Carbamazepin
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 11. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Carbamazepin wird in der Medizin als Wirkstoff zur Vorbeugung und Behandlung neurologischer Erkrankungen eingesetzt. Vor allem wird es zur Prophylaxe von Krampfanfällen verwendet. Der Wirkstoff wird in Deutschland häufig verordnet.
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Was ist Carbamazepin?
Carbamazepin ist eine Substanz, die als Antikonvulsivum bezeichnet wird. Antikonvulsiva sind Arzneimittel, die zur Behandlung und Vorbeugung epileptischer Anfälle verwendet werden. Chemisch wird es der Klasse der Dibenzazepine zugeordnet. Es ähnelt der Struktur des Stoffes Imipramin.
Synonyme Bezeichnungen für das Carbamazepin sind 5H-Dibenz[b,f]azepin-5-carbamid, 5H-Dibenzo[b,f]azepin-5-carboxamid und Carbamazepinum. Die Summenformel des Stoffes lautet C15H12N2O. Zur Verarbeitung liegt das Carbamazepin als weißes oder fast weißes kristallines Pulver vor. Es ist polymorph, kann also in verschiedenen Erscheinungsformen auftreten. Der Aggregatzustand ist fest. Carbamazepin ist in Wasser sehr schwer löslich. Es ist leicht löslich in Dichlormethan und wenig löslich in Aceton und Ethanol 96%.
Pharmakologische Wirkung
Carbamazepin wird im menschlichen Körper in der Leber metabolisiert. Die Verarbeitung erfolgt über Enzyme des Cytochrom-P450-Systems. Carbamazepin induziert das Enzymsystem. Hauptsächlich wird die Substanz in dem Enzym CYP3A4 verstoffwechselt. Da über das Cytochrom-P450-Enzymsystem zahlreiche Medikamente metabolisiert werden, liegt hier ein mögliches Risiko für die Entstehung von Wechselwirkungen des Carbamazepins mit anderen Arzneimitteln. Weil Carbamazepin dieses Enzymsystem anregt, werden zahlreiche andere Arzneistoffe schneller abgebaut, sodass ihre Wirkung nachlässt. Betroffen sind unter anderem hormonelle Verhütungsmittel, gerinnungshemmende Mittel, Arzneimittel gegen geistig-seelische Erkrankungen und Mittel gegen Viruserkrankungen.
Bei der Verstoffwechselung von Carbamazepin im Körper entsteht als Folgeprodukt Carbamazepin-10,11-Epoxid. Dieser Stoff ist ebenfalls antikonvulsiv wirksam. Er soll jedoch auch für Nebenwirkungen des Medikamentes verantwortlich sein.
Das Epoxid ist nur eines von mehreren bisher identifizierten Abbauprodukten. Der Abbau selbst verläuft mehrstufig: Carbamazepin wird in der Leber mit Sauerstoff versehen, verliert eine Stickstoffgruppe, wird mit Hydroxylgruppen ausgestattet und schließlich an Glucuronsäure gekoppelt. Der weitaus größte Teil der aufgenommenen Menge verlässt den Körper anschließend in Form dieser Abbauprodukte über die Nieren; nur ein kleiner Rest wird unverändert ausgeschieden, ein weiterer Teil über den Stuhl.
Eine Besonderheit betrifft die Verweildauer im Körper. Nach einer einmaligen Einnahme dauert es verhältnismäßig lange, bis die Hälfte des Wirkstoffs abgebaut ist. Unter einer Dauerbehandlung verkürzt sich dieser Zeitraum jedoch erheblich, weil Carbamazepin die für seinen eigenen Abbau zuständigen Leberenzyme anregt. Der Wirkstoff beschleunigt also seinen eigenen Abbau. Wird er zusammen mit anderen Mitteln gegen Anfallsleiden gegeben, verkürzt sich die Verweildauer zusätzlich. Aus diesem Verhalten erklärt sich, warum die benötigte Menge im Verlauf einer Behandlung angepasst werden muss und warum die Bestimmung des Wirkstoffspiegels im Blut zur Steuerung der Behandlung gehört.
