Schlafkrankheit

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 23. August 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die überwiegend in Afrika auftretende Schlafkrankheit bzw. Trypanosomiasis ist eine Tropenkrankheit, die meist durch den Stich einer infizierten Tsetsefliege übertragen wird. Ohne Behandlung führt die Schlafkrankheit infolge einer Zerstörung des zentralen Nervensystems zum Tod.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Schlafkrankheit?

Schlafkrankheit
Verursacher der Schlafkrankheit ist der Parasit Trypanosoma brucei, übertragen durch einen Biss der Tsetsefliege (Gattung Glossina).
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Die Schlafkrankheit (Trypanosomiasis) ist eine parasitäre Erkrankung von Mensch und Tier, verursacht durch Protozoen der Gattung Trypanosoma brucei. Überträger der Krankheit ist die Tsetsefliege.

Die endemisch verlaufende Schlafkrankheit tritt vor allem südlich der Sahara in mehr als 35 Ländern auf. Für die 1990er Jahre wurde geschätzt, dass jährlich mindestens 100.000 – 300.000 Menschen infiziert wurden. Allein 2008 sind 48.000 Menschen an der Schlafkrankheit gestorben. Diese Zahlen geben den damaligen Stand wieder. Durch die konsequente Bekämpfung der Tsetsefliege und flächendeckende Reihenuntersuchungen ist die Zahl der jährlich gemeldeten Fälle seither drastisch zurückgegangen und liegt inzwischen unter 1.000; die Weltgesundheitsorganisation verfolgt heute das Ziel, die Krankheit ganz zum Verschwinden zu bringen. Der Begriff "Schlafkrankheit" leitet sich von den Symptomen der neurologischen Phase ab:

Verwirrung, reduzierte Koordination und Störung des Schlafzyklus, Anfälle von Müdigkeit mit manischen Phasen, Schlafphasen am Tag und nächtliche Schlaflosigkeit. Ohne Behandlung verläuft die Schlafkrankheit von einem fortschreitenden geistigen Verfall bis hin zum Koma und Tod.

Ursachen

Verursacher der Schlafkrankheit ist der Parasit Trypanosoma brucei, übertragen durch einen Biss der Tsetsefliege (Gattung Glossina). Für die weitere Behandlung ist die Infizierung durch Trypanosoma brucei gambiense und Trypanosoma brucei rhodesiense zu unterscheiden. Die dritte Unterart, Trypanosoma brucei brucei, befällt nur Tiere; im menschlichen Blut wird sie abgetötet. Der westafrikanische Erreger T. b. gambiense verursacht mehr als neun von zehn Erkrankungen und führt zu einem schleichenden, über Monate bis Jahre fortschreitenden Verlauf, während der ostafrikanische T. b. rhodesiense binnen Wochen bis wenigen Monaten zum Tode führen kann. Aussagen über "die Schlafkrankheit" treffen deshalb nicht immer auf beide Formen zu.

Die große, braune Tsetsefliege überträgt dem Wirt mit einem Risiko 1:1.000 während des Blutsaugens metazyklische trypomastigote Zellen ins Hautgewebe. Im Zellzwischenraum wandeln sich die Zellen in die im Blut vermehrungsfähige Form der Parasiten um, die über das Lymphsystem und den Blutkreislauf unter ständiger Vermehrung immer tiefer in den Wirt eindringen.

Weiterhin kann die Schlafkrankheit durch Mutter-Kind-Infektion übertragen werden, wenn die Plazenta befallen ist. Verunreinigte medizinische Geräte oder Bluttransfusionen sowie sexuelle Kontakte können ebenfalls Infektionsquellen der Schlafkrankheit sein.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Schlafkrankheit wird durch den Stich der Tsetse-Fliege übertragen. Es können einige Tage oder auch Wochen vergehen, bis sich die Einstichstelle rötet und zu schmerzen beginnt. Der Fachausdruck hierfür lautet Trypanosomenschanker. Vermehrt finden sich die Einstiche im Bereich von Hals oder Gesicht. Nach dem Einstich kommt es zur Ausbreitung der Keime im ganzen Körper.

Die Lymphknoten schwellen an und es treten Fieberschübe auf. Der Betroffene fühlt sich schlapp und verspürt Kopf- und Gliederschmerzen. Neben Schüttelfrost können auch Nierenbeschwerden auftreten, sofern das Organ befallen ist. Im weiteren Verlauf wird das zentrale Nervensystem befallen.

