutschland. Noch im 19. Jahrhundert waren die Pocken in Europa endemisch verbreitet; 1871‒73 wurden in Deutschland 175 000 Fälle mit mehr als 100 000 Todesopfern registriert. Obwohl man heute von einer erfolgreichen Ausrottung der Pocken ausgeht, kann die Medizin niemals hundertprozentig sicher sein, ob die Krankheit nicht doch irgendwann oder irgendwo wieder ausbricht. Bekannte Bestände des Variolavirus werden heute nur noch in zwei von der Weltgesundheitsorganisation zugelassenen Hochsicherheitslaboren aufbewahrt: bei den Centers for Disease Control and Prevention im US-amerikanischen Atlanta und im russischen Forschungszentrum Vektor bei Nowosibirsk.
Ursachen
Die Pockenviren (Poxviridae) sind eine Familie sehr großer, komplex gebauter Viren mit ovaler oder quaderförmiger Form, die bei Wirbeltieren und Insekten als Krankheitserreger weit verbreitet sind. Mit Abmessungen von 300 × 200 × 150 nm sind Pockenviren schon lichtmikroskopisch erkennbar. Die Infektion manifestiert sich auf Haut und Schleimhaut. Zur Gattung der Orthopoxviren zählen acht unter sich verwandte Virusstämme, die zu Infektionen mit Hauterscheinungen führen und meist nur den jeweiligen Wirt und nahe verwandte Wirtspezies infizieren können.
Neben Kamel-, Kuh-, Mäuse- und Affenpockenvirus finden sich hier das Variola- und das Vacciniavirus. Das Variolavirus ist der Erreger der jahrhundertelang gefürchteten Pocken beim Menschen. Es wird neben den hämorrhagisches Fieber auslösenden Viren (Ebola- und Lassa-Virus), neben Milzbrand, Pest, Tularämie (Hasenpest) und dem Botulinumtoxin in die Kategorie A, die höchste Gefahrenklasse der Bioterror-Erreger, eingestuft.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Die wohl typischsten und auffälligsten Symptome bei einer Pockenerkrankung sind die Papeln, die von ahnungslosen Laien als Blasen oder Hautausschlag wahrgenommen werden. Diese besagten Papeln treten in unterschiedlichsten Formen und Größen auf. Doch bevor ein solcher Pockenausschlag sichtbar wird, kommt es zu anderen Symptomen und Anzeichen.
Dazu zählen zum Beispiel starke Rückenschmerzen, Fieber, Entzündungen der Atemwege, Gliederschmerzen oder auch langanhaltende Kopfschmerzen. Hinzu kommen kleine rote Bläschen auf der Zunge und im Rachen, die als Vorboten der besagten Pocken gelten. Die Pocken treten in den meisten Fällen direkt im Gesicht auf und sind mit einem starken Juckreiz verbunden.
Durch das ständige Kratzen im Gesicht können sogar offene Wunden entstehen, sodass Entzündungen samt einer Eiterbildung möglich sind. Nach einiger Zeit wandeln sich die Papeln in harte Krusten um, die danach von ganz alleine abfallen werden. Zurück bleiben unschöne Narben, die dauerhaft bestehen bleiben. Pocken werden von ganz eindeutigen Symptomen begleitet, die im Normalfall mit einem starken Juckreiz verbunden sind. Mit den richtigen Medikamenten können die auftretenden Symptome gelindert werden.
Krankheitsverlauf
Nach einem Anfangsstadium von 2‒4 Tagen mit hohem Fieber, Kopf-, Kreuz- und Gliederschmerzen, Entzündung der oberen Luftwege und einem vorübergehenden Ausschlag kommt es unter kurzzeitigem Fieberabfall im anschließenden Eruptionsstadium zur charakteristischen Ausbildung von blassroten, juckenden Flecken, die sich zu Knötchen, Bläschen, Papeln und Pusteln entwickeln. Sie breiten sich in der Regel vom Kopf her über den ganzen Körper aus und trocknen unter Borken- und Schorfbildung nach einigen Wochen ein. Nach Abstoßung der (infektiösen) Krusten bleiben die typischen Pockennarben zurück.
Komplikationen
Eine besondere Komplikation stellt das Auftreten der hämorrhagischen Pocken (schwarzen Pocken) dar. Ihre Symptome sind gravierender als die der anderen Pockenerkrankungen. Sie bedeuten das Auftreten innerer Blutungen, massive Blutergüsse und damit eine Schädigung der lebenswichtigen Organe. Betroffene sterben zumeist binnen 48 Stunden, spätestens aber nach ein paar Tagen.
