Brustrekonstruktion

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 2. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Als Brustrekonstruktion bezeichnet man eine plastische Rekonstruktion der Brust, die sehr häufig auf Grund von Brustkrebs durchgeführt wird.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Brustrekonstruktion?

Brustkrebs zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen der Frau. Im Rahmen einer Therapie muss die erkrankte Brust sehr oft entfernt werden, was auch einer der Hauptgründe für einen anschließenden Brustaufbau bzw. eine Brustrekonstruktion ist. Mit Hilfe von Implantaten bzw. Eigengewebe kann die weibliche Brust auf diese Weise wiederhergestellt werden.

Funktion, Wirkung & Ziele

Brustrekonstruktion
Als Brustrekonstruktion bezeichnet man eine plastische Rekonstruktion der Brust, die sehr häufig auf Grund von Brustkrebs durchgeführt wird.

Um eine weibliche Brust wieder aufzubauen, stehen verschiedene Methoden zur Verfügung. Welches Verfahren gewählt wird, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Dazu zählen:

  • die Qualität des verbliebenen Gewebes
  • der Gesundheitszustand der Patientin
  • Form und Größe der Brust
  • Wünsche der Betroffenen

Grundsätzlich unterscheidet man eine Brustrekonstruktion mit Hilfe von körpereigenem Gewebe bzw. mit einem Implantat. Hier stehen kochsalz- oder silikongefüllte Implantate zur Verfügung, wobei diese in letzter Zeit durch die Verwendung von vorbehandelter Tierdermis erheblich verbessert werden konnten, sodass eine oftmals sehr aufwändige Rekonstruktion mit Hilfe von Eigengewebe vermieden werden kann. Implantate werden unter oder auf den Brustmuskel geschoben. Verfügen die Patientinnen über einen ausreichend großen Hautmantel, so setzt der Arzt das Implantat direkt ein.

Wenn die Haut nach der Operation aber zu straff ist, so wird sie zunächst mit einem Expander gedehnt. Dafür wird ein Kunststoffbeutel unter der Haut eingesetzt, der mit Hilfe einer Injektionsnadel mit Kochsalzlösung gefüllt wird. Nach einigen Monaten ist die Haut gedehnt und das Implantat kann eingesetzt werden. Ein Brustaufbau mit einem Implantat ist eine relativ einfache und kurze Operation und verursacht wenig Schmerzen. Bei einer Brustrekonstruktion mit körpereigenem Gewebe wird zunächst Muskel- oder Fettgewebe aus dem Bauch, Rücken oder dem Gesäß entnommen, wobei diese Form der Operation sehr viel Erfahrung erfordert. Der Chirurg löst hier Muskelgewebe vom Bauch oder Rücken ab und verschiebt es auf die Brustwand, wo er eine neue Brust modelliert.

Bei einer Gewebeverpflanzung wird das Gewebe hingegen völlig vom Körper abgetrennt und mit den Blutgefäßen neu verbunden. Lange Zeit war die so genannte TRAM-Lappen-Methode (Transverse Rectus Abdominis Muscle) das gebräuchlichste Verfahren; dabei werden Fett- und Muskelgewebe aus dem Unterbauch verwendet. Heute wird, wo die Gefäßverhältnisse es zulassen, häufig die weiter unten beschriebene muskelschonende DIEP-Lappenplastik vorgezogen, weil sie den geraden Bauchmuskel erhält. Eine weitere Technik ist eine Brustrekonstruktion mit Eigengewebe aus dem großen Rückenmuskel (Musculus Latissimus Dorsi).

Darüber hinaus wird für einen Brustaufbau auch Eigenfett aus dem Bauch oder Oberschenkel verwendet, das abgesaugt, aufbereitet und anschließend mit Kanülen in die Brust eingebracht wird. Eine Methode für den Brustaufbau ohne Muskulatur stellt die so genannte DIEP-Lappen-Transplantation (Deep Inferior Epigastric Perforator) dar. Dabei wird ein Haut-Fett-Lappen aus der Bauchwand entnommen, ohne den geraden Bauchmuskel zu durchtrennen, und mikrochirurgisch an die Blutgefäße im Brustbereich angeschlossen. Anschließend ist meist noch eine Nachbehandlung erforderlich, um die ästhetische Form komplettieren zu können.

