Spermiogramm
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 4. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
Sie sind hier: Startseite Behandlungen Spermiogramm
Das Spermiogramm ist die Untersuchung der männlichen Spermien mit dem Ziel, herauszufinden, ob diese dazu in der Lage sind, ohne Unterstützung von außen eine weibliche Eizelle zu befruchten. Spermiogramme stehen oft am Anfang einer Untersuchung des Mannes bei Problemen von Paaren, schwanger zu werden.
Inhaltsverzeichnis |
Was ist das Spermiogramm?
Spermiogramme sind oft die erste körperliche Untersuchung des Mannes, wenn ein Paar schwanger werden will und es bisher nicht geklappt hat. Es dient der Untersuchung der Spermienqualität und -menge. Die Spermien werden unter dem Mikroskop untersucht und es kann festgestellt werden, ob die Fruchtbarkeitsprobleme des Paares am Mann liegen.
Spermiogramme diagnostizieren somit eine der häufigsten Ursachen von Schwierigkeiten, schwanger zu werden. Beim Spermiogramm gibt der Mann eine Samenprobe ab, die anschließend im Labor unter dem Mikroskop analysiert wird. Hierbei wird unter anderem festgestellt, ob die Spermienmenge ausreichend ist und wie die Spermien beschaffen sind. Es wird ein Prozentwert ermittelt, wie viele Spermien bewegungsfähig sind und ob dieser Anteil ausreichend wäre zur Befruchtung einer Eizelle.
Außerdem kann bei der mikroskopischen Untersuchung des Spermas festgestellt werden, ob möglicherweise Deformationen der Spermien vorliegen, die sie bewegungsunfähig machen, sodass keine Befruchtung auf normalem Wege stattfinden könnte. Das Spermiogramm ist maßgeblich zur Entscheidung über eine künstliche Befruchtung.
Untersucht wird dabei nicht ein einzelner Wert, sondern eine ganze Reihe von Merkmalen. Erfasst werden zunächst die äußeren Eigenschaften der Probe: das Volumen des Ejakulats, seine Farbe, der Säuregrad und die Zeit, die vergeht, bis die zunächst zähe Flüssigkeit sich verflüssigt. Anschließend folgen die Merkmale der Samenzellen selbst. Bestimmt werden ihre Konzentration, also die Zahl der Samenzellen in einer festgelegten Menge Flüssigkeit, und daraus die Gesamtzahl im gesamten Ejakulat. Die Beweglichkeit wird nicht nur als Anteil beweglicher Zellen angegeben, sondern danach unterschieden, ob sich eine Zelle zielgerichtet vorwärts bewegt oder nur an Ort und Stelle. Die Form wird nach festen Kriterien für Kopf, Mittelstück und Schwanz beurteilt. Hinzu kommt die Vitalität, also der Anteil lebender Zellen, denn eine unbewegliche Samenzelle muss nicht zwangsläufig abgestorben sein. Auffällig viele weiße Blutkörperchen in der Probe weisen auf eine Entzündung der ableitenden Samenwege oder der Prostata hin und werden gesondert vermerkt.
Für die Befunde hat sich eine eigene Begrifflichkeit eingebürgert, die im Arztbrief häufig auftaucht. Liegen alle Werte im Bereich der Referenzwerte, spricht man von einer Normozoospermie. Eine zu geringe Zahl von Samenzellen wird als Oligozoospermie bezeichnet, eine zu geringe Beweglichkeit als Asthenozoospermie und ein zu hoher Anteil fehlgeformter Zellen als Teratozoospermie. Treten diese drei Auffälligkeiten gemeinsam auf, ist vom OAT-Syndrom die Rede, wobei die Buchstaben für die drei Begriffe stehen. Findet sich im Ejakulat überhaupt keine Samenzelle, handelt es sich um eine Azoospermie; fehlt umgekehrt das Ejakulat ganz, spricht man von einer Aspermie. Diese Bezeichnungen benennen einen Befund und keine Ursache. Sie sagen für sich genommen weder, warum ein Wert abweicht, noch, ob eine Zeugung ausgeschlossen ist; sie geben lediglich an, in welche Richtung weitergesucht werden muss.
