Windpocken
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 31. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
Sie sind hier: Startseite Krankheiten Windpocken
Windpocken bzw. Varizellen sind eine häufig auftretende Kindererkrankung. Diese Viruserkrankung wird zumeist durch eine Tröpfcheninfektion übertragen. Typisch ist dabei vor allem der auffällige Hautausschlag.
Inhaltsverzeichnis |
Was sind Windpocken?
Die Windpocken, auch Feuchtblattern oder Schafblattern genannt, sind eine Vireninfektion, die als typische Kinderkrankheit mit hoher Ansteckungsgefahr bekannt ist. Erkrankte haben in der Regel Fieber und einen juckenden Hautausschlag, der für die Krankheit charakteristisch ist. Die meisten Betroffenen sind nach einem einmaligen Ausbruch der Windpocken den Rest ihres Lebens dagegen immun.
Bei Kindern verläuft die Krankheit meist komplikationsfrei; bis alle Bläschen verkrustet sind, vergehen üblicherweise ein bis zwei Wochen. Bei Erwachsenen treten die Windpocken überwiegend schwerer auf und dauern deutlich länger an. Außerdem kann es zu schwerwiegenderen Komplikationen wie Lungenentzündung oder Meningitis kommen. Besonders bei Schwangeren sollte eine Ansteckung mit Windpocken wegen der erhöhten Gefahr für Mutter und Kind vermieden werden.
Ursachen
Neben dem direkten Kontakt, mit den während des Krankheitsverlaufs auftretenden Varizellenbläschen (den „Windpocken“), ist die Übertragung auch durch Exspirationströpfchen oder sogar durch die Luft möglich, da die Erreger auch außerhalb des menschlichen Körpers für kurze Zeit überlebensfähig sind.
Die Windpocken sind schon zwei Tage vor dem Auftreten des Ausschlags ansteckend und bleiben es nach dem ersten Auftreten der Hautirritationen noch etwa eine Woche. Die Ansteckungsgefahr beträgt für Personen, die sich länger als eine Stunde in der Gegenwart von Windpockenerkrankten aufhalten, bis zu 90 %.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Bei einer Erkrankung an Windpocken sind zunächst nur unspezifische Anzeichen zu erkennen. Es treten allgemeine Krankheitssymptome auf wie Fieber und Abgeschlagenheit. In der Folge kommt es zu charakteristischen Beschwerden. Es zeigt sich ein typischer Hautausschlag, der am ganzen Körper sichtbar wird. Es bilden sich zahlreiche rote Flecke, aus denen sich Bläschen entwickeln.
Diese enthalten eine klare Flüssigkeit. Es kommt zu einem starken, unangenehmen Juckreiz. Nach ein bis zwei Tagen verkrusten die Bläschen. Über einen Zeitraum von etwa fünf Tagen können immer wieder neue Papeln entstehen. Über die gesamte Haut verteilt mischen sich neue und bereits verkrustete Bläschen. Diese treten in der Regel zuerst im Bereich von Gesicht und Rumpf auf.
Der Ausschlag breitet sich anschließend auf Arme und Beine aus. Sogar die Genitalien, die Mundschleimhaut und die Kopfhaut werden davon betroffen. Die Anzahl der Bläschen kann bei den Erkrankten erheblich differieren. Die Symptome für Windpocken können bei Erwachsenen heftiger auftreten als bei Kindern.
In schweren Fällen können dem Betroffenen bei einem komplizierten Verlauf zusätzliche Beschwerden wie Nackensteife, Gangunsicherheit oder Atemnot zu schaffen machen. Außerdem kann es bei einer an Windpocken erkrankten schwangeren Patientin zu Fehlbildungen des ungeborenen Kindes kommen. Im Bereich der Blasenbildung kann es nach dem Abklingen der Erkrankung zu Vernarbungen kommen, falls die Bläschen durch den Juckreiz aufgekratzt wurden.