Eine Rekonstruktion kann dabei entweder gleichzeitig mit der Operation des Tumors erfolgen (primäre Rekonstruktion) oder zu einem anderen Zeitpunkt (sekundäre Rekonstruktion). In diesem Fall müssen eventuell erforderliche Therapien (zum Beispiel Strahlentherapie, Chemotherapie, Hormontherapie) abgeschlossen sein.

Da sich die aufgebaute Brust nach einer Rekonstruktion oftmals verändern kann, rekonstruiert der Chirurg die Brustwarzen erst einige Monate später. Auf diese Weise kann sichergestellt werden, dass die aufgebaute Brust auch komplett ausgeheilt ist. Eine Brustwarze wird entweder mit Hilfe einer Hautverpflanzung oder einer lokalen Lappenplastik nachgeahmt.

Für den Warzenhof verwendet man Haut, die stärker pigmentiert ist und häufig von der Oberschenkelinnenseite stammt. Dieser Eingriff ist relativ kurz und kann auch unter lokaler Betäubung durchgeführt werden. Nach einer erfolgten Brustrekonstruktion sollte auf körperliche Belastungen wie Tragen oder Hochheben verzichtet werden. Außerdem ist es sinnvoll, einen speziellen Büstenhalter zu tragen sowie die Brust zu massieren.


Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Implantate mit Silikongel sind im Normalfall nicht gesundheitsschädigend. Da aber ein Risiko nie vollkommen ausgeschlossen werden kann, ist es notwendig, die aufgebaute Brust regelmäßig kontrollieren zu lassen. Ein Implantat stellt für den Körper außerdem einen Fremdkörper dar, sodass es manchmal zu Verhärtungen kommt, wodurch das Implantat zusammengedrückt werden kann.

Das verursacht Schmerzen und kann zu einer Deformation der Brust führen. In diesem Fall ist eine erneute Operation notwendig, bei der das alte Implantat entfernt und durch ein neues ersetzt wird. Früher konnte bei einer Beschädigung der Hülle flüssiges Silikon in das Gewebe austreten. Die heute verwendeten Silikongele sind nicht mehr flüssig, sondern zähfest (kohäsiv) und dem Brustgewebe ähnlich, sodass bei einem Riss deutlich weniger Gel austritt. Die Hüllen sind stabil und langlebig; ausgeschlossen ist ein Riss damit aber nicht. Er bleibt häufig unbemerkt und fällt erst bei einer Kontrolluntersuchung auf. Allerdings halten sie nicht ein ganzes Leben, sondern müssen nach einigen Jahren ausgetauscht werden.

Ein Brustaufbau mit Eigengewebe ist belastender und aufwändiger als das Einsetzen eines Implantats. Die Operation dauert länger und auch das Blutungsrisiko bzw. das Risiko von Komplikationen steigt. Darüber hinaus müssen die Patientinnen auch mit Narben rechnen. Je nach gewählter Technik kann es zu Bewegungseinschränkungen oder Durchblutungsstörungen kommen. Die Erholungsphase nach einem Aufbau mit Eigengewebe ist länger als bei einer Brustrekonstruktion mit einem Implantat. Das Eigengewebe wird aber vom Körper nicht abgewehrt, sodass auch keine Kapselfibrosen auftreten. Außerdem entfällt der Austausch des Implantats. Der Brustaufbau mit Eigenfett (ohne Muskulatur und Haut) galt lange Zeit als nicht ausgereift. Nach heutigem Kenntnisstand ist er ein anerkanntes Verfahren, das vor allem zur Korrektur kleinerer Formfehler und ergänzend zu anderen Techniken eingesetzt wird; da ein Teil des verpflanzten Fettgewebes wieder abgebaut wird, sind dafür meist mehrere Sitzungen nötig.