Funktion, Wirkung & Ziele
Gleichzeitig zum Spermiogramm beim Mann muss auch die Frau untersucht werden, da Fruchtbarkeitsprobleme auf beiden Seiten liegen können. Beim Spermiogramm wird der Mann zunächst gebeten, eine Samenprobe abzugeben, die direkt in der Arztpraxis durch Masturbation gewonnen wird. Nach Absprache mit dem Labor kann die Probe auch zu Hause gewonnen werden, wenn sie körperwarm gehalten wird und innerhalb einer Stunde im Labor eintrifft. Vor der Abgabe sollten zwei bis sieben Tage ohne Samenerguss liegen, da sowohl eine zu kurze als auch eine zu lange Karenz das Ergebnis verfälscht. Untersucht wird im ersten Schritt die Menge der Spermien in der Samenflüssigkeit, da das Problem bereits darin begründet liegen kann, dass nicht genug Spermien in die Gebärmutter und Eileiter der Frau gelangen. Anschließend wird die Form der Spermazellen überprüft. Deformationen der einzelnen Spermien sind ebenfalls ein häufiger Grund für Probleme mit der Fruchtbarkeit.
Das Spermiogramm zeigt auf, ob und wie viele Spermien dadurch bewegungsunfähig und damit nicht in der Lage sind, die Eizelle zu befruchten. Auch andere wichtige Merkmale hinsichtlich der Form und Beschaffenheit der Spermien werden untersucht und bewertet, um festzustellen, ob die Fruchtbarkeit gewährleistet ist oder nicht. Weiterhin trifft das Spermiogramm eine Aussage darüber, wie viele Spermien im Ejakulat leben und damit befruchtungsfähig sind und ob Antikörper gegen Spermien gefunden werden konnten. Antikörper gegen die eigenen Samenzellen lassen diese verklumpen und beeinträchtigen ihre Beweglichkeit; sie sorgen dafür, dass der Mann zwar ein normales Sexleben führen kann, aber nur noch begrenzt fruchtbar ist. Da sich Antikörper gegen Spermatozoen nicht anderweitig bemerkbar machen, ist ein Spermiogramm die einzige Möglichkeit, diese festzustellen. Bewertet werden die Messwerte anhand der Referenzwerte des WHO-Laborhandbuchs, das zuletzt 2021 in sechster Auflage erschienen ist. Ein einzelner auffälliger Befund erlaubt noch keine Diagnose; er wird in der Regel nach einigen Wochen durch ein zweites Spermiogramm überprüft, da die Werte beim selben Mann stark schwanken können.
Ein weiteres Anwendungsgebiet des Spermiogramms ist die Nachuntersuchung nach einer Vasektomie, die die gewollte Sterilisation des Mannes zum Hintergrund hat. Nach erfolgreicher Vasektomie dürften keine Spermien mehr im Ejakulat enthalten sein. Nur dann ist Geschlechtsverkehr ohne weiteren Empfängnisschutz wirklich sicher. Bei Vasektomien des Mannes kann es durchaus vorkommen, dass doch noch eine eingeschränkte Fruchtbarkeit vorhanden ist, selbst nach dem Eingriff. Erst wenn ein Spermiogramm einige Monate nach der Vasektomie keine beweglichen Spermien mehr zeigt, gilt der Eingriff als erfolgreich; üblich sind dafür zwei aufeinanderfolgende unauffällige Befunde.
Damit ein Ergebnis überhaupt aussagekräftig ist, kommt es auf die Umstände der Probengewinnung an. Die Probe wird in ein steriles, vom Labor ausgegebenes Gefäß abgegeben und sollte vollständig aufgefangen werden, denn der erste Teil des Ejakulats enthält die meisten Samenzellen; geht er verloren, fällt der Befund schlechter aus, als er tatsächlich ist. Handelsübliche Kondome sind zur Gewinnung ungeeignet, weil sie samenschädigende Zusätze enthalten, und auch Gleitmittel und Speichel können die Beweglichkeit beeinträchtigen. Die Zeit zwischen Abgabe und Untersuchung sowie die Temperatur der Probe sind ebenfalls von Bedeutung, was der Grund für die Absprache mit dem Labor ist. In vielen Praxen und Kinderwunschzentren steht dafür ein eigener Raum zur Verfügung. Wer die Probe zu Hause gewinnt, sollte den Zeitpunkt der Gewinnung notieren und ihn dem Labor mitteilen.