Krankheitsverlauf
Da die Krankheit bei Erwachsenen deutlich schwerer verläuft, versuchen Eltern häufig in sogenannten Windpockenpartys ihre Kinder in jungen Jahren mit dem Virus zu infizieren. Das Robert Koch-Institut und die Fachgesellschaften raten davon ausdrücklich ab: Windpocken können auch bei zuvor gesunden Kindern schwer verlaufen, und das Virus verbleibt nach der Erkrankung lebenslang im Körper, wo es später eine Gürtelrose auslösen kann. Zuverlässigen Schutz bietet stattdessen die Impfung; die seltenen Erkrankungen trotz Impfung verlaufen deutlich milder.
Nach der Ansteckung können zehn bis 21 Tage bis zum Ausbruch der Windpocken vergehen. Die Krankheit beginnt bei Kindern in den meisten Fällen mit leichtem Fieber, manchmal auch mit Kopf- und Gliederschmerzen. Binnen 24 Stunden bilden sich dann im Brust- und Kopfbereich kleine rote Juckpusteln, in denen sich häufig wasserklare Bläschen bilden. Die Schleimhäute sind von dieser Pustelbildung nur selten betroffen. Wenn die Bläschen platzen, bildet sich eine braune Kruste, die bald ohne Narbenbildung abfällt, sofern darauf geachtet wird, dass die Kinder nicht zu sehr kratzen.
Bei Erwachsenen zeigen sich in der Mehrzahl der Fälle mehr Windpocken, die auch die Gliedmaßen und den Genitalbereich befallen können. Immer wieder neu auftretende Pusteln sind häufig von hohem Fieber begleitet. Bei Schwangeren kann eine Infektion mit Windpocken auch zu einer Fehlgeburt führen.
Komplikationen
Windpocken sind eine meist bei Kindern auftretende Erkrankung, die in der Regel ohne Komplikationen ausheilt. Nur in sehr seltenen Fällen kann es zu schwerwiegenden Krankheitsverläufen kommen. Das trifft besonders bei Neugeborenen, Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder Schwangeren zu. Vereinzelt treten aber auch bei ansonsten gesunden Kindern komplizierte Verläufe auf. Verursacht werden diese dann durch eine Superinfektion mit Bakterien.
Wenn die Betroffenen ständig die juckenden Bläschen aufkratzen, besteht die Gefahr einer zusätzlichen bakteriellen Infektion an diesen Stellen. Dieses Risiko kann durch Aufhalten in kühler Umgebung sowie durch Gabe von Juckreiz stillenden Medikamenten vermindert werden. Bei Neugeborenen und immungeschwächten Menschen kann sich aber auch der eigentliche Windpockenerreger (Varizella-Zoster-Virus) stärker im Körper verbreiten und verschiedene Organe angreifen.
So kommt es unter anderem zu einer lebensgefährlichen Lungenentzündung, die von Varizella-Zoster verursacht wird. Die Varizellen können auch das Nervensystem unter Ausbildung einer Gehirnentzündung befallen. Herz, Nieren, Hornhaut oder Gelenke sind zuweilen ebenfalls betroffen. Des Weiteren gibt es bei Ungeborenen ein sogenanntes fetales Varizellensyndrom.
Das kann sich dann entwickeln, wenn die Mutter in der ersten Hälfte der Schwangerschaft an Windpocken erkrankt. Das fetale Varizellensyndrom ist durch Fehlbildungen des Skeletts und Nervensystems, Augenschäden sowie Hautveränderungen gekennzeichnet. Wenn die Mutter um den Geburtstermin an Windpocken erkrankt, steckt sich das Baby möglicherweise unter Ausbildung einer sehr schwer verlaufenden neonatalen Varizelleninfektion an.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Die Windpocken sind eine Erkrankung, mit der in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden sollte. Da die Krankheit im Kindesalter von geringerer Gefahr ist, kann bei betroffenen Kindern ein Termin vereinbart werden. Eine sofortige Behandlung ist für das Kind aufgrund der Begleitsymptome zwar empfehlenswert, aber nicht lebensnotwendig. Anders ist es bei Zeichen eines komplizierten Verlaufs: Bei Nackensteife, Benommenheit, unsicherem Gang, Atemnot, einem Krampfanfall oder einer sich rasch ausbreitenden, schmerzhaften Hautrötung mit hohem Fieber ist sofort ärztliche Hilfe nötig, im Notfall über den Notruf 112.