An Bluteiweiße bindet sich der größere Teil des Wirkstoffs. Die Aufnahme aus dem Verdauungstrakt ist langsam, aber nahezu vollständig; zwischen der Menge, die eingenommen wird, und dem Spiegel, der sich im Blut einstellt, besteht dabei kein einfacher geradliniger Zusammenhang.
Medizinische Anwendung & Verwendung
In der Medizin wird Carbamazepin als Medikament zur Behandlung unterschiedlicher neurologischer Erkrankungen eingesetzt. Es ist in Deutschland rezeptpflichtig. Der Wirkstoff wird zur Behandlung und Vorbeugung verschiedener Formen der Epilepsie angewendet. Er wird bei fokalen Anfällen eingesetzt. Dabei handelt es sich um Krampfanfälle, die von einem umschriebenen Bereich des Gehirns ausgehen. Mit Carbamazepin werden sowohl einfache partielle (ohne Bewusstlosigkeit) als auch komplexe partielle Anfälle (mit Bewusstlosigkeit) therapiert. Generalisierte epileptische Anfälle betreffen beide Gehirnhälften. Auch bei diesen wird Carbamazepin eingesetzt, vor allem wenn sie ursprünglich von einem umschriebenen Gebiet des Gehirns ausgehen. Ebenso findet der Wirkstoff bei gemischten Epilepsieformen Anwendung. Bei Absencen, also kurzen Bewusstseinstrübungen, soll Carbamazepin dagegen nicht angewendet werden: Es kann solche Anfallsformen hervorrufen oder bestehende verstärken.
Ein weiteres Einsatzgebiet des Medikamentes ist die Trigeminus-Neuralgie. Dabei handelt es sich um anfallsartig auftretenden Gesichtsschmerz, der vom Gesichtsnerven Nervus trigeminus ausgeht. Bei der Glossopharyngeus-Neuralgie leiden die Patienten unter Schmerzen im Rachenraum. Auch diese Erkrankung kann mit Carbamazepin therapiert werden.
Die diabetische Polyneuropathie ist eine Folgeerkrankung der Zuckerkrankheit und ein weiteres Einsatzgebiet des Wirkstoffes. Carbamazepin wird auch gegen Symptome bei Multipler Sklerose wie Missempfindungen, Schmerzen, Sprech- oder Bewegungsstörungen verwendet.
Ein weiterer Einsatzbereich ist die Verhütung epileptischer Anfälle im Rahmen des Alkoholentzugs. Bei manisch-depressiven Erkrankungen wird der Wirkstoff benutzt, um Phasen der Krankheit vorzubeugen. Dort kommt er allerdings erst zum Zuge, wenn eine Behandlung mit Lithium versagt hat, unter Lithium rasche Phasenwechsel auftraten oder Lithium nicht gegeben werden darf.
Carbamazepin liegt in Tablettenform vor, daneben als Retardtablette mit verzögerter Freisetzung. Abhängig von der Dosis und Darreichungsform kann es bei Erwachsenen und Kindern angewendet werden.
Risiken & Nebenwirkungen
Die Einnahme von Carbamazepin kann zu Blutbildveränderungen führen, die meist harmlos sind. Sehr selten sind auch schwere Verläufe möglich. Durch den Wirkstoff können Wassereinlagerungen im Gewebe entstehen. Laborparameter wie Elektrolyte, Leber- oder Schilddrüsenwerte können verändert sein. Wirkungen der Substanz auf das Herz-Kreislauf-System mit Herzrhythmusstörungen und Beeinflussung des Blutdruckes können auftreten.
Zu Wechselwirkungen des Medikamentes kann es bei gleichzeitiger Einnahme zahlreicher anderer Mittel kommen, keineswegs nur neurologisch wirksamer. Der gleichzeitige Konsum von Grapefruitsaft und Carbamazepin kann den Plasmaspiegel des Wirkstoffes, also seine Konzentration im Blut, erhöhen und dadurch Nebenwirkungen begünstigen. Das Mittel sollte niemals zusammen mit Alkohol genommen werden.