Ein auffälliger Befund ist der Anfang der Suche und nicht ihr Ende. Zuständig ist dafür die Andrologie, ein Teilgebiet, das vor allem in der Urologie und in der Hautheilkunde angesiedelt ist. Zur weiteren Abklärung gehören eine körperliche Untersuchung der Hoden und Nebenhoden, eine Ultraschalluntersuchung sowie die Bestimmung von Hormonen im Blut, unter anderem von Testosteron und den beiden Steuerhormonen der Hirnanhangsdrüse. Aus dem Zusammenspiel dieser Befunde lässt sich meist ableiten, ob die Samenzellbildung im Hoden selbst gestört ist oder ob die gebildeten Zellen den Weg nach außen nicht finden. Bei sehr geringer Samenzellzahl oder fehlenden Samenzellen kommt eine genetische Untersuchung hinzu, weil in einem Teil dieser Fälle eine Veränderung der Chromosomen zugrunde liegt. Weisen weiße Blutkörperchen auf eine Entzündung hin, wird eine Untersuchung auf Erreger angeschlossen.
Die Ursachen einer eingeschränkten Samenqualität sind vielfältig. Häufig findet sich eine Varikozele, also eine Erweiterung der Venen am Hoden, oder ein in der Kindheit unbehandelter Hodenhochstand. Infektionen können die Samenwege schädigen, etwa eine Mumpserkrankung nach der Pubertät oder eine unerkannte Infektion mit Chlamydien. Hinzu kommen Voroperationen im Bereich der Leiste, Verletzungen und Verschlüsse der Samenleiter. Auch allgemeine Einflüsse spielen eine Rolle: Rauchen, starker Alkoholkonsum, deutliches Übergewicht, anhaltende Wärmeeinwirkung auf die Hoden sowie die Einnahme von Anabolika, die die körpereigene Hormonsteuerung unterdrücken. Eine Chemotherapie oder Bestrahlung kann die Samenzellbildung dauerhaft beeinträchtigen; deshalb wird jungen Männern vor einer solchen Behandlung angeboten, vorab eine Probe einfrieren zu lassen. Selbst ein hohes Fieber beeinflusst das Ergebnis noch Wochen später, weil die Reifung einer Samenzelle einen Zeitraum von etwa drei Monaten umfasst. Aus demselben Grund zeigen sich Verbesserungen der Lebensführung erst nach längerer Zeit im Befund.
Welche Konsequenz sich aus dem Befund ergibt, hängt vom Ausmaß der Einschränkung ab und wird gemeinsam mit dem Paar besprochen. Sind die Werte nur leicht auffällig, kann zunächst der Zeitpunkt des Verkehrs gezielt gewählt oder eine ursächliche Behandlung versucht werden. Bei stärkerer Einschränkung stehen Verfahren der assistierten Reproduktion zur Verfügung. Reichen die aufbereiteten Samenzellen aus, kommt eine Übertragung in die Gebärmutter in Betracht; bei deutlich eingeschränkter Zahl oder Beweglichkeit die In-vitro-Fertilisation, bei der Eizellen und Samenzellen im Labor zusammengebracht werden. Sind nur sehr wenige Samenzellen vorhanden, wird eine einzelne Zelle unmittelbar in die Eizelle eingebracht. Auch eine Azoospermie bedeutet nicht zwangsläufig, dass eine leibliche Vaterschaft ausgeschlossen ist, denn in einem Teil der Fälle lassen sich Samenzellen operativ aus dem Hodengewebe gewinnen. Das Spermiogramm entscheidet damit nicht nur darüber, ob eine Behandlung nötig ist, sondern auch darüber, welche.
Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren
Die Anfertigung eines Spermiogramms kann jedoch die Erkenntnis zutage fördern, dass die Unfruchtbarkeit eines Paares am Mann liegt. Damit haben viele betroffene Männer psychische Probleme, da sie sich auch über ihre Fähigkeit definieren, der Partnerin den Kinderwunsch zu erfüllen. In guten Fruchtbarkeitszentren wird bei der Erstellung des Spermiogramms vorsorglich darauf hingewiesen, dass das Ergebnis auch negativ ausfallen kann, damit die Männer darauf vorbereitet werden.
Wenn nach einem unerfreulichen Ergebnis des Spermiogramms tatsächlich trübe Stimmung aufkommt, ist es deswegen nicht verkehrt, eine psychologische Beratung aufzusuchen. Diese kann mögliche depressive Verstimmungen durch ein unerfreuliches Ergebnis des Spermiogramms rechtzeitig erkennen und verhindern, bevor sie sich zu einem tatsächlichen psychischen Problem entwickeln.