Bei erwachsenen Patienten und Jugendlichen verhält sich die Sachlage dagegen anders. Betroffene sollten umgehend einen Arzt kontaktieren, da die Windpocken in dieser Altersklasse sogar lebensbedrohlich werden können. Es ist sinnvoll, sich bereits bei frühen Anzeichen an einen Arzt zu wenden. Sobald erste Ausschläge oder ein fiebriges Gefühl auftreten, sollten sich Patienten einer medizinischen Abklärung unterziehen. Dabei ist es besonders wichtig, dass Patienten, die glauben an Windpocken erkrankt zu sein, vorab in der Praxis anrufen. Da die Krankheit hochgradig ansteckend ist, braucht die jeweilige Praxis Zeit, um Maßnahmen zu ergreifen, damit sich andere Patienten nicht ebenfalls infizieren. Auch bei betroffenen Kindern ist es ratsam, den Arztbesuch vorher mit dem Kinderarzt abzusprechen.
Behandlung & Therapie
Da Windpocken eine Viruserkrankung sind, werden nur die Symptome, sofern möglich, behandelt. Der Juckreiz kann durch kühle feuchte Umschläge oder austrocknende Emulsionen gelindert werden. Um die Gefahr einer weiteren Infektion und der Narbenbildung zu verringern, sollten Kindern die Fingernägel geschnitten werden, damit sie die Pusteln nicht aufkratzen. Bestehendes Fieber kann mit fiebersenkenden Mitteln bekämpft werden. Aspirin darf allerdings nicht gegeben werden, da es im Fall einer Windpockenerkrankung das Risiko für das schwere Reye-Syndrom erhöht.
Immungeschwächten Personen sollten die virushemmenden Mittel Aciclovir oder Vidarabin gegeben werden. Des Weiteren sollte besonders bei an Windpocken erkrankten Erwachsenen auf Symptome einer Gehirnhautentzündung (Schmerzen beim Nicken und Absenken des Kopfes), Lungenentzündung (Atembeschwerden oder Auswurf) oder Magen-Darm-Komplikation (Starke Bauchschmerzen, Aufblähen) geachtet werden.
Wer einmal Windpocken überstanden hat, besitzt eine lebenslange Immunität. In seltenen Fällen, wenn die Ersterkrankung in früher Kindheit oder nur schwach aufgetreten war, kann eine zweite Erkrankung erfolgen.
Vorbeugung
Vor Windpocken schützt eine Impfung. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Varizellen-Impfung für alle Kinder; sie wird im Kleinkindalter gegeben. Bei ungeimpften Kindern und Jugendlichen, die noch keine Windpocken durchgemacht haben, kann die Impfung nachgeholt werden.
Auch Frauen mit Kinderwunsch ohne Immunschutz sowie ungeschützte Personen, die engen Kontakt zu Schwangeren oder zu immungeschwächten Menschen haben, sollten ihren Impfschutz ärztlich abklären lassen. Nach einem Kontakt mit einem Erkrankten kann für besonders gefährdete Personen eine nachträgliche Impfung oder die Gabe von Antikörpern infrage kommen; darüber entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Erkrankte sind hochansteckend und sollten keinen Kontakt zu Schwangeren, Neugeborenen und immungeschwächten Menschen haben.
