Prophylaktische Mastektomie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 4. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Eine prophylaktische Mastektomie ist das vorbeugende Entfernen des Brustdrüsengewebes. Dieser Eingriff wird vornehmlich bei Frauen vorgenommen, die ein erhöhtes genetisches Brustkrebsrisiko aufweisen. Anschließend können die Brüste mithilfe von Implantaten oder mit Eigengewebe wiederhergestellt werden; das Ergebnis kommt der ursprünglichen Form oft nahe, Narben und eine veränderte Empfindung der Haut bleiben jedoch.
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Was ist die prophylaktische Mastektomie?
Unter einer prophylaktischen Mastektomie verstehen Experten einen chirurgischen Eingriff, bei dem das Brustdrüsengewebe ohne das Vorliegen einer bereits bestehenden Krebserkrankung vollständig entfernt wird. Es handelt sich demnach um eine vorbeugende (prophylaktische) Operation. Meist sind die Patienten weiblich; es kann sich aber in Einzelfällen auch um Männer handeln, die sich einem solchen Eingriff unterziehen. Mithilfe von Tests kann festgestellt werden, ob eine Person ein genetisch erhöhtes Brustkrebsrisiko aufweist. Frauen mit einer nachgewiesenen Veränderung der Gene BRCA1 oder BRCA2 erkranken bis zum 80. Lebensjahr mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 70 Prozent an Brustkrebs; in der weiblichen Allgemeinbevölkerung liegt dieser Wert bei etwa 12 Prozent.
Wird ein Risikogen festgestellt und/oder sind in der Familie bereits Fälle von Brustkrebs aufgetreten, besteht die Möglichkeit, das Drüsengewebe vorbeugend zu entfernen, um die Entstehung einer Krebserkrankung zu vermeiden. Parallel ist bei Frauen auch ein Entfernen der Eierstöcke aus demselben Grund möglich. Es gibt unterschiedliche Arten der prophylaktischen Mastektomie, die entweder ein vollständiges oder nur partielles Entfernen des Brustgewebes beinhalten. Welche Variante angewendet wird, richtet sich vornehmlich nach dem Wunsch der Patientin. Ohne eine umfassende Beratung und einen bereits erwähnten positiven Gennachweis sollte von der prophylaktischen Mastektomie abgesehen werden.
Neben BRCA1 und BRCA2 sind inzwischen weitere Gene bekannt, deren Veränderung das Brustkrebsrisiko erhöht; sie tragen dieses Risiko allerdings in sehr unterschiedlichem Ausmaß. Manche Veränderungen gehen mit einem hohen, andere nur mit einem mäßig erhöhten Risiko einher, und aus diesem Unterschied ergeben sich verschiedene Empfehlungen. Eine vorbeugende Operation kommt nur bei den deutlich risikoerhöhenden Befunden überhaupt in Betracht. Es genügt deshalb nicht zu wissen, dass „ein Gen gefunden wurde“; entscheidend ist, welches, und wie belastbar der Zusammenhang mit der Erkrankung ist. Häufungen von Brust- und Eierstockkrebs in der Familie, besonders früh aufgetretene Erkrankungen und beidseitiger Brustkrebs sind die typischen Anlässe, überhaupt eine genetische Untersuchung zu erwägen.
In Deutschland ist der Weg dorthin gesetzlich geregelt. Das Gendiagnostikgesetz schreibt vor, dass einer vorhersagenden (prädiktiven) genetischen Untersuchung eine Beratung vorausgehen muss und dass die untersuchte Person auch danach ein Recht auf Beratung hat. Sie darf zudem entscheiden, das Ergebnis nicht erfahren zu wollen. Diese Regelung trägt dem Umstand Rechnung, dass ein solches Ergebnis nicht nur die untersuchte Person selbst betrifft, sondern auch genetisch verwandte Angehörige, bei denen dieselbe Veränderung vorliegen kann. Angeboten werden Untersuchung und Beratung an spezialisierten Zentren, die Humangenetik, Gynäkologie, Radiologie und psychologische Begleitung unter einem Dach zusammenführen.
