Retinopathia centralis serosa
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 22. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
Sie sind hier: Startseite Krankheiten Retinopathia centralis serosa
Die Retinopathia centralis serosa wird von den Augenärzten gern als „Managerkrankheit“ bezeichnet. Der Grund hierfür ist, dass viel Stress diese Sehstörung auslösen kann. Dabei erscheint im Gesichtsfeld ein grauer Fleck, Gegenstände werden verzerrt gesehen und das Lesen und Erkennen der Farben fällt schwer.
Inhaltsverzeichnis |
Was ist eine Retinopathia centralis serosa?
© Edward – stock.adobe.com
Bei der Retinopathia centralis serosa handelt es sich um eine Erkrankung der Netzhaut. Hierbei tritt aus der Aderhaut Flüssigkeit aus, wodurch die Netzhaut von der Pigmentepithelschicht örtlich begrenzt abgehoben wird. Dies wird als schwellungsbedingte Ablösung der Netzhaut bezeichnet. Sie wird nach vorn und näher in Richtung Linse gedrückt.
Die Unebenheiten, die dadurch entstehen, heben die Fotorezeptoren aus der herkömmlichen Lage heraus. In seltenen Fällen kommt es bei einer intakten Pigmentschicht zur gemeinsamen Abhebung der Netzhaut und des retinalen Pigmentepithels. Von der Erkrankung sind vorwiegend Männer im Alter von 20 bis 50 Jahren betroffen, doch auch bei Frauen kommt sie vor. Das Auftreten steht häufig im Zusammenhang mit körperlichem oder geistigem Stress.
Ursachen
Daraus resultiert auch der verwendete Name „Managerkrankheit“. Dies bedeutet jedoch nicht, dass jeder gestresste Mensch das Augenleiden entwickelt. Der Grund hierfür ist eine unterschiedliche Verarbeitung von Stress. Die Erkrankung kann auch mit einer erhöhten Konzentration des Stresshormons Kortisol einhergehen. Als gesicherter Risikofaktor gilt daneben die Einnahme von Kortisonpräparaten – und zwar unabhängig davon, ob sie als Tablette, als Spritze, als Nasenspray oder als Salbe angewendet werden.
Experten vermuten, dass zudem eine genetische Anfälligkeit das Auftreten der Retinopathia centralis serosa begünstigen kann. Das Gleiche gilt für eine Infektion mit dem Helicobacter pylori, einem Magenkeim. Auch in dieser Verbindung wurde das Augenleiden zum Teil beobachtet. Letzten Endes ist das Krankheitsbild Retinopathia centralis serosa noch nicht ausreichend erforscht.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Bei der Retinopathia centralis serosa taucht im Blickfeld ein grau-schwarzes Loch auf. Die Sicht wird durch einen Grauschleier getrübt, Gegenstände erscheinen verzerrt oder verkleinert. Dies alles gehört zu den typischen Symptomen der Augenerkrankung, die häufig ziemlich plötzlich auftritt.
Hinzu kommt aufgrund der Abhebung der Netzhaut vom Pigmentepithel oftmals eine ein- oder beidseitige Weitsichtigkeit. Ein weiteres Anzeichen der Retinopathia centralis serosa ist das Wellensehen. Ebenso typisch ist der Ausfall im zentralen Gesichtsfeld. Dadurch wird an einem Fleck mittig des Sehfeldes grau, schwarz oder unscharf gesehen.
Diagnose & Krankheitsverlauf
Beim Verdacht, dass die Retinopathia centralis serosa vorliegt, sind eine Anamnese und eine sorgfältige Untersuchung durch den Augenarzt notwendig. Der Grund hierfür ist, dass die Veränderungen des Sehens auch aus anderen Erkrankungen resultieren können, die mit ähnlichen Symptomen einhergehen. Dem Arzt stehen zur genauen Diagnostik verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, beispielsweise ein Sehtest.
Hierbei zeigt sich meist eine Hyperopisierung des betroffenen Auges. Auch möglich ist die apparative Perimetrie, beispielsweise die Schwellenperimetrie, die dem Bestimmen und Quantifizieren des Skotoms dient. Bei der Funduskopie zeigt sich ophthalmoskopisch eine sichtbare ödematöse Schwellung der Netzhaut.
Ebenso zum Einsatz kommen die Farbsinnprüfung und die spektrale optische Kohärenztomographie (SOCT). Hierbei lässt sich die Abhebung der Netzhaut direkt sichtbar machen, denn mit dieser Aufnahmetechnik wird ein Querschnittsbild angefertigt. Es gibt bei der Retinopathia centralis serosa akute und chronische Formen, die ein- oder beidseitig auftreten können.
Bei der akuten Form heilt die Erkrankung in der Regel innerhalb von drei bis sechs Monaten nach dem Auftreten spontan ab. Daher ist es üblich, erst nach drei Monaten eine Therapie einzuleiten. Ein signifikanter Sehverlust bleibt nur in Einzelfällen, allerdings kann es zu einem oder auch mehreren erneuten Ausbrüchen der Erkrankung kommen. Wenn die Retinopathia centralis serosa wiederholt auftritt und Veränderungen zurücklässt, wird von einer chronischen Form gesprochen. In diesem Fall sollte mit einer Behandlung eher begonnen werden.