Nicht eingenommen werden darf Carbamazepin bei einer Überleitungsstörung des Herzens (atrioventrikulärer Block), bei einer Schädigung des Knochenmarks oder einer Störung der Blutbildung in der Vorgeschichte, bei bestimmten erblichen Stoffwechseldefekten aus der Gruppe der Porphyrien sowie bei gleichzeitiger Behandlung mit MAO-Hemmern oder mit Voriconazol.
Während einer Schwangerschaft kann Carbamazepin das ungeborene Kind schädigen. Frauen im gebärfähigen Alter wenden deshalb während der Behandlung und noch zwei Wochen darüber hinaus eine zuverlässige Verhütungsmethode an; da Carbamazepin die Wirkung hormoneller Verhütungsmittel abschwächt, wird die geeignete Methode ärztlich abgestimmt.
Die Gebrauchsinformation ordnet die unerwünschten Wirkungen nach Häufigkeitskategorien. Sehr häufig, also bei mehr als einem von zehn Behandelten, treten Veränderungen der weißen Blutkörperchen auf, ferner Schwindel, eine Störung der Bewegungsabläufe, Schläfrigkeit und Erschöpfung, Übelkeit und Erbrechen, ein für gewöhnlich klinisch unbedeutender Anstieg eines Leberwertes sowie allergische Hautreaktionen mit und ohne Fieber. Häufig sind Wassereinlagerungen im Gewebe, eine verringerte Flüssigkeitsausscheidung, eine Gewichtszunahme, Kopfschmerzen, Doppelbilder, Störungen der Naheinstellung des Auges, Appetitlosigkeit und Mundtrockenheit.
Von besonderer praktischer Bedeutung ist eine häufige Nebenwirkung: die Verminderung des Natriumgehalts im Blutserum, fachsprachlich Hyponatriämie. Sie beruht auf einer Wirkung des Carbamazepins, die derjenigen des körpereigenen antidiuretischen Hormons ähnelt, und geht mit einer verringerten Konzentration gelöster Teilchen im Blutplasma einher. In seltenen Fällen kann daraus eine Wasservergiftung entstehen, die sich mit Teilnahmslosigkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Verwirrtheitszuständen und weiteren neurologischen Störungen äußert.
Gelegentlich treten verzögerte Überempfindlichkeitsreaktionen auf, die mehrere Organsysteme zugleich betreffen; dazu gehören Fieber, Hautausschlag, eine Gefäßentzündung, Lymphknotenschwellungen, Gelenkschmerzen und eine Vergrößerung von Leber und Milz. Ebenfalls gelegentlich sind Erregungsleitungsstörungen am Herzen, Blutdruckveränderungen, unwillkürliche Bewegungen und Nierenfunktionsstörungen. Bei älteren Menschen kommen Verwirrtheitszustände und Unruhe hinzu. Selten sind eine Senkung des Folsäurespiegels im Blut, Halluzinationen, depressive oder manische Verstimmungen, verschiedene Formen der Leberentzündung bis hin zum Leberversagen sowie die bereits genannten schweren Hautreaktionen. Sehr selten sind unter anderem eine Aktivierung verborgener Psychosen, Störungen des Knochenstoffwechsels, veränderte Schilddrüsenwerte, erhöhte Prolaktinspiegel und eine Abnahme der Knochendichte mit Knochenbrüchen bei langer Behandlungsdauer.
Für eine Reihe weiterer Ereignisse lässt sich die Häufigkeit aus den vorliegenden Daten nicht abschätzen. Dazu zählen das Wiederaufflammen einer Infektion mit einem Herpesvirus, ein Versagen der Blutbildung im Knochenmark, allergische Kreuzreaktionen mit anderen Mitteln gegen Anfallsleiden, Gedächtnisstörungen, eine Entzündung des Dickdarms sowie zwei schwere Hautreaktionen: der Hautausschlag mit Blutbildveränderungen und Beteiligung des ganzen Körpers, der nach seiner englischen Bezeichnung als DRESS-Syndrom bekannt ist, und die akute generalisierte exanthemische Pustulose. Ebenfalls ohne bezifferbare Häufigkeit sind Stürze infolge von Schwindel, Benommenheit, Blutdruckabfall oder Verwirrtheit sowie ein erhöhter Ammoniakspiegel im Blut, der sich mit Reizbarkeit, Verwirrtheit, Erbrechen und Appetitlosigkeit bemerkbar machen kann.
