Rolando-Epilepsie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 22. August 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Bei der Rolando-Epilepsie handelt es sich um eine Form der Epilepsie, die bei kindlichen Patienten vorkommt. Die Erkrankung wird auch mit den Synonymen rolandische Epilepsie oder BCECTS bezeichnet. Grundsätzlich stellt die Krankheit die am häufigsten auftretende Form der Epilepsie bei Kindern dar.
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Was ist eine Rolando-Epilepsie?
Prinzipiell ist die Rolando-Epilepsie eine gutartige Epilepsie bei Kindern.
Die Epilepsie ist partieller Natur und zeigt sich im überwiegenden Teil der Fälle im Zeitraum zwischen dem dritten und zwölften Lebensjahr.
Die Rolando-Epilepsie macht circa ein Fünftel aller Epilepsien bei kindlichen Patienten aus. Dabei zeigen Beobachtungen, dass die Erkrankung bei männlichen Patienten öfter vorkommt als bei weiblichen.
In der aktuellen Klassifikation der Internationalen Liga gegen Epilepsie wird die Erkrankung als selbstlimitierende Epilepsie mit zentrotemporalen Spikes (SeLECTS) bezeichnet. Die ältere Abkürzung BCECTS meint dieselbe Erkrankung. Der Begriff „selbstlimitierend“ beschreibt dabei den entscheidenden Punkt: Die Anfälle hören in aller Regel bis zur Pubertät von selbst wieder auf.
Was die Rolando-Epilepsie verursacht, ist noch nicht abschließend geklärt. Vermutet wird eine genetische Disposition.
Außenstehende sollten in einer Anfallssituation versuchen, ruhig zu bleiben, und, wenn nötig, Hilfe rufen.
Ursachen
Bisher ist die Art der Vererbung des genetischen Defekts allerdings noch nicht ausreichend erforscht. So zeigt sich, dass nahezu 90 Prozent aller Personen mit dem entsprechenden Gen keine Symptome der Rolando-Epilepsie aufweisen. Jedoch sind im Rahmen von EEG-Untersuchungen Anomalien nachweisbar. Prinzipiell liegen bezüglich der Ursachen der Rolando-Epilepsie aktuell ausschließlich Vermutungen vor, aber noch keine gesicherten Erkenntnisse.
Die Anfälle gehen bei der Rolando-Epilepsie von einem umschriebenen Bereich der Hirnrinde aus, der Zentralregion rund um die Rolando-Furche; daher der Name und daher die Einordnung als partielle (fokale) Epilepsie. Eine sichtbare Schädigung des Gehirns findet sich dabei nicht, die Bildgebung ist in der Regel unauffällig. Eine konkrete Ursache ist bisher aber noch nicht identifizierbar. Allerdings wird von zahlreichen Medizinern und Forschern vermutet, dass die Rolando-Epilepsie eine genetische Komponente aufweist.
Zum Teil wird davon ausgegangen, dass sich Nervenzellen der betroffenen Personen verändern, sodass die Rolando-Epilepsie entsteht. Denn die entsprechenden Veränderungen der Zellen bewirken eine gesteigerte Erregbarkeit. In der Folge davon erhöht sich das Risiko für epileptische Krampfanfälle.
Symptome, Beschwerden & Anzeichen
Im Zusammenhang mit der Rolando-Epilepsie zeigen sich unterschiedliche Beschwerden. Diese variieren hinsichtlich ihrer Erscheinung mitunter leicht bei den betroffenen Personen. In der Regel leiden die Patienten an Irritationen der Muskulatur des Gesichts. Dabei treten gehäuft Zuckungen in der Mimik auf. Außerdem sind spezielle Parästhesien typisch für die Erkrankung. Die an der Rolando-Epilepsie erkrankten Patienten verlieren während eines Anfalls meist die Fähigkeit zu sprechen und zu schlucken.