Seltener als eine Kapselfibrose, aber seit einigen Jahren gut beschrieben, ist das implantatassoziierte anaplastische großzellige Lymphom (BIA-ALCL). Dabei handelt es sich um eine seltene bösartige Erkrankung des lymphatischen Gewebes, die sich in der Bindegewebskapsel um ein Implantat entwickeln kann. Sie ist kein Brustkrebs und geht nicht vom Drüsengewebe aus. Beschrieben wurde sie vor allem im Zusammenhang mit stark texturierten, also rau beschichteten Implantatoberflächen; einzelne solcher Implantattypen sind aus diesem Grund vom Markt genommen worden. Typisch ist ein spätes Auftreten – oft erst Jahre nach dem Einsetzen – meist als einseitige Schwellung durch eine Flüssigkeitsansammlung um das Implantat, seltener als tastbarer Knoten. Anhaltende Schwellungen, Verhärtungen oder Schmerzen an einer Brust mit Implantat sollten deshalb ärztlich abgeklärt werden, auch wenn die Operation lange zurückliegt; in den allermeisten Fällen findet sich dabei eine harmlose Ursache. Frauen, die ein Implantat erhalten, bekommen einen Implantatpass mit den Angaben zum verwendeten Produkt. Er sollte aufbewahrt und zu Kontrollterminen mitgebracht werden, weil sich daraus Hersteller, Typ und Oberfläche des Implantats ablesen lassen.

Geschichte & Entwicklung

Der Gedanke, eine entfernte Brust wieder aufzubauen, ist älter als die moderne plastische Chirurgie. Als Pionier gilt der deutsche Chirurg Vincenz Czerny, der gegen Ende des 19. Jahrhunderts nach der Entfernung eines Brusttumors erstmals versuchte, die Brust mit körpereigenem Fettgewebe wiederherzustellen. Dauerhaft war das Ergebnis nicht, weil das verpflanzte Gewebe nicht ausreichend durchblutet wurde – ein Problem, das die Rekonstruktion mit Eigengewebe bis heute prägt.

Lange Zeit stand die Krebsbehandlung so im Vordergrund, dass für den Wiederaufbau kaum Raum blieb; die ausgedehnte Entfernung von Brust, Brustmuskulatur und Achsellymphknoten hinterließ zudem wenig Gewebe, mit dem sich hätte arbeiten lassen. Erst als brusterhaltende und weniger ausgedehnte Operationsverfahren üblich wurden und sich zugleich Implantate und mikrochirurgische Techniken entwickelten, wurde die Rekonstruktion zu einem regulären Bestandteil der Behandlung.

In den 1980er Jahren setzte sich die Verpflanzung von Gewebe aus dem Unterbauch samt geradem Bauchmuskel (TRAM-Lappen) durch. In den 1990er Jahren wurde daraus die muskelschonende Variante entwickelt, bei der nur Haut und Fettgewebe entnommen und die versorgenden Gefäße aus dem Muskel herauspräpariert werden (DIEP-Lappen). Parallel dazu verbesserten sich die Implantate: von flüssigem Silikon über formstabile, zähfeste Gele bis zu den heute verfügbaren Formen und Oberflächen. Ergänzt wurde das Spektrum später durch den Transfer von Eigenfett, mit dem sich Unregelmäßigkeiten ausgleichen lassen.

Vorbereitung & Beratung

Vor einer Brustrekonstruktion steht ein ausführliches Gespräch, in dem die Ärztin oder der Arzt Vorgeschichte, Gewebeverhältnisse und Behandlungsplan zusammenbringt. Wichtig ist dabei vor allem, ob eine Strahlentherapie vorgesehen ist oder bereits stattgefunden hat: Bestrahltes Gewebe heilt schlechter und neigt stärker zu Verhärtungen der Kapsel um ein Implantat. Ist eine Bestrahlung geplant, wird deshalb häufig eine Rekonstruktion mit Eigengewebe erwogen oder der Wiederaufbau auf einen späteren Zeitpunkt verschoben; überbrückend kann ein Expander eingesetzt werden.

Beurteilt werden außerdem die Beschaffenheit des Hautmantels, vorhandene Narben, die Größe und Form der Gegenseite und – bei einer Rekonstruktion mit Eigengewebe – ob am Bauch, Rücken oder Gesäß genügend Gewebe zur Verfügung steht. Zur Vorbereitung gehört bei mikrochirurgischen Verfahren oft eine Darstellung der versorgenden Blutgefäße, damit die Entnahmestelle geplant werden kann.