Die Krankheit verdankt ihren Namen den nun auftretenden Störungen des Schlaf-Wach-Zyklus. Der Patient erleidet Krämpfe und Lähmungen. Die Symptomatik greift auch auf das allgemeine Verhalten über. Die Betroffenen reagieren launisch und reizbar. Im Endstadium der Krankheit fällt der Patient ins Koma. Unbehandelt endet die Schlafkrankheit tödlich.

Es wird in Westafrikanische und Ostafrikanische Schlafkrankheit unterschieden. Die Westafrikanische Form verläuft langsamer und es können Wochen vergehen, bis Symptome auftreten. Bis sich Veränderungen der Persönlichkeit bemerkbar machen, kann es Jahre dauern. Die Ostafrikanische Schlafkrankheit verläuft schneller und aggressiver. Bereits nach Tagen treten die beschriebenen Symptome auf und nach einigen Monaten tritt der Tod durch Organversagen ein.

Diagnose & Verlauf

Nach der Infektion können oft mehrere Monate vergehen, ehe erste Symptome der Schlafkrankheit auftreten. Die Vermehrung der Trypanosomen (hämolymphatische Phase) bringt zunächst Fieberschübe mit sich, Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen und Juckreiz können hinzukommen. In der zweiten Stufe der Schlafkrankheit (neurologische Phase) überwinden die Parasiten die Blut-Hirn-Schranke und befallen das zentrale Nervensystem.

Zu diesem Zeitpunkt sind die Symptome der Schlafkrankheit offensichtlich: Veränderungen des Verhaltens, Verwirrtheit, Wahrnehmungsstörungen und schlechte Koordination. Wichtigstes Merkmal des zweiten Stadiums der Schlafkrankheit ist die Störung des Schlafzyklus.

Nach einer möglichen Infektion (sichtbare Rötung der Haut) kann ein Screening mit mikroskopischen Untersuchungen von Lymphknotenpunktat, Blut oder Knochenmark sowie eine Überprüfung klinischer Symptome (geschwollene Lymphknoten entlang des Halses) durchgeführt werden. Liegt die Schlafkrankheit vor, kann per Liquorpunktion eine Diagnose zum Krankheitsstatus erstellt werden. Für die Suche nach der westafrikanischen Form stehen heute zusätzlich serologische Schnelltests zur Verfügung, die auch ohne Labor eine Verdachtsdiagnose erlauben; der Nachweis der Parasiten unter dem Mikroskop bleibt zur Bestätigung jedoch erforderlich. Für die ostafrikanische Form gibt es keinen solchen Schnelltest, hier führt allein der mikroskopische Nachweis im Blut zum Ziel.

Je früher die Krankheit erkannt wird, desto besser ist die Aussicht auf eine Heilung. Eine Diagnose vor Eintritt der neurologischen Phase kann eine komplizierte und risikoreiche Behandlung der Schlafkrankheit vermeiden.

Komplikationen

Die Schlafkrankheit wird durch einen Stich der Tsetse-Fliege übertragen, wobei der Stich bereits eine sehr schmerzhafte Angelegenheit ist. Natürlich ist die Schlafkrankheit auch mit unterschiedlichen Komplikationen verbunden, die in der Regel immer von einem Arzt behandelt werden sollten. In vielen Fällen tritt unmittelbar nach dem Stich eine starke Schwellung auf.

Dauerhaftes Kühlen der betroffenen Stelle kann dieser Komplikation sehr gut entgegenwirken. Die Schlafkrankheit verläuft schubweise. Das bedeutet, dass sogar eine kurzzeitige Besserung eintreten kann. Dennoch können im Nachhinein diverse Komplikationen auftreten, die dringend eine ärztliche Behandlung erfordern. Häufig tritt in Verbindung mit der Schlafkrankheit eine erhöhte Temperatur auf, die für ein allgemeines Unwohlsein sorgen kann. Hinzu können Lymphknotenschwellungen, Gliederschmerzen und Kopfschmerzen kommen.

