Schultersteife


Medizinische Qualitätssicherung am 12. April 2019 von Dr. med. Nonnenmacher

Unter dem Begriff Schultersteife oder Steifen Schulter verstehen Mediziner eine Erkrankung, bei der es zu deutlichen Bewegungseinschränkungen und schließlich zur Versteifung des Schultergelenks kommt. Die Symptome sind auf eine Entzündung in der Schulterkapsel zurückzuführen. Bei der Schultersteife handelt es sich um eine selbstlimitierende Krankheit, die nach einiger Zeit von selbst ausheilt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Schultersteife?

Die Schultersteife, auch unter der Bezeichnung Frozen Shoulder (eingefrorene Schulter) bekannt, ist bereits seit dem Jahr 1872 bekannt. Bei diesem eigenständigen Krankheitsbild handelt es sich um eine aktive und passive Versteifung des Schultergelenks.

Diese ist meist von starken Schmerzen begleitet. Betroffen sind in der Regel Männer und Frauen zwischen dem 40. und 70. Lebensjahr, die oftmals bereits an einer Stoffwechselstörung wie Diabetes leiden. Auch bei Herz- und Lungenkranken tritt das Frozen-Shoulder-Syndrom vermehrt auf.

Die Schultersteife heilt nach mehreren Jahren von selbst aus, allerdings bleibt bei einigen Betroffenen ein Bewegungsdefizit zurück, das nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Bisher können Mediziner nicht absehen, wie die Erkrankung verlaufen und wie stark sich die zurückbleibenden Einschränkungen bemerkbar machen werden.

Ursachen

Das Frozen-Shoulder-Syndrom tritt vermehrt nach traumatischen Ursachen auf, so etwa nach einem Knochenbruch im Schulterbereich. Nach einer derartigen Verletzung wird die Schulter meist für die Dauer mehrerer Wochen oder gar Monate geschont, und in der Folge kommt es zu einer Schultersteife.

Dasselbe gilt für Erkrankungen im Bereich der Schulter wie beispielsweise einem Rotatorenmanschettenriss, sowie für den altersbedingten Schulterverschleiß. Auch Infektionen, die zu Schmerzen und einer Schonhaltung führen, können Frozen Shoulders mit sich bringen. In all diesen Fällen sprechen Experten von einer sekundären Schultersteife, da sie auf eine vorhergehende Verletzung oder Erkrankung zurückzuführen sind.

Bei den meisten Betroffenen handelt es sich aber stattdessen um eine primäre Schultersteife, bei der kein klarer Auslöser erkennbar ist. Teilweise tritt diese sogar spontan auf.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine sogenannte Schultersteife ist mit eindeutigen Symptomen verbunden, sodass eine Eigendiagnose durchaus möglich ist. Viele betroffene Personen klagen über einen dumpfen Schmerz, der selbst im Ruhezustand bestehen bleibt. Der gesamte Bewegungsradius der Schulter ist sehr stark eingeschränkt, sodass jede Bewegung sehr stark schmerzt.

Die Schmerzen bei einer Schultersteife beginnen nicht plötzlich, sondern treten viel mehr schleichend auf. Zu Beginn ist lediglich ein leichtes Ziehen im Schulterbereich zu vernehmen. Nach mehreren Tagen breitet sich der Schmerz in der gesamten Schulter aus, sodass die Bewegung erheblich eingeschränkt wird. In besonders schlimmen Fällen tritt eine Rötung auf, die unmittelbar im Bereich der Schulter zu erkennen ist.

In vielen Fällen ist an dieser Stelle die Haut sehr warm, das mit einem dauerhaften Kühlen entgegengewirkt werden kann. Eine Schultersteife wird von starken Schmerzen begleitet, die sich sogar bis in den Arm ausbreiten können. Wer an dieser Stelle auf eine Behandlung durch einen Arzt verzichtet, der muss mit einer erheblichen Verschlimmerung der auftretenden Symptome rechnen.

Wer sich hingegen für eine Behandlung entscheidet, der kann die Schmerzen in der Schulter schnell und effektiv lindern. Nur wer sich für eine ärztliche und medikamentöse Behandlung entscheidet, wird eine vollständige Genesung genießen können.

Diagnose & Verlauf

Die Diagnose ist im Falle von Frozen Shoulders sehr leicht zu stellen. Meist ist es der Betroffene selbst, der aufgrund der eingeschränkten Bewegung und der Schmerzen einen Arzt aufsucht. Ist keine direkte Ursache erkennbar, wird der behandelnde Mediziner ein umfassendes Gespräch mit dem Patienten führen und anschließend bildgebende Verfahren wie eine Ultraschalluntersuchung oder eine Röntgenaufnahme veranlassen.