Nachsorge
Windpocken verlaufen meist ohne Komplikationen und bedürfen keiner unmittelbaren Nachsorge. Die mit Flüssigkeit gefüllten Bläschen trocknen ein und verkrusten. Es ist wichtig, nicht an der Kruste zu kratzen, da ansonsten bakterielle Hautinfektionen auftreten können. Nach einigen Tagen fallen die Krusten ohne Narbenbildung ab.
Für die langfristige Nachsorge muss beachtet werden, dass die Varizella-Zoster-Viren das ganze Leben im Körper bleiben. Sie überdauern in inaktivem Zustand in Nervenfasern. Nach Jahren oder Jahrzehnten können die Viren wieder aktiviert werden und die körpereigene Abwehr überwinden. Als Folge wird als Zweiterkrankung eine Gürtelrose (Herpes Zoster) ausgelöst.
Jede fünfte Person, die eine Windpockeninfektion durchgemacht hat, wird später mindestens einmal Gürtelrose bekommen. Betroffen sind insbesondere Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Dazu zählen ältere Menschen, da mit zunehmendem Alter die Funktion der Immunabwehr nachlässt. Deshalb müssen primär diese Risikogruppen dem Auftreten typischer Symptome der Gürtelrose (Hautausschläge, Nervenschmerzen) ihre Beachtung schenken.
Bei einem ersten Verdacht auf eine Erkrankung sollten antivirale Medikamente verabreicht werden. Zur Vorbeugung vor Gürtelrose ist zudem eine Impfung möglich. Die Impfstoffe sind für Personen ab 50 Jahren zugelassen.
Das können Sie selbst tun
Die Erkrankung ist hochgradig ansteckend. Die Betroffenen sollten daher zu Hause bleiben, bis alle Bläschen verkrustet sind. Die Windpocken sind erst dann nicht mehr übertragbar. In der Regel dauert das ein bis zwei Wochen.
Erwachsene Angehörige, die in der Kindheit bereits an Windpocken erkrankt sind, sind in den meisten Fällen immun gegen eine Neuinfektion. Sie müssen daher keine speziellen Maßnahmen treffen. Da die Erkrankung bei Erwachsenen durchaus aggressiv verlaufen kann, empfiehlt es sich jedoch, Angehörige für die Dauer der Infektion auszuquartieren, wenn diese als Kind keine Windpocken hatten. Insbesondere ist dies bei älteren Menschen, schwangeren Frauen und bei Angehörigen mit Immunschwäche anzuraten. Von im Haushalt lebenden Kindern ist keine räumliche Trennung notwendig. Die Erkrankung verläuft bei ihnen in der Regel milde. Dennoch sollte der direkte Kontakt mit dem Betroffenen vermieden werden.
Eine wichtige Maßnahme zur Selbsthilfe ist es, das Ankratzen der Bläschen zu unterlassen. Ansonsten können Infektionen mit Bakterien entstehen. Die Betroffenen sollten im Idealfall leichte Baumwollkleidung tragen, da diese die Haut nicht zusätzlich reizt. Den Juckreiz lindern kühlende, austrocknende Lotionen; welches Mittel geeignet ist, klärt man am besten ärztlich ab. Hilfreich sind außerdem kurz geschnittene Fingernägel, lockere Kleidung und eine kühle Umgebung.
Quellen
- Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
ISBN: 9783662613849
- Suttorp, N., Mielke, M., Kiehl, W., Stück, B. (Hrsg.): Infektionskrankheiten.
ISBN: 9783131585813
- Speer, C. P., Gahr, M., Dötsch, J. (Hrsg.): Pädiatrie.
ISBN: 9783662572948
- Plewig, G., Ruzicka, T., Kaufmann, R., Hertl, M. (Hrsg.): Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie.
ISBN: 9783662495445
- Salzberger, B. (Hrsg.): Therapie-Handbuch - Infektionskrankheiten und Impfungen.
ISBN: 9783437238178