Es wird übermäßig viel Speichel produziert. Diese Beschwerden dominieren vor allem dann, wenn die betroffene Person schläft. Möglich ist es zudem, dass sich die Symptome auch auf die Gliedmaßen ausweiten. Grundsätzlich ist die Frequenz der epileptischen Krampfanfälle relativ niedrig. Kennzeichnend für die Rolando-Epilepsie sind in erster Linie sogenannte myoklonische oder klonische Epilepsieattacken.
Die Anfälle fangen oft mit einem kribbelnden oder tauben Gefühl im Bereich des Mundraums an. Dabei sind Lippen, Zunge und Zahnfleisch von den Beschwerden eingeschlossen. Anschließend verkrampfen sich die entsprechenden Bereiche des Gesichts auf einer Seite. Wenn die Schluckmuskulatur beteiligt ist, kommt es zu einer erhöhten Speichelproduktion und Störungen beim Schlucken.
Während der Anfälle geben einige Patienten grunzende Geräusche von sich oder knirschen mit den Zähnen. Das Bewusstsein ist meist nicht getrübt. Mitunter erwecken die Anfälle jedoch den Anschein, da die Personen nicht mehr in der Lage sind zu sprechen. Bei kleinen Kindern weiten sich die Zuckungen oft auf einen Arm oder sämtliche Gliedmaßen auf einer Körperhälfte aus.
Diagnose & Krankheitsverlauf
Bei charakteristischen Beschwerden der Rolando-Epilepsie ist ein Arzt zu konsultieren, der die jeweils vorliegenden Symptome genauer untersucht und eine Diagnose stellt. Für die betroffenen Patienten ist meist der Kinderarzt als erster Ansprechpartner geeignet. Dieser wird das Kind in der Regel an einen Spezialisten weiterleiten.
Zunächst findet das Patientengespräch statt, bei dem die Sorgeberechtigen des Patienten eine wichtige Rolle spielen. Im Rahmen der Anamnese werden die Symptomatik, die Lebensumstände und Vorerkrankungen sowie familiäre Dispositionen der Person abgeklärt. In einem zweiten Schritt kommen diverse Techniken der Untersuchung zum Einsatz.
Hier spielt insbesondere die EEG-Untersuchung eine bedeutende Rolle. Dabei sind pathologische Spikes in einem bestimmten Bereich des Gehirns nachweisbar, die relativ eindeutig auf die Krankheit verweisen. Mitunter wird das EEG im Schlaf durchgeführt, da sich bei einigen Patienten lediglich in dieser Phase Symptome der Rolando-Epilepsie zeigen.
Komplikationen
Im Zusammenhang mit der Rolando-Epilepsie können eine Reihe von körperlichen und geistigen Komplikationen auftreten. Die gehäuft auftretenden Zuckungen entwickeln sich mitunter zu schweren Krampfanfällen, die für den Betroffenen mit Schmerzen und einer erhöhten Unfallgefahr verbunden sind. Eine übermäßige Speichelproduktion kann zu Aspiration und im schwersten Fall auch zu Atemnot und der Gefahr des Erstickens führen.
Die Anfälle wirken sich langfristig auf die psychische Verfassung des Betroffenen aus. Vereinzelt entwickeln sich Ängste, die einer Behandlung bedürfen. Häufiger als seelische Folgen sind vorübergehende Schwierigkeiten mit Sprache, Aufmerksamkeit und Lernen, die sich mit dem Verschwinden der Anfälle meist zurückbilden. Auch Minderwertigkeitskomplexe treten im Zusammenhang mit der Rolando-Epilepsie vermehrt auf. Zuletzt kann es auch zu Erkrankungen der Zähne kommen, da das wiederholte Knirschen eine enorme Belastung für den Zahnhalteapparat darstellt.