Diese geben Auskunft über eventuelle Schädigungen, welche die Schultersteife verursachen können. Auch eine Kernspintomografie kann hilfreich sein. Das Frozen-Shoulders-Syndrom gehört zu den selbstlimitierenden Erkrankungen und heilt nach einer gewissen Zeit von alleine aus.

In vielen Fällen bleiben danach Bewegungseinschränkungen von unterschiedlicher Intensität erhalten, die das Leben des Betroffenen unter Umständen deutlich einschränken können. Wie lange das Ausheilen dauert und welche Folgeschäden zurückbleiben, kann beim heutigen Stand der Forschung noch nicht bestimmt werden.

Komplikationen

Bleibt eine Schultersteife über einen längeren Zeitraum unbehandelt, können sich verschiedene Komplikationen wie eine Schulterarthrose oder Krankheitsrückfälle einstellen. In Folge der chronischen Schmerzen kann es zu weiteren Fehlhaltungen und daraus resultierend zu neuen Problemen kommen. Zusätzlich treten oft Schlafstörungen, Gereiztheit und Abgeschlagenheit auf.

Grundsätzlich geht eine Frozen Shoulder mit einer Abnahme des allgemeinen Wohlbefindens und der Lebensqualität des Betroffenen einher. Die eingeschränkte Mobilität führt oft zu einem Rückzug aus dem sozialen Leben – seelische Beschwerden wie depressive Verstimmungen oder Minderwertigkeitskomplexe können die Folge sein. Bei chirurgischen Eingriffen wie der Schlüsselloch-OP sind größere Komplikationen sehr selten.

Mitunter können Infektionen, Wundheilstörungen und Gefäß- oder Nervenverletzungen auftreten. Möglich ist auch eine erneute Verschlechterung der Bewegung sowie der Verbleib einer Reststeife. Die Nebenwirkungen von Schmerzmitteln sind ebenfalls zu beachten. Die typischerweise verordneten Präparate können unter anderem Beschwerden wie Magen-Darm-Probleme, Kopfschmerzen und Hautirritationen hervorrufen.

Liegen anderweitige Erkrankungen vor oder werden weitere Arzneimittel eingenommen, können Wechselwirkungen auftreten. Zuletzt kann auch der unsachgemäße Gebrauch von Naturheilmitteln Probleme hervorrufen. Selbiges gilt für Verfahren wie Akupunktur, Biofeedback oder die Magnettherapie.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei einer Schultersteife sollte immer eine ärztliche Behandlung stattfinden. In den meisten Fällen kommt es bei dieser Krankheit nicht zu einer Selbstheilung, sodass der Betroffene immer auf eine medizinische Behandlung angewiesen ist. Ein Arzt ist dann aufzusuchen, wenn es an den Schultern zu sehr starken Schmerzen kommt. Diese Schmerzen treten auch im Ruhezustand auf und können sich auch negativ auf den Schlaf des Betroffenen auswirken.

Häufig breiten sich die Schmerzen aus den Schultern auch in die benachbarten Regionen des Körpers aus und führen auch dort zu sehr starken Beschwerden. Auch bei einer eingeschränkten Bewegung sollte ein Arzt aufgesucht werden. Weiterhin kann eine warme Stelle auf der Haut an den Schultern auf die Schultersteife hindeuten und sollte untersucht werden, wenn sie nicht wieder von alleine verschwinden.

Vor allem nach einer Verletzung oder nach einem Unfall ist ein Arzt aufzusuchen. Dabei kann ein Orthopäde oder ein Allgemeinarzt aufgesucht werden. Bei Notfällen oder starken Verletzungen sollten ein Notarzt gerufen oder direkt das Krankenhaus aufgesucht werden.

Behandlung & Therapie

Wie erfolgreich die Behandlung der Schultersteife ist, entscheidet sich in erster Linie nach der Ursache, die der Erkrankung zugrunde liegt. Das Therapieziel sollte immer das Erreichen eines schmerzfreien vollständigen Bewegungsspielraums der Schulter sein.

In leichten Fällen, beispielsweise auch nach einer Verletzung, helfen dabei krankengymnastische Übungen. Diese erweitern den Bewegungsspielraum nach und nach. Der Betroffene kann auch zuhause bestimmte Übungen durchführen und so zu seiner Heilung beitragen. Begleitend ist es möglich, entzündungshemmende Medikamente zu verabreichen. Die Gabe von Cortison hat bei vielen Patienten eine Verbesserung des Zustands zur Folge. Das Medikament kann dabei in Tablettenform oder auch als Injektion verabreicht werden.

Bleibt die Schultersteife hartnäckig erhalten, ist es unter Umständen notwendig, das Gelenk unter Narkose zu bewegen. Bei der sogenannten Narkosemobilisation wird der Patient narkotisiert und das Schultergelenk währenddessen über mehrere Minuten in alle Richtungen bewegt. In diesem Zug ist es auch möglich, mithilfe von arthroskopischen Werkzeugen in das Gelenk vorzudringen und so die entzündete Gelenkschleimhaut zu entfernen.