Komplikationen
Nach mehreren Wochen oder Monaten heilt die Erkrankung ohne Behandlung aus und die Sehfähigkeit normalisiert sich wieder. Manchmal finden jedoch schwerere Verläufe statt. Dann sollte eine Therapie erwogen werden. Bei der fotothermischen Therapie wird die Netzhaut mit Wärme behandelt. Wenn die undichte Stelle außerhalb der Makula liegt, kann bei schweren Verläufen eine solche Laserbehandlung erfolgen. Liegt sie dagegen in der Makula selbst, verbietet sich die Behandlung mit Hitze, weil sie dort die Sinneszellen der Stelle schärfsten Sehens zerstören würde; in diesem Fall kommt die photodynamische Therapie in Betracht.
Nach dem Abklingen der Beschwerden kommt es bei einigen Patienten zu Rezidiven. Zur Vermeidung von solchen Rückfällen sollte auf das Rauchen und die Einnahme von kortisonhaltigen Medikamenten verzichtet werden. Kortisonhaltige Medikamente dürfen allerdings niemals eigenmächtig abgesetzt werden – ob und wodurch sie ersetzt werden können, entscheidet der behandelnde Arzt. Auch die Reduktion von Stress fördert die vollständige Heilung.
Besteht die Flüssigkeitsansammlung dagegen über viele Monate oder kehrt sie immer wieder, kann das darunterliegende Pigmentepithel dauerhaft Schaden nehmen. Dann bleiben eine verminderte Sehschärfe, ein blasseres Farbsehen oder verzerrtes Sehen zurück.
Meist sind ehrgeizige und ungeduldige junge Männer betroffen, die jedoch von der plötzlichen Sehstörung so verunsichert sind, dass sie unter Umständen auch psychologische Unterstützung benötigen. Im Rahmen der Psychotherapie kann besprochen werden, wie im konkreten Fall ein Stressabbau erreichbar ist.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Eine Retinopathia centralis serosa sollte immer von einem Arzt untersucht werden. Zwar heilt sie in den meisten Fällen von selbst wieder ab, doch lässt sich ohne augenärztliche Untersuchung nicht klären, ob wirklich sie die Ursache der Beschwerden ist und nicht eine gefährlichere Netzhauterkrankung. Bleibt die Flüssigkeitsansammlung über Monate bestehen, kann sie zu starken Einschränkungen und Beschwerden im Alltag führen. Ein Arzt ist dabei dann aufzusuchen, wenn der Patient unter einem gestörten Blickfeld leidet. Dabei kann es zum Auftreten eines schwarzen oder grauen Punktes im Blickfeld kommen, sodass der Betroffene Gegenstände nicht mehr richtig erkennen kann.
Weiterhin deutet auch eine plötzliche Weitsichtigkeit auf die Retinopathia centralis serosa hin und muss dann untersucht werden, wenn sie ohne einen besonderen Grund und relativ plötzlich eintritt. Ebenso kann das Gesichtsfeld von Ausfällen begleitet sein, sodass der Betroffene auch an Störungen der Kontrastwahrnehmung leidet. Viele Patienten können auch Farben durch die Retinopathia centralis serosa nicht mehr richtig erkennen. Sollten diese Beschwerden eintreten, so kann ein Augenarzt aufgesucht werden. In der Regel kann die Retinopathia centralis serosa gut behandelt werden, wenn sie schon früh entdeckt wird.
Erlischt oder verdunkelt sich das Sehen dagegen schlagartig innerhalb von Sekunden oder wenigen Minuten, steckt dahinter keine Retinopathia centralis serosa, sondern eher ein Verschluss eines Netzhautgefäßes. Dabei zählt jede Minute: In diesem Fall wird sofort der Notruf 112 gewählt.
Behandlung & Therapie
Bei der Retinopathia centralis serosa ist in den meisten Fällen keine Therapie erforderlich, da sich die Erkrankung gewöhnlich von selbst zurückbildet. Die Betroffenen erholen sich oftmals innerhalb der nächsten Monate von den Sehstörungen. Hierbei ist lediglich Geduld gefragt. Bei einem schweren Verlauf oder wiederholten Rückfällen sollte eine Behandlung eingeleitet werden.
In diesen Fällen kann eine Laser-Behandlung in Erwägung gezogen werden, die bei diesem Augenleiden sehr häufig zum Einsatz kommt. Die undichte Stelle, die sich in der Aderhaut befindet, wird mit dem Laser verödet. Die Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass hinsichtlich des Quellpunktes eine exzentrische Lage vorliegt.
Die Netzhaut haftet, wenn alles gut verläuft, durch das Laserlicht wieder an ihrem Untergrund. Hierbei kann es zur leichten Narbenbildung kommen, was jedoch unproblematisch ist. Bei manchen Patienten treten allerdings durch ein wiederholtes Abheben der Netzhaut großflächig narbige Veränderungen auf, sodass das Sehvermögen merklich eingeschränkt ist. Auch bei einer Spontanheilung bleiben zum Teil leichte Einschränkungen des Sehvermögens oder der Sehqualität zurück.