Spermiogramme können positiverweise auch den Anlass zur künstlichen Befruchtung liefern. Zur Kostenübernahme durch die Krankenkasse oder zur eigenen Bestätigung, dass eine Schwangerschaft anders nicht möglich ist, sind sie notwendig. Weiß das Paar, dass eine Schwangerschaft aufgrund der Spermienqualität des Mannes unwahrscheinlich ist, kann es sich für die künstliche Befruchtung entscheiden. Diese Methode ist inzwischen sehr weit ausgereift und hat schon vielen Paaren mit ähnlichen Problemen zum Wunschkind verholfen. Die Erkenntnisse des Spermiogramms geben Aufschluss darüber, wie sie am besten durchgeführt wird, da das Problem durch sie genau bekannt wird.
Die eigentliche Schwierigkeit liegt damit nicht in der Untersuchung selbst, sondern in der Deutung ihres Ergebnisses. Die Werte eines gesunden Mannes schwanken von Probe zu Probe erheblich, und schon eine fieberhafte Erkrankung, eine belastende Lebensphase oder eine ungewöhnlich kurze oder lange Karenz vor der Abgabe verschiebt den Befund. Ein einzelnes auffälliges Ergebnis ist deshalb kein Urteil über die Zeugungsfähigkeit, sondern ein Anlass zur Wiederholung. Ebenso wenig bedeutet ein unauffälliges Spermiogramm, dass eine Zeugung sicher gelingt: Die Untersuchung beurteilt Zahl, Beweglichkeit und Form der Samenzellen, sie prüft aber nicht, ob eine Zelle die Eizelle tatsächlich befruchten kann. Auch das Erbgut im Zellkern wird bei der üblichen Untersuchung nicht beurteilt. Aus diesem Grund bleibt ein Teil der ungewollt kinderlosen Paare trotz unauffälliger Befunde auf beiden Seiten ohne Erklärung.
Aus dieser Unsicherheit ergibt sich ein praktischer Rat für das Gespräch nach der Untersuchung. Sinnvoll ist es, sich den Befund erklären zu lassen und dabei ausdrücklich zu fragen, wie eindeutig er ist, ob eine Wiederholung angezeigt ist und welche weiteren Untersuchungen sich anschließen könnten. Ein Befund, der nur als Zahlenreihe ausgehändigt wird, lädt zu Fehlschlüssen ein, weil die Referenzwerte des Laborhandbuchs keine Grenze zwischen fruchtbar und unfruchtbar markieren; sie beschreiben, wo die Werte einer großen Gruppe von Männern lagen, deren Partnerinnen innerhalb eines Jahres schwanger wurden. Ein Wert knapp darunter schließt eine Zeugung nicht aus, ein Wert darüber garantiert sie nicht.
Die diagnostischen Untersuchungen bei unerfülltem Kinderwunsch, zu denen das Spermiogramm gehört, werden bei ärztlicher Veranlassung in der Regel von der gesetzlichen Krankenversicherung getragen. Für die anschließende Kinderwunschbehandlung gelten dagegen eigene Regelungen, die an Bedingungen geknüpft sind und eine Beteiligung an den Kosten vorsehen; hinzu kommen Förderprogramme einzelner Bundesländer. Da sich diese Regelungen unterscheiden und sich ändern können, empfiehlt sich eine Nachfrage bei der eigenen Kasse, bevor eine Behandlung begonnen wird. Für die Nachkontrolle nach einer Vasektomie und für ein Spermiogramm ohne medizinischen Anlass gilt das nicht; diese Leistungen sind üblicherweise selbst zu tragen.
Quellen
- Nieschlag, E. (Hrsg.): Andrologie.
ISBN: 9783662619001
- Diedrich, K., Ludwig, M., Griesinger, G. (Hrsg.): Reproduktionsmedizin.
ISBN: 9783662576359
- Michel, M. S., Thüroff, J. W. (Hrsg.): Die Urologie.
ISBN: 9783662634011
- Schmelz, H.-U., Sparwasser, C., Ruf, C., Nestler, T.: Facharztwissen Urologie.
ISBN: 9783662744864
- Niederau, C., Böhm, B. O. (Hrsg.): Klinikleitfaden Labordiagnostik.
ISBN: 9783437210945