Von den echten Pocken zu unterscheiden sind die Affenpocken und die Kuhpocken. Sie werden von anderen Viren derselben Gattung verursacht und sind – anders als die echten Pocken – nicht ausgerottet. Die Affenpocken tragen seit einer Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation von 2022 die Bezeichnung Mpox. Im selben Jahr kam es erstmals zu einem weltweiten Ausbruch mit Zehntausenden Fällen, auch in Deutschland; die Weltgesundheitsorganisation stufte ihn von Juli 2022 bis Mai 2023 und erneut von August 2024 bis September 2025 als gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite ein.
Diese Erkrankungen verlaufen deutlich milder als die echten Pocken und heilen zumeist binnen einiger Wochen von allein ab. Schwere Verläufe mit Lungenentzündung, Hirn- oder Hirnhautentzündung und bakteriellen Zweitinfektionen der Hautstellen kommen jedoch vor. Dies gilt insbesondere für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, für Schwangere und für kleine Kinder.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Pocken müssen immer durch einen Arzt untersucht und behandelt werden. Sollte es bei dieser Krankheit nicht zu einer Behandlung kommen, so kann der Betroffene im schlimmsten Fall durch die Pocken versterben. In den meisten Fällen verstärken sich die Beschwerden mit der Zeit und es kommt nicht zu einer Selbstheilung. Ein Arzt ist bei Pocken dann aufzusuchen, wenn es auf der Haut des Betroffenen zu einem starken Ausschlag und zur Ausbildung von Papeln kommt. Dabei kommt es häufig auch zu starken Rückenschmerzen, zu Fieber oder sogar zu Gliederschmerzen und Kopfschmerzen.
Sollten diese Beschwerden daher zusammen mit den Papeln auftreten, so ist sofort ein Arzt zu konsultieren. In einigen Fällen machen sich die Pocken auch durch Erkrankungen an den Atemwegen bemerkbar. Die Krankheit kann durch einen Allgemeinarzt oder auch in einem Krankenhaus diagnostiziert und behandelt werden. Bei einem Verdacht auf echte Pocken muss der Betroffene allerdings sofort isoliert und das Gesundheitsamt verständigt werden. Mit Hilfe von Schutzimpfungen kann ein tödlicher Verlauf von Pocken vermieden werden. Auch eine frühzeitige Behandlung durch einen Arzt kann einen tödlichen Verlauf verhindern.
Behandlung & Therapie
Den eigentlichen Impfschutz gegen Pocken ermöglichte 1796 E. Jenner durch die Vakzination mit Rinderpockenlymphe. Er schuf damit die Grundlage für die in Verbindung mit den späteren Impfgesetzen erfolgreiche Bekämpfung. Sollten Pocken als biologische Waffen eingesetzt werden, so stellen sie eine ernste Bedrohung für die Zivilbevölkerung dar. Die Sterblichkeit liegt bei ungeimpften Personen bei 30% (oder mehr). Lange Zeit gab es gegen die Pocken keine ursächliche Behandlung, sondern nur die Linderung der Beschwerden. Inzwischen stehen antivirale Wirkstoffe zur Verfügung: Tecovirimat wurde 2018 in den USA und 2022 in der Europäischen Union für die Behandlung der Pocken zugelassen, Brincidofovir 2021 in den USA. Erfahrungen aus der Anwendung am Menschen sind naturgemäß begrenzt, da die Krankheit nicht mehr vorkommt.
Die Pocken waren über einen langen Zeitraum die gefürchtetste Infektionskrankheit. Ihr Gefährdungspotenzial wäre heute sogar größer als in früheren Jahrhunderten, weil kaum noch jemand über einen Impfschutz verfügt. Die obligaten Schutzimpfungen wurden in vielen Ländern nach der Ausrottung in den 1970er- und 1980er-Jahren eingestellt. Eine Impfung, die innerhalb von vier Tagen nach einer Exposition durchgeführt wird, scheint einen gewissen Schutz gegen eine Pockeninfektion zu geben und einen deutlichen Schutz gegen einen tödlichen Verlauf.
Als Gegenmaßnahme für den Eventualfall steht heute weltweit Pockenimpfstoff bereit. In der Europäischen Union ist seit 2013 der Impfstoff Imvanex zugelassen, der auf einem abgeschwächten Vacciniavirus (Modified Vaccinia Ankara) beruht; seine Zulassung wurde 2022 auf Mpox erweitert. Für die Allgemeinbevölkerung wird er nicht empfohlen, sondern nur für bestimmte Risiko- und Berufsgruppen. Vaccinia- u. a. Pockenviren werden in den Biowissenschaften als Vektoren zur Expression fremder Proteine, daneben auch für die Entwicklung neuartiger Impfstoffe genutzt. Das Überstehen der Krankheit verleiht lebenslange Immunität. Bei unvollständiger Immunität kommt es zu einem in der 2. Phase stark abgemilderten Verlauf (Variolois). Eine leichtere Krankheitsform stellen die weißen Pocken oder Milchpocken (Variola minor oder Alastrim) dar, die durch einen weniger krank machenden Stamm des Variolavirus verursacht werden; sie hinterlassen ebenfalls eine Immunität gegenüber den echten Pocken.