Wenn bei diesen Symptomen kein entsprechender Arzt aufgesucht wird, dann ist definitiv mit weiteren Komplikationen zu rechnen. Die erhöhte Temperatur kann sich zu sehr starkem Fieber entwickeln. Die Parasiten breiten sich im gesamten Körper aus, sodass es zu einer schweren Infektion kommen kann. Generell gilt: Wer mögliche Komplikationen bei einer Schlafkrankheit vermeiden möchte, der sollte frühzeitig auf eine ärztliche und medikamentöse Behandlung zurückgreifen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Die Schlafkrankheit ist in Europa eine reine Reiseerkrankung: Sie tritt praktisch nur nach einem Aufenthalt in den Endemiegebieten südlich der Sahara auf. Wer nach einer solchen Reise Fieber entwickelt, muss deshalb ärztlich abgeklärt werden – und sollte dabei von sich aus auf Reiseziel und Reisezeitraum hinweisen, weil die Krankheit hierzulande selten ist und sonst leicht übersehen wird. Das gilt auch dann noch, wenn die Reise bereits Monate zurückliegt, denn die westafrikanische Form kann sehr lange unauffällig bleiben.

Besonders verdächtig ist eine geschwollene, schmerzhafte Stelle dort, wo eine Fliege gestochen hat (Trypanosomenschanker), vor allem in Verbindung mit wiederkehrenden Fieberschüben, geschwollenen Lymphknoten am Hals, Kopf- und Gliederschmerzen oder Juckreiz. Anlaufstelle ist eine tropenmedizinische Einrichtung; die Behandlung selbst erfolgt stationär. Je früher die Diagnose gestellt wird, desto einfacher und risikoärmer ist die Therapie.

Ein Notfall liegt vor, wenn sich Zeichen eines Befalls des zentralen Nervensystems zeigen. Wird der Betroffene zunehmend verwirrt, ist er nur noch schwer oder gar nicht mehr erweckbar, treten Krampfanfälle oder Lähmungen auf, zählen Minuten: Dann ist sofort der Notruf 112 zu wählen. Unbehandelt führen diese Zeichen über das Koma zum Tod.

Behandlung & Therapie

Die ausschließlich medikamentöse Art der stationären Behandlung hängt vom Stadium der Schlafkrankheit ab. Die Medikamente der ersten Behandlungsstufe weisen eine geringere Toxizität auf und sind einfacher zu handhaben. Trotz nicht unerheblicher Nebenwirkungen ist das intravenös oder intramuskulär eingesetzte Pentamidin (Tb gambiense) im Allgemeinen gut verträglich.

Der intravenös verwendete Wirkstoff Suramin (Tb rhodesiense) kann Nebenwirkungen auf die Harnwege oder allergische Reaktionen hervorrufen. Die derzeitige Standardtherapie für die zweite Stufe (neurologische Phase) der Schlafkrankheit ist die tägliche intravenöse Verabreichung von 2,2 mg/kg Körpergewicht Melarsoprol über 12 aufeinander folgende Tage, was jedoch erhebliche Nebenwirkungen auslösen kann - schlimmstenfalls eine tödlich verlaufende Enzephalopathie.

Das neuere Medikament Eflornithin (Tb gambiense) - aufgrund der arbeitsintensiven Verabreichung und der Kostenintensität bisher nur als alternative Behandlung der Schlafkrankheit eingesetzt - ist verträglicher und sehr erfolgreich. Die seit 2009 zur Behandlung der Schlafkrankheit eingeführte Kombinationsbehandlung von Nifurtimox und Eflornithin vereinfacht den Einsatz von Eflornithin gegenüber der Monotherapie zusätzlich.

Die Reihenfolge dieser Mittel hat sich inzwischen verschoben. Melarsoprol ist heute keine Standardtherapie der westafrikanischen Form mehr, sondern bleibt wegen seiner schweren Nebenwirkungen im Wesentlichen der zweiten Stufe der ostafrikanischen Form vorbehalten. Bei der westafrikanischen Form ist an seine Stelle die genannte Kombination aus Nifurtimox und Eflornithin getreten. Seit 2019 steht mit Fexinidazol zudem ein Wirkstoff zur Verfügung, der als Tablette eingenommen wird und je nach Stadium beide Phasen der westafrikanischen Form abdecken kann. Er ist damit eine Alternative zur Kombinationsbehandlung, keine Ergänzung dazu, und macht bei einem Teil der Erkrankten die stationäre Infusionsbehandlung entbehrlich. Welches Mittel im Einzelfall gewählt wird, hängt von Erregerform, Stadium und Allgemeinzustand ab.