Diese Methode sorgt für eine Reduzierung der Schmerzen und kann durch eine anschließende Narkosemobilisation auch die Beweglichkeit der Schulter deutlich erhöhen. Welche Behandlungsmethode zum Einsatz kommt, hängt maßgeblich auch von der Ausprägung der Beschwerden ab.

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Vorbeugung

Der Schultersteife kann nur bedingt vorgebeugt werden, da sie in vielen Fällen spontan und ohne einen offensichtlichen Auslöser auftritt. Auch die sekundäre Schultersteife, die zwar eine eindeutige Ursache hat, kann schwer vermieden werden.

Es ist aber möglich, mit einem möglichst frühen Beginn geeigneter physiotherapeutischer Maßnahmen eine Verbesserung des Zustands zu erreichen und die Dauer des Frozen-Shoulder-Syndroms zu verringern.

Treten vermehrt Beschwerden wie eine steife Schulter oder Schmerzen beim Bewegen des Schultergelenks auf, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Dieser kann eine Diagnose erstellen und gegebenenfalls eine geeignete Therapie einleiten, was ein Fortschreiten der Erkrankung unter Umständen verhindern kann.

Nachsorge

Eine Nachbehandlung der Schultersteife ist erforderlich, wenn sie operativ behandelt werden muss, was zumeist durch eine Arthroskopie erfolgt. Dabei lässt sich der Patient circa fünf Tage unter stationären Bedingungen behandeln und erhält einen Schmerzkatheter, durch den fast schmerzfreie krankengymnastische Übungen ermöglicht werden.

Die physiotherapeutische Nachbehandlung der Frozen Shoulder beginnt direkt nach der Operation. Die frühe Therapie gilt als dringend notwendig. Es wird zuvor eine bedarfsgerechte Schmerztherapie vorgenommen. Außerdem führt der Patient unter der Anleitung eines Krankengymnasten sowohl aktive als auch passive Bewegungsübungen durch. Mithilfe einer motorisierten Bewegungsschiene lässt sich die betroffene Schulter drei Mal pro Tag für 30 Minuten bewegen.

In den meisten Fällen nimmt die stationäre Therapie fünf bis acht Tage in Anspruch. Um die Nachsorge kümmert sich anschließend ambulant ein Orthopäde. Insgesamt dauert die physiotherapeutische Behandlung, die nach einem festen Schema abläuft, ungefähr drei Monate. Die Arbeitsunfähigkeit des Patienten richtet sich nach seiner beruflichen Belastung. In der Regel liegt sie bei einem normalen Heilungsverlauf zwischen drei und sechs Wochen.

Die Nachbehandlung der Schultersteife gilt als arbeitsintensiv. So muss der Patient auch in den eigenen vier Wänden ein spezielles Heimprogramm absolvieren. Außerdem benötigt er viel Geduld. So kann es bis zu einem halben Jahr dauern, bis sich die behandelte Schulter wieder komplett und frei bewegen lässt.

Das können Sie selbst tun

Patienten, die an einer "frozen shoulder" leiden, brauchen vor allem Geduld. Sowohl der Schmerz als auch die Steifheit in der Schulter bilden sich in aller Regel von selbst zurück. Dass kann aber Monate dauern. Während dieser Zeit können die Patienten auch selbst dazu beitragen, dass sich ihr Leiden bessert.

Nach einer Sportverletzung oder einem Unfall sollte rechtzeitig mit einer Physiotherapie begonnen werden, damit es erst gar nicht zu einer steifen Schulter kommt. Auch bei einer sponatanen Schultersteife, bei der die Ursachen oft nicht bekannt sind, tragen krankengymnastische Übungen dazu bei, die Genesung deutlich zu beschleunigen. Anfangs ist es oft erforderlich, unmittelbar vor der physiotherapeutischen Sitzung Schmerzmittel einzunehmen, damit die Maßnahme für den Patienten erträglich bleibt. Bei leichten bis mittleren Schmerzen reichen meist rezeptfreie Medikamente aus der Apotheke. Diese kann ein Patient, nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt, auch Einnehmen, wenn ihn die Schmerzen, die oft in Ruhestellung besonders stark sind, am Schlafen hindern.

Darüber hinaus helfen auch Kompressen, wobei manche Patienten besser auf Wärme, andere besser auf Kälte ansprechen. Hier muss der Betroffene selbst herausfinden, welche Temperaturlage sich günstig auf ihn auswirkt. Bei Kältebehandlungen sollten die Kompressen oder der Eisbeutel immer nur für kurze Zeit, etwa 30 Sekunden bis eine Minute, aufgelegt werden. Oft führt das zu einem nahezu vollständigen Verschwinden der Schmerzen für mehrere Stunden.

Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

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