Nachsorge
Pocken gelten seit 1980 als ausgerottet. Patienten, die an den Blattern erkrankt sind und das Leiden überwunden haben, müssen sich weiterhin ärztlich betreuen lassen. Nach Therapie-Abschluss überprüfen die Mediziner in regelmäßigen Abständen den Gesundheitszustand des Patienten. Auf diese Weise können Begleitsymptome frühzeitig festgestellt werden.
Anders als manche anderen Viren verbleibt das Variolavirus nach überstandener Erkrankung nicht im Körper; wer die Pocken übersteht, ist lebenslang immun. In der Nachsorge geht es deshalb nicht um ein Wiederaufflammen der Infektion, sondern um die Folgeschäden. Da diese zumeist in den ersten Wochen bis Monaten auffallen, findet die Nachsorge zu Anfang deutlich öfter statt. Die Termine können nach und nach reduziert werden. Begleitend dazu gelten Schonung und Bettruhe, weil das Leiden sich stark auf das Immunsystem auswirkt.
Als Vorsichtsmaßnahmen sollte die Haut weiterhin geschont und etwaige Verletzungen oder Vernarbungen nach den Vorgaben des Arztes behandelt werden. Die Nachsorge wird von einem niedergelassenen Dermatologen durchgeführt, der Kontakt mit dem zuständigen Hausarzt sowie den beteiligten Internisten aufnimmt.
Hierfür benötigt der Arzt alle wichtigen Unterlagen und Krankenakten. Im Rahmen der Nachsorge werden gegebenenfalls weitere Screenings durchgeführt, um bleibende Schäden an der Haut sowie Folgeerkrankungen auszuschließen bzw. Auffälligkeiten rechtzeitig zu erkennen. Die weiteren Nachsorge-Maßnahmen hängen stets vom Krankheitsverlauf ab.
Das können Sie selbst tun
Da Pocken zu den Erkrankungen gehören, die stark ansteckend sind und zudem bei einem ungünstigen Verlauf tödlich enden, sollten Betroffene bei den ersten Anzeichen einen Arzt konsultieren und unbedingt den Anweisungen des Mediziners folgen. Die Krankheit gilt seit 1980 weltweit als ausgerottet. Daher gibt es auch kaum Hinweise für eine Selbsthilfe.
Treten dennoch Unregelmäßigkeiten auf, besteht eine besondere Handlungspflicht. Die Pocken sind aufgrund der Brisanz meldepflichtig; ein Verdachtsfall löst sofortige Maßnahmen der Gesundheitsbehörden einschließlich einer Absonderung des Betroffenen aus. Eine eigenverantwortliche gesundheitliche Versorgung ist weder anzuraten noch gestattet. Eine allgemeine Pockenschutzimpfung wird heute nicht mehr durchgeführt, weil die Krankheit als ausgerottet gilt; sie ist nur noch für bestimmte Risiko- und Berufsgruppen vorgesehen und würde im Ernstfall von den Gesundheitsbehörden angeordnet. Wird ein Krankheitsfall im näheren Umfeld bekannt, ist ebenfalls schnellstmöglich die Rücksprache mit einem Arzt zu suchen.
Die Krankheit ist mit Beschwerden wie hohem Fieber verbunden. Obgleich eine Appetit- und Kraftlosigkeit eintritt, muss darauf geachtet werden, dass dem Organismus ausreichend Nährstoffe zur Verfügung stehen. Die Flüssigkeitsmenge ist den Bedürfnissen des Körpers anzupassen und muss im Vergleich zu normalen Umständen erhöht werden. Die Veränderungen des Hautbildes lösen einen intensiven Juckreiz aus. Trotz der Unannehmlichkeiten ist darauf zu achten, dass dem juckenden Gefühl nach Möglichkeit nicht nachgegeben wird. Die Gefahr einer Sepsis steigt dadurch an, und dieser sollte vorgebeugt werden.
Quellen
- Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
ISBN: 9783662613849
- Modrow, S., Truyen, U., Schätzl, H.: Molekulare Virologie.
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- Suttorp, N., Mielke, M., Kiehl, W., Stück, B. (Hrsg.): Infektionskrankheiten.
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- Jung, N., Rieg, S. (Hrsg.): Klinikleitfaden Infektiologie.
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