Die Behandlung verläuft meist ohne größere Komplikationen. Jedoch können sich nach der Einnahme von Antikonvulsiva und anderen Medikamenten Neben- und Wechselwirkungen einstellen. Typisch sind Kopf-, Glieder- und Muskelschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden und Hautirritationen wie Juckreiz und Rötungen. Auch allergische Reaktionen können auftreten. Kinder und vorerkrankte Personen sind besonders anfällig für Herz-Kreislauf-Beschwerden und anderweitige Wechselwirkungen. Der Wirkstoff Carbamazepin kann bei einigen Patienten zu einer Zunahme der Beschwerden führen.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Die Rolando-Epilepsie muss immer durch einen Arzt abgeklärt werden. Die Anfälle hören zwar in aller Regel bis zur Pubertät von selbst wieder auf, doch muss die Diagnose zunächst gesichert und die Erkrankung von anderen, ungünstiger verlaufenden Epilepsieformen abgegrenzt werden. Je früher die Beschwerden erkannt werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit eines positiven Krankheitsverlaufes. Ein Arzt ist dann aufzusuchen, wenn das Kind an unwillkürlichen Zuckungen leidet. Dabei kann auch das Sprechen oder das Schlucken dem Kind sehr schwer fallen, da auch übermäßig viel Speichel produziert wird.
Treten diese Beschwerden auf, so muss auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden. Weiterhin deuten natürlich auch epileptische Anfälle auf die Rolando-Epilepsie hin und sollten durch einen Arzt untersucht werden. Ein Kribbeln im Arm oder Taubheitsgefühle an verschiedenen Regionen des Körpers deuten häufig ebenfalls auf die Rolando-Epilepsie hin und müssen durch einen Arzt untersucht werden. In erster Linie kann dabei ein Allgemeinarzt aufgesucht werden. Beim ersten Anfall ist immer der Notarzt zu rufen.
Ein Krampfanfall wird zum Notfall, bei dem Minuten zählen, wenn er zum ersten Mal auftritt, wenn er länger als fünf Minuten dauert, wenn sich unmittelbar ein weiterer Anfall anschließt oder wenn das Kind danach nicht wieder zu Bewusstsein kommt. In diesen Fällen ist sofort über den Notruf 112 der Rettungsdienst zu alarmieren. Dasselbe gilt bei Atemnot, bei blau verfärbten Lippen und nach einer Verletzung während des Anfalls.
Behandlung & Therapie
Die Rolando-Epilepsie wird, wenn eine Behandlung überhaupt nötig ist, in erster Linie medikamentös therapiert. Dabei kommt der Wirkstoff Sultiam am häufigsten zur Anwendung. Er wird in Abstimmung mit der Häufigkeit der epileptischen Anfälle verabreicht. Die Prognose der Rolando-Epilepsie steht generell sehr gut. Denn die Krampfanfälle hören in der Regel ab der Pubertät auf. Aus diesem Grund sind therapeutische Maßnahmen nur nötig, wenn die Beschwerden besonders stark sind. Nicht jedes Kind mit einer Rolando-Epilepsie braucht also eine medikamentöse Dauerbehandlung; bei seltenen und milden Anfällen kann auch abgewartet und der Verlauf ärztlich kontrolliert werden.
Dazu eignen sich diverse Antikonvulsiva wie zum Beispiel Valproinsäure oder Clobazam. Hingegen zeigen Beobachtungen, dass sich der Wirkstoff Carbamazepin bei einigen Patienten weniger vorteilhaft auf die Beschwerden auswirkt. Aus diesem Grund stellen die anderen Medikamente die bevorzugten Mittel dar.
Vorbeugung
Bisher sind die exakten Ursachen der Rolando-Epilepsie noch überwiegend unklar, sodass keine gesicherten Hinweise bezüglich der Prävention möglich sind.
Nachsorge
Die Nachsorge bei der Rolando-Epilepsie setzt voraus, dass beim betroffenen Kind oder Jugendlichen alle Anfallsformen und deren Häufigkeit abschließend diagnostiziert sind. Denn behandlungsbedürftig und für Nachsorgeuntersuchungen relevant ist grundsätzlich der generalisierte Epilepsie-Anfall (Grand-mal-Anfall). Der Grand-mal-Anfall erscheint zuerst als Ohnmacht des Betroffenen.
