Botulinumtoxin

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 6. März 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Botulinumtoxin ist ein Nervengift, das seit vielen Jahren erfolgreich als Arzneistoff in der Neurologie genutzt wird. Allgemein bekannt geworden ist Botulinumtoxin jedoch als Botox, das Wirkmittel gegen Mimikfalten. Was genau ist Botulinumtoxin? Und wie wird Botulinumtoxin angewandt?

Inhaltsverzeichnis

Was ist Botulinumtoxin?

Botulinumtoxin ist ein Nervengift, das seit vielen Jahren erfolgreich als Arzneistoff in der Neurologie genutzt wird. Allgemein bekannt geworden ist Botulinumtoxin jedoch als Botox.

Bei Botulinumtoxin handelt es sich um ein Neurotoxin - also um ein Gift, das speziell auf Nervenzellen einwirkt. Botulinumtoxin kommt in der Natur vor und entwickelt sich unter sauerstoffarmen Bedingungen vor allem im Erdboden.

Aber auch Fleischprodukte wie Wurst oder Wurstkonserven waren in der Vergangenheit häufig von Botulinumtoxin befallen. Daher rührt auch der Name des Giftes, der von dem lateinischen Wort „botulus“ für Wurst abgeleitet ist. Der Verzehr mit Botulinumtoxin verseuchter Lebensmittel führte vor allem im 19. Jahrhundert nicht selten zu einer schwerwiegenden Nervenstörung, dem Botulismus.

Denn Botulinumtoxin hemmt die Signalübertragung von Nervenzellen und führt somit zu Muskelschwäche bis hin zum Aussetzen der Lungenfunktion. Somit gilt Botulinumtoxin als eines der stärksten Gifte. Schon 1822 wurde die Möglichkeit erkannt, dass Botulinumtoxin in geringen Mengen als Arzneistoff gegen nervöse Störungen in Frage kommen könnte. Doch erst in den siebziger Jahren des 20. Jahrhundert kam Botulinumtoxin zum ersten Mal als Medikament gegen „Schielen“ zum Einsatz.

Seither wird Botulinumtoxin zur Behandlung verschiedener Nervenkrankheiten genutzt. Seit einigen Jahren wird Botulinumtoxin verstärkt in der ästhetisch-kosmetischen Medizin verwendet. Hier dient Botulinumtoxin unter dem besser bekannten Begriff „Botox“ als effektives Wirkmittel gegen Gesichtsfalten.

Pharmakologische Wirkung

Gelangt Botulinumtoxin in den Körper, so wird die Erregungsübertragung von Nervenzelle zu Muskel eingeschränkt. Der Muskel lässt sich, je nach Dosierung des Nervengifts, nur noch beschränkt oder gar nicht bewegen und entspannt sich auf diese Weise.

Bei einer medizinischen Behandlung wird Botulinumtoxin gezielt in die entsprechende Körperstelle gespritzt. Dabei werden winzig kleine Mengen des hochgradig giftigen Botulinumtoxin benutzt. Im Muskel führt Botulinumtoxin dazu, dass der Botenstoff Acetylcholin, der für die Übertragung der Nervenimpulse zuständig ist, blockiert wird. Durch die geringe Dosis und die gezielte Anwendung, ist lediglich der gewünschte Muskel betroffen.

Er kann sich nicht mehr wie gewohnt anspannen, während Sinneswahrnehmungen wie Fühlen und Tasten nicht beeinflusst werden. Je nachdem, zu welchem medizinischen Zweck und in welchen Mengen Botulinumtoxin verwendet wird, erreicht die Wirkung, die sich langsam aufbaut, nach etwa zehn Tagen ihren Höhepunkt.

Danach beginnen sich die Nerven wieder zu erholen, und die Wirkung des Botulinumtoxin lässt nach, bevor sie nach spätestens sechs Monaten gar nicht mehr zu spüren oder zu sehen ist. Je nach Wunsch, Bedarf oder Notwendigkeit erfolgt nun eine erneute Behandlung mit Botulinumtoxin.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Seine medizinische Anwendung findet Botulinumtoxin vor allem in der Neurologie. Dabei wird es vorwiegend zur Behandlung bestimmter Bewegungsstörungen eingesetzt. So können etwa Patienten, die unter Krämpfen wie dem Lidkrampf, dem Mund-, Zungen-, Schlundkrampf, dem Schreibkrampf oder dem Stimmbandkrampf leiden, mit Botulinumtoxin therapiert werden.

Auch spastische Syndrome wie beispielsweise der Spitzfuß oder Krämpfe, die nach einem Schlaganfall auftauchen, können mit Botulinumtoxin behandelt werden. Dabei kann es zu einer deutlichen Verbesserung der Störungen kommen. In vielen Fällen, wie etwa beim Lidkrampf, ist sogar ein zeitweilig gänzliches Verschwinden der unangenehmen Nervenstörung möglich. Allerdings wirkt Botulinumtoxin lediglich gegen die Symptome und muss deshalb erneut gespritzt werden, sobald die Wirkung nachgelassen hat.

Daneben findet Botulinumtoxin auch Anwendung gegen Beschwerden wie Migräne, erhöhten Speichelfluss sowie gegen starker Schweißbildung unter den Achseln. Am meisten verbreitet ist jedoch die sogenannte „Botoxbehandlung“ mit Botulinumtoxin.

Nachdem Anfang der neunziger Jahre der faltenreduzierende Effekt nach einer Injektion mit Botulinumtoxin nachgewiesen wurde, erfreut sich Botulinumtoxin seit seiner Zulassung für den kosmetischen Bereich im Jahr 2001 großer Beliebtheit. Wird eine geeignete, geringe Dosis Botulinumtoxin in den Muskel unter einer Mimikfalte gespritzt, entspannt sich der Muskel und verursacht damit eine Glättung der sich über ihm befindlichen Haut.


Risiken & Nebenwirkungen

Nebenwirkungen von Botulinumtoxin betreffen vor allem eine Überdosierung, die unbedingt zu vermeiden ist. Da es sich bei Botulinumtoxin um ein sehr starkes Nervengift handelt, kann eine falsch verabreichte Injektion schwerwiegende Nervenschäden verursachen.

Zudem darf Botulinumtoxin auf keinen Fall in die Blutbahn gelangen. Patienten, die sich einer „Botoxbehandlung“ unterzogen haben, beklagten als Nebenwirkungen mitunter Lidkrämpfe, Störungen des Auges sowie Mundtrockenheit. Des weiteren kann Botulinumtoxin als Mittel gegen Mimikfalten dazu führen, dass es bei nicht gezielt gesetzten Injektionen zu Einschränkungen der Mimik kommt, wodurch ein maskenhafter Effekt entsteht.

Grundsätzlich sollte bei der medizinischen Behandlung mit Botulinumtoxin auf die Erfahrenheit des Arztes Wert gelegt werden und auch bei einem kosmetischen Eingriff mit Botulinumtoxin ist es wichtig, sich in kenntnisreiche Hände zu begeben.

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