Ein weiteres Verfahren, um die Retinopathia centralis serosa zu behandeln, ist die Photodynamische Therapie. Hierbei wird in die Armvene ein lichtempfindliches Medikament gespritzt, das sich innerhalb der nächsten 15 Minuten im gesamten Körper verteilt, was auch für die Gefäße der Aderhaut gilt. Das Medikament wird durch eine Laserbestrahlung gezielt aktiviert und das undichte Blutgefäß verschlossen.
Vorbeugung
Um das Auftreten der Retinopathia centralis serosa zu vermeiden, sollte die Stressbelastung zurückgefahren werden. Hilfreich sind auch Entspannungsverfahren wie Qi Gong und Autogenes Training. Dies trägt zum Ausgleich und einer optimalen Work-Life-Balance bei. Es ist stets wichtig, sich bewusst zu machen, wie sich Stress auf den Körper auswirkt. Auch Sport ist hilfreich, denn Bewegung stärkt das Immunsystem und fördert den Abbau von Stresshormonen, die im Verdacht stehen, die Retinopathia centralis serosa auszulösen.
Nachsorge
Anders als bei ähnlichen Augenkrankheiten führt eine Retinopathia centralis serosa nicht zur vollkommenen Erblindung. Auch ohne augenärztliche Therapie kann die Retinopathia centralis serosa eigenständig abheilen. Bleiben die Beschwerden bestehen, sollte man eine gezielte Behandlung erwägen. Die Symptome können einige Wochen oder Monate anhalten.
Ein Besuch beim Augenarzt ist dennoch ratsam, im Zuge der Nachsorge soll der Zustand nach der Therapie erhalten bleiben. Mittel- bis langfristiges Ziel ist das Vermeiden eines Rückfalls, der Patient soll dauerhaft beschwerdefrei leben. Als Behandlungsmöglichkeiten stehen die Laserbehandlung und die photodynamische Therapie zur Verfügung. Bei der Nachsorge wird der Heilungsfortschritt kontrolliert.
Ist eine Operation am Auge erfolgt, greift die bekannte postoperative Nachkontrolle. Sie endet mit der Entlassung aus der Klinik. Konnte mit entsprechender Medizin die gewünschte Wirkung erzielt werden, stellt der Facharzt die Therapie ein und setzt die Nachsorge an. In regelmäßigen Abständen wird auch nach einer OP der Zustand der Augen überprüft.
Bei einem Wiederkehren der Symptome fängt die Behandlung erneut an. Auch der Patient kann im Rahmen der Nachsorge seinen Anteil beitragen, indem er sich gesund ernährt und die Kontrolltermine wahrnimmt. Von übermäßigem Alkohol- und Nikotinkonsum sollte hingegen Abstand genommen werden. Der vollständige Verzicht auf diese Genussmittel wäre ideal.
Das können Sie selbst tun
Die Retinopathia centralis serosa entsteht häufig im Zusammenhang mit einem stressigen Arbeitsalltag. Darum ist es hilfreich, wenn die Betroffenen ihren Belastungspegel senken. Körperliche Entspannung und auch geistige Übungen wie Meditation können helfen, die Sehprobleme zu verringern. Auf alle Fälle gilt es, bei auftretenden Problemen zügig einen Augenarzt aufzusuchen.
Nach der Untersuchung und den Therapieempfehlungen können die Betroffenen selbst etwas tun, um sich das alltägliche Leben zu erleichtern. Ruhepausen schonen nicht nur die Augen, sondern den gesamten Organismus. Durch die richtige Entspannung bilden sich die Symptome meistens wieder ohne Medikation zurück. Eventuell schlägt der Arzt aber auch einen speziellen Therapieansatz vor. Dieser richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung und nach der individuellen Situation der Patienten. Neben einer gesunden Lebensweise mit nährstoffreichem Essen und genug Bewegung hilft es, den Stress zu reduzieren und auf Genussmittel wie Nikotin und Alkohol zu verzichten.
Auch cortisonhaltige Medikamente gelten als Auslöser für die Augenerkrankung. In Absprache mit dem Arzt ist zu überlegen, ob es sinnvoll ist, bestimmte Medikamente gegen chronische Krankheiten abzusetzen. Das könnte die Selbstheilung unterstützen, allerdings sind dabei auch die anderen eventuell vorhandenen Beschwerden zu berücksichtigen.
Quellen
- Grehn, F.: Augenheilkunde.
ISBN: 9783662591536
- Lang, G. K., Lang, S. J. (Hrsg.): Augenheilkunde.
ISBN: 9783132454446
- Pfeiffer, N., Cursiefen, C., Holz, F. G., et al. (Hrsg.): Die Augenheilkunde.
ISBN: 9783662658239
- Salmon, J. F., Wolf, A. (Hrsg.): Kanskis Klinische Ophthalmologie.
ISBN: 9783437234859
- Kampik, A., Grehn, F. (Hrsg.): Augenärztliche Differenzialdiagnose.
ISBN: 9783132422353