Der Ohnmacht folgen dann Muskelzuckungen, Schaum vor dem Mund sowie Verfärbungen von Gesicht und Mund. Kleinere fokale Anfälle (Muskelkrämpfe und Muskelzuckungen) oder temporäre Lähmungen einzelner Körperteile bedürfen nicht der Nachsorge. Diese Anfallsformen verlieren sich bei der Rolando-Epilepsie in der Regel bis zur Pubertät von selbst. Ärztlich empfohlen ist, den Ausheilprozess mit regelmäßigen Untersuchungen im Elektroenzephalogramm (EEG) zu begleiten.
Bei kleineren fokalen Anfällen lässt sich der Anfall selbst im EEG allerdings oft nicht erfassen, weil er nur kurz dauert und meist im Schlaf auftritt; die typischen Spikes bleiben dagegen auch zwischen den Anfällen nachweisbar. Die Aufgabe der Nachsorge obliegt hier eher dem sozialen Umfeld des betroffenen Kindes oder Jugendlichen. Für Kontrolluntersuchungen und weitergehende ärztliche Behandlungen sind Art und Häufigkeit der weiteren Anfälle zu notieren.
Die Anfallsform Grand mal hingegen erfordert intensive ärztliche Nachsorgeuntersuchungen. Ziel der Nachsorge ist die Anfallsfreiheit des betroffenen Kindes oder Jugendlichen. Grundsätzlich kann dies medikamentös erreicht werden (Sultiam, Carbamazepin oder Valproinsäure). Dass die Medikation auch im weiteren Verlauf der Erkrankung ausreicht, ist ärztlich durch regelmäßige Untersuchungen im EEG und Blutabnahmen (zur Bestimmung des Medikamentenspiegels) zu überprüfen.
Das können Sie selbst tun
Ist das Kind von der Rolando-Epilepsie betroffen, so kann dies schwere Auswirkungen auf die familiäre Situation haben. Nicht nur die Betroffenen, auch die Angehörigen werden durch das Leiden stark belastet.
Bei einer schweren Erkrankung muss das direkte Umfeld über die Epilepsie aufgeklärt werden. Die Bekannten und Freunde sollten die wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen kennen, damit sie im Falle eines Anfalls die notwendigen Maßnahmen einleiten können. Eine Überbehütung des Kindes gilt es jedoch zu vermeiden. Vor allem mit dem Älterwerden müssen die betroffenen Kinder selbst lernen, mit dem Leiden umzugehen. So können sie die notwendige Selbstständigkeit entwickeln, um später im Erwachsenenalter die richtigen Maßnahmen zu ergreifen.
Bei einem epileptischen Anfall darf das Kind nicht festgehalten werden; die Zuckungen lassen sich nicht unterdrücken, und der Versuch kann zu Verletzungen führen. Ebenso wenig darf etwas in den Mund geschoben werden. Um Verletzungen zu vermeiden, sollten stattdessen scharfkantige Gegenstände entfernt und der Kopf weich gebettet werden. Anschließend gilt es die Kleidung zu lockern und das Kind in die stabile Seitenlage zu bringen. Weil die Betroffenen nach einem Anfall zumeist verwirrt sind, ist ein ruhiger, gelassener Umgang wichtig. Begleitend dazu ist eine ärztliche Überwachung nötig. Da die Rolando-Epilepsie immer wieder zu Anfällen führt, müssen Schutzmaßnahmen im Haushalt installiert werden.
Quellen
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ISBN: 9783837416558
- Schmitt, F. C. (Hrsg.): Epileptische Anfälle und Epilepsien im Erwachsenenalter.
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- Speer, C. P., Gahr, M., Dötsch, J. (Hrsg.): Pädiatrie.
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- Masuhr, K. F., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie.
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