Viele dieser unerwünschten Wirkungen hängen von der Höhe der Dosis ab und treten vor allem zu Behandlungsbeginn auf. Sie verschwinden dann häufig von selbst oder nach einer vorübergehenden Verringerung der Dosis. Genau darauf beruht die Empfehlung, die Behandlung einschleichend zu beginnen. Bei einer Behandlung mit Carbamazepin allein treten Nebenwirkungen zudem seltener auf als bei einer Kombination mit anderen Mitteln gegen Anfallsleiden.
Bei dieser Darstellung handelt es sich nicht um eine vollständige Beschreibung aller möglichen Neben- und Wechselwirkungen.
Verabreichung & Dosierung
Carbamazepin wird über den Mund eingenommen. Zur Verfügung stehen nicht retardierte Darreichungsformen sowie Retardtabletten, aus denen der Wirkstoff verzögert freigesetzt wird; für Kinder unterhalb eines bestimmten Alters sind ausdrücklich die nicht retardierten Formen wie Tabletten, Saft oder Suspension vorgesehen. Die Tagesmenge wird bei den nicht retardierten Formen in der Regel auf mehrere Einzelgaben verteilt, bei den Retardtabletten auf weniger.
Die Behandlung beginnt einschleichend mit einer niedrigen Anfangsmenge und wird langsam bis zu der Menge gesteigert, die im Einzelfall am besten wirkt. Welche Menge das ist, lässt sich nicht allein aus Alter und Gewicht ableiten, denn zwischen der eingenommenen Menge und dem Wirkstoffspiegel im Blut besteht kein fester Zusammenhang. Die Festlegung erfolgt deshalb unter Bestimmung des Plasmaspiegels. Bei schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bei eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion sowie bei älteren Menschen ist eine niedrigere Dosierung angezeigt.
Die Dauer der Anwendung richtet sich nach dem Anwendungsgebiet. Die Behandlung eines Anfallsleidens ist eine Langzeitbehandlung; eine Verringerung der Dosis und ein Absetzen kommen erst nach längerer Anfallsfreiheit in Betracht und dann nur schrittweise über einen ausgedehnten Zeitraum. Bei den Nervenschmerzen wird die Erhaltungsmenge über einige Wochen weitergeführt und anschließend vorsichtig verringert, um zu prüfen, ob die Beschwerden von selbst abgeklungen sind; treten sie erneut auf, wird mit der ursprünglichen Menge weiterbehandelt. Bei der Anfallsverhütung während der Behandlung eines Alkoholentzugssyndroms ist die Behandlung dagegen von vornherein befristet und unter ausschleichender Dosierung wieder zu beenden. Auch die Vorbeugung von Krankheitsphasen bei einer bipolaren Störung ist eine Langzeitbehandlung, die über einen längeren Zeitraum ausschleichend abgesetzt wird.
In keinem Fall darf Carbamazepin eigenmächtig abgesetzt werden. Ein abruptes Absetzen ohne ärztliche Rücksprache kann Krampfanfälle auslösen; in der Schwangerschaft wäre das für Mutter und Kind gefährlich.
Kontraindikationen
Die erste und grundlegendste Gegenanzeige ist eine Überempfindlichkeit gegen Carbamazepin selbst sowie gegen strukturell verwandte Arzneimittel, insbesondere gegen trizyklische Antidepressiva – zu ihnen gehört das Imipramin, mit dem Carbamazepin strukturverwandt ist.
Von den Gegenanzeigen zu trennen sind die Umstände, unter denen eine Behandlung möglich bleibt, aber besondere Vorsicht verlangt. Dazu zählen Erkrankungen der blutbildenden Organe, ein gestörter Natriumstoffwechsel, Funktionsstörungen von Herz, Leber und Nieren auch in der Vorgeschichte, ein erhöhter Augeninnendruck sowie Beschwerden beim Wasserlassen. Ein eigener Punkt ist die Kreuzempfindlichkeit gegenüber Oxcarbazepin: Wer allergisch auf Carbamazepin reagiert, reagiert nach Angabe der Fachinformation mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 25 bis 30 Prozent auch auf Oxcarbazepin allergisch. Der nächstliegende Ausweichwirkstoff scheidet damit für einen erheblichen Teil der Betroffenen aus.