Vorbeugung

Derzeit gibt es zur Vermeidung einer Infektion mit der Schlafkrankheit keinen Impfstoff oder vorbeugende Medikamente. Zwar wurde früher eine vorbeugende Verabreichung von Pentamidin erprobt, was jedoch medizinisch umstritten war und heute nicht mehr empfohlen wird. Reisenden empfiehlt sich daher eine Vermeidung von Insektenstichen durch helle und den Körper vollständig bedeckende Bekleidung sowie der Einsatz von Insektennetzen.

Nachsorge

Mit dem Ende der medikamentösen Behandlung ist die Schlafkrankheit noch nicht abgeschlossen. Ein Rückfall kann noch Monate bis Jahre später auftreten, weshalb sich an die Therapie eine mehrjährige Verlaufskontrolle anschließt. Üblich sind Untersuchungen über etwa zwei Jahre, bei denen in festgelegten Abständen das Blut und – wenn das zentrale Nervensystem befallen war – auch das Nervenwasser überprüft wird.

Finden sich dabei erneut Parasiten oder steigt die Zahl der weißen Blutkörperchen im Nervenwasser wieder an, muss die Behandlung wiederholt werden. Betroffene sollten die Untersuchungstermine deshalb auch dann wahrnehmen, wenn sie sich längst wieder gesund fühlen. Eine durchgemachte Erkrankung schützt zudem nicht vor einer erneuten Infektion; bei weiteren Reisen in ein Endemiegebiet gelten die Schutzmaßnahmen unverändert.

Nach einem Befall des zentralen Nervensystems können Beschwerden zurückbleiben. Dazu zählen Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, eine anhaltende Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus, Bewegungsstörungen sowie Wesensveränderungen. In diesen Fällen sind neurologische Verlaufskontrollen und gegebenenfalls eine Rehabilitationsbehandlung sinnvoll. Auch die eingesetzten Medikamente können Nachwirkungen hinterlassen, die ärztlich beobachtet werden müssen.

Das können Sie selbst tun

Die Schlafkrankheit lässt sich nicht in Eigenregie behandeln. Ohne die im Krankenhaus verabreichten Medikamente verläuft sie tödlich, und kein Hausmittel und kein rezeptfreies Präparat kann diese Behandlung ersetzen oder aufschieben. Der eigene Beitrag liegt deshalb vor allem davor: beim Vermeiden von Stichen und beim raschen Handeln nach der Rückkehr.

Tsetsefliegen sind tagaktiv und stechen auch durch dünne Stoffe hindurch. Sinnvoll ist daher feste, langärmelige Kleidung in hellen Farben, denn dunkelblaue und schwarze Farbtöne ziehen die Fliegen besonders an. Übliche Insektenschutzmittel auf der Haut wirken gegen Tsetsefliegen nur begrenzt und ersetzen die Kleidung nicht. Dichtes Gebüsch an Flussufern sollte gemieden werden, ebenso das Aussteigen aus Fahrzeugen an staubigen Pisten, da aufgewirbelter Staub die Fliegen anlockt.

Wer aus einem Endemiegebiet zurückkehrt, sollte sich Reiseziel und Reisezeitraum notieren und bei Fieber, einer geschwollenen Einstichstelle oder Veränderungen des Schlafs nicht abwarten, sondern zügig eine tropenmedizinische Sprechstunde aufsuchen. Angehörige können dabei helfen, indem sie auf Wesens- und Verhaltensänderungen achten – Betroffene selbst bemerken diese oft als Letzte.

Während und nach der Behandlung entlasten regelmäßige Mahlzeiten, eine ausreichende Trinkmenge und der Verzicht auf Alkohol den Körper. Die verwendeten Medikamente sind nebenwirkungsreich; wer neue Beschwerden bemerkt, sollte sie dem behandelnden Arzt melden, statt die Einnahme eigenmächtig abzubrechen.

Quellen

  • Löscher, T., Burchard, G. D. (Hrsg.): Tropenmedizin in Klinik und Praxis.
    ISBN: 9783437216428
  • Suttorp, N., Mielke, M., Kiehl, W., Stück, B. (Hrsg.): Infektionskrankheiten.
    ISBN: 9783131585813
  • Lucius, R., Loos-Frank, B.: Biologie von Parasiten.
    ISBN: 9783662548615
  • Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., et al. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
    ISBN: 9783662613849
  • Herold, G.: Innere Medizin 2026.
    ISBN: 9783982116655

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