Die vorbeugende Operation ist dabei nicht die einzige Möglichkeit. Als Alternative steht die intensivierte Früherkennung zur Verfügung: engmaschige Untersuchungen, die früher beginnen als die Mammografie im allgemeinen Reihenscreening und die neben dem Ultraschall regelmäßig auch die Magnetresonanztomografie der Brust einschließen. Sie verhindert keine Erkrankung, soll sie aber in einem sehr frühen und damit gut behandelbaren Stadium entdecken. Welcher Weg der richtige ist, hängt vom nachgewiesenen Befund, vom Alter, von der Familienplanung und nicht zuletzt davon ab, wie die Betroffene selbst mit dem verbleibenden Risiko und mit der Aussicht auf jahrzehntelange Kontrolltermine umgeht. Eine Entscheidung unter Zeitdruck ist nicht erforderlich, denn anders als bei einer bestehenden Krebserkrankung geht es hier nicht um Wochen.
Funktion, Wirkung & Ziele
Das Ergebnis dieses Tests zeigt, ob die Patientin eines der veränderten Risikogene in sich trägt und somit ebenfalls ein deutlich erhöhtes Risiko besteht, in der Zukunft an Brustkrebs zu erkranken. Wird dieses erkannt, findet ein ausführliches Gespräch mit den Experten statt. Anschließend hat die Patientin die Möglichkeit, sich für oder gegen eine prophylaktische Mastektomie zu entscheiden. Bei diesem Eingriff wird das Brustdrüsengewebe entfernt, sodass sich darin keine Krebszellen bilden können. Der Eingriff zählt in den Bereich der Onkologie (Krebsheilkunde).
Die Patientin kann dabei zwischen unterschiedlichen Operations- und Wiederherstellungsvarianten wählen. Zum einen kann die Brust komplett entfernt werden; bei einem rein vorbeugenden Eingriff sprechen Mediziner von einer einfachen oder totalen Mastektomie. Die Lymphknoten der Achselhöhle werden dabei nicht mit entfernt; ihre Ausräumung – die modifiziert radikale Mastektomie – kommt nur infrage, wenn bereits eine Krebserkrankung nachgewiesen ist. Eine Wiederherstellung der Brust ist bei der einfachen Mastektomie nicht vorgesehen. Aus diesem Grund entscheiden sich viele Patientinnen für eine subkutane Mastektomie mit gleichzeitiger Rekonstruktion. Ob die Brustwarze erhalten bleibt oder nicht, hängt von den individuellen Wünschen der Betroffenen ab. Nach der Entfernung des Gewebes wird die Brust im Rahmen desselben Eingriffs wiederhergestellt.
Dieser Teil ist besonders für die Psyche und das Selbstwertgefühl der Patientin entscheidend, da ein Fehlen der Brust als weibliches Merkmal nicht selten zu späteren psychischen Problemen führen kann. Oftmals erfolgt die Rekonstruktion mit Eigengewebe. Dabei werden Haut sowie Muskel- und Fettgewebe von Po, Oberschenkel oder Bauch der Patientin entnommen und daraus eine „neue“ Brust geformt.
Auch wenn diese Art des Eingriffs vergleichsweise aufwendig ausfällt, lassen sich damit sehr zufriedenstellende Ergebnisse erzielen. Alternativ kann die Brust auch mithilfe eines Silikonimplantats wiederhergestellt werden, das anstelle des fehlenden Brustdrüsengewebes unter die Haut implantiert wird. Die Operationszeit fällt hier deutlich kürzer aus, wodurch der Eingriff eine geringere Belastung für den Organismus darstellt. Sofern hochwertige und anatomisch passende Implantate verwendet werden, können auch mithilfe dieser Fremdkörper optisch gute Ergebnisse erreicht werden.
Die operativen Techniken haben sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verändert. Bei der hautsparenden Mastektomie bleibt der Hautmantel der Brust weitgehend erhalten, und nur das darunterliegende Drüsengewebe wird entfernt, sodass für den Wiederaufbau eine natürliche Hülle zur Verfügung steht. Bleibt zusätzlich der Brustwarzenkomplex stehen, sprechen Chirurgen von einer mamillenerhaltenden Mastektomie. Die Schnittführung wird dabei so gewählt, dass die Narbe später möglichst wenig auffällt, etwa in der Unterbrustfalte oder am Rand des Warzenhofs.