Bestimmte Umstände erhöhen das Risiko für Wundheilungsstörungen und für ein Absterben des verpflanzten Gewebes. Dazu zählen Rauchen, schlecht eingestellter Diabetes mellitus, ausgeprägtes Übergewicht und Durchblutungsstörungen. Vor allem beim Nikotin wird deshalb dringend zu einer Pause vor und nach dem Eingriff geraten. Blutverdünnende Mittel und bestimmte Schmerzmittel müssen unter Umständen vorher abgesetzt oder umgestellt werden – ausschließlich nach ärztlicher Absprache, niemals eigenmächtig. Da eine Rekonstruktion selten eilt, bleibt in der Regel Zeit, das Für und Wider in Ruhe abzuwägen und bei Bedarf eine zweite ärztliche Meinung einzuholen.

Ablauf & Klinikaufenthalt

Der Wiederaufbau erfolgt in Vollnarkose und stationär. Wie lange der Eingriff dauert und wie lange der Aufenthalt in der Klinik anschließend ist, hängt stark vom gewählten Verfahren ab: Das Einsetzen eines Implantats oder eines Expanders ist ein vergleichsweise kurzer Eingriff, eine mikrochirurgische Gewebeverpflanzung dagegen eine ausgedehnte Operation, bei der zusätzlich zur Brust auch die Entnahmestelle versorgt werden muss.

Wird Gewebe frei verpflanzt, schließt die Chirurgin oder der Chirurg die zuführende Arterie und die abführende Vene unter dem Mikroskop an Gefäße im Brustbereich an. Ob der verpflanzte Lappen ausreichend durchblutet ist, entscheidet über den Erfolg der Operation. Deshalb wird er in den ersten Tagen engmaschig kontrolliert – auf Farbe, Temperatur und Durchblutung. Verschließt sich eines der angeschlossenen Gefäße, ist eine rasche erneute Operation nötig, um den Lappen zu retten; gelingt das nicht, kann das verpflanzte Gewebe ganz oder teilweise absterben.

Zur Ableitung von Wundflüssigkeit werden meist Drainagen eingelegt und nach einigen Tagen wieder entfernt. Übrig bleibt zunächst eine geschwollene, druckempfindliche Brust; das endgültige Ergebnis zeigt sich erst nach Monaten, wenn Schwellung und Verhärtung zurückgegangen sind. In vielen Fällen ist der Wiederaufbau deshalb kein einzelner Eingriff, sondern eine Folge von Schritten: Aufbau des Brustvolumens, später die Angleichung der Form, die Rekonstruktion der Brustwarzen und gegebenenfalls ein Ausgleich kleiner Unregelmäßigkeiten mit Eigenfett.

Nachsorge & Erholung

Nach der Entlassung stehen Wundkontrollen, das Entfernen der Fäden und die Anpassung der Belastung im Vordergrund. Wie lange die Schonung dauert, richtet sich nach dem Verfahren: Nach einer Verpflanzung von Bauch- oder Rückengewebe ist die Erholung deutlich länger als nach dem Einsetzen eines Implantats, weil zusätzlich die Entnahmestelle heilen muss. Wurde Gewebe aus dem Unterbauch verwendet, ist die Bauchdecke vorübergehend geschwächt; Bücken, Heben und Bauchmuskelbelastung sind zunächst eingeschränkt.

Ein Stütz-BH ohne Bügel wird für mehrere Wochen empfohlen. Schwellungen, Blutergüsse, ein Spannungsgefühl und ein taubes Areal um die Narben sind in der Anfangszeit üblich. Die Empfindung der rekonstruierten Brust bleibt allerdings meist dauerhaft verändert, weil die Hautnerven bei der Operation durchtrennt werden; ein Teil der Sensibilität kann im Lauf der Zeit zurückkehren, verlässlich ist das nicht.

Narbenpflege, Physiotherapie und Lymphdrainage werden je nach Verlauf verordnet, besonders wenn nach einer Entfernung von Achsellymphknoten ein Lymphödem droht. Unabhängig vom Wiederaufbau läuft die reguläre Krebsnachsorge weiter: Der Wiederaufbau ersetzt keine Kontrolluntersuchung. Bei rekonstruierten Brüsten stützt sich die Nachsorge stärker auf das Abtasten und den Ultraschall, weil ein Implantat die Beurteilung in der Mammographie erschweren kann. Wird die Brust mit einem Implantat aufgebaut, gehören dauerhafte ärztliche Kontrollen dazu; ein festes Austauschintervall lässt sich daraus nicht ableiten – ausgetauscht wird, wenn ein Implantat beschädigt ist oder Beschwerden verursacht.