Ein Hinweis gilt schließlich den Gedanken an Selbstverletzung oder Selbsttötung, über die eine geringe Zahl von Menschen unter der Behandlung mit Mitteln gegen Anfallsleiden berichtet hat. Treten solche Gedanken auf, ist unverzüglich ärztlicher Rat einzuholen.
Für die Schwangerschaft gilt über den bereits genannten Hinweis hinaus ein zweiter Punkt: In der Schwangerschaft kann ein Mangel an Folsäure entstehen, den Mittel gegen Anfallsleiden verstärken können. Da ein solcher Mangel als zusätzlicher Faktor für die Entstehung von Fehlbildungen gilt, kann die Gabe von Folsäure vor und während der Schwangerschaft sinnvoll sein. Beim Neugeborenen besteht außerdem ein Risiko für Blutungsprobleme unmittelbar nach der Geburt, dem vorgebeugt werden kann.
Auch die Stillzeit schließt eine Behandlung nicht aus. Carbamazepin tritt zwar in die Muttermilch über, dennoch ist das Stillen während der Behandlung in der Regel möglich. Der gestillte Säugling sollte jedoch auf unerwünschte Wirkungen hin beobachtet werden; eine schlechte Gewichtszunahme oder ein überhöhtes Schlafbedürfnis sind dem Arzt zu melden.
Alternative Behandlungsmethoden
Welcher Wirkstoff an die Stelle des Carbamazepins treten kann, hängt vom Anwendungsgebiet ab. Bei den fokalen Anfallsleiden, dem Hauptanwendungsgebiet, ist der nächste Verwandte Oxcarbazepin, das aus Carbamazepin entwickelt wurde und dessen Wirkung ohne den Umweg über das aktive Abbauprodukt entfaltet; wegen der oben genannten Kreuzempfindlichkeit kommt es nach einer allergischen Reaktion allerdings nur eingeschränkt in Betracht. Daneben steht eine Reihe neuerer Mittel gegen Anfallsleiden zur Verfügung.
Bei der Trigeminusneuralgie und bei der Neuralgie des Zungen-Rachen-Nervs ist Carbamazepin eigens zugelassen; kommt es wegen einer Unverträglichkeit nicht in Betracht, richtet sich die weitere Behandlung nach der Ursache der Nervenreizung und wird fachärztlich festgelegt. Bei Schmerzen infolge einer diabetischen Polyneuropathie tritt neben die Schmerzbehandlung die Behandlung der Grunderkrankung, also die Einstellung des Blutzuckers.
Bei der Vorbeugung von Krankheitsphasen einer bipolaren Störung ist Carbamazepin ohnehin nicht das erste Mittel. Den Vorrang hat Lithium; erst wenn dessen Anwendung nicht möglich ist oder nicht den gewünschten Erfolg bringt, kommt Carbamazepin zum Zuge. Auch andere Wirkstoffe, die ursprünglich gegen Anfallsleiden entwickelt wurden, werden in dieser Indikation eingesetzt.
Ein Gesichtspunkt, der bei allen diesen Entscheidungen mitspricht, ist die ausgeprägte Neigung des Carbamazepins zu Wechselwirkungen. Weil der Wirkstoff die Leberenzyme anregt, greift er in den Abbau zahlreicher anderer Arzneimittel ein, unter ihnen hormonelle Verhütungsmittel, gerinnungshemmende Mittel, Arzneimittel gegen geistig-seelische Erkrankungen und Mittel gegen Viruserkrankungen. Die Zahl der gleichzeitig eingenommenen Arzneimittel gehört deshalb zu den Umständen, die bei der Auswahl zu bedenken sind.
Quellen
- Berlit, P. (Hrsg.): Klinische Neurologie.
ISBN: 9783662606742
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- Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
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