Für den Wiederaufbau mit einem Implantat gibt es zwei Wege. Wo genügend Haut und Weichgewebe vorhanden sind, kann das Implantat in derselben Operation eingesetzt werden. Reicht der Hautmantel nicht aus, wird zunächst ein dehnbarer Platzhalter eingelegt, der über Wochen schrittweise gefüllt wird und das Gewebe langsam weitet; erst in einem zweiten Eingriff folgt das endgültige Implantat. Beim Aufbau mit Eigengewebe stehen ebenfalls mehrere Verfahren zur Verfügung, die sich nach der Entnahmestelle unterscheiden. Verbreitet ist die Verpflanzung von Haut- und Fettgewebe der Unterbauchregion, bei der die versorgenden Gefäße unter dem Mikroskop wieder angeschlossen werden; alternativ kommt Gewebe vom Rücken oder von der Oberschenkelinnenseite infrage. Ergänzend lässt sich später Eigenfett übertragen, um Unregelmäßigkeiten auszugleichen. Der Wiederaufbau der Brustwarze und ihre farbliche Angleichung durch eine Pigmentierung bilden meist den Abschluss und finden erst statt, wenn sich das Ergebnis gesetzt hat.
Der Eingriff findet in Vollnarkose statt und dauert je nach Verfahren zwischen wenigen Stunden und einem ganzen Operationstag; der Aufbau mit Eigengewebe ist die mit Abstand aufwendigste Variante. Für einige Tage liegen Drainagen in der Wunde, die Wundsekret ableiten. An den Klinikaufenthalt schließt sich eine Phase an, in der die Arme geschont und schwere Lasten gemieden werden; wann die gewohnte Belastbarkeit zurückkehrt, hängt stark vom gewählten Verfahren ab. Wer eine Rekonstruktion mit Eigengewebe hinter sich hat, muss zusätzlich mit der Heilung an der Entnahmestelle rechnen.
Zwei Folgen des Eingriffs sind dauerhaft und sollten vorher bekannt sein. Weil die Nerven, die die Haut der Brust versorgen, bei der Entfernung des Drüsengewebes durchtrennt werden, bleibt das Gefühl im Bereich der Brust und der Brustwarze meist vermindert oder fehlt ganz – auch dann, wenn das äußere Ergebnis unauffällig ist. Und ohne Drüsengewebe ist das Stillen später nicht mehr möglich, was für Frauen mit noch offener Familienplanung ein wesentlicher Punkt der Beratung ist.
Der Nutzen des Eingriffs besteht darin, dass mit dem Drüsengewebe der Ort entfernt wird, an dem Brustkrebs entsteht. Das Erkrankungsrisiko sinkt dadurch erheblich, aber nicht auf null: In der Haut und an den Rändern des Operationsgebiets verbleiben regelmäßig kleine Reste von Drüsengewebe, und je mehr Haut und Gewebe erhalten bleiben, desto größer fällt dieser Rest aus. Aus diesem Grund bleiben ärztliche Kontrollen auch nach einer vorbeugenden Mastektomie notwendig, und Veränderungen im Operationsgebiet gehören abgeklärt.
Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde das Verfahren im Jahr 2013, als die Schauspielerin Angelina Jolie ihre beidseitige vorbeugende Mastektomie nach dem Nachweis einer BRCA1-Veränderung öffentlich machte. In der Folge stieg die Nachfrage nach genetischer Beratung deutlich an. Fachleute weisen seither darauf hin, dass die öffentliche Aufmerksamkeit zwar die Information verbessert hat, die Entscheidung selbst aber eine sehr persönliche bleibt, die sich nicht am Beispiel anderer ausrichten lässt.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Auch das Abheilen braucht meist etwas länger, da es sich um mehrere und größere Wunden handelt. Dafür besteht beim Eigengewebe kein Risiko einer Fremdkörperreaktion, wie sie beim Einsetzen eines Silikonimplantats vorkommen kann. Treten nach der Operation starke und dauerhafte Schmerzen, Schwellungen und Entzündungen auf, muss das Implantat wieder entfernt werden. Verbleibt es in der Brust, kommt es nicht selten zu einer sogenannten Kapselfibrose, einer harten Kapsel, die als Folge einer Fremdkörperreaktion entsteht und die Schmerzen verursachen kann.
Verzichtet die Patientin auf eine Rekonstruktion der Brust, ist mit psychischen Beeinträchtigungen zu rechnen, da die Brüste allgemein als typisches weibliches Merkmal gelten und Frauen ohne Brüste sich oftmals als „nicht weiblich“ begreifen. Eine entsprechende therapeutische Unterstützung ist hier ratsam. Die prophylaktische Mastektomie ist ein bei vielen Menschen umstrittener Eingriff, da er ohne eine tatsächliche medizinische Notwendigkeit auf einen genetisch bedingten Verdacht hin erfolgt.