Grenzen des Eingriffs

Eine rekonstruierte Brust ist ein Nachbau, keine Wiederherstellung des ursprünglichen Organs. Drüsengewebe wird nicht ersetzt, Stillen ist mit der aufgebauten Brust nicht möglich. Auch das Gefühl unterscheidet sich: Die Brust ist unempfindlicher, reagiert nicht wie zuvor auf Kälte oder Berührung und verändert sich bei Gewichtsschwankungen anders als die natürliche Gegenseite – bei Eigengewebe eher wie die Entnahmeregion, bei einem Implantat kaum.

Vollständige Symmetrie ist selten zu erreichen. Häufig wird deshalb auch die gesunde Brust angeglichen, etwa durch eine Straffung, eine Brustverkleinerung oder seltener eine Brustvergrößerung. Ein solcher Zweiteingriff ist Teil der Planung und sollte von Anfang an mitbesprochen werden.

Wie zufrieden Frauen mit dem Ergebnis sind, hängt nicht allein vom chirurgischen Resultat ab, sondern auch von den Erwartungen, mit denen sie in den Eingriff gehen. Ein realistisches Bild davon, was erreichbar ist – und was nicht –, gehört deshalb zur Aufklärung. Die seelische Verarbeitung der Krebserkrankung nimmt die Operation niemanden ab; psychoonkologische Unterstützung wird an Brustzentren regelhaft angeboten.

Alternativen zur Operation

Der Wiederaufbau ist keine Pflicht. Viele Frauen entscheiden sich – dauerhaft oder für eine Übergangszeit – gegen eine Rekonstruktion. Als Alternative stehen äußerlich getragene Brustprothesen (Epithesen) aus Silikon zur Verfügung, die in speziellen Taschen-BHs oder Badeanzügen sitzen und in Form, Gewicht und Farbe angepasst werden. Sie erfordern keinen weiteren Eingriff und lassen sich jederzeit wieder aufgeben, wenn doch eine Operation gewünscht wird.

Ebenso ist der bewusste Verzicht auf jeden Ausgleich eine Möglichkeit. Die Entscheidung lässt sich in aller Regel aufschieben: Eine sekundäre Rekonstruktion ist auch Jahre nach der Krebsbehandlung noch möglich, wenn auch mit anderen Ausgangsbedingungen als unmittelbar bei der Tumoroperation. Zeitdruck ist deshalb ein schlechter Ratgeber.

Kosten & Kostenübernahme

Die Brustrekonstruktion nach einer Krebsbehandlung gilt in Deutschland nicht als Schönheitsoperation, sondern als Teil der Behandlung einer Erkrankung. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen sie deshalb im Regelfall, einschließlich des Wiederaufbaus der Brustwarze und der zur Symmetrie erforderlichen Angleichung der anderen Seite. Auch Brustprothesen zum Einlegen und die dazugehörigen BHs sind als Hilfsmittel vorgesehen.

Das bedeutet nicht, dass jede Wunschleistung getragen wird: Für Verfahren, die über das medizinisch Notwendige hinausgehen, für besondere Implantate oder für die Behandlung in einer Klinik ohne Kassenzulassung können Eigenanteile anfallen. Privat Versicherte richten sich nach ihrem Vertrag. Was im Einzelfall übernommen wird, klärt man vor dem Eingriff mit der Klinik und der Kasse – am besten schriftlich.

Quellen

  • Momeni, A., Hirche, C. (Hrsg.): Facharztwissen Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie.
    ISBN: 9783662701966
  • Heimburg, D. von, Richter, D. F., Lemperle, G.: Ästhetische Chirurgie.
    ISBN: 9783609768649
  • Bingöl, A.: Plastische und Ästhetische Chirurgie.
    ISBN: 9783437414848
  • Kaufmann, M., Costa, S. D., Scharl, A. (Hrsg.): Die Gynäkologie.
    ISBN: 9783642209222
  • Henne-Bruns, D. (Hrsg.): Chirurgie.
    ISBN: 9783132431874

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