Das Entfernen der weiblichen Brust stellt eine große Veränderung für den Körper dar, weshalb sich oftmals gegen die Operation ausgesprochen wird. Tatsächlich liegt es aber im Ermessen jeder einzelnen Patientin, ob sie sich für oder gegen die prophylaktische Mastektomie entscheidet. Wichtig ist eine individuelle Begleitung durch kompetente Mediziner sowie eine umfassende Aufklärung.
Zu den unmittelbaren Risiken des Eingriffs gehören wie bei jeder größeren Operation Nachblutungen, eine Wundinfektion und eine Thrombose. Häufiger als diese sind Flüssigkeitsansammlungen in der Wundhöhle, sogenannte Serome, die abpunktiert werden müssen, wenn sie nicht von selbst zurückgehen. Bleibt der Hautmantel weitgehend erhalten, ist seine Durchblutung an den Rändern empfindlich; im ungünstigen Fall kommt es dort zu einer Nekrose, also zum Absterben von Gewebe, das dann entfernt werden muss. Besonders betroffen ist der Brustwarzenkomplex, wenn er erhalten wurde. Eine Ausräumung der Achselhöhle findet beim rein vorbeugenden Eingriff nicht statt, weshalb ein Lymphödem des Arms hier anders als nach Krebsoperationen kaum zu erwarten ist.
Implantate sind zudem keine Versorgung für das ganze Leben. Sie können im Verlauf undicht werden, ihre Lage verändern oder sich in Form und Festigkeit vom umgebenden Gewebe abheben, sodass ein Wechsel notwendig wird. In sehr seltenen Fällen wurde im Zusammenhang mit bestimmten texturierten Implantaten eine besondere Form einer Lymphdrüsenerkrankung im umgebenden Gewebe beschrieben; sie ist selten, aber Anlass für regelmäßige Kontrollen und dafür, anhaltende Schwellungen oder Schmerzen an einem Implantat ärztlich abklären zu lassen. Wer sich für Implantate entscheidet, sollte deshalb wissen, dass weitere Eingriffe im Laufe des Lebens wahrscheinlich sind.
Für die Entscheidung selbst hat sich ein Vorgehen bewährt, das ausdrücklich Zeit einräumt: mehrere Gespräche statt eines einzigen, die Einbeziehung von Partnern oder Angehörigen, eine Zweitmeinung an einem weiteren Zentrum und der Austausch mit Frauen, die den Eingriff bereits hinter sich haben. Eine psychoonkologische Begleitung wird an spezialisierten Zentren angeboten und ist sinnvoll, weil es hier nicht nur um eine Operation geht, sondern um den Umgang mit einem Risiko, das sich nie ganz beziffern lässt. Auch die Frage der Kostenübernahme wird über diese Zentren geklärt; sie hängt vom nachgewiesenen Befund und vom Einzelfall ab und sollte vor der Operation verbindlich geregelt sein.
Schließlich gehört zur Aufklärung, dass die Entscheidung gegen den Eingriff keine Entscheidung gegen die eigene Gesundheit ist. Wer sich für die intensivierte Früherkennung entscheidet, wählt einen anderen, ebenfalls anerkannten Weg – er verlangt allerdings die Bereitschaft, die Kontrolltermine über viele Jahre zuverlässig wahrzunehmen und die Unsicherheit auszuhalten, die jeder unklare Befund mit sich bringt.
Quellen
- Kreienberg, R. (Hrsg.): Mammakarzinom, interdisziplinär.
ISBN: 9783642126802
- Ulrich, U. A. (Hrsg.): Gynäkologische Onkologie.
ISBN: 9783110612615
- Petru, E., Fink, D., Köchli, O. R., Loibl, S. (Hrsg.): Praxisbuch Gynäkologische Onkologie.
ISBN: 9783662574294
- Janni, W., Hancke, K., Fehm, T., Scholz, C. (Hrsg.): Facharztwissen Gynäkologie.
ISBN: 9783437239175
- Momeni, A., Hirche, C. (Hrsg.): Facharztwissen Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie.
ISBN: 9783662701966
